FuldaerZeitung
Nr. 218.
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Montag, 20. Sept. 1920.
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47. Zahrg.
Der 20. September 1870.
Heute jährt sich zum 50. Male der Tag traurigen Ungedenkens, da Rom und der Rest des Kirchenstaates der Gewaltpolitik gekrönter und ungekrönter Räuber zum Opfer fielen. Fünfzig Jahre sind es heute, daß der Papst seiner weltlichen Herrschaft beraubt und als der „Gesangene des Vatikans" aus wenige Quadratmeter Raum beschränkt wurde.
'Am Abend des 19. September war Pius IX noch einmal hinausgefahren zum Lateran. Er verrichtete i»rt feine Andacht an der Scala Santa", die er, wie das römische Volk es gewöhnt ist, aus den Kniren hinaufstieg. Es war bis zum heutigen Tag das letzt; mal, daß ein Papst den Vatikan verließ.*)
. Die für die Verteidigung Roms verfügbaren Streitkräfte waren auf etwa 8000 Mann zu veranschlagen. Die Artillerie besaß etwa 30 Geschütze von verschiedenen Kaliber. Dieser päpstlichen Wehrmacht stand eine Uebermacht des Feindes von 60 000 Mann mit 120 Geschützen gegenüber.
Als der italienische Führer General Cadorna turch einen Parlamentär den päpstlichen General Kanzler aufforderte, von einem weiteren Widerstand »bfehen zu wollen «aus Gefühlen der Menschlichkeit", krhielt er die edle und würdige Antwort: . . Was die Berufung Cadornas auf Gefühle der Menschlichkeit »ngeht — von solchen Gefühlen ist keiner mehr beseelt als diejenigen, die das Glück haben, dem heiligen Stuhle dienen zu dürfen. Nicht wir sind es, die irgendwie den gottesräuberischen Angriff veranlaßt haben, dem wir ausgesetzt sind. Sie, Exzellenz, sollten sich von Gefühlen wahrer Menschlichkeit leiten lasten und von Ihrem ungerechten Angriffe Abstand nehmen." Sm übrigen lautete die Antwort, er fei entschlossen. Widerstand zu leisten mti allen Mitteln und Kräften, die ihm zu Gebote ständen, wie Ehre und Pflicht es erforderten. So war es der ausdrückliche Wille des Hl. Vaters: Nur der Gewalt werde er weichen.
3m übrigen gab der Hl. Vater, der Souverän und Papst-König von Rom, an seinen General-Kanzler die Weisung: „Was die Dauer der Verteidigung betrifft, fo ist es meine Pflicht, zu befehlen, daß diese nur bestehen darf in einer Verwahrung mit bewaffneter Hand, um die erlittene Gewalt festzustellen: mehr nicht. Das heißt: es sind Verhandlungen über die Uebergabe zu eröffnen, sobald die Dresche gelegt ist."
Die aufgehende Sonne des 21. September beleuchtete mit ihren Strahlen ein gar trauriges Schauspiel, der traurigsten eines, wie die Welt sie je gesehen hat: Das Rom der Päpste, die Hauptstadt der katholischen Welt von Fruerschlünden umgeben, die es bald in einen Ring von Rauch und Feuer hüllen sollte».
Morgens 5% Uhr eröffneten die Italiener das Feuer. Heldenmüüg erwiderten die päpstlichen Truppen den Kampf und verhinderten fast 5 Stunden jeden nennenswerten Erfolg. Gegen 1410 Hin richtete der Feind ein heftiges Artilleriefeuer gegen die Porta Pta. In der Nähe dieses Tores ward .eine Bresche in die Mauer geschossen. Da gab General Kanzler den Befehl, überall die weiße Fahne aufzichrn zu lasten. Sodann schickte er Parlamentäre zu Cadorna.
Während diese und nachher General Kanzler selbst mit Cadorna verhandelten und überall die weiße Fahne wehte, drangen gegen olles Völkerrecht italienische Ba- taillone durch die Dresche in die Stadt. Wie konnte man auch ein ehrenhaftes Verhalten von der Regierung eines Viktor Emanuel und von seinen Söldnern erwarten; Ihnen folgte ein Pöbelhaufen, großenteils bewaffnet, der Abschaum des Volkes und der ver- Orfenen Gegenden von ganz Italien. D'ebstahl, Räuberei und Plünderungen folgten — das war der glorreiche Einzug der siegreichen Eroberer in die hl. Stadt
•) Deral. hierzu und zum folgenden: Eickholt, Roms letzte Ta ie unter der Tiara. Freibura i. B. 1918.
Die perlen der Eggenbrechts.
87] Roman von Alexandra von Sofie.
„So ein B'ödsinn!" rief Wolf dazwischen
„Du wolltest Dich noch vor dem Winter mit ihr verloben!" fuhr Hilde hastig fort, „weil Du wegen der Perlen nicht prozestieren willst, aber Marie meinte, Du würdest Dir ganz sicher einen Korb holen, denn Silvia, die doch schon von b*r Wette wüßte . .
„Don welcher Wette?" ftagte Wolf heiser und packte Hilde unsanft am Arm.
„3d) sagte es doch gerade! Nämlich, daß Du gewettet haben sollst, Du würdest Dich mit Silvia verloben, »er Perlen wegen, damit auch ohne Prozeß . . .*
„Wer hat denn diesen Unsinn aufgebracht?!" fuhr Dolf so wütend auf, daß Hilde ganz ängstlich wurde. »Wer hat Dir das gesagt, Hilde? Heraus damit!"
„Also ist es nicht wahr?" fragte sie gedehnt.
„Wer Dir das gesagt hat, das von der Wette, will Vh misten!" forderte er kategorisch, und Hilde zuckte die chseln:
„Man redet davon — wer es zuerst gesagt, weiß ich eicht."
So hat einer nicht dicht gehalten, überlegte Wolf, wenn auch anlkbeinend die wahre Wette nicht bekannt geworden ist. Immerhin muß das Gerede Unheil bringen, denn wenn wirklich Silvia etwas davon zu Ohren zekommen war — kam sie womöglich überhaupt nicht »ach Holten.
Hilde hatte ihn ganz ängstlich beobachtet, sah, wie wütend er war und schmeichelnd legte sie ihre Hand auf feinen Arm.
„Dolf, sei nicht böse," bat sie leise. „Wenn es nicht wahr ist — das mit der Wette, meine ich — deswegen kannst Du Dich doch mit ihr verloben und . . ."
„Ach, Hilde, fei doch still!"
„Nein, wirklich, Wolf! Es wäre so wundervoll, wenn Silvia meine Schwägerin würde! Wünsche ich mir fo! Denn ich habe sie fo—o lieb! Du doch auch — nicht? Und wegen der Perlen allein würdest Du sie doch rttcht heiraten wollen, wenn Du sie nicht außerdem lieb hat» test - nicht?"
Er machte eine zornige, abwehrende Bewegung.
„Natürlich nicht! Da- heißt — 's ist ja überhaupt alles albernes Geschwätzk
^Schade!" laate ^'•be.
Mft ununterbrochener Beharrlichkeit haben Pius IX. und feine Nachfolger bis auf den heutigen Tag sich geweigert, den mit Waffengewalt geschaffenen Zustand anzuerkennen. Die ganze katholische Welt hat treu dieser Haltung der Päpste sekundiert. Alljährlich wurde aus den deutschen Katholikenversammlungen feierlichst Protest erhoben gegen diese« ungerechten Raub am Kirchenstaat und iste schmachvolle Freiheits- beraubung des Oberhauptes der Kirche. Um so mehr hielten sich die deutschen Katholiken zu diesen sich immer wiederholenden Kundgebungen für verpflichtet, als der preußische Gesandte von Arnim bei jenen traurigen Vorgängen eine so beklagenswerte Rolle gespielt hatte: Er hatte Viktor Emmanuel zu seinem räuberi- schen Vorgehen ermuntert und noch in den letzten Zagen der Entscheidung durch seine Jntriguen Cadornas Zwecke gefördert. Verschiedene Male schlich er heimlich zwischen Rom und dem feindlichen Hauptquartier hin und her und wollte den Hl. Vater bereden, von einer Verteidigung Roms abzustehen (Ser. Cadornas). Die Geschichte wird wohl noch aufhellen, ob Arnim im Auftrag Bismarcks so handelte.
Wir deutsche Katholiken aber wollen am heutigen traurigen Gedenktage einen herzlichen Gruß senden nach Rom, zum heißgeliebten Oberhaupt der katholischen Kirche. Noch lebt in unser aller Herzen jener Geist der treuen Liebe und Anhänglichkeit, dem einst Georg von Hertling in schwerer Zett des Kampfes Ausdruck verliehen:
Den Gruß laßt erschallen Zum ewigen Rom, Zum Herzen, das uns allen Schlägt in St. Peters Dom! Es zucken die Blitze, Der Donner laut rollt: •
Und Gott hat es gelitten;
Wer weih, was er gewollt?
Die Stürme laß wehen!
Was hat's denn für Not?
Der Fels wird doch bestehen, Sein fester Grund ist Gott.
Scheller.
Die Rücktritlsadsichten
des Reichsfinanzministers.
Von der Preffestelle der Reichsregiemng wird be- stätigt, daß Rücktrittsabsichten des Reichsfinanzmini, fters bestehen und daß sie a ufMeinungsverschiedenhei- ten zurückgehen, die sich in der D e s o l d u n g s f r a ge ergeben haben. Ein formelles Rücktr'ttsqesuch lugt noch nicht vor. Persönliche und parteipolitische Gründe stecken nicht hinter dem Angebot des Rücktritts, fon- der» nur das pflichteifrige Bestreben des Jinanzmim- sters, die Schuldenwirtschaft im Reiche zu beseitigen oder doch wenigstens deren Verschlimmerung zu verhüten.
Der Finanzm'nister will den Grundfatz zur Geltung bringen, der in den sechs Schicksalsjahren le'der beiseite geschoben war: Keine Ausgabe ohne Deckung! Dahin muß jeder gewisienhaste Finanz- Minister streben. Wenn aber seine Kollegen In dem einen ober anderen Reffort für ihre Verwaltung neue Zuschüffe brauchen, so halten sie die neue Ausgabe nicht bloß für notwendig, sondern auch für sehr dringlich und sträuben sich dagegen, wenn der Finanzmmi- ster durch ferne Forderung nach gleichzeitiger Deckung den Zuschuß gefährdet oder verzögert. Solche Mei- nungsverschiedenheiten zwischen den Forderungsmini- stern und dem Zahlminister sind nicht neu und liegen in der Natur der Dinge. Namentlich in jetziger Zett, wo unter der Teuerung die Ansprüche auf höhere Besoldung erschreckend hoch steigen. Wenn nun brr Post- Minister unb der Derkehrsminifter wieder mehr Geld verlangen für die Aufbefferung ihrer Beamten und Hilsskröste, so kann der Une'noeweihte nicht ohne weiteres entscheiden, ob die Forderungen ttn rechten Maße
„Unb Kusine Silvia wird sich hüten, her zu kommen, -’-nn sie e^mas baoon erfahren haben sollte," fügte er hinzu; aber H-lde widersprach sofort.
„Deswegen komml sie dach, denn sie hat es mir in die Hand versprochen. Unb — unb wenn Du sie lieb hast, Wolf, bann sagst Du ihr einfach, daß es gar nicht wahr ist, bas mit ber Wette, unb hinterher sagst Du ihr, baß Du sie sehr lieb hast, unb sie deswegen heiraten willst."
Er mußte lachen.
„Hilde, Schäfchen, wie sollte sie mir das glauben, während sie die Perlen noch am Halse hat, die ich. wie sie doch meint, heiß begehre und die von ihr zu verlangen ich sogar verpflichtet bin. Daß ich sie nicht der Perlen wegen heiraten will, müßte ich ihr jetzt doch erst beweisen."
Hilde lächelte verschmitzt.
„Jetzt hast Du Dich verraten mein Soff! Du liebst sie, unb Du willst sie heiraten — wundervoll!"
Er antwortete nicht, runzelte unwillig bie Brauen, ba schlang sie bie Arme zärtlich um ihn unb schmiegte ihre Wange an seine Brust.
„Sei nicht traurig, Wolf, benn — sicher siebt auch sie Dich — sicher! Es kann ja gar nicht anders fein! Unb sicher ist cs gar nicht wahr, daß sie schon halb unb halb mit Herrn von Branbing verlobt ist!"
„Was — wer hat nun bas wieder aufgebracht?" fuhr er auf.
„Alice sagte . . ."
Da schlug er sich vor die Stirn.
„Alice . . .? Alice hat wohl auch das andere Gewäsch unter die Leute gebracht!" rief er aus unb wie er, schlug auch Hilde sich «latschend an die Stirn.
„Natürlich! Und aus Eifersucht hat sie es getan — ja! Dabei liebt sie Dich gar nicht einmal wirklich, will nur Herrin auf Attenwied werden unb bie Perlen tragen, die Silvia hat. Ich bin froh!"
„Worüber denn?"
„Nun, daß Du ihr bisher nicht ins Netz gegangen bist!"
„Din ich denn ein Fisch, bet sich so leicht fangen Zäßt?"
„Ach, weißt Du, wo Mama es so gern wollte . . . I Und ich habe solche Angst gehabt, weil — nun weil Du doch früher so höllffch in sie versiebt g<,me’en bist!" ! „Verliebt —" sagte Wolf und zuckte bie Ach'rin, „ver- | liebt bin ich seitdem noch oft gewesen, aber wirklich
blieben. Wohl ober kann man begreifen, daß der Finonzminister die Ausgaben einzuschrän» ten strebt oder für den unvermeidlichen Mehraufwand sofortige Deckung verlangt durch entsprechende Erhöhung der Einnahmen.
Aus jeden Fall ist der Finanzminister im Recht, wenn er der maßlosen Fabrikation von Papiergeld eine Grenze setzen will. Wir treiben rettungslos dem Staatsbankerott zu, wenn wir andauernd emen so gewaltigen Teil unserer Ausgabe durch die Tag und Nacht arbeitende Notenpresse „decken", d. h. untere Valuta weiter verwässern und die schwebenden Schulden von Reich, Staat und Gemeinden bis in die blanke Unmöglichkeit der Einlösung steigern. Es wird höchste Zeit, daß ein Ende gemacht wird mit dieser un- oliden Wirtschaft, bfe freilich aus der Not geboren, aber leider durch Schwache von oben und durch Be- gehrlichkeit von unten großgezogen worden ist.
In einer halbamtlichen Mitteilung heißt es, das Reichskabinett werde sich in den nächsten Tagen mtt der Besoldungsfrage neuerdings beschäftigen. Dabei sei indeffen anzunehmen, daß der Finanzminister nicht nur die vorliegenden Meinungsverschiedenheit, sondern umfassendere Vorschläge für die gesamte Rcichsfinanzwirtschaft vor das Kabinett bringen werde. Aus dieser Absicht des Ministers, die Finanzfrage in vollem Umfang aufzurollen, kann man schon sehen, daß sein Rücktrtttsgesuch nur bedingt ist und im Grunde nut als „Drücker" dienen soll, um feine Kollegen und auch den Reichstag auf den bitteren Ernst der Sache hinzuweisen.
Ob in dem Reformplan auch dieZwangsanl eihe einen Platz hat und in welcher Weise sie mit dem Reichsnotopfer in Wechselwirkung gebracht werden soll, braucht man augenblicklich noch nicht zu erörtern. Warten wir lieber erst die Beschlüsse des Ministerrats ab. Don diesen Beschlüssen wird es abhängen, ob ein Min'sterwechsel eintritt. Man kann nur dringend wünschen, daß es zu keiner Ministerkrisis kommt. Es wird versichert, ber Reichsfinanzminister habe das preußische Finanzministerium auf seiner Seite, dos wie er die Ansicht vertritt, es sei jetzt unbedingt der Augen- blick für die Rückkehr zu einer gesunden Finanzpolitik im Reiche gekommen und es müsse vor allen Dingen m i t den Ausgaben Haltgemacht werden.
Don einem parlamentarischen Mitarbeiter wird uns noch geschrieben:
In unterrichteten positischen und parlarneMarifchen Kreisen ist es schon längst kein Geheimnis mehr, daß den Reichssinanzmrnister Dr. Wind die Last und Bürde seines Amtes ungemein bedrückten. Man weih ja, daß er dieses Amt nicht freiwillig übernommen, sondern lediglich einem sein-'r Partei wi- auch des Kabinetts entsprochen hat. Die augenblickliche Sage ist dadurch er- wachl-n, daß der Rrichssimmiminister einmal trotz aller Bemühungen keine Mönsichkeiten sieht, die Einnahmen des Reiches in em dem Maße und Umfana der Ausoaben entsprechendes Derhältnis zu bringen. Die Hoffnungen, die an den Ertrag mancherlei Steuern geknüpft worden waren, haben sich bis setzt nicht erfüllt, auch nicht erfüllen können, mei! für einen Großteil dieser Steuern noch nicht einmal die Veranlagung durchoeführt ist. geschweige denn, daß diese auf großen Zufluß berechneten Steuer- anellen zum Nutzen des Reiches flösien. Die Hemmniffe, die überall sich auftürmen, schein-n unüberwindlich. Die einzige Steuer, die bis jetzt auf Grund des neuen Systems durchzuführen versucht wurde, der tsiprozentioe Lohnabzug, begegnete in den beteiligten Streiten einem Widerstand, der zu den schwersten sozialen Erschütterungen nicht nur, sondern auch zu den emnfmbf'thftw pnWiftfien M'ßbellw- feiten führte. Unter solch-n Verhältnissen ist es natürlich für einen R-ichsfrnanzmin!ster schwer, feines Amtes zu walten. Zu den ang-deuteten .fkmnruncen kam ober nun noch ejn weiteres: ttn den Reichsbetriehen ins- hefonimre in den Reichsnerkebrsanstalten der Post und der Eisenbahn, wurd» über den Rahmen der Be. .foRnmgsorbmmp hinaus Ansprüche erhoben, welch- unter bestimnttem Druck anschmnend in den beteiligten Mmffte- rbrn einer Fäi-derimo kmrm-meten. d>» mit der materiellen
lieben — fo von ganzem Herzen u"d non ganzer Seele — da» — bas ..." Er brach ab und legte den 91 em um H'lde« Schultern, zna sie an sich und fragte leise:
„Hilde kannst Du schweigen?'
„Wie das Grab!" versicherte sie, atemlos vor Span- nung.
„Also — was es heißt, wirklich zu sieben, das — bas weiß ich erst, seit ich Silvia sah!"
„Wolf!"
„Und sie siebe, Steine! So unsagbar — fo un- menschlich heiß unb innig, wie ich bisher gar nicht gewußt, daß man einen anderen Menschen lieben kann! Ja!"
„Ja!" wiederholte Hilde. „Wie schön, wie schön'"
„Schön —? Ach, Kleine, es ist ja alles fo verfahren unb hoffnungslos---"
„Wegen ber Wette?--Wenn sie Dich aber
siebt . ."
„Ja wenn!--Und wenn nicht, Hildekind, bann
— bann weiß ich gar nicht . . . dann schmeiß ich alles hin, bann bleibe ich nicht in Altemvied, mag es neh. men, wer will, bann gehe ich fort, bann. .
Zwanzigstes Kapitel.
Auf ber Fahrt von München nach Holten erlitt Sil. via Eggenbrechts Auto eine schwere Vanne, sie mußte zwei Stunden in einem «einen Dorfwirtshaus warten, bis ber Schaden behoben war, und kam deswegen erst m Holten an, als bereits zu Abend gespeist wurde. Sie gebot dem Diener, der ihr das mUteilte. bie Herrschaf. ten ja nicht zu stören, fonbern ihre Ankunft erst nach dem Abendesien zu melden.
Eine ärtere Haushälterin. Fräulein Pütz, geleitete sie in ihr Z-mmer, ließ rasch den Koffer hinaufbringen unb erkundigte sich nach den Befehlen ber gnädigen Frau Baronin Oh bie gnädige Frau Baronin sich rasch umzuziehen wünsche, um noch an ber Abendtasel feilgunebmen? Das roo,fte S'lvia nicht, dafür nahm sie dankbar an, als Fräulein Pütz verschlug, ihr einen tzm^iß hinaufbringen zu lasten.
Sffvia aß unb trank in aller Dehanttcksteit unb war froh, sich auf diese Weile noch ein wenig ausruhen zu eg-nen, ehe sie im großen Familienkreffe erschien. Sie hatte ein wenig Angst davor, denn noch nie in ihrem geben hotte sie bisher eine große Gttelllchast mftge. marfjt. Auch war ihr ein wenig bonge am her Belegung mit Wolf Eggenbrecht, den sic «*• M**
Lage des Reiches nicht in Einklang gebracht werden könnt». Der Reichsfinanzminifter hat jedenfalls geltenb gemacht, daß er nicht in der Lage sein werde, die darau» ich ergebenden Mehrlasten für das Reich zuzugestehen. Die Meinungsverschiedenheiten des Reichsstnanzmimste- riums beziehen sich sonach auf den Amtsbereich des Reichspost- und des Reichsoerkehrs-Ministeriums. Wenn auch augenblicksich durchaus die Hoffnung besteht, daß bie Differenzen eine gütliche Beilegung erfahren werden, s» >arf man sich doch nicht darüber hinwegtäuschen, daß dl» Rücktrittsabsicht des Reichsfmanzm'misters nicht erst fett gestern besteht, sondern lange zurückreicht und ihren Grund in der ganzen katastrophalen Entwicklung der finanziellen Derhältniste des Reiches hat. Alle Bemühungen zu einer grundlegenden Aendenmg haben sich bisher als vergeblich erwiesen. Die Dinge sind ja allerdings auch so heikel, daß nur ber allergrößte M u t unb die allergrößt» Entschlossenheit einen solchen Wandel vollziehen könnten. Leider werden heute hier und da noch Rück» "ichten geübt, die den Interesten nicht förderlich sind, welch» zum Wohle des Volksganzen gewahrt werben wüsten.
Die finanzielle Wiedergutmachung.
Angesichts der bevorstehenden Drüsteler Konferenz hatte der Reichsfinanzminifter Dr. Wirth eine Unterre- düng mit einem Mitarbeiter der „Dostischen Ztg." Dr. Wirth stellte entgegen Meldungen der „Financial News" und dem Journal" fest, daß er in Spaa keinen Vertreter der ausländischen Presse empfangen, also einem solchen auch nicht erklärt habe, Deutschland denke nicht >aran, bie Forderung auf finanzielle Wiedergutmachung der Kriegsschäden zu erfüllen. Heber die von Deutfch- land zu machenden Vorschläge auf ber Brüsseler Konferenz führte ber Finanzminister u. a. aus, baß un- sere Vorschläge selbstverständlich verbunden werden müssen mit einer eingehenden und sachlichen Darlegung unb Besprechung der deutsche» Wirtschaftslage und Leistungsfähigkeit unter Hinzuziehung ber beiderseitigen Sachverständigen. Jede» deutsche Angebot, wie auch etwaige Forderungen bei Gegenseite müssen am Verhandlungstisch zu einer aufrichtigen gegenseitigen Aussprache über die DorauSsetz. ungen der deutschen Leistungsfähigkeit führen. Mir, so führte Dr. Wirth weiter aus, als deutschen Finanzmini, ster, ist es ein unbedingtes Erfordernis, daß Deutsch- land endlich die Größe der ihm zugewiesenen Lasten erkennt, um danach seine Wirtschafts, und Finanzpolitik einzurichten. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich von derselben Erkenntnis wohl auch die Finanzminister der Alliierten werden leiten (affen.
Ans dem östlichen Hexenkessel.
Die englische« fireisfonlrol eure doch zurückgrlrele»
Dor einigen Wochen wurde gemeldet, sämtlich» fünf englischen Kreiskontrolleure in Oberschlesien seien zurückgetreten, weil sie mit dem parteiischen Verhalten der französischen Besatzungsbehörde in Oberschlesien unzufrieden seien. Der Rücktritt wurde damals be« mentieri. Nunmehr bestätigt die Ententepreffe, daß die engl'schen Kreiskonrolleure ihre Rücktrittsgesuche einoereicht haben. Die französische Preffe, der diese Tatsache natürlich höchst peinlich ist, begleitete die Nachricht mit allerhand trübselige Betrachtungen,, di« aber den Eindruck des Vorganges nur verstärken können.
Auch die Italiener verstimmt.
Das offiziöse römische Blatt „Temps" weist auz die unhaltbaren Zustände in Oberschlesien hin, wo die italienischen Truppen willkürlich hin- und hergeschoben würden, um nur ja die polnischen Putsche rmd die polenfreundlichen Intrimien der Franzosen nicht zu stö« rat Italien erwachse aus der traurigen Lage in Oberschlesien schwerer Schaden, denn jetzt nehme der Kohlenexport nach Italien erheblich ab.
Die Krisis in Italien.
In den fortgesetzten Verhandlungenmft bex Slrheiternertrefem trachten die Industriellen einige Zu- Geständnisse. Die roithtieften noch schwebenden Streitpunkte betreffen die Räumung der besetzten Fabriken und die Entlohnung während der Besetzunaszeit.. Gis- litlis Dekret?entwurf über eine paritätische Kommission,
jnertreffen im Walde nicht wiedergesehen hatte. Drei- mal hatte er seitdem bei ihr Besuch aenmcht, immer ohn» sie zu Hause zu treffen. Danach mußte er doch ahnen, daß sie sich absichtlich nicht hatte zu Hause finden las. fen Den Rettstock hatte sie ihm als Postpaket zuge. fanbt, wofür er mit wenigen fühlen Zttlen sich bedankt hatte. Sicher hatte er bas übelgenommen!
Unb wenn nun alles, was Alice ihr gesagt — auch das von ber Wette — nicht wahr gewesen . . .? Doch es mußte wahr sein, benn auch Therese Ranken hatte davon gehört unb war sogar entzückt darüber, weil ha» so echt Wolf Eggenbrecht sei. Auch Therese hatte ihr geraten, sich nicht merken zu lasten, daß sie von Nv Wette unterrichtet fei, bann würde es einen Haupttoah geben. Aber das wollte Silvia nicht, nein, er fakst» merken, daß für ihn keine Hoffnung war, die Wett» |M gewinnen, vielleicht kam es bann für ihn in Holten hach noch zu einer Verlobung, zwar nicht mtt ihr, aber acht der lchönen Alice.
Silvia seufzte tief auf und wünschte, nicht _nad) A* ten gekommen zu fein, so traurig unb bedrückt fühlt» sie sich plötzlich.
Da kam bie Jungfer herein, bie Fräulein Putz geschickt hatte, bamit sie Silvia beim Ankleiden behilflich sein sollte. Silvia lieh sich von dem gewandten Möd- chen frisieren und anfletben, und war gerade fertig, al» es hastig an die Tür pochte 1
„Darf ich herein?" fragte Hildes helle Stimme.
Gleich darauf wurde Silvia von dem jungen Mädchen herzlich umarmt, unb die Jungfer entfernte sich.
„Ach wie bin ich froh, daß Du da bist, Silvia!" rief Hilde. „Ich hatte schon solche Angst, Du würdest nicht kommen."
„Warum? Du hattest doch mein Versprechen."
„5a — aber — weil — weil es so spat wurde und aber wie schön Du heute bist!" unterbrach ffch Hilde und faltete bewundernd die Hände „Silvia, Da wirst van allen,, die heute hier sind, die Schönste frttt!" „Aber Du vergißt bie schöne Alice!" meint«
Silvia.
„Kein vergleich!" entschied Hilde. „Heute wirst sie wett in den Schatten stellen, r * schon beahafh, weil Da eine neue Erscheinung Ich. Alle^di» Dich noch nicht kennen, sind furchtbar gelpemti bweu^ fmnm zu lernen."
,W»i schrecklich!' MW vvvte