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FuldaerZettung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die 5ladl Fulda. ___

47. Zahrg.

Mittwoch, )3. Oktober )920

Nr. 238

einmal jn uns Ins Wohnz!n-rn--r. Heilwig

und ich Haden WichNges mit Dir zu

be-

v-rwimberte sich fieifroig und trat fart die Schwelle, ihre Wäsche immer noch

„Komm Der Ohcim sprechen."

Darüber aerud über im Arm.

zö- sest

europäischen Kontinent.

Wenn man diesen Plänen die wirtschaftliche Notlage der ganzen Welt entgegenhält, wenn man aus den schweren Mangel in Deutschland und Oesterreich, aus die drohende Hungersnot in Polen und Rußland blickt, wenn man liest, daß in China täglich 1000 Menschen an Hunger sterben, und wenn man danach ermißt, welck^er ungeheurer Anstrengungen aller beteiligten Völker es bedürfen wird, um die Menschheit in den nächsten Monaten und Jahren vor dem Aeußcrften zu schützen, so erscheinen die ein ungeheures Kapital an Geld und Kraft verschwendenden französischen M a ch t p l ö n e nicht nur als gegen Deutschland gerichtet, sondern als ein Verbrechen an der gesamten Menschheit.

Reuter erfährt, daß die Antwort Frankreichs auf die englischen Vorschläge betreff mb die Wiedergut­machung eingetroffen ist. Die englische Note hatte vor- gefchlagrn, daß v o r der Genfer Konferenz eine Zusam­menkunft der Finanzsachoerständigen der Alliierten, die aus der Wiederautrnachungskommission gewählt werden sollten, stattfinden solle, zu der auch deutsche Sachverständige zu- gezogen würden. Diese Konferenz, in ber_ technische Fra­gen erörtert werden sollten, solle in Köln ftattfinben. Die „Times" schreibt, in amtlichen Kreisen werde bie fran­zösische Antwort als „im großen imb ganzen befriedigend" angesehen. Di« englische Regierung werde vermutlich einer Vorbesprechung der Sachverständigen zustimmen, an bie sich dann eine Vollversammlung in einem neutralen Lande nach Art der Konferenz m Spaa anschließen werde. Die englische Regierung sei noch immer der Ansicht, daß bie Deutschen als vollberechtigte Teilnehmer an der Vollversammlung teilnehmen sollen.

Dem Ausgleich der englisch-französischen Meinungs- versck'iedenheiten dient eine Zusammenkunft, die gegen- wärtig in London zwischen Lloyd George und dem belgischen Ministerpräsidenten Delacroix ftattfinbct. Delacroix setzt sich für die französischen Forderungen ein. Seine Vorschläge betreffen die Berufung der Sachverstän- digenkonferenz nicht nach Köln, sondern nach Brüssel. Die fachlichen Meinungsverschiedenheiten, ob man zur Fest- setzung einer Pauschalsumme gelangen oder die von Deutsch- land zu zahlende Entschädigunossumme ohne'Rücksicht auf die finanzielle und polstische Möglichkeit festsetzen soll«, be- stehen noch fort.

tiejujapreis; Monatlich 3,Ou Alk. oyne ZusteUgevuyi. jn FUiüa vei unsubgehott 3,1b Ilie. Anzeigenpreis. Die K ieinze >le -Cotoneimaö) So p,g„ u. 10°i. outd)lag, die Re ttamezeite (Texivreile) 1.8U litt., u. 10"'« Zutchtag. Bei Wederhot. Rabatt.

Parteien hes Reichstags, darunter auch das Zentrum, Haden sich wiederholt mit dem FmanzÄend des Rei­ches beschäftigt, und alle Instanzen sind sich längst darüber einig gewesen, daß äußerste Sparsamkeit not­tut, daß der vielfachen Uederfüllung einzelner Behör- den mit Beamten schleunigst ein Ende gemacht werden muß, kurz, daß endlich einmal wirklich eine sparsame Finanzgebarung nicht nur im Munde geführt, sondern auch tatsächlich durchgefetzt werden muß. Das alles aber kann doch den Geheimräten der einzelnen Mi­nisterien nicht unbekannt geblieben fein, unddennoch müssen wir es erleben, daß der Reichshaushaltsplan für neue Beamtenstellen Millionenfordemngen enthält.

Man hat in der allen Zeit viel von Geheimrats- wirtschaft gesprochen; es scheint, als wenn heute die Geheimratswirtschast mindestens ebenso stark in Blüte steht, wie in der alten Zeit. Es würde gar nichts schaden, wenn man bei dem Abbau der Stellen bei den Geheimräten anfinge. *

Im Bezirk der Berliner Eisenbahn- und Oberpost­direktionen ist für den 1. Dezember die E n t l a s su n g von 8000 Angestellten ausgesprochen worden, um den Besoldungsetat zu entlasten.

Frau Ratrine setzte sich rotefer auf ihren gewohnten Fensterplatz an das Spinnrad, indes der Ratsherr sich fast verlegen in feinem großen Leh ft HI hin und her- |d)ob und ungeduldig mit allen zehn Fingern durch den schwarzen Vollbart fuhr, Heilwig legte die Wüsche auf den Tisch und lab wartend von einem zum andern. Da rmfperte sich der Ratsh rr und legte bann beide Arme fest wie in festem Entschluß auf die Seitenlehnen keines Stuhles.

„Aifo, mein Kind, wir Hilten frute ein ernstes W"ri mit Dir zu reden. Du brauchst nicht fo erschrocken drein zu festen. Denn eigentlich ist es ja etwas sehr Er­freuliches und eine Imussrau a'tema! .fiochehrenhes, wenn ein ehrbarer Mann in allen Züchten um sie wirbt."

Er machte eine Fehe Pause, wie um die Wirkung seiner Morte zu beobachten.

A''er Heilwig machte nur ein erstaunte, Gracht und ! sah mit großen Augen fra-cnb nam Oh-im zur Muhme und dann mteber van der Muhme zum Ohcim.

j .(Fortsetzung folgt ).

Das Schwert von Thnle.

Roman von Leontine von Winterseld-Platen.

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fieilroig sagte kein Wort. Sie stand am Mast ge- lehnt und trank mit großen, durstigen Augen die wun- berbate Klarheit dieses sonnendurchtränkten Herbsttages. Eine leichte Brise träufelte die weite Wasserfläche und ließ die blonden Haare an den Schläfen wehen.

Seit sah ihr gegenüber auf dem Bänkchen, die Sjänbe zwischen den Knieen gefaltet. Er hätte so fahren mögen bis ans Ende der West.

Da holte ficitmig tief Atem und sagte schwer und langsam, wie in Gedanken:

„Ich glaube. Seit, Du und Elisabeth, Ihr stammt auch aus Thule. Denn Ihr seid so anders wie die übrigen alle in der großen Stadt. In Euren Augen ist auch immer ein Hunger und ein Sehnen — säst w.e Heimweh."

Er sah sie an. Wieder brannten die beiden roten Flecken auf sei en schmalen Wangen.

„Ja — ein Hunger und eine S -hn'ucht, Hei'wig — 6a hast Du recht. Aber das von Thule mußt Du mir erklären, das versteh ich so nicht."

Da erzählte sie ihm mit weicher Stimme von dem, was ihr der greife Ahne einst gesagt. Son all den Mei- scheu, die zusommengehären, weil sie van Thu'e geirm- men sind — der I sei der Treue und der Sehnsucht. Denen das Getriebe und Gehaste der Welt nid) 9 an­haben kann, weil in ihren Seelen stille, starke Ltch er brennen, die alles Dunkel erhellen und selbst hinstreben zum Licht.

Ganz still hörte Veit zu.

Als sie schwieg, nickt« er ein paarmal mit dem *opf.

„Da, ist hübsch, Heilwig — o so schön! Dar roerbe' lch nie vergeßen. Es ist bi:, Thule wohl bei jebrm Menschen ein anderes. Und heißt bei einigen fje mat oder Liebe ober Gott. Bei Dir ist es die Heimat. Hell­wig — und bei Elisabeth ihre ‘Ü be. Es ist wogt immer

yeruniwoima) tut oen redauwnellen Test: Karl schütte, z für bie Anzeigen: I. Parze er»Futda. - Rotationsdruck u. Vertag der Fuldaet Acnendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. H Tetegr.-Adrehe: oulbaer Zeitung.

ganzen Aktion. Das ganze Geschrei von der Wtcder- gutmachung ist nur ein Vorwand für die aus­schweifenden Pläne der französischen Weltmachtpoiitck, die sich mit der Erholung Frankreichs von den Wunden des Krieges nickst zu begnügen gedenkt, sondern nicht mehr und nicht wen'ger zu beabsichtigen scheint, als di« Erreichung der Macht über den gefamten

es ferner 24 Milliarden gleich 100 Milliarden Mark an laufenden Ausgaben des Wiederausvaues für das kommende Jahr fcftsetzt, die einfach von Deutschland eingezogen werden sollen, so weiß man in Puris na­türlich ganz genau, daß Deutschland zur Begleichung dieser Summe oder selbst einer viel geringeren auf keinen Fall im Stand« sein wird.

Das ist ja aber auch wohl nicht der Sinn der Das ganze Geschrei von der Wieder-

Tie Sparsamkeits-Leitsätze.

Di« Sparsamkeit ist eines der guten alten Haus­mittel, die manchmal besser sind als die feinsten Er­zeugnisse der Apotheken. Finanzminister Dr. Wirth hat den Wert der Sparsamkeit erkannt und zu ihrer Betätigung erfolgreich das zweckmäßigste Verfahren in Gang gebracht.

Sein Programm für die Verringerung der Aus­gaben des Reichs ist vom Reichskabinett einstimmig be- »Hoffen und in feinen Einzelheiten gestern bekannt ge­geben worden. Es hat sich danach das Kabinett auf Grundsätze sestgelegt, die einer weiteren Steigerung her Ausgaben entschieden entgegen wirken, darüber hinaus aber auch die Ermäßigung der bereits bestehen­den Ausgaben herbeiführen fallen. Reue Aufgaben, die Geldcmfwendungen erfordern, soll das Reich nur in unbedingt dringenden Fällen übernehmen; die Schaf- fung neuer oder die Vergrößerung bestehender Der- Wallungen wird, wo es sich nicht um unbedingte Le- bMsnotwendigkeiten des Reiches handelt, untersagt. Umgekehrt wird Einschränkung bestehender Derwal- tMtgseinrichtungen, beschleunigter Abbau der Kriegs- gesellscksttften, Herabminderung der bestehenden Stellen, soweit irgend möglich, zur Pflicht gemacht und gründ- Mich für alle Ausgaben allergrößte Sparsamkeit und tunlichste Herabminderung gegenüber den Vorschlägen gefordert. Für die Uebergangszeit ist ein Relchskom- missar bestellt, der dem Finanzminister betgeordnet ist imb unter dessen Verantwortung für die strengste Durchführung der Leitsätze zu sorgen hat. Also ein Sparsamkeitskommissar, der in allen Ressorts die Ge­wissen zu schärfen und die Folgsamkeit anzuregen hat.

Allerdings fängt der Abbau der Stellen damit an, daß eine neue Stelle geschaffen wird. Aber wenn der Reichskommissar auf dem Posten ist, so kann er hunderte, ja tausende von anderen kostspieligen Stellen aus der Welt schaffen. Die ungeheuerliche Vermehrung der Beamten und der Hilfskräfte in den Reichs-, Staats- und Gemeindebetrieben hat Milliar­den verschluckt, und es wird die Wiederherstellung des Weichgewichts erheblich erleichtert, wenn die Summen für Gehälter und für die sachlichen Ausgaben der zahl- losen Organisationen teils gänzlich erspart, teils we- senllich eingeschränkt werden.

Es kommt dabei auch der moralische Eindruck auf die Steuerzahler in Betracht. Die Steuerscheu wird genährt, wenn im Volk die Ansicht herrscht, das gezahlte Geld werde vergeudet auf den Klubsesseln der allzuvielen Behörden.

Die Leitsätze sind gut Wenn es dem Finanz- Minister gelingt, sie gründlich durchzuführen, so wird Herr Dr. Wirth einen Lorbeerkranz oer- bient haben.

In einem seltsamen Widerspruch zu den Deschtüs- fen des Reichskabinetts steht die Tatsache, daß der neue Haushaltsvoranschlag für das Reich nicht weniger als rund 25000 neue Beamten st eilen for­dert. Der Reichshaushaltsvoranschlag ist, allerdings «st nach der finanziellen Aussprache im Reichskabinett lirschienen, man darf daraus aber nicht den Schluß ziehen, daß er erst nach dieser Kabinettssitzung auf- gestellt worden ist. Das wäre ja geradezu ungeheuer­lich. Die Vorbereitungen des Haushaltsplanes nimmt längere Zeit in Anspruch, und er setzt sich in seinen Ausgaben zusammen aus den , Forderungen und Vor­schlägen der einzelnen Ministerien.

Wenn so auch die Aufstellung des Haushaltsplanes bereits geraume Zeit vor den erwähnten Beschlüssen des Kabinetts vorbereitet und erfolgt ist, fo bleibt doch bie Tatsache bestehen, daß so ungeheure Mehrforderun- gen erhoben worden sind, obwohl der ganze Umfang des Finanzelends des Reiches doch nicht erst durch die Aus­sprache im Reichskabinett bekannt geworden ist. Im Gegenteil, der Reichsfinanzminister Dr. Wirth selber hat mehrfach in öffentlichen Reden auf die drohenden Gefahren unserer finanziellen Lage hingewiesen. Die

Ter Parteitag der Unabhängigen.

Am gestrigen Dienstag trat in Halle der Parteitag der ll. S. P. zusammen, der über das wettere Schick- fal der Partet entscheiden soll. Angesichts der großen Massen, die diese Partei hinter sich hat und angesichts der verhängnisvollen Rolle, die sie im politischen Leben Deutschimtds gegelt, und des unheilvollen Einflusses, den sie auf das Geschick des Deutschen Reiches ausgeübt hat, geht die Bedeutung dieser Entscheidung weit über die einer innerparteilichen Frag« heraus.

Schon lange merkten die Führer dieser Partei, daß die von ihnen verhetzten Massen immer mehr ihrer Leitung entglitten, von ihnen fort und weiter nach links immer radikal ren Hetzern und Schreiern zu- tiesen. Die Ledebour, Dittmann, Cohn und Hilferding, die sich von der alten sozialdemokratischen Partei ge-, trennt hatten, weil diese zu „reaktionär" und vom Bür­gertum abhängig [et, de sich deswegen stolz die „Un­abhängigen" nannten, werden jetzt f e [ b ft als „Erz­reaktionäre" und „Knechte des bürgerlichen Sipiralis- mus" von ihren Parteigenossen behandelt. Das Schwert, das sie geschnmLet, kehrt sich gegen sie selbst. Bei ihrem eifr gen Bemühen, jegliche Autorität zu unter­graben, haben sie ihre eigene nutuntergrabeiL Sowjck-Rußland und der Bolschewismus waren für fit ausgezeichnete Agitationsmittel, um die Massen arfju- peitschen, und sich selbst in den Sattel zu setzen. Sähet warnte sie aber ihre Einsicht, sich selbst allzuwett mit Moskau einzu.aisen und sie suchten diese Wiüersprücht durch Halbheiten und Kompromisse zu lösen. Doch das hass ihnen nichts, der letzte Kongreß der Moskauer kommunistischen Internationale forderte von ihnen eine klare entscheidende Antwort: Ja oder Rein!

Und jetzt zeigt sich die aanze Zerklüftung dieser Partei. Der eine Teil ist einsichtig genug, um die ganze Haltlosigkeit, innere Unwahrheit und Gefährlichkeit des Bolschewismus zu erkennen, und widerstrebt daher dem von den Moskauern geforderten unbedingten Anschluß an die dritte Internationale. Der andere Teil der Partei will aber diese letzte Konsequenz unbebirtg# ziehen

Der Parteitag in Halle wird die Ensscheidung brin­gen. Soweit man jetzt das Ergebnis der Urabstim­mung innerhalb der Partei übersehen kann, scheint die Mehrhel der Delegierten für den Anschluß an Moskau zu sein.

Spricht sich nun tte Mehrhe't des Parteitages füt Moskau aus, dann werden wir eine sehr stark an ge­wachsene kommunistische Partei haben, während von den Unabhängigen ein kläglicher Rest übr g bleibt. Er würden sich aber aus diesem allem Folgen ergeben, deren innerpolitisch« Bedeutung sich noch gar nicht überieben läßt.

Sollte sich aber doch ein« Mehrheit der Moskau- © gner finden, te wird doch die Minderheit, die der gewalttätigere Test ist, kein Mittel unversucht lassen, sich durchzusetzen, ob innerhalb oder außerhalb der , alten Partei, das läßt sich noch nicht übersehen. So oder so. die Paitei, d'e vor einem halben Jahre di« zwei stärkste im Reiche war, steht am Abgrund. Der poltt sch« ©ewiini aus diesem Ereignis aber fällt nicht etwa den Rechtesozial sten — die schon heimlich schmun­zelnd fcarnuf zu warten scheinen — oder gar dem Bür­gertum ’u sondern einzig und allein den R a- d t k a l e n. Der Bolschewismus tt'tt das Erbe der durch ihn zerstörten Partei an. Wir bekommen statt des Teufels den Beelzebub.

Frankreich w ll. das Ruhrgebiet.

Sonst stimmt es der Genfer Konferenz nicht za.

Wie bekannt, hatte Frankreich dem Zuftandekom- men her öenfer Konferenz mit aller Kraft entgegen gearbeitet. Da es mm tchemt, als ob sich der englische Ministerpräsident Lloyd George trotzdem nicht davon abbringen ließe, daß die Genfer Konferenz auf all« Fälle stattsinden muß, beginnt Frankreich zwar nnzulcnken, benutzt aber die Gelegen­heit, um als Ausgleich für feine Zusage die bündige Einwilligung in die Besetzung des Ruhr­gebiets, falls Deutschland nicht die Bedingungen pünktlich erfüllt, hercruszuschlagen.

Rach allem, was man sonst hierüber gehört hat und was sich aus den Tatsachen zusammenreimen läßt, kann man sogar annehmen, daß der Widerstand gegen die Genser Konferenz von Anfang an als Druckmittel zur Beseitigung dos englischen Widerspruchs gegen die Besetzung des Ruhrgebiets gemacht war.

In ganz neuer Beleuchtung erscheinen diese fron- zösischc-ii Pläne, wenn man sie im Zusammenhang nist den Mitteilungen über umfassende Militärische Maßnahmen der Franzosen und Bel­gier im besetzten rheinischen Gebiet betrachtet. Dort befinden sich nach einer Darstellung, di« dem „Vor- warte" von einem rheinischen Abgeordneten zugeht, 140 bis 150 000 Mann Besatzungtruppen. Die lech- Nischen Vorbereitungen in d'esen Gegenden beziehen sich aber auf eine wett größere Armee. So wird bei Trier ein riesiges Gelände für eine Feldbäckerei in Anspruch genommen, die für di« Versorgung von viermal Hun­derttausend Mann ausreichend ist. Ueberall werden Flugplätze, Uebungsplätze, Truppenlager und Kasernen angelegt und bei Kaiserslautern ist ein Munitionslager von nicht weniger als 600 Hektar geplant. Dieses Munilionsdepot re cht für eine Millionen» arm ec aus. Dazu kommen große Tankanlagen und Brückenbauübungen an bekannten Rheinübergängen. Aus alledem geht klar hervor, daß Frankreich mit der DesetzungdesRuhrgebiets nicht nur als mit einer entfernten Möglichkeit, sondern als mit einer fichervorauszusetzenden Tatsache rechnet.

Ja, es könnte fast scheinen, als ob Frankreich sich auf die militärische Niederwerfung großer Widerstände gegenüber seinen Besitzungsplänen vorbereitet. Wenn Frankreich an regelmäßigen Ausgaben für mili­tärische Zwecke im Budget von 1921 26 Milli- arden Vorsicht, so erkennt man darin unschwer den Ge­danken an die völlige Vernichtung Deutsch- l a n d s, denn es ist nicht e'nzusehen, welche andere Macht noch vorhanden sein sollte, di« Frankreich zu diesen ungeheuren Rüstungen veranlassen könnte. Wenn etwas, was man verloren hat und um das man nun kämpfen ober meinen muß. Etwas, das uns so gleich­gültig macht gegen das lächerliche, nichtig« Getobe und Geschrei der Welt da draußen Ach, es sind wohl die meisten irrenden Wanderer, die ihr Thule suchen. Es liegt wohl in dem Menschen von Kind an. Und ist wohl im tiefsten und letzten Grunde das ewige Heimweh nach dem verlorenen Paradies.

Sie waren beide still geworden und sahen über bas weite Wasser. Eine weiße Mäve kreiste uöabläff'g um ihr Boot und tauchte schwemmend in wundervollem Fluge in das schimmernde Meer. Ganz leise plätschernd brachen sich die Wellen an den hölzernen Planten, und «9 lag wie «in großes, falte* Trüum.n über dein gold- durchzitlerten Spätnachmittag.

Ietzi holte Seit tief 2Lem und fah nach ter Sonne, die im Sinken war.

„Wir müff.n nun wohl we ben, H ilrog, d eweil es spät geworden ist und die anderen warten werben."

Sie fuhr zusammen und sah traurig ringsum.

„Schon?" fragte sie leise und wa dte langsam das Schisftein mit einem tiefen Seufzer.

„Ja. schon", sagte er schwer, „'ch könnte auch so mit Dir fahren. Hei wig — immer, immer.*

lieber den Türmen von Rostock !ank bie Abendsonne. Traumsü'e Dämmerung senkte sich unmerk ich ü!-er Meer und Küste. Aus den Warnowwiesen stiegen di« Herbstnebcl.

Da knirschte ter Kahn im User'and, und die beiden Z trückg bliebe en fti-gen eilends her in. In El sa ef» blassem Gesicht waren Tränen'puren zu fehen. Das schnitt Heilwig ins S"cr$. SJ~r denn bie L ede ihrer Dose wirklich so traurig und ho'f mngslrs? Den gan­zen Heimweg mu-te sie darüber sinnen. Und schn end wie eine Mi stier legte sie den Arm um die Freundin, di, sich wie hilfesuchend an kie schmiegte. So sä'en sie Hand in Hand die ganze Heimfahrt. Aus den W esen zur Seite des Fluss s tünch das ltsse Zi'pen brr G i len. die des Son mrrs Abschied befangen. Seit hatte se ne Fiedel hervorteholl und geigte ei te stille Weife in den bätrmcrub'n Abend. Frido'ins Augen wurden imm-r kleiner, Lis jein Ha-xt vornüber [an£ -uck> er eiuietzl.es.

land nun auch von geistiger Auszehrung bedroht sei und erinnert die Partei an ihre kuleurpoliiischen Pchch- tcn. Aus der Fülle der Anträge, die dem Parteitag zum Norsta .üsdericht vorliegen dürfte die ReMu.ion über die Regierungsbildung von bCjOnaerem Interesse sein. Danach soll der Wiedereintritt der sozialdemokratischen Partei in die Regierung nur talt finden, wenn die Interessen des Proie.aiia.s ihn zwingend erfordern. Diese Interessen per. langten Demokratisierung der Verwaltung, Republika, nisierung der Reichswehr, Sozialisierung der da ür rei< en Wirtschaftszweige und eine pazifistische auswärtige Politik. Der Antrag wird mit überwältigender Mehr­heit angenommen.

Alsdann erstattet Hildenbrand (Berlin) den Bericht der Reichstagsfraktion. Er schickt der Schilderung der gesetzgeberischen Maßnahmen des Parlaments eine BefcyWörung der Ententevölker vor­aus: Dem Rasen ihrer Militaristen und Lmperiaiisten endlich E.nhalt zu gebieten. Hohe Anerkennung (pen- bet er der neuen Verfassung, die die freiheitlichste der Welt sei und die bedeutsamsten Ansatzpunkte für die Verwirklichung einer demokratisch-sozialistischen Staats- Ordnung darbiete. Nachdrücklich mahnt er die Arbeiter, das Betriebsrütegesetz ausschließlich als wirtschaftliches I istrument zu betrachten, als solches aber auch nach Kräften auszunutzen. Zufammenfasseich versichert Hil- denbrand, daß die parlamentarische* Vertretuig der Pariei dcm Urteil des Parteitages mit'bestem Gewissen entgegensche. / , .

Die Nachmittagstagung brachte lediglich die Aus- sprach« über den Bericht der Reichstagsfraktion. Der Ablauf der Debatte war gleichmäßig ruhig und ein- druckslos. Sollmann (Köln) beklagte, daß in der Frak- tion kein einziger Kenner des platten Landes, kein einziger Kenner der Industrie und des Handels fitz-, es fei nur eine Fraltion von Redakteuren und Par- teifetretären. Schöpflm (Karlsruhe) polemisierte gegen reaktionäre Strömungen in der Reichswehr. Bern­stein wies auf die Notwendigkeit des Zulammenarbei, tens mit erfahrenen und weitfehenden Männern bei Bürgertums hin. Von Aeuer iMünchen) wurde bie un- bedingte Solidarität von Süd- und Norddeutzchlaub betont. Zu dem Fraktionsbericht finb nicht weniger als 161, zum Teil äußerst weitschweifige und unüäersicht- liche Anträge eingegangen. Der Vorsitzende saßt ft« mit geschicktem Griff zusammen und führt schnell bi« Entscheidung über Unterstützung oder Verwerfung her- bei. Als Unikum fei ein Antrag der Ortsgruppe Wehr- ftebt erwähnt, der sich gegen die akademisch gebildeten Parlamentarier der Partei wendet und verlangt, daß bie Mehrzahl ber parlamentarischen Sitze Handarbeitern eingeräumt werden solle. Er enthalt den lapiberen Satz: „Die Wissenschaft hat uns bewiefen, baß sie nichts weiß"! Die Delegierten schienen anderer Meinung zu sein, denn der Antrag fand auch nicht eine einzige Stimme der Unterstützung. Und unter schallendem Ge- lächier der Versammlung verschwand er in der Ser- seniung.

Der sozialdemdkratische Partettag.

Staffel, 12. Oktober.

Die Sormittagsverhanblungen, die der Fortsetzung ber Aussprache über den Varstandsbericht gewidmet sind, sind wieder gekennzeichnet durch einen fast hem­mungslosen Redefluß. Noske, ber heute auch zu den Verhandlungen erschienen ist und schon rein äußer ich durch feine Gräfte in dem ständigen (Beronge der 53er- fammhmg auffällt, erfuhr sehr bald Angriffe von selten bei jüngeren Delegierten. Sein temperamentvoll ge­schriebenes Buch „Von Kapp bis Kiel", in dem er auch offene Worte der Verurteilung für Auswüchse inner­halb der Arbeiterbewegung findet, scheint nach wie vor wie ein 2’pfet des Zankes zu wirken. Vielen Rednern gab der Zusammenttitt des Parteitags der Unabhän­gigen Stofs; man würdigt ihn in verschiedenen Ton­arien, aber meist aus der Stimmung heraus: Wohl uns, daß wir nicht sind wie jene! Der erste, der aa z bas Ohr der Parteigenossen hat, ist Heinrich Schulz Dom Parteibildungsausschuh. Er legt bar, rote Deutsch-

Es war ber Demminer Detter mehrere Tage bei den Hasseibachs in Rostock zu Besuch. Unb die Raisherrin bie wünschte, baß Heilwig fiischer und sröhdcher auS- sehe, als es sonst ihre Art war, ließ den Mädchen diese Zeit über mehr Freiheit in Feld unb Garten.

Es war so um bie Mitte bes September. Fridolin Lümmerzahl war wieder abgereift, unb das alte Leben ging seinen gewohnten, schleichenden Gang im Hassel- bach-Hause. Da geschah es eines Vormittags, ats Heil­wig just mit einem Stoße fiischer Wäsche die Treppe herauskam, daß Frau Kalrine den Kopf aus ber Wohn- ftubr-ntüre steckte und mit gedämpfter Sdmme den Namen des Mädchens rief.