FuldaerZeitung
fir. 213.
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Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda- Fernfpreche'- Nr. 9. Telegr.-Abresse: Fuldaer Zeitung
Dienstag, 14* Sept» 1920»
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47. Zahrg.
Die katholische Woche in Würzburg.
E) Würzburg, 12. Sept. 1920.
Eine große Periode ist abgeschlossen, eine neue Zeit ist angebrochen, nicht bloß für unser staatliches Leben, auch für den Katholizismus. Sechzig Jahre lang versammelten sich die deutschen Katholiken jedes I Jahr, wenn sie nicht ganz besondere Verhältnisse verhinderten, in ihren großen Katholikentagen und hielten Umblick und Ausblick über alles das, was die Zeikläuse gebracht hatten. DaS ist jetzt vorbei, kein Versammlungsraum und keine Stadt ist mehr im Stande, die Menge zu fassen, die heute für die katholische Sache interessiert ist. An die Stelle des einen allgemeinen sind in den letzten . Jahren viele Dutzende von Einzel-Katholikentagen getreten in Nord und Süd, in Oft und Welt unseres weiten Vaterlandes. Aber der Zulammenhang darf nicht verloren gehen. Deshalb ist man wieder zu den alten Anfängen zurückgekehrt. Eine Versammlung der katholischen Vere'inSvorstände war eS ja, die im Jahre 1848 zum ersten Mal in der schönen Mainstadt Würzburg zusammentrat und den Anfang und die Grundlage der ihr folgenden 7 glänzenden allgemeinen Katholikentage bildete. Heute berief d«S Zentralkomitee, welchem vom alten Katholikentag die Leitung der Geschäfte übertragen ist, nur die Vertreter der großen Verbände zusammen, und auS dem einen „Tag" wird eine ganze katholische Woche. So sind wir inzwischen gewachsen !
Den glücklichen Auftakt zu der katholischen Woche gab
die Generalversammlung deS DolkSvereinS.
Unter starker Teilnahme der Bevölkerung Würz. ; burpS und zahlreicher Besucher auS allen Teilen des ' Reiches wurde die Generalversammlung am Sonntag nachmittag vom 1. Vorsitzenden, Abg. Trimborn, im Huttenschen Garten eröffnet, während zugleich zwei weitere größere Parallelversammlungen einberufen werden mutzten. Geheimrat Trimborn begrüßte die Versammlung, in der u. a. erschienen waren Bischof : Schicer, Reichsarbeitsminister Dr. BraunS, Dr. Porsch, die Abgg. Hitze, Herold, urlage, Gerstenberger usw. i Zur Begrüßung deS Volksvereins durch die Stadt i Würzburg war deren Oberhaupt, Oberbürgermeister = Grietzer anwesend.
Abg. Trimborn gedachte tu seiner Ansprache ein- leitend mit warmen Worten de» verstorbenen 2. Vor- sitzenden deS Volksvereins und des langjährigen Kör- derers Gröber und feierte ihn, der schon in seinem lleuhern die Jdealgestalt eine» Laien-ApostelS darstellte, »IS einen ersten Vertreter wahrhaft christlich-katholischer Demokratie, als einen Brückenbauer zwischen Nord und Süd (Beifall). Er betonte, daß in der jetzigen Zeit solche Brückenbauer zwischen Nord und Süd ganz be- sonders von Nöten seien.
Stürmisch begrüßt ergriff hierauf Bischof Dr. v. Echloer das Wort, um der Arbeit de» Volksvereins seine wärmsten Sympathien auszusprechen und erteilt der Versammlung den bischöflichen Segen.
Dann hieß Oberbürgermeister Gries er die Ver- sammlung namens der Stadt Würzburg willkommen. Er berührte die sozialen Probleme der Gegenwart, in der sich immer deutlicher die HeereSlager trennten. Er gab zu, daß in jedem Lager Menschen mit ehrlicher ■ Üeberzeugung stünden und wandte sich insbesondere p gegen die stumpfen, sozial gleichgiltigen Philister, die ' teilnahmloS den Stürmen der Zeit gegenüberstehen; sie arbeiten ebenso an der Zermürbung und Zerstörung der Gesellschaft wie die Kommunisten. (Lebh. Beifall.) Wir brauchen Bekennermut und Bekennerkraft in christlich-sozialem Geiste. Dafür arbeitet der DolkSverein Seit 30 Jahren; möge et dabei auch fernerhin die Führung erhalten (Lebh. Beifall.)
Hierauf erstattete der Generaldirekwr Geheimrat Marx den Jahresbericht. Au, diesem geht hervor, daß die Mitgltederzahl de» BolkSvereinS einen erfreu, lichen Zuwachs erfahren hat; nicht weniger als 114000 Neue Mitglieder sind ihm beigetreten. Dagegen ist die finanzielle Lage des VolkSvereinS leider weniger be- "■ ...
Vie perlen der Sggenbrechtr.
83] Roman von Alexandra von Bosse.
„Denke Dir, Silvia hat Kopffchmerzen bekommen und mußte sich hinlegen," berichtete ihm Therese. Er antwortete nicht, und Frau von Branding meinte vor» wurfsooll:
„Natürlich von der giftigen Luft in Deinem Laboratorium; das ist nichts für die zarten Nerven einer jungen Dame, und seid so lange darin geblieben."
„Zeigte sie denn so viel Interesse für die Eingeweide Deiner Giftbube?" fragte Therese.
„Nicht mehr als Du," antwortete er kurz?
„Oh, ich finde das alles sehr interessant," versicherte Therese. „Mich graut zwar ein wenig vor all dem Tödlichen, aber das Gruseln ist ganz angenehm. Die. selben lNfte haben doch meist auch Heilkraft, nicht ° wahr?" >
„Diele davon."
„Und gibt es zwischen Deinen tausend Giften nicht auch solche, die nicht bloß heilen oder töten? Ich meine Zaubertränklein, etwa einen Liebestrank, wie ihn Tristan und Isolde tranken?"
„Leider nicht," murmelte Leo mit gerunzelten Brauen und rührte gedankenschwer den Zucker in seiner Tasse ton
„Leider nicht?" wiederholte fragend Therese und spitzte öen Mund, als wollte sie pfeifen. Leo schwieg.
„Na, Kinder, ich muß mal sehen--es werden
ja heute Johannisbeeren eingekocht," jagte Frau Dran- ding, erhob sich und watschelte hinaus. So blieben Therese und Leo allein, und es entstand eine ziemlich andauernde Stille.
Therese beobachtete ihn. Er war sehr bleich, sah *übe und abgespannt aus, und eine tiefe Falte grub sich zwischen seinen Brauen ein.
Also, die Sache ist zum Klappen g-kommen, und sem Luftschloß von Liebesglück ist kläglich zusammengebro- chen! stellte sie fest. Nun heißt er, die Wunde, die er fich dabei geholt, mit sanften Händen abtasten, Dalsam worein streichen und sie zum Heilen bringen.
„Ihr wart lange im Laboratorium," sagte sie ein» leitend.
Er antwortete nicht.
„Was habt ihr denn so lange da gemacht?" Schweigen. '
friedigend. ES ist ein Fehlbetrag von rund 280000 M. ,u decken. Darum ist eine Erhöhung deS Mitgliederber, trage» auf 4 Mark vorgesehen.
Im Anschluß an den Bericht werden eine Reihe von DereinSgeschästen erledigt. U. a. wird einstimmig beschlossen, den Beitrag auf 4 Mark zu erhöhen.
Bei den Wahlen wurden die satzungSmätzig auS- scheidenden kVorstandSmitglieder wiedergewählt, dazu als Ersatz für den verstorbenen Dr. Groeber Kammerpräsident Landgerichtsdirektor Walther (Ellwangen) und für Geh. Kommerzienrat Sahen»!Y«Limburg Stadt- diarrer Hüfner (Wiesbaden). In der Gesamtvorstands, sitzung wurde H. Trimborn al» erster Vorsitzender wiedergewählt, als stellvertretende Vorsitzende die Abgg. Leicht und Marx.
Den Höhepunkt der Versammlung bilden An. sprachen über da» Thema: „Die Erneuerung des Deutschen Volke» und die Aufgaben des Katholi- ziSmuS in der neuen Zeit". E« ist im Rahmen eine» kurzen Zeitungsberichte» natürlich völlig unmöglich, die gedankenreichen Ausführungen auch nur annähernd wiederzugeben — einige kurze Andeutungen müssen genügen.
Erster Redner, mit lebhaf em Beifall begrüßt, ist ReichSminister Dr. BraunS. Er geht von dem Ge. danken au», daß wir an einer Weltenwende stehen. Aber die Aufgaben an deren Lösung der Volksverein feit seinem Bestehen gearbeitet habe, der Versöhnung der Klassengegensätze auf der Grundlage deS Christen» tumS, seien die alten geblieben. Zweierlei brauchten wir'vor allem. Wir brauchten eine Volksgemeinschaft und eine Arbeitsgemeinschaft. Denn nach Waren hungere die Menschheit, nicht nach Papiergeld. Eine Gesundung unseres Volke» sei nur möglich auf dem Boden religiös sittlicher Ideale und Opfer uns gegen, über und den Mitmenschen gegenüber. Würde der Volksverein diese Arbeit aufgeben, dann würde er sich selbst aufgeben. Die» wolle er nicht, im Gegenteil, er wolle mit erneuter Kraft weiter kämpfen. (Stürmischer Beifalls
Auch der zweite Redner Oberingenieur Rauch (München) betont die Notwendigkeit, die Klassengegen- fätze und ihre Ursache, den Kapitalismus, zu bekämpfen, und zwar den Kapitalismus von Oben, wie den von Unten — denn es gibt auch einen von Unten, der die Arbeiterschaft mancherorts dazu treibt, unvernünftige Lohnforderungen zu stellen. (Sehr richtig.) Es geht nicht an, daß zwei Teile unseres Volkes wie zwei feindliche Heerhaufen in eifervoller Wachsamkeit sich gegenüberstehen. Es darf nicht zu einer Machtprobe zwischen ihnen kommen, denn sie würde nur Trümmer- und neues Elend bringen. Aber die Machtprobe christ- sicher Liebe wird den unfruchtbaren Haß in fruchtbaren Boden verwandeln, zum Heile des ganzen deutschen Volkes. Im Weiteren hebt Redner noch die Notwendigkeit einer guten Wohnung«, und Siedelungspolitik hervor und schließt mit einem warmen Appell an das ganze kathol. Volk, sich durch Mitarbeit am Dolksver- ein dem Apostolat der christlichen Tat anzuschließen. (Stürm, langanhaltender Beifall.)
In seinem Schlußwort dankte Iustizrat Trim-, born allen Teilnehmern und den beiden Festrednern, denen es gelungen fei, den Teilnehmern an Stopf und Herz zu rühren. (Lebh. Beifall.) Er schließt die Der- sammlung mit einem dreifachen Hoch auf den Volks, verein.
In den beiden Nebenverfammlungen, die unter dem Vorsitz des Fürsten Löwenstein bezw. Oberregie, rungsrat Günder (Würzburg) stattfanden, sprachen Staatsminister Stegerwald, Bürgermeister Dr. Hipp (Regensburg), Landessekretär Dr. Brem (München), Dr. Nieder (M.-Gladbach) und ßanbesfetretär Fr. Föhr (Freiburg).
Der Entwurf eines Landwirtschafts- kammergesetzes.
Das der Preußischen Landesversammlung em Entwurf zugegangene Lmdamtschastskammergefetz gliedert sich in sechs Hauptgruppen.
Unter „1. Allgemeine Vorschriften" ist im 8 1 gesagt: „Landwirtschaft kn Sinne dieses Gesetze» umfaßt den Ackerbau, die Wiesen und Wvidewirffchaft, den Obstund Weinbau, die Gärtnerei, die Forstwirtschaft, die Tier» zücht, die Milchwirtschaft, die Fischerei und die Jagd."
„Du hast Silvia auch Dein Arbeitszimmer gezeigt, ja? Und dann — dann hast Du mit ihr gesprochen, Leo? Hast um sie angehalten . . .?"
Sie wartete sekundenlang auf Antwort, dann fügte sie leise hinzu:
„Und hast Dir einen Korb geholt!"
Da blickte er auf, zornig blitzten feine Augen sie an: „Die weißt Du . . .?"
Sie hob die Schultern, machte eine bedauernde Handbewegung.
„Das war nicht schwer zu erraten, lieber Leo. Längst wußte ich, daß Du Silvia liebtest, und ebenso genau wußte ich, daß Deine Liebe nicht erwidert wurde."
„Wie konntest Du das wissen?"
„Ich kenne doch Silvia sehr gut, habe in Deinem Interesse hier und da vorsichtig sondiert. Ich hätte D,r gern diese bittere Stunde erspart, lieber Leo, ich wollte Dich warnen, aber es fand sich nie Gelegenheit dazu."
„Ich hätte mich nicht warnen lassen."
„Vielleicht nicht, aber schade ist es doch, daß es zu einer Aussprache kam."
„Nun wird Silvia natürlich von Stolzen forlgehen," fuhr Therese fort.
„Warum das?"
„Weil sie, nachdem sie Deinen Antrag ausgeschlagen hat, gewiß nicht länger Dein Gast wird sein wollen. Außerdem wird auch Euer bisheriges angenehmes Freundschaftsverhältnis dadurch unmöglich gemacht. Das begreifst Du doch, Leo?"
„Ich habe doch noch nicht alle Hoffnungen aufgege. den," meinte er düster. „Silvia kann noch anderen Sinnes werden."
„Dann hoffst Du vergebens Silvia liebt Dolf Eggenbrecht. Sie weiß bas vielleicht selbst noch nicht, aber sie liebt ihn. Darauf kannst Du Dein Gut neh. men! Beide scheinen sich über ihre Gefühle noch nichr im Klaren zu fein, aber sie bestehen trotzdem. Wolf soll ja seine schöne Kusine tff'ce heiraten, aber . . ."
„Jedenfalls darf er Silvia nicht heiraten!"
„Warum nicht?"
„Sie kann nicht zum zweiten Mal Herrin von Alien- mied werden, von Altenwied,. wo Achim begraben liegt!"
„Die Toten haben kein Recht mehr an die Leben- den!" sagte Therese, „und ich glaube, die S eien lm Jenseits kennen weder Haß noch Eifersucht mehr. Ich könnte mir vorstellen, daß Achim Eggenbrcchis Seele,
In § 2 wirb ausgeführt: Zmn landwirtfchaft. lichen Berufsstande gehören ohne Unterschied des Geschlechts alle die, die Landwirtschaft im Hauptberuf aus- üben. Als Hauptberuf gilt die Betätigung, auf der haupt- fächkch die Lebensstellung beruht und die gleichzeitig die Haupteimmhmequelle für dm Lebsnsimterhalt biDet. Die Landwirtschastskmnmem werden em Gesetz als öffentlich rechtliche Körperschaften bezeichnet, die zur Förderung der Landwirtschaft und der Interessen des landwirtschaftlichen Berufs st andes bestimmt sind.
Jede Landwirtschaftskammer soll das Gebiet einer Provinz umfassen. Die Mitgliederzahl beträgt für die Kammer mit dem Sitz in Kassel (Reg.-Bez. Kassel): 30, in Wiesbaden (Reg.-Dez. Wiesbaden): 24.
Die Mitglieder der Landwirffchaftskammer weiden burcf) die Derufsangehöligen in geheimer und direkter Wahl nach der Verhältniswahl gewählt. Wahlberechtigt ist jeder Deutsche ohne Unterschied des Geschlechts, der das 20. Lebensjahr vollendet hat, die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt und seit mindestens einem Jahr Derufsangehöriger ist. Wählbar ist jeder Wahlberechtigte über 25 Jahre. Die Mitglieder werden auf 6 Jahre gewählt.
Die Stimmbezirke sollen möglichst mit den Ge- meindebezirken zusammenfallen. Die Wahlbezirke werden von der Landwirtschaftskammer bestimmt. Kem Wahlbezirk darf kleiner als ein poWscher Kreis fein. Die Wahlen erfolgen m drei Gruppen. Die beiden ersten um- fassen die Inhaber der landwirtschaftlichen Betriebe, die dritte Gruppe umfaßt di« übrigen Berufsangehörlgen. In der ersten Gruppe wählen die Inhaber größerer Betriebe, m der zweiten die übrigen Dstriebsmhaber. Jede der beiden Gruppen muß möglichst die gleiche Arbeitsleistung vertreten.
Den Landwirtfchaftskammern werden folgende Fach» kammern angegliedert: Fischereikammer, Forstkammer, Gärtnereikammer. Jede Fachkammer besteht aus 18 Mitgliedern, die nach denselben Grundsätzen wie zur Land- Wirtschaftskammer von den Spezialberufen gewählt werden. Zwischen Landwirffchaftskammer und Fachkammer ist die Verbindung dadurch hergestellt, daß dem Vorstand der Landwirtschaftskammer die Vorsitzenden der Fachkeu- ner Hinzutroten und umgekehrt.
Bei der Landwirffchaftskammer sowie den Fachkammern können nach Bedarf Ausschüsse für besondere Ausgaben gebildet werden. In Arbeiter- und Angestellten» ausschüssen müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Zahl vertreten fein.
Neben den Landwirtschastskammern besteht noch eine Hauptlandwirtschaftskammer in Berlin, die aus 65 gewählten Vertretern der Provinzkammern und 39 Mitgliedern der einzelnen Fachkammern besteht; jede Fachkammer wählt ein Mitgsied, also insgesamt 104 Mitglieder.
Die Kosten der Landwirtschastskammer einschließlich der ihr angegsiedertm Fachkammern werden, soweit sie nicht durch andere Einnahmen Deckung finden, durch Beiträge der Berufsangehörigen aufgebracht. Die Beitrags- einheit beträgt pro Jahr und Ha. beim Ackerbau, Obst, Weinbau, Wiesen-Weidewirffchast und Gärtnerei 10 Pf. Bei der Forstwirtschaft und Fischerei 5 Psg., außerdem eins v. H. des Grundsteuerreinertrages der vorbezeichneten Flächen sowie 1 M für jede in der Landwirtschaft tätige volle Arbeitskraft. Beitragspflichtig sind die wahlberechtigten Dsrufsangehörigen. Betriebsmhabsr zahlen neben dem Betrage nach Fläche und Grundsteuerreinertrag den Betrag nach der Arbeitskrafi für ihre Person sowie für die Zahl der durchschnittlich im Betriebe beschäftigten vollen Arbeitskräfte für letztere auch barm, wenn diese selbst nicht beitragspflichtig sind. Alljährlich beschließt die Land- wirffchastskammer den Dsitragssatz, der öffentlich bekannt gemacht wird.
In der Begründung heißt es: Die bisherigen Landwirt- schastrkammern sind nach besten Kräften bemüht gewesen, die ihnen zugewiesenen Ausgaben zu erfüllen; sie haben sich aber in verschiedener Hinsicht als abänderungsbedürftig erwiesen. Als wesentlicher Mangel wird empfunden, daß
wenn Seelen überhaupt noch Interesse für irdische Vorgänge haben, sich freuen würde, wenn Silvia wieder als Herrin auf Altenwied einzöge und die kleine Ursel dort wieder ihre Heimat fände."
Das klang frivol, und Therese lächelte zu dem (Befugten, Leo aber blieb ganz ernst, und fast zornig entgegnete er:
„Wenn da, Achim« Seele gleichgültig oder gar angenehm sein sollte, mir nicht! Ich werde da» zu verhindern wissen!"
„Wie wolltest Du das hindern? Willst Du Dich vielleicht mit Wolf zanken und ihn im Duell erschießen? Mein Lieber, er schießt gewiß besser als Du! Außerdem ist es noch gar nicht ausgemacht, daß sie sich heiraten werden, wahrscheinlich wird der bevorstehende Prozeß um die Perlen sie auseinanderbringen und Wolf hei- ratet die schöne Alice."
Leo schwieg, und Therese seufzte tief auf.
„Irgendwen wird er ja schließlich heiraten; alle können heiraten, nur ich nicht, ich muß einsam bleiben. Cs ist ein Unrecht, daß Tote derart über Lebende be. stimmen können." Und wieder frivol lächelnd fügte sie hinzu. „Wer weih, ob meines sel'gen Mannes Seele dafür nicht noch im Fegfeuer schmachtet und bitter bereut, mich bis zum Tode zu einem einsamen Leben verurteilt zu haben."
Leo sah auf. Therese saß in einem niedrigen Sessel znrückgelehnt; weich umfloß das lose Gewand ihre ©lieber, lässig ruhten ihre hübschen, weißen Hände im Schoß. Ihr Gesicht war noch schmal und ein wenig bleich, über der runden Stirn leuchtete das rotgoldene Haar. Sie sah besonder» hübsch aus, sie gefiel Leo so besser als früher, da sie noch von Gesundheit strotzte, sie sah zarter, fraulicher aus,, und wie leise Schwermut lag es heute über ihrem Wesen. Jetzt schwand wieder das ftivo'e Läch-ln von ihren Lippen, und sie blickte trübe vor sich nieder.
„Du hättest nicht einsam zu bleiben brauchen," sagte er leise, und sie nickte auffeu'zend:
„Ja. ich weiß, ich hätte Dich heiraten können. Aber ich wußte, daß Du mich nicht liebtest. Du liebtest schon damals Silvia."
.„Jetzt könnte ich sie hassen!" kam es leise zwischen seinen zusammengepreßten Lippen hervor.
„Das gerade beweist, wie sehr Du liebst, mein Leo. M ch haßtest Du nicht, als ich mich geweigert hatte. Dich zu heiraten."
bfe Wählbarkeit zur Landwirffchaftskammer auf diejenigen Eigentümer, Nutznießer und Pächter beschränkt mar, deren GrmÄbesitz oder Pachtung wenigstens den Umfang emet feTbftänteigen Ackernahrung hatte. Der vorliegende Entwurf dehnt die Wählbarkeit auf alle Angehörige des taub« wirtschaftlichen Berufsstandes aus, wie das vom früher« Landwirffchaftsminister m der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 23. April 1918 in Aussicht gestellt mar.
Gleichzeitig ist der Preußffchen Landesversammlung em Gesetzentwurf über die Errichtung neuer Lanbeskul- turämter (früher Genemlkommissionen) zugegangen.
ffin Klageruf ans Neutral-MoreSnet.
Au» dem unter dem Namen Neutral-MoreSnet be- kannten Ländchen südlich von Sachen, da» durch den Friedensvertrag ohne Volksabstimmung Belgien zu» aesproch-n worden ist, ist der Reichsregierung eine P e» tition zugegangen, in der die Bewohner über ihre jetzige Lage, über die Verschlechterung In bezug auf die Lebensmittelversorgung und steuerlichen Verhältnisse, und namentlich darüber Beschwerde führen, daß ihnen baj Recht der Selbstbestimmung versagt worden ist. Die Gesuchsteller bitten inständig darum, auS bent jetzigen Zustande erlöst zu werden Sie wollen deutsch bleiben; in zweiter Linie wünschen sie neutral zu bleiben, keinesfalls aber wollen sie belgisch werden.
Zufammenstötze in Erfurt.
Am Sonntag ist e8 in Erfurt zu großen Tumulten gekommen, als die Polizei den Gülerbodenar- beiter Kühn verhaftete. Kühn war es, der eot einigen Tagen bet der Anhaltung be? französischen Polonia-ZugeS zur Vernichtung der Munition auf» gefordert hatte, bei der dann zirka 1 Million Schuß Gewehrmunition in die Luft gesprengt wurde. Auf Verlangen der französischen Behörden wurde der Güterbodenarbeiter Kühn verhaftet und in das Erfurter Gerichtsgefängnis eingeliefert. Daraufhin zogen mehrere hundert Eisenbahnarbeiter, denen sich auch Transportarbeiter angeschlosien hatten, vor ba$ Gerichtsgefängnis, um den Verhafteten zu befreien. Als diesem Verlangen nicht nachgegeben werden konnte, suchte man vom Untersuchungsrichter die Freilassung des Verhafteten zu erzwingen. Kurz darauf erschien aber Sicherheitspolizei, die das Gefängnis besetzte. Die Eisenbahnarbeiter beschlossen darauf, die Arbeiterschaft Erfurts zum Protest gegen die Verhaftung Kühn? auszurusen. Es fand auch eine Versammlung der Eisenbahner und eine Konferenz der Betriebsräte statt. Allgemein wurde jedoch die Haltung der Güterbodenarbeiter nicht gebilligt und der Antrag, sofort in den Streik einju- treten, mit starker Majorität abgelehnt.
Am Sonntag kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Teilnehmern an einer vaterländischen Gedenkfeier und einem TemonstrationSzug Kriegsbeschädigter. Die Sicherheitswehr mußte einfchreüe» und stellte die Ruhe und Ordnung wieder her.
Aus dem besetzten Gebiet.
Verhaftung eines Aachener Belebtem. Die belgische Besatzungsbehörde verhaftete nach einer Durchsuchung der Redaktion de» „Aachener Volkrfreunde»" den Chefredakteur de» Blatte», Dr. Heinen, aus bisher unbekannten Gründen.
chuartieranfprüche der Zranzofen In Mainz waren im August an möblierten Räumen von der Besatzungsarmee in Anspruch genommen: 3000 möblierte Zimmer, 107 besondere Küchen, 269 mitbenützte Küchen und 20 Büroräume. Dazu kommen noch unmöbliert 213 Wohnungen mit insgesamt 1263 Räumen und sieden ganze Häuser. D e» sind nur Ansprüche für militärische Zwecke. E» kommen hinzu die vielen französischen Zioilfamilien und Einzelpersonen, die fich in Mainz niedergelassen haben und in der Wohnungsbeschaffung nicht ohne Unterstützung durch Militärbehörden geblieben sind Die Stadt Mainz muß jetzt 135 neue Woh- nunnen von zwei bis 4 Zimmer erließen, wsfür 8,6 Millionen nötig sind.
„Nein," gab er zu, „deswegen liebte ich Dich doch» wenn auch in anderer Weise. Und es wäre gut gewesen, wenn Du mich geheiratet hättest, Therese, für Dich und mich vielleicht . . ."
„Vielleicht . . .1" wiederholte Therese.
Er blickte rasch auf, aber sie sah bald vor sich nieder, und fo sagte er nichts mehr.
Siebzehntes Kapitel.
Seit Wolf Eggenbrecht im Walde fo unvermutet mit Silvia jufammengetroffen war, hatte er an jedem Vormittag die Gegend an der Stolzener Grenze zu Pferde durchstreift, in der Hoffnung, Silvia wieder zu begegnen. Vergebens! Endlich fuhr er an einem Nachmittag — es war eine Woche feit der Begegnung vergangen — im Auto nach Stolzen hinüber. Hier empfing ihn aber nur die alte Frau Branding und erzählte gleich, Therese sei nicht mehr da, sondern nach München abgereist, von wo aus sie Franzensbad aufsuchen wolle.
„Mein Sohn hat sie nach München begleitet, gestern smd sie zusammen im Auto von hier fortgefahren," fügte sie hinzu.
„Und Frau von Eggenbrecht?" fragte Wolf.
„Frau von Eggenbrecht verließ uns schon vor vier Tagen, und ich vermisse sie sehr. Eine so liebe, jung« Frau!"
Als Wolf von Stolzen nach Altenwied zurückfuhr, selbst das Auto lenkend, war es ein Glück, daß die Landstraße so gänzlich unbelebt war, denn ganz me- chanisch nur steuerte feine Hand den Wagen, und mii allen feinen Gedanken war er bei Silvia in München.
Noch vor einet Woche hatte Silvia nichts davon ge« sagt, daß sie Stolzen fo bald verlassen wollte. War dort etwas vorgefallen, was ihre Abreise veranlaßte? Möglich schon! Hatte Leo Branding um sie angehalten? Hatte sie ihn abgewiesen oder — war sie jetzt schon mit ihm verlobt? — Ganz heiß wurde Wolf bei dem Gedanken, und für Augenblicke sah er die Straße nicht mehr, fein Blick verdunkelte sich. Aber bann sagte er sich, daß Frau von Branding wohl kaum ein Geheimnis daraus gemocht haben würde. Nein, verlobt waren sie jedenfalls noch nicht. Doch nun war Branding in München, ging bei Silvia aus und ein, benutzte die Rechte, die Achim ihm eingeräumt hatte, und wer weiß, ob feine Macht über die junge, unerfahrene Frau nicht bereits fo groß geworden war, daß sie gar nicht imstande fein würde, ihm zu widerstehen, wenn er . .,