Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lladl Fulda.
slr. 244»
yeraniwoniiO; füi den ceöauioneUen Teü: Kart Schütte, u lut dir Anzeigen: 3. Parze i ler-Fulda. ~ Rotationsdruck u. Vertag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, i^erntprechei Nr. 9 lelegr.-Adreile: Fuldaer Zeitung
Mittwoch, 20. Oktober »920.
Bezugspreis: Monatlich Ml. ohne ZuiteUgeouhr. jn yuiOu bei uns adgeholl 3,15 Utt. Llazeigenprets. Die St i e i n ze ite (Soioneimaö) 60 P|g, u. 10°ie Zujchtag, die Retiamezeiie (Textvreitei 1.80 Älk^ u. 10% Zchchtag. Bei Wiederhol. Raball.
47. Zahrg.
Zwischen Rußland und Frankreich.
5n Halle ging es recht international zu: die Ruf. feit und Franzosen führten das große Wort auf hem.deutschen" Parteitag, und uitsere „unabhängigen" ßanteleutc bildeten den lärmenden Chor für die aus- Mdiichen Heldendarsteller.
Das ist die Einleitung zu einem neuen Kampf «Mischen Rußlandund den We st machten, fct vorläufig noch unblutig aussieht, ober leicht in einen ^kheerenden Waffenkrieg ausarien kann.
Man sicht daraus, daß Deutschland immer noch tz, der Mille sitzt zwischen zwei starken und gefährlichen jtodbtarn.
Auf deutschem Boden sind schon öfter weltpolitische Lamps« ausgetragen worden, bei denen unsere Vorfahren der leidende Teil waren. Dor hundert Jahren mußten sie schwer leiden an Gut und Blut unter dem Lamps des stanzösischen Eroberers Napoleon gegen den russischen Koloß. Test der Begründung des deutschen Leiches standen wir unter der Gefahr eines französisch, russischen Bündnisses, das wie ein Gegenspiel zu der Lslkerollianz zu Napoleons Zellen aussah, aber das Deutschland doch mll feindlichem Uederfall und Blut- tad bedrohte Nach dem Willen der verbündeten Nei- ha und Hasser sollte Deutschland zum Schauplatz des «michtttztden Krieges werden. In dem jüngsten Welt- kneg ist es nun freilich gelungen, die deutschen Lande fa auf ein Stück von Ostpreußen und einen Zipfel von Lberelsaß von den feindlichen Truppen freizuhallen; ibn unsere Niederlage war doch vollständig, und der sogen .Friedcnsoertrag von Versailles hat uns unsägliche Kasten und Leiden auferlegt.
Rußland ist nun bolschewistisch geworden und steht »ieder in scharfem Gegensatz zu Frankreich und seinen Berbünbeten. Leider ist Rußland nicht friedliebend geworden, sondern gehl auf die Weltreoolution aus, gegen die sich di« Westmächte wehren. Deutschland sieht wieder zwischen diesen Ringkämpfern. Wenn di« Doekowitcr di« Welt noch ihren Ideen umftemp-ln vollen, dann müssen sie .zunächst in Deutschland festen Foß fasten. Sie hoben es auch an Geld, Brandschriften und Agitatoren nicht fehlen lasten. Das Fischnetz der dritten Smernationcte, das man In Mooskau fabri- jiert hat. soll in erster Linie die deutschen Radikalen einfangen, um sic zu willenlosem Werkzeuge der rufsi- jdjen Welteroberer zu machen. Auf dem Parteitag in Hall; traten di« russischen Sendlinge mll einer Rücksichtslosigkeit auf, als ob sie nicht (Säfte, sondern Herren im deutschen Haufe wären.
In der richtigen Erkenntnis, daß die Bolschewisten Deutschland als Aufmarschterrain gegen den Westen benutzen wollten, hatten die Franzosen auch einen Wortführer nach Holle entsendet, und wenn wir auch non der Haltung der französischen Sozialisten während kt Schicksalsjahre keineswegs entzückt sind, muffen wir doch zugestehen, daß Herr ßonguä von seinem Standpunkt aus vernünftig redete, als er die Moskauer Matur brandmarkte, die Selbständigkeit der Völker eerteibigte und statt der angeblichen russischen Internatio- ■ale, die wirkliche Internationale forderte.
Deutschlaich ist nun vorläufig der Schauplatz von internationalen Wortkämpfen geworden. Ob es ton den Wortgefechten zu Waffengängen kommt, hängt eb von der weiteren Haltung der Wählermassen. Sollte die russische Knute und ihr Büttel Adolf Hoffmann durch Agitation und Terror zur Macht in Deutschland gelangen, dann müßten wir jeden Augenblick darauf gefaßt sein, daß von Moskau aus Deutschland gut Auflehnung und zum Kampf gegen die Westmäch 1 e kommandiert würde, und daß andererseits die Sieger zu neuen Gewaltmaßregeln gegen das bolschewistische Deutschland schreiten würden. Der hätte dann die Lasten und Leiben des Kampfes vn die Weltreoolution zu tragen?
Das zwifchenliegenbe Deutschland, das arme deutsche Volk!
Aus der geschichtlichen Entwicklung, die wiederum Mll der geographischen Lage Deutschlands zusammenhängt, wird es wohl zu erklären fein, daß ein beträchtlicher Teil der Deutschen an nationalem Ehr- und Pflichtgefühl Einbuße erlitten hat. Die russischen Welt
revolutionäre denken und handeln durchaus russisch; die französischen Sozialisten bewahren ihr nationales Selbstbewußtsein. vielfach sogar über die berechtigten Grenzen hinaus. In Deutschland aber finden die Ausländer geduldige Zuhörer und dienstwillige Trabanten, wenn sie bei uns zu Lande das große Wort führen und ihreeigenenInteressenunter „internationalen" Lchlagworttn verfechten.
Die Partei Eichhorn.
Während in Berlin die „Freiheit" und bas Parteibüro der Unabhängigen bant der sorgfältigen Bewachung durch Anhänger des rechten Flügels von den Moskau-Anhängern noch nickst „erobert“ werden tonn» kn, haben sich die Radikalen wie in Halle, so auch in Hannover mit Gewalt in den Besitz der Genoss en- Woftsbrurferei „Dolksrecht“ gesetzt und die Ausgabe der bereits gedruckten Zeitung verhindert.
Der Name Partei Eichhorn, der dem russischen Flü- vck der ehemaligen Reichstagsfraktion der Unabhängigen gegeben wurde, ist nunmehr auch von ihr jelbst über- ®>mmen worden. Die Moskau-Anhänger im Reichstag *tmen sich „Unabhängige Sozialdemokratische Fraktion, kektton Eichhorn“.
Die Aufnahme des Namens des ehemaligen Ser- «ner Polizeipräsidenten in die Fraktionsbezeichnung ge- fchah offenbar, um mit diesem Namen den Gnst zu ^nnzeichnen, der in der neukommunistischen Partei zu Hsluse sein wird. Eichhorn, der in gefährlichen Tagen Rin verantwortungsvolles Amt dazu mißbraucht hat, daß er, statt für Ruhe zu sorgen, Putsche onzctttlte und °is den amtlichen Beständen Waffen an die Putschisten gbgob, paßt durchaus zu dem Bilde, das Sinowjew in Holle von der bolschewistischen Politik in Rußland entworfen hat. Im Vergleich zu Sinowjew bleibt er zwar stümperhafter Anfänger. AbLr was Eichhorn ver
mag, wird er tun, um dem größeren Vorbild nachzueifern.
Aufenthaltsverlängerung der «usgewieseuen.
Die ausgewiesenen Sowjetvertreter haben es erreich, daß ihr Aufemhatt bis zum Abgang des nächsten, für ihre Rückfahrt in Betracht kommenden Dampfers verlängert worben ist, nämlich bis zum 23. d. Mts. Sie stehen aber bis dahin unter polizeilicher Ucberwach. u n g und jede polnische Tätigkeit ist ihnen untersagt.
•
Sinomsero befindet sich einstweilen in Bersin in einem Hotel in der Dorotheenstraße. wo er sehr viele Be- sucher empfängt, lieber sein und feines Genossen Losowskis ’2lufire.en in Halle wird uns von einem Besucher des Parteitages der U. S. P. geschnoben: Man muß selbst. Zeuge des Auftretens dieser beiden bolschewistischen Agenten in Halle gewesen sein, um sich einen Begriff und eine Vorstellung von ihrer Werbearbeit zu machen. Sinow- sews Rede war, orretorisch betrachtet, ein Meisterstück. Wie dieser Mann die Masten zu fesseln. wie er sie unter gleißnerischen Redensarten für die größten Schön-lichtesten und Gemeinheiten, für die Anwendung von Gewallmitlel, insbesondere des Terrors, zu demeiftern verstand, wie er, einer der blutrünstigsten Machthaber des Sowjetruß« land, von besten fwnöen das Bim trieft, sich als Kommandeur der deutschen Arbeüerschast ausspielte, wie er alle diesenigen, die nicht unbedingt mit ihm und seinen An- schauungen übereinstimmen wollten, förmlich niedertrat, wie er die seitherige „Gutmlltigkest“ der beut|d)en Rom» munitten verhöhnte und verspottete, rote er dazu ausforderte, rücksichtslose Gewalt und, wenn es sein muß, auch den blutigsten Terror nicht nur gegen unbequeme Elemente, sondern auch gegen Frauen, Eltern, Geschwistern und Rin- bern anzuwenden, und wie ihm Masten deutscher Arbeiter für diese Lehren und Ermahnungen einen geradezu verzückten Beifall Natschten. und wie deutsche Frauen in geradezu wahnsinniger Hysterie sich an diesen Kundgebungen beteiligten, das alles muß man selber an Ort und Stelle mit erlebt haben, um zu begreifen, welch furch Irr- siche Gefahr die Werbearbeit eines solchen Mannes ist. Sinowiew mußte sich als „Bluthund“, als „Mastm- mörber“, als „Verbrecher“, als „Schwindler“, als „Verräter“ und dergleichen bezeichnen lasten, er nahm alles mit einem stets gleichbleibenden höhnischen Lächeln und Grinsen entgegen. Als dann der Führer der russischen Menschewiki Martow austrat .konnte man sich schon aus dem Aeußeren dieser beiden Persönlichkeiten ein Bild Rußlands machen. Sinorojero, ein dicker, feister, kugelrunder Mensch mit hängenden Backen und dick ausgelaufenen Augen — und Martow, ein spindeldürres, schwäch- tiges, einem Skelett gleichendes Männlein, ausgehungert und ausgemeraelt, ein Gesicht, das saft nur aus Falten besteht, die Gestatt gebückt und die Stimme, selbst für den Nöchststehenden, kaum hvrdarl Martow war noch vor einigen Jahren ein sehr kräftiger Mann, ein nie ermüdender, fortreißender Redner, aber die Bolschewisten sorgen durch die edle Methode der Nahrungsentziehung dafür, daß ihre Gegner magerer werden.
Und banh Losowski! Ein brutaler Draufgängers Die Anmaßung in Person! Was dieser Mann an Huf- reizungen, an bewußten Beschimpfungen der deutschen Gewerkschaftler leistete, mußten m der Tat sogar denjenigen bis aufs Blut reizen, der diesen Dingen an sich innerlich fern steht. Losowski konnte es wagen, als Gast in einer Versammlung von Vertretern ein« Partei, die immerhin bisher mehrere Millionen Arbeit« binter sich hatte, nicht nur diese in der Partei zusammengeschlossenen Arbeiter, solchem auch etwa 20 Millionen Gewerkschaftler auf bas niedrigste zu beschimpfen. Das erklärt auch die furchtbaren Tumultszenen, die g«ade wegen Losowskis Rede entstanden, und die ja mich einmal zur völligen Sprengung der Verhandlungen führten. Losowski wellt als Führer der bolschewistischen Gewerkschastsdelegierten st» Deutsch- tanb. Er ist schon auf dem Betriebsrätekongreß 'm Berlin ausgetreten, und hat auch dort bei einem Teile d« Besucher durch seine Ausführungen und Schuhriegeleien stärkste Entrüstung hervorgerufen. Die Gewerkschasts- delegation unter Führung Losowskis war es auch, welche durch ihre Agitation den Strett ht die Reihen der Unabhängigen hineinbrachten, und vielen Orts d» Delegiertenwahlen zu Gunsten von moskowitischen Vertretern be» einsiußten. Der Tätigtest Losowskis ist ht aller erst« Linie die Zusammensetzung des Halleschen Parteitages und damit die dortige Entwicklung btr Dinge, die »ir Spaltung der U. S. P. führten, zuzuschreiben.
Bildung ist für Revolutionäre unerwünscht.
5n ehret großen Versammlung der kommunistischen Partei, die am Sonntag in der „Reuen Welt“ in Berlin stattsand, betonte der Hauptredner, Dr. Emst Meyer, der an Stelle des heiser gewordenen mssischen Kommu- nistenführers Sinowjew (Apfelbaum) das Wort erhielt: Den mssischen Arbeitern (d. h. Revolutionären) fehl« es vielleicht an Bildung, „aber ich wünschte, die deutschen Arbeiter hätten etwas wenigerdeutscheSchul- b i l d u n g, aber dafür mehr revolutionäre Energie“.- ' Don seinem Standpunkt aus hat der Mann ia recht. Die verwünschte deutsche SckMbilduttg bringt die Arbeiter zum Denken, zum Nachdenken wohl 8«r auch über die revolutionären Phrasen. Und das ist gefährlich für die Stellung der Revolufionsführer, denn schließlich muß der denkende Arbeiter «kennen, daß ihn die Apfelbaum, Meyer und Genosien an der Nase herumführen. Deshalb fort mit der fluchwürdigen deutschen Schulbildung! Setzt an Ihre Stelle die „revolutionäre Energie“, die plumpe Zerstörungswut; dann ist das Ziel der Drahtzieher erreicht.
Der Kampf ttm Genf.
Dem Rätselraten, ob die Konferenz in Genf, in der die Höhe der deut'chen Schadenersatzsumme unter Beteiligung der Vertreter Deut chlands festgesetzt werden soff, stattfindet oder nicht, wird nunmehr durch eine Erklärung des englischen BureauS Reuter ein Ende gemacht, in der ti beißt, die französische, die englische und die belgische Regierung feien einmütig der Meinung, daß eS wünschenswert ist, in Genf eine Konferenz abzuhalten, um mit den deutschen Delegierten über die Ent'chädignngen zu, beraten. Die drei Regierungen seien gegenwärtig mit Beratungen beschäftigt, 'die bezwecken, den genauen C harakter und die Obliegenheiten einer Vorkonferenz der Sachverständigen feftzuitellen, deren Notwendigkeit anerkannt worden ist. Diese „Vorkonferenz" soll in Brüsiel stattfinden und eS tollen daran auch der deutsche Finanzminister und die Mitglieder der WiedergutmachnnaSkommisiion teil- nehmen. Ferner verlautet, Lloyd George wolle auch
noch eine neue Konferenz der Miniuerpräsioenten einberufen, an der auch die von Deutschland, Oesterreich und Bulgarien teilnehmen sollen.
Inzwischen werden noch immer zwiichcu Paris und London Noten über die Notwendigkeit der Genfer Konferenz gewechselt, die »erraten, ein wie gezwungenes Ding die neuestens verkündete Einmütigkeit für Genf ist.
Der Kindermorv ver Entente.
Die Zvrberuutz von 810 000 Milchkühen.
Zu der neuesten Gewaltsorderung itnjerer Feinde auf Ablieferung von blü 000 Milchkühen, die den Raub der gesamten Kinoermiich Deuljchtands bedeuten würde, wird von z^sta.tdrger Stelle mityeteiU, duß dieses oru* late Verlangt» mu den uns im Deriailler Vertrag auf« erlegten Lieftrrmgen an Vieh, Pferden und anderen Tieren injosertt nichts gemein hat, als der neueste Vorstoß der Entente lediglich ein Werk der Wiedergut,i,a- chungskommission ist, die bereits im Mai mit bielem An« sinnen an die deutsche Regierung herangetreten ist. Schon damals ist der Entente gejagt worden, daß Deutschland gainichtinderLagesei, dir Liejr- rung von so uteirtr Milchvieh zu übernehmen. Darauf« hin ruhte die Cache, bis sie vor kurzem von der Entente wieder ausgenommen wurde. Die demsche Regierung wird jetzt austührück zu den Forderungen Stettung nehmen, und dos Wiederausbaunnuisterium wird der Entente in einer Denkschrift aussührlich klar legen, daß für Deutschland die Erfüllung der Forderungen, soweit die Milchkühe in Bcirocht kommen, vollständig unmog- wöglich ist.
Hoffentlich wird di» Regierung diesen Standpunkt mit aller Scharfe vertreten. Das ganze Volk wird und muß ihr hierbei einmütig zur Seite stehen. Die ganze Grausamkeit der Forderung kann man erkennen, wenn man den Diehl-estond Deutschlands und Frankreichs vergleicht. Frankreich hat bei einer Bevölkerung von 40 Millionen 12 Millionen Rinder, Deutschland müßte bei 60 Millionen Einwohnern entsprechend 18 Millionen Rinder Haden, es hat nur noch 10 Millionen, die dazu schlecht genährt sind. Don diesen 10 Millionen soll es noch den zehnten Teil, und zwar die besten, abgeben. In Frankreich kann jeder Erwachsene Mitch, Sahne, Butter haben so viel er will, in Deutschland bekommen nur di« Kinder bis zum 6. Lebensjahr das allernotwendigst? Minimum an Milch. Alle Kinder über 6 Jahre und Erwachse!« erhalten dagegen nur in schwersten Krankheitsfällen unter großen Schwierigkeiten ganz geringe Quantitäten Milch.
Diese Tatsache», zeigen die ganze Grausamkeit der Ententeforderimg, für die immer noch das Wort Clemen« ceaus gilt: „Sie (die Deutschen) haben 20 Millionen Menschen zumel“.
Schweden« Sinderhfife.
In aitptnebmen Gegensatz zu dieser Meldung steht folgende Mitteilung, die Prinz Karl von Schweden in einer Dorflandssitzung des schwedischen Roten Kreuzes mochte:
In Deutschland soll auf Vorschlag beS schwedischen Gesandten in Berlin, Arhr. v. Essen, daS Schloß „Sonnenbeim* in Thüringen gekauft und als Kinder- beim einerichtck werden. Die Kaufsumme bcttäot 500000 Mark und für Reparaturen sind etwa 100000 Mark erforderlich. Das Schloß eignet sich sehr gut aiS Pfleaeanstalt für skrophulöse und tuberkulöse Kinder. 30 000 schwedische Kronen sollen «IS Zuschüsse an gewisse deutsche Wohifabrtseinrichtungen zwecks Einkauf von Lebensmitteln und Unterstützung von notleidenden Kriegerfamilien und Kriegerwitwen verwendet werden.
Kärnten.
In der ersten Zone des Abstimmungsgebietes herrscht gegenwärtig Ruhe. Die Südslowen scheinen sich, dem Druck der Entente nachgebend, auS der Zone zurückziehen zu wollen; sie sind überall beim Räumen. Die landfremden Lehrer und Lehrerinnen samt ihren Familien haben sich bereits auS dem Staube gemacht ober sind im Abzüge begriffen. Auch die Babnhöfe und Wachthäuser werden vom jüdftawischen Personal in aller Hast geräumt Wie die Südslawen eS schon während der" BesatzungSzeit gemacht haben, nehmen sie an einzelnen Orten allein it, was nicht niet- und nagelfest ist. Bahnanlagen, Telephon- und Telegrapheneinrichtungen werden weggeschleppt. Wertvolle-, kaum ersetzbare- Material geht damit dem Land« verloren. Troy der Anordnungen der interalliierten Kommission, daß nichlS Derartige- mitgenommen werden dürfe, geht die Ausplünderung der ersten Zone weiter. Au» einer Fachschule in Ferlach sind alle Geräte toegge- schlepp', sogar die Fensterflügel auSgehoben worden, aus der dem Deutsch-Oefttrreichischen Alpenverein gehörigen Klagenfurter Hütte in den Äaiatvanren sind alle alpinen Gegenstände weggenommen worden.
Line Auslleserungsnot« an Bulgarien.
Die Vertreter der (Entente haben der bulgarischen Regierung ein» Rote überreicht, in der sie di« Auslieferung von 507 Militär» und Zivilpersonen verlan« gen. Auf der List« befinbtn sich u a. der gewesen« König Ferdinand und fein Ministerpräsidenl Rados» l a ro o ro, die sich beide gegenwärtig in Deutschland aufhalten, sowie der ehemalige Generalissimus 3 e t c ro.
Aus dem besetzten Gebiet.
Gespenstersehcrei. 3n drei Mainzer Schulen erschien französische Kriminalpolizei und Gendarmerie tmb be. haupiele, daß in den Kellern der Gebäude Lager von Waffen und Munition sich befänden. Maschinengewehre seien hinter einer besonders gezogenen Mauer versteckt. Die bis ins kleinste durchgesührt« Untersuchung, bei der sogar Wände eingerissen wurden, hat natürlich di« Halt« losigket! der Behauptung erwiesen. Richt das geringste war vorhanden.
Noch ein französifcher Flugplatz. In Sobernheim (Nahetal) beanspruchen die Franzosen 120 Morgen be- ften Kulturlandes für einen weiteren Flugplatz. Di« Besitzer des Landes sind meist Kleinbürger. Gegen- schritte waren bisher erfolglos
Deutscher Reichstag.
Nach mehrmvnatlicher Sommerpause trat am Dienstag der Reichstag wieder zusammen. Zunächst begrüßt« Präsident tobe die Anwesenden und führte aus: Während dieser Pause hat ein Teil des Londes schwere Prü- ungen durchzemacht. Unsere oberschlesischrn Volksgenossen haben wochenlang unter schweren Bedrohungen und Ausschreitungen gelitten. Wir spr«. chen die Hoffnung aus, daß sie diese Treue bewahren werden, bis zu dem Tage, an dem die Entscheidung fällt. (Lebh. Beifall.» Der Reichstag schließt sich dem Protest an, den die Regierung der deutschen Republik gegen di« Vergewaltigung von Eupen und M a 1 m e d y eingelegt hat. sBeifall). Mit Genugtuung blicken wir auf die Deutschen in Kärnten, die in diesen Tagen ein Zeugnis für ihr Volkstum abgelegt haben. (Lebh. Sei« fall.) ।
Abg. Ledebour (U. Soz.) beantragt im Namen der Unabhängigen Sozialdemokratie (Zuruf: Welche? — Heiterkeit.) sofortige ^Beratung eines Antrages, der sich ?egen die Ausweisung Sinowjews und LoIows- y s wendet. Wir sind, sagte er, grundsätzlich gegen Ausweisungen und gegen die Anwendung terroristisch«» Mittel (Schallende Heiterkeit.)
Da Widerspruch erfo-tzt, wird der Antrag von bei Tagesordnung adgesetzt. — Dann tritt das Haus in di« Besprechung einer Anzah, deiner Anfragen ein, von denen nicht weniger als 33 vorliegen.
Mittwoch: Antrag betr. Ausweisung von Sinowjew und Losowsky. Gesetzentwurf gegen Die Kapitalflucht.
Preußische Lanvesversammlung.
Rach zehntägiger Pause trat die preußische Landes- Versammlung am Dienstag erneut in ihre Beratungen «in. Nach Erledigung einer Anzahl.von kleinen Anfragen entspann sich eine längere Auseinandersetzung über den Gesetzentwurf zur Uebersührung der standesherr- lichen Bergregale an den Staat. Bon feilen des Zentrums sprach der Abg. Dr. Reineke, der die Frag« vom sochlich-iuristischen Standpunkt eingebend behandelt« und zu dem Schlüsse kam, daß das Zentrum die Ablösung der privaten Bergrechte zwar wünsche, aber entgegen dem Anträge der Sozialdemokraten diese Privatrechte nicht ohne Entschädigung beseitigt sehen wolle. Das Gesetz wird angenommen.
Das Haus vertagt sich, um m den nächsten Sitzungen in die Etatsberatungen emzutreten.
Deutsches tteich.
— Berlin, 20. Oft. Zu Ministerialräte» ernannt worden sind: der Oberforstmoister Wefener, bet Regierungs- und Dermessungsrat Kammer und der Regierungsrat Boddin aus dem preußischen Landwirt» schaftsmimsterium. — Nach dem Graudenzer „Geselligen“ sind nunmehr auch die Posener „Neuesten Nachrichten“ von den Polen aufgekauft worden. Pofen hat jetzt nur noch zwei deMsche Zeitungen: das Pofen« Tagblatt und die Posener Warle.
* (Eine deutsche Denkschrift über die oberschlesischen Vorgänge. Dem Reichstag ist eine Denkschrift über den oberschlesischen Aufstand vom August und Septemb« 1920 zugegangen. Sie schildert die geheimen polnischen Machenschaften, die polnifcke Kampforganisation, den Organisationsplan und den Aufstand, die Untätig- kett der Interalliierten Kommission und die Ausschaltung der Polizei, und zählt im einzelnen die verübten Verbrech«! auf sowie die Nachwirkungen des Aufstandes, unter denen das Land noch zu leiden hat, da» alles unter stetem Hinweis auf authentische Schriftstücke, die in einem glücklichen Augenblick einem polnischen Kurier abgenommen wurden. Die Denkschrift richtet sich an die breiteste Oeffentlichkeit, und es wär» zu wünschen, daß auch das Ausland sich mit ihr eingehend beschäftigte.
* Da? WahlprüfnngSgericht beim Reichstag. Im „ReichSanzeiger" wird jetzt die Wahlprüfungsordnung für das „WahlprüfungSgerich! beim Reichstag" gemäß Artikel 31 ttnö 165 der Reichsverfaffung veröffentlicht. Einer der Vorsitzenden muß Mitglied des Reichsgericht- sein. Das Gericht entscheidet in öffentlicher mündlicher Verhandlung über angefochtene Wahlen. Das Urteil wird mit feiner Verkündung reckttskräflU. Eine Wiederaufnahme de- Dev» fahrens ist ausgeschlossen.
(t) Die Hetze gegen Mtnisk« Dr. Hermes. Dr. La- Dalle, der mit der Geschäftigkeit, wie sie ausgeschiedene» Leuten mitunter eigen ist, gegen den Reichsministee Dr. Hermes arbeitet, hat wieder mal em Rundschreib« losgelassen. Was von den Behauptungen Dr. La- volles zu halten sst, das möchten wir an einem Beispiele aus diesem Rundschreiben hi« klar machen. Dr. Laoalle stellt es so dar, als ob im Reichsminlste« rnnn für Ernährung und Landwirtschaft das Zentrum in der Beamtenschaft vorherrsch«. CEe sogt. Dr. Hermes hab« nach außen hin den Gmnbsatz propagiert „dem Tüchtigen frei« Bohn“, immer ab« dafür gesorgt, daß Zentrumsleute sich nicht schlecht dabei ständen. Richt mehr die Sachlichkeit und Tüch- tiateit gebe den Ausschlag, sondern in erster Linie die Gesinnungslüchtiakeit, besonders die Zuaehöriakeit zum Zentrum. Weiter spricht er sogar von einer „erdrückenden Zentrumsmehrheit“ im Amte. Uni wie ist in Wirklichkeit das Zentrum im Reichsernäh» rungsministeriurn für Ernährung und Landwirtschaft vertreten? Der Staatssekretär nefjört nicht dem Zentrum an; von den 2 Ministerialdirektoren gehört ein« ber Zentrumspartei an; von 12 Ministerialräten einer, vielleicht 2; von 20 Oberregierungsräten und Regierungsräten gehören zwei dem Zentrum an. Ins- gefamt sind also unter den 36 höheren Beamten d« Reichsministniums für Ernährung und Landwirtschaft 5 Angehörig« des Zentrums. Da spricht Dr. Lavalle von einer „erdrückenden Mehrheit“ des Zentrums. Uns will scheinen, daß das Zentrum hier wie auch anderwärts eher Veranlassung hat, zu verlangen, daß «s btf-fer berücksichtigt wird, als es bisher geschehen ist. Man sieht aber aus diesen Dar- Rettungen, wie gegen den Reichsminister Dr. Hermes gearbeitet wird, und was die Behauptungen wert flick», bi« heute in di« Welt geworfen werden, um die Stellung de« Ministers zu erschüttern.
* (Eine Riese«knndgebung gegen die Einführung bei 1 weltlichen Schule sand am Sonntag in Berlin statt