Verantwortlich für den redattionellen Teil: Karl Schütte
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i in Fulda. Zeitung
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Hr 33 A - für die Anzeigen: 111. Rotationsdruck u. Verlag der
Fernsprecher Nr. 9. Telegr.
Die Brüsseler Finanzkonferenz.
Sn der Sitzung am Samstag wurde die Geschäftsordnung festgestellt. Jeder Delegierte hat eine Stimme, es wird namentlich abgestimmt. Dann erstatteten Vertreter von Dänemark, der Schweiz, Holland, der Tschecho-Slowakei, Polen, Finnland und Esthland Bericht über die finanzielle Lage ihrer Länder. Mit wenigen Ausnahmen ist die finanzielle und wirtschaft-
Der Schulkampf tu Berlin.
Sn der Erregung über die Wahl des jüdisch-difsi- dentischen Dr. Löwenstein zum Oberschulrat von Berlin ist auch von einem Schüler streik schon gesprochen worden. Arn letzten Samstag haben sogar 300 Schüler einer Berliner Realschule auf eigene Faust eme Vorübung in dieser Richtung veranstaltet, indem sie ohne Vorwissen der Lehrer dem Unterricht fernblie- ben und einen Demonstrationszug machten, der in dem versuch einer Vergewaltigung einer anderen „arbeits- willigen" Schule gipfelte.
Eine solche Eigenmächtigkeit der grünen Jugend kst natürlich entschieden zu verurteilen. Die zweischneidige Waffe des Schulstreiks darf nur in der äußersten Notwehr und gemäß Anordnung der elterlichen Organisationen zur Anwendung kommen. Trotz der Hitze des Kampfes, den die rote Mehrheit im Berliner Rathause entfacht hat, ist dort die Sache noch längst nicht bis zur Rechtfertigung eines Schülerstreiks gesehen.
Bis jetzt ist nur die W a h l des anstößigen Kandidaten vollzogen worden. Sie war eine große Heraus- fordemng der Elternschaft und der Lehrerschaft sowie der ganzen vemünftigen Bevölkerung. Wer die Schüler selbst sind von dieser Tat noch nicht betroffen worden. Zunächst hat die Staatsregierung ihre Entscheidung zu treffen. Dr. Löwenstein ist gewählt, aber noch nicht bestätigt worden. Der Oberpräsident hat das Bestätigungsrecht in erster Instanz. Wenn er nicht als Parteimann, sondem als Wahrer der gesetzlichen Ordnung und des Gemeinwohls urteilt, so müßte er die Bestätigung versagen, und zwar schon aus dem einfachen und unbestreitbaren Grunde, daß der Gewählte der fachmännischen Erfahrung entbehrt. Sollte dennoch die Wahl bestätigt werden, so würde sich die Frage erheben, ob dem neuen, unerprobten Schulrat das staatliche Aufsichtsrecht verliehen werden soll. Ohne dieses Schulaufsichtsrecht hat der städtische Beamte in deninneren Schulde- trieb keine eingreifende Macht.
Erst Denn die religiös-sittliche Erziehung der Jugend, insbesondere der Bestand der konfessionellen Schulen tatsächlich bedroht würde, ist von den christlichen Eltern und ihren erfahrenen Beratern zu prüfen, ob die Zurückhaltung der Kinder aus den Löwensteinschulen als berechtigtes und zweckmäßiges Wehrmittel zu erachten fei.
Der „Juterkonfefsionelle Ausschuß" gegen Löwenstein.
Rach dem Ausbruch der Revolution in der Aera Sdolf Hoffmann hat sich, wie erinnerlich, in Berlin em Interkonfessioneller Ausschuß, zu dem Mitglieder der verschiedenen politischen Parteien und der verschiedenen Konfessionen gehören, gebildet, um den -^ristlichen Charakter der Schule zu wahren. Dieser Ausschuß hat an die sämtlichen preußischen Ministerien eine Ein- gäbe gerichtet, in der er bittet, die Bestätigung Dr. Löwenstein» zu versagen. Der Ausschuß weist auf tue Gefahr eines neuen Kulturkampfes hin, der auf Preußen und das Reich übergreifen und die landeS. und reichspolitische Einheit schwer gefährden könnte Die Abneigung gegen Berlin werde sich im Reich ver- stärken und sich unter Umständen in LoStrennungSbe- strebungen Luft machen, deren Führer einen neuen Kulturkampf als willkommene Gelegenheit zum Abfall von Berlin mit Freuden benützen würden. — Zu dem Vorstand des AuSschuffe» gehören u. a. Konsistorialrat Dr. Weißmann, Abg. Dr. Faßbender (Ztr.) und Abg. Liz. Dr. Everling.
Vie perlen -er Eggenbrechls.
42] Roman von Alexandra von Bosse.
Wieder streifte ihn ein scheuer Bsick, und nun lachte er leise auf:
„Es wird heute viel von den Perlen geredet, Silvia, ts war wirklich mutig von Ihnen, sie offen zu tragen."
.Warum?"
„«Run, man sieht es als eine Herausforderung an. Da» würden Eie sagen, wenn ich diese Herausforderung annähme?"
„Tun Sie es doch!" forderte sie ihn auf und blickte ihn stolz an. „Warum warten Sie so lange mit dem Prozeß, wenn er doch unvermeidlich genannt wird."
„Das ist es ja eben. Prozessieren will ich nicht gegen Sie!" war seine rasche Antwort, und sie nickte.
„Ich weiß — man hat es mir gesagt . . ."
„Und noch anderes hat man Ihnen gesagt", fiel er ein. „Aber glauben Sie es nicht, Silvia! Ich bitte Sie, glauben Sie es nicht! 3a", fuhr er fast leidenschaftlich fort, „es ist wahr, daß ich die Perlen haben will — habm muß! Aber nicht unter falschen Dorspie- gelungen will ich sie mir erschleichen, nie ist mir ein solcher Gedanke gekommen, dafür bürge Ihnen mein Wort!"
Er hatte erregt gesprochen, jetzt dämpfte er seine Stimme fast zu einem Flüstern:
„Nicht die Perlen sind es, die ich erringen will, Sil- via, nicht Perlen! Was sind mir Perlen? Und darum — darum Silvia wird etwas geschehen — vielleicht — um desientwillen Sie mich verdammen werden. Dann erinnern Sie sich, dann — ich bitte Sie, denken Sie an bas, was ich Ihnen gesagt habe: Alles, was geschehen wird, wird nur deshalb geschehen, weil ich Sie so . . ."
Silvia machte eine rasche, abwehrende Bewegung, und er verstummte.
Silvia erhob sich. Sie sah plötzlich, daß sie und Wolf allein in dem Raum waren; alle anderen Paare hatten ihn schon verlaßen. Dom Saal her rauschten die Klänge einer Quadrille herein, und sie merkte, daß sie jetzt erst wieder die Musik hörte. Auch er hatte sich nun erhoben, aber ehe noch ein weiteres Wort zwischen ihnen gefallen war, verstummte im Saal die Musik, und fast gleichzeitig kam Alfte Eggenbrecht am Arme Leo Brandings herein.
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empfiehlt als
[pro- oben
ihres günstigen Valutastandes ist, macht eine besonders chwere Finanzkrisis durch. Dänemark allem erkannte an, daß feine Schuld feit 1914 kleiner geworden ist.
Amerika und Me deutschen Zahlungsbedingungen.
„Gnädigste Frau, es ist Damenwahl, rief er dreist. „Wollen Sie, Gütigfte, diesen Stern an meine Brust heften, an diese Brust, die ganz erfüllt ist mit demütigster Verehrung für die allerschönste Frau!"
Dabei neigte er ein wenig das Knie und sah so drollig verliebt zu ihr auf, daß sie ihm lachend willfalirte. Sichtlich erfreut legte sie ihre Hand auf seinen Arm, froh, daß er sie aus Brandings Nähe entführte
Finster blickte Branding den sich entfernenden Paaren nach, und Bitterkeit erfüttte sein Herz. Nie hatte er den leichten, sorglosen Frohsinn gekannt, der bei sol- chen Festen aller Herzen erfüllte. Er konnte nicht tan. zen, er verstand es nicht, lustig und ftoh mit den Froh- lichen zu sein, heute weniger als je. Er wußte, Silvia war ihm verloren. Er hatte wohl gesehen, wie sie bei feinem Anblick erschrak, wie die Begegnung mit ihm ihr peinlich gewesen war. Sie liebte ihn nicht, aber | nicht nur das — jetzt wußte er es: auch Freundschaft
Deutsches Reich.
* Berlin, 26. Sept. Reichspräsident Ebert, Wirt- fchastsmimister Scholz und Vertreter der preußifchen
mit Alice einige Worte, dann ergriff er Silvias Hand, tote sie und sagte leise in seltsam vielsagendem Ton:
„Bergeben Sie mir, Silvia!"
Dabei blickte er sie auch so seltsam vielsagend an, daß sie gar nicht wußte, was sie davon denken sollte. Aber ehe sie noch fragen konnte, hatte er sich bereits abge. wendet und verabschiedete sich von anderen Damen.
„Was hat er Dir denn getan?" fragte Alice, al» sie mit Silvia den Saal nerlaffen hatte.
„Nichts, ich weiß wirklich nicht, was er meinte", erwiderte Silvia.
„O, Du wirft schon wissen!" mutmaßte Alice und lochte leise auf. Eie war nun überzeugt, daß Wolf heute um Silvia angehalten und daß diese ihn — weil sie ja von der Wette wußte — abgewiesen hatte.
(Fortsetzung folgt.)
durch ___________„ ...
vorübergehende Maßnahme ein System, auf Grund desi«t Ganz- und Halbfabrikate als Zahlung für Rohstoffe benutzt und angenommen werden sollen.
Der amerikanische Delegierte für Me Brüsseler Konferenz, Boyden, wurde beauftragt, die Entente-Abordnun- gen mit der Ansicht der amerikanischen Regierung bekannt zu machen, die dahin geh«, daß die starren Zahlungsbedingungen, denen Deutschland unterworfen fet, w e- entlich erleichtert werden müßten. Deutschland olle nach Möglichkeit durch beffere finanzielle Abmachungen mit dem Auslande in seiner Produktion ermutigt werden. Die Lage in deutscher Währung mache es Deutschland un- mögr'
empfand sie nicht für ihn, und was sie ihm bisher an Freundschaft entgegengebracht hatte, war nur gegeben worden, weil Achim es so gern nscht hatte.
Branding überließ sich feln*n trüben Gedanken: Warum war das alles so? Warum flog dem einen Menschen alles zu, Liebe und Freundschaft in reicher Fülle, und der andere blieb mit leeren Händen und vereinsamtem Herzen. Sogar Therese, nicht ihm, Wolf Eggenbrecht hatte sie den Stern gebracht! Dann Alice Eggenbrecht — es hatte eine Zeit gegeben, da sie ihn fteundlich angesehen und er schon daran gedacht hatte, sie zur Herrin von Stolzen zu machen. Das war gewesen, ehe Achim starb. Aber auch sie liebte Wolf, wie alle . ..
Brandings Hände ballten sich unbewußt und glühender Haß gegen den glücklicheren Mann ließ fein Herz aufschwellen. Hätte es in seiner Macht gelegen, diesem Glücklichen bas größte Selb zuzufügen, das es auf der Welt nur gab, mit Wonne würde er es ihm angetan haben.
So stand er noch finsteren Gesichts und mit geballten Händen, als Alice Eggenbrecht zurückkam. Sie trat auf ihn zu und heftete eine kleine SckMft an seine Brust.
„Darf ich?" fragte sie und lächelte so fteundlich zu ihm auf, daß dem Einsamen plötzlich ganz warm ums Herz wurde.
„Ich tanze nicht," sagte er dumpf.
„Macht nichts, auch mir liegt nichts daran," erwiderte sie. „Wenn Sie wollen, schauen wir gemeinsam dem Tanze zu, oder wir bleiben hier — plaudern."
Da zog er ganz impulsiv und mit fast leidenschaftlicher Bewegung ihre Hand an feine Lippen, lieber- rafcht blickte sie ihn an und errötete unter dem heißen Dankesblick, der sie aus des Mannes Auge traf.
Auf besonderen Wunsch der Herrin des Hauses endete bas Fest früh, wie es ja auch früh begonnen hatte- Exzellenz von Eggenbrecht war der Meinung, daß man für den folgenden Hochzeitstag noch frische Kräfte be- wahren müffe. Punkt zwölf verstummte die Tanzmusik, daraus wurden noch Erfrischungen, kleine Kuchen und belegte Butterbrötchen gereicht, und dann zogen zuerst die Damen sich in ihre Gemächer zurück.
Als Silvia bereits Exzellenz von Eggenbrecht und allen,, die sich gerade in ihrer Nähe befanden, Gute Nacht gesagt hatte und begleitet von Alice sich entfer- . nen wollte, trat plötzlich Wolf auf sie zu. Er wechselte
(c) Die Neuwahlen in Preußen. Die Besprechungen, die über tne Frage der Neuwahlen in Preußen innerhalb der Parteien der Landesverfaimnlung und mit der Regierung gepflogen worden sind, lasten es ols gewiß erscheinen, daß mit Neuwahlen für den preußischen Landtag vor Ablauf dieses Jahres unter keinen Umständen zu rechnen ist. Die Mehrhettsparteien sind mit Recht der Auffassung, daß, bevor die Landesver- sammlung ihr Mandat an das Volk jurilctgeben kann, sie zunächst ihre eigenüiche Aufgabe, die Derabfchie- dung der Verfassung, vornehmen muß. Daneben muß das Wahlgesetz erledigt und noch einige andere wichtige Vorlagen verabschiedet werden. Der Aufgabenkreis, den die Latchesversammlung noch zu erledigen hat, die Neuwahlen in Preußen, ist so groß, daß selbst, wenn man ihre Arbeitskraft höher einschLtzt, als man das nach den bisherigen Erfahrungen zu tun berechtigt ist, sie die umfangreichen Arbeiten selbst bei größtem Fleißes kaum bis zu Anfang Dezember wird erledigen können.
* Der Deamtenbunb beim Jinanimtuifier. Zwischen Vertretern des Deutschen Seamtenbunbes und dem
Termin.
* Eine Gesandtschaft des Reiches in München? DaS »Berliner Tageblatt will gehört haben, die Reichsregierung beabsichtige im neuen Etat für 1921 Geldmittel zur Errichtung einer Gesandtschaft des Reiches in München anjuforbern.
♦ lieber den deutschen Außenminister Vr. Simons hat der schweizerische Bundespräsident M o t t a, der kürzlich auch mit den führenden Staatsmännern von Frankreich, Italien und England verhandelt hat, sich dahin ausgesprochen, Dr. Simons „habe auf ihn den Eindruck eines wirklich überlegenen Staatsmannes mit großzügigen liberalen Ideen gemacht. Der Reichsminister verfüge über eine scharfe politische Auffasiung, über erstaunlichen Sinn für Mäßigung, der durchaus nicht als passive Resignation aufgesaßt werden dürfe. Man fühle, daß man es mit einem energischen, erfahrungsreichen, vorsichtigen, gleichzeitig kühnen Mann zu tun habe. Es sei ein Glück für das Reich, daß an der Spitze seiner auswärtigen Angelegenheiten ein Diplomat von
* Leipzig, 26. Sept. Der vom 24. bis 26. Sept, in Leipzig stattftnderwe II. Sächsische Katholikentag nahm mit einer stark besuchten Frauentagung seinen Anfang. Ihr gab ein Dorftag von Frau Mt- nisterialrat Weber-Berlln über Erziehungssragen wertvollen Inhalt. Bischof Dr. Löbmann-Dresden Hob in der Ansprache hervor, daß ein Wiederaufbau un- seres Vaterlandes ohne die tatkräftige Mithilfe der chrifttichen Frau nicht möglich fei. Ihre Domäne fei die Familie, und von dieser müßten die ausbauenden Kräfte ausströmen.
Kurland.
* Mllerands Botschaft. Der neue Präsident der ftonzösischen Republik Mill er and hat dem Par- larnent eine Botschaft zugehen lasien, die den Willen zur Durchführung des Versailler Äerftages und einer militaristischen Politik betont. Nach kurzer Aussprache wurde in der Kammer eine von der Regierung gutgeheißene Tagesordnung, in welcher der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wurde, mit 507 gegen 80 Stimmen angenommen. Ministerpräsident Ley- gues verlas darauf das Dekret, durch das die außerordentliche Tagung geschlossen wird.
• Der französische hausbesih im ehemaligen befehlen Gebiet. Mit dem Wiederaufbau der zum größten Test durch, sranzösifche und englische Batterien zerstörten kiausbesitz im früheren deutschen Okkupationsgebiet in Rordftanfteich ist es eine ganz eigene Sache. Die mei- ften Eigentümer der zerstörten Häuser, die während des Feldzuges ihre Heimatstädte verlassen hatten und sich inzwischen anderswo häuslich eingerichtet haben, befinden sich dort so wohl, daß ihnen nichts daran liegt, an ihren früheren Wohnsitz zurückzukehren. Sie verzichten auf den Wiederaufbau und verlangen eine finanzielle Entschädigung. Natürlich machen sie die Preise danach. Mit der Wohnungsnot scheint es in Frankreich tatsächlich nicht fo schlimm zu stehen.
** Tie Not der Teiitfcheu in Kärnten. Der vi el- genannte General Majster ist von der Interalliierten Abstimmungskommission ausgewiesen worden, well er sich noch zwei Tage nach dem Abzug der süd- slawiichen Truppen im Abstimmungsgebiet aufhielt und seinem der Kommission gegebenen Versprechen zuwider politisch tätig war, indem er durch Reden und Flugblätter agitierte. Majster hat sich über die Ostgrenze der Südzone in die Gegend von Unter« brauburg begeben. Dort ziehen die Südslawen größere 'Truppenabteilungen zusammen, eine Maßnahme, welche die Bevölkerung der Südzone lebhaft beunruhigt. Kennzerchnend für die unsicher» Zustände in der ersten Zone ist der Bericht des oiterreichischen Vertreters in Rosegg, Dr. Kalten« egger, der besagt, daß in der letzten Nacht in der Erwartung eines UeberfallS durch die Prügelgarde ein Teil der Einwohner von Rosegg aus Angst die Wobnuno verließ und in Nachbarorten übernachtete.
Die wachsende Kohlennot.
Bisher sind wenig Nachrichten über die Folgen der Kohlenlieferung an die Entente an die Deffent« lichkeit gedrungen. Die Forderungen der Entente haben den Reichskohlenkommistar zu verschiedenen Maßnahmen gezwungen, die sich besonders in der Industrie schon fühlbar gemacht haben. Die Folgen werden sich aber in ihrer ganzen Schwere erst in den Wintermonaten zeigen. Dem Reichskohlen- kommisior muß, wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, vor ollem daran liegen, die Betriebe möglichst unverkürzt zu beliefern, die für die Lebens- bedürfniste des deutschen Volkes unbedingt in möglichst vollem Maße aufrecht erhalten werden muffen. Hierher gehören einmal die Gas-, Elektrizität-- und Wasserwerke und dann die Unternehmungen, die zur Verarbeitung oder Herstellung von Lebensmitteln notwendig sind. Die größten Einschränkungen wer- dm die Lurus-Jndustriebetriebe erfahren; eS sollen zwar die Wasserkräfte für die Elektrizität mehr ausgenützt werden, um Kohlen zu sparen. Trotzdem wird es sich kaum umgehen lasten, daß im Winter zahlreiche Betriebe geschlossen werden müssen.
preußischen Finanzminister Lüdemann fanden Derhand- hingen über die finanzielle Notlage der preußischen Beamten statt. Der Minister erkannte die Bedrängnis bei Beamten in den Großstädten und im Industriegebie an, bedauerte aber, mit Rücksicht auf die völlig zerrütteten Staatsfinanzen für den Augenblick besonder« Hilfsmaßnahmen nicht in Aussicht stellen zu können. Die Vertreter der Beamten schilderten das wirtschaftliche Elend in den Familien der Diätare und der jungen Lehrer. D*r Minister erklärte, daß wir ein armes Volk geworden wären und auf Jahre noch Entbehrungen und Einschränkungen fragen müßten. Auch die Beamten müßten die Folgen dieser beklagenswerten Tatsache auf sich nehmen. Gegen diese Darlegungen erhoben die Beamtenvertreter Einspruch.
* Besseres Biet. Der Reichsrat nahm am Samstag abend die neue Verordnung über die Malzkontm- gente der Bierbrauereien an. Die Verordnung erhöht das bisherige Kontingent sämtlicher Brauereien gleich- mäßiH für Norddeutschland und Süddeutfchland cuf 30 Prozent. DÄmrch wird den Brauereien die Mög-
behauptete Rückftift des Grafen Hatzftld, des Reichskommissars für Oberschlesien, wird von zuständiger Stelle als nicht zutreffend bezeichnet. — Der Gesetz- entwurs über die Sozialisierung des Bergbaues soll in diesen Tagen zu erwarten sein. — Di« Er« höhungderAlters- undInoalidenrente beft. wird dem Reichstag demnächst eine Vorlage zu- gehen. Die Erhöhung der Rente soll bereits im Lause des Winters in Kraft freien. — Der preußische Kul- tusminister hat angeordnet, daß in sämtlichen Lehr- anstallen sofort mit der Einführung der Schul- fugend in die Reichsoerfassung begonnen werden soll. — Berliner Blättermeidungett zufolge ver- lautet, daß die Einberufung einer neuen Reichsschulkonferenz geplant ist, die vom 28. Dezember d. I. ab tagen soll.
(c) Der Reichstag wird voraussichtlich am 19. Oktober wieder zusammentreten. Es finden vorher noch Besprechungen zwischen Regierung und Parteien statt.
„Ach-hier" sinVSie^Wolf?" sagte sie mit sehr hoher Stimme und mit dem Ausdruck größten Erstaunens, und mit liebenswürdigstem Lächeln fragte sie Silvia:
„Warst Du ermüdet, Silvia. Ja, Du bist an solchen Trubel nicht gewöhnt."
Branding begrüßte Silvia. Er war spät, erst nach der Abendmahlzeit, eingefroffen und hatte noch nicht Gelegenheit gefunden, ihr Guten Abend zu sagen. Seit ihrer Abreise von Swlzen hatte sie ihn nicht wiedergesehen, und mit sichtlicher Befangenheit, die Wolfs Beobachtung nicht entging, reichte sie Branding die Hand, die er in feiner gemessenen Weise an die Lippen zog.
„Ich entführe Dich", sagte Alice und legte ihre Hand auf Wolfs Arm. „Silvia und Herr Branding haben sich heute noch gar nicht gesehen, da werden sie sich gewiß viel zu sagen haben."
Aber ehe sie noch ganz ausgesprochen hatte, kam Therese Ranken herein, hielt einen goldenen Stern hoch und rief:
„Damenwahl! Herr von Eggenbrecht, erlauben Sie, daß ich Sie für Ihre Verdienste der Vergangenheit und Zukunft dekoriere."
Mit diesen Worten heftete sie den Stern an Wolfs Brust, und Wolf mußte nun auch ihr den Arm reichen. Therese aber folgte unmittelbar Weltin, der ebenfalls einen funkelnden Papierstern in der Hand hielt und ihn mit einer übertrieben tiefen Verbeugung Silvia überreichte.
— Die Erfindung der Magarine, die heute eint so große Rolle in unserer Bolksernährung spielt, ist auf keinen Geringeren als den K a i s e r N a p o l e o n III. zurückzuführen. Napoleon bemerkte, daß bi» französische Landwirtschaft den sich immer mehr ft et» gernden Bedarf an Butter nicht lange mehr würde decken können. Es mußte bald zur Einfuhr dieser notwendigen FeiteS kommen, wodurch Frankreich hätte viel Geld nach dem Ausland zahlen müssen. Napoleon beriet sich deshalb mit dem Chemiker Hege-Mouries — es geschah dies 1869 —, ob sich nicht die Butter künstlich Herstellen laste. Er stellte dabei die Forderungen auf, daß das Fabrikat wohlschmeckend, nahrhaft, unschädlich und haltbar, obendrein auch möglichst billiger sein müsse. MourieS hielt die Aufgabe nicht für allzuschwierig und so wurde er vom Kaiser beauftragt, Versuche anzustellen, die denn auch glänzend gelangen. Dennoch hat die Magarine zunächst viele Anfeindungen und Ablehnungen e.fahren, kam aber trotzdem bald überall in Aufnahme, besonders, nachdem ausgedehnte Fabriken entstanden waren, die Sicherheit für größtmöglichste Sauberkeit bei der Herstellung boten. Jetzt ist die Magarine-Fabrikalion auch einer der wichtigsten und wertvollsten deutschen Industriezweige. Der Name Magarine stammt her von einer auS Stearin- und Palmitinsäure zusammengesetzten Säure Marga- in, die sich in den Fetten befindet.
solchem Schlage steht."
* Die Groß-Berliner Umwandlungen mitsamt den fo heiß umstrittenen, gegen die sämtlichen bürgerlichen Stimmen erfolgten Wahlen der unabhängigen Kandidaten Löwenstein zum Stadtschulrat und Adler zum Verkehrsdirektor haben nach der allgemeinen Aussprache im Plenum der preußischen Landesversammlung nunmehr den Ausschuß beschäftigt. Dort wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ein Antrag Demi- nicus (Dem.) zum § 58 Ziffer 4 angenommen, nach dem der alte Magistrat von Berlin die Geschäfte fortführt, bis der neue bestätigt fft. — Die Bestätigung des Magistrats durch den Oberpräsidenten kann erst aur " chen werden, wenn sich das Ergebnis der schm Verhandlungen in der Landesversammlung über die Aenderung des Gesetzes Groß-Berlin Übersehen läßt. Einstweilen bleibt der alte Magistrat in Tätigkeit.
(c) Zur Frage der Provinzialaulonomie hat das Zentrum im Verfasfungsausschuß der preußischen Landesversammlung zur zweften Lesung der Perfas- fung eine Reihe von Anträgen eingebracht, die darauf hinauslauftn, die Befugnisse der Provinzen wesentlich zu erweitern. So sollen die Oberpräsidenten. Regierungspräsidenten sowie die Vorsitzenden des Provmzial-Schulkollegiums und des Landeskultur- amts mir noch im Einvernehmen mit dem Provinzial- cmsfchuß ernannt werden können. Wetter soll durch Gesetz der Kreis der den Provinzen überwiesenen Aufgaben eine Erweiterung erfahren. Auch dem Staatsrat will das Zentrum größere Befugnisse erteilen.
* Ein Nationaltrauertag für die Kriegsopfer. Die demokratische Partei will in der Nationalversammlung einen Antrag auf Einfühmng eines Nat'onalfrauer-
liche Lage im allgemeinen schwierig, selbst in den Län- Die Sozialdemokraten wünschen einen früheren item, die in dem Ruft des Reichtums stehen und fte ""—"
iiurd) den Krieg verschont zu sein schienen. So haben ich die finanziellen Lasten der Ntederlande verdrei- acht, das norwegische Budget, das 1914 185 Millionen Kronen betrug, beziffert sich rm Jahre 1920 auf 759 Millionen Kronen und die Schweiz, die ein Opfer