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Samstag, 14, August 1920,
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--- Fuldaer Zeitung
0^0 Druck bet Fuldaer Aetieadrnckerei in Fulda,
Der Herr von Europa.
Die Konferenz von Spaa hat bestätigt, was schon l«,rher kein Geheimnis mar, daß der Gebieter unseres ■ ßrdteiis heute der.englische Ministerpräsident Lloyd George ist. Es gibt zweierlei Angelegenheiten in Europa, solche, die ihn (und England) intereffieren, jmö solche, die ihm zur Stunde noch gleichgültig sind. In den ersteren besteht er auf seinem Kopf, m den letzteren kann er kulant sein. Dazu gehört allerdings nicht viel, und darum soll man sich hüten, zu erwarten, -aß der britische Premier in wirklich wichtigen Dingen seine Ansicht ändert. Wenn er uns gegenüber in Einzelheiten Entgegenkommen zeigt, so soll niemand glauben, daß er dulden wird, daß Deutschland abermals gtii England in wirtschaftlichen Wettbewerb tritt. Don politischer ernsthafter Konkurrenz kann erst recht keine ziede sein, und eine solche Rolle wird er auch nicht dem verbündeten Frankreich zugestehen. Die Franzosen haben das bereits erkannt, und viel Freundschaft für Großbritannien ist in "Paris nicht zu finden. Wer Frankreich kann nicht von England los. Schließlich geht es keinem europäischen Staat mit Aus- | nähme von Rußland anders, lieber alle wird in London gewissenhaft Konto geführt, in dem die Aktiv- und Passiv-Posten genau gebucht werden.
Lloyd George besitzt eine politische Macht in Eng- fatb und darüber hinaus, wie sie f. Zt. in Deutschland ernt) Bismarck nicht gehabt hat. Auch Gambetta nicht in Frankreich und Crispi nicht in Italien. Eigenwillig war er stets, er hat schon 1912 den Krieg gegen ; Deutschland ziemlich unverblümt proklamiert, als er nod) ein untergeordnetes Mitglied im Ministerium Asquith war, den er im Kriegs bei Sefte drängte, gr hatte den Erfolg des Sieges, obwohl er 1917 in seiner Siegeszuversicht bedenklich schwankte, und nutzte • darauf den Erfolg aus. Sein Kollege Clsmenceau in Paris trat von der politischen Bühne ab, Wilson in Amerika ist schwer leidend, und so ist „Giftle David", wie sein populärer Spitzname in England ist, von den leitenden Führern der Entente allein am Ruder geblieben. Er hat alle auftauchenden Schwierigkeiten in London überwunden und ist bisher auch mit den britischen Arbeitern fertig geworden. Man darf dabei Mrdings nicht vergessen, daß er zum Beginn seiner politischen Laufbahn sehr demokratisch gesinnt war und ton diesem Ruhme noch heute zehrt.
Trotz seiner allmächtigen Stellung fehlt es an der Ihemse doch nicht an Stimmen, die sagen, daß Lloyd George die längste Zeit brftischer Premierminister gewesen sei, weil er den Bogen feines Eigenwillens gar p straff spanne. Sein Berhalten Deutschland gegen» ober schadet ihm bet den wenigsten Engländern, aber seine diktatorische Art schafft ihm Gegner. So Hal er 6 mit dem sehr einflußreichen Lord Northcliffe, dem größten englischen Zeitungsunternehmer, total durch seine Rücksichtslosigkeit verdorben, und er bekommt ge- mde keine Schmeicheleien in den bedeutenden englischen i Zeitungen zu hören. Zudem meinen nicht wenige Eng- lütder, wenn es in Frankreich ohne Clemencceau gehe, werde es in England auch ohne Lloyd George gehen.
Aber man darf wohl kaum aus einen so baldigen - Mnisterwechsel in London rechnen, wenn er auch einmal über Nacht kommen kann. Das Verbleiben Lloyd Georges auf feinem Posten ist heute geradezu eine europäische Frage, denn wenn England auch seine er« rangene Machtsphäre sich nicht entreißen lasten wird, so wird doch der nächste britische Premierminister kaum so persönlich als europäischer Gebieter auftreten tön« «n, wie der heutige es gewohnt mar. Und Lloyd Georges Nachfolger wird auch den englischen Arbeitern gegenüber eine wesentlich andere Position haben, wie dieser. Was für Deutschland bei einer solchen Wendung herauskommen wird, das hängt wesentlich von Ms selbst ab. Denn England wird uns niemals nach "den Reden im Reichstagssaale beurteilen, sondern nach d«r Statistik der deutschen Warenproduktion und unse- *n geistigen Errungenschaften.
Hn$ dem Nachvarqevier,
Hilders (Rhön). Die Dordereitmigen zu den Fest- taltmigen des hiesigen Dienenzüchteroereins sind in
Salzschttrfer Beobachter!
Die Kurzeit unseres Bades hat ihren Höhepunkt ^erfchritten. Zwar steht die Natur noch im üppigsten «ün, und von den Feldern sehen wir täglich freudi- 8® Herzens die kornbeschwerten Wagen heimkehren, «ud sie uns doch ein Zeichen, daß für die nächste Zu- mnft unsere Ernährungslage gesichert erscheint. Doch Kühle der Augustnächte verkündet schon den Abstieg ws Sommers und somit das herannahen der Nach- mson.
, Unsere Vermutungen, daß dieses Jahr schwerlich lleberfüllung des Bades eintreten würde, haben M bestätigt. Die beiden vergangenen Monate haben M einen solchen Ansturm der Gäste gebracht, wie ihn mr vorige Sommer zu verzeichnen hatte. Eine Zim- *Ernot als solche ist nicht eingetreten, und es war W jedem Gast möglich, auch ohne Doranmeldung Un» Jurist zu finden. Deswegen war der Besuch nicht 7®° ungenügend, nur äußerten sich nicht jene Symp- P*8 des Platzmangels, wie wir sie schon. erlebt haben, die auch nicht gerade zu den Bequemlichkeiten Badereise gehören. Es wird sogar viele geben, ** die Annehmlichkeiten der leichteren Unterkunft erst W zum Anlaß nehmen werden, im nächsten Jahre ^erjufommen, und wir möchten hosten, daß bis da- F* die wirtschaftlichen Umstände wieder günstiger ge- ®mden sind, wenn auch die Aussichten dafür im hin- Rt auf das Reichsnotopfer und die übrigen Lasten Staatsbürgers nicht gerade rosig sind.
Daß die Schwierigkeften auch schon in diesem Jahr M ohne Einfluß auf den Besuch des Bades blieben, W wohl außer jedem Zweifel. Man konnte leicht be. schien, daß das Publikum sich gewandeü hat. Auch sehen wir, daß der Mittelstand durch die ^^entwicklung mehr ober weniger an die Wand jF^dt wird. Es ist möglich, daß die Preise für Bä- L?1 Verpflegung und Wohnung im richtigen Derhält- E öu der allgemeinen Teuerung stehen, aber ebenso I™ ist, daß sie nicht mehr die notwendige Rück- ?*■ auf die Kaufkraft der Mehrheit des kaufenden ^lipubsikums nehmen. Salzschlirf ist in erster Linie Krankenbad. Die Luxusbäder mögen denen, die sich amüsieren wollen, soviel als möglich ihre Taschen Mtern. Diele Kranke klagen aber bitterlich, daß die Preislage ihnen eine Besserung ihres Leidens M gestattet. Das ist ein im Interesse der Dolksze- rj"beit liegendes, ebenso betrübliches wie beachtens.
"le, Moment, weil es auch zur Verschärfung der so- /«n Gegensätze beiträgt Durch das Getöse, das allent- der Geldsack erzeugt, möge man auch die Rufe »"stillen Dulder vernehmen.
^balzfchstrf als ausgesprochenes Heilbad ist eigentlich der Treffpunkt der „Wett, die sich amüsiert," und
vollem Gange und sehen einem erfolgreichen Abschluß entgegen. Die Erwartungen, die man an eine lokale bie» nenwirtschaftliche Kreisausstellung stellen kann, werden, trotzdem sich einige Zweigvereine weniger beteiligten, erfüllt. Eine Programmänderung ist insofern eingetreten, als wegen des hohen Marian. Feiertages, der mit dem nächsten Sonntag zusammenfällt, von einer Tanzbelustigung Abstand genommen wurde. Die Haupioettreterver- sammlung des Kreisbienenzüchterverbandes Gersfeld findet Sonntag, nachmittags 2 Uhr, nicht im Gasthaus zum Engel, sondern in dem zum Stern statt.
fd Königstein (Taunus). Ein 19jährtqer junger Monn mußte mit einem Rade auf der Hauptstraße einem Fuhrwerk ausweichen. Er kam dabei nahezu zu Fall. Um sich vor dem Ueberfahrenwerden zu retten, hielt er sich am Arm eines zufällig am Platze st ehendenfranzösischenSergean- t e n fest, wobei das Bein des Franzosen von dem Pedal gestreift wurde. Für dieses „Verbrechen" wurde der junge Mann von dem französischen Militärgericht wegen Beleidigung der französischen Armee zu acht Wochen Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe verurteilt.
vermischtes.
— Die Wiederschiffbarmachung der Ruhr. Der Verein zur Wiederschiffbarmachung der Ruhr mit dem Sitz in Willen fordert von der preußischen Regierung die sofortige Wiederschiffbarmachung der Ruhr. Er weist darauf hin, daß in den Seitentälern der mittleren Ruhr etwa 900 Millionen Tonnen Fett-, Anthrazit- und Haus- brandkohlen lagern, die nur auf Frachtmöglichkeit harren.
* Rad-Jo. Die Direktoren der deutschen Unwersitöts- frauenkliniken veröffentlichen folgende Erklärung: Die ungeheuerliche Reklame, die die in Aerztekreisen zur Genüge bekairnte Rad-Io-Bersond-Gesellschaft, Hamburg, Amolposthof, neuerdings wieder betreibt, legt den überzeichneten Direktoren der deutschen Umversüäts- frauenkliniken die Verpflichtung auf, im Interesse des allgemeinen Dolkswohls und im besonderen der schwängern Frauen wie der Säuglinge zu den irreführenden Anpreisungen des Rad-Jo Stellung zu nehmen. Hauptbeteiligter des Rad-Jo (ebenso wie des Amol-) Geschäfts ist der Fabrikant Vollrat Wasmuth. Rad-Äo wird u. o. folgendermaßen angepriesen: „Rad- Jo verhütet Schwangerschaftsbeschwerden, Erbrechen usw." „Es verhütet Krampfadern." „Es befördert die Milchblldung oft so stark, daß die Milchbildung ost nicht bezwungen werden kann." „Diele Müller berichten, daß Rad-Io-Kinder well gesünder, kräftiger entwickelt, hübscher und heiterer sind als ihre älteren Kinder." Die wissenschaftliche Nachprüfung des Mittels hat ergeben, daß Rad-Jo die ihm von Wasmuth zugeschriebenen Eigenschaften nicht besitzt. Eine Beleidigungsklage, die Wasmuth gegen einen das Rad-Jo als „glatten Schwindel" . bezeichnenden Arzt angestrengt hatte, wurde auf Kosten Wasmuths rechtskräftig abgewiesen. Wegen der unwahren Behauptung, daß Prof. Kouwer Rad-Jo bei der Entbindung der Königin von Holland angewandt habe, wurde Wasmuth zu Geld- und Freiheitsstrafen verurteilt. Mft den Namen von Aerzten hat die Rad-Io-Gesellschast groben Mißbrauch getrieben. Die Reklame für Rad-Jo ist g e m e i n s ch ä d l i ch. Da Rad-Jo zu einem sehr hohen Preise vertrieben wird, werden die Käufer zu einer wirtschaftlich unnützen Ausgabe verführt, die nur dazu dient, den Rad-Jo-Fabri- kanten zu bereichern.
Goltesdlenstordnuirg.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 18. August. Dom. < Vollkommener Ablatz, Fest Maria Himmelfahrt.) Vi6, 6, Vi7 u. 7 M., um Vi7 i. d. Marien!. M. u. Som. d. Jünql.-Sod. u. d. christenlehrpfl. Jüngl. i. Dom, */<8 Kräuterweihe i. d. Andreas!., 8 Pfarramt m. Umg., Pr. u. Segen, VilO Bischöfl. Hochamt, 11 Ehr. f. d. Jüngl., Vil2 M. u. Pr., Vi2 A. z. Ehren d. Mutter Gottes, 2 Ehr. f. d. Jungfr., 4 Sakraments-Bruderschaft m. Pr., 7 A. m. Segen. Montags >/s8 Rosenkranz.A. — Stadtpfarrkirche. 5'A Som., 53/« M., 63/« M. u. Korn. d. Jüngl., 8 M., Pr. u. Kräuterweihe, 9V« Hochamt m. Diakonium u. Chorgesang. Festpr.. 11 M., 2 feiert. Aufnahme i. d. Jüngft- Sod. it. A., 3'/« A. s. d. Jungfr.-Sod. u. BuudeSer- neuerung, 4'/« A. f. d. Dienstmädchen-Kongregation ft d.
sah man im Vorjahre doch hin und wieder Vertreter des Gewinnertums, wie Schieber und Kriegsgewinnler, so sind diese in diesmaliger Kürzest zum Glück noch weniger in Erscheinung getreten. Das diesjährige Publikum hat einen besonderen Einschlag durch diejenigen, die schon früher nicht gerade wenig besessen haben, und nun noch gesättigter sind.
Wagte sich 1919 der Tanz nach Jahren der Ruhe nur ganz schüchtern hervor, so nimmt er heute unter den Unterhaltungen des Bades den breitesten Raum ein. Trotz aller Trübsal und Bedrängnis, — die Jugend tanzt doch gern, und daß sie dies teils auch mit Grazie verbindet, konnten wir gern feststellen, wie überhaupt die Steigung hervorzutreten scheint, die tells abstoßenden und grotesken Formen mancher Modetänze zu vermeiden.
Bisweilen haben wir beobachtet, daß solche und ähnliche Beranstaüungen nicht einer spezifisch nationalen Stimmung entbehrten, und daß es vielen ein Bedürfnis ist, ihrer Liebe zu Vaterland und Deutschtum Ausdruck zu verleihen. Es hat da schon wahrhaft erhebende Momente gegeben, wie sie im Doriahr noch nicht möglich gewesen wären. Sofern solche Kundgebungen in würdigem Rahmen vor sich gehen, werden sie als Bekenntnis Achtung gebietend dastehen: ebenso wie Ueberlleibungen nicht am Platze sind.
Roch einen Monat weiter und der „Salzschlirfer Beobachter" wird über den Schluß der Kürzest berichten können; dann sind die glücklich Gewesenen, wie die ewig Unzufriedenen größtenteils wieder daheim und Bad Salzschlirf ist um eine erfolgreiche Saison reicher.
Konrad Lehmann.
Der ©arten im August-
Der August gehört zu den arbeitreichsten Zeiten im Garten.
Im Obstgarten sind die im vorhergehenden Herbst oder Frühling gepflanzten Bäume immer noch zu pflegen, Wurzelausschläge und Wasierschosie möglichst zestig zu entfernen, bei Formobst die an falschen Stellen erscheinenden Augen abzudrücken usw., außerdem ist tüchtig zu hacken ober zu gießen. Kotiere Bäume sind entsprechend zu behandeln. Schwer mit Früchten behangene Bäume sind rechtzeitig zu stützen, damit keine Aeste brechen und nicht zuvitt'Obst bei Wind oder Sturm heruntergeworfen wird. Cs reifen jetzt die späten Kirschen, die Pfirsische, Pflaumen und Zwetschen sowie stütze Aepfel und Birnen. Die Ernte soll unter Schonung von Bäumen und Früchten DOtgenommen werden, desgleichen das Fallobst sorgfältig gesammelt, in der Küche verbraucht, verfüttert ober vernichtet werben, bamit sich Pilz unb Schübling nicht oer- breiten können. Aepfel unb Birnen pflücke man stets mit Stielen, Pfirsische unb Aprikosen erst, wenn sie sich säst
Severik. — Pfarrkirche zum heilige« Geiste. 6 General- Korn. d. Sobaliiät, 71/« Frübm., 8 Kräuterweihe u. Amt m. Som., 5 Pr. u. A. — Sodalitiit. (Titularfest.) 6 General-Koin. (Voll!. Ablatz für alle Gläubigen, welche nach würdigem Empfang der hl. Sakramente die Kongregationskirche besuchen und daselbst eine Zeitlang beten.) Um 9 Prozession zur Stadtpfarrkirche Um 5 feierliche Aufnahme neuer Mitglieder. — Severikirche. Sonntags 0,7, werktags 6M M. — Herz-Jesu-Heim. 8 Frühm., 8 Amt m. Pr., 2 A. fMittw. abends 8 A.) — Frauenbera. M. von 5—7, 8 Bruderschaftsm. m. Pr, 9 Pr., Kräuterweihe u. Levitenamt m. Auss., nachm. 2 Pr., A. u. Umg f. d. Marianiscke Bruderschaft. Generalabsolution f. d. Terziaren.
Montag, 16. August. Michaelskirche. Morgens 7 Amt zu Ehren der hl. Rochus. Vorher Kommunion- austeilung.
RochuZs?LÄ- zu Kämmerzell.
Sonntag, 18. August. Von V»4 nachm. bis 7 abends Beichtzel. t. d. Pfarrk, 8 Rosenkranz-A., nachher Beichtgel.
Montag, 16. August. (Fest d. hl. Rochus.) In der Pfarrk. von 5 an Beichtgel., */,6, 6 u. 6V, M., 7 Amt. Rach jedem Gottesdienst Som., 9 Prozession mit dem Allerhl. z. Rochusk., Pr, Levitenamt, Auflegung von Reliquien d. hl. RochuS. Rachm. 2 i, d. Pfarrk. A. z. Ehren d. hl. Rochus.
Sonntag, 22. August. 9V, Amt u. Predigt i. d. Pfarrk. In der Rochusk. nachm. 0,4 Ansprache u. A. vor ausgesetztem hochwürdigsten Gut; Auflegung einer Reliquie d. hl, Rochus, Opfers, eine neue Rochusglockc. Das Allerheiligste ist in der Kapelle bt8 0,8 abends.
RochuZoktav: 7 t. d. RochuSk. Amt; vorher Beichtgel., i. Amte Aust. d. hl. Kom. Vollk. Ablah bei Erfüllung d. gewöhnlichen Bedingungen. Am Rochus- feste ist das Ablahgebet t. d. Rochusk. oder Pfarrk., am Sonntage t, d. Oktav i. d. Rochuskapelle zu verrichten.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 16. August. Bonn. 8 und 0-9 Pfarrer Weber, 11 Kindergottesdienst. — Bieberstein. Borin. 9 Pfarrer Reich.
MettMW dn WkWev WruMMeiWe.
14. August 1920.
In der nächsten Woche entfallen auf jede Fettkarte 100 Gramm Schmalz ZU 10,— M. bas Pfunb. Die Äran- fenforten werben mit Butter zu 13,40 M bezw. 10,60 M das Pfunb bedient. Abgabe an die Verbraucher: Freitag und Samstag. Schmalzausgabe an die Geschäfte: Donnerstag 9—12 Uhr im Schlachihof. (Die Stunden sind pünktlich einzuhalten; nachmittags wird kein Schmalz mehr ausgegeben.) Lntteransgabe: Donnerstag nachmittag in der Molkerei.
Auf die Fleischkarten der nächsten Woche wirb vor- aussichtlich frisches Fleisch geliefert.
Bett. Frühkartoffeln: In der nächsten Woche werben am Montag, Dienstag nnb Mittwoch bie rückständigen Frühkartoffelkartenabschnitte Nr. 31, 32, 33 unb 34 in her Abfertigungsstelle Schloßstrahe 1 (frühere stabt. Berkoufs- stelle) noch eingelöst.
Sämtliche abgestempelten Abschnitte 31—34 werben von den Händlern mit Kartoffeln beliefert, auf einen Abschnitt entfallen 6 Pfund. '
Für die minderbemittelte Bevölkerung steht wieder Spiritus zur Verfügung, her in hiesigen Geschäften vorrätig ist, aber nur gegen Spiritusmarken abgegeben werben darf. Die Starten stnb gegen Vorlage bes Lebensmittel- ausweifes auf der Kartenausgabestelle erhältlich. Die Geschäfte, bie Spiritus erhalten haben, werben gebeten, dies durch Aushang bekanntzumachen.
Vom 23. August ab fällt voraussichtlich die Reichsflsisch- tarte fort; bie Fleischoersorgung an sich erfährt inbeffen einstweilen keine Aenderung. Die Reichs-Fleischkarte wirb durch die Kunbenliste ober bie örüiche Fleischkatte ersetzt. Es ist beabsichtigt, nach Ablauf ber augenblicklich in ben Händen der Verbraucher befindlichen Reichsfleischkarten die vor einiger Zeit ausgegebenen Sonderkarten Nr. 13 bis 24 (1 Blatt, grüne Farbe) zu benutzen und die einzelnen Abschnitte der Nummer nach Woche für Woche als Fleischkatte aufzurusen. Diejenigen Verbraucher, die diese Sonderkarte nicht anfbewahtt, also nicht mehr in Händen haben, werden aufgefordert, sich unter Vorlage des Lebensmittelausweises am Montag, Dienstag unb Mittwoch in eine zu diesem Zwecke bei der Lattenausgabeslelle anf-
von selbst ablösen. Der Kampf gegen bie Schädlinge geht natürlich weiter. Der August ist ber geeignetste Monat 3um Anlegen von Erbbeerbeeten, man kann von solchen Augustpflanzungen schon im nächsten Jahre leibliche Ernten ermatten. Abgeerntete Himbeer- unb Brombeerruten werben jetzt zurückgeschnttten, bie neuen Triebe dagegen aufgebunden unb barauf bie Erbe gelockert unb gedüngt. Beide Beerenotten, ebenso Johannisbeer- unb Stachelbeersträucher, vertragen starke Dunggüsie.
Im Gemüsegarten sind bie Unkrautbekämpfung, bas Derbünnen unb Verziehen ber im Juli gemachten Aussaaten, bas Behacken unb Gießen sottzusetzen. Auf adgeräumten Beeten können Enbe bes Monats Spina! Kopfsalat. Feldsalat, Teltower Rübchen usw. ausgesät werden, die letzteren gedeihen nur ttn Sandboden. Mrd ber Kopfsalat gut gepflegt, so boß er im Oktober bereits geschlossene Köpfe zeigt, so ist er bis Dezember stechbar. Perlzwiebeln können ebenfalls gepflanzt werden. Auch sind jetzt die Setzlinge fist das nächste Jahr auszuföen, z. B. frühe Kohlrabi, früher Blumenkohl, früher unb mittelfrüher Kopfkohl, Wirsing usw. Sie kommen anfangs auf halbschatttge Beete unb werden, sobald sie genügend erstarkt sind, in kalte Kästen verstopft. Von Karotten können ebenfalls Aussaaten für bas nächste Jahr gemacht werben; sie werben auf gut unb üef gelockerte Erbe gesät, später ausgebünnt unb bei Eintritt bes Frostes mit Laub gebecki. Der Blumenkohl setzt jetzt Köse an, ber durch Ilmknicken ober Zubinben ber Blätter geschützt werben muß; ebenso sinb bie heran gewachsenen Endivien zum Bleichen zusaunnenzubinden. Das vielfach geübte Abblatten von Kohl unb besonders von Sellerie hat keinen Zweck, es schabet nur ben betresfenben Pflanzen. Tomaten werben jetzt geköpft, bamit sie nicht weiter treiben unb blühen, ionbern ausreifen. Bei ben späteren Kohlatten höre man spätestens Mitte des Monats mit Jauchen auf, well sonst ber Geschmack verschlechtert wirb. Die Gurken sollen nicht ben Sonnenstrahlen ausgesetzt sein, ebenso bie Früchte bes Speisekürbis, bie außerbem cufgebunben ober burch Unterlegen von Schiefer, Brettern, Scherben usw. vor bem Faulen geschützt werben. Bohnen, die zum Trockenernten bestimmt werden, bleiben an ben Stauben, bis bie Hülsen gelb unb trocken sinb, ober man wartet, bis ber größte Teil ausgereift ist, unb reißt bann bie Pflanzen aus ober schneibet sie kurz über der Erbe ab. In gleicher Weise verfährt man bei ben Erbsen.
Wer genügend Frühkariofieln besitzt, ernte nicht zu zeitig unb auch nicht zuviel, sonbern laste sie möglichst lange in ber Erbe liegen, am besten, bis bas Kraut durch Gelben unb Absterben bie vollkommene Knollenreife zu erkennen gibt. Daburch wirb bie Ernte nicht nur vergrößert, wohlschmeckender und bauerhofier, sonbern es gibt auch für bas nächste Frühjahr ein vorzügliches Saatgut. . -s
liegende Liste cinfragen zu lassen; nach Prüfung der Angaben, die eigen Whig unterschrieben werden müssen, können diese Sonderkarten vielleicht ersetzt werden.
Amtliche Anzeigen.
Bekanntmachung
Durch bie Bekanntmachung bes Reichswittschastsmi- nisters vom 14. Januar 1920 (R. G. Bl. S. 49) unb auf Erunb bes § 2 ber Bekanntmachung vorn 30. Januar 1917 (R. G. Bl. S. 81) erstreckt sich bie am 1. September 1920 in Preußen ftattfinbenbe vierteljährliche Viehzählung auf Pserbe ohne Militärpferde, Rindvieh, Schafe, Schweine und Ziegen. Eine Zählung bes Federviehes findet diesmal nicht statt.
Die unter 3 Monate alten Kälber werden getrennt in „unter 6 Wochen alte" und in „6 Wochen bis noch nicht 3 Monate alte" eingetragen, lieber bie in ber Zähl- bezirksliste enthaltenen, ben Viehbesitz bes einzelnen be- treffenben Nachrichten ist bas Amtsqeheflnnis zu wahren. Die Angaben bürten nur zu amtlichen statistischen Arbeiten, dagegen nicht zu Steuerzwecken benutzt werben.
Die Ausführung der Viehzählung ist Sache ber ®e» meinbebehörben.
Durch örtliche Bekanntmachungen sinb bie Ortsein- wohner rechtzeitig von ber am 1. September 1920 statt- zufmbeuden Viehzählung zu unterrichten; dabei ist auf § 4 ber Verordnung des Bundesrats vom 30. Januar 1917 hinzuweisen, welcher lautet:
Wer vorsätzlich eine Anzeige, zu der er auf Grund dieser Verordnung oder der nach § 2 erlassenen Bestimmungen aufgefordert wird, nicht erstattet oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten ober mit @elb« strafe bis zu zehntausend Mark bestraft: auch form Vieh, besten Vorhandensein verschwiegen worben ist, im Urteil „für bem Staate verfallen" erklärt werben.
Die Einteilung ber Gemeinden in Zählbezirke hat sofort zu erfolgen.
3m Itebrigea verweise ich die Grmeindebehörben auf ben Inhalt bes § 3 ber Anweisung für alle Behörden. (Siehe Rückseite ber Gemeindeliste E.)
Ich hebe besonders hervor, daß in der Zählbezirksliste C alle Haushaltungsvorsteher ober Diehbesitzer, bei denen Vieh ber zu erhebenden Gattung sich befinbet, nach- etnanber einzutragen sind. 3a bie Geweindeliske E ist nur die Hauplsumme aus jeder Zählbezirksliste za überfragen, eine nochmalige Liazelauffiihrnng der viehbefltzer ist unzulässig. Es matz streng daraus geholfen werden, daß dis Liste C als Zählbezirks- unb bie Liste E als ©e- meiudeliste unb nicht umgekehrt verwendet werben. Reicht eine Liste nicht aus, so ist eine zweite, brüte usw. zu benutzen. Das Ankleben von Fahnen ist verboten.
Die nötigen Dorbrucke werden den Gemeindebehörden in ben nächsten Tagen zugesanbt werben. Etwaiger Mehr- bebarf ist mir sofort anzuzeiqen. Btt Ansstellanq ber ZählbeflrksWen ist die Anweisung für die Zähler Absatz B sorgfältig ju beachten.
Don ber Urschrift der Zählbezirksliste C, bie mit Tintenstift geführt werben kann, ist vom Zähler eine Reinschrift mit schwarzer Tinte anzufettigen, habet ist wieder peinlich darauf zu achten, daß beim Einträgen ber Zahl die Spalten nicht verwechselt werben. In ben Spalten ohne Einträge bürsen über den Zeilen weder wagerechie noch schräge Striche noch Nullen gesetzt werden. Die Zahlen sind deutlich unb möglichst klein zu schreiben, damit Raum für etwaige notwendige Einbesserungen verbleibt. Die Rttaschrlst ist tnlf der Urschrift genau za vergleichen and sodann auftnrechnan. Beide Stücke sind vom Zahl« mittels Siamensunterschrist zu beglaubigen und sofort, spätestens am 2. September d. 3s. an die Gemeindebehörde ober ben Zählung sausschuß zurückzugeben.
Auf Grund der Zählbezirkslisten ist von der ®e- me'mdcbehörbe ober bem Zählbezirksausschusie die ©e- meinbeliste, die auch für unbewohnte Gutsbezirke anzufettigen ist, in zwtt Stücken herzustellen, babei sind die für die Zähler wegen Anfertigung ber Zählbezirksliste unter B. 2. 13 und 14 (veröl. Vordruck C) getroffenen Anordnungen genau zu beachten. Die Zahl der meh- Mtenbcn Haushaltungen muß gleich fein der Summe der Zeilen mft Einträgen m ben Spalten 6—40 ber Zählbe- zirksliste. Ein Stück (nicht 2 Stücke) dar Gemeindeliste ist mit ber Reinschrift (ohne bie Urschrift) derZählbefirks- (iffen bis zum 4. September d. 3s. au das Canbrafsamf unter Briefumschlag bestimmt einzurttchen. Die zweite Gemttndsliste unb die Urschrift der Zähkbezlrksllste oer- blttbeu btt der Gemttndebehörds: ihre Einsendung hat daher zu unterbleiben. •
Die gestellten Fristen dürfen unter keinen Umständen überschritten werden.
Fulda, ben 9. August 1920. (115
Der Laudral. 3. SB.: Köhler.
Die Landwirte unb Futtermittelhändler, sowie alle, welche Hafer in ihrem Besitz haben, werden auf den § 78 a der Reichsgetreideordnung vom 21. Mai 1920 aufmerksam gemacht. Derselbe lautet:
Wer mit dem Beginn des 16. August 1920 Hafer früherer Ernten allein oder mit anderen Nahrungsober Futtermitteln gemischt in Gewahrsam hat, ist verpflichtet. ihn bem Kommunalverbanb bes Lagerungsortes bis zum 20. Auaust 1920, getrennt nach Eigentümern. anzuzeigen. Hafer, der zu dieser Zeit unterwegs ist, ist von dem Empfänosr unverzüglich nach dem Empfange bem Kommunalnerbanbe anzuzeiqen. § 76 Abf. 2 unb § 77 a bis c finden entsprechende Anwendung.
Mit dem Beginne des 16. August 1920 ist ber Hafer früherer Ernten für ben Kommunalverbanb beschlag, nahmt, in dessen Bezirk er sich befindet. Hafer, der zu dieser Zeit unterwegs ist, ist für ben Kommunalverbanb beschlagnahmt, in besten Bezirk er nach beendeter Be- förberung abgeliefert wirb. Für ben hiernach beschlag, nahmten Hafer gelten die Vorschriften dieser Verordnung. Der Reichsminister für Ernährung und Land wirtschaft bestimmt, in welchem Umfange der Hafer trotz der Beschlagnahme oerfüttert, verarbeitet oder sonst verwendet werden darf. Soweit Hafer hiernach nicht verfüttert, d erarbeitet oder sonst verwendet werden darf, haben bie Kommunalverbänbe die beschlagnahmten uni die in ihrem Eigentume stehenben Vorräte mit Aus nähme ber ihnen behörblich zur Verteilung überwiesenen Vorräte ber Reichsqetreibestelle nach deren Ge- schäftsbebingungen abzuliefern.
Bezugnehmend auf vorstehend wiedergegebenen § be Reichsgetreibeorbnung ordne ich an, daß mir ber mi Beginn bes 16. 8. 20 noch vorhandene Hafer alter Ernb gemäß ben getroffenen Bestimmungen spätestens dir zum 20. 8. 20 angemelbet wird. Die Anmeldung ha> bei dem zuständigen Bürgermeisteramt zu erfolgen.
Fulda, ben 9. Slug. 1920.
Der Landraft 3. B.: Köhler.
Aushebung ber Safrapuloenalloniening.
Bei ber Bewirtschaftung von Seife unb Seifenpulve; sinb nunmehr bis letzten Reste ber Rationierung gemäß Reichs-Gesetzblatt Nr. 160 vom 30. Juli b. I. in Fortfak gekommen, inbem künftighin such Seifenpulver ohne Marken bezogen werben kann.
Ebenso werden bie Bezugsscheine, welche bisher bei Lieferung von. Seife zu industriellen unb gewerblichen Zwecken eingereicht werben mutzten, für bie Folgezeit aufgehoben.
Es bleibt lediglich zunächst noch bie Bezugsscheinpflicht für bas an Wäschereien unb ähnliche gewerbliche Betriebe abzugebenbe lose Seifenpulver bestehen.
Die Herren Orts, unb Gutsvorstänbe ersuche ich, bies . ortsüblich bekannt zu machen.
Mft Aushebung biefer Bestimmungen entfallen auch bie Aufgaben ber Ortsbehörden wegen Ausstellung ber Empfangsbescheinigungen usw.
Fulda, ben 9. August 1920.
Der Landraft 3. D.: Köhler.