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47. Zahrg.

Nr. 231

B

Dienstag, 8'/« Uhr adends

im Stadtsaal.

mozart.

Kretfdjmar.

sein,

Schubert.

§r. CurtL

Winden, Meer

Krannig. tO. fl. Hlozart.

Ouoertürc zuKofamunbe* . . . hoch empor, männerdjor . . . . Ansprache auf den 70. Geburtstag des Präsidenten o. Grauert. (Geh. Rat Prof. vr. $inke-$reiburg i. Br.).

4. Santa|le a. d. Oper .Vie Zauberflöte*

5. Seftrebe: Vas organische Prinzip im Gefellfdjaftsleben. (Prätat Prof. Vr. mausbad)-mün|ter i. w ).

6. Ewig liebe Heimat, männerdjor. .

7. wiegenlieb, männerdjor.....

8. Criks Gesang uni) Krönungsmarfdj a. b. Op. .Vie Solkunger*.....

Ziehn wir nach Nordlands Bi, wir im fernen blauen Die Insel Thule finden.

Da, soll der Treue Insel

Der Herbst kommt,* sagte er - leise,und ich höre den Zug der Wandervogel in den Lüsten, die nach Süden ziehen. Schon alle die letzten Nächte habe ich sie gehört, denn weit hallt der Wandervögel Schrei durch die lautlose Stille der Nacht Was Deine Augen da schauen, Hellwig, kennt meine Seele, sei» sie erwachte zum Leben. Aber siehst Du kein Segel, Hellwig, auf den weiten Wassern? Kein Segel und kern hochdordiges Hansaschifs darunter, das von Süden kommt?*

Da beschattete sie die Augen mit der Hand, denn die Morgcnsonne blendete. Dann schüttelte sie den blonden Kopf.

Nein, Ahne, kein Segel kann mein A»ge finden im weichenden Nebelgrau.' Erwartest Du Gäste auf Olassstrand

Die Finanzdoktoren.

Ei« internationales Kreditinstitut.

Auf der Brüsseler Konferenz scheint man all­gemein das wichtigste Heilmittel, die Weltsmanzen vor zu großen Erschütterungen zu bewahren, in der Schaf­fung eines internationalen Finanzinstituts zu sehen. Nur ist man sich noch nicht darüber einig, welche Form man dieser Einrichtung geben soll. Der Belgier De­lacroix schlug eine Kontroll- und Notenbank vor. Hier­gegen wird eingewandt, daß ihre Einrichtung zu lang­wierig und schwierig sei. Nur sofortige Hilfe könne etwas nützen. Die Engländer scheinen aus diesem Grunde mehr für einen sofortigen, schnellen und um­fassenden Ausbau der Finanzorganisationen des Böl- kerbundes zu sein. Dieser Vorschlag hat eine große Mehrheit für sich. Bedeutsam ist auch der Vorschlag des Holländer Termeulen, der das Schwergewicht auf den Warenverkehr und die Kreditabwick­lung legte.. Er befürwortet internationale Kredit­institute m den einzelnen Ländern einzurichten, die den internationalen Warenverkehr regeln und kontrollieren sollen Von ihnen gehen auch Obligationen heraus, die dm eigentliche Kreditverkehr zwischen den Importeu- ten aller beteiligten Länder oenmtteln sollen. Nur für dm dringendsten Bedarf sollm Kredite gewährt werden, auch nur für Rcchstoffe $ur Herstellung von Halb- und Fertigfabrikaten, di wieder für dm Export bestimmt sind. Aus dem Erlös des Exportes sind so- dcmn die Obligationen einziüösen. '

Leistungsfähigkeit von der Kaufkraft des nach Abzug der Steuern verbleibenden Einkommens abhänat, und daß dieses zu prüfen ist, um zu einem möglichen Maßstab zu gelangen * ....

Dernburg kommt zu dem Schluß, daß die Brüsseler Konferenz Frankreich das gewünschte Zeugnis, wo­nach Deutschland reich, Frankreich dagegen arm set, keineswegs ausstellen könne und daß alle Versuche nach dieser Richtung hin verlorene Liebesmüh sind.

Wieder hebt er beide Arme wie zum Segen über fein Land. Dann sagt er schwer:

Was schauen Deine Augen, Hellwig?*

Das Mädchen tritt näher an die Felswand und atmet tief:

Ich sehe so viel. Ahne, o so viel und so weit! Ich sehe das Nordmeer rollen zu unseren Füßen und mit gierigen weißen Händen tasten nach unserer Hei­materde. Ich sehe die Silbermöwen wie Sterne Hitzen in der Morgensonne über dem Grau der Wasser und dem Rot der Klippen. Ich sehe fein und blau den Rauch aufsteigen aus unseres Hauses Este, unseres uralten Heimathauses, in dem Du schon geboren wardst, Ahne. Ich sehe auf der anderen Seite wie ein silber­nes Band den Fjord sich winden durch die wilden, dunk­len Felsmassen, bis er sich verliert im dämmernden Frühlicht der nahenden Morgenröte und der weihen Nebeldämpfe aus der Tiefe. Und weit, weit hinten, wo die Fjelder der alten Götter sich dehnen, sehe Ich die Schneehäupter der Bergfürsten aus der Asenzelt*

Sie stand wie verzückt, als sie das sagte, und ihr blaues Auge hing trunken an der herben, reinen Schön­heit ihrer Heimat

Der Alte hatte fein Angesicht erhoben, als wollten seine erloschenen Augen noch einmal wieder Sonne trin­ken und duftende Morgenschönheit.

§ Seneral - Versammlung

| der Berres-SeseUschaft §

Tas Erwerbsloseuheer.

Wie aus dem Reichsarbeitsministerium mitgeteilt wird, betrug die Zahl der männlichen Erwerbslosen am 15. September 1920 503,398, der weiblichen Erwerbslosen 97,483, also insgesamt 600,881 gegenüber 441,716 am 1. September und 411,615 am 15. August 1920. Zu den eigentlichen Erwerbs­losen kommen 375,999 Familienangehörige, die als Zuschlagsempsänger unterstützt werden; ihre Zahl betrug am 1. September 386,935. Die neue Zahl entspricht dem Stande vom 1. August d. I.

Deutschland und Frankreich.

Der deutsche Botschafter in Paris Dr. Mayer hat d»m neuernannten Ministerpräsidenten Le y- aues »inen offiziellen Besuch abgestattet, mrt dem sich die Pariser Blätter eingehend beschäftigen. In einer offenbar beeinflußten Mitteilung wird erklärt, Botschafter Dr. Mayer habe die Versicherung ab­gegeben, die deutsche Regierung werde den Friedens- Vertrag von Versailles aussühren bis zur äußersten Grenze der Möglichkeit. Ministerpräsident Ley gues habe dem Botschafter geantwortet, wenn die fran­zösische öffentliche Meinung von der Loyalität und dem guten Willen Deutschlands überzeugt werde, dann würde die französische Regierung seine Aufgabe zu erktdjtern suchen, damit die normalen Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder hergestellt würden. Der Ministerpräsident habe hinzugesügt, daß unter solchen Umständen die Wiederaufnahme und Entwicklung der Handelsbeziehungen, die durchaus in der Absicht der französischen Regierung liegen, uj? gegenseitigen Vorteil der beiden Länder sehr erleichtert würden. Boffchaster Mayer habe da- caMf erklärt, der deutschen Regierung läge die Wre- derherstellung der wirtschaftlichen Be­ziehungen zwischen Deuffchland und Frankreich am Herzen. Die Pariser Presse stellt fest, daß die Un­terredung, die etwa dreiviertel Stunden gedauert habe, im «Geiste voller Aufrichtigkeit geführt worden sei.

Es scheint danach, daß man in Frankreich der Wie- deraufnahme des Wirtschaftsverkehrs mit Deutschland mcht mehr so abgeneigt ist. Schon die manierliche Form, in der über diese Besprechung von französischer Seite berichtet wird und die so stark von der anmaßen­den und herrisch-groben Form absticht, in der bisher 8ie ftanzösischen Stellen über alles, was mit Deutsch­land zusammenhängt, spachen, fft verheißungsvoll. Es steht hierin sicherlich auch die Tatsache im Zusammen- Hang, daß sich der Berliner französische Botschafter jetzt in Paris befindet und dort wichtige Besprechun­gen hat. Wenn die Verhandlungen ausgenommen würden, so wäre dies von großem Vorteil für beide Teile. Die ftanzösischen Sachverständigen und der ftanzösische Handel drängen schon lange darauf, die Deutschen auch, aber Deutschland hat ja jetzt zu warten, dis es Frankreich gefaßt

Die Konferenz wird am Mittwoch wieder zu einer öffentlichen Sitzung zusammentreten. Die Ausschüsse arbeiten inzwischen in geschloffenen Sitzungen an der Ausarbeitung der Entschließungen.

Auch AmerAa jammert

Als letzte der auf der Konferenz vertretenen Möchte hat jetzt auch Amerika seinen Bericht über die Fi­nanz- "und Wirtschaftslage überreicht.. Der Geist der internationalen Solidarität kommt darin insofern zum Ausdruck, daß, da alle andern über ungünnstige Ver­hältnisse und drückende wirtschaftliche Folgen geklagt haben auch die Vereinigten Staaten nicht zurückstehen wollen. So liest man, daß Amerika unter den glei­chen verhängnisvollen Wirkungen der Teuerung zu lei­den habe, wie die anderen Länder, daß auch dort die Bevölkerung unter der Last außerordentlich, schwerer Steuern seufze und diejenigen, deren Einkünfte nut der Preissteigerung nicht Schritt zu halten vermocht hätten, großen Entbehrungen ausgesetzt wären. Zum Beweis wird angeführt, daß infolge der sinkenden Kauskrast der Ausfuhrländer die Mnerikanifche Aus­fuhrindustrie sehr darniederlieqe. Immerhin gibt der Bericht zu, daß die Krise in Amerika in keiner Weise mit der europäischen zu vergleichen sei.

Oberschlefieu.

Ter Papst für die Rechte Kardinal Bertraws.

Ter ,Ober schlesische Kurier' gibt eine Mitteilung aus dem,£)fferbitore Romano' wieder, wonach der Papst dem Völkerbund in Paris ein Gesuch zur Genehmigung der Einreiseerlaubnis für den Fürstbischof von Breslau, Kardinal Bertram, unterbreitet hat. »Osservatore Romano' fügt dieser Mitteilung hinzu, daß im Vatikan gegenüber dem Voraehen der Internationalen Kommission gegen den Kirchenfürsten ernste Verstimmung herrscht. Man drückt die Ansicht aus. daß die Internationale Kommission dem Fürstbischof großes Unrecht tut.

Das Schwert von Thule.

Roman von Leontine von Winterfeld-Platen. Mit Schild an Schild und Speer an Speer

Anmerkung: Die lUuflk wird ausgefüljrt nom Mustkckior »es Reidisroehr-Seto-Art.-Keg. 11 unter Leitung des Obermufik- meifters Senborn. Pie Chöre (Ingt der Mannergesangverein Wlnfrlbio unter Leitung des Musikdirektors Leder.

Eintritt frei.

ZiUtzoMe Wum u. Stauen, lammt MlteW!

i.

2.

3.

Da gilt noch Eid und Ehre!

Felix Dahn.

lieber dem Fjord liegt kalt und grau der Morgen­nebel zwischen den Felswänden. In der Ferne hört man das Meer branden und gischten gegen die Klippen.

Es steht ein großes, einsames Blockhaus mit bunt­bemalten Holzwänden nicht weit vom Strande. Fisch­netze sind zum Trocknen davor ausgespannt und bau­schen sich im ersten Morgenwind.

Und nun öffnet sich die schwere, geschnitzte Holztür, und ein hoher Greis mit langem .schneeweißem Barte schreitet langsam die steinernen Stufen herab. Er tastet dabei mit einem Stabe und seine Füße gehen nur schritt­weise suchend über den Boden.

Olaf Eysenhand ist blind.

Einen Augenblick bleibt er stehen und hebt feine Arme. Ist es, weil er Atem schöpfen will von der herben, eiskalten Morgenluft, die vom Meere herüber­strömt in fast sichtbaren, silbernen Fluten, oder wlll er die Heimatscholle segnen, die ihn gebar und fein uraltes Geschlecht?

Dom Hause her durch die offene Tür kommt ein Gingen. Süß und weich, wie aus Frauenmund.

Lauschend hebt der Greis das Haupt. Als der Sang verstummt, ruft er laut mit hallender Stimme, daß das Echo widertönt von den steilen Felswänden:Hell­wig!*

Und über des Hauses rauhhölzerne Schwelle tritt hoch und schlank ein weizenblondes Mädchen. Wie Schnee glänzen die Aermel ihres Leinenh^mdes, über dem sich bas kornblumenblaue Mieder bauscht und die buntfarbige, nordische Schürze, die den grobwolligen, kurzen Rock fast verdenkt.

Frankreich nnd die Anschlrrtzfrage Oesterreichs.

Kaum hat die deutsch-österreichische Nationalver­sammlung beschloffen, etne Volksabstimmung über den Anschluß an Deutschland zu veranstalten, da rührt man sich schon in Frankreich, diese Willens- kundaebung zu verhindern. Die französische Regierung hat beschlossen, bei der deutsch-österreichischen Re- qierung Widerspruch zu erheben gegen die Durch­führung der Volksabstimmung, weil nach rhrer Auf­fassung eine derartige Volksabstimmung im Wider- spruch mit dem Artikel 88 des Vertrages von St. Germain stehe. Frankreich verlangt deshalb in aller Form die Aufhebung des Beschlusses der Wiener Nationalversammlung.

M dem Nachbargebiet.

).( Marbach, (Kr. Fulda). Am Sonntag, den 3. Ok­tober d. 3., fand nachmittags im Weismüllerschen Gast­haus eine von den Ortschaften Marbach, Bern« Hards und Steinhaus gut besuchte Versammlung der hiesigen Ortsgruppe des kurheffischen Bauernvereins statt. Der Geschäftssührer des Ge­neralsekretariats, Herr Thier von Fulda, sprach in sei­nem Vortrag von der Gründung, Einrichtung und Be­deutung des kurhess. Bauernvereins. Er betonte die Notwendigkeit der Organisation der Landwirte, beson­ders in der heutigen Zeit, ferner den christlichen Charak­ter des kurheffischen Vereins und dessen politische Par­teilosigkeit gegenüber andern Bauernvereinigungen, die wegen ihrer politischen Parteiigkeit nicht lebensfähig seien. Ganz besonders hob er hervor, daß der kurhess. Bauernverein kein Gegner der Darlehnskaffenvereine sei, im Gegenteil Seite an Seite mit ihnen zu arbeiten bestrebt sei zum Wohle ihrer Mitglieder. Endlich schil- berte er bie außerordentlich mannigfaltige Tätigkeit des Generalsekretariats im Interesse der Mitglieder. In dem 2. Teil seines Vortrages forderte er die Landwirte drin­gend auf, die Kartoffeln für die minderbemittelte Be­völkerung restlos zu liefern, um an einer Entspannung

der Gesinnung zwischen Stadt- und Landbevölkerung wesentlich mitzuwirken. Auch über die Maul- und Klauenseuche wußte er Aufklärung zu bieten, über ihre Ursachen und Entstehung, Verhütung und Behandlung.

X Schweben. Am Sonntag fand hier eine sehr gut besuchte Zentrumsversammlung unter Leitung des Herrn Frz. Karl Huhn statt. Herr Parteisekretär Müller-Marburg be prach die innerpolitische Lage seit den Reichstagswahlen im vergangenen Sommer. Eingehend wurden besprochen die gewaltigen Schwie­rigkeiten bei der Bildung des neuen Kabinetts. Fehrenbach habe seine Aufgabe nur lösen können, weil das Zentrum tn jenen kritischen Tagen das Vaterland über die Partei gestellt habe. Auch die gegenwärtigen und noch kommenden schweren Auf­gaben auf wäctschastlichem und kulturellem Gebiete wurden ins rechte Licht gefetzt. Zum Schluß wur­den dann noch vom Herrn Redner und Kaplan Mähler-Flieden mancherlei Anregungen gegeben für die kommenden Wintermonate.

Aus der Rhön. In Motzlar, Empfertshausen und Zella wurden drei Mühlen geschlossen, weil die Müller Mehl zu höheren Preisen verkauft hatten.

mc. Frankfurt a. M. Der zweite Tag der Frankfurter Messe hat abermals größere Käuferscharen gebracht, unter denen diesmal die Ausländer eine besonders große Rolle spielen. Am Sonntag abend ist aus Dänemark ein Sonder­zug eingetroffen, wie überhaupt saft alle Kulturländer unter den Einkäufern vertreten sind, lieber das Geschäft hört man in den Meßhäusern recht zuver­sichtliche Summen. Die Schuhfabrikanten haben I schon gut verkauft, ausgezeichnet war das Geschäft b'.sher auch in Lebensmitteln und Ehemikalien. Hier

Es war wie verhaltene Angst, bie jetzt in ihrer star­ken, weichen Stimme zitterte. Und das feine Ohr des Alten hörte sie wohl heraus.

Du bist ein Nordlandskind, Hellwig, das kennt nicht Furcht noch zagen. Wir können nicht dem aus dem Wegs gehen, was kommen muh. Nur stark machen können wir unsere Seelen, daß sie gewappnet sind zur wehen Stunde. Ich bin alt, Hellwig, und weih, daß Gott mich I rufen wirb, noch ehe der Winter über die Lande geht. Helge und Svend find fern mit dem Dänenkönig. Was wird bann aus Dir? Du kannst nicht einfam auf Olassstrand bleiben, dazu sind bie Zeiten zu milb und die Küste nicht sicher vor beutegierigen Seefahrern. In jener großen Hansastadt, aus der mein Sohn Deine Mutter einst hotte, lebt Dir noch ihre Sippe Sie sollen ! Ratsherren und < djtig im Lande sein. Ihnen schickte ich Botschaft durch Helge, daß sie Dich holen möchten,, ehe der Herbst kommt Denn ich muß Dich in sicherer Hut wissen, bevor ich gehe, Hellwig.*

Sie hatte das Haupt gesenkt bei seiner Rede, unu I ihre Sippen zitterten:

Ich weiß. Ahne, ich roefj ,Du hast es mir schon oft gesagt Aber ich werde Heimweh haben nach unserer Einsamkeit in Olassstraiw dort -t der großen Stadt. | Denn ich habe noch nie eine Stabt gesehen und weiß nimmer, wie das ist, wenn viele Menschen beieinander wohnen'. Nur Helge und Svend haben mir davon er- zählt, wenn sie in den Be.gen waren oder im kubischen Land.*

Sie setzte sich neben den Greis auf den Felsblock, und ihr Gesicht war traurig. Da griff er nach ihrer Hand, bie im Schoße ruhte, unb hielt sie fest mit war- mem Drucke.

Wir sind aus Nordlanb, sind ein starkes und stolzes Geschlecht, Hellwig. Das barfft Du nie vergessen. Und j das wirst Du auch nicht, denn Du bist ein Olaskind. i Die sind treu bis in den Tob.*

Jetzt dämpfte er feine Stimme zum Flüstern und neigte sich ein wenig zu ihrem Ohr.

.(Fortsetzung folgt)

Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl vchutte, u für die Anzeigen: I. Par zeit er-Fulda. ::

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actienbruckerei m Fulda, jfrrninrertier Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zertung

Ausland.

Gin Notschrei der Deutschböhmen. Die deutschen Abgeordneten und Senatoren der ffchecho-slowakrschen Nationalversammlung haben eine Denkschrift an den Völkerbund gerichtet, in der sie die Gewalttätigkeiten unb Unterdrückungen schildern, mit denen die Tschechen die Deutschböhmen quälen. Sie richten an den Rat des Völkerbundes die Bitte, bei der tschechoslowakischen Re- gierung bie von ihr ddrch den Verlag von St. Geremain gegenüber ihren nationalen Minderheiten übernomme­nen Verpflichtungen durchzuführen unb eine unpartei­ische internationale Kommission in bie Tschecho-Slo- malet zur Prüfung der Beschwerden des deutschen Mil- Uonenvolkes zu entsenden.

Die Steuerlasten ht Deutschland und Frankreich.

Im Anschluß an die Brüffeler Verhandlungen wendet sich der ehemaligeReichsfinanzmimster Dern- I bürg im »Verl. Tagebl.' gegen die ftanzösische Be- I Häuptling, Deutschland habe seine Steuerquellen noch I lange nicht erschöpft und Frankreich zahle viel mehr f Steuern als Deutschland. Dernburg sagt: I

Eine Berechnung der Steuerlast auf den Stopf der 1 Bevölkerung ergibt keinen brauchbaren Maßstab. In I der Kolonie Grünewald beträgt die Steuerleistung auf I den Kopf vielleicht das Sechs- bis Zehnfache berjemgen, I die ein gleichgroßer Distrikt im Berliner Norden auf I den Kopf aufbringt. Kann man nun sagen, daß bie I Grunewalder verhältnismäßig viel stärker belastet sind? I Unb kann man nach französischer Methode schließen, baß nun zunächst im Serben die Steuern auf dieselbe I Kopfhöhe gebracht werben müßten? DaS ist klarer Un- I sinn. Die Steuerlast in bem armen Distrikt entspricht I vielleicht dem äußersten Maß seiner Leistungsfähigkeit, in bem reichen Distrikt könnte sie zweifellos noch viel I eher angezogen werben, ehe bie Lebenshaltung auf bas | Niveau des Berliner Arbeiters herabgedrückt wirb. | Ebensowenig ist ein Vergleich beweiskräftig zwischen I Gesamteinkommen pro Kopf und Steuerlast, obgleich hier bie Fehler nicht so gewaltig sein können. Um I toicber einen etwas drastischen Vergleich zu brauchen: I In Aftika hat ein schwarzer Elefantenjäger von je zwei I erbeuteten Elfenbeinzähnen einen abzuliefern. Er zahlt I also von seinem Einkommen 50 Prozent Einkommen­steuer, trotzdem ist der ihm verbleibende Zahn für ihn noch ein Vermögen, denn da er weder warme Kleidung noch Überhaupt Schuhe, weder Heizung noch Beleuchtung braucht und im übrigen ohne große Anstrengung von den Früchten des Landes lebt, so ist er bei einiger, maßen vorhandener Jagdlust bald ein wohlhabender | Mann. Hieraus erhellt, daß allein die Frage der

Sie tritt zu dem Alten und legt ihm bie Hand auf die Schulter.

Du hast mich gerufen, Ahne, willst Du zu Berg?*

Der Greis nickt.

Ja, Hellwig. Zu Berg sollst Du mich leiten, ehe bie Sonne aufgeht. Ich habe mit Dir zu reden da oben*

Da*' Mädchen faßt feine Hand, und bann klimmen sie beibe langsam, Schritt vor Schritt, den steilen Fel- fenpfab empor, der hinter dem Hause fast senkrecht auf­wärts führt. Die in den Fels gehauenen Stufen sind nur schmal, so daß sie nicht beide nebeneinander Platz dort haben. Das Mädchen steigt voran unb der Alte tastet hinterdrein. Und so sicher findet sein Fuß jeden Tritt unb fein Stab jede Lucke, daß er kaum der Hilfe der vor ihm Schreitenden bedarf oder ihres warnen, den Zurufes. Denn achtzig Jahre sind feine Füße diese Stufen schon gewandert, und er kennt hier jeden Stein und jede Biegung, jeden Schritt und jede Spalte.

Schweigend sind sie wohl fast eine Stunde so gestie­gen, als sie endlich die Höhe erreicht haben. Ein ftischer Windhauch von der See her hat die Morgennebel zer- teitt, daß sie wogen und wallen und zerreißen, wie der Brautschleier in den Händen des sieghaften Freiers- Und durch das Weißgrau hindurch blickt hier und da ein Stückchen mattblauen Himmels unb das rosige Auf­leuchten tommenber Sonnenstrahlen. Weit betjnt sich vor ihnen das zerklüftete Hochland mit seinen Felsen- schrunden und Steingeröll. Nur einsame Birken ragen sturmzerzaust am Rande der Moore, und dachte Büsche von gelbem Ginster und purpurnem Heidekraut färben hier und da das graue Land. Aber nach der anderen Seite, da, wo der Fels schroff und steil abfällt zur Meeresküste, dehnt sich in endloser, ewig schimmernder Majestät das nie ruhende grenzenlose Nordmcer Dumpf hört man bis hier oben die Brandung brausen die weitz- gischend um die Felsklippen schäumt. Es ist ein ewiges Ebben und Fluten, Kominen unb Gehen, Wogen und Wallen. '

Auf einen Felsblock unter sturmzerzauster Birke setzt sich O af Eysenhand. Der Wind weht scharf hier oben, daß seine weißen Haare fliegen und die weizenblonden des Mädchens.

Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen des Kreises und der Stadt Fulda.

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