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Fuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer Aetieabr ackeret in Fulde

M 205.

SamStag, 4* September 1920.

Verständigung.

tzon Dr. Fritz G ratz, Generalsekretär des kurhessischen Bauernvereins.

Unter den Erscheinungen, die zu den unerfreu- ßchen Folgen des Krieges nicht an letzter Stelle stehen, jtt eine immer mehr zunehmende Entfremdung s -wischen Stadt und Land festzustellen. Die ^ine Partei glaubt sich von der anderen übervorteilt, ytb der Nährboden für überspannte Ansichten und ihre Folgeerscheinungen, die radikalen Forderungen, ist ge-

| . Bereits vor dem Kriege, als die beschränkte und r‘w6unberre Wirtschaft lange nicht soviel Zündstoff auf* ; «Häusl hotte wie jetzt, bestand zwischen Stadt _ und Land eine gewisse Kluft. Sie war damals begründet hurch den Unterschied im Bildungsgrad und in der Lebensweise, durch das vollständige Fehlen der Be­rührungspunkte und durch unzureichende politische und ^alksvss"'schriftliche Schulung auf dem Lande. Ge­rade bei dem letzten Punkt setzt ja allenthalben dta Arbeit der großen landwirtschaftlichen Organisationen an und chre Wichtigkeit für die Äsung dieser Auf. gäbe ist nicht zu verkennen. Der Landmann soll lernen, auch bas Wesen der anderen Stände zu b». 'greisen, er soll Einblick in die wirtschastspolitlschen and technologischen Zusammenhänge unseres Wirt» schastslebens bekommen. Dor allen Dingen fclr er die Wechselbeziehungen zwischen sich und den anderen Ständen erkennen lernen, damit er von der Notwen. '"Weit aus seiner „glänzenden Vereinsamung" her- L-auszutreten überzeugt wird. Auch wird er dann sehr fcitb einsehen, daß nur das ,Land in Hand" einen Aufstieg und eine Blütezeit der Gesamtheit ge*

, währte stet.

Aus der anderen Seite soll durch die Herstellung größerer Berühungsmöglichketten den übrigen Stän­den Gelegenheit zu persönlichem Mei- nungsaustausch mit den Landwirten gegeben werden. Sie sollen dadurch einen tieferen Einblick in die Technik des bäuerlichen Berufsstandes gewinnen, wodurch sie befähigt werden, feine Lage fachgemäßer als bisher zu beurteilen. Don der Bedeutung der Landwirtschaft für unser ganzes Wirtschaftsleben ist man nunmehr allgemein überzeugt, nachdem man ihren Einfluß auf die Ernährungslage am eigenen Leibe verspürt hat. Es liegt also auch im wesentlichen In* iereffc der Nahrungsverbraucher, den für sie wirtschaft­lich so bedeutungsvollen Nahrungserzeugerstand näher fernen zu lernen. Jeder Stand hat seine Last zu tragen.

Stadt wie Land leiden gemeinsam unter den Fol­gen der vorangegangenen Ereignisse. Nur ein iso- kertes Nebeneinander kann auf beiden Seiten die Erkenntnis verhindern. So mutet es geradezu traurig an, wenn man die Beobachtung macht, daß selbst in den kleinsten Dörfern mit gemischter Bevöl- ferung die einzelnen Stände sich feindlich gegenüber» stehen. Radikale Elemente benutzen auf beiden Sei­ten diese Gelegenheit zu einem Fischfang im Trüben, wobei sie leider eine meist erfolgreiche Aufputschungs- pvlitik betreiben. Sie Masse schenkt derartigen Aus* sichrungen ein nur zu williges Ohr, und das Mär­chen vom bösen Willen der anderen Part« setzt sich zur Ueber.ieugung fest.

Wo sich aber die Parteien einmal an einen Tisch setzen, wo Landwirte und Arbeiter sich einmal aus­sprechen, da siegt meistens die Einsicht. Das kann der draußen tätige Positiker jeden Tag beobachten. Rur verstockte Elemente mit Nebenabsichten verschlie­ßen sich dann poch den überzeugenden Tatsachen. Biele Beispiele schweben dem Schreiber vor, wo durch Aussprache und Verhandlungen beide Parteien ein ganz anderes Bild von einander gewannen, und wo gerabe hinsichtlich der Kartoffeloersorgung über die Preisbildung und das Lieferungsquantum weitgehende Einigung auf gütlichem Wege erzielt wurde. Durch rechtzeitig emgeleitete Verhandlungen und durch die Einsicht der Beteiligten wurde innerhalb der Gemein­den anläßlrch der Vorarbeiten zu den Kommunalwah­len sehr oft weitgehende Beunruhigung von den Be­wohnern ferngeholten, indem man sich entsprechen­dem Anteil des einzelnen Standes an der Bevölke- mngszahl über die Kandidatenfrage einigte. Durch

Das Lob der Hohen Rhön

stimmt Dr. Hans Denzmann (Berlin) in der „Köl­nischen Volkszeitung" an. Er nennt das Gebiet der Hohen Rhön landschaftlich und kulturhistorisch eines der eigen- artigsten und charaktervollsten Gebirgs- länder Deutschlands. Er schreibt: tos Gebirge an sich gewährt die Hohe Rhön höchst abwechselungsrsiche Konturen und Panoramen. Infolge der im Mittelalter vorgenommenen Abholzungen und Waldverschandelungen ist das Land weniger waldreich als dies etwa die an­stoßenden Höhenzüge des Thüringer Waldes, des heflischen Belglandes wrd des Dogelsberges find. Die Rhön heißt deshalb auch die kahle Rhön. Ihr landschaftlicher Cha­rakter ist zmnesit nicht lieblich anmutig und idyllisch wie etwa der des Thüringer Waldes. Aber auch.die milb* wwantifchen pittoresken Schroffen, Abgründe und Spal­tungen des Harzes fehlen ihr. Aus tiefen Tälern oder aus dem Hochlande erheben sich Kuppen und Kegel, fpör- 8ch bewaldet, Basalchäupter mit Hochmooren, weiten Wie­sen oder steinigen Einöden, wie z. B. der höchste Berg der Rhön, das System der Wasserkuppe, oder schrofl aus der Tiefe, unvermittelt durch niedrigere Gebirgsstufen, steigt der Grat wie der kantigscharfe Rücken eines Meer­ungeheuers aus der Hochebene empor, wie ein breites schartiges Mesier. Diesen Typus stellt am charaktervollsten die Milseburg dar, die in eigenartiger Form auch mit einem Ri:f-rjmge vergliche roerXn kann, zumal der Berg aus schwarzem Basalt und grauem Phonolich besteht.

Das reizvollste des Gebirges sind die wunderoollm ineilenweiten H o ch w i e s e n, auf denen die Rinderherden — bas rotbraune zähe Frankenoieh — weiden. Diese von Felsgeröll, von Quellen und Buschwerk dmchzogenen Diesen, Tristen und Abhänge zeigen in ihren weilen sostiggriknen Flächen einen großzügigen alpinen Cha­rakter. Gerade diese Hochmoore und Bergwiesen aller- Nößteu Stiles lasten die Hohe Rhön als ein ganz anders -eftalt etes Gebirge erscheinen als etwa den Thüringer Salb. Ost kommt es vor, daß man hoch oben ftunden- strng durch Einöde wandert, über uralte Handels- und Heerstraßen. Vielfach bestehen diese alten Straßen, deren ®runb Steingeröll und uralter Wurzelboüen bildet, aus flohen Alleen, die in alten Zeiten angelegt worden sind. Eolch eine ganz eigenartige düstere Allee zieht über das Hwarze Moor von Frankenheim (auf der Hohen Rhön), ^em höchstgelegensten Dorfe des Gebirges, nach der Ge* Wartung des großen Dorfes und Kurortes Hilders Diese 8üee wird demjenigen, der sie durchwandert hat, in ihrer tfifterftraurigen Stimmung unvergeßlich bleiben. Wildeste Zitier* und Räuberromantik umgeistert sie, das Gefühl Lausiger Derlastenheit wird man nicht los. Eine Ball rdm- Sünmung liegt tiefergreifend über dieser Einsamkeit. Plötz-

dieses Verfahren wurden viele Erscheinungen vermie- den, die neben den unausbleibl. Folgen der Zwangs­wirtschaft nur weiterhin verärgern und infofern pro* lmktionslähmend wirken würden.

Leider besteht unter der Landbevölkerung vielfach noch eine gewisse Abneigung, aus sich heraus zu treten. Man redet unter sich, aber in der Oeffentlichkeit schweigt der Dauer sich aus. Das ist einer der größten Fehler, der aber in der bisherigen Entwicklung des Standes feine Erklärung fußet Der Bauer, frühcp schon dem Politisieren abhold, sicht sich jetzt plötzlich vor die Aufgabe gestellt, politisch und volkswirtschaft­lich zu denken und seinen Gedanken Worte zu ver- leihen. Die mangelhafte politische Schulung der Land- bevölkerung rächt sich hier bitter. Das Nachhmken hinter den Ereignissen, Has zu leicht dem Dauer aufs Schuldkonto geschrieben wird, ist weniger der Bös­willigkeit, als dem Unvermögen zuzuschreiben. Da­bei fthlt es auf dem Lande noch allenthalben gerade unter den mittleren und Kleinbauern an führen­den Persönlichkeiten, die es vermögen, die Bauern aufzurütteln, eine Klage, die in letzter Zeit noch von mehreren Blättern erhoben wurde. Alle diese Momente werden von der besser geschulten Geg­nerpartei vielfach übersehen und die Folgen dem Bauernstand als moralisches Minus in die Schuhe geschoben.

Die landwirtschaftlichen Organisa­tionen sind die Basis, von der aus eine Besserung der Verhältnisse ausgehen kann, und das hat ja auch die Erfahrung der letzten Zeit mit großer Deutlichkeit gelehrt. Ueberall dort, wo der Vorstand der Kreis- bauernschasten mit den Delegierten der Arbeiter zu ge­meinsamer Arbeit zusammengetreten sind, wo die Vor­stände der Ortsverbände mit den führenden Persön­lichkeiten der Gegenpartei in ihren Zusammenkünften gemeinsame wirtschaftliche Fragen berieten, tarnen sich die Beteiligten einander näher und lernten sich ver- stehen. Bor allen Dingen lernte der eine des anderen Sorgen kennen. Viel häufiger als es bisher geschieht, soll der eine des anderen Versammlungen besuchen und dort stssne Informationen holen. Unklarheiten können dann auf dem direkten Wege erledigt werden, und der für die Stimmung oft so verhängnisvolle Um­weg bleibt vermieden.

Nur Ausschüsse und Kommissionen, in denen beide Gruppen positive Siebert zu leisten be­strebt find, können zum Ziele führen, und sie kömten in ihrer politisch-psychologischen Auswirkung uns auch auf dem Wege tue'ter bringen, den im Interesse einer weitgehenden Rationierung der Kräfte zu beschreiten das dringendste Gebot ist, nämlich auf dem Wege der Derständigung.

Katholiken Thüringens!

Auf noch Weimar am 12. September, so heißt die Parole für dieses Jahr. Heraus also mit den Fahnen. Die sichtbaren Zeichen unserer heiligen Ueberzeugung und gemeinsamen Weltanschauung, sie sollen sich machtvoll entfalten. Nieder mit diesen kleinlichen Bedenken über den Kostenpunkt. Für diej'cn Tag gehören die Interessen eines höheren Gutes in den Vordergrund.

Laßt also Weimar die Stätte werden, wo eure Gedanken von neuem verankert werden im einzig feften Felsen Petri, wo eure Herzen neuen Schwung und Tatkraft mitten in. allgemeiner Verzagtheit emp­fangen, wo eure Hände mit vielen Brüderhänden sich erheben zum Gelöbnis, in jeder Not als Glaubens-, Leidens- und Kampfgenossen treu zusammen zu halten. Emer für alle, alle für einen.

So macht Weimar zur Stätte emer imponieren­den Heeresschcm! Nur Zahl und Mesie gilt ja heut­zutage etwas "in den Augen vieler. Zeigt, daß das katholische Volk Thüringens geschloflen hinter den berechtigten Forderungen für Kirche und Schule steht. Wo immer bis jetzt noch nicht geworben wird/rührt euch heute noch; wo immer das Interesse noch nicht geweckt worden ist, /hebt euch heute noch vom Schlafe. Mäimer, Frouost, Vereinsoorstände an die Arbeit heran. ■ Erscheint nicht mit der sogenannten 3 Männer-Deputation auf dem Plane — es fei denn, chr wohntet an der äußersten Grenze — eifert in

lich öffnet sich aber die kraftlose Einsamkeit, die von ver­schwiegenem Mord und dämonischen Gestatten zu träumen scheint, in ein heroisch-bukolisches Tal, beweibet von rotem Vieh, foftiggrün: drüben aber stehen majestätisch geister­haft die Schroffen der Mllseburg und die runden Kegel der Wasierkuppe und der benachbarten Berge, die Hohe Rhön liegt riesenhaft lebendig vor den entzückten Blicken.

Wiesbadener Brief.

Diele Reiselustige, die in früheren Jahren der schönen Taunusstadt alljährlich einen Besuch abstatteten, sind der Ansicht, daß zwischen ihnen und dem Rheinland eine un- übersteigbare -Mauer stehe: die Besatzung.

Gewiß, es ist kein reiner Genuß, wenn man als Deut­scher auf der Hauptoerkehrs- und Renommierftraße Wies­badens, auf der sich ein großer Teil des Babelebens ab- spielt, auf der Wilhelm st raße, heute die blauen Uni­formen der Franzosen steht, wo zu seligen Friedenszeiten das rotverzierte Dunkelblau der deutschen Offiziere auf und ab flanierte, ober wo in näherliegender Zett Feldgrau in allen Schattierungen das Strahenbilb belebte.

Die ftemdländischen Offiziere sind aber wenig ausial- lend, tun dir garnichts, die Einreise ist so einfach — nur ein gewöhnlicher amtlicher Ausweis mit Bild genügt —, daß man die Reife ruhig wagen darf.

In keiner Weise behelligt, kommt man an und in den zahlreichen Hotels und Pensionen — je nach Wahl — n->r- züglich und nicht teurer als anderswo im deutschen Reich unter.

Dikider einmal in Wiesbaden! Vieles hat iich geändert, das Bild ist ober doch noch das gleiche: An dem leuchten­den Blumengarten des Bahnhofplatzes vorbei führt der Weg durch die neue Kaiferstrahe, deren Bäume recht ge­wachsen sind und den Fußweg m wch tuenden Schatten legen. Und bann die Wilhelmsttaße! diese herrliche via triumphalis, deren Eingang das nunmehr fertiggeltellte neue Museum wirkungsvoll flanfiert, die herrlichen, ur- allen Platanen, die einen dunklen Wall ziehen entkmg dem sonnnenblitzenden, rauschenden Park; zur anderen Sette die prunkenden Fasiaden eleganter Hotels, köstliche Läden voller Schätze, die hinter spiegelnden Scheiben locken . . . Am Kaiser Friedrichplatz — place de l'empereur Frederic — die vornehmen, nchigen Linien -bet „vier Iaheszeiten", ihnen gegenüber die geräuschvolle, erdrückende Darockfastade des „Nassauer Hof".. Er scheint mir das geworden zu sein, was zu Kriegszetten das „Palace Hotel Madrid" in Drüsiel für uns war. Autos rattern und fahren vor — Treffpunkt der Entente. Das Hotel ist in französischen Besitz übergegangen.

Wie man mir sagt, sind heute mehr ausländische Ossi» 1 ziere hier als sonst, — die Franzosen veranstaüsn Pserde-

edlem Wettstreit und kommt in fichten Scharen all­zumal. „Es ist alles bereit/ kommt und werdet froh und stark in der großen Brüdergemeinschaft.

Auch Kleinarbeit soll in den Kommissionssitzungen geleistet werden. Der Vorsitzende des Volksoereins, Bezirk Thüringen, Pfarrer Dr. Freusberg in Er­furt, ladet die Geschäftsführer zur Einzelsitzung von 1—3 Uhr; ebenso Fräulein von Tischowitz, Vorsitzende des Frauenbundes, Bezirk Thüringeir, die Vertrete­rinnen der örttichen Vereinigungen.

Das Programm wird nochmals nächste Woche in den Zeitungen bekannt gegeben. •

„Parität" in Hohenzollern.

Aus Hohenzollern erhält die „Germania" eine Zuschrift, der sie folgendes entnimmt:

Seit fünf Monaten ist in Sigmaringen daSOber- a m t (Landratsamri verwaist; sein bisheriger lang« jäbriaer Inhaber, Geheimrat Lengard, ein Katholik, ist gestorben. AIS Nachfolger sandte unS Berlin einen aus Elsaß auSgewiesenen protestantischen Herrn Lang von Langen, über besten Fähigkeiten wir unS jeglichen Urteils enthalten wollen. Es dürfte aber die weiters Oeffentlichkeit und auch die massgebenden Autoritäten interessieren, daß die Entrüstung, ja Erbitterung der katholischen Bevölkerung ob dieser Präsenta« tion ganz außerordentlich ist. Hat doch Hohenzollern ca 66000 Katholiken und nur ca. 3000 Protestanten!!! Erst seit oer Uebernahme Hohenzollern? durch Preußen im Jahre 1849 begann hier die Blütezeit deS Vrotestan. tiSmuS, als unter der kgl. preußischen Regierung — und seltsamerweise von da ab auch in bie fürstlich hohenzollernsche Hof- und Kammerverwaltung — syste­matisch immer mehr protestantische Be- amte eingeschoben und katholische zurückgesetzt wur­den. Allem Anschein nach baut man in Berlin mal wieder darauf, daß d,e Hohenzollern von jeher Lamm­fromme Leute gewesen sind, die schon schlimmere Sachen sich haben gefallen lassen. Wir wissen ganz bestimmt, daß bezüglich eines vakanten rheinischen Kreises, wo aber die ParitätZverhältniffe lange nicht so kraß sind wie hier, einem älteren kathollschen Landrat auf seine schüchterne Anfrage in allerneuester Zeit prompt und kurz von der Koblenzer Regierung bedeutet wurde, für diesen Kreis könne er nicht in Betracht kommen, da derselbe zur Mehrheit protestantisch seil Ja! auch heute noch ist man in solchen Dingen bei der preußischen Regierung Koblenzs und Berlins äußerst feinfühlig, wenn es sich um .Nichtschwarze" handelt. Dürfen wir Katholrken in der neuen soviel benannten und doch noch so weit entfernten demokratischen Zeit uns eine derartige Rücksichtslosigkeit bieten lasten? Das katholische Volk Hohenzollerns erwartet mit aller Be­stimmtheit, daß der Kommunallandtag gegenüber diesen alten, heute aber wenig mehr angebrachten Ber­liner Regierungskünsten ein recht steifes Rückgrat zeigen und definitiver Zurwahlstellung den protestantischen Herrn glatt ablehnen wird. Hohenzollern wird doch wohl noch eine einheimische, mit den hiesigen Ver- hältnisten vertraute, katholische Persönlichkeit als Ober- vmtmann aufbringen können.

Tagungen.

= verband fach, faufm. Gehilfinnen. Unter großer Beteiligung sand in Wiesbaden die Generalversammlung des Verbandes lach, faufm. Gehilfinnen und Beamtinnen Deutschlands statt. Das Gefellenhaus hatte feinen Fest- fata reich mit Blumen geschmückt. Kaplan Papst, der Präses des Wiesbadener Orisvereins, eröffnete die Ver­sammlung mit einer herzlichen Begrüßungsansprache; Stadtrat Fink sprach die Begrüßung der Stadt Wiesbaden aus. Den Abend verschönten noch durch Ansprachen Pfar­rer Deppen (Köln), Pfarrer Götzel (München), Frl. .Mül­ler vom D. W, A. (Berlin), Prof. Seitz (Mainz) und Domkapitular Strieh (Limburg). Kaplan Len..ert (Bin­gen) hielt einen hochinteressanten Vortrag, worin er die Wichtigkeit der Standesvereine als bringende Notwendig­keit erklärte, trat den beklagenswerten heutigen Zeitgeistern entgegenzutteten. Die Frage: Wozu fach. Standesvereine? beantwortete Pfarrer Dr. Hüfner (Wiesbaden) in einem glänzenden Dorttag dahin, daß die Aufgabe der kath. Stimdesvereme die Hochhaltung der religiös-sittlichen Ideale durch FötSerumg der christkachölifchen Weltanschauung und durch echt fathölstcher LebenSgestoltung fei. In der Fest- oersammlung am Abend, die ausgezeichnet vertief, sprach Stadtpfarrer Eich-Bingen über Mariensorge und Mariha­arbeit der erwerbstätigen Frauen. Ein Festspiel krönte die Reihe der schönen Veranstaltungen.

rennen auf der Erbenhenner Bahn. Aha, also darum! Schon wußte ich mir die vielen blauen, braunen und gelb­lichen Uniformen nicht zu erklären. —

Pferdegetrappel tönt, eine kriegsstarke Schwadron fran­zösischer Kavallerie reitet die Straße entlang. Man soll zwar nicht, einen verstohlenen Blick gestatte ich mir aber doch: gute Pferde, tadellose Ausrüstung, gesunde Gesichter unter den blaugrauen Stahlhelmen. Schneeweiß die Hand­schuhe der Offiziere und hellsunkelnd die Degenscheiden . . . ©ü sind um eine Ecke verschwunden, nachdem sie den kommandierenden General zum Rennplatz esfartiert hat­ten —, immerhin etwas ausfällig. Und ein Seufzer steigt mir auf, wenn ich an unsere 6. Dragoner denke, die den glsichen Weg riüett, wenn sie vom Scharfschießen kamen. —

Tempora mutantur . . . Aber noch immer rauscht der Park und die Fontaine, spvudett das atie Heil wasser des Kochbrunnens, den Kranken Genesung und Hellung brin­gend. Noch immer stehen die vornehmen Vergnügungs­stätten der Kuranstalt auf ragender Höhe: bas prachtvolle Kurhaus und das ehemalige Hoftheater, nunmehr „Staats- theattr" genannt.

Die Kaskaden rauschen und plätschern vor dem weißen Dsmpelbau des Kurhauses; rn dem warmen Sonnenlicht glühen die bunten Dlumenteppiche in brennenden Farben, kurzgeschnttttner Rasen leuchtet in köstlichem Grün.

Wie wacker sich die Stadt erhätt, ungeachtet der Kosten, die ins Riesenhafte fteigien, um dem Fremden den Ausent­halt so angenehm wie möglich zu gestalten; wie gepflegt, wie sauber alles ist!

Aus dem Kurpark bringt Musik, bas Kurorchester spielt. Roch immer auf der künstlerischen Höhe, die es schon zu B rahm's Seiten besaß, der sich für diese Künstlerschar begeisterte. — Deutsche Klänge tönen mir entgegen, das festliche Jubeln und Klingen der „Festwiese". Und hoch um die funkelnde, prächtige Stadt zieht sich der wette Kranz dunkler, herrlicher Wälder, im sonnenschimmerndsn Süden das breite Sclberband des Rheins, unseres taten Rheins. Don ihnen ein ander Mal. —

Diese Stadt, dieses Land dürfen wir Deutsche des un­besetzten Deuffchland nicht vergessen. Mehr als je ist man dort auf uns angewiesen, diese Stadt, die ganz auf Kur­leben eingestellt ist. Sie ist in Rot. Fest« müssen wir die Bande knüpfen zwischen uns und dem Rheinland, das unter dem Drucke der Fremdherrschaft steht und trat sein Deutschtum kämpft.

Es lohnt sich, seine Ferien in dies« Feststadt zu ver­bringen, in den hohen Buchenwäldern des Taunus zu stra­fen, in den rebenduftenden Rheingau zu ziehen, nachzu­träumen deutsche Geschichte an dieser Stätte ur-lttr deut­scher Kultur. R. W—M.

Aus dem Nachbargebiet.

mo. Frankfurt a. M. Durch ein Versehen batst daS Postscheckamt einem kleinen Handwerker 4000 Mark zu viel gebucht, die der gute Mann in dem Glauben verbrauchte, eine in Erwartung stehende Erbschaft fei angekommen. Trotzdem stellte daS Scheckamt Strafantrag wegen Betrugs. Da die Aussagen des Mannes aber durch Zeugen erhärtet wurden, mußte das Gericht auf Freisprechung erkennen.

--- Kassel. Der Kasseler Jnnungsausschuß ver- anstallet im Oktober zum ersten Male feit 1914 wieder eine große Lehrlingsarbeits-Ausstel« lung. Diese soll vor allem auch den Zweck haben, die sozialdemokratischen Angriffe aus die Meisterlehre zu entkräften.

= Eisenach. Mit Wirkung vom 1. September ab bat die hiesige Schneiderinnung einen Preisabbau von 10 Prozent für alle Schneider arbeiten angenommen.

Aus Oberhessen und den Hess. Aetntern.

A Marburg. Die Stadtverordneten genehmigten die neue auf staatlichen Grundfätzen aufgebaute Be­soldungsordnung für die städtischen Beamten und Angestellten mit dem Zusatze, nach zwei Jahren eine Revision vornehmen zu dürfen.

Vermischter.

* Sassenraub ta den Vulkanwerken. Nachts drangen Einbrecher in die Kassenräume der Vulkanwerke in Stettin ein. Sie öffneten die beiden eisernen Türen mit Sauer­stoffapparaten unb erbeuteten 1490000 Mark. Von dem gestohlenen Gelde sind 1300 000 Mark 50« Mark-Scheine, während bet Rest aus Ein- und Zweimark- fd)einen besteht.

* Schnellzüge mtt Oelseuernng. Am 1. September ist von London nach Birmingham der erste Schnellzug ab­gegangen, dessen Lokomotive mit Oel geheizt war. Auf deutschen Bahnen wurden bereits im Jahre 1912 Ver­suche mit Heilölftuerung gemacht, und zwar verkehrten damals im Eifenbahnidttektionsbezirk Frankfurt a. M. mehrere Lokomotiven, bereit Kessel mtt Teeröl befeuert wurden. Die Delfeuerung weist gegenüber der Stein- kohlensenerung drei Vorteile aus: erstens ist bie Leistungs­fähigkeit der Lokomotive größer, wett in der gleichen Zeit­einheit mehr Wärmeeirchäten durch die Delbrenner erzeugt werden, zweitens ist bie Bedienung bei der Delfeuenmg einfacher und drittens ist bie Rauchentwicklung viel gerin­ger. In England, Rußland und solchen Ländern, bie über flüssige Brennstoffe reichlich verfügen, geht man in letzter Zttt mtt gutem Erfolg dazu über, die Beheizung der Lo- komotwkessel durch Vrennstofsdüsen zu bewerkstelligen, aus denen blaue, brausende Flammen bie Kesselfläche be­streichen unb beheizen. Auf österreichischen Bahnen hatte man vor dem Krieg über 300 Lokomotiven für P e- troleumheizung eingerichtet. Sie wurden dann aber wegen der erhöhten Kosten des Oels wieder für die Koh­lenfeuerung umgebaut. In Deutschland und in Schweden ist man mtt Erfolg bemüht, auch die sogenannte Staub­feuerung, t’.e geringwertige, staubförmige Brennstoffe verfeuert, für den ßotomotrobetrieb einzuführen.

* wie spare ich Dorio? Unter dieser Spitzmarke schreibt die „Deutsche Tagesztg.": Die überaus hohen Postgebühren nötigen mehr als bisher zur Sparsamkeit. Eine tägliche Erfahrung ist es aber, daß vielfach noch zuviel Porto auf* gewendet und bie Ermäßigungen nicht benutzt werden, die der Tarif der Rsichspost möglich macht. Drucksachen werden ost in verschlossenem Briefumschlag statt offen ver- schickt. Dann wttd nach wie vor von der Einrichtung der Geschäftspapiere wenig Gebrauch gemacht. Sie sind aber jetzt billiger, sobald sie das Gewicht von 20 Gramm über* schrotten, tos Geschäftspapiere zugelassen werden alle Schriftstücke und Urkunden, die nicht die Eigenschaft einer eigentlichen und persönlichen Mitteilung haben, wie Pro- zeßatten, Frachtbriefe, Ladescheine, Rechnungen, Quittun­gen, offene Briefe und Postkarten, wenn sie ihren ur­sprünglichen Zweck erfüllt haben, Urschriften von Werken unb Zeitungen, Schülerarbeiten, Lohn-, Dienst- oder Ar- bettsbücher usw. Auch bie neue Einrichtung der Päckchen wird nicht genügend beachtet. Sie kosten bis zum Gewicht von 1 Kilogramm 1 Mark. Sie müssen aber bie Aufschrift „Päckchen" tragen.

* Kommunistischer Wahnsinn. Die Hartungsche Zeittrng meldet aus Goldap: Als am Mittwoch mittag ein Beamter der Sicherheitspolizei drei in Budening- ken verhaftete Männer ins Gefängnis einlieferte und der Gefangenenaufseher ihnen die Waffen. abnehmen wollte, schoß einer den Aufseher in den Kopf, fo daß er sofort tot war. Hierauf jagten sich zwei der

Kleines Feuilleton.

Der soll in bet Ehe nachgeben.

Der Klügste natürlich! Doch merkwürdig, der Klügste will in der Ehe, obgleich er es sonst zu sein be­hauptet, der Mann mir selten sein. Er verlangt, daß die Frau nachgebe, unb warum? Weil er häufig noch von der Schulzeit den Bibelspruch im Gedächtnis hat: Er soll Dem Herr sein! Folglich kann, er als solcher verlangen, daß sie, sein Weib, über das er herrscht oder zu herrschen meint, ihm nachgibt, wenn es zu Meinungs- verfchikdenhetten kommt. Ja, nicht selten behauptet er so­gar, ein Recht zu haben, von ihr Nachgiebigkeit zu fordern und sie — nun, ich habe eigentlich noch wenig Frauen kennen gelernt, dir so leicht, wie es der ,Lerr der Schöpfung" erwartet, zum Nachgeben 'geneigt wa­ren. Und der Gründe für diese Hartnäckigkeit sind gar viele. Da glauben einige sich etwas zu vergeben, wenn sie nach Meinungsverschiedenheiten, in denen sie nach ihrer eigenen Ansicht Recht hatten, des lieben Friedens willen nachgeben. Andere wieder trotzten im Gefühl, daß ihnen ein Unrecht geschah, und vermögen aus diesem Grunde nicht das erste Wort zu sprechen. Nicht wenige möchten gar gern wieder einlenken, zumal dann, wenn sie ihr eigenes Unrecht einsehen und fühlen, daß sie die Ursache zu Zank und Streit gegeben, aber — sie gewin­nen es nicht über sich . Die Lippen sind ihnen wie ver­siegelt, und obgleich sie immer wieder dazu einen An­lauf nehmen, fSnnen sie doch ihr Vorhaben nicht aus- führen. Endlich aber gibt es solche, zum Gluck aber wohl nur wenige, die aus jeder Nachgiebigkeit ihrerseits möglichst viel Kapital schlagen wollen. Das sind jene Frauen, die erst dann zur Versöhnung bereit sind, wenn ihnen der erzürnte Gatte, des langen Haders und der ungemütlichen Stimmung müde, irgend ein Geschenk verspricht, um sie wieder zu versöhnen. Aber auch jene Ehen sind keine Seltenheiten, in denen beide Ehegatten harte, unbeugsame Köpfe haben, die mit stoischem Gleich­mut den schrecklichen Zustand ertragen, im Groll neben­einander hinzulekwn, ohne muh nur entfernt daran zu denken, einzulenken und die frühere Harmonie wieder herzustellen.

Daß es in solchen Fällen natürlich ganz besonder­schwer zu einer Verständigung kommt und diese kautt noch durch eine nochmalige Aussprache erziell wird, v selbstverstäMich. Aber auch nach erfolgter DersöhnuNk bleiben dann noch dichta Wolken zurück, welche die Sonnt der Eintracht nicht ungehindert durchscheinen lassen.

Wie sehr nicht mir die beiden Ehegatten, sondern auch die Kinder unter diesen Verhältnissen zu leiden ha­ben, das auszumalen, bedarf es wohl keiner weiteren Worte. Muß es aber erst dazu kommen? Muß eine