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Samstag, 4. September 2920. (Colonelmatz) 60 pfg, u. 1O°I« Zuschlag, die Re klamezeile 47. Zahrg
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nr. 205
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Tonnen angegeben.
Ein Akt der Heldenehrung.
Wie
.Kein aber. Ihren Arm, bitte,
Herr von (Eggen,
Komm, Ursula!
..Ach, da bist Du ja!" rief er aus.
Sie kommen mir denn, Sie hätten
Nein, Es sei
„Aber, gnädige Frau, ich seinen Reitanzug.
„Wunderschön sind Sie! nicht aus! Sie bleiben! — Amüsanteres vor."
„Das nicht, aber . . .*
„Schwindler!" Sie drohte ihm mit dem Finger, dann schlug sie die Decke, die über ihre Füße gebreitet war, zurück und erhob sich.
„Ich will in's Haus. Und Sie, liebes Wölfchen, kom- men mit! Sie werden jetzt zur Strafe bei uns zu Tisch bleiben!"
In einer Sitzung des Magistrats hatten die bürgerlichen — *■> von der Mehrheit der
gelaufen.
Von poetischem Gewicht ist bei Betrachtung dieser Dinge die Tatsache, daß die deutsche Regierung in ihrer Stellungnahme zu den Vorgängen sich fast in allen Eiltzelheiten aus sämtliche Parteien des Reichstages zu stützen vermochte.
Eine Sühneftrterung bereits erfüllt.
Der Polizeipräsident von Breslau, Ernst, ist durch Beschluß der preußischen Staatsregie, rung in den einstweiligen Ruhe st and oer- setzt worden. Damit ist einer der französischen Sühneforderungen für Breslau entsprochen worden.
Die perlen -er Eggenbrechtr.
26] Roman von Alexandra von Bosse.
„Da ist sie!" sagte Therese, die ihr Rahen zuerst be- Merkte. Schnell drehte Wolf sich herum und sah ihr stoh entgegen, während seine gebräunten Wangen sich um einen Schein dunkler färbten. Sie erschien ihm im ersten Augenblick fremd, nicht so, wie er sie in der (Erinnerung hatte. Sie trug heute ein weißes Leinenkleid, keinen Hut, und über der weißen Stirn flimmerte ihr kichtbraunes Haar in der Sonne. So hatte er sie noch mcht gesehen.
„Grüß Gott, Kusine Silvia!" sagte er,' ihr einige Schritte entgegengehend, und sie reichte ihm die Hand, die sein« nervigen Finger für einen Augenblick fest um. schloffen.
„Grüß Gott!" sagte auch sie. Dann standen sie sich sekundenlang stumm gegenüber, blickten einander in die Augen, und Silvia fühlte, wie ihr langsam das Blut in die Wangen stieg. Jetzt erst beugte er sich herab, ihr dir Hand zu küffen.
„Er wollte vorbeireiten," berichtete ganz entrüste! Therese. „Denke Dir — vorbeireiten! Aber ich rief ihn an und fing ihn ab. Ich lechze ja so danach, endlich einmal einen Menschen zu sehen!"
Wolf und Silvia lachten gleichzeitig über diesen Stoßseufzer, der Therese so von Herzen kam, und sie sprach schmollend weiter:
„Seit drei Tagen ist er schon in Altenwied, und doch kam er nicht her, wo wir hier vor lauter Einsamkeit und Langeweile sterben. Wen hatten wir in all den Wochen denn gesehen, Silvia? Sage selbst — niemand!"
„Du warst ja krank, Therese."
„Aber seit mindestens zehn Tagen bin ich wieder rmpfangsfähig, und niemand besucht mich."
„Wenn ich geahnt hätte, daß mein Besuch angenehm sein würde —" begann Wolf, aber Therese unterbrach ihn, indem sie nach ihm schlug und rief:
„Ach tun Sie doch nicht so, Herr von Eggenbrecht! Spielen Sie doch nicht den Bescheidenen! Sie? — Sie griffen doch ganz genau, wie angenehm Ihr Besuch über- all und immer ist, besonders aber, wie sehr ich mich immer nach Ihnen sehne."
Er lachte, legte die Hand aufs Herz und verbeugte sich tief. ,
„Sehr geschmeichelt — aber ich hatte wirklich keine jfamna." '* '• , •
brecht!"
Silvia war zu Therese getreten, sie zu stützen, aber nun beeilte sich Wolf, ihr den Arm zu bieten, auf den sie sich fest lehnte. Dabei war fein Gesicht plötzlich ganz ernst geworden, weil er fah, wie leidend die Frau noch war. Jetzt erst bemerkte er auch, daß ihr rosiges Gesicht viel schmäler geworden war und daß der elegante Schlaf, rock lose von ihren Schultern hing, die ihre Rundung verloren hatten. Das rührte ihn fast, und ihr entging es nicht; mit wehmütigem Lächeln und um Teilnahme bittenden Augenauffchlag sagte sie seufzend:
„Ich war sehr, sehr krank, Herr von Eggenbrecht! Beinahe wäre ich gestorben. Ja, ich wäre ganz gewiß gestorben, wenn meine liebe, süße Silvia mich nicht so rührend gepflegt hätte!"
„Du hattest ja eine ausgezeichnete Pflegerin", suchre Silvia das Lob von sich abzulenken.
„Ach, das Schaf, das hätte mich umgebracht mit feiner Langweiligkeit und dem unerträglichen Gleichmut, den diese Pflegemaschinen an sich haben. Rein, mit Liebe muß man gepflegt werden, wenn man gesund werden soll! Silvia war einfach ein Engel! Wenn Sie einmal wieder krank werden, Herr von Eggenbrecht, dann lasten Sie sich nur von Ihrer Kusine Silvia pfle» gen."
Er lachte, blickte nach Silvia zurück und sah, wie sie errötete. Es war so hübsch, wie sie errötete.
^„Ia, bann würde ich ganz gern einmal krank sein," meinte er.
.Und wie geht es Ihrem Bein?" fragte Therese.
„Es geht wieder."
Silvia, die auf b m schmalen Weg hinter dem Paar herging, hatte schon bemerkt, daß er noch leicht hinkte, ungefähr wie Branding es tat. Rein, doch anders: 1 Branding bin"e bereits geroobnheitsmä&ia w te
Oberschlesien.
Korfanty erläßt neuerlich einen Aufruf cm die Bevölkerung Oberschlesiens, worin er die in den letzten Tagen vorgekommenen verdammenswerten Verbrechen als Untaten gewöhnlicher Banditen hinstellt. Er fordert die gesamte ordnungsliebende Bevölkerung zum Kampfe gegen das Banditentum und zur Ablieferung der noch zurückgehaltenen ©affen auf.
In der Stadtverordnetenversammlung in Kakto- w i tz wurde von Magistratsseite mitgeteilt, daß bisher 8 Millionen Mark an Schadenersatzansprüchen emgereicht worden feien, zu deren Zahlung die Stadt aus Grund des Timmltschädenge- setzes verpflichtet sei.
oberschlesischen Kohlentransporte a u f g e h o b e n, sodaß nunmehr außer den Zwcmgslieferuugen an die Entente und der Versorgung der deutschen Staatsbahn auch die Industrie wieder Kohlen erhalten kann.. Der Ausfall, der durch den Bergarbeiterstreik und die anschließende Sperre dem deutschen Wirtschaftsleben entstanden ist, wird nach zuverlässigen Schätzungen auf 700 000 ~
Der internationale Streitkwahnsinn.
Di« Hanauer Machtprobe.
Rach einem Telegramm unseres 0 Mitarbeiters fan» den unter dem Borsitz des Oberpräsidenten Dr. Schwandner gestern hier Derhandlungen mit der im Generalstreik befindlichen Arbeiterschaft statt, Die Vertreter der Arbeiterschaft verlangen restlose Wieder» einftettung der am Generalstreik beteiligten Arbeiter. Bewilligung einer z ehn p r o zen tigen Lohnerhöhung für alle freiorganisierten Arbeiter und Bezahlung der Generalstreiktage. Die Derhand- lungen dauerten von vormittags 11 Uhr mit ganz kurzer Unterbrechung bis Mitternacht. Heute vormittag wird zwischen Arbeitgeberverband und der General- ftreitleitung über die Wiedereinstellung aller Streikenden und über die Bereitwilligkeit zu weiteren Verhandlungen über die anderen Forderungen beraten werden. Hierbei führt den Vorsitz Landrat Vogt in Hanau. Don dem Ergebnis dieser Verhandlungen wird es abhängen, ob der Generalstreik weiter fortgesetzt wird ober nicht.
Verantwortlich für den rebattion. Teil L V.: Dr. Kramer, u für die Anzeigen: I. Parze Her-Fulda. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendmckerei in Fulda. Fernsprecher Rr. 9 Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
wurde.
Plötzlich kam lautlos, wie es feine Art war. Leo mi Zimmer. Er hatte sich bereits umgezsgen, zeigte keim Ueberrafchung wegen Wolfs Anwesenheit, von der bei Diener ihn bereits unterrichtet haben mochte, begrüßte ben Gast mit kühler Höflichkeit unb erkundigte sich nach seinem Befinden, nach dem Befinden der Frau von Eggenbrecht unb dem Stanbe ber Ernte in Altenwied. Alles in lestem, gleichgültigem Ton, als interessiere es
Reichstag und Regierung!
Don parlamentarischer Seite wird uns geschrieben: „Deutschland wird seine unbedingte Neu- jrolität im russisch-polnischen Son« Konflikt so wie bisher auch weiter inne halten, weder nut Rußland noch mit Polen existiert irgend welcher geheime Vertrag!" Diese Tatsachenfeststellung, -je ja gewiß für eine größere Oeffentlichkeit nichts steberraschenües brachte, erfolgte bei der Aussprache im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages durch den Keichsaußenminister Dr. Simons. Es war dennoch gut, daß bei den vielfälügen Munkeleien in der Luslandspreffe, auf welche wieder einmal ein gewisser Teil der deutschen Preste hereingefallen war, eine der- artige amtliche Feststellung und noch dazu vor jenem Forum gemacht wurde, welches nach unserer Verfassung die Verantwortung für die Fühmng der Reichs» grschäfte in erster Linie dem Volke gegenüber trägt.
Auch der übrige Verlauf der Beratungen im Auswärtigen Ausschüsse hat an nennenswertem neuen Material nichts über das heraus ergeben, was durch die Tagespresse dem Volke gegenüber schon eingehend vorgetragen und besprochen worden war. Es hat deshalb auch Einmütigkeit darin bestanden, daß fürs erste kein Anlaß zu einer vorzeitigen Ein- berufung des Reichstages gegeben fd.
Was im besonderen die Stellungnahme des Reichs- togsausschustes zu den schwebenden Ostfragen, insbesondere zur oberschlesischen Frage angeht, io konnte man sich allerdings aus dem der Oeffentlich- fett übergebenen Berichte kein klares Bild machen. Das liegt daran, weil von den einzelnen Rednern ihre diesbezüglichen auf die oberschlesischen Vorgänge sich richtenden Angelegenheiten für vertraulich erklärt worden sind. Wir können allgemein nur sagen, daß im wesentlichen kaum ein triftiger Grund für diese Vertraulichkeit vvrlag, und daß wohl kaum etwas gesprochen worden ist, was nicht auch in der Oeffentlichkeit wiederholt werden könnte. Jndesten galt es fürs erste noch gewiste Rücksichten zu nehmen, im Hinblick darauf, daß das letzte Wort zu den französischen Sühneforderungen noch nicht gesprochen ist. Die Verhandlungen zwischen der deutschen Regierung und der französischen Botschaft gehen noch weiter und namentlich wird von deutscher Seite, lmterstützt durch die einmütige Haltung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages, Gewicht darauf gelegt, daß eine in diesen französischen Forderungen verlangte Zttierung des deutschen Reichskanzlers zum Sühnebesuch vor dem ftanzöstschen Botschafter abgelehnt werden muß. Auch bedeutet das eine unerträgliche Zumutung, vom Reichskanzler eins Blanko-Zusage dahingehend zu erhalten, daß derartige Zusammenstöße sich in aller Zukunft nicht wieder ereignen würden. Zu einer solchen Zusage könnte sich der Reichskanzler unmöglich herbeilafsen. Sie würde sa ohnedies auch einer Mankovollmacht für die Gegenseite für ihre Herausforderungen gleichkommen. Der Ausschußantrag ist darum besonders zu begrüßen, weil die Reichsregierung auffordert, jenes Tatsachenmaterial der Oeffenüichkeit vorzulegen, durch welches dargetan wird, wie durch die polnischen Uebergriffs ine oberschlesische Bevölkerung in eine begreifliche Erregung gebracht werden mußte.
Nach den neuesten Meldumgen, die dazu vorliegen, hat der Minister Dr. Simons dem französischen Botschafter bestimmte Vorschläge gemacht, in denen rin sehr wettgehendes Entgegenkommen der deutschen Regierung zu erkennen war, in denen aber für die Forderungen, dis über den Rahmen der Breslauer Vorgänge hmausgchen und offensichtlich über die zu- gebilligte Sühne heraus eine Demütigung des Reiches bedeuten, nach einer für beide Teile erträglichen Milderung gestrebt wird. Der französische Botschafter
tritt bereit.
Leipziger Messe — Straßenbahnstreik.
In Leipzig traten die Straßenbahner, da ihre Forderungen auf Wiederaufnahme des Betriebes bei den seit einiger Zett stillgelegten Linien und auf Herabsetzung des Fahrpreises auf 50 Pfg. nicht bewilligt wurden, heute früh in den Ausstand.
Rußland und Frankreich.
Aus Helsingsors wird telegraphiert: Die französische Regierung hat an Tschitscherin folgendes, von Millerand unterzeichnetes Ultimatum gerichtet: Die ftonzösifchen Marinebehörden haben die Vorbereitungen für die H e i m f e n d u n g des letzten russischen Transportes aus Frankreich am 15. September und aus Algier am 26. September getroffen. Alle Franzosen, die sich in Rußland befinden, sind deshalb entweder nach der finnischen Grenze oder nach Odesta zu befördern. Wenn ein einziger Frcmzose nach dem 30. September gegen seinen Willen in Rußland zurückgehalten wird, so wird die stanzöstsche Regierung Deranlastung nehmen, der französischen Flotte den Befehl zu geben, in Südrußland Schritt« zu tun, wie sie als erfor- derlich erachtet werden.
Die russisch-polnischen Derhandlungen.
Nach einer Tempsmeldung aus Warschau ist Joffe, der frühere Vertreter der Sowjet-Republik in Berlin, zum Vorsitzenden der neuen Sowjetabordnung, die mit den Polen verhandeln soll, ernannt worden.
hat diese Vorschläge nach Paris roettergegeben. Bis 1 In einer Sitzung des Magistrat-
Sur Stunde stt von dort eine Antwort noch nicht ein- ! |tX«orbn^en?erTSunJ' geforberte Mandatsnie- . Verlegung abgelehnt. Die drei sozialdemokratischen, Magistratsmitglieder haben ihre Mandate zur Verfügung gestellt. Oberbürgermeister H i l d und Stadtbaurac Erich find unter Wahrung ihrer Rechte zum Rück-
bin ..." Er wies auf
linke Sein, wegen der leichten Steifheit im Knie, ein I Ursel machte große, runde Augen, dann lachte sie wenig nach, Wolf aber hinkte wie jemand, der Schmerz I plötzlich, halb verlegen, halb zutraulich, wie es Wolf verspürt. Er schönte, wie man bei Pferden zu sagen I fchon an ihr kannte.
pflegt. I „Onkel?" fragte sie.
Frau von Branding empfing den unerwarteten Gast I „Ja, Onkel!" nickte er. Onkel Wolf, der Dich getra- mit einem Schwall von Begrüßungsworten und gab I gen hat — an der Eisenbahn — weißt Du noch?" bann heimlich nach der Küche den Befehl, die kleinen I Ursel wußte zwar nichts mehr davon, es war schon Kalbsmilchpastetchen, die sie für den Abend bestimmt I ?u lange her, aber sie nickte ernsthaft. Der OUkel mit hatte, zwischen Suppe und Fleisch zu geben. Leo Bran- I ben lustig lachenden Augen gefiel ihr, und als er nun ding war noch nicht zurück, man wartete nicht auf ihn, I mit den Händen eine auffordernde Bewegung machte, wie er das ein- für allemal gewünscht hatte. I ging sie zu ihm, hob die Aermchen und ließ sich roillig
Während des Mittagessens neckte sich Therese mit I von ihm aufs Knie heben.
Wolf, der bereitwillig darauf einging. Sie kokettierte, I „Tausendsassa," bewunderte Therese, und Frau von wie Silvia das noch nie an ihr gesehen, und auch bar- I Branding rief erstaunt aus:
auf ging er ein, wobei aber um feinen Mund ein halb I „Nein, das ist merkwürdig! Das Kind ist doch fonst
überlegenes, halb schelmisches Lächeln fpielte, das an- | so fremdenscheu!" e
zeigte, wie wenig ernst es ihm mit der Kurmacherei I „D, wir sind doch schon alte Bekannte, was, Ursel?
war, zu der Thereses Benehmen ihn nötigte. Aber die I sagte Wolf.
alte Frau von Branding lieh sich täuschen unb fragte I Sie nickte wieder, lachte zu ihm auf und begann oer- sich schon besorgt: Wozu soll das führen? Heiraten I gnügt an dem Biskuit zu knabbern, das er ihr ins
können sie sich doch nicht, da Therese kaum so wwer- I Händchen gab. Der Platz auf seinem Knie schien ihr
nünftig sein wird, ihr schönes Einkommen fahren zu I fD gut zu behagen, daß sie ihn nur ungern verließ, als
kaffen, um Herrin auf Altenwied zu werden! Und Frau I das Fräulein kam, die Kleine zum Spaziergang zu ho-
von Branding seufzte innerlich bedauernd: Schade, wenn I ken. Aber ehe Ursel sich von dem Onkel trennte, hob sie die Therese auch älter ist als er, paffen würde sie schon I zutraulich mit halbgeöffneten Sippen ihr Gesichtchen ihm zu ihm! I entgegen und er mutzte ihr, zu Therefes Gaudium, einen
Silvia beteiligte sich kaum an der Unterhaltung, sie I Kuß geben.
beobachtete nur und ließ sich nicht tauschen. Sie er- I ^a. hören Sie mal, Sie gefährlicher Mensch." schalt kannte, datz es ein Spiel war, ein Spiel mit dem Feuer, I wchend Therese, als das Kind fort war, „Sie haben die
mit dem zu spielen beide wohl gewohnt waren. Ihr I junge Dame ja förmlich bezaubert! Man könnte jo
selbst war es neu, aber es schien amüsant zu sein, denn I ^st eifersüchtig werden!"
Thereses Augen wurden immer lebhafter, strahlender, 1 Alvia strahlte, und während Wolf sich weiter mit ihre Wangen röteten sich, sie erschien wieder ganz ge- j j$erefe unterhielt, beobachtete sie ihn verstohlen. Wie, sund. * I ber war ihr zumute, als kenne sie ihn schon längst, als
Während der Nachtisch gereicht wurde, trippelte plötz- I mgre er e(n Bruder, den sie lange nicht gesehen, und llch Ursel herein. Wie ein weißes Wölkchen sah sie I ^ffen einst geliebtes Gesicht ihr nun wieder vertraut aus in ihrem duftigen weihen Hänger. Sie kam von ihrem Mittagsschläfchen, rotwangig, mit glänzenden Augen, das liebe runde Gesichtchen von dunklen Locken umrahmt.
Erschrocken blieb sie stehen, als sie den Fremden am Tisch bemerkte, aber kaum erblickte Wolf sie, so schob er seinen Stuhl zurück und streckte seine großen, braunen Hände dem Kinde entgegen.
Schulden.
Da das Reich an Preußen als Abfindung für die Uebereignung der preußischen Eisenbahnen in den Reichsbesitz eine Summe von 29 Milliarden Mark ausgeworfen hat, ergibt sich aus der soeben erfolgten "Gegenüberstellung, daß diese Abfindungssumme bereits durch die heutige Schuldenlast Preußens aufgezehrt ist. Jetzt kann Preußen nur noch auf die Werte der Bergwerke, Domänen und Forsten sich stützen. Mer auch die Belastung dieses Besitzes geht Die Kohlenfrage. | mit Riesenschritten vorwärts, sodaß Preußen eben«
Die deutschen Lieferungen an Frankreich. im rasenden Lauft
Im französischen Senat teilte der Arbettsmim- Nun wird wieder einmal von der unbedingt not- fter mit, daß die deutschen Kohlenstefsrungen vom 1. I toenbi en Sparsamkeit gepredigt, aber man sieht i i ^?tCn kF1, I nichts, was erkennen ließe, daß nun auch wirklich
rücksichttgung der drei letzten Tage des August baffer- rücksichtsloser Entschlossenheit diesem Grundsatz«
ten sich die Augustlieferungen auf über 1,6 1 Durchbruch verhalfen wird. Gerade auch die
Millionen Tonnen. Das Frankreich durch die Wieder- I preußischen A em ter sind von Beamten und gutmachungskommission unter Zugrundelegung des I Hilfskräften übervölkert, für welche nicht nur Abkommens von Spaa zugebilligte Kontingent betrage I Dutzende sondern Hunderte von Millionen 1550 000 To. I Mark unnütz ausgegeben werden muffen, Man
Die Folge der Lieferungen. | kann nur wünschen, "daß die Forderung des Zen-
Nach einem Bericht des preußischen Ge- I trumS-Vertteters, daß sofort ein interfraktiv- werbeamtes in Essen beginnt das Abkommen I neller Parlamentsausschuß zur Prüfung von Spaa über die Kohlenlieferungen bereits ernste I dieser Fragen gebildet werde, den nötigen Nachhall Folgen hinsichtlich derEinschränkungeninder I findet. Dasselbe gilt aber auch für das Neich. Industrie zu zeitigen. I Denn auch hier muß man nut steigender Erschufte-
I rung wahrnehmen, tote tm alten Geleise fortgetorrt» Die oberschlesische Kohle. I schäftet wird, während doch jeder Tag riesige
Nach den Mitteilungen mehrerer Korrespondenzen I Millionen Summen aus dem allgemeinen deutschen hat bre Interalliierte Kommission die Sperre für die j Boiksvermögen aufzehrt.
___dem „Berliner Lokal-Anzeiger" aus Straßburg gemeldet wird, sind auf Verfügung des Geue- ralkommrssarZ von Elsaß-Lothringen jede Berg- Der Generalstreik in Württemberg IkubpeindenVogesen, auf denen sich im Kriege
ist beendet. Die Arbett wird am Montag wieder schwere Kämpft abgespielt haben, darunter der ausgenommen. Alle Streikenden und Ausgesperrten, Hartmannswetlerkopf, als Krtegsdenk- die sich keine schweren Verfehlungen zu ©djulbcn kom- maler erklärt worden, um sie künftig vor l?ter men ließen, werden wieder eingestellt. Die Streiktage I Entweihung zu schützen.
werden nicht bezahlt. Von letzterer Entscheidung hat I -----------------—
die Kommission lediglich Kenntnis genommen. Sie I Der vreustifcke Dalles,
will die Entscheidung der ordentlichen Gerichte und des I „ ., ...
Landtages herbeiführen. Eine Detriebsräteoerftmm« I Tie trostlose Finanzlage des Reiches .hinterlaßt tag soll noch einmal die Ausschußabmachungen naturgemäß in den einzelnen Landern, wre auch m vriiien | den Gemeinden die ttefsten Spuren. So ist für die
Die Arbetteranruhen in Italien. Finanzlage Preußens der Bericht des Zentrums-
m , . , - _ ~ — „uh., t™. I rednerS tm Hauptausschuß der preußischen Landes-
Nach einn Havasrnellnmg aus Romwewet ter I ber|QntmIung geradezu alarmierend, in welchem „Temps , daß Arbeiter dW Ar s en a l von I foIgenbc schwerwiegende Feststellungen gemacht war- E ne di g ohne Zrms^M besetzt haben. N^ I sind: Preußen hatte vor dem Kriege eine deM 'Messagero hat sich die Buchung ter Fabrckm @4u!'benIaft bon iqi/i Milliarden, die aber durch
durch die Arbeiter auch auf Bologna, Florenz, Term, mit 12V, Milliarden bezifferten Wert der Eisen- Lworno und -ndere Stabte cmsg^ehnt. bahne« reichlich gedeckt war. Dazu kamen die un-
Nach einer Meldung ter »scherte aus G e n u a I gebeuTen ggerte aus den Bergwerken, Domänen und
fft dort wegen ter Zusammenstöße ter Generalstreik I Lq^ten nebft ber starken Steuerkraft des ganzen
erklärt worben. I Landes. Heute beträgt der Schulden st and
Streik in Nordamerika. I Preußens nicht weniger als 25 Milliar-
Aus Wilkesbarre (Pensyloamen) wird gemeldet, I den Mark. Der Friedenswert der Eisenbahnen ist
daß gegen ben Willen ter Gewerkschaftsleiter ein gro- 1 damit schon um das Doppelte überzeichnet.
ßer Streik in den Anthrazitbergwerken I Zu diesen 25 Milliarden kommen aber noch die Elwbrvchen ist. lieber 100 000 Bergleute find aus« I Fehlbeträge im Staatshaushalte für 1920, sowie die ständig. I auf 3—4 Milliarden sich beziffernden Kosten der
-------- I Besoldungsreform. Das ergibt mit den obigen 25 Das Anssieserungsverlangen an Oesterreich. Milliarden insgesamt etwa 29 Milliarden Mark
Die Auslieferungsbegehren Italiens und Jugoslawiens wegen der sogenannten Kriegsverbrechen wurden in Wien überreicht. Es wird die Auslieferung von 100 Personen gefordert. Die italienffche Regierung verlangt die A u s- lieferung sämtlicher U-DootkomMandanten wie des Admirals Horihy, des gegenwärtigen Reichsverwesers in Ungarn. - ■ i
i Komm, Schatz-rl, zum Onkel, ja? Du kennst mich doch ihn eigentlich nicht.
1 rodi — wie?" * AFortsetzuna folgt.),