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Mittwoch, 15. Sept. 1920

Nr. 214

(Tertbreite) 1.80 2M., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

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»Was sagt sie denn darüber?" wissen.

Nun", meinte nachdenklich Alice:

daß das absolut keine Liebesangelegenheit sein würde. Er blinzelte dem Neffen sehr verschmitzt zu:

Bist wohl schon Deiner Sache sicher, Wolf was? Na, aber wenn es daneben gelingt, dann wird prozes. fiert wie? Noch vor dem Winter?"

ff2Iber feste!" bekräftigte Wolf.

Die rote Machtpolitik in Grotz-Berlin.

Sn der Berliner Stadtverordnetenversammlung be­sitzen seit den letzten Kommunalwahlen die beiden s o- zialistischen Parteien die Mehrheit. Di« ihnen dadurch zugefallene Macht haben sie inzwischen schon weidlich ausgenutzt, indem sie bei der Stellende» s e tz u n g in erster Linie auf die Zugehörigkeit zu einer der beiden sozialist schon Parteien Rücksicht genom­men haben. Sie verfahren ganz nach der schlechten amerikanischen Parole: Die Beute für den Sieger!

Die ersten großen Beuteposten bilden die Stellen im M a g i st r a t. Die Minderheitsparteien in der Stadtverordneten-Dersammlung werden vom Magi­strat, also von der Regierung der Stadt, schonungslos ausgeschloffen. Obschon der Magistrat sich aus be­soldeten und unbesoldeten Stadträten zusammensetzen soll, wie es auch bisher in Berlin üblich war, hat die Mehrheit trotz aller Dorhaltungen beschloffen, den gan­zen Magistrat aus Besoldeten zu bilden. Also kein Ehrenamt mehr, sondern lauter bezahlte Posten,

mit denen man Parteigenoffen belohnen und zugleich in Abhängigkeit halten kann!

Die Wahl der Magistratsmitglieder ist eine hohle Komödie. Die beiden herrschenden Parteien haben eine Liste für alle Posten aufgestellt, und diese Leute werden glatt ernannt. Die Minderheitsporteien haben gar keine Möglichkeit. bei der Aemterverteilung mitzu­wirken. DieBürgerlichen" haben zu zahlen und zu dulden.

Die beiden sozialistischen Parteien haben über die Besetzung der Posten nur mit Sozialdemokraten ein bindendes Abkommen geschlossen. Dieser Raubvertrag sollte geheim bleiben, ober sein Inhalt kam doch ans Licht. Ableugnen läßt sich die Sache nicht. Die Führer der Mehrheitssosialiften suchen die schlechte Sache zu verteidigen, und dabei müffen sie un­willkürlich zugestehen, daß sie ganz und gar in das Fahrwaffer der Unabhängigen sich haben lotsen lassen. So heißt es in einem Artikel, den ihr stellvertretender Vorsitzender imVorwärts" veröffentlicht:

Die Unabhängigen vertreten den Standpunkt, daß die Bürgerlichen, solange sie die politische Macht hallen, die Arbeiterklasse stets von der Verwaltung fernaehnlten Hütten: sie jetzt entsprechend ihrer Stärke zu berücksichtigen, sei de» Gutenzuviel."

Also die erklärte Haß- und Revanchepolitik! Sm Gegensatz zu der Reicks- und Staatsregierung, wo doch die Bürgerlichen gemäß dem demokratischen Grundsatz zur Mitarbeit zugelaffen werden. Warum fügen sich die Scheidemänner von Groß-Berlin derunab- hänaiaen Tyrannei"? Darauf antwortet der erwähnte Fraktionsvorsitzende, indem er erörtert, was bei einem Widerstande gegen die Unabhängigen herausgekommeu wäre:

Mit Sicherheit hätten unsere Parteigenoffen, gesagt: Nun, da die Unabhängigen sich zu positiver Arbeit bereit erklären, verhindert ihr die Bildung eines 'm seiner Mehr­heit aus Sozialisten bestehenden Magistrats." Eine solche Verantwortung können wir um so weniger übernehmen, als das neue große Gemeindewesen auf die Mithilfe na­mentlich der breiten Arbeiter- und Angestelltenschaft ange­wiesen ist."

Also die Furcht vor der Agitation unter den Wäh- lermassen Ist stärker, als alle Grundsatztreue und alles Sckamoefühl. Die gemäßigten Sozialisten haben sich in Berlin keineswegs als Gegengewicht gegen dieUn­abhängigen" erwiesen, sondern sich zu deren dienstwil­ligen Gehflfen gemacht. Das demokratische Prinzip, das die sogen. Mehrheitssozialisten sonst verkünden, haben sie in die Ecke gestellt und sich mit an den Tisch der einseitigen Klassen- und Parteiherrschast gesetzt, damit sie ja nickt ihres Anteils an der Beute verlustig gehen.

Wie Berlin unter der Tyrannei der roten Par­teipolitiker sich entwickelt, wird vielleicht noch viel Mit­leid auslösen. Für das übrige Deutschland ergibt sich aus diesen Vorgängen die dringliche Mahnung, recht­zeitig Vorsorge zu treffen, daß sich bei den Reichs- und Staatswahlen nicht eine sozialistische Mehrheit ergibt.

Z^ranzösisch-ftalfenische NnnAfterttnq.

Der französiscke und der ital'errsche Ministerpräsi­dent haben ihre Unterhaltimg in Air les Bains be­endet und sind heimoereist. Ueber das Ergebnis der Besprechung ist die Lbl'che amtliche Erklärung erschienen, es ist ein umfangreickvs Dokument mit zahlreichen Beteuerungen der wohlwollenden Mäßi- gung und der Achtung vor der Unabhängigkeit der Völker irr wirtschaftlicher und politischer Beziehung. Ueber die in den Fragen der allgemeinen Polstik zu befolgenden Richtlinien wird dievolle Uebereinstim» mung" bekundet und in überschwänglichen Phrasen die zustande gekommene französisch-italienische Der br ü- derung gepriesen. Die Friedensverträge werden als die Ecksteine der neuen internationalen De- z'ehungen bezeichnet. Die Bestimmtheit, mit der die beiden Staatsmänner die Verträge als Grundlage des

Achtzehntes Kapitel.

Silvia war über den unverhofften Besuch der schö­nen Alice sehr überrascht gewesen und war noch mehr erstaunt, als etwa zehn Tage später Alice Eggenbrecht wieder bei ihr erschien. Er war Nachmittag, und ge­rade ging ein heftiger Gewitterregen nieder; damit er­klärte Alice ihr Kommen. Sie habe in der Nähe einen Besuch gemacht, niemand zu Hause angetroffen und ein Auto oder eine Droschke set nicht aufzutreiben ge- wesen, al» der Regen begann.

Du erlaubst doch, Liebe, daß ich bei Dir warte, bis das Gewitter vorüber ist?"

Silvia bejahte natürlich und bat die Kusine, doch zum Tee zu bleiben, was sie freudigst annahm, Alice konnte sehr herzlich und liebenswürdig sein, wenn sie es wollte, und jetzt wollte sie es.

Sie sprachen zunächst von der bevorstehenden Hoch, zeit im Hause Eggenbrecht. Alice bedauerte sehr, daß die Hochzeit allem Brauch entgegen nicht in Alrenwied, sondern bei den Eltern de» Bräutigams gefeiert wer- den würde.

Ich hatte mich schon so darauf gefreut," sagte sie.

Ja, bist Du denn nicht nach Holten eingeladen?" fragte Silvia.

^Natürlich," erwiderte Alice,aber dort werde ich ein Gast wie alle anderen fein, während ich in Alten- wied Das tfeft mitarrangiert hätte. Ich hatte Das tonte Sophie schon zugesagt. Sie hatte ein wenig Angst vor der großen Festlichkeit, Die Gute, und bei ihr bin ich ja seit jeher so eine Art Haustöchterchen gewesen, weil ich schon so früh mutterlos wurde. Liese, Marie und -Ich waren immer wie Schwestern und Wolf", sie lachte leise aufWolf war mein erster Verehrer."

Dein Verehrer ist er wohl auch schon heute noch", meinte Silvia, und Alice lachte:

Sa aus alter Gewohnheit sa . . . Aber sage mal, Silvia, wirst Du zu Hildes Hochzeit nach Holten gehen?"

Ja", erwiderte Silvia,ich bekam eine Einladung, wußte nicht recht, ob ich sollte, doch vorgestern besuchte mich das Brautpaar und . . .'

Ach, waren sie hier?"

Ja, zu nett sind sie! Beide so sung und so verliebt." Und Hilde schwärmt für Dich."

^Fortsetzung folgt!

der Regierung und traten sür einen baldigen Wie­dereintritt in die Regierung ein. Don an- derer Sette wurde es jedoch für ausgeschlossen erklärt, mit der Teutichen Volkspartei gemeinsam eine Re­gierung zu bilden. Die Mehrbeit der Sozialdemo­kraten möchte die Deutsche Vo kspartei aus der Re­gierung herausdrängen und wieder mit der alten Gruppierung Zentrum, Demokraten und Sozml- demok aten regieren. Diese Parteien verfügen aber im Reichstage nur über eine sehr knappe Mehr­heit, die bei den bevorstehenden Wahlen m den Ab- ftimmun .8peb eten von Schleswig-Holstein und Ost­preußen auch noch verloren gehen kann. Im Stillen hoffen die Sozialdemokraten auf Neuwahlen im Herbst und versprechen sich weaen des Wirrwarrs im unabhängigen Lager allerlei E, folge. Unterstützung wider Willen findet'die Sozialdemokratie bei einem Teile dec Deutschen Volkspartei, der, je eher desto besser, wieder in die bequeme Oppositionsstellung zurückkehren möchte.

So stehen die Dinge im Augenblick. Daß nicht alle Leute on der bestehenden Ordnung ein retncS Wohlgefallen finden, ist begreiflich und nichts ReucS. Deshalb braucht man aber nicht schon das Ge penst einer Krisis aufmarschieren zu lassen.

Vor drei Monaten, als die Wähler den neuen Reichs ag geschaffen halten, sah eS wahrlich sehr krituch aus. Aber die Gesch cklichkeit T imbornS,

Verantwortlich für den rebatfion. Teil Redakteur 5t Schütte z für die Anzeigen: I. Parze!ter-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerel in Fulda. Fernsprecher Nr. 9 Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung

Papst Benedikt XV, und Deutschland nach dem Weltkriege.

Daß das Oberhaupt der katholischen Kirche während des Weltkrieges strengste Neutralität gegenüber allen Krieg- führenden bewahrt hat, dürfte wohl heute kaum mehr be­stritten sein. Gerade wir Deutsche können diese Tatsache angesichts der schwierigen Lage des Papstes nicht hoch genug schätzen. Mit warmer innerer Genugtuung aber müssen wir al» katholische Christen auf die ununterbroche­nen, durch keinen Mißerfolg zu erschütternden Bemühun­gen des Heiligen Baiers um Frieden und Völkeroersöh- nung, für die Gefangenen aller Länder und Kriegsnöten aller Art blicken: zu keiner Seit des entsetzlichen Ringen» hat der Papst es unterlassen, auf das Unchristliche bis Bältermerbens hmzuweisen. Die Grundsätze für das Ver­halten des Papstes blieben auch nach dem Abschluß des Waffenstillstandes die gleichen. Die hochherzige Erfassung . feines Amtes als Stellvertreter Christi legte jetzt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die Seite der Unterdrück­ten. Was er für das besiegte Deutschland getan, Darüber gibt im Maihefte derDeutschen Revue" Archivrat Dr. I. S u l v e s eine treffliche Zusammenstellung, der mir iw folgenden Das Wichtigste entnehmen.

Wegen Aufhebung der auch nach dem Waffenstillstand fortgesetzten Blockierung Deutschlands und wegen Er- Wirkung von Lebensmittelsendungen für Die Dem Hungertod« nahen Zentralnationen wandte sich der Papst nicht nur im Geh. Konsistorium vom 3. Juli 1919 an bi« katholische Welt, sondern auch an die amerikanisch« und englische Regierung. Letzteres rft durch eine Meldung desJournal" bekannt und durch den öffentlichen Dank des Grasen Brockdorss-Rantzau in der Nationalversamm­lung am 10. April 1919 bestätigt worden.

Daß Benedikt XV. bei Den Alliierten für eine Er­leichterung der Waffen st ill st andsbedin- gungen eingetreten sei und die Bischöfe, in erster Linie die französischen gebeten habe, ihren Einfluß in diesem Sinne geltend zu machen, Dürfte der Wahrheit entsprechen. In der italienischen und in der französischen Presse ist die Tatsache erörtert worden, daß der Papst, hauptsächlich auf Anregung Des Kardinalerzbischofs Hartmann von Köln, Wege gesucht habe, um für die Mittelmächte gewisse Milderungen der Friedensbedingungen zu erlangen. Auf eine gleichartige Bitte des Kardinals Dr. Bertram wurde der offizielle Bescheck erteilt, baß Bene-

taffen:

Ja vielleicht tue ich das warum denn nicht?

--Nur der Perlen wegen natürlich!"

Da gehören aber zwei dazu!"

Gewiß! Aber vielleicht nimmt sie mich auch nur der Perlen wegen, natürlich."

Da lachte der Kammerherr meckernd. 2hm war ja

Vie perlen der Eggenbrechtr.

84] Roman von Alexandra von Bosse.

Wenn sie das woMe, wäre sie es schon," sagte Wolf.Branding möchte sie gewiß je eher desto lieber dazu machen."

Stein, gar nicht," widersprach Alice,Branding rechnet viel zu gut, und Silvia ist ihm längst nicht reich genug. Sein Ziel ist Therese."

Um so belfer, wenn Du Recht hättest."

Warum? Wäre es Dir nicht recht, wenn Silvia Herrn von Branding heiratete?"

Hast Du vielleicht selber Absichten?"

Alice fragte es scherzend, aber in ihren blauen Augen erschien ein böses Licht, und al» Wolf schwieg, erzählte sie:

Uebrigens habe ich vor drei Tagen Silvia besucht, war den Besuch schuldig. Ich traf sie zu Hause, und wir haben uns sehr gut miteinander unterhalten auch Über Dich, Wolf . . .*

Ueber mich?" verwunderte er sich.

Jawohl. Sie wunderte sich so sehr, daß Du mit dem Perlenprozeß noch immer nicht Ernst gemacht hast, und scheint schon überzeugt. Du habest Angst, ihn zu Verlieren."

So hast Du mit ihr über die Perlen gesprochen?"

Alice nickte, nahm sich ein großes Stück Streichel- kuchen und schnitt ihn auf ihrem Teller in kleine Stücke, die sie bann mit der Gabel zierlich zum Munde führte.

äußeren Aufgaben sei dieser vielfachentgeistlicht". Gebt uns wieder Geistliche, Priester, Seelenführer, so sei der Ruf unserer Zeit. Diesen Ruf hören, heißt dafür fol­gen, daß Seelsorger gebildet werden.

liebetAeußere Mission des deutschen Katholizismus" sprach der Abt Herbert Weber, St Ottilien. Er führte ungefähr folgendes aus: An den Katholiken Deutschlands fei es, bei der augenblick­lichen Lage der Weltmiffion sich der Miflionsarbeit mit besonderer Wärme anzunehmen. Auch wenn Deutsch­land für den Augenblick keine Kolonien mehr habe, fo bleibe doch das klare(Bott will es' eine ebenso klare Aufforderung an Deutschland zur Mitarbeit. Die tief, gläubig aufgefaßte Miffionsarbeit im Ausland bedeutet zugleich einen fundamentalen und geistigen Wiederauf­bau der Heimat.

Am Nachmiitag sprach zunächst Geheimrat Mar; überSckulstteik und Elte in Vereinigungen". AuS den bemerkenswerten Ausführungen des Redners, die btt lebhafteste Zustimmung Der Versammlung fan. den, heben wir besonder» folgende Gedanken änge her­vor. Der Schulstreik dürfe nur zum Schutz höherer sittlicher Güter angewandt werden, wenn dieser Ecdutz nicht auf anderem Wege erreicht werden könne. Die Tatsache, daß ein Lehrer sich weigere, Religionsunterricht zu erteilen, könne für sich allein nicht al? ausreichender Grund angesehen werden, einen Schulstreik zu unter­nehmen. Da Die Ettern tn ihrer erklärlichen Erregung voraussichtlich ntcht immer ganz objektiv entscheiden könnten, sei e$ ratsam, vor der Entscheidunt, daß ein Schulstreik zu unternehmen sei, da» Urteil ausschlag­gebender Stellen einzuholen. Al» eine solche Stelle sei der Ortsausschuß ooer der Bezirksausschuß der katho. tischen Schulormnisationen am zweckmäßigsten anzn. sehen. Als letzter Redner sprach Chefredakteur Dr Korber (Kölni über die emzelnen Katholikentage.

Am Abend fand eine öffentltche Versammlung statt, in der Pros. Dr. Reiners unter Vorführung von Lichtbildern über da» Programm moderner christ- icher Kunst sprach.

Wieso schlauer?" wollte er wissen.

Na, sie wickelt Dich halt mit Liebenswürdigkeiten ein und hat ja schon damit erreicht, daß Du den Prozeß auf die lange Bank schiebst. Weshalb kam sie denn her zum Familientag? Weshalb lud sie Dich gleich zu sich ein? Und Thercschen hat mir erzählt, daß sie Dir Stelldicheins im Stolzener Wald gegeben hat zu Pferde . . .1*

Gewäsch!" sagte Wolf grob. Seine Stirn hatte sich, während Alice sprach, gerötet

Sie zuckte wieder die Achseln.

Ihr werdet ja immer ganz wehrlos und geht so leicht auf den Leim, sobald euch ein niedliche» ®e- sichterl in die Augen sticht"

fjaft Du solche Erfahrungen gemacht?"

Ich ich habe es nie daraus angelegt, aber Sil­via .. . Hand aufs Herz, Wolf: wenn Silvia eine wüste Wurzen wär', hälfst Du längst gegen sie prozessiert nit?"

Ehe Wolf eine ärgerliche Antwort geben konnte, mischte sich der Kammerherr ein, fürchtend, daß ein ernstlicher Streit sich entwickeln könnte.

Nein, mein gutes Kind, Du irrst, den Prozeß hat unser Wolf nur verschoben, weil er glaubt, die Perlen auf andere, nach feiner Ansicht bequemere Weise an sich bringen zu können. Was, Wolf?"

Vielleicht ..." '

Da lachte Alice hysterisch auf:

Vielleicht? . . ."Ja, vielleicht will er die Silvia gar heiraten der Perlen wegen. Wäre ja am bequem­sten!"

Wolf wollte auffahren, aber rafch bezwang er sich,

der Mut Fehrenbachs, die Arbeitswilligkeit der Deut­schen Voltspartei und die Zurückhaltung der Mehr­heitssozialisten führten in ihrer Zusammenwirkung zu einer Lösung, die den gedeihlichen Fortgang der Reichspolitik ermöglichten.

Hat sich inzwischen diese Lösung bewährt? Wer die Tatsachen unbefangen beurteilt, muß sagen: Besser, als man erwartet hatte! Die neue Re­gierung hat mit zahlreichen inneren und äußeren Schwierigkeiten zu kämpfe» gehabt, aber sich nvt Geschick durchgewunden.

Sie hat an Ansehen und Macht nichts einge­büßt, sondern eher noch gewonnen im Vergleich zu der früheren Regieruna. Auf der heiklen Kon­ferenz von Spaa hat sie sich fo behauptet, daß der R-spekt des Auslandes sichtlich gestiegen ist. Wenn die Franzo'en jetzt die Fortsetzung der Konf renz in Genf zu verhindern suchen, so ist das ein Beweis, daß sie den unmittelbaren Verkehr unserer Minister mit Lloyd George und Biolitti fürchten. Gegen­über den Wirren im Osten war unsere rechtzeitig erk arte und entschieden durchgeführte Neutralität offenbar eine gelungene Maßnahme. In Ober­schlesien war leider manches versäumt worden; aber socb n ist es der Reichsregierung gelungen, auch das stärkste Hindernis für eine gi ostzügige Politik in Oberschlesien zu beseitigen, nämltch^den Widerspruch der preußischen Minister gegen die Selbstbestimmung der Ooersch eiier, wenn sie einen eigenen Bundes­staat Oberschlesien wünschen sollten.

Wenn man nun eine neue Koalition und ein neues Ministeiiurn schaffen wollte, würde bann etwas Besseres zu erwarten fein? Wer durchaus ein Abenteuer riskieren wtll, der tollte doch wentg- stens so lange warten, bis die hochpolitische Span­nung wegen der Genfer Konferenz itnd der Fest­setzung unterer Schuldsumme gelöst ist.

Nach Sage der Partetverhältniffe im Reichstage müßte bet dem Umsturz der gegenwärtigen Grup­pierung der Fraktionen sich die Notwendwkeit von Neuwahlen zum Reichstag Herausstellen. Kön­nen w r uns einen wichen aufi «wenden Wahlkampf ohne Gefahr für die innere Ordnung und das äußere Anse en Deutschlands in diesem Winter noch erlauben? Haben Wir nicht schon Wahlgetriebe ge­nug bei der bevorstehenden Neuwa l für Preußen und der Wahl des Reichspräsidenten?

Dte Stetigkeit der Regierung bringt beffere Früchte als Der häufige Wechsel, und Minister, die eine tüchtige Arbeit leisten, soll man sich weiter auswirken laffen, auch wenn man den eigenen Ehr­geiz oder andere Sondergelüste vorläufig zurück- ftetien muß.

Arbeiten ist wichtiger als Politisieren.

Wir laben lange keine Regierungskrise gehabt. Einige Politiker icheinen der Ansicht zu sein, daß wir der Abwechselung halber uns nun mal wieder einiges Durcheinander gestatten dürften.

Man sp'icht eifrig von einer Verbreiterung der Regiernngkkoaliuon. Auf dem Bezirkstag der So­zialdemokraten Groß-BerlinS, der zum bevor­stehenden Parteitag in Kassel Stellung no 'm, kriti­sierten verschiedene Redner die wenig geschick-e Politik der Partei beim Ausscheiden ihrer Mitglieder aus

Kie katholische Woche in Würzburg.

0 Würzburg, 11. Sept. 1920.

Der Montag war ausschließlich Den Versammlungen enb Vereinstagungen Der einzelnen Vereine und Or­ganisationen gewidmet. ES fanden Den ganzen Tag über wichtige Besprechungen statt, die aber im wesent­lichen vertraulichen Charakter trmtn. Es tagten, um nut einige wenige zu nennen: Die Superiorenvcreini- gung Der Missionsanstalten, Die Studentenorganisatio- nen. Die Gesellschaft für christliche Kunst, Die Arbeits­gemeinschaft der Diözefanpriestervereinwun wn Bayern», die Vertreter der bayerischen Diözesan-Cavitasstellen, der grouetrnemne für die Missionen, Der katholische Säuglings- verein Deutschlands, Die Präsides Der katholischen Gesellen- jereine, Dte katholischen Beamten Deutschlands u. a.

Am Abend fand unter starker Beteiligung Der Würz­burger Bevölkerung eine festliche Begrüßung Des Der- tretertages statt. Zahlreiche Ansprachen und Gesangsvor- träge gaben Dem Abend einen stimmungsvollen Verlauf. Die Hauptrede hielt Universitätsprofeffor Dr. Henner.

Am Dienstag morgen nahm Der Berte etertog seinen offiziellen Anfang. An Der aus allen Tellen des Reiches 8«t besuchten

ersten Vertrekersihnng

«hm eine große Zahl hervorragender Männer des ka- tzlllifchen Lebens teil. Die Sitzung würbe von Dem stell- vertretenden Vorsitzenden des Zentral-Koinitees Fürst Löwenstein mit einer Ansprache eröffnet, in der er unter lebhaftem Beifall bekundete, daß Die Katholiken Deutschlands mit aller Kraft das Bekenntnis ablegten, tag uns Die Durchdringung unseres ganzen öffentlichen Lebens mit dem christlichen Gedanken allein nur helfen könne. Arn katholischen Wesen muffe Die Welt genesen. Vie Segenswünsche und Grüße Der Hoch». Bischöfe von Würzburg und Bamberg überbrachte Domkapitular Stäb­ler. Namens Der Steckt Würzburg hieß Der Oberbürger­meister ©tiefer Den Sertreiertag willkommen. Sodann beschloß Die Versammlung Die Absendung eines Huld!- ^trngstetegramms an Den Heil. Vater folgenden

Die In Würzburg zum ersten Male nach Dem Welt­kriege versammelten Vorstände der katholischen Organi­sationen Deutschlands bringen Eurer Heiligkeit ihre ehr- ftrrchtsvollste Hutdimmg und das Gelöbnis unerschütter­licher Treue zum Stuhle Petri Dar. Mr Danken Dir, heiügster Vater, für alles, was Du in unermüdlicher, väterlicher Hirtensorge während des Krieges für unsere gefangenen Brüder, für alle notleidenden, hungernden Kinder und für Die deutschen katholischen Missionen sowie für Die Versöhnung der Völker hn Geiste Jesu Christi getan hast. Wir bekennen uns treu zu Deiner Enzyklika über Den Völkerfrieden. Anläßlich Des Jahrestages Der Einnahme Roms am 29. Dezember 1870 erheben wir aufs neue unsere Stimme gegen Das Dem Obersten Hir­ten Der Herde Christi zugefügte Unrecht und flehen zu Gott um feinen Schutz und Schirm über feine Kirche tn schwerster Zett. Für untere Tagung erbitten wir, hei­ligster Batet, ehrfurchtsvollst Deinen Gegen. Fürst Lö­wenstein, Präsident.

Zum Vorsitzenden Der Versammlung wurde unter leb­haftem Beifall Geheimnat Dr. V o r s ch gewählt. Hier­aus spricht Prälat Dr. Pieper (M.-Gladbach)Ueber den Gemeinschaftsgeist und seine Pflege zum Wiederaufbau unseres Volkes." Die mft gro­ßem Beifall auf genommenen Ausführungen des Redners gipfelten in folgenden Gedankengängen: Dos tieffte Un- glück Des Deutschen Volkes fei Der schmähliche Zusammen­bruch seines Gemeinschaftslebens. Hilfe könne Daher nur kommen von Der Erneuerung Des Gemeinschaftsgeistes: es muff« Dafür gesorgt werden. Daß Das Gemeinschaftsleben oon unten wieder aufgebaut werde. Ueberall muffe Das Organische Volksgemeinschastsleben und das Familienleben gepflegt und gefördert werden, wie Dieser Geist auch Einzug hatten muffe m Schule, Jugendvereine, Standesvereine und in Di« Gemeinde. Di« erste Voruusfetzung aber fei Di Erweckung Der Lebenskraft m Volk und Nation. Di« Lebenskraft m Dieser höchsten Gemeinschaft aber gibt die Gottes- und Bruderliebe Cbrifti.

lieberInnere Mission Des deutschen Katholizismus" sprach sodann Stadtpfarrer Knebel (Freiburg). Die innere Mission sei eine große Sorge in der Not der Zeit. Die Heilung müsse an der Wurzel, in Der Seelsorge und im Klerus einsetzen. Durch die viele Vereinsarbeit und ein Uebermaß an

Eindruck, daß sie fest entschlossen ist, die Perlen sich nicht entreißen zu laffen. Sobald ich die Perlen er­wähnte, bekam ihr Gesicht einen ganz anderen Aus. druck, verlor möchte ich sagen das Kindliche, das ihm sonst noch eigen ist. Entweder glaubt sie sich wirklich im Recht ober . . ."

Natürlich glaubt sie sich im Recht!" fiel Wolf ein.

Oder", fuhr Alice gelösten fort,sie fragt ganz einfach nicht danach, hofft womöglich auf Deine Ritter­lichkeit oder so . . . Weder mit Güte noch mit List wirst Du die Perlen von ihr erlangen, Wolf, die Frau ! xft schlauer als Du, und .Du wirst schon prozessieren wüsten, mein Lieber," endete sie mit wissendem- i Lein. < l