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VerantworNich für den rebattion. Teil Redakteur K. Schütte n für dir Anzeigen: I- Parzelter-Fuida. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Srcitag, 17. Sept 1920.
Bezugspreis: Monatlich 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda
bei unsabgeholt3,15 Nk. Anzeigenpreis: DieKleinzeilr Aff Inhrfl ’ ---- die Reklamezeile TUJUIJiy
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Tie katholische Woche in Würzburg.
Der neue Typ des »kleinen Katholikentages".
E Würzburg, 15. Sepl. 1920.
Daß die alten gewaltigen Tagungen der allgemeinen Katholikenoersammlungen in unserer Zeit der Ernährungs- und Verkehrsschwierigkeiten nicht mehr durchzuführen waren, darüber herrschte schon lange Uebereinstimmung. Aber was würde der neue Versuch bringen? Das fragte man sich seit Wochen, und mancher bedenkliche Geist glaubte nicht allzuviel erwarten zu dürfen. Die Schätzungen über die Teil- nehmerzahl bewegten sich zwischen 100 und 300, und die ganz Klugen, glaubten sich auf die goldene Mittelzahl von 200 festlegen zu sollen. Die Wirklichkeit hat alle diese Schätzungen noch übertroffen. Mt Vefriedigung haben die Herren an der Stoffe festgestellt, daß bereits zu der ersten Vvrmittagsfitzung rund 400 Voll-Mitgliedskarten abgesetzt waren.
Auch die Zahl und der Besuch der Einzelversammlungen, welche den allgemeinen Besprechungen vorausgingen und sie begleiten, ist über die ersten Schätzungen west hinausgegangen. Eine feste Statistik liegt nicht vor, aber nahezu 3 Dutzend Einzel- besprechungen werden doch stattgesunden haben.
Was die Zuhörerschaft in dem großen Hut- tenfchen Saal angeht, so weist sie naturgemäß einen etwas stärkeren Einschlag des geistlichen Elementes auf, als wir es bei den alten Katholikenversammlungen gewohnt waren. Die waren ja mehr ungeheuere glanzvollste Volksmassenversammlungen geworden; sachliche Verhandlungen fanden fast nur noch in den Stommissionen und zusammenfaflend in den geschloffenen Versammlungen statt. Heute steht die ruhige, fachliche Verhandlung wieder im Mittelpunkt. Bei der Auswahl der Redner und auch der Vor.ragsthemen braucht nicht die Stärke der Stimme und die Maffen- suggestion ausschlaggebend zu fein. Nein, die schwer- ften und verwickeltsten Probleme werden in großzügigem Referat eingehend erörtert, und in lebhaften Debatten kommen auch die Erfahrungen und Ergänzungen aus anderen Gegenden, anderen Verhältnissen zu Geltung und Ausdruck.
So war es gleich nach dem einleitenden Vortrag den den innersten Menschen erschütternden Appell des Dr. Pieper vom Bolksverein, wie auch bei den folgen- den Ausführungen über unsere Missionen, sowohl die „innere" bei uns selbst, in unseren Gemeinden, wie auch die Missionen in den Heidenländern. Noch mehr aber bei den (Erörterungen über die Schul- und Erziehungsaufgaben. Eine schwere Ausgabe hatte sich der Katholikentag noch gestellt in den beiden Themen, die am letzten Tage verhandelt wurden: Die Bestrebungen zur Verweltlichung der Caritas und die (Erneuerung und der Schutz der Jugend; zwei Gebiete, auf welchen die katholische Kirche Jahrhunderte alte Verdienste und weltumgestaltende Verdienste aufzuweisen hat, und die ihr jetzt plötzlich streitig gemacht werden solle». In einem erschöpfenden Vortrag gaben der Kölner Gymnasialdirektor Dr. Stört) und der tatkräftige Vertreter des Caritos-Der- bandes in Berlin, Dr. Kreutz, einen Ueberbluf über alles, was bisher hier geleistet wurde und wie dies auch durch die neuen gesetzlichen Maßnahmen nicht ersetzt und aufgehoben werden kann. Aber auf der Warte müssen die Katholiken fein, sie müssen mittun und sorgen, daß die großen Mittel und Möglichkeiten, welche die Neugestaltung Deutschlands bieten, nicht ihrem Einfluß entglesten ur.’) gegen sie ausgespielt werten. Die anschließende außerordentlich lebhafte Debatte zeigte, wie tiefgehend das Interesse auf diesem Gebiete ist und daß die neue Zeit auch neue Strafte auf dem Platze findet. Aehnlich war es bei der Besprechung des Iugendschutzes, wo zwei Damen, Frl. Engelhard, die Vertreterin der weiblichen Iugendver- ebte, und Frl. Buskowska, die Vertreterin des Kath. Frauenbundes in München, fein abgestimmte Referate «statteten.
Der offizielle Abschluß brachte die offentsiche Der- fmnmlung, die den großen Huttenschen Saal wieder bis 'm die letzten Ecken gefüllt sah. Zuerst galt es hier, die durch den langen Krieg etwas erschütterte Organisation wieder aufzubauen, wobei in herzlichen Dantes« Worten der großen Männer gedacht wurde, unter deren Arbeit die deutschen Katholiken und ihre Innungen in den letzten Jahrzehnten groß geworden sind. Als letzter hochverdienter Funktionär des Zentralkomitees würde der 88jährige Graf Droste-Difchering Zum Ehrenmitglied des Zentralkomitees ernannt, wäh- hrend die akttve Leitung auf Fürst Aloys Löwenstein übertragen wurde. Die Beschlüsse der vorhergehenden Versammlungen wurden in einer ein« Jigen Sammelreoision verkündigt und Wit lebhaftem Beifall entgegenaenommen. Tiefe Erregung aber durchzitterte die Versammlung, als Dr. Porsch die Stellung ter deutschen Katholiken gegenüber den anderen Nattonen und den Frietensbestre- bungen barlegte und im Namen ter Gerechtigkeit eine entere Behandlung forderte, als sie uns seitens unserer Gegner bis zu diesem Tage zuteil wird. Wir haben über die Rede gestern ausführlicher beruhtet, wie auch über die Reden des Geheimrats D y r o f f von Bonn, ter die Aufmerksamkeit ter Katholiken auf fiferarifthem Gebiete schärfte und des Prof. Wunderle, ter nochmals alles zusammenfaßte, was ter (Erneuerung des Volkes dient.
Damit war die große Arbeit glückfich zu Ende geführt. Noch klangen Grüße und Dankeswünsche hin und wieder und dann schloß die herrliche Tagung in bekannter echt katholischer Weise: Großer Gott, wir loben Dich — diesem Ziele werden immer die deutschen Katholiken dienen! -
Kanzlerreise zum Reichspräsidenten.
Reichskanzler Fehrenbach begab sich Tonners- hg abend zum Besuch des Reicheprändenren nach fjvenbenftobt- Halbamtlich wird dcnn aeia t:
.Der Besuch des Reichskanzlers in Freudenstadt wird bei Besprechung aller schwebenden poli- is hen Fragen dienen. Die Derrnutunaen. die in 6erl inbung mit dieser Reise über eine angebliche 83er- Härtung der inneren Lage angestellt werden, sind, wie vir feststellen können, ohne Grundlage Insbesondere >at die Frage des Eintritts der Sozialdemokraten in die Regierung bisher Beschlüffe des
Kabinetts nicht erforderlich gemacht. Eine Anregung in dieser Beziehung von feiten der sozialdemokratischen Partei ist bei dem Kabinett nicht erfolgt*
Die Lage in Oberschlesien.
Nach den letzten Meldungen aus Oberschlesien mehren sich dort die Anzeichen für di« in der deutschen Note an General Lerond erwähnte, unmittelbar bevorstehende polnische Aktion. Die Polen erklären ganz offen, daß sie innerhalb 2 Wochen ganz Oberschlesien fest in der Hand ha- den werden. Die polnischen Grubenarbeiter drängen zu einem neuen Streik, der wahrschenülch mit den angekündigten polnischen Putschabsichten zusammen- hängt Die Entfernung des den Polen unbequemen ftalienischen Militärs wird offenlldh in Versammlungen gefordert.
Aufruf des deutschen älbffimmungsfommiffatiafs.
Das deutsche Plebiszitkommissariat für Oberschlesien weift in einem Aufrufe darauf hin, daß die Deutschen im Derttauen auf die interalliierte Kommission ihre Waffen abgegeben haben, daß die interalliiert« Kommission, obwohl sie wiederhoü hr der dringendsten Weise darauf hingewiesen warten war, daß die Polen nur einen Teil der abzuliefernden Waffen abgegeben hätten und ein gewaltiger organisierter Waffen- schmuggel aus Polen bestehe, nichts Wirksames zum Schutze der unbewaffneten Deutschen getan hat. Die polnischen Mordtaten tjaten noch immer nicht ausgehört. Tausende von Deutschen haben vor den Polen flüchten müffen. Obwohl die Deutschen in all ihre» Hoffnungen auf Schutz und Gerechtigkeit betrogen sind, wollen sie hn Vertrauen auf die Kraft und Gerechtigkeit ihrer Sache auch weiterhin die Zurück- Ha l t u n g ü b e n, die bisher so übel gelohnt worden ist. Die Verantwortung für alle kommenden Ereignisse ruht auf der interalliierten Kommission.
Der Termin ter Abstimmung.
Die „Dossische Zeitung* meldet über eine L'uer- rebung ihres Berichterstatters mit General Lerond, trt deren Verlaufe der General über den Termin der Abstimmung in Oberschlesien sagte, daß die letzte Entscheidung darüber bei dem Botschafterrat in Paris liege, an den die interalliierte Kommission von Oberschlesien ihre Vorschläge zu machen habe. Der General betonte, daß keine Abstimmung stattfinte, bevor nicht Ruhe und Ordnung hn Lande herrsche. Nach ter Mitteilung des Berichterstatters kann damit gerechnet werden, daß, wenn nicht wehere Zwischenfälle ernster Natur sich ereignen, die Abstimmung m ter zweiten Nooemberhälfte stattfintet.
Rücktritt D-schanels.
wtb Paris, 17. Sept. (Tel.) Wie das „Journal* meldet, hat Präsident Deschanel gestern Millerand sein Rücktrittsschreiben einge» reicht. Den Mitgliedern des Senats ist telegraphisch von dem unmittelbar bevorstehenden Zusammentreten des Parlaments Mitteilung gemacht worden.
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Der Rücktritt Deschanel erfolgt wegen der anscheinend unheilbaren Nervenkrankheit, an der der Präsident feit seinem Eisenbahnunfall leitet. Nach der Staatsverfaffung muß 48 Stunden nach dem Rücktritt des Präsidenten di« Nationaiverfammlung .(die Vereinigung der beiten Sammern) zusammentreten, um den Nachfolger zu wählen. Der Ausfall der Wahl hänat von ter Stellunanabme des M'misternräfidenten Millerand ab, ter Über die Mehrtest im Parlamente verfügt. Der „Matin" und das „Eido de Paris* versichern bestimmt, daß Millerand selbst nicht Kandidat sein werde. Namen, die genannt werten, sind Poin« car6, ter ehemalige President, General te Castelnan, Leon Douraeois und Ionnart, der frühere Gouverneur von Algerien. Nach den bisherigen Berichten scheint man sich in Frankreich wegen ter Wahl nicht besonders aufzuregen. Auch die letzte Wahl im Anfang dieses Jahres ging ziemlich ruhig und glatt vor sich; ater die vorletzte, die kurz vor Ausbruch des Weltkrieges stattfand, brachte einen scharfen, aufregenden Kampf zwischen Poincare und Pams. Der erstere siegte, und er zeigte bald, daß auch in ter Republik ein ehrgeiziger und rühriger Staatspräsident einen großen Einfluß erlangen farm, 'wenigstens in derhohen Politik. Poincare hat befanntlid; durch seine Fahrt nach Petersburg und durch die Auswahl der Minister wesentlich baiu beigetragen, daß die von König Eduard narbe- rettet« Einkreisung Deutschlands zur Vollendung gediehen war, als das Attentat von Sem- iewo den großen Konflikt herbeiführte. Jetzt hat Frankreich gesiegt, und der neue Stac^mörrbent wird die Ausbeutung des Sieges wohl den Ministern über« lasten können. Mi11 erand, der Ministerpräsident, wird vorläufig die Beutepolistk in ter bekannten, für uns sehr unangenehmen Weise weiter führen. Er könnte ollem Anschein nach selbst Staatschef werden; ater er hat offenbar mehr Neigung tum Arbeiten und Kämpfen, als zur Repräsentation, die ter erkrankte Präsident, Deschanel, als sein Lebenselement betrachtete.
Wo sie die Macht haben.
Tie sozialistnche Mehrheit der Sradtgemeinde Berlin geb*, wie wir bereits mehrfach daraetan haben, mit einer geradezu unerhörten Rücksichtslosigkeit daran, die soziaissiische Tik'alur zu verwirklichen. Sie geben sich gar keine Mübe, ihre gewalttätigen Pläne irgendwie zu veitivcben und niemand muntert sich auch über sie. Aber als ein Alarmsignal mußte doch die Ta'ache wirken, daß diese ioziali i'che T kta rir gleich den Kampf um die Schule in der rücksicht-lo eben Wei e aufnimmt. Man bö;c. was das Bersin er Crgon der Unabhängigen, die .Freibeitt, ru der Auflehnung aller cläubig gesinnten Katholiken, Protestanten und Iira- Htten gegenüber der Aufzwinguna des Sckr ftstellers Lo'wmstein als Stadrschulrat fa t;
„Cs handelt sich nmb heraus gesagt um den Kampf für die weltliche Schule, den wir führen und gegen den sich die bürgerlichen Kreise zur Wehr setzen, weil sie die alte, permutierte und geschichtsfälschende
Schule behallen wollen. Sie würden diesen Abwehrkampf bestimmt auch bann führen, wenn wir ihnen einen Kandidaten präsentieren würden, der nicht geborener Jude ist und sogar ein Staatsexamen gemacht hätte. Darüber wollen wir uns klar fein. Das Ansin- neu, das eine Abordnung der Lehrerschaft an unseren Kandidaten gestellt hat, er solle freiwillig zurücktreten, ist daher, gelinde gesagt, eine Naivität. Genosse Dr. Loewenstein hat, solange er Mitglied unserer Partei ist, gar nicht das Recht, freiwillig von der ihm übertragenen Kandidatur zurückzutreten. Er wird zwar einer, äußerst schweren Posten zu behaupten haben, aber er kann versichert fein, daß die Partei hinter ihm steht i.nd mit allen Mitteln die Saboteure feiner Tätigkeit zur Räson bringen wird. Wenn die bürgerlichen Kreise mit einem Lehrer» und Schüler st re ik drohen, so werden wir durch Drohungen uns nicht irre machen lasten, das zu tun, was unsere Pflicht ist. Das Prole- tariat wird zu zeigen haben, daß es Machtpositio« ntn unter allen Umständen zu halten weiß*
Tas Bürgertum weiß nun, woran es ist, und wessen es sich von den Sozialisten, dort, wo sie die Macht haben, zu versehen bat!
Preußische Landesversammlung.
Am Mittwoch begann die Landesversammlung mit der zweiten Beratung des Gesetzentwurfs über die Um- l e g u n g v o n G r u n d st ü ck e n. Zu der Vorlage liegen eine Reihe Abänderungsanttäge vor. Als erster Redner sprach der Abg. Weißermel (Dnat.), der dem Gesetz zustimmt, es aber für abänderungsbedürftig erklärt und seine rasche Verabschiedung wünscht. Aehnlich sprachen sich die weiteren Redner aus. Das Gesetz wurde in zweiter Lesung mit wenigen Aenderungen angenommen.
Danach verhandelt das Haus über die (Erleid)ferung des Austritts aus der Kirche und den jüdischen Syna- gogengemeinden.
Nach der Kommissionsfastung hat der Austritt beim ; Amtsgericht des Wohnsitzes zu Protokoll des Gerichts- i schreibers zu erfolgen oder muß in öffentlich beglaubig« i ter Form eingereicht werden. Die rechtlichen Wirkungen j der Austrittserklärung treten einen Monat nach (Ein» ! gang der Erklärung beim Amtsgericht ein. Bis dahin > kann die Erklärung zurückgenommen werden. DasAmts- gericht hat von der Abgabe und der etwaigen Zurücknahme der Austrittserklärung den Vorstand der Religionsgemeinschaft zu benachrichtigen. Die Austritts, ertlärung bewirkt! die dauernde Befreiung des Aus- getretenen von aßen Leistungen für die Religionsgemeinschaft. Die Befreiung tritt ein mit dem Ende des laufenden Steuerjahres, jedoch nicht vor Ad- lauf von drei Monaten nach Abgabe der Erklärung- Für das Verfahren werden Gerichtskosten nicht erhoben. Die wichtigsten Abänderungen der Regierungs- Vorlage bestehen also in der Einführung einer einmonatlichen Ueberlegungsfrift und in der Ausdehnung der Steuerpflicht bis zum Ende des Steuerjahres, mindestens aber auf drei Monate. Diese Bestimmungen wurden von den Rednern der Sozialdemokratie, 2lbgg. Lübeck und Ad. Hoffmann als so schwerwiegende Verschlechterung der Verordnung der Volksbeauftrgaten bezeichnet, daß sie von ihrer Beseitigung die Zustimmung zu dem Gesetz abhängig zu machen wollen erklärten. Abg. Aaßdenter (Ztr.) erklärt die Zustimmung seiner Partei. Wenn sie auch nicht mit allen Einzel- beiten einverstanden sei» die Vorlage sei immerhin eine Verbesserung gegen die alte Verordnung, aus der lediglich die Gegnerschaft gegen die Religion spreche. Abg. Prelle (SBelfe) gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Austtittsbeweaunq nicht mehr um sich greife und stellenweise mehr Eintritte wie Austritte erfahren. Abg. Rate (Sem.) erblickt keine Beschränkung der Gewissensfreiheit darin, daß man einem Austretenden ©ele-e-v beit gibt, sich die Sache nochmals zu überlegen. Abg. £im (Dnat. Dv.) und Abg. Stentel (D. Np.) batten die Ueberlegungsfrift für notwendig, ebenso die Sfeueririft für das laufende Jahr Die Debatte dauerte stunden- lang und entete mit der mir wenig geänderten Annahme der Auslch-ißbe'chlüffe .
Freitag: Anträge und Debatte über Oberfch'esien und das Saargebiet
Deutsches Reich.
** Berlin, 16. Sep'. Tie erfte große loziof- polilttche Vorlage, die dem Reichstage zugeben soff, wird die gesetzliche Einführung des acht stündigen Arbeitstages bringen, der bisher nur in einer Verordnung der Volksbeauslragten begründet war. — Heute sieaann in Paris die Tonan konteren z.
* 3m ReWjsraf tarnen die großen Schwierigkeiten zur Sprache, die sich der Durchführung der neuen B e- folbunasorbnung entgegenstellen. Beruhigend wird die Erklärung des Finanzministers wirken, daß die Vorschußzahlungen unbeeinflußt davon weitergehen. Da der Finanzminister besonders über das Verhalten des Doftministeriums Klage geführt hatte, bas den vorliegenden Entwurf einer Besoldungsordnuna verworfen bat. führte ein Vertreter her Post darüber Beschwerde, daß diese Gegensätze innerhalb der R-gieruna d-e bis. her stets geheim gehalten wurden, in die Oeffentlichkeit gezogen worden sind. t
ßus KirN und 8cku!e.
t Fulda. InHamm starb hn kräftigen Mannesalter nach schwerem Leiden ter auch in der Diözese Fulda bekannte Dechant Albin Sandhage. Er n-ct mehrere Jahre Pfarrer in H e i ft e 11 e an her Weser. In Hamm hat er 23 Jahr? gewirkt Psarr- geistlichkeit, Kircheiworstano und Gemeindevertretung widmen ihm einen Nachruf, in dem es heißt: „In rast- loser Tätigkeit hat er fein ganze Kraft dem Wohle der St. Agnes-Pfarrei gewidmet. Was er in echt priesterlichem Idealismus für die Hebung des Gottesdienstes, für den Ausbau des Dereinsletens, für die Forderung aller Werke ter Caritas und für die Verinnerlichung des religiösen Lebens gewirkt hat, wird unvergeßlich bleiten. Durch feine persönliche Liebenswürdigkeit und feinen weiten, vorausfchauenden Blick bat er den kirchlichen Körperschaften die Mitarbeit leicht und fruchtbar gemacht.* R. i. P.
aus dem nedj wncNct.
— Lauterbach. Ein neuer Industriezweig bat sich nach dem ,Lauterbacher Anzeiger'in unserer Stadt gebildet, eine mechanische Wollweberei G. m b. V).
? Houau. Nach einer dem Kreistage deS Land« frei e? Hanau zugegangenen Vorlage des Kreisaus» schusies beabsichtigt der Landkreis Hanau die Auf«
»ahme einer weiteren Anleihe von 4 Millionen Mark für Zwecke des Ausbaues der elektrischen Uederlandzentrat«, die bekanntlich Anschluß an das großzügige staatliche Mainkraftwerk finden^ wird. Für den Ausbau der Ueberlandzentrale hat der Landkreis Hanau bt5 jetzt 5 Millionen Mark ausgenommen, sodaß mit den jetzt angeforderten vier Millionen der Gesamtbedarf sich auf neun Mill-onen Mark stellen wird.
Aus Oberhessen unv den Hess. Aemtern.
A Kirchhain. Die im Mosebach'scheu Saale abgehaltene GeneralversammlungdesBauern- Vereins für den Kreis Kirchhain beschäftigte sich mit der Preisfestsetzung der für die Minderbemittelten im Kreise zu liefernden Karloffern und der Regelung der Verteilung in den einzelnen Gemeinden. Es wurde einem Preis von 18 M. zugestimmt. Für die anderen Kartoffeln sollen höchstens 25 Mark genommen werden, damit der Ansicht, besonders im Hinblick auf die beseitigte Zwangsbe« wrrtschaftung der Kartoffeln, daß die Lanowrrte die Preistreiber seien, endlich die Spitze abgebrochen würde. Die von Nichtlandwirten aus kaufmännischer Grundlage herausgerechneten Getreide» und Kartoffelerzeugerkosten stellten sich zwar hoher, aber die Landwirte seien solchen Rechnungen adgold. Bemerkt lei, daß für die Minderdemiitellen im Kreise rund 7000 Zentner benötigt werden.
Thüringer Katholikentag.
Unser« demokratische Zett drängt auf nachhaltige Einwirkung und möglichst restlose Erfassung bei Massen. Die Entfesselung vieler glaubensseindlicher Kräfte, die wir als Folge des neuen Zeitgeistes schon allent- halben sich auswirken sehe«, macht es notwendig, daß auch aus religiösem Gebiet überall Massen aufgeboten werden, um ter anstürmenden Flut feste Dämme entgegenzustellen. Von diesen Gedanken ausgehend hat man seit einiger Zeil überall kleine Katholikentage Der» anstaltet. Von besonderer Wichtigkeit und Bedeutung sind derartige Kundgebungen für die Katholiken der Diaspora. Zerstreut unter vielen Anters- gläubigen lebend, sind sie tagein tagaus in ter Minderheit. Das ist bedrückend. Das wirkt lähmend zurück auf katholische Tatkraft. Es ist nur zu begreiflich, daß sie auch einmal aus dieser Minorität herauswolle« und auch einmal .ajorität sein wollen. Die Gelegen- dagu bildet ter Katholikentag. Da bekommen unsere Diasporakathoiiken ein Stück, wenn auch nur ein klei» nes, ter streitenden Kirche, ter erd- und EkMMst spannenden Weltkirche zu sehen. Sie fühlen sich viel lebendiger als sonst zugehörig zu der großen katholischen Glaubenssamilie, sie verspüren etwas von der lathol. Lust, die sie daheim entbehren müssen. Getröstet, gestärkt, gestählt gegen di« religiöse Vereinsamung nehmen sie alle diesen Eindruck mit nach Hause, gewiß ein großer nicht zu unterschätzender Gewinn, besonders wenn die Begeisterung durch die geordnete Seelsorge aufgefangen und weitergeleitet wird. Ohne Zweifel gilt das in hervorragender Weise von dem T h ü r in ger Katholikentag ,ter am 12. Sept, in Weimar stattsand. Herrlicher Sonnenschein lag über ter vornehmen Residenzstadt; vom frühen Morgen an brachten die Züge die zahlreichen Teilnehmer aus ter weiten Thüringer Diaspora von 4 Diözesen und nicht wenige von ihnen vereinigten sich mit den Katholiken von Weimar an ter Kommunonbank. Ungefähr 30 Fahnendeputationeir, darunter 4 Stutenten« korporationen aus Jena und Halle in Wichs geleiteten den Hochwürdigsten Herr Bischof mit ter Geistuchke t in die Kirche, wo um 10 Uhr das feierliche Pontifikalamt begann, als Ehrendiakon« fungierten die Herren Pfarrer Bre tung und Wehner. Nach dem Evangelium bestieg, ter zugleich als Presbyter afsistens fungierende Herr Domkapitular Leicht aus Bamberg, die Kanzel zur Feftpredigt, in der er den das geräumige Gotteshaus b s auf den letzten Platz füUenben andächtig lauschenden Zuhörern in glänzenden Ausführungen Christus schilderte, als den Weg, die Wahrheit und das Leben. Der Kirchenchor unter Leitung des Herrn Lehrer Freier verherrlichte in musterg ltiger Weise den Gottesdienst durch die liturgischen Gesänge. Nach ter kirchl. Feier wurde ter Hochw. Herr Bischof in feier» sicher Weise durch die angrenzende Straße zum Pfarrhaus zurückgeleitet. Die Versammlung am Nachmittag tagte in den Räumen des Nationaltheaters, worin f. Z. die Nationalversammlung getagt hatte. Das Haus war überfüllt. Auf ter Bühne hatten ter Bischof und neben ihm ter Reichskanzler Fehrenbach sowie die Geistlichkeit Platz genommen. Die Rückwand zierten di« Fahnen und Standarten ter Vereine. Nach einem weihevollem Orgelpräludium und 2 gemischten Chören (Lobet den Herrn und Salve Regina) folgte der von dem bekannten Schriftsteller Franz Herwig, Weimar verfaßte und von Herrn stud. rer. pol. Georg Große schwungvoll vorgetragene Prolog, in dem zum Ausdruck kam, daß es sich jetzt um die Entscheidung handle, ob Christ ober Antichrist den Sieg in der Welt davontrage, da ter letzte Kampf beginne. Pfarrer Breitung (Weimar) sprach alsdann Worte warmer Begrüßung für den Bischof und für Exzellenz Fahren- bad), denen die Versammlung eine stürmische Ovation bereitete, freudig begrüßte er seine geistlichen Mttbrü- ter und alle erschienenen Frauen und Männer aus Thüringen. Alsdann wurde Vermeffungsdirektor Siebert (Weimar) zum Versammlungsleiter gewählt, der dem Profeffor p. Cohaus S. J. (Breslau > das Wort zu fernem Vortrage, Christus in der modernen Welt, erteilte. Zurück zu Christus — das war schon ter Leitgedanke ter Feftpredigt am Morgen, das war auch ter Inhalt dieser gewaltigen Apologie des Christentums. In geistreichen Ausführungen stellte ter Redner die Zeit Christi in Parallele zu unserer Zett, wie damals das Heil ter Welt geworden fei durch Christus — so könne auch jetzt die Welt nur genesen durch die Befolgung der Lehren des Christentums. Eine solche Rede muß man hören. In einem kurzen Zeitungsartikel läßt sich ter reiche Inhalt nicht wieher« geben. Hier sprach ein Mann, der die moderne Wett, ihre Philosophie, ihre Grundsätze, ihr« ganze Lebensart kennt und aerobe darum mit zwingender Straft den