Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Fulda
Nr. 24 i
Somstag, 16. Oktober )920
47. Zahrg.
An unsere Parteifreunde auf dem Laude
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wir sie eindringlich auf die Notwendigkeit Hinweisen, für die Besorgung der Bevölkerung das Möglichste ju tun, namentlich Getreide und Kartoffeln möglich st schnell und möglichst voll» ständig abzuliefern und die Kartoffeln zum mäßigen Preise zum Verkauf zu stellen.
Es gibt keinen anderen Weg, um in Deutschland zur Ruhe und Arbeit zu kommen und Unruhen zu vermeiden.
Das Abkommen von Span Harri der Erfüllung. Die Kohlen müssen geliefert werden. Die Berg-
-n Programms zu zeichnen, rurs Programm ober nut' '» praktische Arbeit Han.
l e u t e wollen dos Ihrige tun. Bildet mit ihnen eine gemeinsame Front, um die Besetzung des rheinisch- westfälischen Industriegebiets zu verhindern, indem ihr eine ausreichende Nahrung schafft!
Aus 10 Milliarden Mark wird der Bedarf an Getreide geschützt, der im laufenden Wirtschaftsjahr e i n g e f ü h r t werden muß. Wir wollen hoffen, daß der Bedarf weniger groß wird. Sollte es sich aber als notwendig erweisen, diese ungeheure Summe noch zu erhöhen, dann entstehen Schwierigkeiten, die auch auf die Produktion der Landwirte lähmend einwrrken werden. Neue Lohn- und Gehallsforderungen werden bä Folge eintretenden Mangels und hoher Preise sein; eine weitere Geldentwertung wird unsere Lage noch trostloser gestalten.
Die finanziellen Kräfte des Reiches sind längst über Gebühr angespannt. Wir muffen eine weitere Einfuhr verhindern und können das nur, wenn die Landwirte in der Ablieferung des Getreides bis an die Grenze des Möglichen gehen.
Die Zentrumspartei, die auch unter schwierigen Verhältnffen für die Landwirtschaft eingetreten ist, um ihr die notwendigen Entwirklungsmöglichkeiten zu schaffen und die auch in Zukunft alles tun wird, um die Landwirtschaft zu erhalten, richtet in diesen Wochen der Entscheidung di« dringende Bitte und die ernste Mahnung an ihre Freunde auf dem Lande, nicht nur der eigenen Sorgen zu gedenken, sondern auch die ungeheure Notlage des Reiche» und weiter Kreise der Beoölke- tuns nicht zu vergessen.
Landwirte, sorgt für bte Erhaltung des Reiches l
Schützt das Ruhrgebletl
Sorgt, daß die Bevölkerung durch ausreichende Nahrung zu Kraft und Arbeit kommt!
Liefert das Brotgetreide ob!
Es war am andern Morgen. Sie hatten eben zu- ammen zu früher Stunde, wie immer, ihre Lreisuppe verzehrt. Nun verstreuten fie sich an ihr« Tagesarbeit, der eine hier, der andere dorthin. Als alle hinau» waren, begann Hellwig schnell den Tisch abzuräumen, wie es ihre Gewohnheit war. Sie wollte eben mit den letzten Tellern im Arm aus der Tür, al» die Ratsherrin zurückkam, einen Bund Flach» für ihr Spinnrad in der Hand.
Da faßte Hellwig sich ein Herz, al» fie nun beide so allein im Zimmer waren, und sagte mit gesenktem Kopf:
»Es ist mir leid, Frau Muhme, so ich gestern zu heftig war gegen Euch. Es war mir nur nur alles zu plötzlich gekommen. Wollet mir vergeben."
Die Ratsherrin hantierte mit ihrem Flachs em Spinnrad und antwortete nicht gleich. ?m stillen froh, lockte sie. Sollte Hellwig sich doch noch eine» andern besinnen und den ehenwerten Fridolin Lämmerzahl nehmens Hl» keine Antwort kam, trat Hellwig lang, sam wie nnschlüsiig an den Tisch zurück imfc peßte den T«herstapel cor- rieben
fügungl
Der Vorstand der Zentra msftaklion des Reichstages: 3. 2L: Trimborn, Vorsitzender.
ißetantroortlid) tüt Den rebatlionellen Teil: Karl Schütte, - für die Anzeigen: I. Parze, tet-Fulüa. :: Rotationsdruck u. Verlag bet Fuldaer Artiendruckerei in Fulda. fternipredjCT Nr. 9 'Teiegt.-abreffe: Fuldaer Zeitung
Si.ei’1 in ausreichendem Maß« Kariös fei« zu mä" "
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17.
nassen Dr. Adolf Braun beschränkte sich darauf, allgemeine Richtlinien des kommenbrr "-------------'
Das Schwert von Thule.
Nomon von Leontine von Winterfeld-Platen. 91 ___________
trat ein. Das Haar vom Wind zerzaust, die Wangen blaß und die Augen verweint. Sie legte M Tuch beiseite und stellte sich an das eine der beiden Wifter, mit dem Rücken zum Gemach. Sie sahen, wie ihre Schultern zuckten vor verhaltenem Weinen. Heil- °>ig atmete tief.
.Es ist nur gut, daß Du wieder da bist, Elisabeth. 2ch war in Sorge um Dich."
.. andere antwortete nicht. Aber ihr leises Weinen den beiden ins Herz. Seit hieb mit der Hand "wch die Luft, wie es seine Gewohnheit war, wenn ihn «was bewegte.
»Wein' nicht so, Elisabeth, das kann ich nimmer hören. Du host ihn ja nun sehen und sprechen dürfen. ~°rQ" Dir genügen. Es gibt ja Tausende, denen T5 n*d)t bester geht wie Dir. Ja, hie sich mit noch weni- »er begnügen müssen."
®anj langsam wandte Elisabeth jetzt ihr Gesicht den «ndern zu. ,
»O Ihr! Wag mißt Ihr denn eon Liebel 0, wie fo blaß und verhärmt war, der Ärmel Es hat sich m *S3ater hinter den Bürgermeister gesteckt, und die wlll n" if,m nun Schwierigkeiten an der Universität. Er UI sich um eine andere Stelle bemühen, um fort von
(K$U tommtn- Dann sehe ich chn nimmer." Sie hielt einen Augenblick inne im Sprechen. Dann >°gte sie sehr leise:
p nun, was ich tun will. So kann ich dar
e en nicht länger tragen. Den Schleier will ich neh.
«en und in ein Kloster gehen."
Hellwig stieß ihr Spinnrad zurück und sprang auf. . *®u weißt nimmer, was Du redest, Elisabeth! Wie man nur so unsinniges Zeug sprechen, wenn man "M) einen lieb hat? D, Du mußt Deine Eltern bitten, nmer wieder — immer wieder — einmal werden sie «och weich und Dir nachgeben."
Ein bittres Lächeln flog um Elisabeths Mund.
. . !<nnfi meine Eltern noch nicht, Hellwig. Wo m @eLh ist, hat bei ihnen nichts Wert. Sieh, er ist jüngste feines Hrnstes, «rü «ne es bei M». Sitte
. . _ ______ Zufalls klar, daß an dentz
Grundgebcknken der Serpkiellschaftung alles Produktionsmittel festychallen worden soll. Die; Vorschläge und Richtlinien, die Braun vortrug, soll ein- Kommitzion von sieben Parteimitgliedern durcharbeiteM
falls in einem unmöglichen Rachkriege verwerten keß, dann können wir die Hände in den Schoß und uns auf das Sterbebett legen.
So gestaltei sich dos Ringen zwischen der unver- sohittichen und der gemäßigten Richtung in der Entente zu einer wahren Schicksalsfrage für uns. An dem Siege der unvernünftigen und unmenschlichen Ric^ung würde Frankreich selbst auf die Dauer keine Freude haben können, sondern nur Schaden, rote die anderen Kulturvölker. Die einzigen, die sich freuen würden über den vermeintlichen „Erfolg" mm Mille- rand und Fach wärm dte Bolschewistett in und außerhalb RußlcnÄs.
Zum zweitenmale nach dem Kriege hat der Landwirt geerntet. Muhen und Sorgen hat der Boden ihm nicht reich gelohnt. Das ist eine Enttäuschung für ihn, ober- auch ein schwerer Schlag für das deutsche Volk, dos noch immer schwer unter den Folgen des Krieges leidet und feine, durch lange Entbehrungen geschwächten Kräfte noch nicht wiedererlangcn kann.
Cs hatten sich viele Hoffnungen an die neue Ernte geknüpft, sie sollte vor allem eine besser« und reichlichere Brotversorgung herbeifuhren, die dringend wünschenswert ist Der Ausfall der Körnerernte läßt es fraglich erscheinen, ob diesem dringenden und berechtigten Wunsche Rechnung getragen werden kann.
M-thelfen kann hierbei die deutsche Landwirtschaft.
Was in ihren Kräften sicht, um die Srotoerlogwtg möglichst günstig zu gestatten, das zu tun, muß ihre heilige P f l ich t sein.
In gleicher Weise muß sie bei dem zweiten wich- tigen Nahrungsmittel, der Kartoffel, helfen. Die freie Wirtschaft muß chr ein Ansporn sein, die Versor- gung der Bevölkerung mit allen Kräften zu fördern tute die entbehrlichen Kartoffeln restlos für die menschliche Ernährung zum Berkaus zu stellen. Wir richten dabei an die Landwirte das dringende Ersuchen, die Kartoffeln zu einem mäßigen Preise abzugeben und den Preis von 25 Ml. nicht zu überschreiten.
Die Landwirtschaft ift das Fundament für dte Erhaltung Drutsckstands. Sie ist in erster Linie bentfen, eine Gesundung anzubahnen und so Retterin des Vaterlandes zp werden.
Wir verkennen-' nicht die großen Schwierigkeiten, unter denen die Landwirtschaft heute arbeitet; aber
Verhandlung oder Diktat.
Die Brüsseler Finanzkonferenz, die «artet der Flagge des Völkerbundes tagte, hat m die brennende Frage der Kriegsentschiteigung nicht ein« greifen dürfen, aber doch eine schätzbare Vorarbeit geleistet. Denn in Brüssel wurden zwei Gesichtspunkte in Helles L äst gefetzt: m fachlicher Hinsicht die Solidarität der Kulturvölker m der finanziellen und wirtschaftlichen Krisis, und in taktischer Hinsicht die Not- roeiteigte-t, bei den Durhonülungen auch Deutschland uni) die anderen besiegten Staaten mitsprechen zu lasten
In letzterer Hinsicht hat also Brüssel das Verfahren gefördert, das Lloyd George und Nitü m San Remo durchgesetzt hatten: die Zulassung der deut- scheu Ak i n i st e r zu den entscheidenden Konferenzen. Das war offenbar ein bedeutender Fortschritt auf dem Stege der Annäherung der Völker und der sachkundigen Lösung der schwebenden Fragen, also ein Hilfsmittel, um uas dem bisher geltenden Zwangsverfahren gegen die Besiegte» allmählich zu einem erträglichen Ausgleich, zu einem wirklichen Völkerfrieden zu gelangen.
Diesen ersten Ansatz zur Klärung und Verständigung hat nun Millerand, obschon er in San Rente hatte nachgeben müssen, mit größter Zähigkeit und leider auch mit beträchtlichem Erfolg zu sabotieren gesucht In Spaa, wo die erste Probe auf das neue Verfahren gemacht wurde, mußte Millercmd zwar die deutschen Mmister an den Konferenztisch lassen, aber er hatte seinen Verbündeten das Zugeständnis abge- rungen, daß man den Deutschen schließlich zu jedem Punkte der Tagesordnung ein Protokoll vorlegte mit der Drohklausel von dem Einmarsch in das Ruhrgebiet, dessen Unterzeichnung ebenso erpreßt werden sollte, wie die Unterzeichnung des Versailler Vertrages, lleberdies war durch die Abfassung der Tagesordnung dafür gesorgt, daß die allerwichttgste Frage, dix Fest- stellung der deutschen Entschädigung, entweder kurzer- Hand durch einen Machtspruch erledigt, oder auf eine wettere Konferenz vertagt werden mußte.
Zu einer^uettLvnseronz in Oenf wurde in aller Warm ein gelaßen;- aber Herr Millerand ließ sich dadurch nicht abhcmen, weiterhin auf den Ausschluß der Deutschen von der entscheidenden Konferenz hinzuwirken. Er erreicht zunächst die Verzögerung. 2n der gewonnenen Zwischenzeit wurde und wird noch in den verschiedensten Formen verhmtttelt zwischen den Bundesgenossen, um die neue Konferenz wieder anders zu gestalten, als die von Spaa. Es wurde ein wahrer Ringkampf zwischen der ftanzösischen Gewaltpolitik und der englischen Mäßigung.
Das diplomatische Schachspiel ift zur Zeit noch im Gange. Man kann nut mit Verwunderung die Unerbittlichkeit und Ausdauer betrachten, mitt der die ftanzösischen Machthaber die Teilnahme der deutschen Minister an der entscheidenden Konferenz zu verhindern suchen, sogar auf die Gefahr hin, daß sie mtt chrrn eigenen Bundesgenossen in ernste Spannung ge« taten. Eilten so zähen Widerstand könnte man ja allen- ftlls verstehen, wenn es sich bereite um Beschlußfassung ßber die Entschädigungssumme selbst handelte, bei der vrmikreich sich etwa sachlich ernstlich geschädiat fühlte. Aver schon bte unmittelbare Aussprache mit den deutschen Ministern und das kleine Maß von Achtung, J03 ? ,^er Zulassung zum Konferenztische liegt, so hartnäckig bekämpft wird, so wirft das doch ein sehr schmrerllches Licht auf dir Geistesverfassung unserer ^westlichen Nachbarn. Von einer gründlichen Klärung der deutschen Leistungsfähigkett und von ir- feenö einer Annäherung wollen bte UnerbiMchen ruchts wissen.
Schwarzseher werden den Verdacht nicht los, daß E gegenwärtigen Machchaber in Paris überhaupt keine, friedliche Lösung wünschen, fon- lcdiglich die wettere Besetzung des wertvollsten
ständlich angesichts der Tatsache, daß die Forderungen bet »bisher geltenden sog. Erfurter Programms", soweit sie politischer Natur [mb, erfüllt sind. Aber ine Sozialdemokratie kann nicht nur auf erfüllte Forderungen blicken. Sie muh auch mtt Betrübnis feststellen, daß die Entwickelung auf anderen Gebieten einen andern Verlauf genommen hat, als man bei der Ausstellung des Erfurter Programms erwartet hatte. Zwilchen ben Zetten des heute erstatteten grundlegenden Referats war zu lesen, daß mach das Erfutter Programm für altes Eisen hält. Au« Pietät und wegen der Außenwelt konnte man bas natürlich nicht mit fo kratzen Motten aussprechen. Bei betz Aufstellung des neuen Programms will man offenback große Vorsicht walten lotzen. Man will nicht mä solche» Unbekümmertheit.in der Dorauszeichnung der kommende» Entwickelung vorgehen, wie es in Erfurt geschah. MaH hat aus den Lehren der Vergangenheit etwas gelernt un$ null aus Prophezeiungen verachten. Das Referat des Ge»
und fest formulieren. So hat das allen „Klaffen bewußt en st als unfehlbar und unantastbar singetrichterte (Erfurter Proei gromm Abschied von seinen viel getreuen Jüngern genomch men. Ein beispielloser Treppenwitz der Weltgeschichte ffjs es, daß eine Partei, die bei allen päßsichen und rarpäß-' sichen Esiegerchesten vorgibt, Trägerin jedweden Forßff schrttts zu fein, Jahrzehnte bedurfte, um erst durch ner* hängnisvolle Fiaskos aus ihrer wirklichkeitsfremden Stellung herausgedrängt zu werden. Man muß bett maßlosen« Ausführungen des Hamburger Vertreters ßaufföfters rtUt# haltlos bei stimmen, der in der Aussprache feststellte, dasi es unverantwortlich fei, die Arbeiterschast seither nur m» Illusionen gefüttert zu Haden. Und man muß auch Bram» ofme weiere» Recht geben, wenn er sagte: „Ernsthaft» Selbstprüfung tut not!" Leiber fehlt noch der Defähigu-ngs- nachwei», daß die Sozialdemokratie imstande ift, aus bet Konkursmasse ihrer propagandistischen Aktivttät noch em wenig Tatkraft zu milfchoffender und aufbauender Akftvitäj zu retten. Was bisher an Leistungen zur Schau gestellt ist, weckt wahrlich keine überwältigende Gefühl«. Em gegenseitiges Verstehen unb ein gemeinsames Arbeiten anj Wiederaufbau wird fo lange unmöglich fein, wie durch hetzerffche Parteiletdenfchasten und mwerföhmliche Klas- feifampfgebaut en bie Gemüter ausgspeitscht werden.
Der Parteitag wandte sich bann der Agrarfrage zu. Hebet die neuen Richtlinien zur Agrarpolitik referierte der Vorsitzende des Deutschen Landarbetterverba«- des, Abg. Georg Schmidt. Er empfiehlt die Sozial» fierrate der landwirtschaftlichen Betriebe, lieber die Frage dr.' Vert.-Ämte von Gryst-rundlie^tz werd« noch verhandelt, die der kleineren Betriebe sei auch noch nicht entschieden. Die. Großbetriebe sollten nicht durchaus zerschlagen werden. Die Landwirte, Me ihren Boden nicht beerb eiten, die Wirtschaft nicht richift ausmttzten oder Raubbau trieben, müßten auf Grund de» Enieignmtesgefttzttl enteignet werden. Di« Produftion teiüstr unter die Aufsicht des Staates gestellt werden.
Die Referate über die Wohnungsfrage, die von Hirsch ((Ebartotitnburg) und Engler (Freiburg) erstattet wurden, nahmen den Hmwtteil der Nochmitteg»»erhemd» tungen em. Die beibtn langetmiE Dericht«, die nid Zahlenmaterial und trockene statistische Aufstellungen bringen, waren stellenweise im beständigen dumpfen Stimmengewirr des Saales kaum verstönblich. Der Vorsitreud» mußte mehrmals die gewaltig« Glocke bes Borstenbsfflches in Bewegung setzen, um energisch Ruhe zu fordern. Ab«! tn den nächsten Minuten glitt dos Jnttvetz« wieder h»fi< mmgslos vom Reimer ab.
Die Tagung -er Unabhängigen.
»Halte, 16. Oktobe»
Die Rede Sinowjew», de» blutigen russisch«» Machthaber», am Schluffe der gestrigen Schung, gipfelte in ihrem weiteren Verlauf in einer schrankenlosen Berg herrlichung des schärfsten fcbonumflofen Terror». Di« Mehrheit brachte Sinowjew zum Schluß eine fast viertelstündige Ovation bar unb stimmte, während di« Rechte ben Saal verließ, die ltbeitenwarfei8eift «nt.
Die Sitzung vom Freitag wurde <tu» «füllt vaw einem langen Gegenreferat Hilferding», ht bete dieser im -kamen der Recht;» «uf Sinowjew» Red« antwortete. Er lehnte e$ «6, für dir deutsche Stets»» lution ein einheitliche» Rezept vom Auslande zu übernehmen. Dre Schmuhkonkurrenz de» 9labitnli$mu5 hindere jede Politik unb Macht de» Proletariats. Di« gewerkschaftliche Internationale, über die gestern Sinowjew fo verächtlich al» „gelbe* Internationale gesprochen habe, sei in Wahrheit die einzige Internationale ge, wesen, die aktionsfähig war. (Stürm. Beifall rechts^ Daß man aber Männer, die für '-iefe gewerkschaftlich, Internationale gelebt und gestritten haben, der.Orgesch' glerchstellt, den Mördern des Proletariats, das ist ei» Mangel an moralischem Empfinden, daS ist politisch« Falschmünzerei. (Leidenschaftliche Zurufe: Sie sind detz Falschmünzer! Minutenlanger Lärm, den der Prässt dent kaum zu beschwichtigen vermag.) Wir brauche« nicht die Diltatur der VolkSmaffen, sondern eine solch» welche die VolkSmaffen gewinnt. Wir müffen unfetf Selbständigkeit bewah en und deshalb nehmen wir dtt Moskauer Bedingungen nicht an. Sinowjev schlug plötzlich vor, einen formulierten Gegenvorschla, zu macken. Darüber ließe sich bann reden. Wir soll t;n bitten, dach noch aufgenommen zu werden. _ Ha denn niemand ein Bewußtsein dafür, tote unwnroij solch ein Angebot ist? (Stürmischer Beifall auf de, rechten Seite.) Zu der Ehrlichkeit dieses Angedost haben wir nicht da» genngste Vertrauen. (lebhaft« starker Lärm rechkS.) Die Spaltung mnß einte« ten. Don diesem Parteitag wirb feiner als Siege- gehen, wohl aber einer als Besiegter: die deutsch, Revolution. Die Arbeiterbewegung ist tn der Spattuns und da« bedeutet die Gegenrevolution. (Brausend«, Ben'all bei den Gemäßigten.)
5n der Rachmittagrsitzung erklärte Morte« (RuH land) na'nen» her sozialdemokratischen Arbeiterpartck Rußland», die wirklichkeltrsrernbe Politik der A»!sch» wismu» gefährde bie russische wie die intemetienele R« coluti i. Die Partei des R ners lehne ben Terr«c »b Die Rede mürbe von der Rechten mit braufenbew fall, von brr Linken mit l,' ifen, Trampeln uub Mm begleitet. — Losow »li (Rußland) bekämpft« tew und b.'hauptete von ihm, er habe aus bet rwW*«e Arbeiterschaft ein willige, Werkzeu der Endete« « macht. Als er bann von gelben Bestrebungen steeach di ou Irnperiasiitifche Kriegspolitik unterstützt hätte; und 1» er b-'vnbers scharfe Angriffe gegen SignMen, wegen seiner ftebe im Verband der Metallarbeiter pich tete, verlar glen Erispien und Sebebour ein Einschreit» dW 3vfd«enb,ii, zumal die den ausländischen Bertretev
Teiles von Deutschland und den Ruin des Restes. Also das gerade Gegenteil von dem, was in Spaa und in Brüssel angebahnt werden sollte: kein Solidarttäts- gefühl und keftte unbefangene Prüfung der Derhältmffe!
In diese rückläufige Tendenz paßt es leider nur zu gut, wenn jetzt die Sieger die Vernichtung unserer Dieselmotoren fordern. Unter der Behauptung, daß diese Motoren für U-Boote brauchbar seien, wA man uns zwingen, nicht bloß Werke von 1¥* Milliar- den zu oernicksten und obendrein noch die dreifache Summe auf die Reichskaffe ju nehmen, sondern muh noch der deutschen Wirtschaft in Industrie unb Landbau eine schwere Wunde zu schlagen, die unsere Leistungsfähigkett noch weiter herabdrücken würde. Wenn das Verlangen aufrecht erhalten und durchge» führt wird, so müffen wir in der Tat cmnehmen, doß es auf die Vernichtung Deutschlands abge- vhen ist. Daß rote keine Tauchboote mehr haben und auch nicht bauen können, ist doch notorisch. Will man Otto unseren Werkstätten alles entfernen, roa» sich allen- ift, wird fein Vermögen im Geschäft des Bruder» v«r- wertet. Der wird es ihm nie herauszahlen, unb ob der andere darüber stirbt und verdirbt."
Hellwig schüttelte erstaunt den Kopf.
„Aber Dein Vater kann Dir doch genug mitgeben, daß Ihr nicht zu hungern braucht?"
„Wenn aber die Mutt« keinen armen Eidam will, was soll « da machen?"
Bett' hatte bie ganze Zeit kein Wort gesagt. Jetzt schüttelte er sich wie in großem Ekel und ging au» der Stube.
Elifabech sah ihm traurig nach.
„Er möchte mir so gerne helfen und kann doch nicht."
Herlwig legte den Arm um sie und strich ihr da» dunkle, naffe Haar au» der Stirn.
»Ach, wenn ich Dir doch helfen könnte, Du Arme! Aber ich bin wohl die letzte, auf deren Bitten der Oheim und die Muhme hören würden."
Und sie nahm seufzend die Leuchte unb ging mit der Vase die knarrende Treppe nach oben tn ihr kleines, gemeinsames Schlafgemach.
Der sozialdemokratische Parteitag.
* Kassel, 15. Oktober.
Am Freitag begann bie Verhandlung übet ben wichtigst en Punkt, bie Aenberung des Parteiprogramms. Bekanntlich fühlt die Sozialdemokratie das Bedürfni», tzr Programm zu tnobenrifteren. Da» ist oct-
„Unb bann, Frau Muhme, ich muß Euch sagen, baß ich in Angst bin wegen Elisabeth. Daß sie etwa krank wirb. Sie hat die Rächt so sonderbar geredet im Traum und dazwischen gemeint zum Erbarmen."
Die Ratsherrin hob jetzt den Kopf. Unb nun kam auch sie langsam näher heran an Me anbere Seite be» Tisches. Ihre Augen hatten etwas Lauernbes bekommen, unb ihr Munb war noch schmaler unb schärfer al» sonst.
„Du liebst Elisabeth sehr, nicht wahr?" fragte fie jäh unb sah Hellwig habet forschenb an. Hellwig nickte. Ein wenig erstaunt.
„Freilich, Frau Muhme, schr. Und ihr Kummer fchneibet mir tief ins Herz."
„Unb ba möchtest Du ihr gern helfen, wie?" Hellwig zuckte traurig bie Achseln.
»Helfen, ach, ba» liegt wohl nimmer in meiner Macht, Frau Muhme. Nur gern ein gutes Wörtchen für sie einlegen bei Euch."
Da schob bie Ratsherrin mit ihren beiden runden Händen die gestärkte Morgenhaube zurecht unb räusperte sich.
»Es liegt in Deiner Macht, ihr zu helfen, Hellwig. Ja, Du allein bist imftanbe, es zu tun."
Mtt großen Augen sah Heilwtg fie an.
War meinte blt Muhme? Eie könnte helfen?
Unb einbringlicher fuhr bie Ratsherrin fort:
„5a, Hellwig, Du. Sieh mich nicht gar fo erstaunt an. Du weißt um Elisabeths Liebesgeschichte unb wie bie Verhältnisse liegen. Sobald Du Fridolin Sammer- zahl ehelichst, wird er in der Lage sein, seinen Bruder aurzuzahlen."
Sie hatte e» kurz unb rasch gesagt, wie um jebe Einwendung zu unterdrücken. Aber immer noch sah Heil- wig fie verständnislo» an unb schüttelte ein paarmal den Kopf hin unb her.
„Ich begreife ba» nicht, Fran Muhme, wollet Ihr e» mir nicht näher erklären? Ja, «enn ich eine reiche Erbin wäre. Aber so?"
Die ititsberrm lackt, auf.
„Törichtes Kind! $?«*' bist Du eine reiche Erbin, ldast Du da« nimmer ewfct? $• hte Dein Ahne viel »rersttex w» «mmm-Ict In <«w«w tenge» Leber"