Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetieadruckerei in Salbe
Literarisches
an
den östüchen Riesen abzustecken. Es wird ihn nicht vernichten, denn geschichtliche Notwendigkeiten wirken sich aus. Es wird ihn aber in seinem Dienst gebrauchen. Rußland will auf zwei Wegen nach Kvnstanti- ncpel: über Bulgarien und durch Armenien-Kleinasien. Anderseits lüstet es den tappenden Riesen nach den Paradiesäpfeln Indiens. Ob England lange schwankt, wenn das dritte Weltreich ihm Indien schont und ihm dazu den allzu kmveglichen Japaner etwas am Arm nimmt? London wird es wissen.
Die Blütenträume eines vierten Weltreiches der Mittelmächte hat der unglückliche Ausgang des Weltkrieges geknickt. Ob sie in Gestalt der vereinigten Staaten von Europa jemals wieder aufleben?
Reklame von Staaiswegeu.
Berlin, 28. Sept. 1920.
Wir haben von Amerika viel gelernt, aber nicht lauter Schönes und Gutes. Das ewige Demonstrieren» das jetzt bei uns landesüblich ist, bildet eine politische Reklame nach amerikanischem Muster. Zugleich schießt die geschäftliche Reklame bei uns zu Lande immer üppiger ins Kraut, ebenfalls nach dem Vorbild der Amerikaner. Vielleicht werden die Heiden Geschwister dasselbe Schicksal haben, daß sie in ihrer Ueber- treibung widerwärtig werden.
Für die geschäftliche Reklame werde» immer noch neue Wege eröffnet, sogar mit Hilfe des geldbedürftigen Staates. Die Eisenbahnen waren schon seit Jahren der privaten Reklame zugänglich gemacht. Sowohl in den Bahnhofsgebäuden als auch in den rollenden Wagen wurden immer mehr Anpreisungen angebracht. Die Post kam langsam nachgehinkt, nimmt aber jetzt einen großen Anlauf, um all ihren verfügbaren Raum, bis zu den. Klappen der Briefkästen und den Stangen der Drahtleitungen hin, gegen Bezahlung dem reklamesüchtigen Geschäftsmann zur Der- sügung zu stellen. Es soll auf alle Weise Geld gemacht werden, damit das Betriebsdefizit etwas verringert werde.
Gegen diesen ,^Zug der Zeit" wird wohl nichts zu machen fein, so lange die Not der Zeit entscheidend mit« spricht. Aber die Schattenseiten der Entwicklung dürfen dicht verschwiegen werden.
Unter der Ueberfülle von privaten Anzeigen, die ihrer Natur nach möglichst knallig aufgemacht und möglichst auffällig angebracht werden, leiden die amtlichen Ankündigungen, auf die doch das Publikum bei >er Benutzung der öffentlichen Derkehrsanstalten angewiesen ist. Es gehört ein scharfes Auge, eine große Findigkeit und viel Geduld dazu, wenn man aus dem Wust der Plakate das herausfinden will, was man zur Regelung seines Reise- und Briefverkehrs wißen muß. Sin abschreckendes Beispiel in dieser Hinsicht bietet ge- zenwärtig die Berliner Straßenbahn, die aus privater Hand in die kommunale Verwaltung übergegangen ist tnb gerade jetzt Reklametafeln für ihre Wagen ergab ert. Wo früher deutlich die Nummer und die Route 'es Wagens angegeben war, da prangt jetzt in Riefen-
M 229.
Samstag, 2. Oktober 1920.
Verzeichnis von Neuanschaffungen der Landesbibliothek xu Fulda
z, :• ans dem Jahre 1919/20.
Hus Airche Md schule.
» Die Iincmzuok in Deutschland muffen zurzeit auch die Geistlichen der Mainzer Diözese em- pfindkich verspüren. Nach Erklärung der kirchlichen Behörde ist es zurzeit unmöglich, der Geistlichkeit das vierteljährliche Gehalt auszuzahlen, das anfangs September angewiesen wird. Der Dwzesrnrkirchenvorstand ist ohne die erforderlichen Mittel. Auch die staatliche Fincmzbehörde hat sich außerstande erklärt, die Mittel vorzuschießen und auch die Kirchengemeinden sind in Geldnot. Ob und wie diese Finanznöten behoben werben können, wird die Zukunft lehren müssen. Ler- hmrdlungen zwischen Kirchenbehörde und Regierung sollen zurzeit schweben.
Vermischter.
* Große Eisenbahndiebskähle. Eine Bande von Eisenbahndieben wurde bis auf ihren Führer von der Eisenbahnüberwachungsstelle und der Kriminalpolizei I hinter Schloß und Riegel gebracht. Auf ihre «pur kam man durch einen großen Diebstahl auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin, bei dem den Tatern am 25 d M. mrs einem erbrochenen Eilkurswagen für I mehrere Hunderttausend Mark Pforzheimer Schmuck- sachen aus Platin, Gold und Silber in die Hände fielen. Die Ueberroachungsstelle ermittelte, daß Hilfsarbeiter, die auf dem Bahnhof befchäfdigt waren, ihre I Hand im Spiele haben mußten. Sn Verbindung nut der Kriminalpolizei gelang es jetzt, 19 Personen, dar- Mter eine Frau, überfuhren und feftzunehmen. Der Anführer dagegen, ein Bchnunterhaltungsarbeiter Gustav Kutzner, ist flüchtig und wird eifrig gebucht. Kutzner erbrach den Wagen, während die anderen, ebenfalls Vahnunterhaltungsarberter, ihm Handret- chungen leisteten, oder die Aufpaffer sMten. Er »rahm auch den Hauptanteil der Beute an sich .
* verurteilter Verräter. Der «trafienat des ] Rchrisgerichts verurteilte den Former Studzinski, ehemaligen deutschen Kriegsteilnehmer und jetzigen Bur- ger der polnischen Republik, wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse zu 21/» Jahren Zuchthaus und fünfjährigem Ehrverlust. Studzinski hatte sich m November 1919 in Pofen von einem polnischen Osft- zier bestimmen taffen, nach Deutschland zu reifen und Art, Zahl und Stellung der deutschen Truppen an der Grenze cmszuukndschtafen. Em Brief mit solchen Nachrichten führte zur Entlarvung des Angeklagten.
* Vereilelle SchWWebung. Die ,2>. Tagesztg. berichtet aus Stettin: Dem Reichswasserausschuß für dis obere Oder in Stettin glückte es, einen größeren Schlepper, der nach Holland verschoben werden sollte, zu beschlagnahmen, als er gerade Swmemünde ver- laffen halte. Der Staatsanwalt aht die Beschlagnahme des Schiffes beftättgt, und der Reichsbeauftragte für Ueberwachung der Aus- und Einfuhr hat das Scy:ff yiqunftcn des Reiches für verfallen erklärt. Damit ist der deutschen Binnenschiffahrt ein Schiff im Werte von 1% Millionen erhalten geblieben.
' * Pofttaub in Hamburg. Sn das Hamburger Postamt 6 drangen in der Nacht zum Freitag sechs maskierte Männer, feffeltsn den Wächter mxb schlossen ihn in einen Schrank ein. Die Räuber erbrachen einen Eeldschrank und entwendeten einen Posten Briefmarken und 221 000 Mark Bargeld.
* Die Trmkgeidsrags auf dem Hoielbejiheriag. Sn München tagt gegenwärtig der Berwaltungsrat des Serbanbes deutscher Hotelbesitzervereirre. Bon den verschiedenen Punkten der Tagesornnng erregt _ die Trinkgeldfrage eine erregte Erörterung. Die Erfahrungen der Hotelbesitzer mit der Trinkgeldadlösung in den Großstädten sind außerordentlich ungünstig gewesen. Vor einem Schlichtungsausschuß ist festgestellt worden, daß eine Reihe von Oberkellnern mit Trink- geldeinnahmen, neben freier Kost und freier Wohnung, ein Einkommen van über 5000 Mark im Monat i hatten. Eine Verhandlung vor einem Ausschuß ergab, daß ein ISjähriger Kuchenverkäufer sich in drei Monaten 5000 Mark ersparen konnte. Diese Zustände sind unhaltbar geworden, well die andern Angestellten der Hotels und Gaststätten, von denen man eine ganz andere Vorbildung verlangt, mit ihrem Einkommen weit hinter den Trinkgeldempfängern zurück- ! bleiben. Diese unbilligen, nicht im Verhältnis zu den i Leistungen stehenden Einkommen solle« mm durch eine
Aus dem Nachbargebiet.
fd. Hersfeld. Der städtische Haushaltsplan für 1920/21 schließt mit einem ungedeckten Fehlbetrag von 500000 Mark ab, eine Summe, die für die Finanzen einer Kleinstadt außerordentlich ins Gewicht fällt. Um die fehlenden Gelder flüssig zu machen, sollen erhoben werden: 500 Proz. Grundsteuer, 400 Proz. Gebäudesteuer, 400 Proz. Gewerbesteuer, 400 Proz. Betriebssteuer.
(fb) Frankfurt a. 2IL Zum ersten Male flnbet während der Frankfurter Messe in diesem Herbst auch ein Flugdienst statt, der in seinen Einzelheiten vom Norddeutschen Lloyd und der Hamburg- AmÄka-Lime ausgearbeitet ist. Es finden Flüge statt: Basel-Frankfurt in 3 Stunden, Berlin-Leipzig- Frankfurt in 4 bis 5 Std. Sn Berlin ist Anschluß dou und nach Schweden und Dänemark vorgesehen, eine Strecke, die in 5 Std. durchflogen wird. Stirn« chen-Frankftrrt mit Zwischenlandung in Augsburg, Hamburg einerseits imi> Bremen-Amsterdam-London anderersäts; von Bremen über das Sndustriegebiet (Gelsenkirchen) nach Frankfurt. Ferner werden Personen- und Reklameslüge über Frankfurt und Umgebung veranstaltet. Alle Flugzeuge nehmen außer Paffagieren auch Briefe und Pakete für alle Richtungen mit. Freilich billig ist so ein Flug mcht eben. Hier einige Preise: Ein Rundflug über Frankftut kostet 200 JA, ein Reklameflug mit 50 Klgr. Propagandamaterial 500 JA. Die Fahrt nach Leipzig kommt auf 1500 JA, mich Berlin auf 2100 Jl zu stehen, bei gleichzeitiger Buchung zweier Passagiere nur 1250 bezw. 1700 JA, nach Kopenhagen 3050 JA und 250 schwedische Kronen, dafür kann man aber auch des Morgens um 7 Uhr in Frankfurt-Rebstock abfliegen und nachmittags um halb 6 Uhr in Kopenhagen sein.
(he) Kassel. Die Schwurgerichtsverhandlung gegen die Marburger studentischen Freiwilligen, die bereits am 18. Oktober vor dem hiesigen Landgericht beginnen sollte, mußte verschoben werben, weil von ber Verteidigung neue Beweisanträge gestellt worben sind. Der Prozeß wird voraussichtlich erst im No« vember beginnen.
(Fortsetzung.)
Jahrbuch, Historisches. Im Auftr. d. Görrgs- gesellsch. hrsg. v. E. König. Münch. — Bd 39. 1918/19.
Iskra-Permsky, M.: Das Elend in den deutschen Gefangenenlagern Frankreichs. Impressionen e. Amerikaners. L. 1919.
Iwand, F. G.: v. Wahlkapitulationen d. 17. u. 18, Jhd. Biberach 1919.
Kautsky, K.: 1) Terrorismus u. Kommunismus B. (1919). 2) Wie der Weltkrieg entstand. B. 1919.
Keutgen, F.: Der deutsche Staat des Mittelalters Jena 1918.
Neue Weltreiche.
Die Kriegsfahrt der Amerikaner nach Europa jenn nur als ein Abenteuer des amerikanischen Volks- Giftes verstanden werden. 5m Grund will der amen» vnische Bürger keinen Krieg, well er seine Lebenshaltung gefährdet. So hat er auch tun großen euro- «nschen Ringen nur geschäMches und sportliches 5n- jeresse gezeigt. Wohl äußerte sich die Volksseele klnrerikas leidenschaftlich für oder gegen die einzelnen Parteien, wohl donnerte die amerikanische Presse, ober sie ganze PräsiLentenwaU währeM) des Krieges stand -och auf der allgemeinen Forderung: Der neue Präfi- >ent muß den Frieden wollen. Und Wilson ist K unter dieser Voraussetzung gewählt worden.
z er trotz allem die amerikanischen Bürger auf die Schlachtfelder Frankreichs senden konnte, ohne vom volkssturm weggefegt zu werden, lag an der mit Rie- fenjummen. künstlich auf das Maßloseste geschürten Kreuzzugsstimmung, mit der kriegstreiberische Ele- mente bas amerikanische Ehrgefühl gegen bas deutsche „Schanbkaisertum" erfüllten. Wer an die Front ging, glaubte ein gutes Werk zu tun, glaubte die Menschheit von einer unerhörten Tyrannei zu befreien.
Die Ernüchterung war unausbleibliche Und m der Tat! Der Krieg hat den Amerikanern viel zu lang gewährt. Heute bereits verurteilt man drüben bas Abenteuer. Ueberschnell zog man die Hände aus Europa zurück. Wilson kam als Gerichteter von Versailles zurück und verschwand im Dämmerdunkel der Krankenstube. Und das amerikanische Volk hat wieder nur mehr sportliche und geldliche Interessen an Eu- ropa. Ein Volk muß eben seiner Seele treu bleiben. Der amerikanische Volksgeist, der keine bodenständige Kultur hat, findet sich in die alten Formen des europäischen Denkens nicht hinein. Er hat keine Europa- schnsucht, wohl aber den Drang, diese ihm fremde, ihn bedrückende Welt sich selbst zu überlassen. Hier sind die letzten Gründe für die politische Interesselosigkeit Amerikas in letzter Zeit zu suchen. Amerika will und wird Europa nicht retten. Auf der Brüsseler Finanz- konferenz hat der amerikanische Vertreter rund heraus Erklärt, daß Amerika nicht daran denke, den europäischen Ländern mit Krediten zu Hilfe zu kommen. Europa wirft selber seine Würfel.
Amerika die seinigen. Denn das ist nicht zu verkennen, daß die Vereinigten Staaten nach der Eu- gopchatz nicht den geringsten Eingriff europäischer Mächte mehr auf amerikanischem Land gestatten. Mag das Nord-, Mittel- oder Südamerika fein. Amerika den Amerikanern! Und die Vereinigten Staaten unter ihnen als ber große Bruder. Damit ist bann auch das erste Weltreich als Ergebnis des Welt» ■ Kriegs entstanden. Gewiß ging durch das gewaltige Ringen hindurch die Idee, daß jedes Volk auf feinem Heimatboden frei wohnen solle. Das Selbswestim- mungsrecht wurde das Recht jener, die aus dem Krieg Gewinn ziehen wollten. Aber ein Selbstbestimmungs- rechl ist ein Recht der Ohnmächtigen, die auch dann ohnmächtig bleiben, wenn sie frei geworden sind. Gerade der Krieg aber hat bewiesen, daß selbst Großmächte ohne ein großes Hinterland zerschlagen werden. Und so drängt denn alles in der Staatenblldung der Welt auf Weltreiche hin. Die Periode der Großmächte ist vorbei. Dis europäischen Großmächte haben sich verblutet. Die Großmacht Deutschlands liegt am Boden. Selbst die Sieger: Frankreich und Italien stehen keineswegs in der alten Machtstellung.
Dagegen hat das Schicksal England noch viel mehr in die Sonne gestellt als vordem. Lloyd George regiert tatsächlich ganz Mittel- und Westeuropa. London ist europäische Hauptstadt. Dort werden Königreiche verteilt und Kronen verschenkt. Ganz abgesehen von dem ungeheuren Kolonialbesitz, der heute anscheinend fester zum Mutterlande hält als jemals. Roch einmal: Englands Zepter ist über ganz Europa gestreckt. Damit wird England das zweite Weltreich. In genialer, freundschastlicher Art hat es den amerikanischen Netter wieder übers Wasser geschickt, damit es selbst, nachdem er treu geholfen hatte, freie Hand bekam. Heute hat es diese freie Hand. Und es wird sie zu behalten wissen.
Allerdings stößt sich diese Hand am russischen Koloß. Rußland liegt nicht im Schatten des britischen Zepters, es hat seinen eigenen Schatten. Englands WeltseAs fühlt, daß hier ein drittes Weltreich aus unergründlichen Tiefen steigt, das, beseelt von einem uralten Drang nach Westen, auch fernerhin das große Ziel verfolgen wird: Die Slawen alle vereint unter der Kuppel der Hagia Sophia Konstantinopels. Das russische Weltreich ist im Entstehen. England ist eben dabei, weitblickend seine Grenzen gegen
neue ^Regelung abgeschafft und ein Mittelweg beschnt- ten werden: neben freier Verpflegung und Wohnung soll ein fester Monatslohn gezahlt werden, im übrigen das Trinkgeldzahlen den Gästen überlassen bleiben. Es wurde sine Entschließung in diesem Sinne onqj^ nommen.
♦ Die lieberfüüung der Gefängnisse. Sn Preußen sind die Gefängnisse zum TeU überbelegt, es ist aber überall Vorsorge getroffen, daß die Ueberfüllung mcht zu Tchädigungen für die Insassen führen kann. Reu- bauten, die bei der wachsenden Kriminalität sehr notwendig sind, sind bei der Finanzlage Peutzens vollständig ausgeschlossen. Wenn man bedenkt, daß ein Ror- malgefängnia für etwa 500 Gefangene, für das man tm Frieden an Baukosten schon etwa zwei Millionen Mark aufwenden muhte, beute rund 20 bis 25 Millionen Mark erfordert, wird man begreifen, daß solche Summen für vielerlei andere Zwecke fruchtbarer v«- m endet werden können, lieber die Art der jetzt meijt- begangenen Straftaten ist nur zu sagen, daß die tätlichen Angriffe, Körperverletzungen und Straßenbleb. stähle überwiegen. , _ ,
* Ein spanischer Gelehrter z« elf Jahren Kerker verurteilt. Ein sensationeller Prozeß ist dieser Tage in Madrid zur Entscheidung gekommen. Wegen Majestätsbeleidigung, begangen durch Veröffentlichung zweier Artikel in einer Zeitung von Valencia, ist der namhafte Hellenist und ehemalige Rekior der Universität Salamanca, Don Miguel de> I Unamurw y Jugo, der im zeitgenössischen spanischen Geistesleben eine hervorragende Rolle spielt, zu elf Jahren Gefängnis rechtskräftig verurteilt worden. Professor de Unamuno y Jugo, der auch außerhalb seines Landes bedeutendes Ansehen tn Wissenschaft- lieben Fachkreisen genießt, hat in Den letzten Jahren eine unbarmherzige Prehfehde gegen König AlfonS geführt, die schließlich in dem jetzigen MajestatS. beleidisungsprozeß mit seiner hohen Strafe gipfelt»
rant in Stork anfäffig ist. Es dürfte darum von » allgemeinem Interesse fein, Kenntnis zu erhalten I von einem Fuhrloi ntarif, in welchem die Entfer- 1 nungen sämtlicher Orte unseres Kreises von Fulda I berücksichtigt sind. Als Grundlage werden 20 Pfg. I pro km angenommen. Bis 5 km erfolgt Ausrun- I düng der Pfg.; bis 10 km Abrundung der Pfg. I Für weitere Entfernung Abrundung auf die volle I Kilometerzahl. Beispiele für Entfernungen von 3,2 j km, 6,8 km u. 26,6 km:
a) 3,2X20 Pfg. = 64 chfg., rund 70 Pfg.; b) 6,8X20 Pfg. -- 1,36 Mk., rund 1,30 Mk.;
c) 26,6 km --- 26 volle km, 26X20 Pfg. = 5,20 Mk.
Grund für diese Berechnungsart: Je weiter die Entfernung, desto bequemer die Arbeit, weil in allen Fällen das Auf- und Abladen in die Wagschale fallt.
Adolf-eck 6,3 km — 1,20 Mk., Allrnus 13,1 2.50 Mk., Almendorf 7,3 1,40, Armenhof 9,9 1.80, Bernhards 7,4 1,40, Besges 7,8 1,50, Blankenau 17,5 3,40. Böckels 6,3 1,20, Brandlos 20,5 4,00, Bronzell 4 0,80, Buchenrob 26,4 5,20, Büchenberg 15,3 3,00, Dassen 9 1,80, Dieters- | Han 7,2 1,40, Dipperz 9,4 1,80, DirloS 6,8 1,30, Doll- - bad) 13,8 2,60, Dörmbach 14,5 2,80, Dorfborn 12,6 2,40, Edelzell 3,4 0,70, Eichenau 15,3 3,00, Eichenried 22,3 4,40, Eichenzell 6,9 1,20, Ellers 14 2,80, ElterS 17,4 3,40, Engelhelms 6,6 1,20, Finkenhain 13,4 2,60, Flreden 20,2 4,00, Friesenhausen 12,0 2,40, G-rsrob 18,4 3,60, Giesel 10 2,00, Gläserzell 4,8 1,00, Großenlüder 12,2 2,40, Haimbach 4,5 0,80, Hainzell 16,6 3,20, Harmerz 5,2 1,00, Hattenhof 10,6 2,00, Hauswurz 24,4 4I0, Hof und Heid 26,4 5,20, Hofbieber 14 2,80, Horos 2,2 0,o0, Hosenfeld 17 3,40, Johannesberg 4,5 0,90, Jossa 20 4.00, Istergiesel 7 1,40, Kämmerzell 7 1,40, Kauppen 28,7 5,60, Kerzell 8,1 1,60, Keulos 5,4 1,00, Kleinlüder 14 2,80, Kohlgrur.d 10,5 2,00, KohlhauS 2,7 0,60, Künzell 3 0,60, Langenbieber 13,7 2,60, Lehnerz 3,9 0,80,Löschen- rod 6,4 1,20, Lüdermünd 9,5 1,90, Lütterz 10 2,00, Maberzell 4,5 0,90. Magdlos 24,3 4,80, Marbach 8,6 1,70, Malkes 8,9 1,70, Margretenhaun 7,2 1,40, Melters 11,3 2,20, Melzdoll i,2 1,40, Mittelkalbach 18,7 3,60, Mittelrodc 6,5 1,30, Müs 15,3 3,00, Neuenberg 2,3 0,50, Neustadt 14,2 2,80, Niederbieber 10,9 2,00, Nieder- kalbach 16,8 3,20, Niederrode 5,16 1,00, Nieftg 3L 0,70, Oberbimbach 9,08 1,80, Oberrode 8,8 1,60, Opperz 14,5 2,80, Petersberg 4 0.80, Pfaffenrod 19,2 3,80, Pilgerzell 5,8 1,10, Poppenrod 18,2 3,60, Reinhards 6 1,20, Rex 7,9 1,50, Rodges 6,7 1,30, Rödergrund 17,0 3,40, Egel- meS 15,2 3,00, Rönshausen 11 2,20, Rommerz 16,6 3,20, Rothemann 101 2,00, Rückers 22,9 4,40, Bad Salzschlirf 17,3 3,40, Schletzenhausen 19,2 3,80, Schweben 17,9 3,40, Sickels 3,4 0,70, Steens 19,4 3,80, Steinau 6,9 1,30, Steinhaus 8 1,60, Stöckels 5,2 1,00, Stork 27,8 5,40, Thiergarten 13,9 2,60, Tlefengruben 10,7 2,00, Trais, bach 9,8 1.90, Uffhausen 14,5 2,80, Unterbimbach 8.1 1,60, Veiistelnbach 23,4 2,60, Weidenau 27,5 5,40, Weihershof 18,5 3,60, Welkers 9,6 1,90, Wiesen 9,1 1,80, Wrffeis 7,3 1,40, Wisselsrod 9 1,80, Wittges 16,9 3,20, Wolferts 15,2 3,00, Zell 6.9 1,30, Ziegel 5.6 1,10, Ziehers 1,8 0,40, Zillbach 15,6 3,00, Zirkenbach 5,8 1,10.
= Beförderung der Heimattreuen Oberschlefler. Die ersenbahntechmschon Vorbereitungen zur Bewältigung des riesigen Personenverkehrs anläßlich der oberschie- stschen Abstimmung, für die ettoa 300 000 Menschen I nach ihren Heimatsorten und zurück befördert werden müssen, zwingt die für den Transport maßgebenden Stellen zur Festsetzung eines Nennungsschlus- fes, der auf den 15. Oktober festgesetzt worden ist Zur Sicherung der erforderlichen EisenbahMrans- porte werden daher alle Wstimmungsberechtigten nochmals gebeten, ihre Meldung bis zum genannten Datum xu bewerkstelliWN.
In bet «Ehrengabe deutscher Wissenschaft? (Berlaz Herder-Frelbura) gewidmet dem Prinzen Johann Georgs von Sachsen veröffentlicht der Donner Unioersitatspro- feffor Dr. Arnold Rademacher einen bemerkenswerten Aussatz über die wissenschaftliche n A ufgw- ben des Katholizismus und die Sorres- Gesellfchaft. In der Einleitung geigt Rademacher, daß Glauben und Wissen sich nicht widersprechen ton. nen, und daß durch den Vergleich in der Wertung der Ergebnisse der gläubige Forscher zu einer wertvollen Besonnenheit angehalten wird. Das besagt aber nicht, sagt der Verfasser weiter, daß es gleich ist, mit welcher Weltanschauung der Gelehrte an eine Aufgabe heran- tritt, denn jeder Standpunkt zeigt einen Gegenstand von, einer anderen Seite. Deshalb darf es einem Katholiken nicht verwehrt werden, von feinem Standpunkte aus an eine wissenschaftliche Aufgabe heranzutreten. Um wissenschaftliches Arbeiten auf Seiten der deutschen Sa» tholiken mehr als bisher zu erreichen, wurde am 25. Januar 1876 die »Görres-Gesellschaft zur Pflege bec Wissenschaft im katholischen Deutschland gegründet Ler- der hat die aktholische Wissenschaft in Deusschland ost scharf bedrängt und zuruckgedrangt in Abwehrstellmig stehen müssen, wodurch sie manchmal an positiven Arbeiten behindert wurde. Eine Anzahl anberer Ursachen trugen außerdem dazu bei, daß die Katholiken w^rend des IS. Jahrhunderts in den eigentlichen wlffenschaftll- chen Stellungen prozentual außerordentlich gering t>ei> freien waren. Mit Recht betont Rademacher, im 3. Abs. des 1 Teiles, daß die Kathollken mehr Grunde haben, auf dem wissenschaftlichen Gebiete überlegen al- rückständig zu sein. Dieses Ziel zu erreichen hat dm Gön:es-Gesellschaft während ihres Bestehens in vorbild» licher Weise zu erreichen versucht. Großes hat sie er- reicht — mit den verhältnismäßig geringen Mitteln, die ihr im Laufe ber Jahre zur Verfügung standen. Rur der hohe Idealismus der Leitung und ber Mitglieder kannte diese Wege aufwärts führen. Es wäre zu wmi- scheu, daß ber außerorbentlich gehaltvolle Aufsatz Rabe- machers möglichst halb in erweiterter Form als Bro. schüre auf bem Büchermärkte erscheint. Darin möge ber Verfasser aber nicht vergessen, bie bedrängte finanzielle Lage zu schllbern, in ber sich zur Zeit die katholschen Gelehrten befinben, unb daß es eine Ehrenpflicht der Katholiken Deutschlands ist, zu Helsen, baß recht baD bie beusschen Kathollken ben ihnen zukommenden Platz den deutschen Hochschulen einnehmen.
Lokaler.
Fulda, 2. Oktober 1920. Kartoffellieferung.
Zuhrlohntarif bei einer Srundtaxe van 20 Pfennig pro Kilometer rnd Sintner.
Während früher für Kartoffeln und andere Landwirtschaftliche Erzeugnisse in der Stadt ein einheitlicher Preis gezahlt "wurde, ist man in der Kriegs- zeit dazu übergegangen, neben einem Einheitspreis einen den Entfernungen vom Erzeugungsorte entsprechenden Fuhrlohn zu entrichten. Wer also feine Kartoffeln vom Neuenberg beziehen kann, steht sich um 5 Mark pro Zentner besser als der, dessen Liese- buchstaben der Name einer Zigarettenfabrik, und der Fahrgast an der Haltestelle muh schon eine ausgezeichnete Brille haben, wenn er bie zusammengeschrumpften Angaben über bie Art des Wagens entziffern will.
Die prioaten Ankündigungen dürfen die amtlichen Bekanntmachungen nicht erdrücken. Für letztere, die doch die Haupssache bilden müssen, sind bevorzugte, leicht zu erkennende Plätze, Farben und Formen zu reservieren.
Zweitens müssen Reich, Staaten unb Gemeinden sich bewußt bleiben, daß sie Verantwortung übernehmen für die Reklamen, die sie in ihren Räumen ober an ihren Einrichtungen anbringen lassen. Die Vorschrift, baß unsittliche ober verunstaltenbe Ankündigungen nicht zugelaffen werben, kann nur bei weiter Sius- behmmg unb scharfer Anordnung der Zensur genügen. Astes, was den Anstand verletzt oder bem guten Geschmack gefährlich ist, muß abgelehnt werben. Wenn bie Reklame sich deutlich als private Kundgebungen zu erkennen gibt, kann man freilich die Verwaltung nicht haftbar machen für bie Güte ber Waren ober bie Angemessenheit ber Preise; aber bie Anbringung in amtlichen Räumen wirb boch von manchen Lesern wie eine behördliche Approbation empfunden, unb darum sollte bie Verwaltung alles ausschließen, was nach Schwindel, gefährlicher Kurpfuscherei unb bergleichon aussieht. Don beft Behürbeu kann man noch mehr Sorgfalt in der Prüfung verlangen, wie von einem gewif- fenhaften Zeitungsverlag bei ber Zensur ber Inserate.
Dieser Vergleich beutet schon auf einen brüten tritt» scheu Punkt hin. Der Wettlauf um Reklamen, ben bie Behörden jetzt unternehmen, kann gerabe ben 3et- tun g e n schablich werben, wenn biefen die bisherige Inseratenkunbschaft entzogen wirb. Auf biefen Gesichts, punkt kann man achten bei ber Ausstellung ber Bedingungen für bie Post, unb Bahnreklame. Es entspricht ja auch ber Statur ber Dinge, wenn für letztere nur Anzeigen von längerer Dauer angenommen werben, währenb bie aktuellen ober periodisch wtederkehren- 'ben Anzeigen in ben bisherigen Gleisen bleiben.
Was nun bie Schönheit angeht, so ist es ja im allgemeinen keine Slugenmetbe, wenn man überall unb immer roteber dieselbe Reklame zu Gesicht bekommt. Doch werden wir uns das wohl gefallen lassen müssen, ffllöge nur bie Verwaltung basür sorgen, baß bie Reklame in Form unb Farbe sich von Geschmacklosigkeit {entgölte.
SotterdieAstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 3. Olt Dom. (Kollekte f.b. Josephs. kirKe \ lA6 6 '/-7 u. 7 M. Um Vs7 Uhr gestiftete bl M für die gefallenen Krieger mit Predigt und ®en.-Somm. der Männerapostol. Uur 8 Pfarramt m. Pr., 9V» Kathedralamt m. Pr.< 11 Ehr. f. d. Jung!., iii/. M. u. Pr, IV. Rosenkranzandacht, 2 Ehr. f. 0. Jungfr., 4 Pr. u. A., 7 Rosenkranz u. ®g._ Montag 5 Uhr Rosenkranz-A. - Stadtpfarrkirche. R o i en k r an a- f e ft. loties-auotiee-Ablaß. kKollekte f. d. St. StnrmtuS- ktrche.) 5V, Kam, 5'/. M., 6'/. M. u. Korn. d. Manner- apostol., 8 M. u. Pr Schuigd.)9'/-Pr w Hoch- au t mit Diakonium u. Chorgesang, 11 M. u. Pr. (2. Schulgd), 9V, Ehr. f. d. Jüngl. i. d. Sevenkirche, IV» Ehr f/b. Jungst., 2V. sakramentale Andacht, 7V. Rosenkranzandacht. - Pfarrkirche zum hl. Geist. (Koll. für die Sturmiuskirche.) */.7 Korn., 7 gruijm., 8 Pr u. SegenSamt m. Som., 6 A. Tgl. 5 ^^^"^nkrz.-A. — Severikirche. Sonntags V.7, werktags 6” M.—$etj-3eftt< Hei«. 8 Frührn., 8 Amt m. Pr., 2 A. (Mittw. abends 8 A.) — Frauenberg. 5,6,6V. U.7M..8 Rosenkranzm m?r9 Hochamt m. Pr., nach«. 2 Kreuzweg-A. m. Pr. (auf dein Kalvarienberge). „ . .
Montag, den 4. Oktober. Frauenberg. Fest deS seraph. hl. Vaters FranziSkuS. (Ablaßtag für alle Gläubigen.) Hl. Messen von 5 Uhr an. Uhr Rosen^ kranzmeffe, 9 Uhr Festpredigt unb Ponttsikalamt deS Hochwürbigsten Herrn Bischofs mit Aussetzung. Nach, mittags 3 Uhr feierliche Ve,per mit sarranientaleur Segen, 6 Uhr Gedächtnisfeier des HtnschetbenS beS Heiligen (Transites). Verehrung seiner Reliquie nach dem Hochamt unb bem Transites: Generalabsolution s. b. Terziaren.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, S. Ott. Vorm. 8 unb SV, Sup. Ruhl (hl. AbendmahU