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FuldaerZeitung

Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Lkadk Fulda.

47. Zahrg

Dienstag, )9. Oktober 1920

Nr. 243

tiejugs#iteis: liionuutd)3^W All. ognt juiteugeuuyi. jn ju.üu bei uns dbyeljoli 3,13 2ilL itnjeigenpre.s . DieK, ein zelle (Goioneimab) 6j p,g u. 10°, Zuichiag, die Vteliomezelle (Ie$ibteite) 1.80 2UL, u. 10'» Zuschlag. BeiIMeberboi.'.Rabatt.

4>eiüiuwuiiiid, iui Oen teOauioneUen Teil: Starl L-chütle, u jür die illn,geigen: I. Parz «ci«i»Fulda. - Roiailonsdruck u. Verlag der tfulöaei üldienönuterei tn Fulda itern|pred;er Nr. 9 Teiegt.»'2lbre e: Fuldaer Zelluna

Zur Spaltung der Unabhängigen.

Die durch die Annahme der Moskauer Bedingun­gen vollzogene Spaltung der U. S. P. Hal dem Som- Aunismus nach russischem Llluster in Deutschland «nen scheu Boden geschossen.

Der Einfluß der gewerbsmäßigen Weltrevoiutio- «äre von Lloskau wird also in Deutschland fortan nod) stärker werden als er bisher schon war. Diese Tatsache ist von außerordentlicher Bedeutung. Wir müssen uns klar darüber werden, daß wir nunmehr mitten im Lande eine festorganisierte Gruppe der bolschewistischen Internationale haben, Die ihre Weisungen von Moskau erhält.

Die polisischen Rückwirkungen auf das Parlament ©erben sich schon in den nächsten Tagen zeigen müssen. Im Reichstage wird zwar noch ein allerdings stark be- Eener Block der Unabhängigen vorhanden sein, von ihm wird aber der abgesplitterte kommu- «istische Teil sich brest machen. Richt zweifelhaft ist, wie die demnächstige unabhängige Partei im Reichstage sich politisch einstellen wird. An eine Ver­einigung mit der Mehrheitssozialdemo, kratie ist unter Leinen Umständen zu denken. Den Trennnungsstrich gegen die Rechtssozialisten zogen die Anhänger Moskaus mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit. Darum wird weniger mit einem Auf- gehen der Unabhängigen in der Mehrheitssozialdemo- tratie zu rechnen sein, als vielmehr mit einer An- päher-ung des linken Flügels der Mehr- heitssozialisten an die Unabhängigen. Diese Entwicklung ist um so wahrscheinlicher, als ein so einflußreicher rechtssozialistischer Führer, wie Schei­demann, der Förderer derartiger Bestrebungen ist, und als gerade Scheidemann bisher schon die Einigungs­taktik auch um den Preis großer Opfer und Zugeständ­nisse an die Unabhängigen betrieben hat.

Wir stehen also im Parteileben mitten in einer kom- munistischm D.mmeruna. Man darf darauf gespannt sein, wie die Kommunisten ihre politisch-parlamen­tarische Tätigkeit einrichten. Wenn sie wirklich geleh­rige Schüler Moskaus fein wollen, dann müßten sie jedes Mitarbeiten im Parlament ablehnen. Denn die Kommunisten stehen auf dem Standpunkt der Errichtung nicht einer parlamentarischen, sondern kommunistischen Sowjetrepublik, die tzre Erfolge wiederum nicht mit parlamentarischen, sondern mA außerparlamentarischen Mitteln sucht. Sie will ja durch Gewalt, Terror, Diktatur und Bürger- kriegüberzeugen".

Die Entwicklung auf Gründ von Halle ist ein furchtbarer Alarmruf an das Bürgertum. Begreift man nun bald den Ernst unserer Zeit und die Kröße der Gefahr, vor der wir stehen?

. Die Zahl der aus der unabhängigen Reichs- iagsfraktion ausaefchiedenen Mitglieder wird mit 22 angegeben. Die Sezefsioniften werden als ^Fraktion Eichhorn" bezeichnet.

In der a l t e n Fraktion werden ungefähr 65 Ab­geordnete verbleiben. Durch diese Aenderung m der Zusammensetzung der Fraktion wird auch im R e i ch s- tagspräsidium eine Aenderung eintreten müs­sen. Da die Unabhängigen jetzt nicht mehr die zweit­stärkste Partei sind, wird D i t t m a n n aus dem Reichstagspräsidium ausscheiden müssen und da­für ein Angehöriger der Deutschen Volkspartei zum 3. Vizepräsidenten gewählt werden.

Um das Erbe.

Im Kampf um Presse und Parteikasse der U. S. P. besetzten am Montag in Halle Anhänger des linken Flügels dasHallesche Volksblatt" und das Partei- lekretariat. Den auf dem rechten Flügel stehenden Redakteuren wurde der Zutritt verweigert, ebenso dem Parteisekretär Reiwandt. Die Stellen sind bereits durch Anhänger der Linken von auswärts und Halle besetzt. Die Kartothek und die Koste befinden sich in den Händen der Rechten, die sämtliche Türschlöster entfernten. In der Nacht zmn Sonntag haben auch in Berlin Anhänger der Moskauer Richtung den Der- M> gemacht, sich m den Besitz des Berliner Partei- büros zu setzen. Der Anschlag wurde jedoch vereitelt. *M) die Schriftleitung derFreihest" wird dauernd bewacht, da man mit einem Angriff auf das Blatt rechnet.

Die Ausweisung der russischen Hetzer.

An amtlicher Stelle wird bestätigt, daß das Preußi» Ministerium des Innern den beiden russischen Boi- chewisten Losowski und S i n o w i e w Auswei- ung-befehle zuaestellt hat. Die Ausweisung war durch «neu etnflimmigen Kabinettebeschluß der Reichs- tePierung gefordert worden.

Rach b-m Verhallen dieser bolschewistischen Agenten °uf dem Parteitag in Halle, wo besonders Sinowjew vnrerblümt m der fchlimrrst'n W-.ise zum Bürgerkrieg »t Deutschland hetzte und die Genosten aufiorderle, bei n kommenden Revolutionblutige Rache" an den »Unterdrückern" zu nehmen, ist tie'e Ausweisung mehr SlPT^^rtigt. Düse beidm Hetzer höben überhaupt ^cht ms Land hereingelasten werden dürfen und es ist trerc^livortlich von tir preußifi'en Remerung, daß

1 fremden Schädlingen Gelegenheit gewährte.- ?,lft baearti^sten W ife Deutsche gegeneinander zu Man stelle sich vor, die deutsche Regierung ure einm deutschen Minister oder hohen Staatsbe- CV.®n voch Rußland senden, lediglich, um dort ami- >-,ew stifche Propaganda zu tr iben. Der Monn ur&e gor nicht erst in das Land .'xrcinfoTmcn, "" boch. würde rr es nickst lebendig verladen.

tzs, Anlaß der Ausweisung Sinowjews erfährt man vu auch den wahren Romen di fes russischen Bolftze-

n: Paß Sinowjew nur ein Deckname ist. wußte ^1°n k°nge. man wußte aber nicht, daß dieser in sm°u?.e G?nins- wie jetzt amtlich sZt"rst:llt wurde. Wirklichkeit EsauHirschAronsohnApfel. r ; ln ^!ßt. Er ist seit lancen Jahren die rechte Hand , ns und fein Privats krelär und war mit ihm früher Di- ^saewiesener des Zarenreiches in der Schweiz. "°ch Rußh ^rben mit dem nächsten Dampfer

Der rollende Rubel.

In Berlin haben am Samstag 8 kommunistische 23er- fommlungen stallgesunden. In ihnen wurde mi geteckt. daß die Partei dank dem Verhalten des russische,! Pro- letarlcus über genügend finanzielle Mittel verfüge, um in der bevorstehenden Auseinandersetzung mit Bürgertum und Rechtsfozialisten den Kampf nicht wieder vorzeitig abbrechen zu muffen, wie es im Jo- nuar und März 1919 aue Geldmangel der Fall gerne-

Damit stimmt überein, was ein« Bertiner Korre­spondenz meldet, wonach Sinowjew in einer Bcfpre. chung im Berliner Roten Dollzugsrat un b e f ch r ä n t te Geldmittel für die Aufnahme des Entscheidunzs- kampfes in Deutschland zur Verfügung gestellt habe. Rach einem Bericht derPrawda" hat der russische Ge- werkschaflsvertreter Losowski 3 0 Millionen Z a- renrubel noch Deutschland mitgenommen zur wirt- schostlichen (I?) Unterstützung der notleidenden deutschen Arbeiterschaft.

Der Zweck, für den diese Zarenrubel in Wirklichkeit bestimmt sind, ist natürlich kein wirtschaftlicher. Au» den Mitteilungen russischer Flüchtlinge ist bekannt, daß der rustische Arbeiter selbst in größter und bit­te r ft er R o t kümmerlich sein Leben dahinfristet Wenn man in Rußland also Hilfsaktionen einleitet, dann sollte man zunächst im eigenen Lande zugreifen. Ader diese Millionen dienen ja rein politischen Zwe- cf en. Sie sind, wie Sinowjew zugibt, dazu bestimmt, dem Bolschewismus in Deutschland Die Lahn zu ebnen. ___

Neue Vervanvsforverunsten.

In diesen Tagen haben in Paris Verhandlungen begonnen, in denen über dieHolziieferungen mt die Entente auf Grund des Friedensoertrages beraten werden wird.

Nachdem bis ungcheuerüchen Kohlenforde- rungen der Alliierten unser Wirtschaftsleben nahezu lahmlexten, nachdem die Forderung nach der Zerstö­rung der Dieselmotoren, viele wichtige Industrien mit dem völligen Zusammenbruch und mit einer kata­strophalen Steigerung der Ardestslosigkeit bedroht, tarnt man den neuesten Erpressungen des Siegerbundes mit berechtigter Spannung entgegensetzen.

Inzwischen ist eine weitere unmenschliche Forderung bekannt geworden. Die Wiedergutmachungskommisflott der Entente hat bereits im Mai mit der Ueberreichung der Listen von Gegenständen begonnen, in denen bis in die kleinsten Einzelheiten aufgezählt wird, was alles Dort Deutschland ersetzt werden soll, weil es von deutschen Soldaten angeblich requiriert oder geraubt sein soll. Unter diesen Listen, die die Forderung auf Lieferung von Gegenständen von der Nadel bis zur fertigen Fabrikeinrichtung enthalten, befinden sich auch solche über Viehabli«ferung, wie sie auf dem sozialdemokratischen Parteitag mitgeteilt worden sind. Es ist bereits damals der Entente erklärt worden, daß es sich hier um phantastische Forderungen handle, die Deutschland nicht erfüllen könne. Die Forderung ist unabhängig von der ersten Diehlieferung, die im Früh- fahr tiefes Jahres erledigt wurde. Es handelte sich dabei um 140 000 Milchkühe im Alter von 2 bis 6 Jahren, 4000 Stiere, 40 000 Färsen, 700 Zuchthengste, 40 000 Stuten und Stutenfüllen, 1200 Schafböcke, 120 000 Schafe, 10 000 Zierten und 15 000 Mutter- schweine, die bis zum 10. April ausgeführt- wurden. Daß sie indes nur o(s Abschlagszahlung gedacht waren, ist leider bisher vollständig übersetzen worden, nunmehr kommt das ticke Ende und damit das furcht­bare Erwachen nach. Cb es her deutschen Re­gierung gelingt, die Franzosen und Belgier von der Ungeheuerlichkeit ihrer Forderungen zu überzeugen unb ihnen das Verständnis für die u n - absehbaren Folgen bckzubrmgen, sicht dahin. W i« h o ch diese Forderung eigerrilich ist, geht aus dem Vorwärts" hervor, der sie wie folgt beretünd: WO000 Stiere, 11150 Stück Rindvieh, 52 000 Zugochsen und 810 000 Kühe.

Zuverlässigen Mitteilungen zufolge Hai die Reichs­regirrung M der Wiedergutmachung? kommission E i n- f p r u ch eingelegt. Die Erfüllung dieser Forderung ist einfach immö-lich. Wenn mcm sich vergegenwärtigt, welch strenge Auelele die Abnahmekommission im Früh- fahr d. 3. gelegentk'ch der ersten Diehllefirung gehalten hat, so bedeutet die Forderung von Abgabe der 810 000 besten Michkühe Deutschlands, das sind etwa 10 Prz. des aefamren Diebst-mdes: die Ablieferuna aller guten Kühe aus Deutschland. Rehmen wir nun einen Durchschnitt non täalich 7 Litern an, so bedeutet das einen Ausfall in der deutschen^vroduktion von rimd 6 Millionen Ptem Milch. Das ist die g e f a m te Kindermilch Deutschlands.

Die 99-Iilen in Cesterre'ch.

Sieg der Chr'st'ich-Sgz'alen. -

Am (Sonnfan wöhsten die D st gleicher em? neue Naüonalncrfammlung, treI nur so eine Lösung der dortiacn Regierungskrise-'lich ist. D'e Wahlen brach­ten rintn Erfolg der Ehvstlichsoüaf-n. die nunmehr als die stärkste Partti in das Parlament einzfeben und eine empfindl-ck-e Schlappe der Sfinkd-mokraten. deren Regieruna^künsle das Land nun allmählich satt be­kommt. Ron den 175 Mandren find bis fr*f die Er- gebni^e für 141 Abgo-dn» Ansitz? bekannt. Di- Sotia!» demokraten verlieren 6 Mandat» bi? Großdeutschen verlieren 5 Mandat, die Christlich-Sozialen gewinnen 13 Mandate: 5 in Wien. 8 in den Provinzen. Die Sofialdcmokraten haben gcgmüber dem Vorfahre 88 000 Stimmen verloren, die tf'nftli*« foiic-len Stimmen sind um 68 030 gestehen. Wien ist minmehr rerfretcn durch 28 Soeialbemokrate" (bisher 32) durch 16 Cchr'stlichsoioie (b'kher 11). ►urd) 3 Großdeutst-e 'bi-her 2) und durch den Grasen Czernrn. Von dm b:5 j tz' befann'en 144 Mandaten verfügen tie Soziafden-okratm vb-r 55. tie Ebristlich'oüaleir über 73 b'? Groß^eirts^-en über 14. Bemerkenswert ist die Wabl des früheren öst'rreichischen Außenministers Era- fen Czernin. Dieser gründ te eine eirene ..bürger­liche Arbkitspartef", und er wurde als einziger Vertreter tiefer Partei gewählt. Der tschechische Abgeordn-1? für Wien ist nicht mehr gewählt worden, ebenso auch rricht

bet seitherige jüdisch-nationale Abg. Stricker. Der bis­her auch dem österreichischen ißarlanient an gehörende Gesandte in Berlin Prosesfor Dr. Ludo Hartmann ist durchgefallen, SämUiche Parteien hatten die Partei­führer an die ersten Stellen in ihren Wahlisten gefetzt. Es erfcheinen jonach alle bekaimten politischen Perfön- lichkriten der früheren Nationalversammlung größten­teils wieder gewählt. Eine vollständige Niederlage et» lUten tie Kommunisten, sie brachten in ganz Oesterreich nicht tie Stimmen auf, tie in einem einzigen Wahl­kreis sm ein Mandat erforderlich sind.

* Wien, 18. Okt. Das Wahlergebnis liegt nun­mehr vollständig vor. Es haben erhalten die Christlichsozialen 78 (bisher 63), die Sozialdemokraten 63, die Großdeulschen 18, die bürgerliche Arbeilspartei (Graf Czernin) 1 Stimme, die weiteren 15 Mandate werden auf tie Reststimmen aller drei Parteien cmge- rcckmet. Die Christlichsoziale besaßen bisher 63, die Sozialdemokraten 79, tie Großdeutschen 24 Mandate.

Das ziffernmäßige Derhällnis zwischen Christlich- Sozialen und Sozialdemokraten wird im Parlament künftig ungefähr das umgekehrte des bisherigen fein. Stall der Linken ist die Rechte m der Mehrheit, aber tie eine kann ohne die andere künftig so wenig wie bis­her tie Ctaatsgefchäfte allein erledigen. Die Erhaltung der Ruhe und Ordnung sowie der Fortgang der volks- wirtschaftlichen Genesung hängt wesentlich ab von der Bildung einer Koalition. Die Christüchsozialen verfügen trotz des Gewinnes von 13 Mandaten nicht über die parlamentarische Mehrheit und auch nicht über tie regierungsfähige Eigenkraft. Die Sozialisten müs­sen zur Mitarbeit herangezogen werden. Die Dinge liegen in tiefer Beziehung wie bei uns, wo die Abseits- stellung der Scheidemänner nur als ein Provisorium gelten tarnt und die Mitarbeit der gemäßigten Mehrheit der sozialistischen Dolksklasien zur Beruhigung der Be- vStkerung und zur Befestigung der Regierung dringend erwütifcht ist.

Der Riesenstrelk in England.

Der englische Bergarbeitecstreik, dessen AuSbruch wochenlang hingezozen worden ist, der in dieser Zeit aber auch um ]o gründlicher vorbereitet Wersen konnte, b»gmnt sich zu einem Mrtfchaflskawpf riesenhaften Umfange- auszuwachfen. Seit Sams­tag stehen alle Bergwerke sttll. Jn'oli,edessen muß­ten bereit? Ende voriger Woche zahlreiche Fabriken geschlossen werden, in den Häfen traten Siockungen ein, zahlN'iche^Mltipfer liegen fest. 250000 Metall­arbeiter in SüdwaleS Hoden sich dem Streik rnge schlossen. Die Zahl der Streikenden und infolge des Streiks Feiernden wird von den englischen Pläitem auf 2 Millionen geschätzt. Man glaubt heule nicht mehr, daß die anderen mächtigen Gewerk­schaften, die der Transpoclarbeiter und der Eiien- bahner, sich dem Streik anfchließen. Bon Seiten der Regieiung sind unter tailräftiger Unterstützung VeS Bürgertums umfangreiche und großzügige Abwehr­maßnahmen getroffen und vorbereitet.

Deutscher Reich.

* * Berlin, 18. Oft Der Reichskanzler hatte heute die Führer der parlamentarischen Parteien mit Aus­nahme der Unabhängigen zu sich geloben, um bas Pro­gramm der neuen Reichstagstagung und tie Lage zu besprechen. In dieser Woche sollen nur kleinere Angelegenheiten erledigt werden. Am Mitt- woch oder Donnerstag nächster Wock>e beginnt die große politische Aussprache. Der Reichsschatzminister Hal am 15. Oktober tie sofortige Entlassung des Dr. Franz M ü n tz e aus seiner Stellung als Leiter der staatlichen Feuerversicherungsstelle der großen Kriegs­gesellschaften verfügt. Der Betreffende hat in feiner amtlichen Stellung aus privater Gefchäftstäfigkeit eine Million Provision in 15 Monaten als Nebenver­dienst bezogen.

* 4 äs (Snbe bet Rheinfestungen. Die Entente- kommissionen erstatteten dem Bstschalterrat Bericht darüber, daß die deutschen reckitSebeini chen Feiiungen Idstein und Germersheim gemäß Friedensvertrag nunme r zernört und auch die 'jiifberlenung der banpt ächlichsten l>n'sr''em sck en Festlineen unter Aufsichr der aBiietien Kommtjsionen größtenteils beendet leL v

Anhand.

» Luxemburg. DaS Großhei'vlum Lnxem'urg trat am 16. Cf ober in tin inneren Po velkehr Frankreichs ein.

* General Leman, der Verteidi er von Lüttich, ist m t ch an einer Luugenent ünduug oe t» ben.

* * (Sin Cnrcr des Hunzeistreiks. Nach enter Metdnn i aus Cork ist ber e fte HnnZerstreitende Fr tz Gciald am Hungerlos gestorben. Er befand sich > ofi in Unte fuchimgshof.

Cst na Tie P k naer Regierung dementiert de Grüchle'von einer moliaichifti,cheu Umivä-zung in Cstwa.

(Sin rm r Irnisr' -jap nischcr Strcifoll. Nach einem MoWiue, Funksprnch lat sich Japan der Znfet Sachalin bemächtigt. Sachalin nörS hdi des japanischen In el e chs an der ost binden Küste, pel orte teils zu Iapn, ieils zu Rußländ. Japan baue vot einigen Monaien die g a n ze Znjet bcfetzk angeblich a s)iie für die Ermoiduiig jopanischer Unt rianen in Nikolajew k. Gegen die Be rtzung ei hoben die Bereinn ten Staaten P-oiest, der indessen in Tokio läng re Zeir linde, iickfichiigt blieb. Di-- Aninor-, die Japan ichließlich »-«eile, winde in Wr hin ton a s undesri digenb erft rt und es erfolgte eine zweite idiäiter oihal ene Nvie nah Tok o, die in Japan große Bib ttvruni en pte und e.ne parke Spannung zwi chen b.n beiden Ländern weckie. Wenn Japan jetzl aus der Be etzung Sacha- trns eine vollständige Be,itzergre>fung gemacht bat, o ist die e Aliion selmivei stündlich nur geeignet, die Lpaiiimn^ noch zuzu.p.tzcn.

Hus dem Nachbargediet.

k Neuhof (Kr. Fuldaü In ber Nacht zum Mon. taz wurde in bie hiesige Bahnhofswirtschaft etngebrochen. Große Mengen Zigarren, Ziga- teilen jowie Schnaps, Cognac u. bergt fielen de« Spitzbuben in tie Hände. Bis jetzt hat man noch feine Sput von den Dieben.

Aus ber Rhön. Wie mitgeteilt wird, ist di« kürzlich aufgtlegte 15 Millionen-Anleihe bei Ueberlanbmertes Rhön bereits unter gt- bracht. Es ist dies ein Beweis dafür, daß man ben Untcrnehrnert das entsprechende Interesse entgegenbnngt In Großentaft sind eine Anzahl Personen a» Typhus erkrankt. Behördlicherseits wurden umfas. sende Maßnahmen getroffen, um die weitere Ausbrei­tung der Seuche zu verhindern. Außerdem sind zahl­reiche Scharlacherkrankungen in der Gegend do« Großentaft zu verzeichnen, die teilweise tödlich oer- laufeff sind.

)( Aus dem Vogelsberg. In Schlitz brannti am Samstag das Dach eines bet Eisenbahnbeamten« Wohnt äuier nieder. Die anstoßenden Häuser konnte« geschützt werden. Nach ©erb ft ein ist nach längerer Pause wieder ein ständiger evangelischer Geistlicher, Pfarrer Becker, gekommen.

mc. Frank-uri a. M. Der Frankfurter Allge­meine Studentenausschuß hat festgestellt, daß über siebenzehntel ber Ftankfurrer Studen­ten mit ihrem Wechsel nicht auskommen können, also auf Sninbengeben und Nebenarbeit angewiesen sind, um wenigstens ihre Studien zu vollenden.

Vom (Sichsseld. In Dud er stabt fand am Sonntag ein glanzvoller Katholike ntaq ftait, ber aus allen Bezirken des südlichen Teiles der Diözese Hildesheim besucht war und durch die Teil­nahme des tzochw. Herrn Bischofs feine beionbere Weide empfi ig. An dem Festzuge beteiligten .sich 46 Fahnen und 2500 Männer. Die vier Festver- fommlungen waren fehl stark besucht und nahmen einen erbebenden Verlauf. Die Redner, Dompre» biger Voß-Osnabrück, Staatsanwalt Dr. LammerS- Berlin, Professor Dr. Schreiber-Münster i. Sludienrat Dr. Kurfeß-Bstlin und Redakteur Dr. Steig-r-Berlin hatten großen Erfolg. In allen Verfarnrnlungen fpeach auch der Hochw. Herr Bischof von Hildesheim zündende Worle.

Aus Overheffeu und den heft. Aenrtern.

A Marburg. In ber im Fürstenhause abgehalle- nen Kreistagsfitzung gab tie Höhe ber Forde­rungen für Instandsetzung der Landwege, die über 600 000 M betragen, Anlaß zu längerer Aussprache. Es wurden verschiedene Abstriche gemacht und auch be- schlossen, daß die Wegearbeiten vorläufig auf ein Jahr nicht mehr vom Kreis, sondern von den Gemein­den als Notstartdsarbeiten, vergeben wer­den. Der Voranschlag wurde schließlich auf 359 000 M festgesetzt. Ferner beschloß man den Bestritt des Krei­ses zur WohnungsgesellschaftHessische Heimat" in Kassel und erhöhte den Beitrag zur laichwirtschaftlichen Winterschule von 4500 M auf 8500 M. Zum Schluß wurden die Gchölter der Kreisbeamten und der Ange» stellten nach ben gesetzlichen Grundlagen geregelt

Stadtverordneten-Versarrrmlung.

(L) Fulda, 19. Oktober 1920.

An der gestrigen Sitzung nahmen 26 Mitglieder feit Den Vorsitz führte der 1. Stellvertreter des Vorstehers, Stv. ©immer. Dom Magistrat waren anwesend Oberbür­germeister Dr. Antoni, Stadlbamat E b e r l«i n und ©ladtrat Laux.

Der Zuhörerraum war gut besucht. Die nötigen Sicherheitsmaßnahmen waren getroffen. Zu Störungen kam es nicht.

Annahme eines futlstisch ober nallonalökonomlfch vot- gebildeten Hilfsarbeiter» bei ber stöbt Verwaltung. Ober­bürgermeister Dr. Antoni hat unter Hinweis auf tie er­hebliche Vermehrung feiner Amtsgeschäste, bie trat dem Ende des Krieges «ingetreten ist, gebeten, eine Hilfskraft anzustellen, bi« zu feiner Entlastung dienen kann. Er Hai darauf hingewicsen, daß auch 'm anderen Städten von ber Große Fuldas ein zweiter Jurist in ber Stadtverwaltung tätig ist. Der Berichterstatter Prof. Vollmer erkannt« tie Berechtigung des Wunsches an und begründete ihn u. a. mit der Notwendigkeit, wichtige Vorlaaen in rascherem Tempo vorzubererten, z. B. die Steuervorlagen, tie gut GZundung der städtischen Finanzen dringend erforderlich sind. Westerhin müsse für den Fall einer längeren Dienst» b-hinderimg des Oberbürgermeisters Vorsorge getroffen fein. Di« hstsrkraft soll nicht sofort al» Magistralsmitglleb bmtfen werden, damit zunächst Gelegenheit o-neben Ht die- Eirnung des hllssarbeiters für die städtischen Ge­schäfte kennen zu fernen. Da auch eine Verwendung als Vorsst-mber 'm den verfchiedenen richterlichen Körperfchof- ten kMletseiniaungsamt. Gewerbegericht ufro.) in Frag« kommt, empfehle es sich, eine juristisch oorprbilbet« Hilfskraft zu wählen, wenn man sonst wohl auch em« natianalökonornisch corgebifbete Persönlichkeit ht Betracht ziehen könne. Der Maaistratsantrag, einen ju- rist'sch ober nationalste-omisch voroebilbeten Hikfsarbeiter arzun-bmen. sand bie Unterstützung bes Berichterstatter». Sto. Mihm (Soz.) sprach gegen bie Anstellung,. da nach Hner Ansicht bie Arbeit nicht zu-, lon-bem abnimmt. Er st-llte bie D hauptung aus, bieFuldaer Zeitung", bie immer zur Sparsamkeit in ber Anstellung von Beamten mabne. Hetze gegen bie Untcrbeamt-m. Mhne biefe phra- senh-sten Verfeumbunoen gegen bie Falberer Zeitung kgnn man sich Roben be» h-rrn Mibm gar nicht mehr denken. Wir müßen aber für künftige Fälle ben Vorsitzenden bei Versammlung, in der nxr uns nicht selbst -erteitinm können, nm Schutz geren diese beleibigenden Redensarten bitten. Selbst in Lasset, wo rn sozialdemokratischer Oberbür­germeister unb eine soz'albemokratifche .Stadtverordneten- Mehrheit h-rrscht. hat man ber nich'sozialist'sch>m Vresii gegen ähnliche r-dnerstche Ausschreitungen offiz'ellen Schutz garantiert. D. Red.) Der 31 ebner forberte beit Oberbür­germeister auf. abzugehen, wenn er seinen Aufo--» n nicht mehr gerecht werben könne. Auch könne man vielle cht einen Arbeiter mit bem Posten betrauen. Bei bem ützioen An­trag hanbele es sich um ein politisches Manöver. Man wolle ehren bürgerlichen Maoiftratssitz sichern, eh« ben kommenden Wahün bie ©ozialdemokrad. tiw