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obkommen im Reichstag und in den holländischen Kam. mein der weitblickenden Initiative gedenkt, mit der er die Verhandlungen über einen holländischen Staats- kredit an Deutschland eingeleitet und fast zum Abschluß gefördert habe. Der Reichspräsident spricht Erzberger aufrichtigsten Dank dafür cnts.

* Die Bdsindr-nq des 6ro§ crzozr von Weimar. Du weimarische Negierung und die Vertreter Les ebemalioei Grotzherzog? von Sachsen-Weimar-Eisenach haben einet Vergleich geschloffen, wonach der Staat alle tropfis kalischen Grundstücke in und außerhalb Weimars, da­runter die Bibliothek, die Hofgärtnerei, die Kunst- und Gewerbeschule, den Weimarer Park, die Schlösser und Parkanlagen von Tiefurt, Belvedere, Ettersburg, Allstedt, Schloß Eisenach, Bad Berka, Jagdhaus Gabels­bach usw. erhält. Ebenso erhält der Staat das Deutsche Nationaltbeater in Weimar; der Grotzherzog ver­zichtet auf Ersatz für die von ihm ausgegebenen Summen für den Neubau. Die Wartburg bei Eisenach wird einer Stiftung übertragen, welcher die Aufgabe obliegt, die Burg und die dem Grotzherzog gc. hörenden Kunstschätze darin in Stand zu halten. Der Grotzherzog erhält die Fürstengruft, in der u. a. auch Schiller und Goethe begraben liegen, und das Schloß Wilhelmsthal nebst Park und Teichen mit Ausnahme des Altenburger Teichs. Der vordere Teil des Weimarer Schlaffes wird dem Grotzherzog auf Lebenszeit als Wohnung ernaeräumt. Ferner erhält er und sein Haus vom Staat bis zum Ableben der unmittelbaren männ­lichen Nachkommen eine Jahresrente von 300 COO Mk

Ausland.

* Der Völkerbundsrat hat gemäß dem Gesuch des Präsidenten Wilson.befchloffen, die erste Vollversamm­lung des Völkerbundes am 15. November in Genf zu eröffnen; sie wird mehrere Wochen dauern.

* Deulfchböhmen auf der Flucht. Zahlreiche Deutschböhmen, die, um dem tschecho-slowakischen Hee­resdienst zu entgehen, die sächsische Grenze überschrit­ten haben, sind im Tnkpvenlager Zeithain interniert worden. Sachsen will die Entscheidung über ihr Schicksal der Reichsregierung überlassen.

Am dem rrschNargevier.

---Maberzell. Die Felddiebe sind wieder eifrig bei der Nrben. In der vergangenen Nacht wurden von einem Felde der hiesigen Domäne 10—12 Zent­ner Hafer und von einem Kartoffelacker über 40 Zentner Kartoffeln gestohlen unö abgefahren.

□ Frankfurt a. M. Am Donnerstag überfielen etwa 30 Kranke in dem Teillazarett der Billa Sommer­hof den dort tätigen Chefarzt Dr. Zöllner, den sie unter dem Vorwand, mit-ihm verbandeln zu wollen, aus dem Zimmer gelockt haben. Sie griffen ihn mit Schemeln, Stöcken und Besen an. Der Chefarzt flüch­tete schließlich in den (Barten, wo er nochmals miß- handelt wurde, bis er, aus einer Kopfwunde bückend, zusammenbrach. Er mußte in die Chirurgische Klinik übergeführt werden, wo er schwer darniederliegt. Eine gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet worden.

me Frankfurt a M. Die Franksurrer Kin- derhilse bat auf der Wegicheide bei Bad Orb 11 ehemalige Mtlitärbaracken gemietet und bringt dort 500 erholungsbedürftige Frankfurter Kinder einen Monat unter. Die Kinder zahlen täglich 2 Mark. ES wurden 16 der erholungSbedürftiasten Volksfchul- kiassen gewählt, die mit ihren Lehrern nach Orb übersiedeln. Sie erhalten täglich drei Stun­den Unterricht im Freien. Sämtliche Lebensmittel werden von Frankfurt nach der Wegscheide gesandt. Dte von der Kmdeihrlfe zu tragenden Ausgaben be­tragen 132000 Mk. — Nicht weniger als 400 000 Mark Defizit bestanden bei der Stadtbauplkaffe eit Januar. Trotz oll-r B>mühungen gelang es nicht, die Unterschleife zu erklären. Nunmehr hat sich endlich ein Postscheckkunde gemeldet, der daS Geld irrtümlich überwiegen be’am, durch Verwechslung des Postscheck- mit dem Bankkonto. Den Zinsverlust von 10 000 Mark bat natürlich die S-adt zu tvaoen.

zu bleiben. Dazu gehört eine geläuterte Einsicht und ein fester Charakter.

Darum kann man auch sagen: die Dankbarkeit ist eine sichere Probe aus die edle Gesinnung einer Menschen. Wer sich undankbar zeigt, ist entweder dumm oder roh. Wer die Dankbarkeit bewährt, nicht bloß in artigen Worten, sondern in seinem ganzen Verhalten, der bekundet die richtige Erkenntnis seines Zusammen­hanges mit der Familie und den anderen Organisatio­nen und die Fähigkeit zur richtigen Einfügung in die göttliche und menschliche Weltordnung. i

Wenn die Menschen mehr Dankbarkeit hätten, würde es in der Welt viel gemütlicher zugehen, auch in den Zeiten des gemeinsamen Unglücks. Wer Dank säet, wird auch Dank ernten. Sollte die Ernte im verworrenen Diesseits mager ausfallen, fo wird sie um so reich­licher ergänzt werden im Jenseits.

Wer den Menschen dankt, zahlt ab an der Dankes- schuld, die er feinem Schöpfer und Erlöser abtragen muß.

Dr. Sonnenschein über Fulda.

In der „Germania" durchwirkt Dr. Sonnen- f cf) e i »-Berlin den Bericht über die kürzlich in Fulda abgehaltene Tagung des Bonisatiusvereins mit folgen­den liebevoll gezeichneten Stimmungsbildern aus um ferer Vaterstadt.

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lieber die Zettel und die Notizen und den Schreib­tisch steigen die Linien und die Lichter der märchenhas. ten Barockstadt, die wir in der Sonne des August er­lebten.

Fulda ist Vorhalle zu Würzburg. Anhebende Linien, leiserer Klang, schüchterne Zartheit. Im roten Sandstein der Iuliuskraft von Würzburg reift die Stärke des Barocks zur Fülle heran. Knospe und Sehn- sucht, Wunsch und Weg, leise Vorbereitung der schwel- lenden Pracht sind dieses Schloß, diese Hallenräume, diese Kuppeln, diese Säulen, diese Plastiken im ver­blühenden Rosenbusch, diese Ballustraden, um die der späte Sommerduft haucht, diese Baume, die zu den Toren ziehen, diese Kathedrale, die in klarstes Blau des 7ÄendbfNmels sich taucht Unvergeßlich» Stabil

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Verantwortlich für den redattionellen Teil: Carl Schütte, u für die Anzeigen: I. Parze ller- Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda- Fernsprecher Nr. 9 Telegr.-Ädresse: Fuldaer Zeitung

Sreltag, 26. Kugust 1920

Bezugspreis: Monatlich 3,02 Alk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 litt. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Coionelmatz) 60 Bfg„ u. 10°|e Zuschlag, die Reklamezeile (Textbreite) 1.80 Tüt, u. 10% Zuschlag. Bel Wiederhol. Rabatt.

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Die Wendung im Osten.

Die polnische Entlastunysosfensive für Warschau ^acht an der Südfronl weitere Fortschritte, wo der Bahnknotenpunkt Sfedlec erobert wurde, während sie an der Nordfront zum Stehen gekommen ist. Hier wird heftig um den Besitz von C j e ch o n o w gekämpft, das wieder in den Händen der Russen ist. Vor War­schau selbst behaupten die Polen das Fort Nowominsk genommen zu haben. 3m Korridor leisten die Polen bei Thorn, Kulm und Grcudenz erfolgreichen Widerstand. Strasburg wurde von den Polen zurück­erobert.

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Die Zusammeustötze in Oberschlesien.

Don einem Augenzeugen erhält die „Breslauer Ztg." über den Anlaß zu den blutigen Borgängen die folgende Schilderung: Die Demonstration in Kattowitz verlief bis dreiviertel 5 Uhr vollkommen ruhig. Als sich dann die Diluehmer zu einem Zuge formierten, wurde die Straße von französischer Kavallerie mit blanker Waffe gesperrt und die Menge zurückgedrängt. Diese Maßnahme erregte die ohnehin empörte Menge auf das äußerste; es kam zu den bekannten Tätlichkeiten, in deren Verlauf die Sperre aus- gchoben wurde. 3n diesem Augenblick warf der polnische Arzt Dr. Milewski aus feiner Wohnung eine Handgranate in die Menge, durch die ungefähr 20 Personen verwundet, eine Frau getötet und einem Kinde beide Beine abgerissen wurden. Als die Menge in die Wohnung des Arztes eindrang, um Verbandstoffe für die Verwundeten zu holen, verweigerte er sie mit den Worten: „Für Deutsche habe ich keine Verbandstoffe!" Daraufhin wurde er mit seinen eigenen Instrumenten zu Boden geschlagen: nur die ein- greifende Sicherheitswehr konnte ihn retten; er wurde in ein Automobil geschafft, um ins Krankenhaus über­geführt zu werden. Die erbitterte Menge stürmte jedoch das Automobil, bemächtigte sich des Arztes und schlug so­lange auf ihn ein, bis er tot am Platze blieb. Die Leiche wurde dann in die Rawa geworfen, später aber wieder geborgen. Dieser Zwischenfall war das Signal zu den allgemeinen Angriffen.

Gestern nachmittag war Kattowitz r u h! g( Die Span­nung hält sedoch an. Der Theaterplatz ist durch franzö­sische Kavallerie besetzt. Patrouillen mit aufgepflanztem Seitengewehr durchziehen die Straßen. Die Sicherheits­polizei erhielt Verstärkungen. Italienische Trup­pen sind eingetroffen, damit die französische Besatzung ab- rücken kann. Die Plebiszitkommisiariat für Deutschland er­läßt einen Aufruf, worin die deutschdenkenden Oberschlesier aufgefordert werden. Ruhe und Besonnenheit zu bewahren. Wie der „Brest. Dolksztg." berichtet wird, begannen um 7 Uhr abends neue Zusammenstöße in Kattowitz. Die demonstrierende Menge forderte vor den französischen Kasernen den Abzug der Franzosen aus der Stabt.

lieber die Vorgänge in der Nacht vorher wird weiter berichtet, daß nach dem Sturm auf das polnische Plebis- zitkammiffariat die Menge die Räume der polnischen Zeitung „Gazeta Ludowa" sowie zahlreiche andere polnische Häuser zerstörte. An allen Ecken und Enden entwickelten sich Schießereien zwischen Deutschen und Polen. Die französilchen Vesatzunastruppen ließen sich nicht sehen. Das französische Militär hatte sich in den Kas-rnen ver­barrikadiert. Um Mitternacht war die Stadt ruhig.

Der angehaltene Waffentranspart.

lieber den am Stettiner Bahnhof in Berlin von den Eisenbahnern festgehaltenen Transportzug für die Sicherheitspolizei in Ostpreußen ist bis jetzt.eine Ver­ständigung zwischen den Arbeitern und dem Reichsmini- fterium des Innern noch nicht erzielt worden. In einer Konferenz mit den Vertretern des Bezirkseifen- bahnrates, des Betriebsrates vom Stettiner Bahnhof und den Beauftragten der zuständigen Behörden gab Vertreter des Ministeriums des Innern Hauptmann Mende nochmals die Versicherung ab, daß der Trans­port lediglich für dte Sicherheitspolizei Königsberg be­stimm! sei und „ersuchte" um die Weiterbeförderung. Die Vertreter der Eisenbahner lehnten das aber rund­weg ab. Oberreaierungsrat Te"bner wies darauf hin. daß jeder der 28 beladenen Güterwagen, wenn er rolle, der Eisenbahnverwaltung täglich 300 Mark ein­bringe. Ein längeres Zurückhalten des Zuges bedeute eine empfindliche Schädigung der Eisenbahn. Auf die Eisenbahner machte auch das keinen Eindruck. Cs wird sich eine Kommission der Berliner Eisenbahner nach Kö­

nigsberg begeben, um an Ort und Stelle Rachforschun- gen anzustellen. Erst dann wird der Transportzug Ber- lin verlassen können.

Der hartnäckige Widerstand der „Setnebsrate gegen die Weiterbeförderung des Transportzuges ist ein sthr bedenkliches Zeichen der Zeit, da offenbar Sy- ftem in dieser eigenmächtigen Kontrolle des Eisenbahn­verkehrs liegt. Auch in Bremen und anderswo wird die Beschlagnahme von verdächtigem Kriegsmaterial ohne Rücksicht auf die Regierung veranlaßt. Die „Rote Fahne" in Berlin fordert ihre Anhänger auf, überhaupt keine Truppentransporte auf deutschen Bahnen mehr zu dulden und „keiner Erklärung irgend­welcher Behöiche mehr Glauben zu schenken". Die Unabhängige Partei von Berlin-Brandenburg veran­staltet in dieser Sache am Freitag abend eine Reche von Versammlungen, und ihr Organ „Freiheit" gibt die gefährliche Parole aus: Die staÄsrechtliche Neu­tralität Deutschlands sei nicht gleichbedeutend mit der proletarischen Neutrulsiät gegenüber der Re­volution im Osten. Das heißt: Me Linksradikalen wollen ihre Massen zur Unterstützung der russischen Bolschewisten arireizen.

Das ist ein Frevel am Vaterlande, eine schwere Gefahr für unseren Frieden im Innern und sogar für den Frieden nach außen. Auch die Bahnirans- porte, die sich die (Entente zur Versorgung ihrer Be­satzungstruppen in den Abstimmungsgebieten ausbe­dungen hat, werden angetzallen. Wenn radikale Agi­tatoren und erregte Massenversammlungen zu entschei­den haben, was auf den Reichseifenbahnen durchge- laffen oder angehalten wird, fo ist die Regierung keine Regierung mehr und wir treiben in die folgenschwer­sten Konflikte mit den Siegern, vor allem mit den kriegefüchtigen Machthabern in Frankreich. Dann hilft uns die amtlich verkündete Neutralität nicht mehr, sondern Deutschland wird wieder zum Kriegsschauplatz.

Die Regierung muß alle Kraft zusammennehmen, und die besonnenen Volksgenoffen, auch die verstän­digen Arbeiter, muffen Front machen gegen das ge- meinschädliche Treiben der Radikalen, die uns ein neues Kriegselend zu bescheren drohen.

Eine deutsche Note an die Saarregierung.

Die deutsche Regierung bat an die Regierungs­kommission für das Saargebiet wegen der Vorgänge beim Beamten streik eine Protestnote gerichtet. Zunächst werden in der deutschen Note die Rechts- verhältniffe der Beamten bargelegt und dagegen Ein­spruch erhoben, daß die Beamten der Willkür preis- seaeben würden. Weiterhin wird gegen' die Aus­schreitungen des französischen Militärs Protestiert und gegen die von französischer Seite ausgestellte Behauptung, als ob di- deutsche Regierung den Be« amienftreik vorbereitet, finanziell unierslützt uns sonst irgendw:e gefördert habe.

Nach den Nachrichten aus dem Saargebiet bat die Spannung dort keine-weas nachgelassen, und man muß mit der Möglichkeit eines urueilichen aus- bruchs des Generalstreiks rechnen.

Die Stimmung im Elsaß

Am Sonntag fanden in Straßburg, rate der „D. Tagesztg." gemeldet wird, und an vielen anderen Orten gewaltige Protestkundgebungen der Bevölkerung gegen eine Teilnahme am Kriege gegen Rußlattd statt. Die Redner brachten zum Ausdruck, daß die Arbeiterschaft dem Versuche gewaltsamer Einberufungen mit Gewalt zu begegnen wissen werde. Stürmischen Beifall erntete ein Redner, ber sagte: „Wenn die Deutschen mit den Russen anrücken, werden dieFranzosen schneller aus dem Lande gehen als 1918 die Deutschen." Im Obere'sah sagte ein Redner: „Als die Franzosen in unser Land einzogen, hoben sie einen Tag lang die Glocken ge­läutet. Wenn sie wieder verschwinden, werben wir zwei Tage lang die Glocken läuten."

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Die amerikanischen Kühe kommen nicht.

D-kanntlich hatten deutschfreundliche Amerikaner uns 100 000 Kühe zugesagt zur Aufbesserung unseres Viehbestandes und besonders zur stärkeren Milchliefe- rung für Säuglinge und Kleinkinder. Me deutsche Regierung hatte sich darauf an die englische gewandt mit dem Ersuchen, den nötigen Schiffsraum für dieses Liebeswerk zur Verfügung zu stellen. Wie nunmehr der englische Sozialist Ramsey Ma cdona Id in einer Erklärung mitteilt, hat die britische Regierung den Mangel an Schiffsraum als Ausrede benutzt, um die 100 000 Kühe nicht nach Deutschland liefern zu muffen.

Für Munitionstransporte zugunsten der Polen ist natürlich Schiffsraum vorhanden. John Baralong treibt sein altes Gewerbe würdig weiter.

Stillegungen.

Infolge der von der Arbeiterschaft der Chemischen Fabrik Calle in Biebrich am 17. August von der Direktion erzwungenen Zugeständniffe, wandte sich die Fabrikleitung an die Vereinigung des Arbeitgeberver­bandes für Wiesbaden und Mainz, welche die der Fabrikleitung abgezwungenen Zugeständniffe als erpreßt bezeichnete und für ungültig erklärte. Aus diescin Grunde wurde die Fabrik gestern vormittag geschlossen und sämtliche Arbeiter entlaflen.

Auf dem Eisen- und Stahlwerk Hoesch in Dort- mund auf der Union und auf der Brückenbauanstalt Klänne hoben die Unabhängigen am Mittwoch teilweise unter Anwendung von Gewalt die Stillegung der Werke erzwungen zum^ Zeichen des Einspruchs gegen den Steuerabzug. Die Gewerkschaften erklärten sich gegen den Ausstand, den sie als ein Verbrechen am Staat be­zeichnen. Am Donnerstag war der größte Teil der Arbeiter wieder erschienen.'

In Hamburg ist die Werft von Blohm u. Voß von der Leitung stillgelegt worden, weil infolge von Lohnstreitigkeiten die Arbeiter in das Hauptgebäude ein­drangen, die anwesenden Direktoren mißhandellen und sie zur Erfüllung der Forderungen zwangen.

Das Magdeburger Krupp-Gruson-Wert kün­digt die dauernde Schließung seiner Betriebe an, wenn sich die in letzter Zeit mehrfach vorqekommenen Be. triebsstörungen durch die Arbeiter noch einmal wieder­holen'. Eine große Zahl Magdeburger Fabriken hat sich mit dem Krupp-Gruson-Werk solidarisch erklärt.

Deutscher Reich.

** Berlin, 19. August. Zum ungarischen Gesandten in Berlin ist der ehemalige Handelsminister Gustav Ern mich ernannt worden. — Die Untersuchung dtzS Revolveranschlaves auf den Regierungsrat Dr. H e n fi­sch e l in Magdeburg hat ergeben, daß nichts weiter als grober Unfug vorliegt. Von einem Anschlag aus politischen Gründen ist nicht die Rede. — Die vorn Reichskuratorium zur wiffenschaftlichen Förderung der deutschen Textilindustrie aufgestellte Satzung ist vom Reichswirtschaftsminister genehmigt worden und wird im Reichsanzeiger veröffentlicht. — Dem Reichsrat liegt der Entwurf einer Verordnung über die Wahl des Reichspräsidenten vor. Er lehnt sich an die Vorschriften der Reichsmahlordnung an und will u. a. auf eine beschleunigte Feststellung des Wahl­ergebnisses einwirken, sodaß noch am Abend des Wahl­tages das Ergebnis vorliegt.

** Minifterbegegnung in der Schweiz? Der englische Ministerpräsident Lloyd George ist in Luzern eingetroffen. Zugleich wird gemeldet, daß der Neichsminister des Auswärtigen Dr. Simons seinen bis zum 22. August vorgesehenen Ausenthalt in der Schweiz um einige Tage verlängern wird. Daraus darf man wohl schließen, daß die angekän- digte Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Dr. Simon in der Schweiz ’itffa he kommen wird.

* Eberl an Crzberger. Reichspräsident Ebert rich­tete an den Reichsta"sabg. Emder per ein Schreiben, in dem der Reichspräsident anläßlich der Annahme des Gesetzes betreffend das deuisch-holländische Kredit»

Unpolitische Zeitkäufe.

Von Fritz 92t entern per.

Berlin, 18. August 1920

Zwei Fälle von grausigem Vater- und Mutter- tnord wurden kürzlich an einem und demselben Tage gemeldet. Entsetzen packt einem angesichts solcher un­menschlichen Freveltaten. Der letzte Rest von natürli­chem Gefühl der Kindesliebe und oer Eyr furcht vor den Eltern ist verschwunden und in das teuflische Gegenteck verkehrt. Die Raubtiernatur in diesen Menschen ist so hemmungslos zum Durchbruch gekommen, daß diese zweibeinigen Tiger sogar ihren Eltern das Blut aus- saugen. Die einfache Todesstrafe ist für solche Bestien noch zu milde. Zum wenigsten müßte ihnen vorher die Hand abgehackt werden, die sich gegen Vater oder Mutter zum Morde erhoben hat. Denn ein größerer Frevel ist ja kaum denkbar, als daß ein Kind denen, bie ihm das Leben geschenkt haben, das Leben raubt.

Wo die Liebe verschwunden ist, da sollte doch wenig­stens noch eine Spur von Dankbarkeit zurückblei­ben in Erinnerung an die Fülle der Wohltaten, die das Kind von Vater und Mutter empfangen hat. Aber die Dankbarkeit ist leider auch eine seltene Tugend.

Zehn Aussätzige, so heißt es im Evangelium des nächsten Sonntags, wurden geheilt, und nur einer von ihnen kehrte zurück, um dem Heiland zu danken. Neun ’on den zehn machten froh von der Wohltat Gebrauch, chne sich um den Wohltäter zu kümmern.

„Wo find die Neun? Keiner findet sich, der zu- ückkäme und Gott die Ehre gäbe, als dieser Auslän- ,er." So klagte der Heiland damals, und heutzutage sibt es auch unter Christen noch sehr viele, die nicht .urückkommen, um Gott die Ehre zu geben und ihrem iöohltäter den Dank zu bekunden.

So entartet, wie die Vater- und Muttermörder, sind Je natürlich nicht; das stnd vertierte Ausnahmen. Aber oie mancher hat sich anzuklagen, wenn er gründlich sein Gewissen erforscht über den „Da^k". den er feinen kltern gezollt hat. Haben wir nicht Vater und Mutter 'ekränkt und geärgert durch Worte und Werke?

Don den Unarten in den Kinderjahren wollen wir ; ächt reden, das sind Zwischenfälle in der Erziehung, ' le mit einer Strafrebe und einer angemessenen Züch- i

tigung abgetan wurden und meistens keinen Stachel im Herzen zurücklassen. Doch wenn die Kinder größer werden, dann kommt es zu ernsten Proben auf das vierte Gebot und zu empfindlichen Reibungen. Der junge Mensch will „selbständig" fein oder wenigstens scheinen. ^Wenn er auch tatsächlich noch unreif ist und sehr abhängig bleibt von den Einflüsterungen und den Beispielen der „Frennde", so gefällt er sich doch in dem Gegensatz zu den bestehenden Autoritäten. Mancher setzt seinen törichten Stolz darein, anders zu denken und zu handeln, wie die „Alten", die angeblich in die moderne Welt nicht mehr paffen. Wenn zu diesem Eigensinn noch der Eigennutz kommt, die vorzeitige Begehrlichkeit nach dem elterlichen Besitz, dann ist es um die Liebe und den Familienfrieden geschehen. Vielleicht wird noch der Schein nach außen hin gewahrt; doch im inne­ren Verkehr bekommen die Eltern reichliche Bitternis zu kosten. Der übermütige Nachwuchs gibt ihnen bei jeder Gelegenheit zu verstehen, daß ihre körperlichen und geistigen Kräfte nicht mehr auf der Höhe der Zeit stehen. Ihre Ansichten und Wünsche werden spöttisch abgefertigt ober doch mit selbstbewußtem Achselzucken beiseite geschoben. Die Alten merken, baß sie als un­nütz unb lästig betrachtet werden. Schließlich haben sie das niederdrückende Gefühl, ihr Tod werde nicht als Verlust, sondern als Erleichterung gelten. An den Ge- burts- und Namenstagen wird ihnen ein Strauß von Rosen gewunden; aber im Alltagsverkehr gibt es Dor­nen Über Dornen.

Solche Dornenstiche der Mißachtung gehen häufig auch von Kindern aus, die sich selber für recht brav und dankbar halten. Sie meinen, die Alten hätten ja gar keinen Grund, sich zu beklagen, da ihnen alles ge­währt ist, was sie zum Lebensunterhalt gebrauchen. Die kraststrotzende Nachkommenschaft versenkt sich nicht in das Seelenleben der welkenden Generation. Sie ver­steht nicht den Hunger nach fortdauernder Hochachtung und herzlicher Liebe. Einige verirren sich dabei so wett, daß sie den Allen etwas Angenehmes zu sagen glauben, wenn sie ihnen barlegen: „Ihr braucht euch ja gar keine Sorgen um uns mehr zu machen; wir werden schon ganz allein fertig; ihr braucht euch blaß um euch selbst zu kümmern, usw." Gerade diese geflissentliche Ausschaltung ist bitter. Sozusagen ein vorzeitiger Totenschein.

Die Rücksichtslosigkeit gegen die ergrauten Eltern ist um so schwerer zu tadeln, wenn die Kinder selber schon wieder Kinder haben. Bei den schweren Lasten und Leiden, die ihnen die Geburt, die Aufzucht und die Er­ziehung der. Kinder machen, müßten die jüngeren Ellern sich doch eigentlich bewußt bleiben: So haben auch Vater und Mutter für uns gesorgt in schlaflosen Näch­ten unb in kum-vervollen, mühseligen Tagen: deshalb muffen wir ihnen dankbar bleiben und in opferwilliger Zärtlichkeit ihren Lebensabend versüßen!

Solche Dankbarkeit wäre natürlich und erst recht christlich. Und doch fehlt cs oft daran, auch in Familien, die sich zu den „besseren" zählen wollen.

Auch über den Familienkreis hinaus wird die Dank- borkest nur zu häufig als ein sehr lästiges Ding, ja fo« rar als eine Demütigung empfunden. Wir möchten uns gern einbilden, alles das, was wir haben unb sind und leisten, verdankten wir unserer eigenen Kraft und Tugend. Cs ist aber nicht wahr. Unser Leben Dec­hanten wir den Eltern; unsere erste Erziehung auch; un­tere weitere Erziehung den Lehrern und den Seelsor­gern, den Meistern im Berufsleben, der Beihilfe von Beratern und (Sönnern, auch dem Einflüsse von guten Kameraden und Freunden. Haus, Familie, Schule, Staat, Kirche, Wirtschaftsgemeinschaft und die großen nationalen Triebkräfte haben zusammengewirkt, um aus uns bas zu machen, was wir geworden sind. Darum dürfen wir nicht protzen unb prahlen, als ob mir olles aus uns selbst geschöpft hätten, sondern müssen dank­bar bleiben, denn aus Wohltaten ist unser Dasein aufgebaut.

Er klingt nicht gerade fein, aber er ist doch be- zeichnend, ber alte Spruch: Wenn du einen Freunb loswerben willst, so borge ihm Gelb!

D ber Freunb überfließt von bonfbaren Worten, wenn bu ihm aus ber Berlegenheit hilfst. Aber die Dankbarkeit schrumpft immer mehr zusammen, je näher der Termin der Rückzahlung heranrückt. Was erst als Wohltat begrüßt wurde, wird dann als Last empfunden. Solltest du sogar eine Mahnung ergehen lassen. Io schlägt die Dankbarkeit leicht in Haß 'um; du giltst als ein selbstsüchtiger Quälgeist.

Ja, es wird den gewöhnlichen Menschenkindern schwer, dankbar zu sein, und noch schwerer, ‘■enföx.