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FuldaerZeitung

47. Zahrg

Dienstag, 28. Sept. 1920

Nr. 225

brechts.

Gortsetzimg folgt)

d)ÜÜC, in Fulda

kein Zimmer von ihm lautlos, überzeugte sich, daß er verschlossen war, und nickte befriedigt. ....... . .

Da er verschlossen war, schien es wahrscheinlich, daß die Perlen sich im Koffer befanden, weshalb hätte Silvia sonst den Koffer verschließen sollen?

Jetzt Mut!

Wolf sah sich zunächst im Zimmer um, untersuchte die kleine Geldtasche, die am Spiegeltisch hing, zog die kleinen Laden des Tisches auf nichts. Und nun kam der fchwierigste Tell seines Unternehmens, er müßte in den Alkoven schleichen, um dort nach den Schlüsieln zu

suchen.

Und wenn Silvia erwachte?

Allmählich tauchten die Umrisie des Bettes aus dem Dunkel auf, die Meffingknopfe der Bettstelle reflektier, ten das durch die Tür eindringende Licht des Mondes, die weißen Leinentücher wurden erkennbar, endlich auch der Kopf der Schlafenden, der sich dunkel von dem wer- tzen Kisten abhob. Wolf ging näher heran lautlos. Hier war zwar kein dicker Teppich, aber Wolf trug

Nun schnell!

Der dicke Smyrna dämpfte den Schritt, der Mond, der höher g. stiegen -mr. erfüllte den Raum mit seinem Licht, so daß es fast taghell darin war.

Schon kniete West vor dem Koffer, gleich der erste Schlüstel, den er versuchte, paßte, leicht drehte sich das Schloß, vorsichtig schlug Wols den Deckel zurück, dabei aber knarrten quiestchend die Bänder, die ihn an der Rückwand hielten. Wolf achtete kaum darauf. Jetzt galt er schnell zu handeln, und das Unternehmen war geglückt. Al» er das Gesuchte obenauf nicht sand, hob er den Einsatz heraus, setzte ihn neben sich zu Boden, und schon erblickte er ein rundes, weihsamtene» Käst­chen, erriet, daß darin die Perlen sein müßten, und er- griff es. Der Deckel klappte auf, und auf weißem Atlas ruhte vor seinen Augen gleich einer scklafenden Schlang« die köstliche Perlenschnur, die Perlen der Eggen-

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Die bayerische Volkspartei und Vas Reich, i

lieber die Tagung der Bayerischen Lolkspartei, der bayerischen Absplitterung vom Zentrum, haben wir \ kurz berichtet. Nachdem jetzt die eingehenden Berichte über die Tagung vorliegen, lohnt es sich, auf die Ver­handlungen zurückzukommen, einmal wegen der Be­deutung der Partei irr der Politik des zweitgrößten Bundesstaates, dann auch, weil die Gegensätze in ihren Reihen, die zum guten Teil auf das Konto der . Trennung vom Zentrum zu setzen sind, unsere Auf­merksamkeit beanspruchen.

Die Bamberger Tagung führte zunächst eine grundlegende organisatorische Neuerung ein, die Partei still künftig auf der Grundlage von O r t s v e r e i n e n mit Einzelmitgliedern aufgebaut sein, also so organi­siert sein wie das Zentrum im Reich. Bei der Grün­dung der Partei hatte man die korporative Mitglied­schaft eingeführt, um der Partei im Handumdrehen eine erhebliche zahlenmäßige Stärke zu sichern. Es hat aber in - manchen Organisationen mit der Durch- fiihrung ziemlich gehapert. Ob nun die Partei es fertig bringt, eine so stattliche Zahl eingeschriebener Mitglie­der zu gewinnen, daß sie dem feitijerigen System nicht nmAutrauern hat, bleibt abzuwarten. Im übrigen ist den Orts vereinen der Partei künftig die Auf- »ahme ganzer Organisationen noch gestattet.

An zweiter Stelle nahm die Landesversammlung einen Vorttag des Landessekretärs des Volksvereins j Dr. Brem über die Frage Christlicher Sozia- | lismus entgegen. Es sollte darin gezeigt werden, daß für diechristlichen Sozialisten", die sich in der Christlich-sozialen Partei abgefplittert haben, kein An­laß bestand, eigene Wege zu gehen. Anschließend wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, die lautet:

.Die Landesversammlung der Bayerischen Volkspar­tei verurteilt die Gründung der Christlich-sozialen Partei, weil sie die Ueberzeugung hat, daß durch diese neue Gründung nichts anderes als eine Schwächung der Bayerischen Bolkspartei und eine Minderung de» Einflusses des christlich-gläubigen -Dolksteiles im politischen Leben erreicht wird. Die Landesversammlung hofft und wünscht, daß der christlich-soziale Geist, der das Programm der Baye- rischen Volkspartei erfüllt, auch in Zukunft von der Partei tatkräftig gepflegt, immer mehr vertieft und in praktischer sozialer Arbeit zum Ausdruck gebracht wird."

Dieser Entschließung wird man auch vom Stand­punkt der Zentrumspattei aus nur beipflichten können. Von ihrem Standpunkt aus könnte man sie aber im ersten Teil auch auf die Bayerische Volkspartei selbst anwenden, denn auch durch deren Gründung ist nichts anderes erreichtals eine Schwächung des seither einigen deutschen Zentrums und eine Minderung des Einflusses des christlich-gläubigen Volksteils im politi­schen Leben". Das böse Beispiel, das die bayerische Dolkspartei gegeben hat, hat nun gegen sie selbst ge­wirkt. Bis zu einem gewissen Grade ist übrigens die Gründung der Bayerischen Volkspartei darauf zurück- zuführen, daß der christlich-soziale Geist des heutigen Zentrums alsLinksentwicklung" des Zentrums an« gefeindet wurde. Wäre dieser christlich-soziale Geist in der Bayer. Volkspartei bisher schon auch außerhalb des Pattamentstatkräftiger gepflegt, mehr vettieft unb in praktischer sozialer Arbeit zum Ausdruck ge­bracht" worden, dann wäre es wahrscheinlich eher zur Wiedervereinigung mit dem Zentrum als zur Gttm- buna der Christlich-fozialen Partei gekommen.

Dankbar kann man der Bayerischen Volkspartei dafür fein, daß sie nun ihren Föderalismus nä­her umschrieben hat, .d h. ihre Stellung zu der Frage: Bundesstaatensystem nicht Emheitsstaat. Eine Kom­mission hat die föderalistischen Richtlinien der Bayeri­schen Volkspartei ausgearbeitet. Ihre Grundgedanken find die folgenden:

Die Bayer. Volkspartei hält am Deuffchen Reich unverbrüchlich fest, verlangt aber die föderalistische Aus-

vie perlen der Eggenbrechts.

43] Roman von Alexandra von Bosse. I Dreiundzwanzig st es Kapitel.

Nachdem die Jungfer ihr das Kleid ausgezogen unb I Vas Haar gelost hatte, war sie von Silvia entlaßen wor­den. Silvia faß vor dem Spiegeltisch, hinter dem ein dicker, grüner Vorhang eine Tür verdeckte, und flocht langsam das Haar in zwei Zopfe. Als sie damit fertig I geworben war, nahm sie die Perlenschnur ab unb ließ M« Perlen langsam durch die Finger gleiten. Aber ihre Gedanken waren nicht bei den Perlen, ganz me­chanisch spielten ihre Finger damit. Sie war erregt und wußte kaum weshalb. Noch rauschte die Tanz- musik in ihren Ohren, noch vibrierte das Blut in ihren Adern von der raschen, rhytmischen Bewegung des Tan- zes, und durch ihr Gehirn schwirtten die Gespräche, die sie an diesem Abend geführt hatte, durcheinander.

Wie drollig war doch Weltin gewesen mit seiner zur Schau gettagenen übertriebenen Verehrung und wie nett hatte es sich beim Kotillon mit ihm geplaudert. Was hatte er doch alles von Wolf erzählt, mit dem er schon als Junge befreundet gewesen. Und Wolf?

Sie fühlle, wie ihr Herz rascher zu klopfen begann, als sie jetzt an ihn dachte, und ein tteser Seufzer hob ihre Brust: Er liebte sie! Worte hatten ihr das nicht gesagt, aber aus seiner Stimme hatte sie es herausge- hott aus seinem Blick gelesen. Nein, er wollte nicht die Per'en sie selbst wollte er! Aber sie Silvia preßte die Hand auf das klopfende Herz durfte sie ihn denn lieben? Ihn, den Herrn von Altenwieo?

Silvia schloß halb die Augen und versuchte an Achim zu denken, an ihre Liebe für Achim, und plötzlich wurde ihr bewußt, daß sie Achim nie so geliebt hatte, rote sie jetzt Wolf liebte von ganzem Herzen und von gan­zer Seele. Hatten denn Tote noch ein Recht an die Lebenden? Nein tausendmal nein! Und wenn doch, so war die Liebe stärker als der Tod, starker als das Leben! Konnte Achim ihr zürnen - droben im Jen- feite wenn sie Wolfs Frau wurde, wenn sie wieder als Herrin auf Altenwied einzöge? War es nicht des Sterbenden größter Schmerz gewesen,. daß sie, seine junge Frau, nach seinem Tode Altenwied wurde ver- laffen muffen und seinem Kinde die Heimat verloren ging? Würde es ihn nicht freuen, wenn sie nun wieder Herrin auf Altenwied wurde und Ursel

Silvia fuhr auf. Sie träumte fa. Wie konnten ihr nur solche Gedanken kommen? Wols Eggenbrecht und

Lerontwonlich für den rebatlwneUen Teil: Kari - für die Anzeigen: I. Parze > .er-Futeu.

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Attiendruckerei . I Fernsprecher Nr. 9 Telegr.-2lbre[fe: Fuldaer Zettuno

unb offen barlegt unb ben Staatsmännern ber Entente beweist, welche Torheit sie begehen, Deittschlanb in bem Meer großer unbekannter Verpflichtungen untergehen zu lasten."

Ein Schweizer litte« wer dieRäuberei".

Zu den Mitteilungen des deutschen Reick^fmanzmirü- sters Dr. Wirth, besonders M der Tatsache, baß tue anaemÄdeten Entschädigungssummen für die t o n f t s- zierten Güter der Ausländsdeutschen einen Wett von 131 Milliarden Mark erreichen, schreibt dieBastei Na-

Schande der Pariser Betträge, die seit Jahr- hunderten in keinem FriedenssckMß mehr Dürfen dieser Krieg nicht zwischen Starrten, fondmr gegen Emzelne und Weinlose macht allein schon lebe Wiederherstellungsarbett

und feine fertiggestellten Produkte auszuführen, könne es feine Schulden niemals bezahlen.

In den angeführten Zahlen kommt der gmt$e Ernst der Lage deutlich zum Ausdruck, dem sich auch ine Tell- nehmet der Konferenz kaum verschließen können. Aber es wäre töricht, sich deshalb großen H/mungen frinsugeben. Der deutsche Mnanzfammer ist schon längst auch den alliierten Regierungen bekannt. Frank- rrtch lebt aber nun einmal in der Hoffnung, daß em so tüchtiges Volk wie das deutsche sich unbedingt wieder erheben mäste und aus dieser Hoffnung schöpft Frank­reich den Mut zum Festhalten an seinen mwrfulloaren Forderungen.

Das Meer unbekannter Verpflichtungen."

Die liberale LondonerDaily News" schreiben: Deutschland ist der Hauptsaktor in dem eure« pöstchen Wirtschaftsproblem. Es muß zum mindesten sichere Garantien erhallen, daß seine Anstrengungen zur Wiederherstellung seines Wirtschaftslebensmcht durch ungeheure und unbegründete Forde­rungen während einer Reihe von Jahren erschwert und verhindert werden. Eine solche Grmuhgung muß Deutschland erhalten, um ferne Produktion fed fein Streben nach nattoualer Sebeutung ?u »erörternl Sie

würde.

Ob sich das Zentrum mm zum föderalistischen Pro­gramm der Bayerischen Volkspartei bekehren soll? In I diesem und jenem Punkt wird sich bei gutem Willen eine Verständigung finden lasten; m anderen Punkten ist es ausgeschlossen. Immerhin: Man weiß jetzt m Deutschland, wie der Föderalismus der Bayerischen Volkspartei aussicht. Die Frage ist nunmehr in ein westeres Stadium getreten und man wird sich mit ihr zu beschäfiigm haben. Es ist nicht bloß eine bayerische Frage. ___________________________________

Die deutsche Denkschrift für Brüssel.

Nachdem zunächst die Vertreter der ausländischen Delegationen in Drüstel die finanzielle Lage ihrer Lan­der vorgetragen hatten, und fast überall die gleichen I Grundlagen, wie hohe Budgetzif geringe Steuer- Möglichkeiten, große bei geringer Ms-

fuhr, daneben hohe Staatss und ungeklärte Geldverhättniste zu beobachten gewesen sind, bat nun auch Deutschland seinen Finanzbericht schriftlich

sie nein, nein! Warum hatte denn Wolf sie zuletzr noch um Vergebung gebeten? War er vielleicht schon I i heimlich mit Alice verlobt unb barum barum . . .

Silvia starrte sich selbst im Spiegel an unb schüttelte ben Kopf, roieber entrang sich ein Seufzer ihrer Brust. Dann erhob sie sich; sie wollte nicht mehr an Wolf denken.

Silvia sah sich in bem behaglichen ihr noch fremben Raum um. Es war ein ziemlich großes Zimmer, schöne, altväterische Möbel ftanben barin, und ein dicker Smyrna, in bem ber Fuß wie in weichem Moos ver­sank, bedeckte ben Fußboden. An ber einen Wand I ftanb auf einem Gestell ihr Koffer.

I Silvia hielt noch ble Perlenschnur in der Hand, I überlegte jetzt, was sie damit tun sollte. Hier war kein biebes. unb feuersicherer Schrank zu ihrer Derfügung. Emen Augenblick lang erroägte sie, ob sie ben Schmuck nicht besser roieber anlegen sollte, aber ein plötzlich wach- roerbenber Wiberwillen gegen bie Perlen, ihr nur halb bewußt werbenb, ließ sie anbers entscheiden. Die Per­len waren es, ble sie von Wolf trennten und für Im- mer trennen würben.

Silvia entnahm bem Koffer das weiße Samtkast- chen, bettete die Perlenschnur mit gewohnter Sorgfall auf den weißen Atlas, schloß es und legte es in ben Koffer zurück. Diesen selbst verschloß sie ebenfalls unb nahm ben Schlüstel mit in ben Alkoven, in bem chr Bett ftanb. Salb erlosch auch bort das Licht.

Der Monb, ber fast voll war, ging über ben be- roalbeten Hügeln auf unb übergoß bas große, alte Her­renhaus von Hollen mtt feinem silbernen Licht. Er konnte in manche Fenster hineinschauen, weil hier unb ba bie Vorhänge nicht geschlossen waren. Er blickte auch in Silvias Zimmer, erfüllte es ganz mit seinem sanften Licht, unb fplelle mit ben messingnen Beschlägen ber Möbel, ben silbernen Bürsten unb Kämmen auf bem Spiegeltisch unb spiegelte sich selbst in bem Spiegel. Auch in ben Alkoven versuchten seine Strahlen neu- gierig einzudringen, aber das gelang ihnen nicht, so sehr sie gelüsten mochte, die holde Schläferin mit ihrem Glanz zu umweben.

Im Hause schlief alles. 'Das Schweigen der Nacht über dem alten Haufe. Dann wurde die Stille i plötzlich unterbrochen durch ein leises, schnarrendes Ge- rausch, das klang, als nage eine Ratte an hartem Holz ober als werde ein schweres Möbelstück vorsichtig von t teinem Platz gerückt. Wäre Sllvia wach gewesen, würde

shrUlleicht der erschreckende Gedanke gekommen sein, weichsohlige Schuhe und trat kaum auf, schwebte wlp- daß weiland Ritter Rupprecht seinen nächtlichen Gang p^°u? ^Zehenspitzen^ Marmorplatte des begonnen habe I NgchM<hx,. darauf verschiedene dunkle und leise blin-

Sem Srie JcMtaa» an der Tür, die ber grüne tenbe Gegenstände. Er streckte die Hand aus tastete Vorhang verdeckte, es folgte ein lautes, metallisches Ge- mit ben Fingerspitzen ,babei^erging। ijm faft

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»in» helle fianb xeiate sich, schob ihn langsam unb ge- I Armdanb, darauf trafen fte an eine rieine otguie, ui

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Vorhang sich heftiger bewegte unb bann eine Gestalt auf kleiner Cegrnstanb tn bie ginger,

dien Steren unter bem Spiegeltisch hervorkroch und sich und an ihm^.ngen an fdjmden Bändchen noch z

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i- den, unlieberen Mondlicht, unb so bleich I heit gewöhnt, es b.-mg burdj bte breite. noch genug roirtte fein Gesicht Er ftanb fast eine Minute lang I Helligke't ein. Deutlich sah er nun Silmas Stopf auf bem unberoealid) und horchte angestrengt, bis er au, bem Kisten ruhen, ein wenig zur Sttte geneigt.

»rrfnn»n die tiefen regelmäßigen Atemzüge der bort I Gespensterleise bewegte sich Wolf nun oon bem Sette STJÄ Ä ° «Äh «Ul. fort, rtrtl«. «. Mr, W

öolf blickte sich um und entdeckte bald den Koffer, sehens auf ein moriches Brett, das knarrte leise, und

der unweit des Spiegeltisches an der Wand stand, die schreckgebannt erstarrte Wolf, hechte zuruL Nein fe

bem Silvias trennte. Er näherte sich I Alkoven rührte sich mchte, zu fest hrell süßer «ch um» mer bie Schiafenbe umfangen.

in Deutschland unmöglich. Wenn schon diese Räude res ein anderer Ausdruck läßt sich kaum finden vor sich gehen muß, so müßte die Hilfe der Welt etngrejen. Ader so lange Fiuulceich noch immer nicht einmal eme feite und mögliche Summe der Wiederherstellungengenannt hat, rotte jede Arbeit in Deutschland gelahmt fein. Wer diesen Zustand aufrecht erhall und mcht Hilst, daß die Deutschen ihn überwinden, der überantwortet im Herzen Europas ein 60-Millionen-Bolk dem Hunger, dem Hasse und ber Verzweiflung."

Deutschlands Brandschatzung.

Nach einer französischen Meldung aniwortete der französische Fmanzminister auf die Anfrage nach der Höhe der Besatzungskosten im Rheinland und der von Deutschland bisher gezahlten Enffchä- diaung, daß bte Besatzungskosten bis Ende Marz 1920 1.8 'lilliarden Franken betragen harten und von Deut chland bis Ende Juli b. I. 1,388,047,245 Mark befahlt worden seien. Der Betrag von 1,8 Milliard. n Franken ergibt 2,2 Milliarden Mark. Nack zuverlässigen Informationen handelt es sich bei der Summe von 1,388,047,245 Mark nur um die baren Geldleistungen, die bis jetzt an dre französische Besatzungsarmee gezahlt werden mußten. Der Wert der für die Besatzungsarmee getätigten Sach leist ungen ist nock aar nicht zu schätzen.

Allein durch die Requisitionen ber Besatz- ungstruppen dürste ein Kostenaufwand von mrü­de st e n s 6 Milliarden Mark verursacht sein. In der Nähe von Kaiserslautern wurde erst m ben jüngsten Tagen roieber ein wertvolles Waldge. Länbe von etwa 600 Hektar zur Errichtung eines Munitionsbepots beschlagnahmt. Die Gesamtkosten hier­für werben auf minbeftens 110 Millionen Mark angegeben, beren Zahlung von Deutschlanb ver- langt wirb; ebenfalls bie in ber Nähe von Kaisers- lautern geplante große Benz in-Tankan läge, beren Errichtung oon Deutschland gefordert wird, ver, schlingt nach überschlägiger Schätzung weitere 4 0 Mil­lionen. Beide Anlagen sind für bte Versorgung einer Millionenarmee ausreichende Ai§ der Gemarkung Euren-Zeroam bei Trier planen bif Franzosen ferner den Bau einer Feldbackeret, bt» täglich zunächst 100 000, später 200000 Brote, also einen Tagesbedarf für 200000 bezro. 400 000 Mann Herstellen soll sowie ben Bau eines Uebungsplatzes für Eisen» bahntruppen mit dessen Bau bereits begonnen worben ist. Hierzu werben nach anberen Mitteilungen 300 Morgen bes fruchtbarsten Ackerge« länbes, fast burchweg Kleinbesitz, beansprucht Die Hohe der Kosten, bie hierdurch bem Reich aufgeburbet werben soll, st -och nicht übersehbar. Die alten beut- scheu Flugplätze im besetzten Gebiet reichen den Franzosen unb Belgiern nicht aus. Sie haben angeb- sich als Reserveflugplätze für ben Mobilmachungsfall wertvolles Ackergelänbe in vollem Umfang I beschlagnahmt: bie Belgier bei Düren, Immendorf, Prummern, Albenhoven, Sbenkirchen, bie Franzosen bet Euskirchen, Roitzheim, Lembach (Pfalz), Marxheim, Wackernheim unb Nieberingelheim. Der (Ernteaus. I fall, ber burch bie Beschlagnahmung von insgesamt 800 Hektar besten Ackergelänbes erwächst, unb der schwere Schaden für die meist kleinbäuerlichen Grund- besitzet angesichts der Zerstörung ihrer Wirtschaft findet bei den französischen unb belgischen Militarbefehls- I Habern keinerlei Verständnis. Der gelbliche Schaben. I ben bas Reich außerdem zu fragen haben wirb, ist zur I Zeit überhaupt -richt zu schätzen. Die Belgier forbfrrn I weiter bie Errichtung von vier großen Truppen- lagern bei Neuß, Herdt, Rheinkamp unb Repelen, I beren Bau über 47 Millionen Mark kosten wirb.

Es bedarf angesichts der finanziellen Lage des I Deutschen Reiches keiner Antwort auf die Frage, wie Deuffchland neben diesen, ledigllch ftanzösischen und I belgischen Heereszwecken dienenden ungeheuren Be- I satzungskosten Wiedergutmachung leisten soll. Wohl I aber darf Deutschland Antwort auf die Frage erwar­ten, ob diese gewaltigen militärischen Aufwendungen wirklich nur für ben Zweck der Friedens- I besetzung, rote sie der Vertrag von Versailles vor- I sieht, erforderlich sind?

geftaltung feiner Verfassung. Sie fordert daher: bundes- staatliche Form bes Reiches, Wiedereinführung einer Staatenoertretung nach Art des ftüh-ren Bundesrates; das Recht der einzelnen Staaten, ihre Staatsform und Staatsoerfaffung selbst zu bestimmen, beschleunigte Er- ! möalichung ber Bildung von Einzelstaaten; keine wei- s tere Beeinträchtigung ber Selbständigkeit der Staaten; Ausführung der Reichsgesetze durch Siaatsvehorden; das Recht ber einzelnen Staaten in Angelegenheiten ihrer eigenen Zustänbigkeit mit auswärtigen Staaten Der- träge abzufchließen; Erhebung eigener Steuern unb Er- moglichung von Zuschlägen zu ben Reichssteuern. Der- waltung sämtlicher Steuern burch ben Staat; entschei­dende Mitwirkung in ben Angelegenheiten bes Post- unb Eisenbahnwesens; Die Glieberung ber Reichswehr au Lande in bundesstaatliche Kontingente; Regelung des Schulwesens durch die Staaten. Don rechtswegen jedenfalls eine für ganz Deutschland unzweibeutige Fest­legung ber Sicherungen ber Kindererziehung nach dem Willen ber Erziehungsberechtigten. 3m übrigen Be­grenzung ber Reichsschulgesetzgebung auf ben engsten Rahmen von Grundsätzen für ben äußeren Schuldetrieb; bie Sicherung bes bayerischen Staatseigentums gegen weitere Zugriffe bes Reiches. !

Die Landesversammlung stimmte den Programm- puntten z. T. einstimmig, anderen mit großer Mehr- heit zu. Man mag zu dem Programm stchen, wre man will: daß es nur durchführbar ist unter Beseiti­gung wesentlicher Kerngedanken der Reichsverfasiung, ist sicher. Es gehört ein grenzenloser Optimismus dazu, an einer solchen Wandlung der gesanttpolitischen Der- hältmsse in Deutschland zu glauben, daß die Wemiarer Verfassung nach dem Wunsch der Bayerischen Volks- | partei umgestaltet werden könnte. 3m politischen Le­ben ist ja vieles möglich; aber wie in absehbarer Zett eine Zweidrittelmehrheit des Reichstages für das fode- ralistifche Programm der Bayerischen »»«spartet zu- standekommen soll, ist uns noch ein Rätsel. Es ist richtig, der föderalistische Gedanke sitzt im deuffchen Volk so tief, daß es unmöglich erscheint, eine Form des Reiches zu finden, die von der Idee des Föderalis- mus, der sich durch die ganze deutsche Geschichte zieht, absteht. Eine Nichtberücksichtigung des föderalistischen Triel« in ber deutschen Bevölkerung müßte dem Reich schaden, ja man kann sagen, hat ihm bereits gescha­det. Wir brauchen dabei nur att die oberfchlesische Frage zu erinnern. Die Haltung der geschichtlich kul­turell, wirtschaftlich und sozial so verschiedenartig zu­sammengesetzten Devölkerungsteile Preußens «fordert eine durchaus ernste Prüfung der Frage, ob die Wei­marer Derfassung bereits em fertiges Resultat gelie­fert hat bezw. ob sie in allem haltbar sein wird. Es war übrigens auch von vornherein gar nicht anzuneh­men, daß in einer so bewegten Zett, wie der, in der bte Verfassung geschaffen wurde, diese Arbeit in allem die richtige und bleibende Form zur Folge haben

vorgelegt. Mit aller wünschenswerten Deutlichkeit wer­ben darin die katastrophalen Echroierigkeiten geschildert, bte ber Wtedrro ürichttmg unseres Vaterlandes ent- qegenstehen. .r den deuffchen Zeitungsleser bringt die Denkschrift nichts Neues. Der jüngste Finanzüber- ' blick der Reichsregierung enthält alles, was wir den Vertretern der gegnerischen Mächte in Brüsiel vor- fragen werden. Aber auch in ihrer Wiederholung

I wirken diese Zahlen und wirtschaftlichen, UeberbMe niederschmetternd für jeden Deuffchen. Dte Bevoike- mngszahl ist oon 67V» Millionen 1914 auf ^0,^Mil­lionen 1919 heruntergegangen. 3n lanbroirtfdjaftüctKr Hinsicht ist der Abgang an anbaufähiger Bodenflache beträchtlich. 3n industrieller Hinsicht vertiert Deutsch- land nach bem Friedensvertrag ein Drittel seiner Kaü-

I Erzeugung und beinahe fünf Sechstel seiner Eisenerze. Mit der Weltwirffchaft hat es keine Verbindung mehr infolge des Verlustes des größten Teiles feiner Han­delsflotte, aller Kolonien und der Beschlagnahme bes deutschen Eigentums im Auslande. Die Schuldenlast hat sich ohne Berücksichffgung der Schulden ber Em- zelstaaten von 5 Milliarden stn Jahre 1914 auf 240 Milliarden im August 1920 erhöht. Der P°pAAd'

I umlauf am 31. August 1920 wird auf 72 223 fUhttw« nen Mark angegeben.

Als Mittel zur Lösung ber deuffchen Finanz­krise schlägt der Bericht vor, nach Deuffchland tun- lichst viel Rohstoffe ernzuführen und sie «n Deutschland fertig st eilen zu lasten. Deutschland besitze außerordentsich tüchtige Arbeitskräfte. Der Be- richt verweist ferner auf bte großen natursichen Reich­tümer Deuffchlands. Dte wirtschaftlichen Krisen wur­den ganz besonders durch den Versailler .^erfrag hervorgerufen, der Deuffchland unbegrenzte Verpffich. tungen auferlegt. Wenn Deuffchland nicht bte -Rög-