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Montag, 4- Oktober 1920

Nr. 230

Montag. 8'/« Uhr abends

geschaffene Weltlage .Das Hauptglied

General - Versammlung der Görres-Gesellschaft

Hirtsiefer ('-öerttn), Bauraicy w iwrny,

Jmb-ffch (Essen), Otte (Düffeldors), Brauer (Köln). Da die christlichen Gewerkschaften schon längere Zeit kernen Komweß mehr abgehalten haben, dürste -diese Zusam- menstmst, in der die zweitgrößte Organisation der deut­schen Arbeiterschaft zu den Fragen der Zeit Stellung nehmen wird, von umso größerem Äitereffe sem.

eErzberger wieder in Staatsdiensten." Unter dieser Spitzmarke Wernehmen Mütter der Rechtspar­teien eine angeblich von politisch unterrichteter Stelle dem Neuen Tagblatt in Stuttgart übermittelte Nach­richt, die besagt, daß der Adg. Erzberger schon jetzt dem ReichsfinanzministevMM seine höchst einflußreiche TBigkeit widmen solle, unddaß er nichts mehr und

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Die russisch-polnischen Verhandlungen.

Die Verhandlungen auf der Friedenskonferenz in Riga haben eine Wendung genommen, die ine Polen sehr lebhaft beunruhigt. Der ruffffche Delegierte Joffe unterhandelt nur über den Waffenstillstand und die Demarkationslinie, vermeidet es aber sorgfältig, übet die eigentlichen Friedensfragen zu sprechen. Er zeigt ein Entgegenkommen, das sehr verdächtig wirkt, na- mentlich wenn man die Aeußerungen Trotzkis da- newnhnff her in Anivracken an die Frontsoldaten von

BeMWS-Äier

im Ztadtsaal.

J. Ouvertüre zur Oper .Der Barbier von

Sevilla' .............Ro'f'ni

2. Sott grüße Dich, Männerchor.... Mücke

3. Begrüßungsansprache (Professor Dr.

Schreiber).

4. Zantasie aus der Oper .Rigoletto* . . Verdi

5. Ansprachen.

6. flbenbfeier am Meer, Männerchor . . Weerth

8. Dort, wo mein Mütterlein, Männerchor Thelen

8. Zestrnarsch aus dems-t>ur-Konzert . Beethoven

Anmerkung: Die Musik wird ausgeführt vom Mustkchor des Reldjsoehr-Setb-flrt.-'Reg. 11 unter Heilung des Obermufik- tneißers Sonöom. Die Chöre singt der Domchor unter Leitung von Prof. Dr. Schreiber.

Eintritt frei.

Myome MÜNM u. stauen, tommt zahlrelL r

Verantwottlich für den redattionellen Teil: Karl Schutte, Fernsprecher Nr. S. Telegr.-Adreffe: Fuldaer^Zeitung^

fischen und dem Reichsarbettsmimsterium mw oen Unternehmern und den Bergarbeitern des sächsischen Steinkohlenbergbaues kam in Zwickau eine Clmgung zustande. Die Arbeitervertretrr erklärten sich, um die Erfüllung des Spa-Abkommens $u ermöglichen, zur Leistung von Ueberstunden bereit. Als Gegenleistung sollen ihnen dieselben Vergünstigungen, wie sie ine Ruhrbergleute erhallen, gewährt werden. Es rft zu hoffen, daß sich die Arbeiterschaft diesen Erklamngen ihrer Vertreter anschließt.

deraufbau der zerstörten Gebiete gemacht würden. Da­bei wird aber nicht betont, daß Deutschland nach dem Friedensvertrag alle Kosten dieser Aufbauarbeiten zu tragen hat. Auch an fich bietet die französische Finary- lage im Vergleich zu Deutschland ein günstigeres Bild, insoweit, als im laufenden Jahre sich die Ausgaben tn bedeutend engeren Grenzen hallen und Frankreich so­gar einen Teil seiner Auslandsschuld decken konnte. Auch Italiens wirtschaftliche Lage wurde als ernst dargestellt, besonders verschärft noch durch die wirt­schaftlichen und sozialen Kämpfe, die das Land augen­blicklich erschüttern. Weiter beschäftigte sich die Kon­ferenz einem Vorschlag des holländischen Bankiers Termulen über einen internationalen Handelskredit. Es soll danach eine Organisation geschaffen werden, die dem Warenverkehr hinsichtlich der Kreditabwicklung eine sichere Grundlage gewährleistet.

Deutsches Reich.

* Berlin, 3. Okt. Der französische Botschaft« Laurent hat dem Außenminister Dr. Simons einen amüichen Besuch abgestattet, um ihm MllleraWs und Leygues Amtsübernahme anzuzeigen. Er hat dabei die Hoffnung ausgesprochen, daß n bald zu ge­schäftlichen Verhandlungen Wer die Wiedergutmach­ungsfrage gelangen werde. Zu Pans beginnen am I 8. Oktober neue Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen über die Verkehrsfragen im Korridor. Die holländische Regierung hat für eine Reihe von Ländern Paßerleichterungen enMfuhrt. Deutschland gehört dazu leider mcht. Die mederlan- dische Handelskammer für Deuffchland ift besroegen sofort vorstellig geworden. Die sogen. Kriegs- verbrechen sind beim Reichsgericht Gegenstand eingehender Erhebungen. In 33 Fällen hat jetzt der Oberreichsrat die Entente um Uebeklaffmkg.weiteren Deweismaterials gebeten. Die Bergakadmne Claus­thal erhielt das Recht, die Würde eures Dr.-Jng. 30 ^Stetig der deutschen Ernäbrungsminister. I Freitag trat wieder einmal im Rerchsernährungs- ministerium eine Konferenz der Vertreter der Er­nährungsministerien der einzelnen Länder zusammen. Auf der Tagesordnung standen erne Erhöhung der Brotration, ein Kuchenbackverbot, dre Durchführung der Haferzwangsbewrrtschaftung, dre Entwicklung der Kartoffelpreise u. a. Es wurde u. a. vorgeschlagen, eine Erhöhung der Wochenratron des gering ausgemahlenen Kochmehls von 125 auf 150 Gramm vorzunehmen. Das Ernahrungsmun- sterium stellte eine wohlwollende Prüfung der An­gelegenheit in Aussicht. Sehr ausführlich wurde die Kartoffelfrage erörtert. Es wurde festgestellt, daß in dieser Hinsicht mit viel zu viel Nervosität gearbeitet würde. Die diesjährige Ernte verspreche recht gute Erträge zu liefern, so daß dre Ver­sorgung sich erheblich besser stellen wurde, als man jetzt vielleicht annimmt. Man muffe auch künftighin überall eine freundliche Einigung anstreben. Es wurde schließlich der Beschluß gefaßt, Anfang nächsten Monats eine neue Konferenz in Weimar einzube­rufen.

* Das neue Wehrgesetz wird nach erfolgter Be­gutachtung durch die Heeres- und Marinekarnmer nun­mehr dem Reichsrate oorgelegt werden. Die deutsche Wehrmacht besteht danach aus freiwilligen Soldaten deutscher Naüonalttät, die vom 1. Januar 1921 100000 Land- und 15 000 Seesoldaten umfaßt. Jeder Wehrkreis darf nur eine Infanteriedivision haben, Führer der Divisionen und Wehrgruppen sind Gene­rale. Die Zahl der Offiziere beträgt 4000 Aerzte und Veterinäre rechnen besonders. Oberster Befehls- haber ist der Reichspräsident, unter dem der Wehr- Minister die Befehlsgewalt stsübt Die Freiwilligen

druck.

* Die Tormition beit deutschen Benediktinern znrückgegeben. Die Schritte der deutschen Bene­diktiner zur Wiederergreifung ihres Besitztums in Jerusalem haben Erfolg gehabt. Die belgischen Be- nediktiner, die dahin gegangen waren, um die Abtei auf Verlangen der Alliierten in Besitz zu nehmen, werden sofort nach Belgien znrückkehren.

Kurland.

* Ausweisungen aus Neu-,-Belgien". Rach Meldungen aus Aachen find dortselbst wiederum 12 Deutsche als Ausgewiesene aus Eupen und Mal­medy eingetroffen.

* Frankreichs Absichten auf Togo und Kamerun. Nach Zeitungsnachrichten beabsichsigt Frankreich, die ehemaligen deutschen Kolonien Togo und Kamerun zu annektieren. Von Seiten der deutschen Regierung wird hierzu erklärt, daß sie diese Absichten auf das genaueste verfolse und daß sie kein Mittel unversucht

dienen nach Möglichkett in chrem Heimatsstaate. Lffi- ziere dienen bis zum 45. Lebensiahre, Unteroffiziere und Mannschaften 12 Jahre lang. Dre Dienstzeit '.st unkündbar, Enllassung erfolgt nur bei besonderer Ver­anlassung. Alle Reichswehrangehorigen dürfen sich politisch nicht betättgen. Das. Wahlrecht ruht wah­rend ihrer Dienstzeit. Das Reich verpflichtet sich, ferne Söldner nach dem Austritt den bürgerlichen Peru.en zuzuführen, wozu Vorbereitungskurfe abgehalten wer­den. Offizieranwärter werden zu Offizieren nur be­fördert, wenn sie sich zu 25jähriger Dienstzeit fchrift- lich verpflichten.

** Die preußischen Neuwahlen und die Rechts­parteien. Der Aeltestenausschuß der Landesver­sammlung hatte sich bekanntlich dahingehend ausge­sprochen, daß die Neuwahlen drei Monate nach Erledigung der Verfassung des Wahlgesetzes und der anderen unaufschiebbaren Sachen wie Etat und Be-

I soldungsreform erfolgen sollen, das wäre also frühestens im Februar. Dagegen laufen die Rechts­parteien heftig Sturm. Die deutschnattonale und die deutsche Volkspartei haben Anträge eingebracht, nach denen die Neuwahlen bereits am 12. Dezember stattfinden sollen.

* Die Versorgung der Kriegerwitwen. Im Ar- I beitsministerium wird gegenwärtig mit Vertretern der Kriegsbeschädigten übet die Ausführung des

I neuen Bersorgungszesetzes beraten, lieber etn eine Fragen gab es erregte Auseinandersetzungen, beion-

I ders über die Renten an die Kriegerwitwen. Schließ- lich verließen die Vertreter des radikalsten Jnter-

I nationalen Bundes den Saal, der nun die Krieger- I witwen gegen das Ministerium mobil machen will.

S Kongreß der christlichen Gewerkschaften. Der Ge- samwerband der christlichen Gewerkschaften Deutsch­lands, der rund IV. Millionen Mitglieder umfaßt, (mit

I den eng verbündeten Organisationen der Angestellten, I Beamten und Staatsbediensteten sind es 2% Millionen

Mitglieder) macht soeben bekannt, daß der 10. Kongreß der christlichen Gewerkschaften für die Zeit vom 21. bis 24. November nach Essen einbemftn wird. Neben den üblichen Berichten sind u. a. eine Reihe von Bor- trägen über folgende Themata vorgesehen:

1. Christliche Arbeiterschaft und deutsches Volk. 2. D« | deutsche Wirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart. 3. I Der Gemeinschaftsgedanke in Staat und Wirtschaft. 4. Das ArbeitsverhAtms nach dem neuen Recht. S. Die Berner-

I hatfl der Handarbeit und die gewerkschaftliche LohnpolMk. I 6. Die Heranbildung des Nachwuchses in Betrieb und Ge­werkschaft. 7. Christentum und Sozialismus.

neuem die Vernichtung Polens imd die ftegrettfje 58er- stärkung der Westfront gepredigt hat. D« russische Presse in Rußland gibt es nur bolschewistische Mötter da alle anderen Richtungen unterdrückt sind behandelt ganz in diesem Sinne dieRiga« Konftrenz neuerdings als Nebensache. Wch m Polen smd d e nationalistischen Kreise noch sehr einflußreich, die für den völligen Abbruch der Rigaer Verhandlungen em- treten Der polnische Generalstabsbencht melltet einzelne I Erfolge gegen die Russen.

Nene Alarmmeldnngen ans Rußland.

TerNationaltidende" wird aus Helsingfors I telegraphiert, daß sich in Rußland eine Stretkbe- wegung ausbreitet. An vielen Stellen fei es zu Unruhen gekommen. In Petersburg sollen mehrere I Kommissare erschossen worden fein. An der Westfront herrsche große Unruhe. Die Bevöl­kerung fordere sofortigen Frieden. Trotzki soll der- wundet und Budjennh vor em Kriegsgericht gestellt worden sein. Schon vor einigen Tagen wurde ge­meldet, daß ein Dhnamitattentat gegen die oberste Sowjetbehörde erfolgt fei.

Ob in Rußland tatsächlich etwas vorgeht?

Ueberraschungen sind in Rußland jetzt teden Tag möglich. Wenn die Massen der zuruckflutenden ! russischen Sowjet-Truppen nach Moskau kommen, kann es für den Diktator Lenin zu sehr unliebsamen Zwischenfällen kommen, denn der Reiz des Bolsche­wismus ist für seine bisherigen Anhänger nach den vielen Enttäuschungen und Mißerfolgen vorbei. An Nahrungsmitteln herrscht großer Mange, und etn zeitiger Beginn des ruffischen Wtniers wurde dte Not zum äußersten steigern. Damtt aber auch dte Erbitterung. In Asien sind die Verhaltnisie der Bolschewisten, soweit man hört, noch ziemlich günstig, aber die dortigen Truppen scheinen nur geringe Lust zu haben, ihre angenehmen Quartiere mit solchen im europäischen Rußland zu vertauschen. Ware es anders, so hätten sie längst ihren Gesinmingsge. nossen zu Hilfe kommen können, als bet Warschau sich die Dinge zum Ungünstigen wandten. Die russischen Reserven blieben aber aus.

«Rur" 12 000 deutsche Kriegsgefangene in Sibirien.

Um übertriebenen Gerüchten entgegenzutreten, wird von halbamllicher Seite mitgetellt, daß sich in Sibirien nach zuverlässigem statistischem Materialnur noch höchstens 10000 bis 12000" deutsche Kriegsgefangene befinden. Das fit unseres Erachtens immer noch eure hohe Zahl. Wie es weiter heißt, sollen bisher 15000 zurückgekehrt sein. Die Gesamtazhl der in ganz Ruß­land befindlichen Gefangenen aller Natwnen betragt 150 000.

Mehrförderungen im sächsischen Kohlenbergbau.

die diese Meldung begierig aufgrelst, glaubt dieser Mel­dung natürlich unbesehen und wittert dahinter die Ab­sicht Erzbergers, demnächst wieder in Staatsdienste zu treten. Auch dahinter, daß dieser seiner-Wohnsitz wieder nach Bersin verlegt hat, wittern Me Blatter sofort in ihrem Sinne allerlei finstere Plane. Sre mögen sich beruhigen. Wie uns von durchaus zuver- läffiger, gut unterrichteter Seite mitgeteill wird, ist an der ganzen Meldung des Neuen Tagblattes kern wahres Wort. Erzberger hat mcht bte Absicht, aus der von ihm bisher beobachteten Zurückhaltung hermissttt^en^ Löwensteins. Sft Neu­

kölln (Bersin) hat die Elternbeiratswahl für die 2. Ge-

Lensverwag von St. Germain das Verbot des I Anschlufles erzwungen. Sie offenbare Verleugnung ' des Prinzips von dem Selbstbestimmungsrecht wird in sehr durchsichtiger Weise bemäntelt durch den Para­graphen, der den künftigen Anschluß abhängig macht von der einstimmigen Genehmigung des Völkerdun- I des. Erstens gibt es noch längst keinen Völkerbund, der etwas beschließen könnte, was der Entente nicht paßt, und zweitens würde sogar für den Fall, daß sich I ein selbständiger Völkerbund organisieren sollte, die Klausel von der Einstimmigkeit den Franzosen ermög- sichen, den Anschluß unmöglich zu machen. Von den I kümmerlichen Ansätzen zumVölkerbund", die bisher | in die Erscheinung getreten sind, haben die besiegten Völker nichts Gutes zu erwarten, wie die Entscheidun­gen desRates" in Sachen Malmedy und Eupen mit erschrecklicher Deutlichkeit gezeigt haben.

Es fragt sich, ob die Franzosen durch Drohungen ober gar Zwangsmitteln nicht schon die Abstimmung selbst verhindern werden. Kommt sie zustande, bann können wir nur lebhaft wünschen, daß sie eine I imposante, durchschlagende Bekundung des bärtigen Volkswillens ergeben mögen. Die Demonstration muß I einen starken Eindruck machen, um der künftigen Entwicklung der Dinge vorzuarbeiten.

Mr Reichsdeutsche können den österretchischen Brüdern vorläufig keine andere Unterstützung gewah- ren, als eine moralische. Politisch sind wir durch den Versailler Gewaltfrieden ebenso ohnmächtig gemacht, I rote die Oesterreicher durch den Zwangsfrieden von I St. Germain. Das bißchen Kraft und BewegunM- freiheit, das uns geblieben ist, brauchen wir vorläufig I zur Rettung des unentbehrlichen Oberschlesien, zur Er- I (anaung von erträglichen Zahlungsbedingungen, zur I Verhütung der Besetzung des Ruhrgebietes, zur An­bahnung von wirtschaftlichen Beziehungen zum Aus- tanb, die geradezu eine Lebensbedmgung für Deutsch- I land darstellen. Bis diese brennenden Aufgaben ge- | löst sind, wird noch eine geraume Zeit vergehen. Es I kommt darauf an, daß wir durchhalten bis zur Ge­nesung, und ebenso müssen die österreichischen Brüder in ihren Drangsalen zähe durchhalten. Dann wird der Tag kommen, an dem nach der DeralMW ber I Verfolgungsklaufeln das Prinzip der nakonalen Selbst- beftimmung auch für die deuffchen Völkerschaften wie­der zur praktischen Geltung gelangt. ,

Auch für den Fall, daß die Entente die Volksab­stimmung vechindern sollte, ist der einstimtmge Be- schluß bet österreichischen Nasionalversammsimg schon ein tröstliches unb stärkendes Ereignis. Das Echo von unserer Seite wirb im deuffchen Reichstage schon er­folgen. Das deuffche Nationalgefühl macht oon der Donau bis zum Rhein, von der Effch bis an den Belt fich mit ungebrochener Elementargewillt Mmd, und «wird sich trotz aller Feindschaft schließlich doch durch­setzen. __________ __________

Der internationale Kredit.

Die Brüsseler Finanzkonftrenz.

In Brüssel wird weiter geredet. Alles, was wir alle schon wissen, wird von den ersten Fachleuten mit tiefer Sachkenntnis in eingehender Reden durchgekaut , und der langen Rede kurzer Sinn bleibt eben immer wieder der, den wir alle schon längst erkannt haben: So kann es nicht mehr weiter gehen, es muß besser werden! Aber wie? Es werden die schönsten und besten Maßnahmen vorgeschlagen, aber ausgefuhrt werden sie nicht. Die Konferenz m Brussel hat mcht die geringsten Befugnisie, chr einziges Recht ist, Reden zu halten. Und ob bei den Regierungen, de,anders den Ententeregierungen, der gute Wille, allen zu Helsen, da ist, ist füglich doch sehr, schr zweifelhaft.

Nach dem Referat des ftanzösischen Abg. Cellrer über die Frage des internationalen Kredits wurden die Beruhte der einzelnen Länder fortgesetzt. Für die französische Delegation sprach Cheysson. Sem Bericht ist insoweit bemerkenswert, als er die An-

Oesterreichs Volksabstimmung

für den Anschluß.

Bei der dritten Lesnng des Bundesverfassungs- gesetzes nahm die deutsch-österreichische Nationalver­sammlung unter lebhaftem Beifall e t n ft t m nt t g die von den Großdeutschen eingebrachte Entschließung an, in der die Regierung aufgefordert wird, spate- tens innerhalb sechs Monaten eine Volks ab - timmung Wer den Anschluß an das Deutsche sieich anzuordnen.

Seiber wird die Volksentscheidung, die zweifellos eine erdrückende Mehrheit zu Gunsten des An-

laffen werde, auf Innehaltung des Artikels N des Friedensvertrages zu bringen. Die deutsche Regierung könne nicht annehmen, daß g«Äw Frarckreuh, das l« am meisten auf strikteste Innehaltung des Versailler Vertrages bringe, diesen Vertrag brechen wolle. ^rank- reich wird sich aber wohl kaum um diese Ansicht der deutschen Regierung kümmern. Alle der deuffchen Re­gierung zur Verfügung stehenden Mittel die bc- konntenschärfsten" Proteste, Anrufung des Volker, bmides und wie sie alle heißen sind ja von vorn­herein zur Wirkungslosigkeit verurteilt.

* Eröffnung des wellpoftkongresfes. In Madrid wurde der Weitpostkongreß feierlich durch den König in Gegenwart der Regierung und des diplomatischen Korps eröffnet. Die Verhandlungen beginnen am heu­tigen Montag in dem herrlichen Postgebaude und dauern voraussichtlich über 2 Monate.

* Rußlands Zahlungsunfähigkeit, die Folge der traurigen inneren Verhältnisse, die auch zum Stieben mit Polen zwingen, offenbart sich drastisch in den i Zahlen des sog. Staatshaushaltes, denn von irgend einer geregelten staatlichen Einnahmen- und Ausgaben- Wirtfchaft ist längst keine Rede mehr. Das Defizit im letzten halben Jahre betrug 30 Milliarden Rubel (51 Milliarden Mark nach Friedenskn^>, und dabet hat Rußland die Zinsenzahlung für Mm auswärtigen Anleihen längst eingestellt. Wir sind schon bos germg I daran, aber mit den russischen Verhältnissen sind bte unsrigen doch nicht zu vergleichen. Dabei weiß kein Mensch, wie viel falsche Wertpapiere im Osten noch I im Umlauf sind, denn Rußland war von je das ge­lobte Land der Banknoten- und fonftigen Dokumenten-

I sälschungen.

* Die Bolschewisten in Asien. In den früheren Jahrzehnten bedrohte Rußland ständig Indien und damit England. Die ruffisch-englischen Abkommen über Persien 1905 machten diesem Streit kein Ende. Die bolschewistische Regierung aber hat die polrti- scheu Methoden des eroberungssüchtigen Zarismus I wieder ausgenommen. Die KopenhagnerPolitiken" schreibt in einem Leitartikel übet die durch die fort- ------------«n-i,,..,}, I dauernde Spannung zwischen England und Rußland meindeschule wiederholt werden muffen. Wahrend geschaffene Weltlage u. a.t

bei der ersten Wahl die Unabhängigen 278 und die v Das Hauptglied in der Kette der WeltrevolutionS- Mehrhettssozialisten 107 Stimmen für ihre Listen er- I pl5nt füt Lenin immer Deutschland gewesen. Ans hielten, fielen Urnen diesmal nur 131 bezw. 80 Stirn- I dieser Front hat er jetzt aber eine Atempause gemacht, men zu, hingegen hat die Liste ber Unpolttisch-Christ- Die Offensive wird gegen Vo rderasien durch bunte, Men^ eine Zunahme von über 30 Stimmen auszu- unruhige politische nationale r^tos he^ bewegte -SL- $ronn führt Verlust der Unabhängigen, I Volkermassen gerichtet. Diese haben wahrscheinlich nur weisen- JKan pugn wn -ueriuii w uh j h b r i we mit bem Bolschewismus gemeinsam; aber etn ber über 50 Prozent betrogt, auf bte I Hinduprofessor hat einmal in derJswestija- auf das

steins zum Stadtschulrat zurück, bte auch in Arbeiter- I roirkliche Leitmotiv dieser Völker hingewiesen:Ich bin-, treffen vielfach nicht gebilligt wird. I f0 sagte er,weder Kommunist, noch Sozialist, aber

* Das Durcheinander bei den Umckhängigen. Recht I mein polstifches Programm geht darauf auS,England charakterfftffch für die völlig zerfahrenen Derhältmffe auS Aflen zu bertretbem- innorfwrfh iiwthhnnmfl«»« ist auch der Kampf um I Wie aus Allahabad gemeldet rorro, yaoen pte die Parteikaffe. V^s^^ntlich haben links gerichtete bolschewistischen Truppen die Truppen deS Emirs

TOttgSe? der U. S P. versucht, die Parteitaffe für Buchara geschlaam und sich der Hauptstadt sich mit Beschlag zu legen, um, wenn die Spaltung bemächtigt, die sie plunderetn.

zur Taffache geworden ist, im Besitze ber Parteigelder ----------*-----------

zu sein. Der Geschästsführende Ausschuß ber Partei

muß bereits einen Aufruf erlassen, ch dem er »vor un- | Ktrjkd Mtz $U)UIC.

rechtmäßiger Aneignung unb Zurückhaltung von Kas- I l

fen" warnt. DerVorwärts" berichtet über einen I * Der Hl. Vater und Deutschland. In Rom hm solchen Kampf um die Parteikafle hn sechsten Berliner Papst Benedikt XV. in Privataudienz den Berliner Distritt Dabei habe man sich mit Fäusten und Spa- I Archivrat Dr. I. Lulvös, früher Mitglied des zierstöcken traktiert, und die Anhänger des rechten preußischen historiichen Instituts daselbst, empfangen, Flügels wären mit dem Schlachtruf:Lieber Noskau I öer des öfteren die Stellung des Oberhauptes der als 'Moskau" gegen die kommunistisch gerichteten Par- katholischen Kirche im Weltkriege, sowie zur Frie- teimitglieber lvsgezogen. Schließlich drangen die Kom- I benSfrage, zum Völkerbunde, vor allem das wohl- munisten in die Wohmmg des Kassierers ein undbe- wollende Verhalten des Papstes Deutschland gegen- freiten" bre Kasse. über literarisch behandelt hatte. Das gab Benedikt

1 XV. Veranlassung, sich nach den Zustanden rn Deutschland näher zu erkundigen. Anknüpsend an die ihm von Dr. Lulvss gemachten Angaben sprach der Papst die sichere Hoffnung auf eine relativ schnelle Gesundung des deutschen Volkes aus und brachte dementsprechende herzliche Wünsche zum Aus-