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M 226.

29. September 1920.

Fuldaer Zeitung -

Druck der Fuldaer Articadrackeret la Fulda.

ZVie kommt unser Geldwesen wieder in Ordnung?

Von Prof. Grebe, M. d. Pr. ß.

Die Gesamtschuld von Reich, Staaten und Ge. Meinden übersteigt heute schon ziffernmäßig den Wert des gesamten Nationalvermögens vor dem Kriege. Nun ist aber der Besitz Deutschlands an Sachgütern inzwischen ganz erheblich verringert. Daraus folgt, daß das Geld von heute nicht mehr den gleichen Wert haben kann wie früher, denn sonst müßte sa das deutsche Volk sein gesamtes Vermögen mit Ein­schluß des Grundbesitzes, der Häuser, gewerblichen An­lagen usw. dem Vaterlande geliehen haben. Das ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil, vielfach sind Hypo- cheken abgetragen, Gebäude und Maschinen abgeschriS- ben, starke Reserven angesammelt. Wir schwimmen im Gelde. Das ist nur erklärlich durch eine bedeutende Verdünnung des wenigen wirklich vorhandenen Geldes. Es ist gerade so, wie wenn man in einen Liter Milch zwanzig Liter Wasser gießt. Das Quantum Ist dann vervielfacht, es schimmert wohl auch noch weiß, aber der innere Wert ist um nichts besser geworden.

Unser Geld hat gar keinen inneren Wert mehr. Es sind Wechsel auf die Zukunft, die gerade so viel wert sind wie Aussicht vorhanden ist, daß sie einmal eingelöst werden. Daher kommt auch das Schwanken des Geldwertes. Das Geld kann seine eigentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen. Solange es noch eine gewisse Kaufkraft besitzt, dient es noch als Tauschmittel. Aber wie oft tritt hier auch schon der direkte Güteraustausch ergänzend in die Erscheinung! Seine Rolle als Wertmesser hat es ganz aus­gespielt. Nicht mehr läßt sich der Wert einer Sache in Geld allgemein gültig ausdrücken, vielmehr muß man umgekehrt den Wert des Geldes an den Sachen feststellen. Höchst unvollkommen, wenn überhaupt noch, vermag es der Aufgabe gerecht zu werden, Güter, die man erarbeitet hat, aber noch nicht verzehren will, zu erhalten. Damit wird aber der einzige Weg, auf de n für die- verlorenen Werte allmählich Ersatz gesunden werden kann, auch noch versperrt. Nur durch Sparsam­keit können wir die Schulden tilgen und neue Betriebs- mittel ansammeln. Wer aber hat Lust zum Sparen, wenn die Mark, die er heute zurücklegt, im nächsten Jahre vielleicht nur noch die Hälfte oder gar nichts mehr wert ist? Der schwankende Wert unseres Geldes läßt keine geordnete Wirtschaft wieder auskommen.

Wie können wir denn Ordnung in un­sere Finanzen bringen? Der erste Schritt wäre, daß wir erst einmal die laufenden Aus. gaben durch Steuern decken und so die Notenpresse zum Stillstand bringen. Diese Aufgabe muß aber viel entschlossener ungefaßt werden. Die Vermehrung der Ausgaben muß zunächst unbedingt aufhören. Wenn sie immer bereits auf Milliarden ge­stiegen sind, ehe die neuen Cmnahmequellen fließen, ist das Steuersuchen eine zwecklose Arbeit. Vor einem Jahre forderte die Reichsschuld eine Verzinsung von 10 Milliarden Mark, jetzt sind es bereits 12% Milliar­den und am Jahresende werden es 15 Milliarden sein. So geht es nicht weiter. Nach Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Einnahme und Ausgabe müßte noch die schwebende Schuld fest angelegt werden. Sie beläuft sich bereits auf 125 Mlliarden und steigt noch dauernd. Ob es möglich ist, solche Rie­sensummen in dauernden Anleihen unterzubringen, ist recht zweifelhaft.

Können wir überhaupt neben unseren sonstigen un­vermeidlichen Lasten eine Reichsschuld von 300 Mil­liarden dauernd verzinsen? Diese Frage muß in aller Ruhe geprüft werden. Ist die Aufgabe unlösbar, so muß ernstlich der Herabsetzung die­ser Schuldsumme näher getreten werden. Fort- wursteln kann uns nicht retten. Ein Weg wäre eine starke Vermögensabgabe, eine Zwangs- anleihe, durch die die Schulden soweit herabgemin­dert würden, daß wir den Rest verzinsen können. Das 'Reichsnotopfer reicht dazu nicht aus. Der Einwand, daß dadurch der Volkswirtschaft die nötigen Betriebs- mittel entzogen würden, ist nicht stichhaltig. Diese Mit­tel sind bereits aufgezehrt, und diese Tatsache wird nur durch unser Scheingeld verschleiert. Wir leben aber seit langem schon zu Lasten der Zukunft. Wirkliche Werte müsien erst wieder durch Arbeit geschaffen wer­den. Zur Vorsicht könnte man ja die Abgabe in Schuld­verschreibungen des Reiches erheben. Können wir auf diese Weise der Schuldenlast nicht Herr werden, so bleibt nur eine Art offenen Bankerotts übrig. Es nutzt nichts, die Folgen eines solchen Schrittes in

Der Regen in Fulda.

Von Dr. H. A. Rheinsachs.

Ich saß kürzlich in einer Wirtschaft, wohin ich mich oor einem Platzregen hatte flüchten müssen. Es gotz nur fo in Strömen. Die Gäste des benachbarten Tisches, ge- mütlich die lange Pfeife schmauchend, besahen sich wie ich das Naturschauspiel, das in wenigen Minuten die Äraßenrinnen in reißende Bäche verwandelt hatte. Uni nun noch immer kein Nachlosien des Regens. Die Straße wurde zum See, bis dann erst nach ^geraumer Zeit der Himmel seinem Segen Einhalt bot . . .

Während dessen hatte sich am Nochbartisch.ehre Unter­haltung angesponnen, die ich hier mal mitteilen möchte.

Ist nur gut, daß der Regen nicht stehen Ueibt, son­dern abfließt", meinte ein Gast,sonst mühten wir hier bleiben, nicht wahr?" Schelmisch lächelte er dabei den Wirt an, «Äs wollte er damtt sagen: So schlimm wärs ja hier nicht in der sauberen Kneipe.

Wenn der Regen ein ganzes Jahr stehen blieb, könn­ten wir hier wohl auch mcht bleiben", meinte ein zweiter Gast,rote müßten dann schon m die Wohnstube des Wirtes."

Meinen Sie, dort oben hätten Sie trockene Füße?" wendete mm der Wirt ein.Ein ganzes Jahr Regen! Dann hätten wir noch unsere Not auf dem Schloß, die Füße aus dem Wasser herauszuhalten."

Oho!" meinte jetzt ein dritter Gast.Ich tot wetten, daß ich schon auf Ihrem Dachboden unter ®<mntie trocken blieb!"

Ausgeschlossen!" riefen jetzt die meisten Stmmntisch- gäste. Von der Stadt wäre nichts mehr zu sehen", be­hauptete dann weiter einer.

Sehr richtig!" antwortete mm fast einstimmig die Danze TiWorona.

Aber der Gast, der die Behauptung dem Dachboden Getan hatte,Dachbodenprophet" wurde er dafür von einer Seite spöttisch genannt trotzte der ganzen Ko­rona. Er hatte wohl schon etwas von Regenhöhe gehört, ^ch wette, daß die Sache mit ein paar Metern geschmis- sen ist!"

Ich wette dagegen!"Ich auch Los! Was gilt die Wette?" So schwirrte es jetzt durch den Tabaksqualm hindurch.10 Runden!" bot nun derDachbodenpro­phet".Abgemacht. Hier durchschlagen, Wirt. So ich schreibe morgen der Wetteribarte."

Was dis Detterwarte geantwortet hat, weiß ich niiht. Aber ich weiß wohl, daß derDachbodenprophet" seine

den schwärzesten Farben auszumalen. Weiß man kei­nen Weg, ihn zu vermeiden, so muß man wenigstens versuchen, eine möglichst milde Form zu finden. Wir müsien unser Geschick selbst meistern und dürfen niiht das Unglück untätig über uns hereinbrechsn lassen.

Die roheste Form des Staatsbankerotts wäre die Annullierung der Anleihen und die Außer­kurssetzung des Papiergeldes. Eine Denk­schrift des Finanzministeriums über die Steuerbelastung in Deutschland besagt darüber:

Das deutsche Finanzwesen befindet sich daher in einer recht gefährlichen Lage, die nicht durch Gewalt- Mittel erleichtert werden kann. Die Erklärung des Staatsbankerotts, die manchmal empfohlen roirb, würde zu einer völligen Auflösung der gesamten so- zialen Ordnung führen."

Niemand wird einen Staatsbankerott empfehlen, wenn er einen Weg sieht, ihn zu vermeiden Wir ent­fernen uns aber nicht von dem Abgrunde, sondern glei­ten bereits fühlbar immer tiefer in ihn hinein. Des­halb muß das Volk wiffen, was kommen kann. Je mehr das Reich von seinen Verpflichtungen aufrecht zu erhalten vermag, um so besser. Wenn die Außerkurs­setzung des umlaufenden Papiergeldes genügte, so wür­den die üblen Folgen schon wesentlich abgeschwächt. Als milde Ferm des Staatsbankerotts wird empfohlen, mit den vorhandenen Mitteln der Reichsbank an Gold und Devisen eine neue Goldwährung onzulegen, da­neben aber das Papiergeld bestehen zu lassen. Dieses würde dann in ein bestimmtes Verhältnis zum Gold- geld treten. Statt einer richtigen Mark würde man dann vielleicht zehn Papiermark zahlen müssen. (Lgl. I. Friedrichs in Christliche Politik Nr. 9). Gelänge es, in diesem Verhältnis das alte Geld allmählich einzu­ziehen, so würden wir die Schuldenlast von 300 Milliar­den auf 30, die Verzinsung von 15 auf 1% Milliarden herabgesetzt haben. Irgend ein Weg muß beschritten werden, um wieder zu gesunden Geldverhältnissen zu kommen. Die Fabrikation von Papiergeld schafft keine Werte; sie erhöht weder unsere Kaufkraft im Auslande, noch vermehrt sie die Derbrauchsgüter im Innern. Wohl aber führt sie schließlich zum wirtschaftlichen Zusam­menbruch. ___________

dem NachbargeZiet.

Aus dem Vogelsberg. Trotz der reichen 2l pf e l- ernte überbieten sich Händler und Privatleute bei den Obstversteigerungen. Für Tafelobst werden die Preise derart in die Höhe getrieben, dah manche Sor­ten auf mchr als 100 Mark den Zentner zu stehen kommen.

)( Somborn. Am vergangenen Sonntag sprach in einer stark besuchten Versammlung der hiesigen Orts­gruppe des Volksvereins Herr Stadtrat Dr. Kramer aus Fulda. Er behandelte in packender, von warmherziger Glaubensüberzeugung getragener Rede das Thema:Die Mission des Katholizismus im öffentlichen Leben der Gegenwart." Als die wichtig- sten Mittel, btV cufbauenden Kräfte des Katholizismus im öffentlichen Leben zur Geltung zu bringen, empfahl er den Volksverein und die katholische Presse.

(tnt) Darmstadt. Daß es immer noch reichlich Leute gibt, die über genügenb Geld verfügen, beweisen d« Vorträge des Frankfurter Naturapostels Karl Waßmantt, der ihnen weismacht, er wolle dank seiner spiritistischen Kenntnisse noch soweit kommen. Tote wieder zum Leben zu erwecken. Auch der be­kannte Wunderdoktor von Bad Homburg sei sein ge­lehriger Schüler. Waßmann läßt sich ferne Weisheit mit 16 M je nach Platz bezahlen und findet sein Publikum. Die Dummen werden halt nicht alle.

Aus Oberheffen und Sen heff. Aenrtern.

A Marburg. Am Samstag und Montag »rasen Wr Besichtigung der Behrittg-Werke.je über 100 Teilnehmer des in Bad Nauheim tagenden Kon- gresies deutscher Naturforscher und Aerzte ein.

= Kirchhain. Der letzten Kreistags­sitzung lag ein Kostenanschlag für die Unterhaltung der Landwege in Höhe von 310 000 Mark vor. Der Kreistag war der Ansicht, daß bei der Finanzlage des Kreises der geforderte Betrag nicht bewilligt werden könne, wenn man sich auch der Notwendigkeit nicht verschloß, daß die Straßen nicht verfallen dürsten. Schließlich wurde em Betrag von 200 000 Mark be­willigt. Bezüglich der Erhebung neuer Kreissteuern wurde beantragt, abermals für laufende Ausgaben einen Betrag von 200 Prozent der Realsteuern, rund 150 000 Mark, zu bewilligen. Da weitere Einnahmen

Wette glänzend gewonnen hat, wenn er auch selbst in feiner Ansicht vom Richtigen noch wett entfernt war. Die Leser sollen die Wahrheit hier erfahren.

I. Die jährliche Regenmenge.

Die durchschnittliche jährliche Regenhöhe für Fulda beträgt 672 Millimeter, also noch nicht drei Mertel Meter. Diese Zahl jenen Stammgästen zu nennen, hätte ich nicht gewagt. Denn ich vermute, ich wäre ausgelacht roorbeet, oder man hätte für mich den Nervenarzt angeläutet.

Wie kommt es wohl, daß der Laie und deren gibt es in meteorologischer Hinsicht gar viele! die Regen - höhe m feinem Gefühl so kolossal überschätzt?

Nun, es kommt wohl daher, weil jemand, der bei einem starken Regenfturz das Wasier die Siraßenriimen über­steigen sieht, nicht daran dentt, daß das Wasier, das dort fließt, auf die Dächer, in die Gärten, in die Felder her- unfergeregnet ist. Wer sich also von der Regenhöhe einer Stadt ein richtiges Bild machen will, der muß in Ge­danken den Regen, den er auf der Straße hm strömen sieht, erst wieder verteilen auf die ganze Gegend, auf die der zufällig in der Straßenrinne fließende Regen hemieder­gekommen ist. Wer so dentt, der wird dann auch ver­stehen, daß z. B. ein Regen von 1 Millimeter Höhe schon ein ganz bedeutendes Bächlein in der Straßenrinne ab­geben muß. Denn bei der Regenhöhe von 1 Millimeter regnet ja auf jeden Quadratmeter 1 Liter Wasser herab, und dächten wir etwa einen Tanzfaal von 5 Meier Breite und 20 Meter Länge abgedeckt, so praffelle auf diesen Rawn genau em Hektoliter Wasier hernieder. Handell es sich nun um einen Platzregen von 20 Millimeter Regen­höhe, bann flössen also in wenigen Minuten 20 Hektoliter Wasser herein, mehr wie ausreichend, um Entsetzen hervor- zurufen.

Der oben genannte Durchschnitt der jährlichen Regen­höhe für Fulda ist das Ergebnis einer langjährigen un­unterbrochenen Beobachtung und Notierung.

In den einzelnen Jahren war der (Ertrag des Nieder­schlages Regen oder geschmolzener Schnee! natürlich ganz verschieden. Am ärmsten an Niederschlag in den leh­ren Jahrzehnten war das Jahr 1869, in dem Fulda nur 448 Millimeter verzeichnet, also rund ein Drittel weniger, als es dem Durchschnitt entspricht.

Den meisten Regen verzeichnet Fulda im Jahre 1882. in dem 922 Millimeter fielen, also über ein Drittel mehr der mittlere Wert.

Weshalb es in diesem Jahre so viel, in jenem Jahre so Denig egnet, vermag auck Oer größte Meteorologe nicht zu

nicht zur Verfügung stehen, konnte sich der Kreistag der Notwendigkeit der Forderung nicht verschließen, und genehmigte die 200 Prozent.

Amtliche Anzeigen.

Auf Grund der Verordnung des Bundesrats über Maßnahmen gegen Wohnungsmangel vom 23. September 1918 (N. G. Bl. S. 1145) 22. Juli 1919 (R. G. Bl. S. 592) wird mit Ermächtigung des Herrn Regierungs- Präsidenten für sämtliche Gemeinden des Kreises folgende Anordnung erlassen:

§ 1. Bis auf weiteres ist verboten, daß ohne vorher­gehende Zustimmung des Kreisousschusies

a) Gebäude ober Teile von Gebäuden abgebrochen,

b) Räume, die bis zum 1. Oktober 1918 zu Wohnzwecken bestimmt oder benutzt waren, zu ander-n Zwecken, ins­besondere als Fabrik-, Lager-, Werkstätten-, Dienst- ober Geschäftsräume verwendet werden.

e) mehrere Wohnungen zu einer vereinigt werden.

Die Zustimmung darf nur versagt «erden, wenn das Mietseinigungsamt sich mit der Versagung einverstanden erklärt hat.

§ 2. Der Verfügungsberechtigte hat: X

a) dem Kreisausschuß unverzüglich Anzeige zu erstatten, sobald eine Wohnung oder Fabrik, 3agcr, Werkstätten, Dienstgeschäftsräume oder sonstige Räume unbenutzt sind, b) dem Beauftragten des Kreisausschusies über die un­

k'mutzten Wohnungen und Räume sowie über deren Vermietung Auskunft zu erteilen und ihm die Besich­tigung zu gestatten.

Als unbenutzt gelten Wohnungen und Räume der be­zeichneten Art, wenn sie völlig leer stehen ober nur zur Aufbewahrung von Sachen dienen, sofern dem Verfügungs­berechtigten eine andere Aufbewahrung ohne Härte zuge- mutet werden kann oder wenn der Verfügungsberchtigte feinen Wohnsitz dauernd oder zeitweilig in das feindliche Ausland verlegt hat.

§ 3. Hat der Kreisausschuß dem Verfügungsberech­tigten für eine unbenutzte Wohnung oher für andere un­benutzte Räume, die zu Wohnzwecken geeignet sind, einen Wohnungssuchenden bezeichnet und kommt zwischen ihnen em Mietvertrag nicht zustande, so setzt auf Anrufen des Kreisausschusies das Mietseinigungsamt, falls für den Verfügungsberechtigten kein verhältnismäßiger Nachteil zu besorgen ist, einen Mietvertrag fest. Der Vertrag gilt als geschloffen, wenn der Wohnungssuchende nicht inner­halb einer vom Mieteinigungsamte zu bestimmenden Frist bei diesem Widerspruch erhebt.

Das Mieteinigungsamt kann dabei anordnen, daß der Kreisausschuß an Stelle des Wohnungssuchenden als Mie­ter gttt und berechtigt ist, die Mieträume dem Wohmmgs- suchenden weiter zu vermieten.

§ 4. Auf Anfordern des Kreisausschusies hat der Ver­fügungsberechtigte dem Kreisausschuß .mbemitzte Fabrik-, Lager-, Werkstätten-, Dienst-, Geschäftsräume oder sonstige Räume zur Herrichtung als Wohnräume gegen Vergütung zu überlassen. Das Mieteinigungsamt bestimmt die Höhe der Vergütung und die Zahlungsbedingungen, wenn eine Einigung hierüber nicht zustande kommt. Der Kreisaus- schuß ist berechtigt, den Gebrauch der hergerichteten Räume einem Dritten zu überlass«!, insbesondere sie zu vermieten.

Nach Fortfall der dem Kreisarisschuß zmn Erlaß dieser Anordnung erteilten Ermächtigung sind dem Verfügungs­berechtigten die Räume in angemessener Frist zurückzuge- währen. Die Frist bestimmt, wenn eine Einigung nicht zustande kommt, das Mieteinigungsamt. Auf Verlangen des Berechtigten hat der Kreisausschuß den bet früheren Zweckbestimmung und Ausstattung entsprechenden Zustand ber Räume wieder herzustellen.

§ 5. Die §§ 3 und 4 dieser Verordnung finden auch Anwendung auf benutzte, im Verhältnis zur Zahl der Be­wohner übergroße Wohnungen hinsichtlich solcher für diese entbehrlichen Teile, die ohne erhebliche bauliche Aende- rimgen zm Verwendung als räumlich und wirtschaftlich selbständige Wohnungen abaetrennt werden können. Hin­sichtlich dieser übergroßen Wohnungen st eine Auskunsts- und Besichtigungspflicht gemäß § 2b, nicht aber eine An­zeigepflicht gemäß § 2a dieser Verordnung zulässig.

§ 6. Vermieter von Wohn- und Geschäftsräumen.- ros, Läden und Werkstätten können einen Mietsv»-rtrag wwohl mit neuen Mietern, als auch mit alten, soweit mit diesen eine Preissteigerung vereinbart roirb, rechtswirksam nur mit Zustimmung des Kreisausschusies eingehen. Die Zustimmung kann nur aus Gründen versagt werden, welche in den Bestimmungen des Mietsvertrages liegen, nicht aus dem Grunde, um den Zuzug zu verhindern.

Die Gründe der Versagung der Zustimmung sind den Parteien mitzuteilen.

Im Falle der Versagung der Zustimmung ist die Be­schwerde an das Mieteinigungsamt b'nnen einer Woche zulässig.

§ 7. Mit Geldstrafe bis zu 1000 J! wird bestraft:

a) wer einem gemäß § 1 erlaßenen Verbote zuwider­handelt:

b) wer dem § 2 zuwider vorsätzlich eine Anzeige oder eine Auskunft nicht ober nicht rechtzeitig erstattet oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht oder eine Besichtigung nicht gestattet:

c) wer den Anordnungen in den §§ 5 und 6 zuroider- handelt.

sagen. Wohl stand im großen und ganzen das Barometer, "her feine Fibermesser des Wetters, in regenreichen Jahren niedriger, in regenarmen Jahren höher, aber auch bei glei­chem Barometerstand können die Regenbeträge sehr ver­schieden sein. Wir sind hier auf dem Gebiete der unge­lösten Rätsel der Meteorologie angelangt.

II. Verteilung des Regens über das Jahr.

In welcher Jahreszeit regnet es am meisten?" Wer diese Frage einmal vor einem größeren Zuhörerkreise stellt, der bekommt die wunderlichsten, sich widersprechenden Antworten zu hören. Der eine sagtim Novencher" und denkt dabei wohl an das trübe naßkalte Wetter, das uns den Kragen des Regenmantels im November tatsächlich oft genug höher schlagen läßt. Er dentt wohl an die Stürme des Novembers, die in den Nächten den Regen an unsere Fenster pestschen. Der Zwette rät ans den April unb denkt bann an die Aprilschauern.Der April macht's wie ers will", sagt ja die bekannte Wetterregel. Fast jeder aber hält den Winter für den niederschlagreichsten Teil des Jah­res. Nur wenige werden auf den Sommer raten. Wer (jat nun Recht? Das Gefühl muß hier ausfcheiden, da es trügt. Wir lassen deshalb die Zahlen reden, die Mittel­werte aus langjähriger Deokmchtungszeit. Sie schreiben der Stadt Fulda folgenden Dmchschnittshöhe des Regens (oder geschmolzenen Schnees) zu, nach Millimetern: Ja­nuar 43, Februar 39, März 42, April 45, Mai 66, Juni 70, Juli 85, August 72, September 59, Oktober 59, November 43, Dezember 49. Die regenreichste Zett ist affo in Fulda der Sommer. Manchen Leser roirb bas wundern. Aber machen wir uns klar, daß die Regen­stärke ausschlaggebend ist, nicht die Regen dauer. Wenn es also etwa an einem unfreundlichen Novembettage den ganzen Tagmuselt", d. h. nebelartig herunterrieselt, so braucht sich der (Ertrag des Regens noch nicht vergleichen zu kaffen mit einem frischfröhlichen Gewitterguß, der viel­leicht sehr kurz ist, aber herzlich.

Denn wir minmehr den Gang des Regens im Jahre näher beurteilen wollen, müssen rott vorerst berücksichtigen, daß die Monate des Jahres ungleich lang sind. Wem, z. B. der Februar 39 Millimeter ausweist, der März 42, so ergibt die Rechnung, daß der Mär; ungefähr ein Zehntel länger ist als der Februar mit seinen 28 Tagen. Wollen wir also März und Februar in dieser Weise schärfer miteinander vergleichen, so müsien wir auf den Regenertrag des Februars ein Zehntel hinzurechnen 4 Millimeter. Der Februar ist also streng genommen noch

§ 8. Diese Bekanntmachung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft.

Fulda, den 26. September 1919.

Der Vorsitzende bei kreisausschusies: Frhr. v. Doernberg

Vorstehende Dekaimtmachung über Maßnahmen gegen Wohnungsmangel bringe ich wiederholt zur öffentlichen Kenntnis. Es wird immer wieder die Wahrnehnnmg ge­macht, daß Vermieter leerstehende Räume bezw. Woh­nungen dem Kreisausschuß nicht anmelden, wie es noch § 2 obiger Bkanntmachung ihre Pflicht wäre; ferner, daß Vermieter, wenn Wohn- oder andere Räume frei werden, dieselben vermieten,»ohne vorher die Zustimmung des Stets« ausschusies eingeholt zu haben (siehe 8 6). Ich werde da­her jetzt in jedem Einzelfalle, wo mir Uebertretungen der Bekanntmachung vom 26. September 1919 bekannt wer­den, der Staatsanwalt Anzeige machen, damtt Uebertretungen auf Grund des § 7 geahndet werden kön­nen. Bei dem außerordentlich großen Wohnungsmangel, der zur Zett herrscht, ist es Pflicht jäies Kreiseingesesienen, das Kreisroohnungsamt bei feinen schweren Ausgaben wirksam zu unterstützen.

Fulda, den 16. September 1920. (230

Der Canbraf: Frhr. v. Doernberg.

Aus Grund des 8 2 der Polizeiverordnung vom 31. März 1915, betreffend die Einsperrung der Tauben wäh­rend der Zeit der Aussaat, bringe ich hiermit zur öffent­lichen Kenntnis, daß während der Herbstbestellung in der Zett vom 27. September bis 25. Oktober d. I. die Tauben eingefperrt zu halten sind.

Die Herren Bürgermeister und Gutsoorsteher des Krei­ses haben diese Anordnung auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

Fulda, den 25. September 1920.

Der Canbtaf. Frhr. o. Doernberg

Viehsenchenposizeiliche Anordnung.

Nachdem in einer großen Anzahl der Gemeinden des Kreises unter dem Rindvieh die Maul- und Klauenseuche auf getreten ist und weitere Viehbestände in Gefahr sind, von dieser Seuche ergriffen zu werden, wird mtt Ermäch­tigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten auf Grund des § 18 und ff. des Viehseuchen- gesetzes vom 26. Juni 1909 und gemäß § 168 23. A. D. G vom 1. Mai 1912 für den ganzen Bereich des Kreises Fulda kolgendes bestimmt:

1. Die Abhaltung von Klauenviehmärkten und d« jjanbel mtt Klauenvieh, der ohne vorgängige Bestellung entweder außerhalb der Gemeindebezirks der gewerblichen Niederlassung des Händlers oder ohne Begründung einer solchen stattfindet, ist für die Dauer der derzettigen Seu- chengesahr verboten.

Selbstverständlich gilt das Verbot des Schweinehandels in der Gemeinde Bad Salzschlirf, die durch die Nahe des Seuchenherdes im Kreise Lauterbach besonders gefäfy bet ist.

2. Diese Anordnung tritt sofort in Kraft.

3. Die am 26. Juni 1920 erlassene viehseuchenposizeft liche Anordnung wird hiermst für ungültig erklärt.

4. Zuwiderhandlungen werden nach den 74 ff. de- Viehseuchengesetzes vom 26. Juni 1909 bestraft.

Fulda, den 23. September 1920.

Der Canbtaf. Frhr. v. Doernberg.

Nachtrags - Bekanntmachung.

Nachdem der Ausbruch der Maul- und klaumfeuch unter dem Rindviehbeftande des Valentin Vogel und Don in Melzdorf amtstierärztlich festgestellt worden ift, finden die Bestimmungen meiner viehseuchenpolizeilichen Anord­nung vom 31. August 1920 FuDaer Zeitung Nr. 203 entsprechende Anwendung.

Fulda, den 20. September 1920.

Der Landrus. Frhr. o. Doernberg.

Nachtrags - Bekanntmachung.

Nachdem der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche unter dem Rindviehbeftande des Hüttners und Fabrik- arbeiters Karl Bug, des Bahnarbeiters Amand Wehl und des Taglöhners Johann Schultheis in Petersberg amtstierärztlich festgestellt worden ist, finden die Destirn mungen meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 14. August 1920 Fuldaer Zeitung Nr. 189 ent­sprechende Anwendung.

Fulda, den 21. September 1920.

Der Canbtaf. Frhr. v. Doernberg.

Nachtrags - Bekanntmachung

Nachdem der Ausbruch der Maul- unb Klauenseuche unter dem Rindviehbestandes des Raimund Leinweber imd der Schasherde in Hauswurz, des Ferdinand Desoi m Opperz, des Joseph Kstig in Stork amtstierärztlich fest, gestellt worden ist, finden die Bestimmungen meiner vieh­seuchenpolizeilichen Anordnungen vom 31., 19. und 21 August 1920 Fuldaer Zeitung Nr. 203, 196 und 20 entsprechende Anwendung.

Fulda, den 22. September 1920.

Der Landrat. Frhr. v. Doernberg.

regenreicher als der März in Fulda! Nachdem wir dar festgestellt haben, ergibt sich aus der obigen Zahlenreihe:

1. Am meisten Regen für Fulda fällt während bei Sommer monate (Juni, Juli, August), von denen der Juli der allerregenreichste ist.

2. Schon weniger Regen finden wir im Herbst (September, Oktober, November).

3. Während der drei regen-armen (ober schneearme») Winter monate (Dezember, Januar, Februar) ist der Dezember noch verhältnismäßig am wenigsten arm an Niederschlag.

4. Der Frühling (März, April, Mai) bedeutet den Diederanstieg der Regenergiebigkeit. Der Mai steht tro Regenreichtum an vierter Stelle unter allen Monaten.

III Unnormale THonafsbetrflge.

Wie die Jahresbeträge, so weichen auch die monatlichen Segenbeträge vom Durchschnitt in den einzelnen Jahren sehr erhebfich von einander ab. So verzeichnet z. B. bei Februar 1890 m Fulda gar feinen Niederschlag.

Auf der anderen Seite finden wir im Juli 1882 bi­stattliche Hohe von 243 Millimeter notiert, was also faf dem Dreifachen des Durchschnittes für den Juli entspricht Die größte Regenmenge innerhalb 24 Stunden fiel im Mai 1889 mit 54 Millimeter. Das war also an einem Tage mehr als sonst durchschnittlich im ganzen Aprll fällt.

Metall-Ersatz als Kriegserrungenschaft. Au bet soeben beendeten Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure hat Dr. Mäkelr-(Bitterfeld) sich mit dem Ersätze teuerer oder schwer zu erlangender Metalle durch Erfindungen, zum Teil besser geeignete, beschäftigt: ES handelt sich hier nicht etwa um die Verwendung weniger haltbarer Metalle, die an di« Stelle der Höherwertigen getreten sind, sondern Ersatzstoffe haben sich außerordentlich oft als ebenso brauchbar oder sogar als weit günstiger gezeigt, ali das ursprünoliche Metall. Am Brauereibetrieb hat man an Stelle von Kupfereinrichtungen mit Vorteil eiserne verwandt. Das durch Legierung von Eisen mit Silizium entstandene Ferrosilizium hat sich in der chemischen Industrie einen gesicherten Platz er­worben, da es gegen Säuren weit widerstandsfähiger ist als Eisen und selbst als Blei. Ferrosilizium ist infolgedessen an vielen Stellen zu einem dauernden Ersatz für Blei geworden. Auch Steinzeug dient jetzt für viele Zwecke, bei denen man sonst liebet Blei oder Rotguß gebrauchte. «u