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r Die Perlen -er Eggenbrechts.

32] Roman von Alexandra von Söffe.

Ich möchte so gern, daß Sie sich für meine Arbeit intereffieren. Meine Mutter kann es nicht, sie versteht ' kaum, daß auch solche Arbeit eine Berechtigung hat. Ich fürchte, sie schätzt meine Arbeit als eine Art Spie» ; lerei ein, meint, so wie ein anderer Pfeifen und Brief­marken sammelt, so sammle ich Gifte. Wenn Sie sich dafür interessieren wollten, würden Sie bald das Gru­seln vor meinen Giften verlieren und allmählich selbst erkennen, wie wichtig meine Forschungen und die an­derer Wissenschaftler sind."

|Das leugne ich auch jetzt nicht."

Nun, sehen Sie, da sind wir auf dem besten Wege. Nicht ableugnen, sondern verstehen wollen, das ist schon viel. Sie waren vielleicht bis heute der Ansicht, ich fei : ein Sonderling, der ein Steckenpferd reitet und darüber wichtige Arbeiten, wie di- der Landwirtschaft, vernach- ! lässigt."

O nein, ich habe mir nie erlaubt, Ihre Tüchtigkeit ju kritisieren."

So denkt meine Mutter und so sollen Sie nid): denken", fuhr er fort, ohne ihren Einwurf zu beachten, i »Cie sollen erkennen lernen, daß ich ein einst schaffen­der Mann bin, verschlossen denen gegenüber, die mich nicht verstehen, nicht verstehen wo''en, aber nicht kalt­herzig! Gerade Sie Silvia, sollen das wissen, S e die ich liebe heiß und leidenschaftlich liebe, seit Ich seit Jahren schon!"

Er sprach zuletzt ganz leise, heiser vor Erregung, und sie war so überrascht durch das plötzliche Geständ­nis. so erschrocken darüber, daß sie ganz sprach'^ und kegungslos blieb. Leise, in dem gleichen erregten, hei- seren Ton sprach er weiter:

Schon seit Jahren trage ich den heißen Wunsch in Mir Sie mein zu nennen. Meine Leidewchatt mußte fitmeigen, gewaltsam mußte ich sie ersticken, !a!a»ge 8kh;m lebte, mußte kalte Gieichgüttigkest heucheln, wäy. L teno es wie Feuer in mir brannte, Silvia! 1 ann narb Stchim: Schwer traf mich sein Tcd, und doch war er m-r Erlösung. Nun konnte ich hoffen! Nun burfte ich hoffen! Und ich wartete wartete vis mu von Ihnen ein Zeichen würde, hob ich nicht uw'onit ae hofft! Silvia . . ."

Item, nein!" unterbrach sie ihn, nun ihre Erstar­rung' abschüttelnd.Ach, bitte, schweigen Sie, fjerr von Branding! Sprechen Sie nicht weiter!"

Warum?"

Nie kann werden, was Sie wünschen!"

Sie erhob sich rasch, warf einen Blick nach der Tür, als wollte sie fliehen, und als Branding nun aufsprang und einen Schritt auf sie zu machte, hob sie abwehrend die Hände.

Nein! Nie nie!"

Warum' nicht?" '

Seine Stirn hatte sich gerötet, fe'ne Augen öffneten sich weit, und Leidenschaft flammte darin auf.

Warum nicht Silvia? Hat mir doch Achim selbst Sie anoertraut!"

So hat er es nicht gemeint gewiß nicht!"

Vielleicht nicht vielleicht doch! Vielleicht wußte er, daß ich Sie liebte! Vielleicht erkannte er das mit der Hellsehigkeit Sterbender!Sei ihr alles, was du ihr sein kannst" sagte er, und ich gab ihm die Hand darauf. Nun ist die Zeit gekommen, wo ich ganz mein Serfpierfjen erfüllen kann, und befrage ich Sie, Sil­via . . ."

Nein! Nein!"

Ganz entsetzt wich sie vor ihm zurück bis an den Schreibtisch, zitternd und angstvoll, als fürchte sie (Be­malt, und stammelnd bat sie:

Lassen Sie mich gehen. Herr von Branding, gleich! Ich will fort! Ich will hier nicht länger bleiben!"

Branding sah Silvias Angst, sah das Entsetzen tn ihren Augen, und ein bitteres Lächeln glitt um seine Lippen.

Was fürchten Sie denn?" fragte er hartSie können gehen, wenn Sie wollen! Aber zuvor sagen Sie mit noch das: Wollen Sie nicht darüber nach­denken, ob Sie nicht doch noch anderer Meinung wer­den könnten? Nie wieder wird ein Mann Sie lieben, rote ich Sie liebe1 In Stolzen werden Sie Herrin sein, und Ihr Kind, Achims Kind, werde ich Heben, als fei es giein eigenes!"

Zuletzt war ferne Stimme gdnz weich und flehend geworden, und plötzlich tat es ihr leid, plötzlich begriff sie, daß sie ihm weh getan und daß sie ihm weiter weh tun mußte: sie faltete die Hände.

Verzeihen Sie mir, Herr von Branding, ich kann nicht anders ich kann Sie nicht heiraten! Sie wif.

September 1920

Idienbtuderei in Fulda. Fuldaer Zeitung

Verantworttich für den rebatiion. Teil Redakteur K. Schütte ~ eller-Fulda. -

für die Anzeigen: H. Par Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Fernsprecher Nr. 9- T-legr.-Adresse

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 Mk. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmaß) 60 Pfg u. 10% Zuschlag, die Reklamezeile (Textbrette) 1.80 2!fi u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

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«it der Frage: Reichsnotopfer

oder Zwangsanleihe

Dirb uns von unterrichteter Seite geschrieben:

Diese Frage wurde schon seiner Zeit, als der Ge- toenlmnrf über das Notopfer in Vorbereitung war, sebyaft erörtert, ich selbst habe damals dir Ansicht ver- tztten, daß eine Abgabe, bei der es jedem Emzelnen «r ei steht, in 30 oder gar in 50 Jahresraten zu be- ishlen, dem Reich aus seinen Fincmzschwierigkeiten nidjt heraushelfen kann, daß vielmehr die sofortige Zahlung die Regel bilden muß und die Ratenzahlung jnir als äußerster Notbehelf gellen darf.

Jetzt zeigt sich bereits, daß gerade die kapitalkräf- ggften Kreise trotz der für Barzahlung gebotenen Beinen Vorteile, gar nicht daran denken, ihr Notopfer alsbald zu entrichten, weil sie sich der Hoffnung hin- i-eben, daß im Laufe der Jahre veränderte Verhält? Me eintreten, die es ihnen ermöglichen, von der Zah- tung befreit zu werden; bis dahin zahlen sie lieber die Zinsenzuschläge auf den schuldigen Notopferbctrag. Eine Zwangscmleihe müßte selbstverständlich a n Stelle des Notopfers treten, sie könnte nicht ne­ben diesem erhoben werden, weil sonst beide Zah- lungspflichten zusammengerechnet bei großen Vermögen besten Bestand übersteigen würden. Auch müßte die sZwangsanleihe zins en los bleiben und erst all­mählich, wenn sich die Fmanzverhältniffe des Reiches einmal gebessert haben, was wohl noch lange dauern

wird, 'm bescheidenen Raten getilgt werden.

Solche Zwangsanleihen sind in der Finanzgeschichte nichts Neues, sie sind von anderen Staaten in früheren Jahrhunderten schon vielfach erhoben worden, in der neueren Zeit hat meines Wissens nur Italien diesen Weg beschritten.

Der letzte Reichsfinanzminister, Herr Erzberger, hat sich im entscheidenden Augenblick gegen eine Jwangsanleihe. ausgesprochen, obwohl weite Kreise (Bankiers, Industrielle und Handelskreise) ihm solche angeraten hatten, er gab sich bezüglich des Notopfers großen Erwartungen hin, die aber jetzt nicht in Er-

Mung gehen.

Wenn das Reich aus seinen Schwierigkeiten befreit und dem immer mehr überhand nehmenden Papier­geldumlauf abgeholfen werden soll, ist die Zwangs­anleihe, welche Jedem nach seinen Kräften sofor- tige Zahlung auferiegt, der einzig richtige Weg.

Immer neue Reibereien.

Die Ablehnung der neutralen Untersuchungskammer.

Die alliierte Botschafterkonferenz hat das deutsche Ersuchen, die polnischen Gewalttaten in Oberschlesien durch eine neutrale Kommission untersuchen zu lasten, kurzerhand abgelehnt. Die Antwort an die deutsche Friedensdelegation lagt kurz und bündig:

Ich beehre mich. Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß die alliierten Mächte einstimmig der Ansicht find, daß die Bildung einer derartigen Kommission sich nicht rechtfertigen läßt, und daß der Vorschlag Ihrer Regierung infolgedessen nicht angenommen werden kann."

Natürlich Iaht es sichnicht reilfertigen", daß von einer wirklich neutralen Stelle den dunklen französisch-polnischen Machenschaften nachgegangen wird. Das konnte man schon im Voraus wissen, aber die deutsche Anregung wird in einer Form zurückgewiesen, die mit genauer Not noch das Mindestmaß der internationalen Höflichkeit hält. Nicht der geringste Grund wird für die Ablehnung des deutschen Vorschlages angegeben. Das ist ungefähr so eine Art, wie man einem lästigen Hausierer die Tür vor der Nase zuschlagt.

Das Ränkespiel gegen Genf.

In der französischen Regierungspresse wird jetzt ausdrücklich zugegeben, daß Millerand den Vorschlag der englischen und italienischen Regierung, die Genfer

| Konferenz auf den 2 5. September sesizusetzen, ab lehnt, und daß eine Entscheidung über diese

1 Frage erst nach der Begegnung von Alx-les-Dains getroffen werden dürfte. Kann man die Genfer Son« ferenz nicht gleich vereiteln, dann will man sie wenig­stens vorläufig verschieben, um Zeit zu gewin­nen und sie doch noch zu hintertreiben. Es ist nicht un- l-etannt geblieben, daß gleich nach Schluß der Knn- fercnz von Spaa imterhalb der französischen Delega­tion die Ansicht laut wurde, man dürfte mit den Deutschen nicht wieder zusammenkom. men, weil man deren Beweisgründe mitunter schwer widerlegen könne, und von der geplattten Konferenz weiß man, daß die Deutschen diesesmal sorgfältig aus- gearbeitetes Beweismaterial über die wirtschaftliche Lage Dsutschlairds oorlegen werden. Demgegenüber will sich Frankreich nicht auf eine Auseinandersetzung emlassen.

Die Begegnung von Aix-les-Bains.

In dem Schwefelbad Aix (es Bains in Südftank- reich findet gegenwärtig eine Begegnung des franzö- fischen und des italienischen Ministerpräsidenten ftatt Die erste Zusammenkunft erfolgte unter vier Augen gestern mittag. Nachmittags fand eine neue Zusam­menkunft statt, an welcher der italienische Botschafter m Paris und der französische Botschafter in Rom teil- nahmen.

Beratungsgegenstände der Zusammenkunft sind französisch - italienische Fragen, namentlich gewisse itolienische Forderungen. So verlangen zum Bei- spiel die kettenden Männer Roms, daß ihnen 32 Schiffe der ehemaligen österreichisch-ungarischen Han­delsflotte, die Frankreich zur Verwallung übergeben ; worden sind, abgetreten werden. Dazu kommen noch , Forderungen, die sich auf die ungenügende Ausfuhr der französischen Eisenerze und phosphorsauren -salze sowie auf die Verteilung der deutschen Kohle beziehen. Das sind die bekannt gegebenen Beratungspunkte. Wichtiger aber sind die Beratungsgegenstände, die nicht genannt werden. Um was es sich dreht, kann man aus dem PariserTemps" erkennen, der Giolitti ein Tauschgeschäft vorschlägt. Wenn Italien sich ent« schließe, von der Polittk Lloyd Georges abzurücken und Frankreich freie Hand zu lassen im Adriatischen Meer, in Montenegro und vielleicht sogar in Filmte. DasEcho de Paris" spricht offen aus, daß Millerand die in Spaa getroffenen Vereinbarungen einer direkten Verhandlung mit Deutsch­land über ditz Mittel zur Wiedergutmachung des Kriegsschadens wieder rückgängig machen möchte und daß er auch freie Hand bekommen wolle gegenüber Rußland. Ob es Millerand gelingt, f 9tdien auf die Seite Frankreichs zu ziehen, ist sehr zweifelhaft. .__

Protest wegen Eupen und Malmedy.

Am 15. September entscheidet der Rat des Völker­bundes in Paris übet dieVolksabstimmung" von Eupen und Mdmedy. Die belgische Regierung hat ihm das Ergebnis der sog. Volksbefragung (nach wel- cher von 33 726 Sttmmberechtigten etwa 270 für Deutschland gestimmt haben) unterbreitet. Nun hat die Reichsregierung eine Note an den Völkerbund gerichtet, die am Samstag in London und Paris über­reicht wurde. Gleichzeittg hat die Reichsregierung in einem Weißbuch urkundliches Beweismatenal über die sogenannte Volksbefragung zusammengestellt und bar gelegt, in wie terroristischer Weise die Durchfüh­rung dgrVolksbefragung" gehandhabt wurde. In diesen Dokumenten werden ohne jede anttliche Aeuße- rung nur die Aussagen von Leuten der beiden Kreise nebeneinander gestellt, m denen in schlichter Form rein Tatsächliches über das Verhalten der Belgier und die Maßregelung und Drangsalierung der Deutschen ge­geben wird.

In der dem Völkerbund überreichten Note werden in Anknüpfung an die früheren Noten nochmals die verschiedenen Punkte hervorgehoben, die die oertrags- widrige Handhabung der Volksbefragung durch die belgstchen Behörden kennzeichnen. Dies sind: technische Undurchführbarkeit der Abstimmung, Beelnslussung der Stimmberechttgten, Vergeltungsmaßnahmen für die Ausübung des Stimmrechts, Unterdrückung der freien Meinungsäußerung, Ausweifungen und Ein­schüchterung durch em besonderes Lockspitzelsystem. Die Note fährt fobann fort:

Es ist nur allzu begreiflich, daß alle diese Maßnahmen bei der Bevölkerung einen Zustand der Mutlosigkeit unb Verängstigung geschaffen haben, der eine wahre Willensäußerung nicht miskommen ließ. Diese unleugbare, durch zahlreiche Bekundungen aus der Bevölkerung selbst erwiesene Tcttsache ist mzwischen, wie nicht unerwähnt bleiben mag, auch durch die Berichte mehrerer ausländischer Pressevertteter, die die Gebiete bereist hoben, aus eigener Wahrnehnnma bestätigt worden Insgesamt haben sich von 30 000 Stimmberechtigten mrr 272 Personen in die Slbstirnnmngslrsten eingetragen. Berücksichtigt man, daß die Kreise Eupen und Malmedy niemals zu Belgien ge- hört haben, daß der Kreis Eupen eine reine deutsche und der Kreis Malmedy eine zu Dierfmrftel deutsche Bevölke­rung hat, daß die Gebiete nach Sprache und Kultur deutsch sind, daß ihre wirtschaftlichen und wirklichen Interessen ihr Verbleiben bei Deutschland erfordern und daß bis zum Ende des.Jahres 1918 weder in den Kreisen selbst, noch auch in Belgien jemals Bestrebungen bemerkbar geworden find, die auf einen Anschluß der Gebiete cm Belglen hin­gezielt hätten, so wird man mit Fug und Recht in _ den angegebenen Zahlen den besten Beweis dafür erblicken dürfen, daß die Volksbefragung den wahren WMen der Bevölkerung nicht zwn Ausdruck gebracht hat.

Diesem Tatsachenstande gegenüber erinnert die deutsche Regierung erneut daran, daß die alliiertem Mächte in ihrer Note vom 16. Juni 1919 feierlich versichert haben, daß keine Gebietsübertvagung an Belgien stattfinde und das Ergebnis eine Entscheidung der Bevölkerung sei und daß diese Entscheidung unter Bedingungen emgehott wer­den solle, die die volle Abstimmungsfreiheit gewährleisten.^ Diesen Versicherungen haben die belgischen Behörden zuwidergehandelt und darüber hin­aus den Friedensvertrag verletzt, indem sie die Ausübung eines vertraglich gewährleisteten Rechts tatsächlich un­möglich machten.

Gestützt auf diese Tatsachen bittet die Regierung dm Völkerbund, die unter belgischer Leitung erfolgte Solls- befragung für ungültig $u erklären und > Maßnahmen zu treffen, durch die der BevAkemng die I Möglichkeit einer wahrhaft freien, unbe- j einflußten Willensäußerung gegeben wird. Nur durch ein unmittelbares Eingreifen des Völkerbunds . würde das der deutschen Regierung in der der Note der Alliierten vom 16. Juni 1919 beigefügten Denkschrift ge­gebene Versprechen seine Verwirklichrmg finden, wonach die Volksbefragungen in Eupen und Malmedy unter Lei­tung des Völkerbundes stattfinden sollen.

! Die Note verweist dann auf das betgefügte Weiß­buch ruck: spricht die Hoffmmg aus, daß die zwingende Kraft der in dieser Sammlung mttgeteilten Tatsachen den Völkerbund bei seiner Entscheidung, bei der das Schicksal einer Bevölkerung von mehr als 60 000 Seelen auf dem Spiele steht, veranlafien wird, die erwähnten Maßnahmen zu treffen, die allein geeignet sind, die begangene Ver­letzung des Friedensvertrages und des Bruchs feierlicher Dersprechne durch die belgischen Bchörden wieder gutzu­machen und dem Selbstbestimmungsrecht der Völker auch in Eupen und Malmsdy jur Anerkennung zu verhelfen.

Mft dieser Note ist die Zahl der wegen Eupen und Malmedy deutscherseits abgescmdten Noten auf elf ge­stiegen. Bisher wurden nur zwei und auch diese nur m durchaus ungenügenber und dem deutschen Stand­punkte nicht rechnungtragender Weise beantwortet. DieBitte" der neuen Note, die belgischeVolks­befragung" für ungültig zu erklären, ist nur allzu ge- rechtfertig. Diese Volksbefragung ist (eine Volksbe- ftagung. In Wirklichkeit handelt es sich um eine von Belgien beabsichtigte Annexion, der man nicht ein­mal den Schein einer von bet Bevölkerung gewünsch­ten Maßnahme gelassen hat. Der Völkerbund muß

sen, wie sehr ich Sie achtete,, wie sehr ich Ihnen oer- traute als Achims einzigem, bestem Freunde und als Ursels Vormund . . ."

Aber persönlich war ich Ihnen nichts!" fiel er ein und lachte hart auf, sich an den Brief erinnernd, den Silvia auf der Veranda hatte liegen lassen.

Ganz erstaunt sah sie ihn an, nicht gleich sich besin- nend, wann und wem sie bas gesagt hatte.

So ist es doch?" fragte er, sie scharf fixierend, und sie senkte den Blick.Und ich weiß genau, warum es so ist!" fuhr er in erregtem Tone fort,Sie lieben einen anderen!"

Sie blickte noch vor sich nieder, schüttelte dann lang­sam den Kopf; aber plötzlich überflutete heiße Röte ihr Gesicht, und mit unwillkürlicher Bewegung preßte sie die Linke aufs Herz, das flatternd zu fchlagen be­gann.

Den anderen kenne ich! 5a ich kenne ihn!" stieß er zwischen zusammengepreßten Zahnen hervor, und ganz erschrocken blickte sie auf, als er knirschend hiuzu- fügte:Er, der alles bekam, auch Sie will er noch!" Dann endete er, mehr zu sich selbst als zu Silvia spre- chend:Wenn ich ihn töten könnte ihn töten!"

Ihn töten wen?" stammelte sie ganz entsetzt, sich an seine furchtbaren Gifte erinnernd.Was mei­nen Sie, Herr von Branding? Wen meinen Sie? Sein Mensch auf der Welt hat mich in meiner Entschließung beeinflußt, auch nicht durch Gefühle, die in mir erweckt wurden. Ich weiß nur, daß ich Sie nie so lieben konnte, wie ich Sie lieben müßte, um Sie zu heiraten, daran kann niemand etwas ändern!---Und

jetzt lassen Sie mich gehen bitte!"

Mit einem langen, bösen und gleichzeittg qualvollen Blick maß er sie, dann wendete er sich, schritt langsam zur Tür, öffnete sie und ließ Silvia an sich vorüber­gehen. Draußen öffnete er auch die Eingangstür, ver- beugte sich steif, als Silvia hinauslchritt, sah ihr mit gefalteten Brauen nach, wie sie sich zwang, langsam über den Hof zu gehen, und sah sie die schwere Tür des Herrenhauses mühsam offnen und im Dunkel ver­schwinden.

Aus!" sagte er laut.

Frau von Branding und Therese saßen beim Tee und warteten auf Leo. Endlich kam er.

jetzt zeigen, ob er den Willen hat, die Vergeroalttgung der Bevölkerung deutscher Gebiete weiter zu dulden, ober ob er dem deutschen Ruf nach Gerechttgkett, dem Schrei der unterdrückten Bevölkerung rwchkommen will. Der Völkerbund entscheidet am 15. September nicht nur über das Schicksal von 60 000 Deutschen, er entscheidet in einer für jeden Unbefangenen klaren Weise auch darüber, ob er der unparteiischen Ausfüh­rung des Versailler Vertrages oder ob er den milita­ristischen und aimexioniftischm Intereflen Belgiens die­nen will.

Tie italienische Arbeiterbewegung.

Die Beratungen der Arbeitervertretungen in Mailand endigten nach zwanzigstündiger Aussprache mit dem Siege der gemäßigten Richtung,, deren Tagesordnung mit 590 000 gegen 410 000 Stimmen angenommen wurde. Die weitere Leitung der Metallardeiterbewegunc, wird den Gewerkschaf­ten anvertraut, in denen die gemäßigten Elemente führen, während der Vorschlag unterlag, die Bewe­gung der sozialistischen Parteileitung zu über­tragen, in der die Leute überwiegen, die der Bewe- Eig einen politisch revolutionären Charakter gege-

' hatten. Die Drohung, die Besetzung auf die gesamte italienische Industrie auszudehnen, ist da­hingefallen. Voraussichtlich erreichen die Gewerk­schaften nunmehr ihre letzte Forderung: gesetzlich« Einführung von Betriebsräten.

Prämien für Waffenahlieferung.

Der Reichskommifsar für die Entwaffnung hat für die beschleunigte Ablieferung von Militärwaffen, Teilen von Militärwaffen und Munition Prämien auSgesetzt, die aus der folgenden Aufstellung ersicht­lich sind. Diese Prämien werden in der ersten Zeit der freiwilligen Ablieferung vom 15. September bi# zu m 10. Oktober 1920 einschließlich in voller Höhe vom 11. Oktober bis20. Oktober einschließ- uch nur zur Hälfte ausbezahlt. Die Ablieferungs­frist läuft bis zum 1. November 1920.

Es werden gewährt pro Stuck:

1. Für vollständige Waffen: 1. Geschütze 10000 Mark, 2. Geschütze unter 6 cm Geschotzdurchmesser 6000 Mk., 3. Minenwerfer 2000 Mk., 4. Maschinenge­wehre 1000 Mk., 5. Vorrichtungen, die zum Werfen von Sprengkörpern oder Gasbomben bestimmt sind, 500 Mk., 6. Flammenwerfer 500 Mk., 7. Granatwerfer 50 Mk., 8. Gewehrgranatenwurfbecher 20 Mk., 9. Maschinen. Pistolen 300 Mk, 10. Gewehre unö Karabiner 100 Mk., 11. Tankgewehre 500 Mk., 12. Armeerevolver oder Armeepistolen 30 Mk., 13. Gewehrgranaten, Wurf, und Handgranaten 3 Mk. . )

IL Für wesentliche Teile von Waffen: 1. von Geschützen a) Rohr 3000 Mk., b) Verschluß 2000 Mk., c) Richtvorrichtung 1000 Mk., 2. von Minenwerfern a) Rohr 500 Mk., b) Rücklachbremie 500 Mk., 3. von Flammenwerfern a) Rcngkessel 100 Mk., b) Gaskugel 100 Mk., 4. von Maschinengewehren a) Lauf 50 Mk., b) Schloß 20 Mk., c) Zuführer 10 Mk., 5. Maschinenpisto. len, Karabiner und Gewehren a) Schloß 10 Mk, b) Lauf 20 Mk., 6. von Armeerevolvern oder Armeepistolen a) Trommel 5 Mk, b) Gleitschiene 3 Mk., c) Lauf 3 Mark.

III. Für Munilion: 1. für ungebrauchte Ar­tillerie- und Minenzünder 2 Mk., 2 Handgranatenzün­der, Sprengkörper und Sprengkapseln 0,50 Mk., 4. Patro­nen für Handfeuerwaffen jeder Art 0,10 Mk.

Bei nachgewiesenem rechtmäßigem Erwerb einer ablieserungspflichttgen Waffe wird Entschädigung in Höhe des Verkaufswertes der Waffe zur Zeit der Ablieferung gewährt. Eine etwa bei Ablieferung der Waffe ausgezahlte Prämie tptrd auf den Ent- schädigungsbetrag angerechnet.

Die Einfuhr amerikanischer Milchkühe.

Die Einfuhr amerikanischer Mllchkühe, welche ei», Komitee der Bereinigten Staaten Deutschland zum Geschenk angeboten hat, kann nun endlich m kurzer Zeit erfolgen. Es handelt sich dabei um 2b00 Kühe: die Meldungen, die höhere Ziffern nannten, sind falsch. Die Angelegenhett, die auf Grund unrichtiger Anga­ben zu heftigen Angriffen auf den Ernährungsmunster geführt hat, ist am Samstag im volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstages besprochen worden. Es lag dort ein Anttag der Unabhängigen auf Annahme eurer Entschließung vor, worin gesagt war, daß der Aus» schuß die Stellungnahme des Reichsernährungsmini- stcrs nicht billigen könne. Für diesen Antrag stimm­ten nur die Unabhängigen, alle anderen Parteien stimmten dagegen. Die Abstimmung erfolgte nach Darlegungen von Dr. Hermes, die also die Billigung aller Parteien fanden. Eine offiziöse Darstellung teilt zur Aufklärung der Oeffentlichkeit noch folgendes mit:

Di« Kühe befinden sich noch in den Ställen der Farmer unb Md noch nicht zur Cammdftelte gebrach, worden Die ersten 500 bis JOOO Stück sollen nebst dem ersordertrchen Kraftfutter für vier Monate Anfang Oktober von Port EarMrm verschifft werden. Wer sich klar macht, welche Schwierigkei. i: es zu uberromden gilt, um grofje Mengen Mllchkühe aas den verschiedensten Teilen bet Vereinigten Staaten zusamm mzubringen und sie über den Ozean nach Bremen ober Hamburg zu verschiffen, muß mit sämtlichen maßgebe.den deutschen Stellen und der American Dairy Gattie Eo. leibst darin einig sein, daß trotz unseres ge- lichteten Viehbestandes und der harten Abl'.efcrungsforde- rung des Friedenssert.'ages zur Hebung der beutfdjen Milchwirtschaft in erster Lrie Kraftfutter in Frage kommt Es ist leichte und bill.ger zu transportieren als Milchkühe, unb der Lr-n.rwor' rfi fast ohne Risiko und zu jeder Jahreszeit möglich. Nachdem die Bitte der deuttchen Regierung an die Entente, sirr den Seetransport ei.r:ge nach dem Friedensvertrage abzuliefcrnde deutsche Sch.ffs» noubauten zur Verfügung y stellen, abgelehnt worden ist, werden voraussichtlich die Kosten des Transportes einer Kuh auf ungefähr die hclfte ihres Erstehungswert»» in Deutschland zu stehen kommen. Der Regierung sind bisher zwei verbindliche Schiffsraumangebote zugegangen. Das eine lautet auf 70 Dollar (3500 M.), das zweite durch das Rote Kreuz ermittelte ist um 15 Dollar (2700 M) nied­riger. Das Angebot ist aber lückenhaft, weil es die See­versicherung nicht einschließt, die bei Einzelverlust 5 bis 10 Prozent des Wertes einer Kuh beträgt. Zu beiden An- geboten sind noch weitere Angaben erforderlich. Es wirb geprüft, welche von dem beiden vorliegenden Angeboten das günstigere ist. Die Kühe werden nach Eintreffen in Deutschland voraussichtlich in die Abmelkställe der großen Städte gebracht.

Die Einfuhr der amerikanischen Kühe würde also

(Fortsetzung folgt.)

ermöglichen, die städtische Mttchversorgung zu beffern.