Nr. 215.
Verantwortlich für den rebattion. Teil Redakieur K. Lchütie n für die Slnuetgen: I. Parze''er-Fulda. - Rotationsbmck u. Verlag der Fuldaer ülctlenbrutferef in Fulda Fernfvrecher Nr. 0 T'>irar.«9Ibrefff: Fu ' do - r Zeitu na
Donnerstay, 16. Sept 1920.
Bezugspreis: Monatlich 3,00 Ml. oijne 3ufteUgebühr. In Fulba bei uns abqeholf 3,15 Mt. Anzeigenpreis: Die St । ein gelte (Colonelmatz) 63 Pfg„ u. 13°« ZMchlag, die Reklame zelle (lertbreite) 1.80 Mk., u. 100,o Zuichlac, Bei Wiederhol Rabatt.
47. Zahrg.
Sie katholische Woche in Wär,bürg.
D Würzburg, 15. Sept. 1920.
Zu Beginn der Miitwochsntzung wuden Neu» wählen deS Zentralkomitees aetitigt. Ter la» jährige Vorsitzende zu Tro'te-Viichering hat wegen feines hohen Alters den Vorsitz nieder- gelecst. Ebenso ist der Verleger Fran; Bachem, Köln, ausqe-chieden. Eine Anzahl anbei er Muniie- der iit dem Zentralkomitee durch den Tod entr.ssen Die bisherigen Mitglieder wurden ein limmig wieder gewählt. Neu sind zugewählt die Herren W:n- nand-Aachen, Geheimrat Trimborn-Köln, Ockonom'e- rat Herold-Münster. Abt Weber St. Onil en, Pio- fessor SwualsksiBraunsberg, Chefredakteur Dr. Ho'» ber-Köln, Landaerichledirektor Dr. Walt---r-Ellwan- gen, Vorsitzender der Bontfanusvereine, Graf Sioll- bera-Wenkeim, Vorsitzender der westdeutschen Arbeitervereine Otto Müller-M.-Gladbach, Genernlp-äses Schweitzer, Generalpräles Mosteit, Minister Oswald München, Vorsitzender des Augustinus-Vereins, Verleger Lensing-Dorimund.
Das erste Verhandlungsthema der heutigen Sitzung lautet: „Unsere Stellungnahme zu den Verweltlichungsbestrebnngen der Caritas Reserenren sind Gymnasialdirektor Dr. Äortz (Köln) und Caritasdlreklor Kreutz (Beilin)- Die Ausführungen der beiden Redner bewegien sich in folgenden Gedankengongen:
Seit Jahren begegnen wir Strömungen, welche daraus hinzielen, die Kirchenliebestätigkeit zu verweltlichen bezw. durch Beamte zu ersetzen. Die treibenden Kräfte sind religiös gleichgültige oder religionssetndliche Kreise. AuS der beabsichtigten Berweltltchung oder Beramt. lichung der Caritas erwachten Gefahren und Nachteile sowohl der menschlichen Gesellschaft, bet Kirche, der Caritas selbst, als auch dem Staate. Wir Katholiken muffen daher unsere Stellungnahme zu den Vcrwelt- lichun 'sbestrebungen dahin fassen, datz wir Freiheit für einzelne Personen und Vereine in Ausübung der christlichen Caritas, Zulassung der Caritas zur Beratung und Durchführung der öffentlichen Fürsorge, staatliche und städtische Förderung und Unterstützung der Liedestätigkeit besonders auch bei der Steuergesetzgebung fordern. Wie wünschen ferner eine Zusammenfassung oller katholischen LiebeS- weike und Vereine zu einer starken Organisation. Daher ist rückhaltlose Anerkennung und tatkräftige Forderung beS katholischen CaritaSve banbeS ein dringendes Erfordernis der Zeit. Die Ausführungen beider Redner fanden lebhaften Beifall.
Das zweite Thema lautete: „Erneuerung und Schutz der Jugend". In drei Referaten wurden bte.e bedeutungsvolle Frage behandelt und zwar für die männliche Jugend von Generalpräses Mo tert, für die weibliche Jugend von Fräulein Engelhardt (Paderborn) und Fräulein Buszkowska.
Die mit großem Jntereffe aufgenommenen Ausführungen lassen sich in folgende Leitgedanken zusammen- fassen: 1. Erneuerung der Jugend: Die erneuernden Kräfte, die in der Jugend von heute liegen, durch liebe- volles Verständnis erfassen und erzieherisch auswerten. Schutz der Jugend: Die Strömungen innerhalb der modernen Jugend klären und ihre Auswüchse beschneiden. 2. Erneuerung unserer Lebensweise im Familienleben und im Organisationsieben; Schutzaufgaben der Frau: »Christianisierung der Freude". Durchdringung des Gemeinschaftslebens mit Liebe.
Beide Vorträge fanden lebhaften Beifall. Auf Empfehlung von grl. Oberlehrerin Schmitz (Aachen) trat die Versammlung einer vom Verein kath. deutscher Lehrerinnen gefaßten Erklärung gegen die Belassung verheirateter Lehrerinnen im Amte bei.
Der Vorsitzende Fürst Löwenstein teilt mit, datz daS Zentralkomitee im Einvernehmen mit den Referenten beschloffen habe, die in den Referaten gegebenen Anregungen niederzulegen in einer
Entschließung:
In dieser Resolution gedenkt der Vertretertag der ka- thoüschen Organisationen Deutschlands in innerster Teilnahme an dem schweren Geschick unseres Volkes bet zahllosen Toten, die für Vaterland und Volk
Die perlen der Eggenbrechts.
35] Roman von Alexandra von Bosse.
„Es scheint fast so," gab Silvia lächelnd zu. .Hilde erkLrte, sie würde es als persönliche Kränkung auffassen. wollte ich bei ihrer Hochzeit fehlen, und so versprach ich ihr, am achten September in Holten einzutreffen."
„Am achten ist Empfang der Gäste und gemütllcher Familienabend, am neunten Polterabend und am zehn- ten die Hochzeit," zählte Alice auf. „Es wird ein großes Fest werden, denn alles, was Eggenbrecht heißt von Adam her, ist eingeladen worden. Bin nur neugierig, wie sie alle Gäste unter bringen werden."
„Es soll ein großes Haus fein."
„3a, ein alter Kasten und sehr geräumig. Man wird für die Gäste aber doch wohl den alten, sonst unbe- wohnten Flügel bereitstellen und alles sehr großartig machen. Die Holtener Eggenbrechts sind ja mehr als wohlhabend."
Alice schwieg einige Augenblicke wie nachdenklich, bann fügte sie mit leisem Auflachen hinzu:
„Ra, wenn Du hinkommst, wird Wolf ja Gelegenheit finden, seinen Antrag anzubringen."
„Was? — Was meinst Du?" fragte Silvia, die glaubte nicht recht verstanden zu haben, und scheinbar erschrocken legte Alice sich zwei Finger auf den Mund:
„Vergiß, was ich sagte, ich hatte aus Versehen laut gedacht, das passiert mir manchmal."
Ganz rot wurde plötzlich Silvia, jetzt erst Alices Worte ganz erfassend.
„Was für einen Antrag?" fragte sie schnell.
„Ach, deswegen brauchst Du nicht zu erröten," (achte Alice, „es ist nur . . . nun ja, neulich sagte Wolf — vielleicht zum Scherz — er würde Dich sogar nötigenfalls heiraten, um die Perlen auch ohne Prozeß wieder nach Altenwied zu bekommen, wenn ihm bas bis zum Herbst nicht anders, durch List und Gewalt, gelingen sollte."
„Hat er das wirklich gesagt?"
„So ähnlich. 3d) glaube, es handelt sich dabei um eine Wette."
„Um eine Wette?"
Alice nickte und machte ein ganz geheimnisvolles Gesicht, beobachtete dabei Silvia und sah, wie in deren
ihr Leben dahin gaben. Er spricht die Hoffnung I aus, daß diese Opfer nicht umsonst gebracht worden sind. ! Als erstes und dringendstes Gebot der 6hm.be verkündigt er die Pflege des organsschon Gemeinschaftsgedankens aus b-m tiefsten Geist des Christentums heraus. Mt allen Mitteln müsse das private und öffentliche G-meinschafisleben cepflegt werden, weil nur davon die H^limg der Rot unseres Volkes und die Anbahnung einer besseren Zukunft erwartet werden kann. Die Resolution betont weiter die Notwendigkeit eines ausgedehnten Laienapostolats, durch das der Klerus bei der ungemein schweren Aufgabe der heutigen Seelsorge unterstützt werden müsse, damit er für die Arbeit der eigentlichen Seelsorge freier werde. Er empfiehlt aufs wärmste die Förderung des B o n i f a t i u so e r e i n s als hohe Pflicht des katholischen Deutschlands. Auch die M i s s i on, die durch das Kriegsschicksal atrfs schwerste betroffen sei, bedürfe der baiterntrn Unterstützung der Mission-"Häuser. Der Sertretertag richtet einen gewaltigen Appell an die oesymte katholische Welt, im Namm der G samiheit die Rückgabe der deutschen Missio nsgebi ete und die Rückkehr der Missionsbrüder zu verlangen. Die katholischen Väter und Mütter werden aufgcsordert, sich im Rahmen der katholischen Schulorganisahonen zu Elternvereinigungen ohne Bsitragsvslicht zusammm- zuschl'eßen: diese sollen ihre Ausgaben darin erblicken, im Verein mit der Geistlichkeit und der Lehrerschaft ihre Rechte auf die katholischen Schulen zu wahren, sie sollen dafür sorgen, daß katholisch-christliche Eltern in die amtlichen Elternvertretungen hinemgewählt w-rden. Der 23er» tretertgg fordert meii-r im Vreein mit den hochwürdigen Bischöfen die uneingeschränkte Freiheit der Carito s-Liebestätigung. Ein starker Ausbau des Earitasverbandes fei notwendig und hieran anschließend eine eingehende Fachschulung für Caritaspfleger und Sari« taspflegermnen. Der Vertret er tag tritt weiter für den verarmten Mittelstand ein, er wünscht eine 23er- ankeruno der Caritas auch in der Arbeiterschaft. Er empfiehlt nicht an letzter Stelle eine äußere Verbindung in der Caritosorbeit mit den Glaubens- urtb Volksgenossen außerhalb des Vaterlandes, insbesondere auch in der Betreuung der katholischen Auswanderer.
Damit waren bte Arbeiten des Vertretertaaes beendet. Er fand seinen Abschluß in einet herrlich verlaufenen
öffentlichen Versammlung
am Mittwoch nachmittag.
Geheimrat Dr Porkch rwes in glänzender Rede darauf hin, daß heute die katholische Kirche in Deutschland verfassungsmäßig so frei dastehe, wie in feinem anderen Londe der Welt. Aber ebenso frei und gewaltig anwachsend stehe ihr der Unglaube gegenüber. Unter den 460 Abgeordneten des neuen Reichs, tages feien nicht weniger als 135 Dissidenten, aber nur 105 Katholiken. Es müsse die katholische Bevölkerung mit größter Besorgnis erfüllen, daß diese Volksvertre- hing die verfassungsmäßige Trennung von Staat und Kirche vornehmen und die Neueinrichtung der Schule durchführen solle. Nicht nur aus religiösen, sondern auch aus politischen Gründen müsse die katholische Bevölkerung Deuffchlands die volle Freiheit des Papstes verlangen. Auf diese Freiheit dürfe auch nicht ein Schatten der Abhängigkeit fallen. Während des Krieges fei es den deutschen Katholiken unmöglich ge- wesen, mit dem Vatikan in direkten Verkehr zu treten. Aber trotz aller Schwierigkeiten habe der Papst die Neutralität gewahrt. 3m Gegensatz zu der Welle von Haß, die Deutschland aus der ganzen Welt entgegengeschlagen fei, habe sich der Papst als wahrer Apostel der Menschheit erwiesen. Der Friede von Versailles, der überhaupt fern zweiseitiger Vertrag, sondern nur ein einseitiges Diktat der Gewalt darstelle, fei kein gerechter. Gleichwohl fei in Deutschland sowohl die Staatsleitung, wie das Volk ernstlich bemüht, feine harten Bedingungen zu erfüllen. 3nfoweit das nicht gelingen sollte, liege das nicht an irgendwelchem schlechten Willen, sondern an der Unmöglichkeit, die unerfüllbaren Bedingungen durchzuführen. Das deutsche Volk fei auch bereit, wie der Heilige Vater es wünsche, dem Haß gegen seine Feinde zu entsagen. Bei uns in Deutschland sei dieser Haß lange nicht so groß gewesen rote der, der uns aus den Ländern unserer Feinde entgegengetreten sei. 3nsbefonbere Frankreich gegenüber habe das deutsche Volk ein Gefühl des Has. fes niemals gekannt. Die Ungerechtigkeit der Franzosen trete am deutlichsten in Oberschlefien in Erscheinung: die italienische und die englische Besatzung benehme sich dort wirklich neutral, aber die französische
Gesicht das Blut kam und ging, was verriet, wie bas Gespräch sie erregte.
Wie wunderhübsch sie in der Erregung aussieht, wie dunkel dabei ihre Augen werden! dachte sie, während diese Wahrnehmung ihre Eifersucht anstachelte und ftisches Del in die Flamme des Hasses goß, den sie gegen die junge Frau empfand, die — wie sie nun schon wußte — Wolf liebte.
„Wols wMet ja so gern," erklärte sie gleichmütig. „Für tolle Wetten war er schon als ganz Junger Leutnant in München geradezu berühmt. Nun, neulich war Hartmann bei Papa, ich saß im Nebenzimmer. Dann sprachen sie von den Eggenbrechtschen Perlen und ich hörte, wie Hartmann sagte: Wolf werde wohl seine Wette verlieren, ihm bliebe ja nur noch wenig Zeit bis zum vereinbarten Termin und danach müßte er den Prozeß anfangen."
„Das hast Du gehört?" fragte ganz tonlos Silvia.
„Ganz deuüich. Später versuchte ich, Papa aus- zufragen, aber er wollte nichts von einer Wette wissen, die natürlich unter den Herren als gefährliches Geheim- nis gehütet wird."
„Gewettet hat er, mich zu heiraten — der Perlen wegen . . .?" sagte Silvia leise und mehr zu sich selbst als zu Alice, die den Kopf wiegte, die Achseln zuckte.
„Sähe ihm ja- so ähnlich! Seit jeher hat er recht tolle Wetten geliebt und meistens gewonnen."
Da warf Silvia den Kopf zurück, und ihre Augen blitzten zornig auf:
„Die Wette gewinnt er nicht!" sagte sie hart.
„Sicher nicht?" fragte mit lächelndem Zweifel Alice.
„Sicher nicht!" bekräftigte Silvia. „Zum Heiraten gehören zwei!"
„Das habe ich ihm damals auch gesagt!" nickte Alice. „Aber weißt Du, Silvia, Wolf ist ja so verwöhnt und auf seine Unwiderstehlichkeit auch so eingebildet, besonders seit er Herr auf Altenwied geworden."
„Und gerade der Umstand, daß er Herr auf Alten- roietr ist, macht, ganz abgesehen von allem anderen, eine Heirat zwischen mir und ihm unmöglich. Das müßte er doch wissen. 3ch werde — ich will überhaupt nicht wieder heiraten!"
Silvia war es sehr ernst mit dem, was sie sagte, und nach dem hätte sie eigentlich über die vermutliche
I sehe mit verschränkten Armen zu, wie polnische Bandi- ! ten hilflose Deutsche niederschlagen. Die polnischen Ban- diten zu entwaffnen habe man unterlassen, aber die deutsche Bevölkerung aller Schutzmittel zur Verteidigung von Leben und Eigentum beraubt.
Mit lautem Beifall wurde die Mitteilung ausgenommen, daß Graf Droste-Vischering zum Ehrenpräsi- deuten des Zentralkomitees, Fürst" Alois Löwenstein zum Präsidenten und Geheimrat Dr. P o r s ch zum stellver- tretenden Vorsitz mden ernannt worden sei. Fürst Löwenstein gab den Sammelbeschluß über das Ergebnis der Tagung bekannt, worauf ernt junger Spanier in flie- ßendem Deutsch seine Eindrücke von der Würzburger Versammlung bekannt gab und darüber in Spanien zu berichten versorach. Der Redner fiate unter anderem, daß Spanien Mitgefühl für die sichtbare Lage Deutschlands habe und daß es schon deswegen Verständnis für das zusammen gebrochene Deutschland empfinde, weil Spanien selbst einmal groß war und zwar in seinem höchsten Blütenstande, als ein deutscher Fürst auch König von Spanien gewesen sei.
Das Verhältnis der Katholiken zur neuen Entwicklung der Literatur bildete den Gegenstand eines großangeleaten Referats von Professor Dr. Drroff (Bonns. Der Redner wurde auch den Strömungen der jünoften Literatur durchaus gerecht und billigte dem Expressionismus volle Frissest in der Auswahl des Stoffes und her Form zu. m:t der Einschränkung, daß Stoffgebiete, hie in die Niederungen des Schmutzes und der Lüsternheit führen, ausgefchaltet werden sollten. Die Freiheit her Form dürfe nicht zur Schrankenlosigkeit, der Formmille nicht zur Fco-mwill- kür werden. Den großen Srrtum sieht der Redner darin, daß der Expressionismus versuche, die ästhetischen Gesetze der Musik und der Ma'erei auf die Poesie zu übertragen. Den religiösen Pantheismus und das kosmische Weltgefühl hes Expressionismus lehnt es als unehrlich ab. Die Zukunft sieht er in e'ner Neubelebung der Romantik, wie sie Schlegel gefordert und Novalis verwirklicht habe. Der Redner schloß, daß die Katholiken das richtige Verhältnis zur neuen Literatur schon finden werden, wenn sie nur die ganze Tiefe der katholsschen Weltanschauung auszuschöpfen verstehen. Sie berge un» gcheure Schätze des Schonen und Herrlichen in sich.
Den Sch'uß der Ans machen bildete ein Referat von Prof. Dr. Wunderer über „Der Katholizismus und d i e Erneuerung des deutschen V ol- k e s". Die Freiheit, die die Revolution gebracht habe, bestehe darin, daß der Menlch sich freigemacht habe von Gott, den Geboten der Sittlichkeit und der Autorität des Staates. Diese Art Befreiung sei das größte Unglück des deuffchen Volkes. Seine sittliche Wiedergeburt ssi nur möglich auf dem Wege der Neubelebung eines praktischen Katholizismus.
Geheimr. Dr. P o r s ch betonte in feinem Schlußwort, nachdem er dem Würzburger Lokalkomitee gedankt hatte, daß es notwendig fei, nun auch das hier Gehörte praktisch zu verwerten. Das Bestreben des Zentralkomitees würde fein, sobald wie möglich wieder eine großeGeneralversammlung zu veranstalten. (Bravo!) Die Versammlung nahm dann den von Bischof Schlör gespendeten Segen knieend ent- gegend. Unter dem Gesang: Großer Gott, wir loben dich! gingen die Testnehmer auseinander.
Eine deutsche Note über dre
polnischen Kampforganisationen.
Der deutsche Bevollmächtigte für den Abstimmungsbezirk Oberschlesien hat dem Präsidenten der interalliierten Kommission in Oppeln, General Lerond, am 14. September eine Note überreicht, in der gesagt wird, daß die deutsche Regierung im Besitz von polnischen Operationsplänen und Organisationsordnungen sei, die einen neuen Beweis für die Absicht einer gewaltsamen Besetzung Oberschlesiens dmch eine geheime polnische Kampforganisation erbringen. Darnach seien die gesamten Abstimmungsgebiete in 74 Bezirke gegliedert. Jeder Bezirk verfügt mindestens über eine Sturm- und eine Maschinengewehrzehnerschaft, um die sich Infanterie- zehnerschaften gruppierten. Am 1. Juli 1920 zählte diese Organisation 11 736 Köpfe. Daneben besteht eine Hilfsorganisation, die sogen. Sokols. Zu ihr ge-
Wette und Wolfs kühne Absichten lachen können. Ihr war aber das Weinen näher, und so sehr sie sich beherrschte, Alice merkte es doch.
„Laß ihn nur nichts merken," riet sie, „laß ihn tüch- tig reinfallen, das verdient er für seine — na, sagen wir mal — Unverschämtheit — nicht wahr?"
Silvia nickte nur. Sie sah jetzt ganz blaß aus, und fast kummervoll blickte sie vor sich nieder.
„Nimm es nicht so ttagisch. Liebste", tröftete Alice mit heuchlerischer Teilnahme. „Ich versichere Dich, Wolf wird sein Fiasko auch nicht ttagisch nehmen."
*
Silvia wollte Alices guten Rat befolgen, sie wollte über diese dumme, lächerliche Wette lachen. Sie wollte auch Wolf auslachen, wenn er die Wette verlor — na- türlich verlor! Eine Unverschämtheit, wie Alice es genannt, ja, eine Unverschämtheit war es ... Ob er aber wirklich den Mut finden wird, um mich anzuhal- ten — der Perlen wegen? fragte sie sich dann.
Nachdem Alice sie verlassen, saß sie lange regungslos und dachte nur immer an Wolf Eggenbrecht, an die Perlen und an die Wette, und immer schwerer wurde ihr dabei ums Herz. Dann tauchte der Gedanke in ihr auf, daß Alice sie angelogen haben könnte — aus Eifersucht vielleicht . . . Und wenn Alice auf sie eifersüchtig war, bann — dann mußte sie ja glauben, daß Wolf . . . nein! Alice fürchtete eben nur, daß Wolf der Perlen wegen heiraten würde, während sie selbst ihn heiraten wollte! Das war es! Darum nur hatte sie ihr anvertraut, was sie erlauscht, hatte sie ihr wieder- gefagt, was Wolf gesagt hatte! 3a, so war es! Es stimmte ja alles. Jeder, der etwas davon verstand, hatte ihr schon gesagt, daß Wolf als Majoratsherr ein- fach dazu verpflichtet sei, der Perlen wegen gegen sie zu prozessieren, er aber, er hatte gewettet, auf eine billigere und sichere Weise in den Besitz der Perlen zu gelangen. Ja, so war es! Und Alice hatte gefürchtet, sie würde ahnungslos seinem Werben Gehör schenken! Wahrscheinlich wußte sie ganz genau alles über die Wette, die vermutlich während eines fidelen Abends bei Bier und Wein abgeschlossen worden war, und nun warteten die, die habet gewesen waren, daraus, ob er die Wette gewinnen würde. Nein, nein, natürlich nicht!
hört auch der Verband der Haller-Truppen, der Anfang Juli bereits 2000 Mann umfaßte. Aufgabe der Organisation ist, sich des Haupt'mdustriebezirks mst den Kreisen Tarnowitz, Benthen, Hindenburg» Kattowitz und P l e ß zu bemächtigen. Insgesamt wurde Mitte Juli mit rund 10 000 Mann gerechnet. In einem Operattonsbefehl vom 11. Juli 1920 wird im Interesse der Geheimhaltung empfohlen, es solle den eigenen Leuten vorgespiegelt werden, daß der Zweck der Organisation die Abwehr einer deutschen Ueb°rrumpelung sei.
Zum Schluß weist die Note darauf hin, daß ein schweres Verhängnis, für das die interalliierte Kommission die Verantwortung tragen würde, von den Abstimmungsgebieten nicht mehr abzuroenden fei, toenn die polnischen Vorbereitungen nicht unterdrückt würden. Bei der polnischen Regierung der Friedenskonferenz, de mHeiligen Stuhl, den Kabinetten in London, Paris und Rom feien die erforderlichen Schritte unternommen worden.
Die Lasse in Obsrichlesien.
Die Ereignisse, die sich feit Wochen in Oberschlesien abrp:eün, zeigen einen Kampf um das Deutschtum, der sich in bisher nie gekannten leidenschaftlichen Formen abspielt. Die beiden Nationalitäten, die Jahrzehnt» lang in Frieden und Eintracht miteinander gelebt haben, stehen sich in scheinbar unversöhnlicher Feindschaft gegenüber. Daß dieser Haß her Polen gegen alles, was deutsch fühlt und spricht, erst von außen her hineinge- tragen worden ist, gehört zu den bekannten Tatsachen. Die polnische Agitation, die von Warschau aus geleitet und bezahlt wird, hat es meisterhaft verstanden, die Erregung der polnischen Bevölkerung Oberschlesiens gegen den vermeint'ichen Erbfeind, den Deutschen, anzufachen. Die Grenzbezirke, besonders die Landkreise Kattowitz, 3tnbr.it und Pleß, befinden sich heute in einem Zustande, der dem Besucher dieser Gegenden glauben machen kann, er befände sich bereits in Prien. Die deutschen Behörden sind entweder völlig vertrieben oder infolge der polnischen Schreckensherrschaft zur Untätigteit verurteilt. Die Gemeindeverwaltungen sind fast ausschließlich mit Polen besetzt, die nach polnischem Muster regieren, im Schriftverkehr die polnische Sprache und polnische Stempel gebrauchen Nicht anders steht es mit der Polizei. Von 17 Revieren, die die Kattowitzer Polizeidirektion im Stadt- und Landkreise unterhielt, sind nur zwei, die der Stadt Kattowitz selbst, mit deutschen Polizeibeamten besetzt. Die übrigen 15 sind polnischer ff and, führen polnische Bezeichnungen und unterhalten einen Polizeidienst nach eigenem Gutdünken. Die Abstimmungspolizei, deren Polonisierung nicht nur unter den Beamten, sondern auch im Ossizierkorps mit Hilfe der Franzosen weitere Fortschritte macht, ist in den Orten, wo sie sich bisher behaupten konnte, infolge des Widerstandes der polnischen Bevölkerung zur Untätig« feit verurteilt. Bewaffnete Bürgerwehren, als paritätische Organisation aedacht, in Wirklichkeit fast ausschließlich polnisch, üben die eigentliche Polizeigewalt aus. Die interalliierten Besatzungtruppen sind nach Aufhebung des Belagerungszustandes nur in geringer Stärke auf dem Lande stationiert, sie stehen dem Treiben der Polen entweder untätig oder sogar freundlich gegenüber. Aus zahllosen Beispielen ist es be'^nnt, wie die französischen Truppen mit den polnischen 3nfurgenten Hand in Hand gehen, während die Italiener, die dieses schimpfliche Treiben nicht mitmachen, sich selbst von den Polen bedroht sehen und daher nicht in der Lage sind, der deutschen Bevölkerung tatkräftig beizustehen. In den Gruben, in denen der Terrror der polnischen Arbeiter am schlimmsten wütet, sind die deutschen Oberbeamten größtenteils abgesetzt ober verjagt, während den deutschen Bergarbeitern die Aufnahme der Arbeit unmöglich gemacht wird. Die deutsche Bevölkerung in den Grenzbezirken, soweit sie nicht geflohen ist, schwebt in ständiger Gefahr um ihr Leben und Eigentum. Drohbriefe künden ihnen fast täglich das Herannahen ihrer letzten Stunde an. Mißhandlungen auf offener Straße sind an der Tagesordnung, ebenso wie nächtliche Ueberfälle auf ihre Wohnungen. Tausende deutscher Arbeiter und Beamten mußten unter Zurücklassung ihrer Habe flüchten, ihre Wohnungen werden geplündert und demoliert, und polnische Droh- briefe künden ihnen bei ihrer etwaigen Rückkehr den Tod an. Hunderte von zurückgebliebenen Familien- väiern müssen Nacht für Nacht ihre Schlafstelle wech-
Silvia dachte zurück an ihr Zusammentreffen mit Wolf in Stolzen, und sah ihn genau vor sich mit seinem offenen, nicht hübschen, aber sympathischen Gesicht. Sie sah seine braunen Augen, die immer wieder so freundlich, fast zärtlich, ja liebevoll auf ihr geruht hatten. Und sie dachte an die Begegnung im Walde . .
Plötzlich meinte Silvia. Es überraschte sie fetbft aber vergeblich kämpfte sie gegen die Tränen an, die langsam und unaufhaltsam, wie Stinbertränen, ihren Augen entquollen.
„Ich hasse ihn! Ich hasse ihn!" murmelte sie zornig über sich selbst und ihre Tränen, habet war ihr zumute, als fei alle Sonne aus der Welt geschwunden, als wäre ihr etwas Liebes gestorben und als würde sie von nun on nie mehr froh und glücklich fein können.
Den ganzen Abend verbrachte sie wie im Fieber, und immer nur dachte sie an Wolf und feine Wette, so sehr sie auch versttchte, es nicht zu tun. Nachts lag sie lange schlaflos, und ihre Gedanken kreisten um den einen Punkt. Sie beschloß, Wolf Überhaupt nicht wiederzu- sehen. Sie wollte verreisen, nach der Schweiz, nach Italien . . . irgendwohin ... sie wollte nicht nach Holten gehen zu der Hochzeit — nein! Aber dann überleate sie wieder: würde das nicht wie Flucht aussehen? Würde man — zum Beispiel Alice — nicht annehmen, sie habe sich vor Wolf und seiner Unwidersteblichkeit gefürchtet? Nein, nun gerade mußte sie zu der Hochzeit gehen und nur vorher wollte sie es vermeiden, ihn wiederzufehen, damit er nicht bemerkte, daß sie nicht ungewarnt war/
Ja, das sollte ihre Rache sein! Während der Hochzeitstage wollte sie ihm in ganz unveränderter Weise begegnen und, wenn er bann mit dreister Stirn vor sie hinttat und um sie anhielt, bann — bann wollte sie ihm ins Gesicht lachen. 3a, lachen! Bebauere, lieber Beiter, Sie haben Ihre Wette verloren! —--
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Als zwei Tage später Wolf nach München kam und, ohne sich vorher anzumelden, bei Silvia vorsprach, erfuhr er von Anton, daß die Frau Baronin mit ihrer Kleinen eine ( ’ngere Autotour unternommen habe. Wann sie zurückkehren würde, wußte der Diener nicht zu sagen.
(Fortsetzung folgt.)