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Jß. 211.

VamStag, 11. Septe«he* 1920.

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Beträte Schulen (j. D. in der Diaspora) für konsefsio- ftelle Minderheiten zugelaffen werden können, wenn gne öffentliche Volksschule ihres Dekenntwsses nicht tcstcht und wen» diese Privatschulen in ihrem Lehr- gjd, in ihren Einrichtungen und ihren Lehrkräften nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehew

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■ 1919 im Staatshaushaüsausschuß, Artikel 143 sei so mszulegen, daß überall die konfessionelle Schule auf» zuheben sei, wo ein simultanes System reicher geglie- dert sei. Was hat tiemi noch nach Ansicht der kleinen konfessionellen Schulen zu erfolgen? Ganz einfach, föltfje „Zwergschulen" werden zu einer Simultan­schule zusammengelegt. Nun gibt es aber zahlreiche -Gemeinden, welche nur eine wenig gegsiederle kon» sessionelle Schule haben, im Regierungsbezirk Kassel sind es etwa 82 Prozent. Wie soll diesen die Wohllat eines „geordneten" Betriebes verschafft werden? Auch dafür wird gesorgt und zwar so, daß neben der reicheren Mederung selbstverständlich eine Simultanisierung der Schulen herauskommt, chörett wir, welche Vor­schläge die sozialdemokratische Zeitung „Die rote Schule" zu machen hat.

„ES werden soviel Schuloemeinden zusarnmenae' faßt, bis die für ein großes System erforderlich» Amber« zahl beisammen ist. An zentral gelegener Stelle wird ein entsprechendes Schulhaus gebaut, während die alten Schulhäuser zu Jugendpfleaezwecken und Vergrößerung der Lehrerwohnung Verwendung finden. Jede Gemeinde erhält einen besonderen Sch ulomnibuS, für welchen die Bauern abwechselnd daS Gespann zu stellen haben. Durch weithin hörbare Zeichen gerufen, versammelt sich die Schuljugend jeden Morgen und fährt im Omnibus zur Schule, von dem Lehrer als Aufsichtsperson begleitet."

Die Hoffnung der „roten Schule" dürfte sich wohl bei der heutigen Finanznot und solange die Sozial­demokraten noch nicht ausschließlich und allein regie­ren, nicht verwirkst chen. Es ist aber ehr großer Feh­ler vieler Gemeinden gewesen, sich gegen notwendig anerkannte Schulreformen taub gestellt zu haben. Daß wir in unserem Regierungsbezirk Kastel nahezu 82 Prozent einklassige und Halblagsschulen hoben, brauchte nicht zu sein. Es gibt heute noch Schulen, an denen e i n Lehrer 90 bis 100 und mehr Kinder zu unterrichten hat. Einer solch wichttgen Schulreform wie der Herabsetzung der Klaffenbesuchsziffer hätte sich das Land nicht solange widersetzen sollen zum Scha­den ihrer eigenen Kinder. Ganz gewrß besteht der Fatz zu Recht, „je vollkommener gegfiebert, desto höher die Leistungen." Aber man darf nicht aus­schließlich an die intellektuelle Ausbildung denken und auch die andere Aufgabe der Schule nicht verges­sen, und diese ist, unsere Jugend zu erziehen. Man spricht und schreibt allenthalben von einer Erziehungs-

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t Miß, 3) daß aus Antrag der (rrzteyungsvere-yngten ; Äz konfessionelle Volksschulen errichtet werden können, so- N weit dadurch ein geordneter Schulbetrieb Olty nicht beeinträchtigt wird (§ 146), 4) daß

schreibt uns:

Unseren Gegnern ist die konfessionelle Schule ein Mbel, das zu befestigen in den harten Kämpfen um |je Weimarer Verfassung ihr Ziel war. Die g§ 142 zis 149 der Verfassung, welche sich mit Bildung und Schule befassen, sind ein Kompromiß, bei dem das Zentrum, das in der Forderung der konfessionellen /Schule allein stand, schwere Kämpfe zu bestehen hatte. Schließlich wurde doch erreicht, 1) daß der Religions­unterricht erhalten bleibt für alle Schulen mit Aus- t u «ahme der weltlichen Schule, 2) daß der Religions- jj? unterricht in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen her betreffenden Religionsgesülschaft erteilt werden Miß, 3) daß auf Antrag der Erziehungsberechtigten

?1Ml , mehrklassige Simullauschule gesichert fern muß, ehe iant, k konfessionelle Schulbetriebe zugelasien werden können. Der demokratische Abg. Otto sagte am 20. November

Konfessionelle Schule und „geordneter Schulbetrieb".

;l<E I Unser H-Mitarbeiter, em Lchrer in der Diaspora,

Der § 146, Absatz 2, enthüll aber eine Fußangel, welche unsere jetzt bestehenden wenig gegliederten kon- Monellen Schulen bedroht. Er sei etwas näher ins Äuge gefaßt. Es heißt da, „innerhalb der Gemein­den sind indes auf Antrag von Erziehungsberechtig- ien Volksschulen ihres Bekenntnisses oder ihrer Well- anschauung einzurichten, sowell hierdurch em geord­neter Schulbetrieb, auch im Sinne des Ms. 1, nicht beeinträchtigt wird." Was ist nun ein ge­ordneter Schulbetrieb? Die Gegner der

N konfessionellen Schule wollen nur die mehrklassigen, |c 7—Sklassigen Schulen als geordneten Schulbetrieb * msehen. Andere wollen, daß erst eine existenzfähige

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31] Roman von Alexandra von Bosse.

Eine von scharfen Dünsten chemischer Säuren ge­schwängerte Luft schlug Silvia bei ihrem Eintritt ent­gegen und benahm ihr zuerst fast den Atem, ober sonst war sie angenehm überrascht. Don außen war das Laboratorium ein häßlicher viereckiger Backsteinbau ohne Fenster: es empfing fein Licht von oben, wo In dem Kuppeldach ein großes Oberlicht eingelassen war- Der hohe, runde Schornstein, dem oft grünliche oder gelbliche Wolken scharftiechenden Rauches entquollen, verschönte den kleinen Bau nicht, der durchaus keine Zierde des Gutshofes war. Innen aber machte alles einen freundlichen Eindruck, und es büßte vor Sauber­keit. Hier waren die Wände mll weißen Kacheln aus. gelegt, den Fußboden bedeckten glänzend rote Scha­motteplatten, und gleich im Dorsaal standen an den Wänden schmale Glasschränke, durch deren Spiegel­scheiben man verschiedene Insektensammlungen, Somm- hingen seltener Gesteinsarten und getrockneter Pflanzen betrachten konnte.

„Alles giftige Infekten, giftige Säuren enthaltende Gesteinsarten und giftige Pflanzen!" erklärte gelasien Branding.

Dann kamen sie in einen großen Hellen Raum, über 6en das Deckenfenster weißes, kaltes Licht goß. Auch hier standen Glasschränke an den Wänden, in der Mitte rin großer Tisch mit blinkenden Nickelbeinen nut) Glas­platte, ebensolche kleinere Tische standen hier und da, ein großer Wasserhahn an der einen Wand mit dar­unter befindlichem weitem Wasserbecken vervollständigte die Einrichtung.

Silvia sah itt einem Schrank blitzende Instrumente, fa einem anderen seltsam geformte Gefäße, wieder in einem anderen Flaschen und Fläschchen von verschie- denster Form und Größe. Aus einem Sellenbord von Glas standen Töpfe und Schüsieln aus Glas und Por- iellan.

Zunächst hielt Branding sich hier nicht auf, sondern führte Silvia in die sogenannt« Küche, die von einem Kreuzgewölbe überdacht war. Dadurch und daß die Wände mit rauben, grauen Kacheln ausgekleidet wa­ren, machte der Raum den Eindruck einer Höhle. Hier huschte, gleich einer großen, grauen Fledermaus, Ma- tister Kügelchen hin und her und. hantierte geschäftig

„So viele verschiedene Gifte gibt es?"

Er lächelte mit gewißem Stolz.

Die Sammlung ist als eine der vollständigsten be- tonnt, sagte er, nahm hier und da eines der Fläschchen heraus und nannte lateinische, griechische und ganz exotisch klingende Namen. Zuletzt schob er ein beson­deres Fach auf, und dabei kam ein ganz eigenes Leuch­ten in seine Augen: wie die Augen einer lauernden Katze erschienen sie Silvia.

„Das hier find mehrere ganz seüene Gift«, die ich mir auf einer Reise durch Indien und Tibet zu ver­schaffen wußte. Sie sind auch den Fachgelehrten in Europa kaum dem Romen nach bekannt," erklärte er mit leiser Stimme. „Einige davon sind schon durch den Geruch tödlich, von diesem weißen Pulver genügt ein Gramm, um einen Menschen augenblicklich zu töten, ohne eine Spur des Giftes zu hinterlassen."

„Wie schrecklich!" flüsterte Silvia erschauernd.

Plötzlich kam ihr der erschreckende Gedanke, welche Macht dem Manne über das Leben seiner M tmenschen mit solch»» Giften in die Hand gegeben war. Wie leicht konnte er einen Menschen, der ihm im Wege stand, be- Zeitigen, ohne Entdeckung und Strafe zu befürchten!

Sie fühlte ein Frösteln ihre Glieder überlaufen, als jetzt Branding seine Hand auf ihren Ann legte, und unwillkürlich zuckte sie zurück.

„Werden Sie furchtsam?" fragte er, leicht auf- lachend. Dann lenkte er ihre Aufmerksamkeit auf eine festoerschlofsene Glasbüchse, in der ein blaugrünes Stück Kristall lag.

„Sieht der Stein nicht fast aus wie ein kostbarer, noch ungeschliffener Smaragd?" fragte er lächelnd. „Run, so hübsch er aussteht, so bösartig ist er, denn bereits sein Geruch tötet wenn man ihn direkt vor Mund und Rase hält Ich brachte das Stück aus dem Tibet mll, wo das Gift mühsam aus dem Saft einer seltenen Pflanze gewonnen wird und dann sich zu fester Form kristallisiert."

„Wollen Sie, daß ich Ihnen die Wirkung des Giftes an einer Maus demonstriere?" fragte Branding.

„Nein, nein!" wehrte Silvia ganz entsetzt ab.

„D, das Tier würde kaum leiden: nur wenige Zuckungen und . . . ."

„Nein, ach nein!" bat Silvia erschauernd und wich bis an den Tisch zurück.

„Natürlich nicht, wenn Sie es nicht wünschen", be­ruhigte er, stellte die Glasbüchse mit dem grünen Stein

wieder zurück und schloß sorgsam den Schrank. Als er sich darauf umwandte, sah er, daß SUoia ganz blaß geworden war und daß ihre Augen ängsllich im Raum herumsuchten.

„Was ist Ihnen, gnädige Frau?" fragte er besorgt „Die Tiere — wo sind sie?" fragte Silvia.

„Nicht hier, hoben Sie keine Ängst", erwiderte er lächelnd, in der Annahme, Silvia fürchte sich vor Mäu­sen. „Aber Sie sind ja ganz blaß, gnädige Frau, ver­zechen Sie, ich vergaß, daß die Lust hier Sie vielleicht angreifen könnte. Kommen Sie, jetzt sollen Sie noch mein Sanktuarium sehen, dann gehen wir wieder hin- über."

Er führte sie in den Vorsaal hinaus, öffnete hier eine Tür, ließ das elektrische Licht aufflammen, und als Silvia eintrat, sah sie sich in einem großen, behag. lichen Herrenzimmer. Ein weicher, dunkler Teppich be. deckte hier den Fußboden, hohe Bücherschränke, ange- füBt mit wissenschaftlichen Werken, standen an den Wän- den, ein großer Schreibtisch zeigte sich mit Schriften und Broschüren bedeckt. Vor einem offenen Kamin, in dem einige Holzscheite brannten, stand ein Tischchen mit Rauchzeug, darum herum luden bequeme Gebet»- fessel zum Ruhen ein.

Silvia war überrascht.

„Ja, hier ist es behaglich", sagte sie.

„Hier arbeite ich", erwiderte er. „Hier bin ich ganz ungestört, während drüben fortwährend Wirtschafts, fragen an mich herantreten. Hier darf mich niemand stören, Kügelchen nur in dringendsten Fällen. Wie gefällt es Ihnen hier?"

„Sehr gut'

„Das freut mich. Setzen Sie sich doch für einen Augenblick — ja? Rauchen Sie eine Zigarette und er- holen Sie sich von dem Anblick der Gifte, die Sie, ich bemerkte bas wohl, etwas gruseln machten."

„Es war sehr interessant", sagte Silvia und setzte sich ganz gehorsam in einen der tiefen Ledersessel. Sie. ber wäre sie zwar schon ins Herrenhaus zurückgekehrt, doch wollte sie Branding die Bitte nicht abschlagen.

Hier in feiner Werkstatt und jetzt in seinem Sank­tuarium, wie er es genannt, erschien er ihr als ande­rer Mensch, viel lebhafter und gesprächiger, als sie ihn gekannt.

Er bot ihr Zigaretten an, echte Türken, setzte sich ihr gegenüber, und mit leiser Stimme begann er zu sprechen. (Fortsetzung folgt)

Fuldaer Heilung

Druck der Fuldaer Aeiieudrnckerei in Fulda.

C. 8. K i r ch e r Ww.

Fulda, 10. Sept. 1920.

Fulda.

weiter. Bedeckter Himmel, trotfem Straßen, frische kühle Luft, wie sie für die Wettspiele gar nicht besser hätte ge- macht werden können. Kaum war die Versammlung um 7 Uhr im Saale vereinigt, setzte der Regen wieder ein, war aber ber Störung bald überdrüssig und gestattete den auswärtigen Tellnchmern eine trockene, darum aber nicht weniger muntre Heimkehr. Das allgemeine Urteil über bas Fahnenweihefest lautete: Es ist alles zu allgemeiner bester Zufriedenheit verlaufen. Nur eine Merkwürdigkeit weift der Tag auf: Es ist nicht getanzt worden und es ging trotzdem'sehr gut

libenversicherung _. ___________

wird infolge Aendonmg der Satzungen für die. Mitglieder ber nachbezelchneten Krankenkassen wie folgt geändert:

Ziffer 1. Allgemeine Ortskrankenkaste der Stabt Fulda. Stufe 1. Wochenbeiträge der Lohn klasse 3 zu 1.10 JL. Stufe 2. Wochenbeiträge der Lohnklaste 4 zu 1.20 Je. Stufen 3—14. Wochenbeiträge der Lohnklaste 5 zu 1.40 JL.

Ziffer 2. Allgemeine Ortskrankenkaste Fulda-Land zu

jung über die Beiträge zur Inva- ; reife Fulda vom 14. Noo. 1913

Zur Aufklärung.

Das Flugblatt ber Sozialdemokratischen Partei Fulda, worin auch meine Firma in gehässiger und verleumderi­scher Weise wegen der von der Stadt Fillda erworbenen Hülssnfrüchten angegriffen worden ist, gibt mir zur folgen­den Erklärung Levante ssung:

Die Verfasser des Flugblattes Habern wenig Kenntnis von ber Marktlage von HülfAffrüchren wie überhaupt von der ganzen Sachlage, wie der Kauf der 1000 Ztr. Erbsen und Ackerbohnen zustande gekommen ist. Erbsen und Boh­nen waren in den Sommermonaten überhaupt nicht v e r k ä u s l i ch, da die Kommunen sich stark im Herbst und Winter emgedeckt hatten, während das Publikum nicht kaufte. Infolge des langen Lagerns war ein Tell der Ackerbohnen für menschliche Ernährung ungeeignet gewor-

Amiliche Anzeigen

Bekanntmachung.

»ihren les Wrnilts.

2. Holzabgabe

für folgende Straßen: Mittelstr., Kanalstr., Snrgiasftr., Doll, Marktstr., Ohm, Sack, Schulstr., Meistergaste, Mühlenstr, Buttermarkt, Kaiserplatz, Kl. Marktstt„ Peterstor, Schlacht- hausgasse, Schweinemarkt und zwar zur Ausgabe des bei der letzten Verteilung ausgefallenen Hartholzes (Buchen und Eichen). Die Dezugscheinausgabe erfolgt am Montag den 13. und Dienstag den 14. September beim Stadt. Kohlenamt. (1025

not Heule muß man Ire erziehliche Aufgabe ber Volksschule ber unterrichtlichen gleichsetzen. Unb ge- chjcht bas wirklich, d-mn müßte man zu der Forderung kommen, daß jedes Dorf „seine Schule" haben muß, die Landschule muh zur Dorfschule in wahrster Be- deutung des Wortes werden. Das sind Gedanken, wie re Dr. Zieschß in seiner Festschrift: „Die Zukunft ber preußischen Volksschule" niedergelegt hat. Man wird chnen zustimmen können.

Aber nun zum Schluffe noch eins: Der Kampf unserer Gegner gegen die wenig gefieberten Schulen ist mehr oder wewger einKampsgegenunsere konfessionelle Schule, der man das Leben erschweren ober gar den Todesstoß versehen möchte. Die konfessionelle Schule ist uns aber ein solch hohes Gut, baß wir dafür selbst eine mehrgegliederte Simul- tanschule nicht eintauschen wollen. Uns ist die kon­fessionelle Schule eben bie Schule des katholischen Volkes, die wir verteidigen, die wir erhalten müssen. Roch haben wir nach § 23 des Gesetzes betr. die Un- terhÄtung ber öffentlichen Volksschulen in Preußen vom 28. Juli 1906 die konfessionelle Schule als Rege! und nach § 36 desselben Gesetzes die Simultanschule als Ausnahme. Die Reichsverfassung hat die DerhaU- nisie fast umgekehrt gestaltet, die Preußische Landesver- fommhmg wirb zu entscheiden haben, unb bie kachel. Vertreter werben dafür kämpfen müssen, daß bie be­dingt zugelaffene konfessionelle Schule nicht praktisch für bie überwiegende Mehrzahl aller Orte unmöglich gemacht wirb. Denn bei einer engherzigen Auslegung tja: Reichs Verfassung würben konfessionelle Schulen überhaupt nur für größere Städte möglich. Darum katholisches Volk, enffcheide dich bei den kom- menden Landtagswahlen für den Abge­ordneten, bei dem du unser hl. Kleinod, die kctthol. Schmie, am besten geborgen weißt!

In ber nächsten Woche kann frisches Fleisch nicht ver­teilt werben. Auf bie Fleischkarte werden 100 Gramm Auslandsspeck (Kasseler Zuteilung) zu JL 12.50 das Pfund geliefert Speckausgabe an bie INehgrr: Donnerstag vcm 8 Uhr ab bei Metzgermeister Sunkel.

MMWN öer WWm WruWwikkelMe.

11. September 1920.

Auf die Krankenkarten der nächsten Woche wird aus­wärtige Butler zu JL 18.— das Pfund ausgegeben. Buf- letausgabe an bie Geschäfte: Donnerstag nachmittag 2 bis 4 Uhr bei ber Nahrungsmiüelstelle.

Das angemeldete Haushaltuugsmehl auf bie Sonder­karte 14 kann am Soanasiag in den Geschäften abgeholt werden. Ladenreis JL 1.30 das Pfund.

Au die Geschäfte: Das Mehl wird angefahren.

Die Vorarbeiten für die Verteilung des Auslaubsspecks konnten noch nicht zu Ende geführt werden. Näheres über bie Ausgabe wird im Laufe der nächsten Woche bekannt gemacht. _________

Betrifft Frühkartoffeln-. Etwa noch vorhandene uneln- gelöste Frühkartoffelabichnitte werden vom Montag ab mn Kartoffelschalter ber Nahrungsmittelstelle noch eingelöft. Sämtliche abgestempelten Abschnitte können von den Hand- lern fofort mit Kartoffeln beliefert werden. Sollte ei* Händler augenblicklich keinen Vorrat haben, so können bie Kartoffeln auch im städtischen kartaffelkeller abgeholt werden.

vermischtes.

* Vie moderne Millionäre reifen. Die Schwierig­keit, in diesem Sommer auch bei vorheriger Bestellung in den besuchten Badeorten Unterkunft im Gasthof zu finden, hat einige französische Millionäre veranlaßt, sich Automobile anfertigen zu lasten, die äußerlich einem Lastauto gleichen und im Innern Zelte, Feldbetten, Speise­kammern "und Spiritusöfen enthalten. Das Lastauto folgt dem Auto des Eigentümers in einiger Entfernung, und wenn am Ziel der Fahrt kein Quartier zu bekommen ist, so wird in der Nähe ein regelrechtes Lager aufgeschlagen.

* Geschwindigkeit lft keine Hexerei. Ein tolles Post- stückchen teilt die „B. Z. am Mittag" mit. Ein Leser Ine- fes Blattes erhielt nämlich eine Postkarte, die einen Re­kord an Schnelliakeit und Findigkeit der Post aufstellt. Die Karte ist nämlich in Berlin am 22. September 1907 auf- geoeben worden und dem Adressaten, der von dem Ab­sender nickt sehr weit entfernt wobnt, bereits am 6. Sep- tem'per 1920 zugestellt worden. Obendrein soll der glück­liche Empfänger noch 60 Ps. Strof-porto bezahlt haben, da die Karte nur mit einer A-Pf.-Marke frankiert war. __________ _ _____________

KuLZUg aas dem Standesamt; Register

des Standesamtes Fnld-r.

Sterbefälle in der Zeit vom 27. August bis 3. Sept. 1920.

27. Nuoust. Ehefrau Josephine Weber aus Dieters- hausen, 51 I. 4 M. 14 T. 28 Maurer Linus Becker auS Maberzell, 48 I. 11 M. 10 T. 28. Witwe Jette Nutzbaum, 77 I. 8 M. 28. Ferdinand Findling, 3 I. 11 M. 4 T. 29. Schuler Alohs Ernst Sachs aus Oberndorf, 10 I. 7 M. 1* T. 29. Bahnmeister a. D. «Beter Quirin, 76 I. 4 M. 20 T. 29. Rentenempfängerin Auouite Stumpf, 31 I. 1 M. 6 T. 31. Maurer EhrilluS Auth au5 Niederkalbach, 67 I. 5 M. 13 T. 81. Leo Oskar Klug aus Flieden, 1 I. 6 M. 7 T. 1 September. Ehefrau Lina Bosold auS Steinau, 35 I. 10 M. 16 T.

ans dem llachvükgeviet.

f Hilders. Das Dchutzsirgelfest brachte unserem Iüng- lingsoerein die Weihe seiner Fahne. Wie es sich für eine katholische Gemeinde gehört, war die ganze Feier ein offenes Glaubensbekenntnis. Sämtliche Jüng­linge gingen, wie an ihrem Weißensonntag. im Hochamt zur hl. Kommunion. So bekam der schöne Tag feine rich­tige Weihe und die jungen Herzen die rechte Festesstim- mung. Um % 1 Uhr brachten dann 8 Erstkommumkanlin- nen, geleitet von allen Vereinen des Ortes, sowie den Ge­sellen. und Iünglmgsveremen von Eckweisbach, Seiferts und Poppenhausen, unter den Klängen des „O mein Christ laß Gott nur wallen" das schlichte Banner zur Kirche. Un­mittelbar vor dem Altar nahm der Vorstand mit der Fahne Aufstellung. Ihm zur Seite trat bie Fahne des Bürgerver­eins, der Pate ftanb. Die kurze Weiherede wies hin auf ben schweren Ernst der Zeit und die immer mehr zu Tage tretende Scheidung der Geister. Wo da ein katholischer Jüngling hingehört, und was von ihm verlangt wirb, das zeigt chm ferne Fahne. Ausgeführt aus schlichtem, gediege­nem Wollstoff, in den kirchlichen (päpstlichen) Farben, kägi sie das Wappen mit dem Kreuz mtb die Reichsfarben, da­zwischen den Wahlspruch: „Tapfer und treu"! Treu feinem Glauben, treu zu seinen Hirten und Vaterland, beides furcht­los und treulich schützend, das ist eines braven Jünglings heiligste Aufgabe. Anspruchslosigkeit und Befcheidenhest, gediegener Charakter ist des Jünglings schönste Zier. Wür­dig vertritt diese Gedanken bie alte Bürgervereinsfahne. Mit ihren nahezu 60 Jahren blickt sie zurück auf eine ruhmreiche Vergangenheit bewährter Treue im Glauben und ernster Bürgertugend. Möge sich die Jugend der Vä­ter würdig zeigen. Der Weihe-Akt schloß mit einer kurzen Segensandacht zu Ehren der hl. Engel, deren besonderer Schutz der junge Verein empfohlen ist. Vcm ber Kirche bewegte sich ein stattlicher Festzug zur Battemr Straße. Hier zeigten unsere Jungens im Wettspiel untereinander und mit den Nachbarvereinen, daß ein ausgesprochen ka- thollscher Verein nicht aehindett ist, tm turnerischen Spiel das Beste zu leisten. Im 400 Mir., 100 Mtr.-Lauf und Zweikampf wurden überraschende Ergebmsie erzielt. Der katholische Gesellenverein Seiferte errang im 100 Mtr.» ßauf mit 10,4 ben ersten Preis. Die an bas Wettspiel anschließende Festversammluno wurde durch eine be- geisternde Ansprache des Hm. Diözesanpräses Domkapitular Prof. Dr. L e i m b a ch ausgezeichnet, der nochmals ein­dringlich auf die großen Aufgaben, die grabe heute der Jugend gestellt sind, hinwies. Zwei luftige Einakter sorgten für die entsprechende Heiterkeit. Der Abend versammelte nochmals die Bsremsmitglieder nebst Eltern und Ange­hörigen tm Hohmmrnfchen Saal. In durchweg gutem Spiel gaben die Jünglinge, brüderlich unterstützt vom Ge­sellenverein. das Schoiffpiel „Konstantins der christliche Heldenjüngling". Auch dieser Teil des Festes verlief zur vollsten Zufriedenheit alter Teilnehmer. Auch der Himmel war offenbar mit der ganzen Veranstaltung einverstanden, denn er gab, nachdem es noch um %7 Uhr in Strömen regnete und die schweren Wolken bis auf die Ränder der Talsohle hermederhinpen, von 7 Uhr ab das schönste Fest-

ben sodaß fr zu Futterzwecken abgegeben werden mutzten. Auch die hiesigen Erbsen unb Dohnen konnten kein länge­res Lagern mehr vertragen.

Anfang Juli hat mit die hiesige Stadtverwaltung dl« auf meinem Lager befindlichen 300 Ztr. Erbsen zum Ver­kauf angeboten unb waren dieselben seinerzeit unver­käuflich. Nachweislich habe ich am 17. Juli von meinem Lagerbestande in Hünfeld 200 Ztr. Erbsen zu Jl 100.— per Zentner nach Siegen verladen. Nachdem bie Stadt Fulda wiederholt die Erbsen mit JL 100.— mw Acker- bohr-en mit JL 8 0.— per Ztr. in ben diesigen Zeitungen angeboten hatte, habe ich in Nr. 175 ber Fuldaer Zei­tung gemeinschaftlich mit be» übrigen hiesigen Gettewe- firmen durch Anzeige „Futtererbsen zu M 100— und prima Speifeerbf en zu M 130.— pro Ztr. angeboten. Hierauf gingen nur wenige Bestellungen ein.

Anfang August bot mir bie Nahrungsmttteikommis- sion nun 1000 Ztr. Erbsen zum bestmöglichsten Verkauf, jeboch zum Muchestpreise von M. 100.—_ pro Ztr. fr« Waggon Fulda an. Ich habe daraufhin bie Erbsen nach verschiedenen Setten angestellt unb habe wenige Tage später Erbsen zu M. 105.— und Ackerbohnen zu JL 105.— pro Ztr. ab Lager übernommen. Ich habe nachweislich 200 Ztr. Ackerbohnen zu JL 109.— und 300 Ztr. Erbsen zu JL 118.— frei Waggon Fulda verkauft, während ich das übrige Quantum verschroten ließ und nach Fulda zu­rücksandte. Das Futterschrot ist von mir zu <41 1 20.— pro Ztr. sackweise haupffächlich an kleine Dichhaller ab­gegeben worden. Bei diesen Derkaussvreisen ist zu berück- sichtigen: Sacken und Verladen der Ware, Rollgeld nach und von der Bahn, Sackverschleiß. Fracht zur Mühte nach Hünfeld und zurück, Mahllohn sowie UmsaMeuer. Ein klarer Menschenverstand wird hieraus kein Verdienst von JL 50 000.— errechnen können.

Ich verwahre mich enffchieden dagegen, daß infolge Parteihader und vollstäMg entstellter Tatsache meine Firma m so gemeiner Weise in Mitleidenschaft gezogen wird. 3m llebrigen bin ich bereif, meine vorstehenden Anaaben durch Vorlage vcm Belegen zu beweisen.

Hottes-ienstorduung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 12. Sept. Dom. V«6, 6, */i7 u. 7 M. Um Vi7 Gen.-Kom. d. christenlehrpfl Jungfr. t. Dorn, 8 Pfarramt u. Pr., 9'/s Kathedratarnt u. Pr., 11 Chr. f. d. Jüngst, 11-/, M. u. Pr , !-/, A. z. Ehren d. schmerrhaften Mutter Gottes, 2 Chr. f. d. Jungfr., 4 Pr. u. A, 7 Herz-Ma-ia-Bruderschaft m. Pr. u. Segen. MontagV,8Rosenkranz-A. — Stadtpfarrkirche. lDiözesanmonatskollekte.) 5V, Korn, 5*/* M. u Kom. d. DienstmLöchen-Kongregation, 6'/« M. u. Kom. d. Jun ffr -Sod. u. d. übrigen christentehrpfl. Jungfr., 8 M. u. Pr. (1. Schuld.), 9st, Pfarramt n. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Sckulgd), 91/, Chr. f. d. Jüngst t. d. Severi- kirche, 27- Bruderschaft v. d. Todesangst d. Herrn, 3-/« Ä. f. d. Jungfr.-Sod., 4'/« A. f. d. Dienstm.-Kongreg. — Pfarrkirch: zum hl. Geist, (©folge Anbetung.) ©am 3 tag nachm. 4 Le.chte; AuSh v.Fraucnb., Sonntag 6Auss., •/»7 Kom., 7 ,)rübm., 8 Leviten-Hochamt, 1A1O ©obahtät, 11—3 Uhr Anbetung, 8 Sodal.-A., 5 Schlutz-Ä. m. Te Deum. — Severikirche. Sonntag’ st-7, werktags 605 37Z.— Herz-Jcsu^Heim. 6 Fruhm., 8 Amt m. Pr., 2 A. (Mittw. abends 8 A.) — Frauenberg. 5,6, 6V» u. 7 M., 8 Rosenkranzm. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr., nachm. 2 Pr., A. u. Umg. f. d. Fünf-Wunden-Bruderschaftt

Evangelischer vlottesdienst.

Sonntag, 12. September. Dorrn. 8 und 9V» Pfarrer Weber, 11 Kindergottesdienst. — Bieberstein. Vorm. 9 Pfarrer Reich.

an dem großen herdartigen Ofen, auf dem eigentümlich geformte kupferne Kessel standen, bie durch kupferne Röhren miteinander verbunden waren und aus ihren Ventilen feinen Dampf ausströmen ließen.

„Nur Wafferdampf", erklärte Branding, „mir haben ja heute nicht gearbeitet. Es muß aber ständiges Feuer in dem Ofen unterhalten werden, weil er sonst viel Zeit braucht, den richtigen Hitzegrad zu erreichen."

Für Silvia war es eine Beruhigung, daß Kügelchen anwesend wär, sie wußte selbst nicht, warum. Ihr war ungemüllich zumute in dieser Hexenküche, in die von nirgends Tageslicht einbringen konnte und bie allein durch Elektrizität erleuchtet wurde. Ventilatoren sorg- ten für frische Luft, und doch war die Luft hier Be. klemmend, roch nach scharfem Rauch unb Chemikalien.

Branding erklärte den Gebrauch der Steffel unb Retorten, das war recht intereflant, aber Silvia atmete doch auf, als sie in ben großen, von Tageslicht durch- fluteten Raum zurückkehrten, wo Kügelchen auf der Glasplatte des großen Tisches einen Plan ausbreitete, auf dem die ganze, verwickelte Einrichtung des kleinen Hochoftns genau zu übersetzen war. Er erklärte eifrig mit seinem dünnen, zuweilen überschnappenden Stimm- chen, nannte bie Hitzegrade, die erreicht werden konn­ten, und Silvia versuchte Sntereffe zu zeigen, stellte Fragen.

„Der Ofen ist Kügelchens Stolz," sagte Branding.

„Der ist auch was!" sagte Kügelchen. „Der schmilzt Steine!"

Rim führte Branding Frau Slloia zu den Schrän. ten, zeigte ihr zunächst die Snftrumente unb erklärte deren Verwendung, wobei es Silvia kalt überlief. Aengstlich sah sie sich um.

„Wo ist Magister Kügelchen?! fragte sie, da ihr fein lautloses Verschwinden auffiel.

„O, ber ist wieder bei seinem Ofen, richtet ihn her, denn morgen arbeiten wir wieder."

Er führte Silvia darauf an den größten der Schränke, dessen Türen er mit einem kleinen Schlüffe! öffnete.

„kleine Giftesammlung!" sagte er beinahe feierlich, unb fast zärtlich glitt sein Blick habet über bie vielen Flaschen unb Fläschchen.

„Alles Gifte?" fragte Silvia.

„Alles!" nickte er.

Hier empfand Silvia nun wirklich Interesse, unb ftaunenb rief sie aus: