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Mittwoch, 25. flugujt 1920
Nr. 196
(Textbreite) 1.80 Ulf., u. 10°'» Zuschlag. Del Wiederhol. Rabatt.
der
158, Bulgarien 5, Oesterreich 1.
der
deut'chen Gefangenen die vermißt ist, läßt sich noch nicht überseden, da wir noch viele Heimkehrer erwarten.— Die serbische Warenausfuhr nach Deutschland gegen Zahlung in-Goldmark wurde von der serbischen Regierung ae statt et.
Die Entwaffnung.
Ei« Ksfruf des Reichspräsidenten.
An dos deutsche Volk!
Das Gesetz über die Entwaffnung
Der russische Rückzug.
Bon zuständiger Seite wird ber „Königsberger jfäg. 3-P-" über die Lage an der Front berichtet: ^er- polnische Nordflügel drangt dem zurück- ^eichrnhen Rest der bolschewistischen 4. Armee scharf ft Richtung Kolno nach. Das Zentrum hat nach «rmchtung starker Teile der bolschewistischen 15.
Bevölkerung ist m Kraft getreten. Die erforderlichen ersten Ausführunasvorschristsn sind mit Zustimmung des Reichstaasbeirats festgesetzt.
Geboten ist es jetzt, dos deutsche Volk auf die schwere Bedeutung des Gesetzes hinzuweisen.
Di« Verpflichtungen, die wir durch den Friedens- vertrag und die Vereinbarungen von Spaa haben übernehmen muffen, verlangen das Entwaffnungsgesetz. Unabsehbar sind die Folgen, wenn die Entwaffnung nicht gelingt.
An alle Bclfcftneffen ergeht die Aufforderung, die IVaffen herauszusebeu.
Der fern Vaterland nicht aufs neue infolge der Nichterfüllung de« Friedensvertrag, in f ch w e r e Gefahr e n stürzen will, darf sich der Forderung der Da^nybaad» nicht entstehen. Die B-lolguna der Lorfchriften. die zur Durchfühnmg der Daffenabgade erlösten werden, ist gebieterische Notwendigkeit; die Entwaffnung der Deoölkeruna ist für uns Zwang und gleichzeitig Lebensfrage. Die Das; fcnabgabe wird gleichmäßig und unparteiisch gegen
Deutschss Reich.
** Berlin, 24. August. Nach amtlicher englischer Mitteilung fehlt von 213 Kriegsgefangenen in Deut'"chland jede Kunde. Ebenso in der Türkei von
Armee Sarnbow erreicht und befindet sich im Vormarsch von Dialystock in nördlicher Richtung. In der Gegend von B r e st - L i t o w s k und Chvlm vergebliche Gegenangriffe der Bolschewisten. Auch in Galizien haben die polnischen Truppen den Vormarsch ausgenommen und den Bug östlich und nördlich Lern- berg überschritten. Der llebertritt bolschewistischer Truppen über die Grenze hält an.
Aus Dillenberg wird berichtet, daß bis jetzt rund 20000 Russen innerhalb der Kreise Neidenburg und Ortelsburg die deutsche Grenze überschritte n h a b e n und interniert worden sind. Weiter westlich von Ehorzele eingeschlosienen russischen Truppen ist es gelungen, die polnischen Linien in ostsicher Richtung zu durckbrechen und entlang der deutschen Grenze in Richtung Kolno abzumarschieren. Bei Dialla sind weitere 10 000 Bolschewisten aus deutsches Gebiet übergetreten.
Ein drahtloses Telegramm aus Moskau besagt, daß mit Rücksicht darauf, daß Frankreich mit Rußland nicht im Kriege fei, jeder französische Offizier, der an der polnischen Front gefangen genommen werde, sofort erschossen werden solle.
In der Krim suchen die Bolschewisten energischer gegen General ®ränget vorzugehen. Doch dieser wehrt sich heftig, in den letzten Kämpfen will er 5000 Gefangene gemacht haben. Die Polen geben die Gesamtzahl der Gefangenen, die sie gemacht haben, auf 50 000 an.
Die ernste Lage in Oberschlessen.
In einem Bortrage, den Leaationsrai Dr. Meyer den Vertretern der Presse in Berlin hielt, wurde bestätigt, daß die Kreise Tornowitz. Kattowitz, Bevthen, Pletz und Rybnik ganz in den Händen der polnischen Banden sind. Das gesamteLandistvonpol- nischen Insurgenten überflutet. Der Gr« klänmg der interalliierten Kommissionen, daß sie den Ausstand niederwersen werden, stehen di« Tatsachen gegenüber, daß von französischen Soldaten noch keine einzige Maßnahme zur Entwaffnung der polnischen Banden getroffen ist, und daß im Gegenteil Derbrüderungs- szenenzwifchenfranzösischenSoldaten und polnischen Aufrührern an der Tagesordnung sind. Es muß indes erwähnt werden, daß die italienischen Truppen, die leider zu gering in der Zahl sind, ernsthaft eine Entwaffnung herbeizuführen bestrebt sind und im Kreise Rybnik erfolgreich gearbeitet haben. Don den anderen Mitgliedern der interalliierten Kommissionen ober ist nichts g e - schehen, um den Vorstoß der Polen auftuhalten. Msher ist kein einziger der polnischen Bandenführer verhaftet, geschweige denn verurteilt worden.
Die Erregung bei der oberschlesischen Bevölkerung ist naturgemäß sehr groß, und die weitere Entwicklung ist noch nicht abzusehän. Die deutsche Reichsregierung erklärt, die Interalliierte Kommission voll und ganz für die Zustände in Oberschlesien verantwortlich machen zu müssen. Sie hat die Interalliierte Kommission auf die Gefahr bewaffneter polnischer Sokols aufmerksam gemacht und auf die polnischen Absichten, sich mit Gewalt in den Besitz Oberschlesiens zu setzen, hingewiesen. — leider vergeblich.
Sämtliche Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen und Kommunisten, fast alle gewerkschaftlichen Verbände erlasien einen Aufruf an die ober« schlesische Bevölkerung, in dem es heißt:
Wir wollen den Frieden. Di« Interalliierte Kommission hat uns zugesichert, Ruhe, Sicherheit und Ordnung rviederherzustellen. Die Bewaffnung polnischer Banden schreitet dennoch fort. Sie haben di« Gewalt an sich gerissen und mißbrauchen sie. Dem muß ein End« g«nacht werden. Die gesetzmäßige Gewalt muß sofort wiederhergrstellt werden. Das ist rmsere einzig« Forderung. Sie wird beute der Interalliierten Kommission un« terdreitet. Wird sie nicht erfüllt, dann sind wir entschlossen, den Frieden zu erzwingen durch den G e - n e e a l st r «i k. Haltet euch bereit und wartet auf den Ruf der Führer. Er geht um unseve Heimat.
Di, Vertreter der Parteien und der Gewerkschaften sind in N-rfolg dieser Kundgebung gestern nachmittag bei General Le Rand vorstellig geworden und baden ihm die Eröffnung des Generalstreiks für den Fall an- gekündigt, daß sich die Franzosen nicht innerhalb von achtundvierzig Stunden zu einem ganz energischen Vorgehen entschließen sollten. General 2t Rand, der die Abordnung zuvorkommend aufnahm, hat daraufhin di« ganz bestimmte Zusicherung gegeben, daß er nunmehr mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften gegen die volnischen Banden einschreiten werde.
Der preußische Minister des Innern S e v e r i n g und der Staatssekretär im Reichsministerium des Innern Dr. L e w a l d haben sich auf Veranlassung des Reichskabinetts in Begleitung des Legattonssekretärs Dr. Meyer nach Breslau begeben, um sich mit den Vertretern Oberschlesiens über die dortige Lage zu besprechen.
treffen. Wir müssen durch die Tat auch hier den festen Willen zur Erfüllung der übernommenen Pflichten beweisen, sonst drohen uns neue schwere Belastungen, die unser gesamtes Wirtschaftsleben vernichten würden.
Berlin, den 21. August 1920. Der Reichspräsident: Ebert. Der Reichskanzler: Fehrenbach.
Die Durchführung der Enkwaffmrng.
Mit obigem Ausruf beginnt also die Entwaffnungs- aktton, die die Reichsregierung nach den Spoacr Abmachungen vornehmen muß. Der Reichskommistar für die Entwaffnung, Dr. Peters, gab der Presie ein Bild, wie er diese Aktion vorzunehnren gedenkt:
Es gäbe zwei Wege, den der friedlichen Sammlung und den gewaltsamer Maßnahmen. Eine befriedigende Durchführung des Gesetzes mit Gewalt erscheine ihm nahezu unmöglich, jedenfalls von den schwersten Gefahren tmb Schädigungen für das Volk begleitet. Es ift eine allgemeine Ablieferungsperiode vom 15. September bis 1. November festgesetzt worden. Für diese Zeit besteht zunächst eine allgemeine Anzeigepflicht, der nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Vereine, und zwar auch solche, die bisher rechtlich im Besitz der Waffen waren, unterworfen sind.
Als abzuliefernde Waffen sind anzusehen: Neuzeitliche Geschütze lalso keine Museumsmörser ufm.), Minen-, Granat-, Flammenwerfer Ufa)., Maschinengewehre und -Pistolen, Militärgewehre, Karabiner, Tankgewehre, — Iaodg-ewrhrc in den Händen von Forstleuten, Gendarmerie, Flur- und Waldhütern fallen nicht unter das Gesetz, wohl müsien aber alle PruratperfaE ihre Gewehre und Flinten anmelden — Armeerevolver, Gewehr-, Wurf- und Handaranaten feder Art.
Die Organisation der Ablieferung soll örtlich erfolgen fa den Räumen der Ortsbehörde. Landeskommissare bezw. in Preußen Bezirkskommllfar« sollen sie teilen. Die Ablieferungspflicht erstreckt sich auch auf solche Personen, die auf Grrmd eines Waffenscheins Militärwaffen, oboeänderte^ Mlilärwassen oder wesentliche Teile von diesen im Besitz ober Gewahffam hoben. Für einzeln siegende Gehöfte und Gemeinden sind vor chrer Eniwasfarmg bfa zu ihrem Schutz erforderlichen Maßnahmen zu treffen.
Um die Ablieferung zu fördern, wird ein System der Prämiierung für freiwillige Waffenablieferung ein» geführt. Es wird für ein abgeliefertes Gewehr in der Zeit vom 15. September bis 1. Oktober eine Prämie von 100 Mark gezahlt werden, vom 1. Oktober bis 20. Oktober eine solche von 50 Mark. In der Zeit vom 20. Oktober bis 1. November fällt die Prämie fort, es wird jedoch dafür eine Amnestie auf die Herkunft der Gewehre gewährt.
jeden durchgeführt werden, mag er in seiner politischen Anschauung rechts oder links stehen. Wer säumig ist, wer widerwillig bleibt, den muß die schwere Strafe des uns im Span-Abkommen abgeforderten Gesetzes
* Reue Diplomaten. Mit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zum Ausland sind nunmehr die feil langer Zeit angekündigten Neubesetzungen einer Anzahl deutscher Vertretungen erfolgt Zum deutschen Botschafter in Rom ist der hamburgische Senator Derenberg-Goßler ernannt worden. Der bisherige Leiter der englischen Abteilung im Aus- Bärtigen Amt Dr. Rhomberg geht als Gesandter nach Kristiania. Gesandter in Srafiüen wird der bisherige Generalkonsul in Barcelona P l e h n, argentinische? Gesandter Ministeriadirektvr Pauli, zuletzt Letter der amerikanischen Abteilung des Auswärtigen Amtes. Endlich ist der bisherige deuffche Geschäftsträger fn Paris Dr. Mayer zum deutschen Dat- schvsier in Paris ernannt worden. Mmisterialdirektot Dr. Göppert ist von der Leittmg der Friedensdele- gaiion in Paris zurückgetreten und hat die Friedens- abieilurtg im Auswärtigen Amt übernommen. — Don den neuen Männern interessiert am meisten der Hamburger Senator Derenberg-Goßler, der nach Rom geht. Seine Ernenmtng kommt völlig überraschend, weil er unter den vielen Kandidaten für diesen Posten niemals genannt worden war. Er steht im 50. Lebensjahr, entstammt einer alten Hamburger KaufmcmnsfaknM und ist seit vielen Jahren in seiner Vaterstadt zunächst als Dürgerfchaftsmftglied und dann als Senator ehrenamtlich tätig. Die Ernennung des bisherigen Geschäftsträgers Dr. Mayer zum Bot» schafter wird in Paris freundlich ausgenommen. Der „Temps" sagt, die französische Regierung habe die persönlichen Beziehungen zu Dr. Mayer stets angenehm empfunden. Der „Petit Parisicn" lobt seine Mäßigung und seine Neigung zur Versöhnlichkeit, das „Echo de Paris" fein ruhiges Urteil und überlegten Sftm. Bei den vergleichen der Pariser Presie zwischen Dr. Mayer urtb seinem Vorgänger Freiherrn von Lersner kommt Lersnet sehr schlecht weg.
Ein politischer Nrrrschwrmg.
Hebet die Verhandlungen von Luzern ist eine I gntsiche Kundgebung veröffentlicht worden, in der es | * ^)er Mefaungcmstausch zwischen Giosiiti und Lloyd I George Hot ihre vollständige Uebereinstimmung über die lotoenöigtcit der Wiederherstellung des Friedens fa der I fcnncrt Welt für einen möglichst frühen Zeitpunkt dar- jftan. Bevor nicht der Friede zwischen Rußland und I jer übrigen Welt wieder her gestellt ist, wird immer I röte Atmosphäre von Störungen bi« Ruhe der Welt wei- I ter bedrohen. Es ist tief zu betrauern, daß M« Sowjet- I rtpicnmg kotz wiederholter gegenteiliger Versicherungen, I welche fa ihrem Namen durch ihre Dertreter fa London I abgegeben wurden, getrachtet hat, Polen Dedingun- I gen auszuzwingen, die nicht vereinbar sind mit I dessen nationaler Unabhängigkeit. Die Regierung von Po- I im ist aus der Wahl der ganzen männlichen Bevölkerung I des Landes ohne Unterschied der Klasie hervorgegangen, I unb die sog. Zivilarmee, welche nur aus einer I Klasie hervorgezogen werden soll, wie es der vierte Punkt I her Bedingungen der Sorojetregtenmg verlangt, ist mrr I eine indirekte Methode, um sine Gewaltarganis a- I tion zu schaffen, welche durch Vergewaltigung die bemo- I kretische Verfassung über den Haufen werfen und dies« I Verfassung durch einen Despotismus einiger weniger ersetzen I soll, welche die Ideen des Bolschewismus in sich cnifge- I. frommen haben. Die Sowjetregierung hat den Vorschlag I her britischen Regierung zurückgewiesen, einen Waffenstill- I stand unter Bedingungen abzuschließen, welche das ruf» I fische Gebiet gegen jeden Angriff sichergestcllt hätten. Wenn I die Sowjetregienmg auf ihrer Weigerung beharrt, so wird I es ferner freien Regierung möglich sein, die Herrschaft der I Sowjets anzuerkennen aber mit ihnen zu vsrhandesn.
Weiter wird im Anschluß an diese Kundgebung mitge- I teilt, daß Lloyd George und Giolitti der französischen Re- I gtenmg ein gemeinsames Dorgehen vorgeschlagen haben I ju dem Z«wecke, Polen gemäß dem Versailler Vertrag I ein Anrecht auf freie Benutzung des Danziger H a - I fens zu geben.
i Mit der Wendung des Kriegsglücks im Osten hat I sich auch die Positik von England und Italien I gewandelt. Im Gegensatz zu Frankreich hatten bisher I diese Mächte eine freundliche oder wenigstens nach- I sichtige Haltung gegenüber Rußland eingenommen. I über nach dem versagen der russischen Offensive hat I Lloyd George sich von dem schwach erscheinenden | Rußland abgewendet und sich dem französischen Stand- I punkt angeschlossen. Dabei hat er bemerkenswerter- I weise die Gesellschaft des sonst so friedlichen Italien I gesucht un dgefunden. Auch Giolitti hat sich be- I stimmen lassen, auf die bisher verschmähte polnische I Sorte zu setzen.
Die Entente ist sich mm offensichtlich in der An- I «Ohme wieder einig, daß von der russischen Niederlage I in Polen aus der Hebel angesetzt werden könnte, um I doch noch einmal in einem von der Entente unterstützten I Ansturm die ganze bolschewistische Machtstellung über I den Hausen zu werfen. Das bedeutet in der Tat eine I vollständige Neuorientierung der Post litik der Westmöchie in der Behandlung des eure« I patschen Problems, deren Folgen unabsehbar sind. Daß I die Begründung für diese große Umstellung aus einem I Punkte der russischen Frirdrnsbedingungm herge- I leitet wird, ist natürlich nur Vorwand. Die Luzerner I Kundgebung behauptet, Rußland habe die zuerst ver- I öffenllichten Bedingungen verschärft durch die vorher I gcheimgehaltene Forderung der Bildung eines poInt« I sch en Arbeiterheeres, also der Vorbereitung I einer Diktatur des bewaffneten Proletariats, was den I Versuch einer bolschewistischen Propaganda über die I russischen Grenzen hinaus bedeuten würde. Ob diese I bedenkliche Taktik, auf welche sich Lloyd George jetzt I beruft, wirklich betrieben worden ist, muß noch Rar« I Mellt werden. Die Polen hatten im Bewußtsein I ihrer nachträglichen Kriegs erfolge dm rufsischen Frie- I Msvorfchlag im ganzen abgelehnt, ohne den I Einzelpunkt des „Arbeiterheeres" als entscheidenden I klein des Anstoßes zu bezeichnen.
I Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Entente daran ! liegt, nun einmal die wertere Entwicklung der m i l i - I körischenEreignisse abzuwarten. Ja, I der Beschluß über dir gemeinsam« Sicherung der Be- I Pltzung des Danziger Hafens für die polnische I Armee deutet darauf hin, daß man mit der Mögstchkeit I der Entsendung von Eutentestreitkrösten gegen Ruß- I lcmd rechnen, muß. Es werden dann die Hafen- und [ Bahnanlagen in Danzig und feiner Umgebung als Zu- ; Mhrwege für Kriegsmaterial und Soldaten in noch viel | größerem Umfange als bisher benutzt werden. Schon I über die bisherigen kleinen Zufuhren war dort Aufre- I Nmg und. Streit entstanden! Der Versuch der Danzi- I sier, auch für sich den Schutz der verbrieften Neutralität I Vi verlangen, darf wohl als gescheitert betrachtet wer- , I den. Es fragt sich nur, wieweit der passive Widerstand des bärtigen Hasen- und Dahnperfonals gegen
I militärische Transporte durchzuhalten ist. Alle aus- I getüftelten Paragraphen in den bezüglichen Verträgen, I auf die sich bfa Polenfreunde berufen können, würden I doch nichts ändern an Dem Unrecht, das den Danzigern I Mrgefügt werden würde, wenn es dort zu Unruhen und ■ Gewaltakten kommt, weil der sogenannte Freistaat in I M Kriegsdienst für fremde Jnteressm gezwungen wer- I kn soll. Für die deutsche Regierung und unser Volk | fa die jetzt austauchende Danziger Frage eine neue I uuelle von Sorgen und Aerger.
- Aus Ententekreisen wird gemeldet, daß noch Moskau ein Telegramm gesandt worden ist, bns im wesentlichen ein Ultimatum darstellt und dessen i Beantwortung bis Ende dieser Woche verlangt wird.
•fa diesem Telegramm werden die französischen Bedingungen, die Polens Rechte garantieren, aufrecht er« wten, während zugleich auf die Verwendung von Ententestreiikräften angespielt wird, um Polen zu Wtzen. Die russische Amwort ist abzuwarten, aber Pe wird schwerlich noch die Kraft haben/ 'm die mteöer« j bergefteHte Einheitsfront der Alliierten eine neue Bre« fa!e zu legen. Man wird nicht lange mehr auf die "brsise Kamenews. Krassins und ihrer Begleiter vom fischen Boten zu werten haben.
Äurianö.
* Dellgegenskiht. Der russisch-polnische Krieg ha» ein« Erscheinung gezeitigt, die, wie man fast annehmen dürfte, dem 20. Jahrhundert den Stempel aufdrücken wird. Das ist der Eintritt der Arbeiterschaft in di« hohe internationale Positik. Als vor kurzem noch di« russischen Heere Polen übersluteten und bereits der Fall der Hauptstadt für die nächsten Stunden voraus- g-sagt wurde, da hat der französische Imperialismus das am Boden Legende Polen wieder aufgerichtet. Nun da es scheinen farm, als ob auf der anderen Seite der Bestand SowjetruUands in Gefahr keim«,...... wnn o»r-
ftärfen sich die Bestrebungen jener neuen Großmacht, die Arbeiterschaft der ganzen Welt zu Gunsten Sowjetrußlands aufzurufen. Der internationale Gewerkschaftsbund hat einen Aufruf an die Arbeiterschaft der ganzen Welt erlassen, in dem er Garantien gegen, jeden weiteren Ueberfall auf das russisch« Dolk fordert und die Anwendung der schärfsten Mittel zur Erkämpfmrg des Weltfriedens in Aussicht stellt. Am Horizont erscheint bereits das Gespenst eines Welt- Generalstreiks zur Zertrümmerung der reaktionären „heiligen Allianz", bre man bemüht fei wieder aufzurichten. Zwar hat auf die Wirksamkeit solcher internationalen Aktionen der mißglückte Verkehrsboykott gegen Ungarn einen nicht sehr viel versprechenden Ausblick gewährt, aber andererseits hat die geschloffene Stellungnahme der englischen Arbeiter gegen die Plane ihrer Regierung zugunsten Polens die Politik des enor,tA*n Ministerpräsidenten tief und nachhaltig beeinflußt. Auch die neue Schwenkung in der Weltpolitik, kffe von Luzern datiert, kann nicht darüber hinweg- töuschen, daß England mit den Stimmen seiner Ar- beiterfafaft stark rechnen muß. Es beginnt ein Weltkampf zwischen der akttv bewaffneten Intervention, uff» sie bisher geübt wurde, und der unbewaffneten passiven Ein Mischung einer alle Rationen durchdringenden Bevölkerungsschicht in dar Verhältnis der Staufen uw» teremmtber. Die näckften Ishrnkmfa, ja vielleicht schon die nächsten Jahre werden erweisen, welches Prinzip das i'tirfm ist».
* Nmg-Khrt tetrb eil Schuh braus. Während der Konferrn; von Spas waren in belgischen Blättern Meldungen über sensationelle Leichenfunde bei Aachen verbreitet, die auf die Ermordung von Belgiern während der Tme bet Bormarsches 1914 ruruckgefuhrt wurden. Amtliche Nachforschungen hgben ergeben, datz es sich um biet Belgier handelt, die nach ordnungsmäßiger, in den Akten der 29. Jn- fanteriebrigade aüfbewahrter Gerichtsverhandlung vor dem FeldkriegSgertcht zum Tode verurteilt und im Forst bei Aachen erschaffen worden sind, weil ihnen nachgewiesen worden war, daß sie deutschen Verwundeten die Halse abgeschnitten, andere Berwun- dete erschaffen hatten.
** Aegypten unabhängig. Nach einer Meloung deS Matin aus London soll sich die englische Regiernng entschlossen haben, Aegypten die ilnab- ijängigfeit zu gewähren. DaS Protektorat vom 18. Dezember 1914 soll aufgehoben werden. Aegypten werde daS Recht haben, selbständig im Ausland« diplomatisch vertreten zu sein und Mitglied bei Völkerbundes zn werden. DaS englische DesatzungS- heer solle znrückqezagen werben. Rur in Suez sollten nach englische Streitkräfte verbleiben, die den Zweck hatten, den Suezkanal zu schützen. — Wie es heißt, ist die bevarstehrnde Erklärung der Unabhängigkeit AegvptenS in direkten Verhandlungen zwilchen Lloyd George und dem Führer der aoyp- ttschen AnabhSngigkeitSpartei Joghil zustande gekommen. ES ist ein englischer Entschluß von größter Tragweite, der vor allem beweist, für tote sicher begründet England ferne Herrschaft im östlichen Mittelmeer hält. Aber auch die allgemeine Tendenz der englischen Politik geht daraus hervor, den von ihnen beherrschten Ländern daS möglichste Maß von Seldfiberwaltung zu geben, um sie dadurch nur um io mehr an Großbritannien zu feffeln. 65 ist teil Zweifel, daß auch ein unabhängiges Aeaypten dauernd unter dem voltttschen und wirtschaftlichen Einfluß Englands stehen wird.
e * Türkei. Eine Moskauer drahtlos« Meldung besagt, daß eine englische Streitmacht in Traprzunt gelandet ist und die Stadt befetzt hat.
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Carl Schütte, :: für die Anzeigen: I. Darzeller -Fulda. n
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerel in Fuldg. Fernsprecher Nr. 9 Telegr.-Adrelke: Fuldaer Zeitunq
Dis Waffen- nnd MuuitionstrspSparte.
In bet Angelegenheit bet angehaltenen Trans- psitiüae haben erneut Besprechunäen mit Vertretern der Arbetterschaft unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Fehrenbach stattgefunden. Der „Vorwärts" berichtet als Ergebnis folgendes: ES ist darüber volle Einigung erzielt worben, daß dis für ueutralitäls» bezto. ae'etzwtdrtge Zwecke bestimmten Transporte angebalten werden. Dttrchzulassen sind jene Transporte, die Deutschland auf Grund des Friedens- Vertrages verpflichtet ist fahren zu lassen, also auch Waffen- und Munitionszüge, deren Inhalt an die Westmächte auSgeliefert, bezto. zerstört werden soll. Ferner sind die für die Reichswehr und die Sicher- beitspolizei bestimmten Transporte dnrchzulaffen auf Grund einer von Fall zu Fall durch eine besondere Kommission zu erteilenden Genehmigung. Vertreter der Arbeiterschaft werden zu dieser Konttniffton herangezogen und übet die Erteilung dieser Genehmigung mitberaten und mitentscheiden. Besondere Reichspalizeistellen sollen zur Durchführung dieser Abmachung eingeführt werden.
Die Haltung der christlichen Bergarbeiter.
In einer in Gelsenkirchen von 1200 Vertrauensleuten besuchten Revierversammlung des Gewirkverein» christ- licher Bergarbeiter wurden mehrer« Entschließungen gefaßt. Zunächst fordert die Konferenz ein« to«ifere <5 o- zialifierung d«s Kohlenbrrgbatts in dem Ginne, daß der Vergwe'cksbefitz in ein« Form g«bracht nrirb, die den privaten Kapitalprofit im Bergbau ausfchließt und dieser wirklich den Intereffen des Gesamtvolkes dienstbar gemacht wird. Weiter erkennt die Konferenz die Notwendigkeit weiterer Ueberarbeit als drin- ?enb erforderlich an und erklärt sich unter der Voraus- etzung, daß di« verfprochene beffer« Lebensmittelversorgung wirklich erfolgt, bereit, die bisherigen zwei halben lleberschichten wöchentlich weiter zu verfahren. Die Verteilung der Ueberarbeit auf sechs, fünf oder vier Tage wird entschieden abgclehnt. In einer -Dritten Entschließung verlangt die Konferenz eine Lohnerhöhung. Zum Schluß erwarten die christlichen Bergarbeiter, daß alle Maßnahmen gekoffen werden, um Leben, Eigentum und persönliche Freiheit der Bevölkerung zu schützen. In besonderem fordern sie sofortige Maßnahmen gegen etwaige gewaltsame Behinderung der Arbeit und des Verkehrs, damit die ungestörte Kohlenförderung gesichert ist, und die Dergarbeiterfchaft mit ihren Familien vor wirtschaftlichem Schaden und unser Dolk vor bitterster Rot be- wahrt bleiben.
Die Ereignisse der jüngsten Tage haben den Gewerk- verein Christlicher Bergarbeiter veranlaßt, einen Aufruf an feine Mitglieder zu erlaßen, worin er die drin- gende Mahnung ausspricht, der revolutionären Diktatur entschieden entgegenzuwirken.
Tgrifköi'.Ligung der Bergarbeiter tm RuHrgebick.
Die Derssarbeilerverbändo Haben die LoHniarif« im Ruhrbergbau gekündigt. Sie fordern eine Lohnerhöhung von 6 Mark pro Schicht für Untertagearbeiter und 65 Pfg. di« Stunde für Uebertagearbetier. Auch die Angestelltnmrganisatianen haben den Lohntarif zum 31. August gekündigt.