Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetieadruckerei in Fulda.
Samstag, IS. September 1920.
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Früher wurde bloß das Pferdegeschlecht mit Respekt
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tüchtig nähren. Wenn uns die Amerikaner oder sonstigen Ausländer dazu das geeignete Kraftfutter fern, so wollen wir ihnen herzlich dankbar sein.
Inzwischen müssen wir die Futtermittel, die das
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land bieten kann, nach besten Kräften auszunutzen suchen. Cs geht da noch sehr viel Saft und Kraft verloren. Aber das Sammeln und Verwerten der zer-
sen und Millionenumsatz am Totalisator veranstaltet, obschon wir für MMärpferde keinen Bedarf mehr haben. Auch die schnellfüßigen Reit- und Kutschpferde sind im allgemeinen entbehrlich, well wir Automobile, Fahrräder, Eisenbahnen haben. War die Landwirte und die Fuhrleute an Arbeitspferden gebrauchen, könnte doch wohl erzielt werden ohne die theatralische Wett- rennerei.
Doch meinetwegen mag dem Pferdegeschlecht seine alte Ehre gewahrt bleiben, wenn nur die milchspenden- den Wiederkäuer auch zu ihrem Rechte kommen. Tau. tenbe von Menschenkindern wären am Leben geblieben, Hunderttausende von Mitbürgern wären vor Abmage- rum und Siechtum geschützt worden, wenn wir mehr Milchvieh gehabt hätten. Erst in der Not von Milch und Fett hat die Masse des Volkes erkannt, was diese Tiere wert sind, die bisher ihre guten Namen „Rind- vieh, Ochs, Schaf" zu Scheltworten für dumme und un. geschickte Leute hergeben mußten.
Wie geringschätzig wurde früher auch die Ziege behandelt. Leute, die sich als Feinschmecker geberdeten, wollten von Ziegenmilch und Ziegenfleisch nichts wißen, well sie mal gehört oder gelesen hatten, daß ein Zie. genbock manchmal unangenehm rieche. Die Ziege wurde höchstens als „Kuh des armen Mannes" anerkannt. Wenn ich jetzt durch die Vororte von Berlin wandere, so treffe ich eine Maße von Ziegen und Zicklein, die dort das Gras und die Sträucher beknabbern. Cs sind keine armen Leute, sondern behäbige Mittelständler, die sich diese genügsamen und nützlichen Haustiere halten. Der Kaufpreis ist sehr hoch gestiegen; aber die Ernäh- rung kostet nicht viel Geld, sondern nur etwas Arbeit für die Hausftau und die Kinder, da an den Weg- rainen, Hecken ufw. Gratisfuüer zu haben ist. Viel Grünzeug, das sonst unbenutzt in die Erde zurücksinken würde, wird durch den Ziegenmagen geleitet, verwan- beU sich bort in gehaltreiche Milch und lohnt reichlich alle Aufwendungen an Geld und Arbeit. Milch ohne Karten, das ist ein Schatz für jeden Haushalt.
Aehnlich steht es mit der Hühnerzucht. Jedes Ei, das die Henne legt, wird wie ein Lolleriegewinn begrüßt. Früher sagte man spöttisch: Kleinvieh macht auch Mist. Jetzt empfindet man, daß Kleinvieh ein wahrer
lten wurde, „eigentlich verloren" fei. Der Aus- der Marneschlacht hatte damals im deutschen ptquartier drrarttg katastrophal gewirkt, daß man , die deutsche Armee bis an den Rhein zurück-
zu erhalten.
liegt es nicht, wenn es den Menschen Das Vieh ist zur HLfe bereit; die Men- nur vernünftig wirtschaften.
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Erzbergers Erinnerungen -der den militärischen Zusammenbruch.
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Erzberger erklärt, daß er den amtlichen gegenüber zu den militärischen Operationen sich Mhrfach als Polttiker geäußert habe. Im Herbst 1915 jobe er es für richtiger gehalten, die ganze Kraft roeiter dem Osten zu werfen, um durch den Einmarsch st die Ukraine die Ernährung Deutsch - I n d s zu sichern. Politischen und milttärischen Sielst begründete er dieses durch den Satz: „Der Marsch M Kiew macht die Gnführung der Brotkarte über- fissig."
Die Militärs hatten die bestgemeinten Anregungen
Unpolitische Zeitläufe.
Bon Fritz Nienkemper.
Berlin, 15. September 1920
Segenspender, unter Umständen ein Lebensretter ift Kleinvieh ist eine Stütze des Famllienlebens. Auch vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus ist die Klein- Viehzucht sehr vorteilhaft Denn eine Menge von Nährstoffen, die unsere Mutter Erde hervorbringt, würde ungenutzt bleiben, wenn nicht das Grünzeug oder die Küchenabfälle usw. durch den Leib der Ziegen oder Hühner ginge.
Die vegetarische Ernährungsweise wurde vor. dem Kriege vielfach angepriesen, aber wenig geübt. Während der Notjahre mußte sie vielfach geübt wer- den, aber die Preisgefänge verstummten mehr und mehr. T"e Erfahrung lehrte doch, daß die Menschen auf die ^auer nicht ohne tierische Nahrungsmittel auskommen. Ohne Fleisch geht es vielleicht; aber nicht ohne Milch und nicht ohne Fett. Die kleinen Kinder, die nährenden Mütter, die Schwachen und Allen brauchen Milch, um gesund zu bleiben, und wenn wir zur Deckung des allgemeinen Fettbedarfs alle Künste der Margarinefabrikanten anwenden, so reicht es doch nicht aus, um in dem arbeitenden Menschenkörper bas nötige Fettpolster zu erhallen. Wir brauchen Talg, Schmalz unb Butter. Die ungeheure Preissteigerung beruht nicht bloß auf Gaumenkitzel, sondern auf dem inneren Drang des Körpers nach einem leichtverdaulichen Fett, wobei die Butter vor allem ersehnt wird.
Den allgemeinen Mllch- und Fettbedarf, na« menllich für die Städte und Industtiebezirke, kann nur die Rindviehzucht im großen decken. Die Landwirtschaft muß auf der Weide unb in ben Ställen wieder die alte Herrlichkeit an Nutzvieh auf blühen lassen. Was uns das Ausland an Tieren schenkt, ist nur ein Lückenbüßer, eine teilweise unb vorübergehende Milderung des Notstandes. Durchgreifende Abhilfe ist nur zu erreichen, wenn wir selber die nötigen Milchkühe aufziehen und
morgen geschehen könne, sei nicht voraus zu scheu." „Man tonne mit dem Friedensangebot nicht bis zur Bilknmg der neuen Regierung warten. Es könne jeden Augenblick em Durchbruch erfolgen." General Ludendorff erklärte, »48 Stunden könnten die Armeen nicht mchr warten, alles
ftreuten Futterstoffe erfordert viel Arbeit, unb gerade in der Landwirtschaft fehlt es an geeigneten Arbeit», kräften. Die Arbeitslosen, die sich in ben Stabten her» umdrücken, wollen nicht auf bas Land. In ben gebildeten Kreisen und auch im beßeren Mittelstand zeigt sich schon mehr Verständnis und Sympathie für die landwirtschaftliche Tätigkett. Don da aus läßt sich viel- leicht eine Brücke schlagen, die ben Graben zwischen Acker und Asphalt überwindet. Die verschiedenen Be- rufsftänbe müßen einträchtig zusammenarbeiten, Hand in Hand. Wird die Landwirtschaft kräftig unterstützt, so kann sie bas gesamte Volk besser ernähren, und dann kann die Industrie Ausfuhrwaren schaffen, und bann können wir auch bas Krasifutter vom Auslanb kaufen, um die Viehzucht weiter auf die Höhe zu bringen. So helfen sich die Menschen gegenseitig, und das Vieh wird zweckmäßig ausgenützt, um die Menschen gesund und
Gottesdienstordnung.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 19. Sept Dom. V«6, 6, */i7 u. 7 M Um Vi7 i. d. Marien!. M. u. Gen.-Kom. b. Jüngl.-Sod sowie b. christenlehrpfl. Jüngl., 8 Pfarramt m. Umg„ Pr. u. Segen, 97» Kathedralamt m. Pr., 11 Ehr. f. d Jüngl., 11V. M. u. Pr , IV. SakramentS-A, 2 Ehr. f. d. Jungsr., 4 Sakraments-Bruderschaft m. Pr., 7S1. u. Segen. MontagV.8Rosenkranz-A. — Stadtpfarrkirche. KV, Korn, 6*/. M., 6*4 M. u. Korn. d. Jüngl., 8 M. u. Pr. (1. Schulgb.), 91/. Pfarramt u. Pr., 11 M. u. Pr. (L Schulgd), 9'4 A. f. d. Jüngl.-Kongreg. i. d. Severikirche. IV, Ehr. f. d. Jungfr., 2V, Bruderschast v. hochw. Gut — Pfarrkirche ,um hl. Geist. *47 Korn., 7 Frühm., 8 Pr.. Amt m. Kom., '/,8 Ehr., SA. — Severikirche. Sonntag» 7,7, werktags 605 M. — Nonnenkirche. Nachm. 2 Herz- Jesu-Bruderschafts-Vers. — Herz-Jefu-Heim. 6 Früh«., 8 Amt m. Pr., 2 «. (Mittw. abends 8 A.) — Frauenberg. 5,6, 87, u. 7 M., 8 BruderschaftSm. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr., nachm. 2 Pr. u. A. f. d. Terziaren mit Ein- kleidung unb Profetzabnahme. Generalabsolutton f. d. Terziaren.
Kl inhelllgkrenz Sonn tag, 19. September. Gottes, dienst um */*10 Uhr. Vorher ist Gelegenhett zum beichten.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 19. September. Borm. 8 und 9V, Sup. Ruhl, 11 Kindergottesdienst
Auszug aus dem Standesamts-Register
des Standesamtes Fulda.
Sterbefälle in der Zeit vom 10.—17. Sept. 1920.
10. September. Maria Elisabeth GenSler, 12 T. 11. Ehefrau Rosa Biel auS Oberufhausen, 58 I. 3 M. 4 T. 11. Karl Bender, 2 T. 11. Gasarbeiter Karl Möller, 42 I. 9 M.18X. 13. Landwirt Joseph Hasenauer auS Besges, 31 I. 8 M. 15 T. 14. Klara Mathilde Wemhöner, ledigen Standes, 33 I. 4 M. 14. Witwe Anna Franziska Hobeck, 53 I. 6 M. 3 T. 14. Anna Weber, 4 M. 10 T. 15. Richard Ebel, ohne Beruf, 20 1.3 M. 8 T. 15. Augustin Riibsam, ledigen Standes, 63 I. 11 M. 19 T. 15. Rentenempfängerin Luise Keil, 80 I. 8 M. 4 T. »
-vuuji. XUJU.J UIC </L<y|VCLiU4iy uuueu, tviuic vi» zum nächsten Margen gewartet werden. Dasselbe ließ Hindenburg dem Vizekanzler von Payer mitt «len. „Den Parteiführern
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amerikanischen Milchkühe Segen mir im rän. Wir haben sie noch nicht; aber schon die Aus. iht auf diese Lieferanten von Mllch und Butter wirkt
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Was man wünscht, das glaubt man gern. So kam h fromme Mär in Umlauf, daß die guten Amerikaner ®is ganze 100 000 Milchkühe schenken wollten. Die Liebesgabe ist nun inzwischen etwas zusammenge- krumpft. Es sind bisher nur 2500 Milchkühe ange- hten, und die stehen augenblickllch noch in den amert« tonischen Ställen. Die müßen nun erst auf der Eisen- ttfjn nach dem amerikanischen Hafen gebracht, bann in räem besonders eingerichteten Schiff verladen, während ^r Seefahrt sorgfälttg betreut werden, bei ber Ankunft ® Bremen ober Hamburg genau untersucht und wahr- ^einlich sogar in Quarantäne beobachtet werden, da- i*it sie nicht gefährliche Viehseuchen einschleppen; bann W)t’s wieder auf die Eisenbahn nach den ausgewühl- rä Standorten. Das kostet sehr viel Mühe, viel Zett viel Geld. Wollen wir die Tiere richtig ausnutzen, 1 brauchen wir Kraftfutter. Die Amerikaner wollen Leblich für jede Kuh bas Kraftfutter auf brei Mo. "tie beifügen. In freundlicher Weise ist ihnen schon zu ^stehen gegeben, sie möchten nur recht viel Kraftfutter Dicken, bas sich viel leichter unb billiger transportieren ht, als bas tebenbe Vieh Dann würben wir bie Evfzucht von Kühen schon selber betreiben.
In diese Transportsorgen möchte ich mich nicht ein» Aschen, sondern nur daraus Hinweisen, wie hoch in "Men Schicksalsjahren die Achtung vor dem Rindvieh
mürbe durch einen Major aus der Obersten Heeresleitung wi 2. Oktober ein Vortrag über die militärische Lage ge- Helten, die »sich in wenigen Tagen grundlegend geändert" habe. So mußte „die Oberste Heeresleitung ben ungeheuer ferneren Entschluß saßen", zu erklären, daß nach mensch- mhem Ermessen keine Aussicht bestehe, betn Fettche kn Frieden aufzuzwingen. Entscheidend für diesen tat*
Preußische Landesversam mlung.
Die unhaltbaren Zustände In Oberschlesieu, bie durch die Willkür und den uebermut Polens unter stillschweigender Duldung ber Ententekonmnsfion hervorgerufen worden sdll>, hoben das Zentrum und die übrigen Parteien ber preußischen Landesversammlung mit Ausnahme ber Unabhängigen bewogen, in einem gemeinsamen An- trog an bie Regierung das Ersuchen zu richten, für die friedliche Berufstätigkeit der deutschen Staatsbürger in OberscUesien Sorge zu tragen und darauf hinzuwirken, baß die Volksabstimmung in Oberschlesien unbeeinflußt von Terror ruhig vor sich gehen kann. , Es wäre unseres Erachtens ber Sache selbst nur dienlich gewesen, wenn die Londesversammlung den ursprünglichen Plan zur Ausführung gebracht hätte, nach einer kurzen Protestkundgebung durch den Präsidenten des Hauses den Antrag anzunehmen. Statt besten fand auf Verlangen ber Deutschnationalen eine eingehend« Aussprache statt, obwohl zur Sache selbst neues nicht gesagt werben kann und tatsächlich auch von keinem ber Redner gesagt wurde. Wohl aber zeigte sich wie so oft schon die üble Begleiterscheinung, daß bie Unabhängigen wieder einmal die Gelegenheit benutzten, ihre vaterlandsfeindliche Haltung zu beweise«. Ihr Redner trat in einer Weise auf, die bie bürgerlichen Parteien zwang, zum Zeichen des Protestes den Saal zu verlosten. Vom Zentrum sprach ber Abg. Dr. Dorsch, ber sich damit begnügte, bie Zustimmung seiner politischen Freunde für den Antrag auszusprechen. Nach- bent der Ministerpräsident Braun seine liebereinstimmung mit den Forderungen ber Antragsteller Ausdruck gegeben hatte, sand der Antrag Annahme.
Aehnlich, wenn auch anders geartet wie in Oberschlesien, liegen bie Verhältnisse im Saargebiet, deren Bevölkerung durch die französische Besatzung in vertragswidriger Weise drangsaliert und schikaniert wird. Auch hier gab ein gemeinsamer Antrag aller Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen den Boden zu einer eindrucksvollen Protestkundgebung ber Landesversammlung gegen die Willkürherrschaft ber Franzosen. Der Antrag verlangt von der Regierung, durch Vermittlung der Reichsregierung, unver- zücstich dahin zu wirken, daß die Saarbevölkerung vor willkürlicher Beschränkung ihrer persönlichen Freiheit geschützt wird unb die durch ben Friedensvertrag und wiederholten Erklärungen der Saarregierung garantierten Rechte und Freiheiten unbedingt sichergestellt werden. Auch in dieser Frage ergab die Aussprache erfreuliche Uedereinstimmung aller Parteien, abgesehen von nebensächlichen Fmgen. Für das Zentrum sprach in eindrucksvoller Weise ber Abg. Dr. Bell, ber den schärfsten Protest gegen die Kette von Rechtsverletzungen und Demütigungen der Saarbevölkerung erhob. Unter lebhaftem Beifall des ganzen Hauses gab er ber Genugtuung Ausdruck, daß die Saarbevölkerung ttotz aller Bedrängnis ihre deutsche Gesinnung treu bewahre. Von ber Reichsregienmg forderte er zum Schluß, daß sie nachdrücklich Vorstellung erheben muffe, damit das begangene Unrecht wieder gut gemacht werde. Für die Demo- traten sprach ber aus Saarbrücken vertriebene Abg. Grautet Der Antrag wurde schsießlich einstimmig angenommen.
Dienstag: Abstimmung über bas Kirchenaustrittsgesetz. Anträge.
Sicherheit jetzt nicht mehr habe. In Bersin hat man tmnals als Weg einer Verständigung mit dem t$einb die Vermittlung einer neutralen Macht und zwar Hollands angesehen. Erzberger wies darauf hin, daß in Holland nach ihm gewordmen Mitteilungen die deutsche Regierung bei sämtlichen Po- Bikern jeden Kredit verloren habe. Einer der maßgebenden Männer habe unter Bezugnahme auf die deutsch-russischen Zusatzverträge erklärt, die Deutschen »klauen noch auf dem Sterbebett". Erzberger schlug für eine solche Friedensvermittlung den Papst vor. Lmnoch wurden die. Versuche mit Holland fortgesetzt, kamen aber zu keinem Erfolg.
Inzwischen war bei unseren Verbündeten eine förmliche Panik infolge des militärischen Miß- Erfolges im 21 uguft entstanden. In Deutsch- land kam die Regierungskrffis und sie fiel zusammen mit der akuten Gefährdung des deutschen Heeres. Erzberger führt zu diesem Punkt folgendes aus:
.Am 1. Oktober sind mir im auswärtigen Amt eine ganze Reihe von Depeschen aus dem Großen Hauptquartier torgelegt worden, bie alle in ber Forderung ßubenborffs gipftllen, „daß unser Friedensangebot sofort hinaus müße." „Heute hielten bie Truppen noch, was
Aufforstung durch Schulkinder ist ein Idee, die in den französischen Volksschulen in ebenso sinniger wie erfolgreicher Weise durchgeführt wird und bei uns nachgeahmt werden sollte. Es haben sich in Frankreich eine große Anzahl von Schüler- Verbindungen organisiert, die es sich angelegen sein laßen, Oedland mit Bäumen zu bepflanzen. Im Departement Jura z. B. gibt es 64 derartige Schüler- Verbindungen, im Departement Doubs 39 In diesen beiden Departements wurden im Vorjahre 334000 Bäume gepflanzt, die eine Fläche von 77 Hektar bedecken. Auch die Bewässerungsanlagen werden von diesen Schäle.Verbindungen hergestell«. Die Freude an der Heimat, das Gefühl der Zusammenhanges mit der Natur, die große Idee, gemeinsam für die Gesamtheit zu arbeiten, dies sind, zugleich neben dem praktischen Nutzen, die großen moralpädagogischen Vorteile der Bewegung, die mindestens ebensoviel Förderung verdient wie die schon etwas allzu emsig gepflegte Bewegung des JugendsporteS.
einigen Puntten sogar mehr erreicht, als von der Obersten Heeresleitung verlangt wurde. Er berichtet weiter, man habe ihm allgemein zu dem großen Erfolg der Verhandlungen gratuliert. Besonders sei man im Hauptquartier in Spaa angenehm überrascht geweien. In einer Konferenz beim General- chusrtiermeister ©tönet erklärte dieser, seine kühnsten Erwartungen seien durch das Ergebnis der Verhandlungen übertroffen worden. Feldmatschall Hindenburg dankte ausdrücklich Erzberger „für die ungemein wertvollen Dienste", die et dem Vaterland geleistet habe.
vermischter.
• Sur 2. Hauptversammlung btt UreuMnbnifftt ftst SSbbeuischlanb Ü9.-20. September) in Stuttgart. Noch sind an vielen Orten bie Schäden nicht gehertt, die bet Krieg den Ortsgruppen des KreuzbündnißeS zugefügl bat. Die weit verbreitete Gleichgiltigkeit gegen ideale Kulturaufgaben trifft das Kreuzt ünbnis besonders schwer, weil viele es angesichts des verminderten Alko» holgenufseS für überflüssig halten. Diese Wirkung könnte nicht einmal ein Alkoholverbot nach amerikanischem Muster haben. Der BlkoholismuS ist nicht eine bloße Vergiftung des VolkSkörpers, sondern eine Krankheit der Volksseele und kann also nur von innen heran» überwunden werden. Wer sich nicht dazu erzogen hat, der Rot des Lebens pefafet ins Auge zu sehen, wird immer in lärmender Lust die quälenden Gedanke» betäuben wollen; wer nicht au8 den edleren Quelle« der Freude zu schöpfen versteht, bleibt auf Sinnengenuß und nervenerregendeS Vergnügen angewiesen. Wer aus dem Wirtshause in fragwürdige Theater und KinoS abwandert, wird dadurch nicht besser, daß er weniger Alkohol genießt. Eine geistige Erneuerung tut uns not, damit nicht das frühere Alkoholelend wiederkehrt, wenn die gesetzlichen Beschränkungen der Alkoholerzeugung fallen. Tanzwut, Kinoseuche, Wohlgefallen an Schund in Schrift und Bild und ähnliche Erscheinungen unserer Tage haben alle mit dem AlkoholiSmus dieselbe Wurzel; darum richtet sich die Arbeit des KreuzbündnißeS gegen sie alle. So aufgefaßt sollte die Nüchternheitsbewegung auch bei Nichtabstinenten auf Forderung oder wenigsten- auf wohlwollendes Verständnis rechnen dürfen. w-
-handelt. Das Pferd galt als Edelmann unter ben A ^deinem; es war sozusagen salonfähig. Zur Hebung or- Pferdezucht würben bie größten Veranstaltungen "tb die gewaltigsten Aufwendungen gemacht. Noch •utiutage, in ber Zett ber Transport- und Kohlennot, *tben eine Unzahl der Wettrennen mit riesigen Prei-
Aus dem Nachbargebiet.
[] Hünfeld. Wie das .Fränkische Volksblatt" meldet hat die deutsche Ordensprovinz der Oblaten in Hünfeld bei Fulda in Kronach (Franken) eine Klosterniederlassung gegründet, die zunächst aus 4 Patres und 1 Frater besteht. Die Patres werden die frühere Franziskan erkl oster- kirch e übernehmen, welche mit den Klostergebäuden im Jahre 1671 erbaut wurde. Die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts hob das Kloster auf, am 1. Juni 1829 wurde der letzte Franziskaner Pater Romanns nach Gößweinstein versetzt, die Stadt Kronach erwarb 1830 vom Siaatsärar die Kirche samt den Klostergebäuden und trat solche 1911 an die kath. Kirchenverwaltung Kronach ab. Die Klosterkirche öffnete sich seit der Säkularisation jährlich nur einmal, am Markustage, zur Aufnahme der Marlusprozession; seit einigen Jahrzehnten wird auch alle Sonn- und Feiertage Gottesdienst darin gehalten.
(fb) Frankfurt a. M. Seit mehreren Wochen wird Frankfurt von polnischen Deserteuren in zunehmendem Maße überschwemmt. Tie Leute treffen ohne Geldmittel ein, steigen in Quartieren in der Altstadt ab und finden sofort bei hie-
I In seinem soeben erschienenen Buche teill Erzberger §it, daß er im Januar 1915 mit dem früheren Oe- intyL »eralstabschef Graf Molt ke eine eingehende Ursprache über die bisherigen milttärischen Operatio- jtf. hatte. Bei dieser sprach sich Graf Mollke recht Aenig zuversichtlich über die gesamte Kriegslage und die Zukunft des deutschen Volkes aus, auch General M Falkenhayn hatte Erzberger schon einige Kochen vorher erklärt, daß der Krieg in seiner Tota- durch die Wendung in der Marne- lacht, die dem deutschen Volke solange gehrim-
sigen Landsleuten Anstellung und Wohmwg. Die Zahl der in Frankfurt anwesenden polnischen Deserteure wird bereits auf mehr als Tausend geschätzt. Dieser Tage holte man aus einem Absteigequartier nicht weniger als 14 dieser Burichen heraus, die erst am Abend vorher hier eingetroffen waren. Es ist bezeichnend, daß diese Gesellen in Frankfurt Wohnung, zum Teil sogar mehrzimmerige, sowie auS- reichende Arbeit erholten, während Tausende einheimischer Bürger sich mit ben ärmlichsten Wohnungen begnügen müssen und seit Monaten erwerbslos sind.
□ Kassel. Als bei einem Appell der Unteroffiziere der Nachrichtenabteilung 11 der Kommandeur die auS disziplinarischen Gründen ausgesprochene Entlassung eines Unteroffiziers mitteilte, stürzte sich der Unteroffizier auf den Kommandeur und verwundete ihn durch mehrere Messerstiche. Der Täter ist sofort festgenommen worden; der Zustand deS Kommandeurs ist ernst,
tzmer unangenehm empfunden, und gleich undankbar tchandell. Erzberger teill mit, daß er schon Ende Ro- nmber 1914 unter Beifügung umfangreichen Materials die amtliche Förderung einer neuen Erfindung für die Herstellung von Tanks empfohlen Hobe. Das Kriegs- chnsterium habe das Anfang Januar 1915 rundweg ^gelehnt. Beschwerden über Zustände an der Front, die allen bekannt waren, habe man ihm Itgenüber aus dem großen Hauptquartier als „baren wsinn" bezeichnet. Besonders das Jahr 1918 sei reich a Illusionen auf militärischem Gebiet gewesen. Erz- krger erhielt aber schon in der ersten Hälfte des iM iliigust plötzlich aus dem Großen Hmiptquartier eine Ägehend» Schilderung namentlich über die Reserven des Marschalls Fach, über welche man die Oefsenttich- lÄ lange irre führte, während diese Schilderung ein Wgemein trübes Bild von der Lage gab. floch Mitte Juli 1918 Halle Ludendorff dem Staats- jekretär von Hintze gegenüber auf seine Frage, ob er Her sei, mit der jetzigen Offensive den Feind endgüllig und entscheidend zu besiegen, mit „einem bestimmten 3a“ beantwortet. Am 13. August mußte allerdings Lldendorff Herrn von Hintze mittellen, daß er diese
Msischsnreserve ist verbraucht. Der Feind ist durch die ameridmifche Hilfe in ber Lage, ferne Verluste zu ersetzen Die Fortsetzung des Krieges muß daher als aussichts- l o s aufgegeben werden. Keine Zeit darf verloren gehen, jebe 24 Stunden verschlechtern die Lage."
Diese Mittellungen machten auf bie Parteiführer einen arnabezu nieberschrnetternben Eindruck. Prinz Max wehrte sich auf das heftigste gegen die sofortige Boi» nähme des FriSensschrittes. Er wollte erst di« neue Re- Snmg bilden, die große politische Reform ber Berfas- gsänbenmg im Innern vollziehen unb dann erst bie ebrnsaktion vornehmen. Er wies auch bie Oberste Heeresleitung darauf hin, baß mit dem Verlust ber deutschen Kolonien, ElsaßEothringens und der östtichen Provinzen des Reiches sicher zu rechnen fei, wenn jetzt die Friedensaktion eingeleitet würde. Hindenburg erklärte aber am 3. Oktober schriftlich, baß „bie Oberste Heereslrittmg auf ihrer am Sonntag den 29. September gestellten Forderung ber sofortigen Absendung oes Friedensangebotes bestehen" bleibe. Die Lage verschärfe sich tägfid) und könne bie Oberste Heeresleitung zu schwerwiegenden Entschlüßen zwingen. Jeder versäumte Tag koste tausenden von tapferen Soldaten bas Heben.
Erzberger fügt dieser Schilderung folgende Worte hinzu: „So ging nicht nur unter milllärischem Druck, fondem auch militärischem Befehl am 5. Oktober die von General Ludendorff im Konzept festgestellte erste Note an Präsident Wilson ab, in der die deutsche Regiemng das in den W i l s o n s ch e n Kundgebungen aufgestellte Programm „als Grundlage für die Friedensoerhandlungen annahm". Die mehrfach geforderte nationale Verteidigung wurde von fämt* lichen milttärischen Stellen, mich von Ludendorsf bekämpft. Am 26. Oktober ist dann Ludendorff zurückgetreten, nachdem inzwischen die Verhandlungen mit Wilson geführi worden waren. Erzberger teill noch mit, daß er sich gegen die Abdankung des Kaisers ausgesprochen habe. Es fei chrenooller für Volk, Kaiser und Reich, wenn es dem Druck von außen nachgebe, statt den Kaiser wegzuwerfen.
Es kam dann der Aufstand von Kiel, der die Lage noch weüer verschärfte. In einer Kabineüs- sitzung vom 6. November forderte der Generalguartiermeister, General Grüner, daß eine entscheidende Niederlage des Heeres unter allen llmständen vermieden werden müsse. Der Reichskanzler erklärte, man könnte nicht mehr länger warten. Freitag den 8. November, vormittags, müßten unter allen Umständen die Verhandlungen mit Marschall Foch aufgenommen werden. Wenn bis dahin noch keine Antwort von Wilson eingegangen sei, müsse die deuffche Delegation durch Hissen der weißen Flage von sich aus die Einleitung der Waffenstillstands-Verhandlung en, evü. die Kapitulation vollziehen. Dieser Beschluß wurde im Kriegskabinett mit roller Billigung der Obersten Heeresleitung einmütig gefaßt, und Erzberger als Delegierter bestimmt.
Die Mtttellungen, die Erzberger dann über den Abschluß des Waffenstillstands $u machen hat, sind von besonderem politischem Interesse. Es heißt da:
„Abends 8 Uhr — am 10, November 1918 — wurde mir ein Funkspruch von ber Obersten Heeresleitung übermittelt, in dem in einer Reihe von Punkten Erleichterungen erbeten wurden; bann lam ber lapidare Satz: „Gelingt Durchsetzung dieser Punkte nicht, so wäre trotzdem abzuschließen." Die Depesche war von Generalfribmarschall von Hindenburg unterzeichnet. Gegen halb 11 Uhr nachts erhielt ich bann bie offene Depesche, daß ich zur Unterzeichnung ber übergebenen Waffenstillstanbsbebingungen berechtigt sei, was mich un- gemein peinlich berührte, ba das Resultat ber zweitägigen Verhandlungen durch bie offene Depesche erheblich in Frage gestellt war. Die Depesche war unterzeichnet: „Reichs- kanzler Schluß." Der Dolmetscher fragte, ob „Schluß" ben Namen des neuen Reichskanzlers bedeute und wer dieser Herr fei; er fei dem französischen Oberkommando unb ber Regierung m Paris ganz unbekannt. Ich gab die Aufklärung, baß „Schluß" Puntt heiße. Nachdem der von uns beabsichtige Protest aufgesetzt war, fteß ich ben Marschall wißen, daß es mir angenehm sei, wenn noch heule nacht eine weitere Sitzung ftattfinben könne. Mar- schall Foch erklärte sich aisbaß) bereit."
Die zweite Sitzung begann nachts 21/« Uhr und bauerte bis 8 Uhr morgens. Die Unterzeichnung begann 5.20 Uhr. Gegen 10 Uhr trafen Offiziere aus dem deutschen Hauptquartier tm Wgld von Compiägne ein. Von ihnen hörten bie Unterhändler, daß die Genehmigung zur Unterzeichnung des Waffenstillstands mit der rätselhaften Unterschrift „Reichskanzler Schluß" nicht vom Reichskanzler erteilt worden sei, sondern von der Obersten Heeresleitung, weil am Sonntag eine Verständigung mit Berlin unmöglich gewesen sei; die Oberste Heeresleitung habe sich nicht'nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet gefühlt, die Genehmigung au8 eigener Initiative zu geben; nachdem die Depesche abgegangen sei, habe der Reichskanzler zugestimmt und sich mit den getroffenen Maßnahmen einverstanden erklärt. Erzberger erklärt, er habe in
ping feien einmal bie in unerwartet großen tretenden Tanks und resttos entscheidend sei schließlich die Ersatzfrage geworden. „Unsere letzte
Krame darauf an, daß das Angebot spätestens Mittwoch «locht ober Donnerstag früh in den Händen der Entente lei. Nur wenn es dem Prinzen Max gelinge, in ber Nacht noch die Regierung zu bilden, könne bis zum nächsten c0" Minnen oemartet merben. Dasselbe kiek AitiÄenfiurn hem