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selbst nicht an, sondern dessen Burschen, dem e einen Anzug, Geld uffo. übergab. Später stellte sich heraus, das? der Mann zwei Gaunern in di» Hände getanen war, von denen der eine, der angeb« liebe Stabsarzt, allerdings auch in rumänischer Ge» fangenschast gewesen und vorher entlassen worden war. Der Betreffende, der außerdem hier noch Hühnerdiebstähle begangen batte, wurde von der hiesigen Sirafkaminer zu IV» Jahren Gefängnis verurteilt.
Das hätten sich die Rosenfeld, Henke, Dittmann und gar Ledcbour und Frau Zietz sicherlich nicht träumen laffen, daß sie, die sich als die größten Radikalinskis betrugen, verdächtigt und verketzert werden könnten, als seien sie nicht genügend revolutionär und radikal gesinnt. Und doch haben wir das närrische Schauspiel erlebt, daß es auf dem unabhängigen Parteitag eine Rechts- und eine Linksrichtung gibt und daß Henks, Ledebour und Zietz und alle anderen sich heute als RechtseleMente herunterreißen laffen müssen. Dabei muß ntcm die ganze parteipolitische Vergangenheit der Genannten, ihr ganzes Auftreten und ihre Betätigung nach der Revolution kennen, um die Lächerlichkeit eines solchen Vorwurfs zu erkennen und den Schmerz der Betroffenen zu verstehen! Selbst jetzt noch gaben sich die Angeschuldigten alle mrr erdenkliche Mühe, um sich gegenüber dem kommunistischen Flügri und seinem mit skrupellosen Anschuldigungen arbeitenden Vertretern gegen den „ungeheuerlichen" Vorwurf zu verwahren, sie feien nicht mehr „rrrreoolutionär!!!". Die „Angeklagten" konnten sogar für sich ins Feld führen, daß sie m Aufhetzung der Volkermasien und in Anzettelung von Massenaktionen weit Erheblicheres geleistet hätten, als dir maulfechtenden neukommum'tisckM Vertreter!
I Ioanovic trat zurück, weil er sich auf den Standpunkt des Friedensvertrages stellte und mit der neuen von den Südflawen versuchten Politik nicht einverstanden war. Die Frage der angekündigten Hebernahme der Verwaltung der Südzone durch die Interalliierte Kommisüon wird die Klärung bringen, ob diese stark genug ist, die internationale Gerechtigkett zu schützen oder ob die Südflawen gewillt sind, den Friedensoer- trag dauernd zu verletzen.
TLchtrr-Llbllm, begründet von Thekla von Sumperi, 66. Band. 1820. Preis elegant gebunden «M. 20.—. Carl Flemming und C. T. Wiskott, Aktiengesellschaft für Verlag und Kunstdruck, Berlin und Glogau.
Dieses vor 66 Jahren für die Heranwachsende reifere weibliche Jugend von Thekla von Gumpert begründete Werk hat in Tausenden und Abertausenden von brutschen Familien eine dauernd« Heimstätte gefunden, und wenn Großmütterchen den Enkelkindern erzählt, wie sie als junges Mädchen sich alljährlich immer und immer wieder auf das Erscheinen eines neuen Gumpert-Bandes freute, dann leuchten ihre alten Augen freudig in Erinnerung an froh durchlebte Stunden, die sie bei der Lektüre chres liebgewonnenen „Töchter-Albums" empfunden hatte. Thekl« von Eumpert hatte die besten Kräfte zur Mitarbeit heran- gezogen und dieser Tendenz ist der Verlag bis heute treu geblieben Das „Töckter-Album" erblickt feine vornehmste Ausgabe darin, auf die Heranwachsende weiMche Jugend bildend und anregend einzuwirken. Auch der unterhaltenden Lektüre ist ein weiter Raum gegeben und auf die künstlerische Ausstattung wird gleichfalls großer Wert gelegt. Der reich illustrierte 66. Band reiht sich in würdiger Weise feinen Vorgängern an und wird auch in diesem Jahre wieder Lust und Freude in Tausenden von jungen Mäd- chenherzen erwecken.
Der Zufamrrreirdruch der It. S. V.
Bon entern Parteifreunde, der der Tagung der Unabhängigen in Halle beiwohnt, wird uns geschrieben:
In welchem (Stabe die vor wenigen Wochen noch o stolze unabhängige sozialdemokratische Partei zersezt ist, zeigt der Verlauf des Parteitages in Halle. Man kann schon von einem förmlichen Zusam menbruch der U. S. P. sprechen. Man muß selbst Zeuge dieser BerhaiÄungen und des Tones wie der ganzen Haltung des Parteitages gewesen sein, um der vernichtenden Wucht dieses Zusammenbruches irate zu werden.
Sn Halle traten die beiden Richtungen der U. S. P. als unerbittliche Feinds auf. Die eine, die den Be- ähignngsnachweis für ihren Radikalismus durch ihr ganzes bisheriges Tun und Lassen für erbracht hält und die anbere, die diesen Radikalismus in Worten und Phrasen zu überbieten sucht! Es kommt dabei zu minutemairgen Lärmszenen. Man tituliert sich gegen« eilig Halunke, Gauner, Verbrecher, Lügner usw.
Rach solchen Erscheinungen ist in der Tat der Zu- i'ammenbruch der 11. S. P. unaufhaltsam.
sonder Gelehrter und Herausgeber des „Philosophischen Jahrbuches der Görresgesellschaft", Mitglied des Beirates der Gesellschaft. An der Tagung trilzunehine.r war ihm leider n'cht vergönnt. Außer ihm gehören dem erweiterten Vorstand noch an — jetzt ’n Fulda in den Beirat gewählt — die Fuldaer Präses- f c r c n Dr. Schreiber, Dr .Richter, Dr. Lübeck und Pater Theophnus O. Fr. Min. Rur wenige Hochschulstädte können sich rühmen, so stark in der Leitung der Görresgesellschaft vertreten zu sein, darin liegt eine hohe Anerkennung Fuldaer Gelehrten arbeit. Auch die Tatsache, daß vier Fuldaer Profefforen in den Soktionssitzungcn wiflenschastliche Referate hielten (Schreiber. Hartmann, Richter, Lübeck) spricht eine be. redte Sprache Daß auch für die Zukunft ein enger Bund Fulda und br. Wrresaestllschäft zusammen- schließt, verbürgt die Tatsache, daß durch bk rührige Arbeit der „Neudeutschen" und „Quickborner" u. a. tu den seitherigen Mitgliedern noch gegen 80 neue Mitglieder und Teilnehmer gewonnen wurden. K. Sch
Aus Oberheffcn unv den Hess. Bemter».
A Marburo. Ein hiesiger Handwerksmeister, deffen Lohn sich in rumänischer Gefangenschaft befand, wurde um Ostern v. I. von Franksurt aus ielephonich von einem angeblichen Siabs- arzt angetufen, der ihm liüiteilte, er fei von Bukareil aus nach Deutschland geiahten, nm Arzneien usw einzukausen; wenn er ,einem Sohn", den er gut lenne, ciwas mitnehmen solle, würde < r dies gerne mn, vi-üeichi ließe sich auch dessen Heimkehr mit seiner Hilfe ermöglichen. Der Handwerks« meister suhr sofort nach Franrsurr, traf jedoch in dem verabredetem Gasthof den Herrn "EtavSarz'
„Unfertige Elemente, die roch nicht einmal das A-B-C der Politik im Leibe haben", diese Charakteri- siertmg des allerdings wie ein Diktator auftretenben Führers des rechten Fllioels Crifpien, trifft auf die Neukomnntnistrn in der Tat zu. Es ist das gärende, unfertige, hinge Element, das jeder gründlichen Schulung ermangelt und sich über den Rot u:id die Erfahrungen der Alten hinwegsetzte. Man muß diese Typen nur einmal gesehen haben. Dabei konnte man aber auch d'e Beobachtung machen, daß viele dieser kommunistischen Vertreter mir der ihnen mitgegebe- nen und schriftlich festgelegten Parole gehorchten, ohne im übrigen mit Ueberzeugung bei ihrem Auftrag zu sein. Man fonrfte des weiteren auch eine Lesthamms- lei und ein kritisches Eingehen auf die Winke und Stichworte der „Leithammel" beobachten, die zeigte, daß eine eigene Meinung hier aus geschloffen war. 7„ mentlich Adolf Hoffmann bewährte sich als ein vortrefflicher „Leithammel".
* Die Zuttände in Oberfchlefisn. Tas katholische Pfarrhaus von Pohlom im Kreise Rybnik wurde von fSäube' u heimgesucht, die unter dem Vorwande, den Pfarrer zu einem Schwerkranken holen zu wollen, Einlaß fanden. Die Räuber entwendete« für 1600 Mack Hausgegeustände und Kirchengerät. — In der Nähe von Bittow wurde ein Fleischer aus Kattowiß von Räubern nachts durch sechs. Schüsse nieder gestreckt und um 8000 Mark berauut. — Im Walde zwischen Nikolai und Petrowitz wurde ein Bauernwagen von bewaffneten Banditen überfallen. Das Pferd wurde erschoffen, der Bauer felbst vollständig ouSgeraubt.
* TaS Kolpinggeburtshaus gerettet. Dank einer hochherzigen Gabe !be§ katholischen Gesellenvereins von New-Do>.k wird das Geburtshaus des Geselle«. Vaters Koipiug in Kerpen bei Köln vor dem Zusammenfall bewahrt und sinnvoll wiederhergestellt werden können. Auch sonst haben die amerikanischen kathol. Gesellen in edelster Weise die Vereinszentrale in Köln unterstützt und eine beträchtlich, Spende gesammelt.
* Unglaublicher Bureaukratismus. Eine Ober, hausener Firma erhielt folgenden von zwei Beamten mtterlchriebeneri Brief der dortigen Güterkasse:
Die Eisenbahnbauptkaffe in Essen teilt uns mit daß sie für Monat April 00,01 Mark zu wenig an gestundeten Frachten überwiesen haben. Wir ersuchen sie um schleunigste Ueberweisung an die Hauptkaffe in Essen Die Eülerkasie in Oberhausen sieht sich also ver anlaßt, wegen des zu wenig gezahlten einen Pfennigs einen Brief zu schreiben, der von zwei Beamten unterschrieben ist und 40 Pfennig Porto kostet. Die Reichseisenbahn macht jährlich 15 Milliarden Schulden; sie wendet im vorliegenden Fall etwa 100 Pfennig auf, um einen Pfennig einzuireiben. Vei einem derartigen Bureaukraiismus darf man sich über btc .Rentabilität" der Eisenbahnen «ich wundern.
dem Rachbargediet.
— Aus dem Vogelsberg. Sn L i ch ist die Ziegelei, eine mit allen modernen Einrichtungen versehene Industrieanlage, die die weite Umgebung mit Bausteinen und Ziegeln versorgt, völlig niedergebrannt. Millionenwerte sind dabei vernichtet. Allem Anschein nach liegt Brandstiftung vor. Eine Verhaftung ist bereits vorgenommen worden. Diele Arbeiter sind durch das Unglück arbeitslos geworden.
(mc) Irsuksuri a. M. Der Oberbürgermeister in feiner Eigenschaft als Dcmebilmachungskommiffar erläßt eine Verordnung, nach der bis D opp elb esch äftigung non Personen, die in einem festen Arbeitsverhältnis stehen, unter schwere Strafe gestellt wird. Dmch diese Maßnahme soll der Erwerbslosigkeit gesteuert werde«. — Der Lehrer Seelmrrrst wurde von einem Zuge der Strogen bahn nach _ Homburg überfahren und" sofort geiötet. — Da bei der Schieberei nichts mehr verdient wird, so sind die Bars und Dielen zusehends Iceer geworden. Eine ganze Anzahl dieser Vergnügungsstät- ten ist schon roieber* eingegangen und weitere werden noch im Laufe des Monats folgen. Vielfach lallen sich die Inhaber für ihre Lokale non Interessenten große Abfindungssummen bezahlen, ba in Frankfurt ein außerordentlicher Mangel an Eeschäftslokalen besteht.
(mc) Kassel. Kassels ältestes Hotel „Zum König von Preußen" wurde an den Bankier Werthauer verkauft, der ein Bankhaus darin unterbringen will.
— Die ErdgaSquelle» in Niederbay srn. Eine nur wenig bekannte Erscheinung sind die Erdgas- qaellen in Niederbayern, kleine „Gaswerke*, die den glücklichen Besitzern nichts kosten als die Anlage e nes kleinen Brunnenschachtes unb eines Gasometers. Alles übrige beiorot die Natur. Sie liefert an manchen Orten "die Gasbeieuch'.ung und das Heizgas für ranze Bauerngehöfte, oft über 30 Flammen. Es ist nur ein verhältnismäßig kleiner Teil Bayerns, der Zwickel zwischen Inn und Donau, von Neu- öttingen und Deggendorf bis Passau, dem die geo- sogiichen Verhältnisse diese Grctisgaslieferung geschenkt hoben. Die Gasbehälier hat die Natur etwa 200 bis 300 Meter unter der Erdoberfläche in marinem Miozän mit schiefrigen Mergeln eingerichtet. Die Gate wandern durch brackisches Miozän, eine kleine Schicht Süßwaffer-Miozän und Pliozän. Das Gas wird in Röhren zunächst in einen Brunnenschacht geleitet, in dem sich ein Hahn zum Abstellen der Zuleitung befindet, von hier aus gelangt es in einn fflaiometer. Die Besitzer solcher Gasbrunnen haben billiges Gas in hinreichender Menge, ns. __ — Ein tüchtiger Verkältscr. „Sehen Sie, liebe Frau, diesei 31 off ist nnverwü'Nich, ist dauerhast ber bäh bis in die Ewigkeit, jawohl, bis in die Ewigkeit, und bann — können Sie sich immer noch einen Untenod daraus machen!"
Die Derluftiifte der Wirtschaft.
(ww) Was das dAitsche Dolk im Kriege geleistet hat, gehört der Geschichte an! was es für den Krieg geleistet hat, ist ihm selbst noch nicht hinreichend bekannt; die meisten Täuschungen über das Riesenmaß der Aufgaben, das mit dem kurzen Wort „Aufbau" bezeichnet wird, erklären sich daraus.
Die Brüsseler Konferenz hat die hilfeverlcmrgenden Völker auf sich selbst gewiesen, und in der Hauptsache mit Recht; denn wenn man die wirischaftlichen Bemühungen der Einzelstaaten mit Hilfe gemeinsamer Einrichtungen zusammenfassen will, so müssen diese Bemühungen eben vorhanden sein und auch schon zu gewissen Ergebnissen geführt haben. Der Aufbau kann nicht von oben und von einem internationalen Mittelpunkt her, — er muß von unten und außen, von den einzelnen Volkswirtschaften her geschehen. Die Konferenz hat freilich nur den gegenwärtigen Zustand der Volkswirtschaften, — den allerdings ziemlich sorgfältig geprüft Eine wertvolle Ergänzung ihrer Arbeiten wäre, — für jeden einzelnen Staat, — eine Aufstellung darüber gewesen, was der Krieg nicht nur zerstört, sondern verbraucht hat. Eine solche Verlustliste der Wirtschaft gäbe erst eine annähernde Vorstellung dessen, was alles „aufgebaut" werden muß.
Man erfährt jetzt, daß Deutschland nach dem Abschluß des Waffenstillstandes 12 Millionen Männer aus dem Heeresdienst entlassen hat, 2 Millionen hat der Krieg begraben, Hunderttausende waren schon ftüher als dienstuntauglich entlassen. Achtmal Hundertausend lebten in Kriegsgefangenschaft, mindestens also 15 bis 16 Millionen Männer sind im Laufe des Krieges „militarisiert", sind stgendwie dem Heereskörper eingerügt worden.
Die Arbeit dieser 15 bis 16 Millionen und die der „Zivildienstpflichtigen" diente dem Kriege: sie war der „Volkswirtschaft" im Friedenssinne des Wortes entzogen. Hat man sich hinreichend klar gemacht, was das bedeutet? Vier bis fünf Jahre lang hat die deutsche „Fririrenswirtschaft" mit Viertelkraft gearbeitet.. Dennoch machte sie es möglich, das Volk zu ernähren und mtt dem Notwendigsten dessen, was nicht aus alten Beständen zu haben war, zu versorgen. Bezahlt aber wurde diese Lefftung mit dem Verfall aller Produktionsmittel, mit einer Abnutzung, deren Maß auch heute noch unterfchätzt wird.
Die Arbut, die der Friedenswirtschaft entzogen wurde, ist — nach Vorkriegsgeld berechnet, — etwa siebzig bis achtzig Milliarden, nach gütigem Geld also neunhundert Milliarden wert.
Nicht diese ganze Summe ist Reinverlust; sic verringert sich durch die erzwungene Einschränkung des Verbrauchs. Immerhin gibt sie eine Vorstellung davon, daß nicht die unmittelbaren Zerstörungen die größten Veriuste sind, und warum Deutschland, auch abgesehen von den Folgen der Niederlage, so ungeheuer verarmt ist.
solut on, deren Wortlaut ja in der „Fuld. Ztg." veröffentlicht worden ist.
Wester wurde beschlossen, von selten der GSrres- gcfellschaft aus Anlaß des Dante-Jubiläums im nächsten Lahre in einer Reihe von Stödten Dante- feiern zu veranstalien. Zur Vorbereitung der Ju- brlfiüem hat die Le - llichafr die L'lLung eines Dants- komstses in die $*•:.: geleitet, dem bisher schon Erzbischof Faulhaber-Lttünchen, Erzbischof Echrrltr-Köln, Kardinal Bertrain--Breslau und der Bischof von Fulda Dr. Joseph Damian Schmitt brigrireten sind.
Sei der großen „Not der deutschen Wissenschaft" war es doppelt int'reff aut, aus dem Geschäftsbericht des Generalsekretärs Dr. Rademacher zu erkennen, wie die Görrssgefellschaft der finanziellen Misere Herr zu werden versuch!. Die alles Maß übersteigende Teuerung der literarischen Produktion ist geradezu katastrophal. Der Mitgliederbeitrag (seither 10 Jl) muß heute vollständig den Publikationen zugewandt werden: Die Kosten für die Veremsschriften betragen in diesem Jahre 45 000 JA. Ohne besondere Zuwendungen und testamentarische Schenkungen hätten für die übrigen wichtigen Aufgaben der Gesellschaft keine Mitte! mehr zur Verfügung gestanden. Ja selbst die Graf Hertsing-Sliftung, die bereits auf 100 000 -M. angewachsen ist, steht irr Gefahr, tu ihrem Kapital angegriffen merüen zu müssen. D-e Erhöhung des Iah- resmrtgliedcrbettrags auf 20 JA. fand darum als eine Selbstverständlichkeit emftimmige Bestätigung.
Neue Aufgaben und Aussichten der wiffenichaft- tichen Arbeit für die Zukunft fanden Erörterung: Dis Wiedereröffnung des Römischen Insüütts steht unmittelbar bevor, das Staatslexikon muß neu aufgelegt werden,_ die Studien der Görresgesellschaft in Jerusalem können und müssen bald wieder ausgenommen werden. Die Vorarbeiten für die ostflavischen Studien, die 1918 in Würzburg beschlossen wurden, sind weiter im Gange. Die Beziehungen der G. G. zum Ausland kommen ganz allmählich wieder in Fluß, wie der Austausch der histori!' en Jahrbücher mit belgischen wissenschaftlichen Gesellschaften beweist.
4. „Fulda und die G ö r r e s g e se l l s cb a ft" — dieses Thema wurde verschiedentlich in den'Versammlungen und Beratungen angeschnitten. Wir möchten besonl-ero noch folgendes betonen: Der Nestor der Görrcevesellschast ist der jetzt fast 84jährige Fuldaer Domkapitular Protonotar Dr. G u t b c r l e t, noch heute aktiver Professor am Priesterseminar, schäft
Rückblick aus die Görrestagung in Fulda.
(4.-6. Oktober 1920.)
Die Fuldaer Tagung der Görresgcsellschast stellt Sweistllos einen Höhepunkt in der Entwicklung dieser 'txlegrtennereinigung dar, darin stimmen zahlreiche munoliche Aeußerungen der Tcilnchm-er und die Berichte der Tagespresse überein.
1- Der Schwerpunkt solcher Tagungen liegt in den vertionssitzungen. Hier ist m Fulda eine Arbest ge- uistet worden, die von keiner ftüheren Tagung jemals «seia;! worden sein dürste. Schon die große Zahl 7er Referate steht einzig da. Noch mehr aber ist zv v-wnen die wissenschaftliche Leistung, die in ihnen »Mage trat, die konziliante, vornehme Form, in der 7$ rmffenschaftliichen Gegner bekämpft wurden, vor cüem aber dir Aktualität der Themata. In
Hinsicht sei besonders hingewiefen auf das atcfvrm „lieber die Einsteinfche Relatioitätscheorie" «iE l)artmann-Fulda), das Referat über den ;**i.an.?,u' Gründung einer kalh. Universität in Deutsch- w?? J® A Jahrhundert" (Prof. Dr. Richter-Fulda) und den Lichtbildervortrag „Heber den Cxpressionis- J’s ” ber christlichen Kunst" (Prioatdozent Dr. Rei- Dieser Aktualität der Themata ist es -X/theu Teile zuzuschreiben, daß der Besuch der -riwnsfftzungen so über alles Erwarten groß war, B üie edle fast jedesmal vollbesetzt, ja teilweise übet« waren; den weit überwiegenden Teil der Besuche^ wE T ’S Fuldas sei es gesagt — die Be-
8ulba und der Klerus der Diözese
-L-sonders erstaunt waren die auswärtigen ü-hnn1 m er'- mi(f) die bochspekulcmven philosophi- £L?°rtrf9er. DCn Prof- Dr. Schrriber-Fulda und -prwcttdozent Dr. Honecker-Borm eine so starke An-
. ausgeübt, eine überraschend große Zu-
, fer chaft g>esttnj,^ hatten. Das geistige Intereffe der ‘‘ Q£T’ chr Sinn auch für rein wissenschaftliche Fra- tireiF^v6 in schönster Weise. „Nie," so
die "Köln. Volksztg." am 9. Oktober, „war Ew Bürgerschaft so stark wie dieses Ma!,
die Dmen/ daß nun die Gesellschaft anfängt, m
lr 3U Ükhen mrd so die Brücke schlägt zwischen Erfolg"" un6 B°lk. Das ist ein großer, starker ta das allgemein-- Interesse
* °en öffentlichen Dolksoerfammlunge». Beim De-
Literarifches.
Komm Heillger ©eiff! Eine Festgabe für Firmling Zusammengestellt von Helene P.ag e s. Mit fünf N dem. 8». Freiburg t. Br. 1920, Herder. 10,50 Mk geb. 13,50 Mk. und Zuschläge.
Schlagkräfttge Lesestücke über das Wesen und die Segnungen der Firmung, biographische Erzählungen, fesselnde, zum Teil meisterhafte Geschichten und Bild- besprechunaen zu klassischen Darstellungen der religiösen Kunst sind zu einer eindrucksvollen Gade gesammelt. Die Kinder und alle um ihr Heil Bemühten werden hohen Gewinn daraus ziehen und dieses sinnvollste Geschenk zum Firmungsiag zu Nutz und Freuden unserer bedrohten Jugend verbreiten.
Das deutsche Blut.
„Blut ist ein ganz befonberer Saft!" Dieser Satz bewährt sich jetzt in der trüben Zeil, die dem Deuisch- tum in der ganzen West beschieden ist. Die Zahl bet» jenioen, die zur Gewinnung von materiellen Inleresfan bereit waren, chr Vaterland und deutsche Art zu verraten, war so gering, daß die Treue der Millionen cort Gutgesinnten um so glänzender sich hetvorhebt. An Lockungen, Drohungen und Eewattmitteln hat es wahrlich nicht gefehlt. Am stärksten hat sich die Treue dort gezeigt, wo die Not am größten ist, an unseren Grenzen. Darüber hinaus ganz besonders in Deutsch- Oksterrrich. Wir sehen das, und wir dürfen die Ge- wißhrit hegen, daß diese Anhänglichkeit zum armen, gedrückten und getretenen Deutschtum siegreich triumphieren wird über alle Phantasien und Illusionen von internationalem Zusammenschluß. Das Volksempfinden fft ritte der tuenden idealen Blüten, die der frieg nicht hat zerstören können, und die auch unter dem Pesthauch des Schiebertums nicht verwelken wird.
Die Deutschen im Osten sträuben sich gegen bie Polen, die gegen unsere Landsleute am rücksichts. losesten ner?obren. Die Deutschen wehren sich gegen Litauer, Dänen und Belgier, so oft auch immer wieder versucht wird, ihnen die Schlinge der Fremdattigkest über den Hals zu werfen. Sie leisten den zähesten Widerstand gegen die Franzosen im Saargebiet und lehnen bas Eingehen auf die Pariser Pläne im okkupierten Rheingebiet mit allem Nachdruck ab. Der Rheinländer hat eine heitere Art, es ist von dort her früher manches Wort gegen das starre und historische Preußentum gefallen, aber wenn es sich darum handelt. ob Deutsch oder Verkappt-Französisch, bann' tut sich doch eine Kluft auf, die nicht mehr überschritten werden kann.
In Paris denkt man an die Zeiten des Rhem- buiÄes und der Franzosenherrschast am Rhein unter Napoleon, aber sie haben damals nicht zu ergründen sich bemüht, wie viele Deutsche, die gezwungen unter den napoleonischen Fahnen fechten mußten, nun wirk- l-ch sich als Franzosen gefühlt haben. Denen ist die Besinnung gekommen, als sie von einem Kriegsschauplatz auf den anderen ziehen mußten, und das Elend zu Hause scheu. Und erst recht war das bei den Süddeutschen der Fall. Wenn die Franzosen die Gedanken an die Zeit vor hundert Jahren zu wecken sich bemchen, so wird damit auch die deutsche Cr- mnerung an die Erzählungen unserer Voreltern aus dieser Leidenszeit wach. Darum muß auch der Erfolg aller Bestrebungen ausbleiben, die Westdeutschen und Süddeutschen ihrem großen Heimatland zu erüfrem- den. Er bleibt auch aus in Deutsch-Oesterreich, um das sich die Franzosen zur Erlangung der politischen Domiundschast bemühen, während die Italiener m dem ihnen zngxfallenen Süd-Tirol die dortigen Deutschen verwelschen wollen. Die Deutschen dort, wie auch im ftüheren Ungarn und in Böhmen und in Kärnten und Kram haben alle ihr deuffches Herz entdeckt, und ihre Gedanken wandern aus der zerschlagenen ehemaligen habsburoffchen Doppelmonarchie heraus ins Deutsche Reich. Wir sind bös zur Ader gelassen, aber verblutet sind wir nicht. Das deutsche Blut ist eine Mackfl geblieben.
Die Lage in Kärnten.
Die Lage im Kärntner Abstimmungsgebiet beginnt sich zuzuspitzen. Die eingedrungenen süd- ilawischen Truppen sperren die beiden Zonen von einander ab und erkennen nicht die Passier- icheine an, die vor der Wahl von der Interalliierten Kommission ausgestellt worden find. Die Bevölkerung des überfallenen Gebietes flüchtet. Die Süo- slawen begründen den Einmarsch mit der Notwendig- keit, den Verwaltungsapparot in Ruhe abzubauen mid die Ordnung cmfrechtzuerhatten. Die südslawische Presse ficht die RechtsgüttigkM der Absttmmung an unb beschuldigt die Kommission des ungerechten und parteiischen Verhaltens. Die Interalliierte Kommission will, um Zusammenstöße zu vermeiden und die Ueber- gabe des Gebietes an Oesterreich zu ermöglichen, erst mtt dem 18. Oktober die Verwaltung der Sudzone übernehmen.
Zu dem offenstchttichen Bruche des Friedensoer- ttages uni? der Himvegfetzmig über die Anordnungen »er Kommission wurden die Südslawen anscheinend aus mnerpolitischen Gründen gezwungen, da die Laibacher Mgiening den Zusammenbruch ihrer Kärntner Poli- ttk nickst überleben dürste. Der südslawische Dertteler
grüßungscckend am Montag und zu der öffentlichen Versammlung am Dienstag abend war der große Stadtsaal überfüllt! Man merkte es ordentlich, wie die Redner sich gehoben fühlten durch die gewaltive Zuhörerschar und das Interesse, das in aller Augen ihnen entgegenleuchtete.
3. Am wenigsten Interesse finden bei solchen Tagungen ost die geschäftlichen Sitzungen, bie Milgie- brmrfammlungeu. Die auch hier überraschend zahlreich erschienenen Teilnehmer kamen voll auf ihre Rechnung. Namentlich wenn Präsident v. Trauert selber zu längeren Ausführungen anhvb, fühlte jeder, daß das Höhepunkte der Verhandlungen waren: Von der hohen Warte feines wettblickenden und tiefschauenden Eorstes betonte er, wie die Görresgesellschaft in Gegenwart und Zukunft sich auf das engste verbunden fühlen muß mst dem Geschick des deutschen Volkes. Gern folgte man dem gelehrten Redner bei solchen Gelegenheiten weit ab vom unmittelbaren Gegenstand dcr Verhandlung, wenn er z. B. in seinem Nachrufe aus Gras Hertling als Historiker auch der neuesten Zeit die großen wettgeschichrüchen Ereignisse der letzten Jahre mit überraschenden S-^avlichtorn beleuchtete, wenn er »och weiter ausholte und die echt christliche Slusfassuna von der monarchia Christi als die oslkerbeglückende pries, wenn er mit Entschiedenhett Verwahrung e:n- legte gegen die von England propagierten Bestrebungen zur Errichtung eines zionistischen Staates in Palästina. Von hoher Bedeutung waren auch die Entschließungen und Anregungen, die neue Arbeitswege der Görresgesellschaft inaugurierten. Prof. Dr. Schrei- ber-Fulda hatte schon bei feiner Begrüßuirgsanspracke hmgewiefen auf die verstärkte Notwendigkeit, daß die Görresgesellschaft die pädagogische Studien und die volksbildende Arbeit (Voikshochschul- reform, Popularisierung der Wissenschaft) in den Kreis ihrer Arbeitsgebiete ziehe. Prälctt Prof. Dr. Mausbach gab in der zweiten Mitgliedersitzung hschwiMge Erläuterungen über den Ausbau der philosophischen Sektion nach der pädagogischen Seite; die Pödaaogik sei in Zukunft das wichttgste Lchrsach. Es müsse alles getan werden, dieses wichtige Gebiet zu bearbeiten. (Man denke an Bae Hochschulstudium der Lehrer!) Prof. Di. Schreiber-Münster betonte die dringende Nstwnrdig- kett der ÄolksbilBunasbestrebungen auch innerhalb der Görresgesellschaft. Seine Ausführungen fanden ihren Niederschlag in einer einstimmig angenommenen Re-
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Samstag. 16. Oktober 1920.
Druck >cr .ynitfler Äetieudruckerei in Fulda