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Fuldaer Zeitung

Nr. 220.

Verantwortlich für den redattionellrn Teil: Karl Schütte, n für die Anzeigen: I. ParzrUer-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernfprecher Nr. 9. Telegr.'Adresie: Fuldaer Zeitung

Mittwoch, 22. Sept. 1920.

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Alk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bet unsabgeholt3,15 Mk. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmatz) 60 pjg., u. 10’)# Zuschlag, die Re llame zeile (Textbreite) ILO Htt„ u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

47. Zahrg.

Die Kärntner-Frage.

Don Dr. Edgar G. Schmidt-Pauli.

Im Oktober soll die Volksabstimmung in dem ehe- mallgen österreichischen Kronland Kärnten zwischen Tirol und Steiermark gelegen, stattfinden. Europa äust Gefahr, in seiner Mitte einen neuen Balkan ent» tehen zu sehen, wenn es den Südslawen gelingen ollte, einem Teile Kärntens das Joch ihrer Fremdherr- chost aufzuzwingen. Niemals würden die Kärntner Patrioten gutwillig dieses Joch ertragen. Zu stark wurzelt hier das deutsche Heimatsgefühl. Einstweilen hall die Bevölkerung noch die Hoffnung, durch Ab­stimmung ihr Recht zu erlangen, von Aufmhr und Ge- walltat zurück, obwohl überall eine Stimmung herrscht wie zur Zeit des Andreas Hofer in Tirol. Wird aber durch südslawische Hinterlist der Ausdruck des freien Volkswillens verhindert, was leider trotz der Anwesen­hell der ziemüch machtlosen Interalliierten Kommission nicht außer dem Bereiche der Möglichkett liegt, so würde hier eine Irredenta geschaffen, die eine schwere Bedrohung der Ruhe Europas bedeuten würde. Der flammende Haß, nicht nur der deutsc^n, sondern auch her slowenischen Kärntner gegen die ihnen in Wesen und Art fremden Südslawen und die treue Liebe zu einem deutschen Kärnten — das sind die tiefsten und stärksten Eindrücke, die ich auf einer Orientierungsfahrt durch das Kärntnerland, insbesondere durch das noch unter südslawischer Verwaltung stehende Abstimmungs­gebiet empfing.

Denn so unglaublich es auch klingen mag, ist durch den Friedensvertrag von St. Germam die erste süd­liche Wstimmungszone, in der am 10. Oktober die Ent­scheidung fallen soll, eben dem Südslawien zur Der- wavung überlasten worden, das sie mit allen Mitteln zu gewinnen bestrebt sein muß. Nm die zwelle Ab­stimmungszone und Klagenfurt selbst mußten Re Süd­slawen am 31. Juli 1920 räumen, die sie im Juli 1919 nach siebenmonatlichem heldenhaftem Widerstand der Kärntner durch die Uebermacht der Division des serbi­schen Generals Smiljanic besetzt hatten. Wie es nicht anders zu erwarten stt, haben die Südsiawen inzwi­schen skmpellos und mit brutaler Gewalt versucht, den Widerstand der Deutsch-Kärntner gegen fremde Be­drückung zu brechen und haben tatsächlich die deutsch- tSrntnerische Bevölkerung fast rechtlos gemacht. Alle deutschen Bürgermeister wurden abgesetzt, die Ge- meindevertretungen aufgelöst und alle Macht wurde in die Hände südslawisch gesinnter, meist zugewanderter Persönlichkeiten gegeben. Diese scheuten nicht davor Zurück, mit den verwerflichsten Mitteln Stimmen für ihren Staat, SHS, wie er hier (nach den Anfangs- buchstaben der Ländernamen: Serbien, Kroatien- Hrvatska und Slowakei) kurz bezeichnet wird, zu erzwingen. So wurden Lebensmitlelkar-

ten nur an diejenigen abgegeben, die sich durch Unter- schnft verpflichteten, für SHS ihre Stimmen abzuge­ben. Oeffentliche Angestellte, wie Lehrer, Gemeinde- sekretäre usw. verloren ihre Stellen, wenn sie nicht wenigstens schriftlich erklärten, bei der Volksabstim­mung nicht für Deutsch-Oesterreich zu stimmen. Jeder Ausdruck deutsch-kärntnerischen Gesinnung wmde und wird noch rücksichtslos unterdrückt. Ich habe mich persönlich davon überzeugt, daß in verschiedenen Fäl­len Kärntner wegen deutschen Gesanges Gefängnis- strafen verbüßen mußten. Aeußenmgen gegen König Peter werden als Masestätsbeleidigungen geahndet — und das in einem Lande, das einstweilen noch zu Deutsch-Oesterreich gehört. Wenn von deutsch-kärnt- Nerischer Se te Volksversammlungen angesagt werden, erscheinen sogenannte südslawische „Prügelgarden", die sich zum größten Teil aus landfremden, von Krain herbeigeholten Elementen niedrigster Art zusammcn- fetzen, um die Versammlungen zu sprengen und jebe deutsche Ansprache unmöglich zu machen. So wurde in meiner Anwesenheit eine von mehreren Tausenden von Deutsch-Kärntnern besuchte Versammlung in Griffen durch mit Stöcken und Peitschen bewaffnete Prügel- garden unter ohrenbetäubendem stundenlangen Geschrei

Die perlen der Lggenbrechtr.

39] Roman von Alexandra von Bosse.

„Ich furchte mtch nicht,," rief Alice. „Erstens schlafe ich sehr fest, mich weckt kein kalter Luftzua, noch Retten» «erasiel, außerdem weiß ich mich gut behütet, denn ich habe ja einen Ritter sonder Furcht und Tadel zum Nach­bar. Würdest Du es mit dem Ritter Rupprecht auf- Nehmen, Wolf?" wandte sie stch zu diesem.

„Wenn er nicht zu grauslich ist", errotberte Wolf md schüttelte sich. „Uebrigens glaube Ich, daß Du auch ganz allein mit ihm fertig werden würdest, Alice."

Alles lachte und auch sie lachte, wenn auch etwas gezwungen, und meinte dann:

„Ich glaube, zu mir käme er gar nicht, wenn er ge­rade in diesen Rächten umgehen sollte, eher besucht er dann Silvia."

„Warum gerade mich"" fragte diese und machte doch ein ängstliches Gesicht dazu.

„Weil Du zum erstenmal in diesem Pause schläfst, und weil er vielleicht als alter Familiengeist wird er­gründen wollen, ob Du auch würdig bist, der hvchwer- ten Sippe derer von Eggenbrecht anzugehören. Aber Du brauchst feine Angst zu haben, denn auch neben Dir wohnt der Ritter ohne Furcht und Tadel. Nicht wahr," wendete sie sich zu der alten Exzellenz, der es gar nicht recht war, daß man von dem Spuk sprach, „Silvia wohnt in dem Zimmer mit dem Alkoven, neben dem Wölls?

„Ueberhaupt ist das alles müßiges Geschwätz. Sie brauchen sich wirklich nicht zu fürchten, nichts wird Ihren Schlaf stören, liebes Kind," versicherte die alte Dame, und Silvia erklärte lachend:

„Ich fürchte nvrf) auch gar nicht, ich weiß mich schon Zu schützen, sogar vor Gespenstern."

Nachdem die Domen sich zurückgezogen hatten, blie­ben die Herren noch ein Weilchen beim Bier zusom- wen, bann gingen auch sie zur Ruhe. Wolf und bet ulte Kammerherr von Eggenbrecht gingen gemeinsam über bie Gänge unb Treppchen, bie den neuen Bau mit dem alten verbanden, und als der Karnm-rherr an fei­nem Zimmer angelangt war, hielt er Wols noch einen Augenblick zurück unb fragte:

— wobei sich hauptsächlich Frauen beteiligten — ge­sprengt. Die Deutschen verhiellen sich bewundernswert ruhig und geduldig. Sie wissen, daß, wenn sie sich zu einem Angriff auf die Gegenpartei hinreißen ließe», das südslinvische MWär und südslawische Gendarmerie sofort Partei für ihre Feinde ergreifen würden. Mas- senverhaflungen wären die Folge, durch die chnen bei der Abstimmung dann wichtige Stimmen fehlen wür­den.

Der gesamten Interalliierten Kommission fehlt dir Autorität, weil sie in sich uneins ist. Die Engländer, die nicht interessiert und neutral sind, stoßen mit ihren Vorschlägen eittweder auf französischen oder italienischen Widerspruch. Frankreich, das einen Anschluß Kärn­tens an Deutschland befürchtet, unterstützt einseitig die südslawischen Ungerechtigkeiten, während anderseits Italiens Jnteresien eine möglichste Schwächung vüd- flawiens bedingen. So fetzt sich dieses kurzerhand über alle Anordnungen der Kommission hinweg. Erst in den letzten Tagen ist es ihr gelungen, das südslawische Militär zum Wzug aus der ersten Wstimmungszone zu bewegen.

Daß die Kärntnerfrage überhaupt erst durch Ab­stimmung gelöst werden muß, ist an und für sich ein Widersinm Ueber das von jeher feststehende Deutsch­tum Klagenfurts und der zweiten Abstimmungszone geben sich selbst die Südslawen keiner Täuschung hin. Wer auch in bezug auf die erste Zone genügt ein Blick auf die Karte, um sofort zu erkennen, daß die neue Grenzlinie, die wie mit Kinderhand mitten durch den See gezogen ist, die wirtschaftliche und ethnographische Einheit Kärntens zerreißen und die auseincmderge- ttemtten Gebiete dem wirtschaftlichen Ruine preisge­ben muß. Besonders der an Südslawien fallende Teil würde — im Süden durch die gigantischen Bergmauern der Karawanken an einem wirtschaftlichen Anschluß nach Süden hin gehemmt und im Norden durch die Grenze von seinem natürlichen Absatzgebiet, von sei­nem wirtschaftlichen Mittelpunkt Klagenfurt abge­trennt — elend verkümmern müsien.

_ Bevor die südslawische Agttation einsetzte, haben die Kärntner unteremander keine Feindseligkeit gekannt. Ein beredtes Zeugnis von der einheitlichen und zwar deutschen Kultm liefern die Friedhöfe, in denen vor den achtziger Jahren überhaupt keine slowenischen In- schriftm zu finden sind. Erst die politischen Agenten haben Haß und Feindschaft in diesen schönen Garten Gottes getragen, der von den Bergen wie von einem hohen, festen Zaun umgeben ist. Der Oberste Rat aber, der weiser sein will, als der liebe Gott, durchschnsidet ihn mit der Grenzlinie der Zone A und zerstört so seine geographische, wirtschaftliche und völkische Ein­heit, weil es süüdslawischer List, die nicht einmal davor zurückschreckte, Wilson falsche Karten (mit den Kara­wanken im Norden statt im Süden) vorzulegen, ge­lungen ist, Vernunft und Recht bei den hohen Gön­nern zu verwehen.

Wir Deutschen können nur mit tiefem MUgefühl das schwere Leiden unserer Brüder in Kärnten verfolgen Von Herzen erflehen wir gemeinsam mit diesem Volk in Not vom Himmel einen Sieg Deutsch-Kärntens für den 10. Oktober, ehren S'eg, der zugleich ganz Europa unheilvolles Problem zu guter und gerechter Lösung führen würde. Jahrhunderte verbinden uns mit die­sem deutschen Süden, in den schon zu Karls des Gro­ßen Zeiten Scharen von deutschen Adeligen, (Seift- l'chen. Dauern, Handwerkern und Kaufleuten gewan­dert sind, um sich dort anzusiedeln, Handel zu treiben, Märkte und Städte zu rrßnbcn und jene frommen und schönen Kircken und Klöster zu bauen, die noch heute bedeutsame Kunstschätze bergen.

Tas Nückiriltsgesuch

des Rekckrsfinanunin'siers.

Die Mitteilung Berliner Blätter, daß der Reichs- finanzminister Dr. Wirth seine Entlassung zurück­gezogen habe, entspricht nicht den Tatsachen. Es wird

„Na, rote ist es denn eigentlich, Wolf, bie Wette verlierst Du hoch — was?"

„Wird wohl so fein," erwiderte der gleichmütig.

„Na, Du kannst Dir's ja leisten,," meinte der Kam­merherr, „unb ich glaube, ’s ist gut, daß Du's garnidjt erst versucht hast, wär' ja ein zu toller Streich gewesen."

„Ist schon wahr," erwiderte Wolf schon im Weiter- gehen.

Wolf hatte ein sehr bequemes Bett, er war müde, dennoch konnte er nicht schlafen. Immerzu mußte er daran denken, daß in dem Zimmer nebenan, nur durch eine Wand von ihm getrennt, Silvia schlief.

Und dort hinter dieser Wand waren auch bie Perlen.

Er hatte schon gar nicht mehr an bie Wette gedacht, das heißt, nicht mehr daran gedacht, sie zu gewinnen. Er hatte gefühlt, daß er nicht mehr der übermütige Wolf Eggenbrecht war, der das Tollste zu wagen liebte, nur um zu wagen. Er war seßhaft geworden, Herr auf Altenwied, das Haupt der Familie von (Eggen» brecht-Reiken und Altenwied, ba machte man keine dummen Streiche mehr, und wenn man sie machte bann — wurden sie einem nicht mehr vergeben, wie bas einst geschah.

Aber heute rumorte der Wunsch in ihm, doch zu vollbringen, was unmöglich schien.

Er lag mit offenen Augen und zählte bie Sterne am Himmel, benn ehe er zu Bette ging, hatte er bas Fenster geöffnet und den Vorhang zuzuziehen vergeßen- Er sah, wie der Himmel allmählich heller wurde und die Sterne verblaßten, weil hinter dem bewaldeten Hügel der Mond aufging und bald konnte er auch im Zimmer alle Gegenstände unterscheiden Er- hörte in der Stille der Nacht von draußen allerlei Stimmen agenöen Nachtgetiers, und im Haufe selbst erhoben sich geheimnisvolle Geräusche.

In den alten Deckenbalken knackte es, seltsam äch­zende Töne wurden in den Wänden laut, bie durch Jahre Harr gestanden unb nun dlirch bas Feuer in dem Ofen sich dehnten. Plötzlich knarrte der alte Schrank, der vor der Tür ins Nebenzimmer stand, ganz laut, und langsam öffnete sich feine Tür.

Einen Atemzug lang erschrak Wolf doch, benn un­heimlich war es, bann mußte er lachen: In dem allen

aber aus Regierungskreisen bestätigt, daß nach wie vor Hoffnung besteht, daß eine Verständigung erzielt wird und Minister Wirth sein Rücktrittsgesuch zurückziehen wird. Das wird im wesentlichen ab­hängig sein von dem Verlauf einer Verhandlung, die Mimster Wirth und die beiden Minister G r ö n e r und Giesberts am Mittwoch mit dem nach Berlin zurückgekehrten Reichspräsidenten Ebert haben werden. Danach wird eine Kabinettsfitzung die Ent­scheidung zu treffen haben.

Das Rücktrittsgesuch war bekanntlich durch Gegen­sätze verursacht, die zwischen dem Finanzminister einer­seits und dem Verkehrsminister und dem Reichspost­minister andererseits wegen der für ihr Restart benötig­ten Roichsmittel bestehen. So sehr die Höhe der Besol­dungen durch die herrschende Not zu begründen ist, so weng entspricht sie der verzweifelten Finanzlage des Reiches und es ist zu begreifen, wenn ein Finanzminister darüber den Mut verliert. Es handelt sich aber nicht nur um die Höhe der Beamtengehälter, sondern auch um die durchaus übertriebene und fortwährend noch vermehrte Zahl der Beamten selbst. Es wurde z. B. die Frage aufgeworfen, ob von den 60 000 Berliner Briefträgern nicht wenigstens ein Drittel entbehrlich wäre. Reichsfinanzminister Wirth will 20 000 Briefträger entlasten. Beim Reichsver- kehrsministerium handelt es sich um viele Tausende Angestellte, die nach Ansicht des Reichsfinanzministers entbehrlich sind. Der Reichsfinanzminister vertritt den Standpunkt, daß es für das Reich erträglicher wäre, die Arbeitslosenunterstützung zu zahlen als die unge­heuren Gehälter der Angestellten. Bei den Eisen­bahnen allein wird die Zahl der überflüssigen Staats­angestellten zwischen 3 und 400 000 geschätzt, und das ungeheure Defizit der Bahnen von 15 Milliarden im Jahre erklärt sich großenteils daraus. Die überzähli­gen Beamten wieder von ihren Posten entfernen ist allerdings leichter verlangt, als es getan werden kann, und weder eine Regierung noch eine Partei werden sich durch Abstriche von dem katastrophal angeschwolle­nen Beamtenetat Popularität erwerben können. Aber das darf nicht hindern, sich aufs ernsthafteste mit die­ser Frage zu beschäftigen, denn es kann doch nur eine Wahl geben zwischen einer noch einigermaßen recht- itig kommenden bewußten Etz tschränkung oder ein ■'m jämmerlichen Zusammenbruch, der alles mitreißt.

Man muß dem Reichsfinanzminister Dr. Wirth Dank wisten, daß er durch sein entschlossenes Auftreten und durch das schließliche Aufwerfen der Vertrauens­frage die leider all zu lange nur zögernd behandelten ernsten Fragen in, Fluß gebracht und damit die weitere Oesfenilichkeil auf Dinge von allergrößter Bedeutung mit dem gebotenen Ernste hingewiesen hat. Mr wol­len hoffen, daß der Reichsfinanzminifter auch alles tun wird, um den vom Reichskabinett zu fastenden Be­schlüssen auch gleichzeitig die Garantien für ihre Durch­führung mitzugeben, denn daraus kommt es in aller­erster Linie an.

*

Wann wird die Rettung kommen? Wird die Fi- nanzkaiastrophe sich aufhalten lasten? Das umlau­fende Papiergeld vermehrt sich von Stunde zu Stunde. Die Valuta ist wieder gefahrdrohend gesunken, die unabwendbar notwendige Einfuhr muß sich damit bit­terböse verteuern. Die Ausgaben des Reiches aber wachsen fort, ohne Halt. Die neuen Forderungen der Beamten bei Post u. Bahn belaufen sich auf fast eine volle Milliarde. Woher bie nehmen? B sher geschähe in Papier. Das geht nicht so weiter, wenn die Teuerung nicht alle Dämme niederreißen soll. Man glaube doch nicht, daß sich die Preise niedrig halten, wenn d'e Geld- e-ttwertung fortschreitet. Die Arbeiter können wohl einen Gutsbesitzer ober die Bauern eines Bezirks zwingen, die Preise herabzufetzen. Aber alle, dos geht nicht; und selbst wenn es ginge, wären eben im näch­sten Jahre keine Kartoffeln da. Angebot und Rach- frage sind es, die d'e Preise bestimmen, das ist eine alte unumstößliche Wahrheit der Wirtschaftsgeschichte, an bei nationalökonamisierende Pillendreher nichts

Schranke wird Ritter Rupprecht wohl kaum sein Quar­tier haben! badjte er unb erhob sich, um die Schrank­tür wieder zu schließen.

Wolf trug statt des Nachthemdes stets einen soge­nannten Pyjama, einen Nachtanzug aus roher Seide, wie man ihn in den Tropen trägt, wo man in den beißen Nächlcn aucy die leichteste Decke über sich nicht vertragen kann In den Tropen hatte er sich das an- gewähnt. Er schlüpfte in die Pantoffeln von weichem gelbem Leder unb ging zu dem Schrank hinüber unb schloß ihn, nachdem er unwillkürlich hineingefehen, ob sich nicht etwas darin verborgen hielt. Dabei fiel ihm auf, daß der Schrank nicht dicht an ber Wand ftanb. Ja, er verdeckte doch eine Tür, unb bie altertümlichen, geschnitzten Türpfosten hatten es nicht zugelassen, daß ber Schrank dicht ansch'oß. Da dachte Wolf wieder an seine Jugendjahre, wo hier, in den damals leeren Räu­men, in denen nur Spinnen unb Fiebermäuse gehaust, als Indianer herumgeschlichen war, unb an bie Geheim niste, bie er unb feine Kameraben dabei in dem aus grauem Mittelalter stammenden Bau entdeckt hatten.

Ob bie Tür zu Silvias Zimmer wohl auch eines ber seltsamen Schlosser besaß, die ber Eingeweihte zu öffnen vermochte, auch wenn bie Tür von der anderen Seite verschlosten war? — Wolf reizte es, dies zu un­tersuchen, er zwängte seine Hand durch bie Lücke zwi- chen Schrank unb Türpfosten, fand auch bald bie Klinke, eine ber ganz alten, verschnörkelten, unb lachte ganz leise auf.

Diese Schlösser waren folgendermaßen erdacht: Wurde bie Tür abgeschlossen, das heißt ber Schlüssel ein. ober zweimal herumgedreht, so schien es, als wäre nur wieder mit dem Schlüße! zu offnen. Die Knaben hatten das damals durch einen Zufall entdeckt und bas Geheimnis wohl bewahrt, ba es ihnen ermöglichte, auch in bie verschloßenen Räume, in denen allerhand für Knabensinne interessantes Gerümpel verwahrt wurde, einzudringen.

Für jetzt cervrhtete Wolf darauf, zu versuchen, ob bie alte Klinke ■ h richtig funktionierte, er war dessen ast sicher, wenn nichts daran geändert worben war, i aber er fürchtete, durch das Geräusch des zurückspringen­den Riegels Silvia zu wecken.

^Fortsetzung folgt.)

ändern können. Die einzige Möglichkett der Rettung ist die Einschränkung der Ausgaben, alles andere hflft nichts. So ist ja jedes sozialisierte Unter­nehmen geradezu zum Fluch für die Gesamtheit gewor­den. Post und Eisenbahn sind sozialisiert. Beide fressen aber so ungeheuer viel an Reichsgeldern weg, erfordern erbarmungslos so fabelhafte Zuschüsse aus den Taschen der Steuerzahler, daß sie geradezu zum Fluch für das Reich geworden sind und uns in den Abgrund ziehen müssen, wenn nicht ein starker Mann kommt, der alle überflüssigen Beamtm und Arbeiter in andere Berufe Überführt und so die Einzel-Arbeitslei- stung wieder auf den alten Stand hinauf-, die Aus­gaben auf ein erträgliches Maß hinabführt.

Der teure Sfaalsbefritb.

Wie unter den jetzigen Verhältnissen die Sozialisie­rung wirkt, kann man z. B. beim Bergbau sehen. Der preußische Staat hat sich an der Lippe tm Norden des alten Kohlengebietes s. Zt. allerbeste Kohlenfelder gesichert. Die Anlage brachte, obgleich der Staat ge­ringere Gehälter als die Privatbetriebe zahlt, 1918 allein einen Verlustvon 35 Millionen Mark. Man kann daraus einen Schluß riskieren auf die Höhe der Gesamtbelastung, die die Uebernahme des gesam­ten Kohlenbergbaues aus den Staat mit sich bringen muß; dann muß die Kohle ungeheuer viel teurer wer­den, als sie ohnehin schon ist.

Dazu folgende Mitteilung aus dem Reichsver- kehrsmininerium betr. Neuregelung der Gütertarife; Soweit bis jetzt das Resuliat ber ersten 3 Monate nach der letzten Erhöhung der Güter- und Personen­tarife vorliegt, schließen b.e Einnahmen unb Aus­gaben der Eisenbahn für das laufende Halbjahr voraussichtlich mit einem außergewöhnlich großen Fehlbetrag ab.

Entspannung in Oberschlesien?

Abberusung des Generals Le Rond?

Wie die,Schles. Volksztg.' meldet, dürste die aus Paris gemeldete Abberufung des Generals Le Rond als Vorsitzenden der interalliierten Kommission in Oberschlesien tm Falle eines ungünstigen Ausfalls des Ui teils der Bottchasterkonferenz über die Miß­helligkeiten in Oberichlesien als endgültig zu be­trachten fein.

Einer der englischen Kreiskontrolleure, auf deren Beschwerde hin General Le Rond nach Paris zitiert wurde, ist Major Ottley in Beuchen, ein Neffe von Lloyd George.

Aus vem besetzten Gebiet.

Ieitungsverbote. Die Rheinlandkommission hat bi« „Frankfurter Zeitung" unb bas „Mittagsblatt" bis 18, Oktober für bie besetzten Bebiete verboten.

Die Zustände im besetzten Gebiet Hai ber ehemalige Vizekanzler Schiffer ftubiert. Sein Bericht ist im höchsten Grabe nieberschmetternb. Im englisch besetzten Teile steht es nicht ganz so schlimm wie im belgischen und französischen Befatzimgsbezirke, aber überall sehr schlecht. Besonders bie Wohnungsnot fei brennenb unb bie Art, wie bie Besatzung Wohnungen für ihre Zwecke, oft mit Möbeln beschlagnahmt, sei empörenb. Das Ge» fühl, vom übrigen Deutschland vergessen zu 'ein, wirke überaus nieberbrüctenb. Aber es lebe im ganzen Volke, bem gesamten, ein starkes deutsches Empfinden unb ber Wille, sich auch trotz aller wirtschaftlichen Schikanen nicht beugen zu lasten.

Ein Appell an bie Eisenbahner.

In einem Erlaß des Reichsverkehrsministeriums an alle Direktionen ber Reichseisenbahn heißt es u. a.: EisenbehnbeamtL unb Arbeiter, Gewerkschaften unb Be. frrbsräte greifen in bie Beförderung der Heröstkartof. fein ein, verweigern hie Gestellung von Wagen hierfür ober machen sie von einer nichtbehördlichen Genehmi- gung abhängig. Beamte und Betriebsräte haben sogar verlangt, daß mit dem Versand der Kartoffeln erst be­gonnen wird, wenn die Eisenbahner des betreffenden Bezirkes selbst mit Kartoffeln eingedeckt seien Ein derartig eigenmächtiges Vorgehen von Beamten unb Arbeitern der Eisenbahnen kann unter keinen Umständen geduldet werden. Es ist auch vom menjch'ichen Standpunkt aus nicht zu billigen, daß .die Eisenbahner nur an sich denken. Ich habe das Ber- trauen zu den Beteiligten, daß sie sich den vorstehen­den Gründen nicht verschließen werden Sollte dies nicht gelingen, müßten auch im Interesse der Staatsautorität bie Eisenbahndirektionen eingreifen, um die Versor­gung mit dem notwendigsten Lebensrnittel nicht ernst­lich zu gefährden.

Preußische Landesversammlung.

Die Landesversammlung erledigte am Dienstag die dritte Lesung einer Reihe von Vorlagen, von denen das Gesetz betreffend den Austtttt aus bet Kirche be» fonbercs Interesse beansprucht. Wie erinnerlich, hatten die Unabhängigen gelegentlich der zweiten Lesung die­ser Vorlage den oidnunasmäßigen Gang der Verhand» lungen zu sabotieren versucht und sie setzten ihre Ver­suche auch bei der dritten Lesung fort. Es kam zu stürmischen Zusammenstößen und schließlich, da das Haus infolge der Obstruktion der Unabhängigen nur schwach besetzt war, infolge Beschlußunfähigkeit zur Aufhebung der Sitzung.

Nach kurzer Unterbrechung setzte bas Haus in ber neu anberaumten Sitzung seine Arbeiten fort unb er­ledigte in dritter Lesung den Gesetzentwurf über bie Umlegung von Grundstücken. Den Bemühungen des ßentrums ist es gelungen, einen Antrag durchzusetzen, im Interesse ber Landwirtschaft den Kreis der Grund­stücke zu erweitern, die nur mit Zustimmung ihres Eigentümers umgelegt werden können. Mit dieser, für die Landwirtschaft wichtigen Aenderung wird die Vor» läge in dritter Lesung angenommen.

Bei ber Beratung des Notetats kam es zu einem kurzen aber heftigen Zusammenstoß zwischen der Rech­ten und dem Ministerpräsidenten Braun, ber sich gegen den Vorwurf ber Rechten verwahrte, daß die preußische Regierung nicht mehr den Mehrheitsoerhältnissen ent» spreche. Der Notetat wurde schließlich ohne weitere Aussprache in dritter Lesung angenommen. Dann wandte sich das Haus der Beratung von Anträgen aus bem Hause zu, die ohne größere Aussprache Ihre Erledigung fanden. Angenommen wurde unter anderem ein Dom Abg. Kien begründeter Antrag des Zentrum« betreffenb die Entschädigung der Hochwasjerschä, den im Rheinland.

Am Mittwoch wird das Haus bie Abänderung»«!» träge zum Gesetzentwurf Groß-Berlin beraten.