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Nr. 235.

Verantwortlich für Den redattümellen Teil: Karl Schütte, z füt die Anzeigen: I. Parze Iler-Fulda. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fu Idaer Zeitung

Samstag, 9. Oktober Z920.

Bezugspreis: Monatlich 3.00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 Mk. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmaö) 60 JJfg, u. lO’/o Zuschlag, die Reklamezeile (Textbreite) 1.80 Aik., u. 100,o Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

47. Zahrg.

Die Schuldenwirtschaft des Reiches.

Der Reichsral verlangt sparsamste wirtschaft.

Dsr Reichsrat hatte in seiner Sitzung vom Donnerstag abend den Etat des Reichsmmisteriums, des Reichsten;- lers und der Reichskanzlei zu erledigen. Hierbei kam es zu einer sehr scharsen, aber sachlich durchaus gerechtfertig, len Kritik der Reichsfiiianzwirtschchst.

Dor Eintritt in die Debatte führte der Ministerialdirek­tor Sachs (Preußen) aus: Der Etatsentwurf bietet ein überaus trübes Bild. Für den Reichsrat bedeutet das eine Enttäuschung. Don dem Versprechen der neuen Regierung, bei dem im Herbst vorzulegenden Etat rück- suhislose Zurückschraubung der Ausgaben wallen zu lassen, ist nichts zu bemerken. Der Etat bringt gegenüber 1919 eine Mehrausgabe von 28,5 Mil­liarden Mark. Der Zweifel, ob sich hier das Gleichgewicht .zwischen Ausgaben und Einnahmen tatsächlich wird Her­stellen lassen, erscheint nicht unbegründet, insbesondere der Zweifel, ob nicht die Einnahmen aus den neuen Steuern zu hoch veranschlagt worden sind. Jedenfalls ist von der Finanzverwaltung bereits eingeräumt worden, haß eine Reihe der veranschlagten Milliardeneinnahmen tat Rechnungsjahr 1920 nicht eingehen werde.

Di Gesamtausgaben für das Rechmmgsfahr 1920 betragen 91,5 MiIliarden, davon sind 49 Mil­liarden völlig ungedeckt. Hierzu kommen das Desi- zit der Postoerwaltunq mit 2 Milliarden und das der Eisenbahnen mit 16 Milliarden, sodaß der Gesamtfehlbetrag 67 Milliarden Mark beträgt. Diese riesenhaften Ausgaben, die über jedes Maß einer erträglichen Finanzwirtschasi hinausgehen, sind zu­nächst einmal Folgen des Friedensvertrages. Allein für die Wiederher st ellungsforderun- gen sind 25 Milliarden vorgesehen. Dazu kommen noch unzählige ander« Forderungen sowie die enormen Kosten hes Desatzungsheeres.

Wir sind bettelarm geworden und sollten alles daran setzen, unseren Verwaltungsapparat der Not­lage entsprechend so einfach wie möglich zu gestalten. Das Gegenteil ist ' geschehen. Unser bürokratischer Verwaltungsapparat ist viel zu umfang- reich.

Wir leiden an einer

Ueberorganisation.

Statt 6 Reichsministerien vor dem Kriege haben wir deren 12, von denen jedes seine — nicht immer genügend begründete — Existenzberechtigung durch Uebernahme im­mer neuer Aufgaben, Schaffung neuer Behörden und eine wahre Sturmflut der Gesetzesmacherei zu be« f änden sucht. Dieser ein Ende zu machen, ist öchsteZeit.

Die Ausgaben des einen Reichsamtes des Innern z. B., das 1917 196 Beamte und einen Etat von 1,6 Millionen hatte, versehen jetzt 4 (!) MiNsterien mit 883 Beamten und 55,9 Millionen Gesamtausgaben. Der Etat für 1920 enthüll allein

24852 neueBeamien stellen!

Immer noch bestehen zahlreiche Kriegsgesell- Schäften und Abwicklungsstellen, mit denen endlich ein» 'Btti aufgeräumt werden muß.

Angesichts dieser niederschmetternden Finanzlage be­dürfen wir der alleräußer st en Sparsamkeit. Für noch so dringende Kulturaufgaben haben wir einfach kein Geld mehr. Wenn der Reichsrat zu sparen »ersucht und solche Ausgaben streicht, so ist das nicht Bös­willigkeit und Rückständigkeit, sondern der Zwang der NotweMgkeit. Der Reichstag sollte sich bet seiner 'Dewilligungsfreudigkeit immer auch der Verantwortlichkeit für die Bereitstellung von Deckungsmitteln bewußt bleiben.

Man muß zu retten suchen, was zu retten ist. Die «efugnisse des Finanzministers müßten bedeutend ^erweitert werden. Den Etat selbst muß der Reichsrot mit unnachsichtiger Strenge durchsehen und ihn ans das un­bedingt erforderliche Maß zusarnmsnstreichen. In diesem Sinne schlagen die Ausschüße eine _•

Entschließung an die Reichsregierung vor, die zunächst die schwierige Lage des Reichstags, den Etat durch Streichungen zu kürzen, dariut und dann er­tönt:

Der Reichsrat begrüßt das im Reichskaknnett hervor- getretene Bestreben, die Vollmachten der Fwanzverwal-

Vor 50 Jahren.

(Die Wallfahrt nach Fulda am 12. Oktober 1870.)

Am 20. September waren es bekanntlich 50 Jahre, »aß die Italiener durch die Bresche an der Porta Pia in Rom eindrangen. Wie in der ganzen kathol. Welt, rief auch in Deutschland diese Gewalttat einen Sturm Iber Entrüstung hervor und veranlaßte eine Anzahl füh- Xenber Männer — von denen nur noch der greise Fürst Sari zu Löwenstein unter den Lebenden weilt — von Aachen, Köln und Mainz aus zu einer Kundge­bung nach Fulda auf den 12. Oktkober einzuladen. «Dort wollen wir den großen Apostel der Deutschen, das Vorbild der treuesten Hingebung und des innigsten Anschlusses an Rom um seine Fürbitte in dieser schwe. len Stunde anflehen." Ein alsbald gebildetes Komitee in Fulda nahm die Vorbereitungen in die Hand. Es gehörten ihm an: Karl Fürst zu Isenburg, Dr. Körber, Gymnasialoberlehrer, Dr. Komp, Regens, Dr. Malt- Mus, Domkapitular, Rang, Oberbürgermeister, Dr. Reinerding, Profesior, Rübsam, Amtsrichter. Es erließ auch seinerseits noch einen Aufruf zu einer „Wallfahrt noch Fulda zum Grabe des hl. Bonifatius, um nicht bloß unferm gerechten Schmerz den geeignetsten Aus- druck zu geben, sondern auch die wirksamste Hilfe zu suchen, wo sie am sichersten zu finden ist." Die Ein­ladung fand überall großen Anklang. Der amtliche Be- richt, der in Kommission bei 3. F. Hammer u. Comp. erschien, weist fast 600 Namen von Teilnehmern auf, dar­unter 465 von auswärts (110 aus der Diözese, 355 aus dem übrigen Deutschland). Nach einer dem Bericht an- gefügten Notiz war das Verzeichnis der Teilnehmer ober nicht vollständig, „da nicht wenige Mitglieder es un­terlassen haben, ihre Namen und Wohnorte in die Listen einzutragen". Für die damalige Zeit, wo Fulda nicht ein- «al halb so groß war als heute, war es gewiß eine sehr schwere Aufgabe, so viele Fremde unterzubringen und Er ist weiter nicht verwunderlich, wenn es in dem Be­richt heißt, daß es manchem Fremden schwierig wurde, ein Unterkommen zu finden. „Das Lokalkomitee", jo heißt es weiter: «trifft in dieser Beziehung keine Schuld, da es nicht hoffen konnte, daß die Beteiligung an der Wallfahrt trotz der ungünstigen Zeitumstände eine so zahlreiche werden würde. Denn es aber auch den gro. ben Zufluß von Fremden vorausgesehen hätte, so würde Es bei der Kürze der Zeit, die ihm für die Vorbereitungen »ergönm mar (3.—12. Ott.) und bei den örtlichen Aerhält.

tung zu erweitern, aufs lebhafteste. Nm wenn tzr Gebot befolgt werden muß, wenn sie in die Lage Der­lei wird, das Matz der Ausgaben in unnachsichtiger Strenge mit den verfügbaren Mitteln in Einklang zu halten und wenn ohne ihre Mitwirkung und Zustimmung neue Ausgaben nicht übernommen werden dürfen, ist eine Finanzgebahrung möglich, wie sie di« Lage der Reichsfinanzen zm unabweisbaren Pflicht macht.

Diese Resolution wurde einstimmig ohne Debatte angenommen.

Reichsfinanzminister Wirth dankte den Berichterstattern für chr« Mitarbeit und erklärte, daß grundsätzlich im Reichskabinett eine Einigung über die vorgetrogenen Wün­sche erzielt sei. Er hoffe, ihre Formulierung nächstens bekanntgeben zu können.

Die Genfer Konferenz.

Wie Über Paris berichtet wird, soll Lloyd. George in Sachen der Genfer Konferenz ferne Ent­scheidung getroffen und in einer Note n'.edergeiegt haben. Dcr französische Antrag, die Einladung nach Genf rückgängig zu machen, würde danach abgelehnt, aber der Pariser Regierung das Zugeständnis gemacht, \ zunächst eine technische Konferenz von inter­nationalem Charakter stattfinden zu lassen. Diesem Kongreß soll „auf dem Fuße" die Konferenzvon Genf folgen, „auf der die Pläne für ein endgültiges Abkommen zu Ende geführt werden könnten". Als Termin für Genf ift b«; 12. Dezember vorgesehen.

Wenn diesrs Kompromiß durchgeht, dann bleibt freilich unseren Min'stern die Gelegenheit gewahrt, sich mit den Machthabern der Entente an den Tisch zu Genf zu fetzen: aber es wird doch zweifelhaft, ob in Genf noch eine richtige Verhandlung unter den leitenden Männern und eine fre'e Beschlußfassung stattfinden soll. Die geplante technische Vorkonferenz entspricht dem Wunsche der Franzosen, die Sache nicht un­mittelbar ar: internationalen Ministertifch, sondern im STre fe von delegierten Sachverständigen bearbeiten zu lassen. Wenn bfe französische Regierung an dieser Tak­tik festhalten will, so kann sie dahin arbeiten, daß die Beschlüsse der technischen Vorkonferenz als maßgebend betrachtet und ht Genf einfach als „Protokoll" vor- gelcgt werden zur gefälligen Unterschrift bei Vermei­dung des Einmarsches ins Ruhrgebiet. Damit käme man auf das alte Diktatverfahren unter Zwangsandrohung zurück. Die Freiheit des Meinungsaustausches könnte dann in Genf noch stär­ker beschränkt werden, als in Spaa. Dort mußte man das „Protokoll" wenigstens erst noch fabrizieren im Laufe der Verhandlungen: in Genf könnte Millcrmd die Beschlüsse der Vorkonferenz einfach auf den Tisch des Hauses legen mit der Erklärung, daß für Aendc- runaen oder Zusätze kein Raum mehr bleibe.

Wenn auch unsere Regierung die Gefahr erkennt, daß vielleicht Genf zu einer bloßen Formalität gemacht werden könnte, wird sie doch die Einladung zur Dor­konserenz schwerlich ablehnen können. Man würde das vv" dcr ganzen Welt als Unfreund'ichkeit, Mangel an gutem Willen, Scheu vor sachverstäneiger Prüfung auszuLevten suchen. Wollten wir Schwierig­keiten wegen der Vorkonferenz machen, so würde die Regelung der Wiedergutmachung sich noch weiter ver» zögern.

Schwarzseher behaupten freilich, es werde doch alles vergeblich fein, da die französischen Machchaber überhaupt keine Verständigung wollten, sondern im be­fetten Rheinland alles vorbereiteten, für eine gewal­tige Heeresmacht, di« nur den Zweck haben könnte, im gegebenen Augenblick über den Rhein zu marschieren und sich die „Wietzergutmachung" durch General Foch selbst besorgen zu lasten. Ein solches Damoklesschwert schwebt ja schon längst über uns; wir können zu unserem Schutze keine Macht entfalten, son-

niffen, die solchen Zusammenkünften erhebliche Schwierigkei- ten in ben Weg legen, schwerlich ein besseres Resultat erzielt haben. Es glaubt, diese Erklärung den geehrten Gästen schul- big zu fein, da nicht wenige von ihnen bei den Generalvcr- fammhmgen der kathol. Vereine Deutschlands eine an­dere Ausnahme zu finden gewohnt sind." Das Pro- gramm der Tagung mar folgendes: Am Vorabend Be­grüßung im Ballhaussaal, am Tage selbst (Mitt­woch, 12. Oktober) 7 Uhr Generalkommunion im Dom, um 9 Uhr feierliche Prozessiyn von der Stadtpfarrkirche zum Dpm, daselbst Pontifikalamt und Predigt; mittags 3 Uhr geschlossene Versammlung im Wahler'schen Saale und 7 Uhr daselbst öffentliche Dersammlung. Es wur­den Teilnehmerkarten zu 1 Taler und zu 10 Silber- grofchen ausgegeben, letztere berechtigten nur zu der öffentlichen Versammlung. Am Begrüßungsabend hiel- ten die Herren Oberbürgermeister Rang und Regens Dr. Komp Ansprachen. 3m Namen der Gäste dankte Frhr. v. Andlau aus Freiburg. Er kam u. a. auch auf die geplante freie kathol. Universität zu sprechen und freute sich, „daß die große Sbee nach jahrelangem, gleich, sam heimatlosem Umherirren endlich eine ruhmwürdige Stätte für ihre nahe Verwirklichung finde. Sie solle an der Orabesftätte des hl. Bonifatius ihre vielver» heißende Heimat finden. Es stehe zu hoffen, daß in der Erde, in welche der hl. Apostel Deutschlands seinen Dir- tenftab eingesenkt habe, und wo besten Geist ungeachtet aller Stürme, die seit 11 Jahrhunderten die Menschen erschütterte, heute noch walte, die freie kathol. Universi­tät einem fröhlichen Gedeihen entgegengehen werde". Diese Hoffnung ist bekanntlich nicht in Erfüllung ge- gangen. \

Zur Generalkommunion hatten sich 1700 Fremde und Einheimische eingefunden. Die Pro- zession wurde eröffnet „vom Gesellenverein und den Zöglingen des Schullehrerseminars, die Geistlichkeit der Stadtpfarrkirche machte den Schluß; kräftig tönte das Bonifatiuslied, das die Fuldaer eigen- tümlich zu ergreifen pflegt, durch die Straßen, vom Volke, das sich auf dem Domplatz gesammelt hatte, mit- gesungen". Die Gruft hatte der Paramenten- "verein festlich schmücken lasten. Das Pontifikal­amt zelebrierte der Hochw. Herr Bischof Ehrt- stoph Florentinus Kött, die Predigt hielt Domkapitular und Regens Dr. Moufcng. Sein Dorspruch lautete: „Weinet nicht über mich, sondern weinet über euch und eure Kinder", die et Pius IX.

dein mir hinter dem klaren Recht uns verschanzen, wüsten also alles vermeiden, was den Gegnern einen Vorwand für chre Gewalttätigkeit geben könnte.

Schicken wir zu der Vorkonferenz tüchtige Leute, die zugleich wirtschaftlich und diplomatisch geschult sind, so ist es doch nicht ohne weiteres ausgeschlossen, daß sie durch gehörige Aufklärung und kluge An- rcgungen die Pläne der unversöhnlichen Gegner ver­eiteln oder ihnen wenigstens die schlimmsten Spitzen abbrechen.

Tie letzte Sitzung der Brüsseler Konferenz.

Die Finanz ko n^erenz bat Freitag nach­mittag ihre letzte Sitzung abgehalten. Der P> äsident verlas einen ausführlichen Bericht, der die Gesamtergebnisse aus den Kommiss ouen zuiammenfaßt. Bemerkenswert ist, da» als letzte Formel für die Ueberwmdung aller Schwierigkeiten Arbeit und Sparsamkeit in den Vörde,gründ gerückt werden. Präsident Adoe erklärte, daß eine der wesentlichsten Voraussetzungen für eine geord­nete Wiederaufnahme der Beziehun >en der Friede sei. Es sei zu hoffen, daß der Völkerbund tn dieser so erfolgreichen '211 beit sortfahren werde. Nach einem kurzen Dankeswo»t, das von dem belgvrfjen Ministerpräsidenten de la C-oix namens der Kon­ferenz beantwortet wurde, schlag Adoc Die Brüsseler Konferenz.

CHne unsinnige Forderung.

Dieser Tage erschiess in Augsburg bei der Direk­tion des Werkes Augsburg-Nürnberger Maschinen, fabrif eine Ententekommission, um den Be­stand art Dieselmotoren aufzunehmen. Dabei erklärte der Führer der Kommission, daß sämtliche in Deutsch­land befindlichen Dieselmotoren vernichtet w rden sollen, um zu verhindern, daß sie wieder für U-Bootzwecke Verwendung fnten könnten. Die Direktion erklärte, sich mit allen Mitteln der Vernich­tung zu widersetzen. Eine Abordnung von Angestell­ten und Arbeitern ift nach Berlin abgercist, um mit den zuständigen Re chr stellen m Fühlung zu treten. Auch Mitglieder der Direktion sind pach Berlin ab- ßvreift, um beim Reiche vorstellig zu werden. Wie wir hören, sind auch diplomatische Schritte im Sinne einer Aufhebung der Anordnung der Entente auf Ver­nichtung der Dieselmotoren im Gange.

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Artikel 189 des Friedensvertrages kantet: „Alle Gegenstände, Maschinen und Mateiialien, d e von dem Abbruch der deutschen Kriegssch!ffe, jeder Art Ueberwafferschiffeode' Unterseeboote benähten, dürfen nnr zu rein industriellen oder reinen Handelszwecken Verwendung finden. An da? Ausland dürfen sie weder verkauft noch überlasten werden." HrerauS geht he»vor, daß Dtelelmowren, die bereits in Kriegs­schiffe (auch U-Boote) eingebaut waren, im Inland verwendet werden dürfen. Dte logische Folge daraus ift, daß die Herstellung und der Vertrieb derartiger Maschinen, die noch nicht eingebaut waren, keinerlei Beschränkung unterworfen werden sollten. Die U- BootsraAe ist bei der Festsetzung des Friedensvertra­ges so eingehend behandelt worden, daß man zweifel­los, wenn beabsichtigt gewesen wäre, weitere Beschrän­kungen vorzuschreiben, dies in voller Klarheit und un- zweideutig im Vertrag zum Ausdruck gebracht hatte. Würde das Verlangen der Entente erfüllt, dann würde das deuffche Wirtschaftsleben ungeheuren Schaden er­leiden und Taufende von Arbeitern würden brotlos werden. Die Entente könnte mit demselben Recht auch alle anderen Maschinen, Apparate, Werkzeuge als Kriegsmaterial bezeichnen, weil sie in irgend einer Weise im Heer oder in der Flotte benutzt werden könnten.

in den Mund legte. Durch die Entthronung des Papstes sei die Religion verletzt, die Grundlage des Rechts er­schüttert und ein höchst strafwürdiges Verbrechen be­gangen. Am Schluffe forderte,er auf festzustehen im Glauben, alle irdischen Mittel anzuwenden, um dem Rechte des Papstes Geltung zu verschaffen und di« Zu- flucht zu nehmen zum Gebet. Die geschlossene Versammlung fand nachmittags 3 Uhr im Wähler» scheu Saale (fetzt Harmonie) statt; .er hatte durch die eifrige und umsichtige Tätigkeit mehrerer Mitglieder der hier bestehenden kathol. Gesellschaft M. N. ein der Ver- fantmlung würdiges Aussehen erhalten." Auf einer Estrade im Hintergründe war unter einem großen Kruzifix der Platz für das Präsidium hergerichtet. An den Langseiten standen die Büsten des Papstes und des Königs Wilhelm, beide auf hohen Postamenten zwischen geschmackvollen Draperien und umgeben von reichem Blumenschmuck und von Fahnen in den entsprechenden Farben. An den Wänden waren zwischen grünen Kränzen die Wappen der 4 Städte Aachen, Fulda, Köln und Mainz angebracht, denen die Unterzeichner des Aufrufes an die Katholiken Deutschlands angehörtm. Das große Fenster gegenüber der Estrade war durch ein Transparent verdeckt, welches die Uebergabe der Schlüsselgewalt an den hl. Petrus darstellte. Als <=> im Verlauf der Versammlung dunkel wurde im Saal, „wurden die Lichter angezündet; vor der Estrade, auf der das Präsidium Platz genommen hatte, erschien der Namenszug Pius IX„ aus kleinen Gasflammen ge. bildet, was mit einem dreimaligen, stürmischen Hoch begrüßt wurde".

Die Versammlung wurde eröffnet durch den Für­sten zu Isenburg Dir st ein, der Hochw. Herr Bischof Ehristoph Florentinus hielt eine An- spräche und erteilte den Segen. Die Wahl des Präfi. deuten fiel auf Frhr. v. Andlau, als Bizepräsiden- ten wurden gewählt Oberbürgermeister Rang, Stadt- verordneter Wolf aus Köln und zu Schriftführern die Herren Dr. Lieber \aus Eamberg und Referendar Wankel aus Fulda (später Amtsrichter in Weyhers). Die Verhandlungen, die sich um Abfaffimg eines Pro­testes, um eint Adresse an den hl. Vater, um Anregung eines Petitionssturmes, Sammlung für den Peters- pfermig, Sorge für &e päpstlichen Soldaten, drehten, waren stellenweise recht lebhaft. An der Debatte be­teiligten sich die Herren Domkapitular Dr. Haffner, Dr. M o u f a n g und Dr. Heinrich (Mainz), Advokat-

Die neue Streikwelle.

Der Streik im Berliner Zeitungsgewerbe.

Der Streik im Berliner ZeitungSgewerbe hat sich ausgedehnt. Außer der.Deutschen Allgemeinen Zeitung und den sozialistischen Zeitungen sind keine Blätter mehr erschienen. Die Zahl der Streikenden und ausge­sperrten Angestellten und Arbeiter beziffert sich jetzt aufllOOO DieVerhandlungM imReichSarbeitsmimsterium zwischen den Vertretern "t Zeitungsverleger und der Streikenden u. Ausgesperrten sind gescheitert. Der Haupt» st.eitpunkt liegt in der Auffassung der ürbeiteror iani« fationen über den Begriff der indirekten Streitarbeit, in der die Verle-er eine Gesährdun > jeder tariflichen Vereinbarung erblicken. Auch in den GehaltSforderungex konnre eine Verständigung nicht erzielt werden. Die Berliner Zeitun'sverle er wollen nunmehr den Versuch machen, die geitumen in anderen Druckereien Herstellen zu lassen und während des Streiks bezw. der Aus­sperrung nötigenfalls ein Einheitsblatt herauszu« geben, naS darauf schließen läßt, daß man mit einer langen Dauer des Konflikts rechnet.

Wieder ein kommunistischer Putsch.

Die Vermutung, die schon bei dem jüngsten, inzwi chen erloschenen Streik im Moabiter Kraftwerk na' elag, daß eS sich dabei nicht um Vertretung der Arbeiterinteressen, sondern um dunkle Machenschaften politischen Carakteis bandele, wird jetzt bestärkt durch einen unerhörten Vorfall, der sich im Märkischen Elektrizitätswerk abgeip.elt hat. Es wird darüber folgendes berichtet:

Nachdem am Montag im Kraftwerk Heger müh le die Belegschaft in einen wilden Streik getreten war, der von einer Minderheit durch Terror er­zwungen war, celang «3 der Vermittelung der Gewerk­schaftsführer die Belegschaft zu einer geheimen Ab­stimmung zu bewegen, die mit überwältigender Mehr­heit die sofortige Aufnahme der Arbeit beschlossen. Die Arvert wurde daraufhin am gleichen Abend wieder auf enommen Die Rädelsführer d r Bewegung, die unter dem Namen revolutionäre BetriebSorganisation marschieren, ho ten auS dem umliegenden Jndustriebezirk ihre Anhängerheran und „eroberten* in einer Stärke von 1000 Mann das Kraftwerk, zwan-en die Belegschaft um Verlassen deS Betriebes, bildeten einen ÄkttonsauS^chutz und legten die Stromlieferung für die gesamte Industrie und Landwirtschaft still. Nach­dem durch ein starkes Aufgebot von Sicherheitspolizei die aufrührerischen Elemente vertrieben waren, ist ein notdürftiger Betrieb durch die technische Nothilfe eingerichtet. Nachdem genügender Schutz für die arbeite- willige Belegschaft gewährt ist, ist mit der Wied er» aufnahme des vollen Betriebes zu rechnen.

Man sieht hieraus, w'« von verbrecherischen Ele­menten durch Gewalt chstematisch versucht wird, unsere olmehin schwache und notleidende Wirl'chaft zu unterhöhlen und zu zerrütten. Glücklicher Weise cheint es gelungen, durch rasches energisches Ern- greifen diese neue Gefahr des Licht» und Strom- mangels von der Reichshauptstadt abzuwenden.

Schluß des Betrievsrä ekongreffes.

Am dritten Tage des Betriebs.ätekongresseS - übrigens, das fei nochmals betont, nur die loziallstiichen Betri bsräte umfatzt — ging eS wieder sehr leb- hast zu. Zunächst hielt Dißmann von den Unab­hängigen ein längeres Referat über die Aufgaben der Betriebs, äte. Sie hätten den Unternehmer nicht zu bitten, sondern sie hätten zu fordern. Auf wirtschaft­lichem Gebiete sollten sie die Revolution vorbereitend Politische Räte kämen erst in Frage, wenn die Arbei« xerschaft die politische Macht hätte. Wichtig fei die Zu­sammenarbeit von Hand- und Kopfarbeitern. Die . Leitung muffe in den Händen der Gewerkschaften fein. Man solle den Geneialstretk nicht als Allheilmittel, sondern alS letztes Mittel in der Not betrachten. 8118 Korreferent zu DißmannS Referat sprach der Kommu­nist Brandler, der den Bürgerkrieg zur Errichtung der Diktatur des Proletariats predigte. Richard Mül-

Anwalt Lingens aus Aachen, Frhr. v. L o e (Ter- Porten), Regierungsrat v. Mallinckrodt aus Düffel« darf (dessen Namen nach dem Bericht mit einem drei­maligen Hoch begrüßt wurde), Domkapitular Dr. Molitor aus Speyer, Prof. Dr. Hergenrother aus Würzburg, Prof. Dr. S ch e e d e n (Köln), Dom- kapitular Dr. Wolfsteiner aus Eichstädt Frhr. von, Schorlemer Alst, Frhr. v. Wambolt, Graf Schmisfing-Kerfsenbrock, Domvikar Dr. Zim­merer und Regens Dr. Komp.

Die Debatte beschäftigte sich auch mit den politischen Wahlen und den bedrohlichen Ang eichen bevorstehend« kirchenolitischer Kämpfe, die ja bekanntlich um dieselbe Zeit (Herbst 1870) hervorragende Katholiken auf Grund des sog. „Soester Programms" zm Gründung der Zentrumsfraktion geführt hotten. Frhr. v. Schorlemer Alst war es, der übet ine Notwendigkeit sprach auf koch. Wahlen für di« par­lamentarischen Körper hinzuweisen, da die Katholiken nur so viel Geltung im politischen Leben hätten, als sie sich selber verschafften. Er machte darauf aufmert- sam, daß die „Norddeuffche Allg. Ztg." jüngst sich nicht entblödet hat, die Lüge eine Hauptwaffe der Römlinge zu nennen; wenn dies jetzt geschehe, wo man auch di« kathol. Untertanen brauche (im Krieg 1870), was werd» später geschehen, wenn das nicht mehr in gleicher Weis» der Fall sein werde?"

Die öffentliche Versammlung begann mit einer Eröffnungsansprache des Präsidenten Frhr. v. Andlau, der ein Hoch auf den hl. Vater ausbrachte. Als weitere Redner traten auf Frhr. v. Loe, Graf Franz lauer von Schmiffmg-Kerfsenbrock, päpstlicher MMärkaplon Pa­ter Pachtter, Kaufmann Nutzinger, München, Lehrer Auer aus Regensburg, Pater Schaffraneck aus Oberschle­sien und Johann Falk III aus Mainz. Eine ganze Reihe von Degrüßungstelegrammen waren eingegmt» gen, u. a. vom Dolksverem m Bozen (Tirol), aus Me- cheln (Belgien) — 4000 Katholiken, versammelt in 507e» cheln, grüßen ihre Brüder in Fulda und schließen sich ihrem Protest an —, aus Krefeld, vom baper. patrmli- scheu Verein Deggendorf, aus München, vom kathol. Kasino zu Beuthen, von dm kathol. Universttätsprofefsa- ren zu Breslau. (Bittner, Probst und Scholz) von Domkapitular Lvrmser m Breslau, aus Ramslau, aus Waldsee von roürttemb. Geistlichen, vom Rektor bee deutschen Kollegs Pater Steinhuber, sowie der italleni- scheu Jugend zu Bologna. Auch der hl. Baler selbst nahm an der Kundgebung innigen Anteil. Er hatte