Einzelbild herunterladen
 

Fuld aerZeitung

Nr. 186

Verantwortlich für den redattionellen Teil: Carl Schütte, - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernfprecker Nr. 9. Teiegr.-Adresse: Fuldaer Zeltun«,

Freitag, 13. 1920»

Bezugspreis: MonatNch 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. Jn Fuida bei uns abgeholt 3,15 2Nk. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmaß) 60 Dfg u. 10°j. Zuschlag, die Reklamezeile (Tertbreite) 1.80 Blk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

47. Zahrg.

Deutsch und nichts andere?.

Von Prof. Grebe, M. d. pr. L.

Der jüngste Tagungsabschnitt des deutschen Reichstags (af uns mit fühlbarer Deutlichkeit gezeigt, daß wir die Bewegungsfreiheit als selbständiges Volk vorläufig einge- büßt haben. Der Krieg ist zwar für uns vorbei, aber wir baden immer noch unerbittliche Feinde uns gegenüber- stehen, die uns politisch und wirtschaftlich unter unerträg­lichem Druck halten.

Völker, die daran denken, daß der Krieg kein Dauer­zustand sein kann und daß unter Kulturvölkern doch wieder sriedliche Beziehungen hergestcllt werden müssen, verzichten aus den unmöglichen Versuch, ein Volk dauernd knebeln zu wollen. Unsere Feinde aber gefallen sich in dem Wahne, ein Volk von 60 Millionen dauernd knechten zu können, und so muß der Reichstag ein Gesetz nach dem andern ver­abschieden, das seinem Ursprung nicht dem Wunsche des deutschen Volkes, sondern dem Machtgebvt der Entente verdankt. Um so empörender ist dieser Zustand, als nackt« Raub- und Rachsucht sich damit zu rechtfertigen sucht, daß sie Deutschland als den allein Schuldigen hinstellen, der bestraft und unschädlich gemacht werden mutz.

Wir sind wehrlos in der Gewalt unserer Feinde. Aendern können wir an der trostlosen Lage im Augenblick nichts. Die unwürdige Behandlung aber, die wir von außen erfahren, sollte wenigstens Deronlasiung sein, daß wir uns wieder auf uns selbst besinnen. Heute darf der Deutsche nur deutsch sein und empfinden. Er darf nicht mit den Augen des Auslands sehen. Nicht wenn wir hinter dem Auslände hcrlaufen, werden wir die Achtung der Welt Mitleid wollen wir nicht wiedergewinnen, sondern nur, wenn wir uns nicht selbst aufgeben. Würde und Nationalgefühl wahren.

Leider scheint es, als ob der Deutsche in Zeiten der Ohnmacht seinen Hang zur Ausländers i noch schwerer meistern kann als in Glück und Glanz. Nach dem treißigjährigen Kriege fand Deutschland in Frankreich, bas sein Unglück schamlos ausgebeutet hatte, ein beneide­tes Vorbild. Es holte van dort Fürstenwillkür und Ver­schwendungssucht, den Absolutismus mit all seinen Fol­gen. Jetzt sehen viele in Rußland Heil und Hilfe und möchten uns von dort das asiatische Gewächs des Bol­schewismus holen. Von Fremden kommt uns keine Ret­tung, im Deutschtum selb st ruhen trotz allem noch die Wmzeln unserer Kraft.

Dann müssen wir aber auch selbst an uns glauben. Leider fehlt vielen Deutschen das rechte Gefühl für die Cchmach, die darin liegt, daß man Deutschland sozusagen unter Polizeiaufsicht stellt. Wäre es wohl denkbar, daß in der französischen Kammer ein Abgeordneter dem sieg­reichen Feinde für die Entwaffnung seiner Vaterlandes seinen Dank aussprechen dürfte. 2m deutschen Reichs­tage darf ein stammesstemder Berliner, ein Unabhängiger, so etwas wagen. Dieser Mann gehört aber zu den Füh­rern einer Partei, die fast 5 Millionen Wähler hinter sich hat. Welch klägliches Schauspiel!

Während an unseren Grenzen blutiger Kamps tobt md jeden Augenblick zündende Funken herüberzuspringen drohten, zwingt man uns, die allgemeine Wehrpflicht, die im ganzen übrigen Europa noch in Kraft ist, abzuschaffen, nur um uns gefahrlos vergeroaligen zu können. Wenn da nicht Empörung und Ingrimm jedes Deutschen Brust erfüllt, wenn in solchem Augenblick noch das WortMli- tarismus" laut werden darf, dann versteht man die Ge­ringschätzung des Auslandes.

In unserer Lage müßen wir Würde zeigen. Wenn die Sozialdemokratie in Genf wieder langatmig von der Schuld am Kriege redet, wenn sie wehmütig Reue und Leid erweckt, daß sie auch einmal nationale Anwandlungen Schabt habe, wenn sie bedauert, daß sie nicht 5 Jahre srüher einen Versuch mit der Revolution gemacht hätte, so wird das Ausland aus solchen Ausführungen nur ent- weder Schuldbewußtsein oder Würdelosigkeit herauslesen. Dom sozialdemokratischen Standpunkte lag es doch viel «äher auf Vorwürfe ihrer internationaler Genoßen zu erwidern: Wir haben einen Frieden ohne Sieger und

Unpolitische Zertlärrfe.

Von Fritz Nienkemper.

Berlin, 11. August 1920

Sternschnuppen gibt's in diesen Tagen. Weil 10. August das Fest des tapferen hl. Laurentius 'st, nennt man diese Prozeßion von Sternschnuppen ben Laurent'.usstrom. Die Dichter haben sogar gesagt, was da am Himmel aufleuchtet, seien dje blutigen krönen des hl. Laurentius.

2n Wirklichkeit liegt die Sache fo: Unsere Erde ist gleich einer Kutsche oder einem Automibl, das in Einem großen Kreise um die Sonne läuft. Auf dieser krummen Bahn kreuzt die Erde mehrere Straßen, auf °snen sich andere Weltreisende bewegen, die ebenfalls °<e Sonne umkreisen wollen. Diese Wanderer sind viel stoiner als die Erde, und darum ergeht es ihnen schlecht, wenn sie vor den heransausenden Erdball geraten. Es handelt sich um Trümmer eines zerplatzten Himmels- körpers: der Schwarm der Sprengstücke versucht den- stlben Weg fortzusetzen, den einst der ungeteilte Wan- "Elstern verfolgt hat. Dabei lockern sich die Reihen. Renn nun die Erde durch diesen Schwarm saust, so ge- foten einige von diesen Sterntrümmern in die Lufthülle er Erde. Bei der ungeheuren Schnelligkeit der Be­wegung entsteht eine derartige Reibung, daß die klei- 1,Cri Körper glühend werden und leuchten. Einige der­nennen vollständig und lassen nun etwas Asche in un- strer Luft flattern. Andere platzen und lassen einzelne bprengstücke auf den Erdboden fallen. Ein dritter Teil noch die Kraft, aus den Fangarmen der Erde zu Entfliehen, nachdem sie die Oberfläche verloren haben, sozusagen geschunden worden sind.

Das uns bei diesem himmlischen Schauspiel beson- i,r3 auffällt, ist das plötzliche Aufleuchten und das schnelle Wiederverschwinden des fremden Gastes. Wenn !ch das betrachte, so scheint mir, daß der Mensch viel EiEhnlichkeir mit einer Sternschnuppe habe. Er kommt, Luchter ein Weilchen, und wird nicht mehr gesehen, ^d) der Weltenuhr ist ja das menschliche Leben, und wenn es auch 70 oder 80 Jahre währt, nur nach Se» rnnbcn zu werten. Auch hie Mächtigen und Gelehrten ^Ehen dahin wie erlöschende Sternschnuppen. Was ^rig bleibt auf Erden, ist etwas Sffche oder bei großen önnern eine Hinterlassenschaft von Stein ober Eisen,

Besiegte erstrebt. Schließlich haben wir die Revolution gewagt und die alten Machthaber beseitigt. Was habt ihr getan, um eure kapitalistischen Regierungen zur Vernunft zu bringen? S o hätten sie sprechen müßen, wenn sie nicht blos international, sondern auch deutsch dachten.

Der Deutsche ist es nicht gewohnt, sein politisches Schick­sal selbst zu formen. Er erwartet meist die Deßevung von äußeren Ereignißen. Daher der Ruf nach dem starken Mann; daher auch heute die Hoffnung, die man vielfach auf Rußland setzt. Kommunisten und Unabhängige wollen mit Hilfe der Rußen ihre innerpolitischen Ziele erreichen. Sie scheiden für deutsches Denken aus. Viele ehrliche Vaterlandsliebende reden sich aber auch ein: Der Bolschewismus ist doch nicht zu vermeiden. Je schneller er kommt, um so bester. Dann werden auch die Feinde durch die unmittelbare Bedrohung gezwungen, Vernunft anzunehmen und die Gesundung wird wieder beginnen. Das ist K a t a st r o p h e n p o i! t! k, ein Ausfluß der Verzweiflung. Diese Stimmung muß entfchlosten b e - kämpft werden. Greift sie weiter um sich, so erlahmt der Widerstand, und dakmrch könnte wirklich der Balsche- wismus heraufbeschworen werden. Dann aber brennt alles zu Asche. Aus Verzweiflung erwächst kein Heil.

Deutsch denken fordert auch trotz allem Vertrauen in die Zukunft des Deutschtums. Verhängnis­voll ist der Glaube an den nationalen Bolschewismus, m dem man hie und da schon einen bündnissähigen Retter aus unserer Not sehen möchte. So weit sind wir noch nicht. Ob der Bolschewismus national oder international ist, deutsch ist er auf keinen Fall. Kommt er nach Deutsch­land, so bringt er politisch und wirtschaftlich ein Wüste. Deutschland würde außerdem zum Schlachtfeld Europas. Das muß vermieden werden.

Wir muffen darum für uns bleiben, nach keiner Seite Sympathien verschwenden. Nur deutsch! Wenn in Ruß- land wieder einmal Ordnung einkehrt, wird es wirt­schaftlich und politisch für uns ein wertvoller Faktor wer­den. Deutschland kann in absehbarer Zeit nicht daran benfen, die Anschauungen der übrigen Welt direkt zu be­einflußen. Wenn der Besiegte von Dölkerftieden und Versöhnung redet, so macht das wenig Eindruck. Wür­dige Zurückhaltung nützt uns am meisten.

Dom Internationalismus haben wir nichts zu erwar­ten. Die Vorgänge in der übrigen Welt müßen wir scharf beobachten, ohne sie aktiv nach unfern Wünschen lenken zu wollen. Dazu sind wir zu schwach. Dor allem dürfen keine Parteiwünsche unsere Haltung in der Außen­politik beeinflußen. Eigenmächtiges Vorgehen privater Gruppen kann unser Verhältnis zum Ausland nur noch unerquicklicher gestalten. Nationale Geschlossen- heit allein kann unsere Ohnmacht nach außen etwas mildern. Wenn das Ausland sieht, daß 60 Millionen ein­mütig entschloßen sind, ihre Recht auf Eigenleben zu wah- ren, wird es den aussichtslosen Versuch, ein solches Volk gleichsam zu einer Nation mindern Rechtes zu stempeln, ausgeben.

Varis gegen London.

Der Gegensatz zwischen Frankreich und England hat sich erheblich verschärft. Obwohl Lloyd George im Unterhause erklärt hat, daß durch die Bekanntgabe der russischen FrredensbedinMNgen eine neue Lage geschaf­fen sei, die natürlich eine neue gemeinsame Stellung­nahme der Alliierten nötig macht, geht Frankreich selb­ständig gegen Rußland vor, indem es, wie gemeldet, den General Wrängel, der in Südyuhland eine gegenrevolutionäre Bewegung führt und dabei gegen­wärtig einige Erfolge hat, als die einzige rechtmäßige Regierung von SüdrußlaiÄt anerkennt. Zugleich hat Frankreich feinen Handelsvertreter in London ange­wiesen, keinen Verkehr mit den Vertretern Rußlands, die mit der englischen Regierung verhandeln, zu pflegen. Diese Selbständigkeiten der französischen Regierung lassen die geistige Verfassung der Pariser Machthaber erkennet!. Mit der Anerkennung Wrangels ist Frankreich den Wünschen imb Absichten Englands sehr in die Quere ge-

von gewißen Schöpfungen ober Forschungen, mit denen sich die Hinterbliebenen noch eine Zeitlang befassen. Schließlich bleibt bann auch im besten Falle nichts an­deres übrig, als ein mattes, immer mehr verblassendes Andenken. Gewaltige Meteore von ungeheurem Glanz waren s. Zt. Alexander der Große, Karl der Große, Napoleon I. Was ist von ihnen und den anderen sog. Herren bet* Welt übrig geblieben?

Für den Menschen gilt ebenso wie für den Stern am Himmel das Wort vom Aschermittwoch: Gedenke, daß Du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst!

Die Sternschnuppe predigt Bescheidenheit. Auch noch von einer anderen Seite her.

Die Sternschnuppe ist nämlich die einzige Postver- binbung mit einem fremden Weltkörper. Sonst senden sich die Sterne gegenseitig nur Strahlen zu, d. h. Wel­lenbewegungen des geheimnisvollen Aethers, der das ganze Weltall erfüllt. Die Sternschnuppen aber bringen etwas Reelles. Das sind wirkliche Postboten aus dem außerirdischen Weltall. Einige von diesen Wett- furieren verunglücken freilich unterwegs; wie ein Schiff am Hafeneingang scheitert, so gehen sie zugrunde, wenn sie in den Luftkreis der Erde geraten. Aber einigen anderen gelingt es doch, wenigstens einen Teil ihrer Bestelltasche bis auf den Erdboden zu bringen. Was ist darin? Nur Stein und Eisen. An sich keine wertvollen Dinge; aber es sind Schätze für die Wissenschaft. Ge­rade deshalb, weil sie nicht von der Erde stammen, son­dern von einem fremden Weltkörper, werden sie auf das genaueste untersucht. Und siehe da, es ergibt sich, daß es dieselben Stoffe sind, die wir auf der Erde haben. So bestätigt sich handgreiflich, was wir schon aus der Spektralanalyse und sonstigen Forschungen ver­muteten: daß die ganze sichtbare Schöpfung aus einem und demselben Stoff aufgebaut ist. Was folgt daraus weiter? Daß unsere geliebte Mutter Erde nichts Ab- sonderliches an sich hat, sondern ein ganz gewöhnlicher Himmelskörper ist. Wenn mag sie abschätzen will, so kann nur die Größe maßgebend sein. Und dabei kommt unsere Heimat schlecht weg. Allerdings ist die Erde größer als die Trümmorstücke von Wandelsternen, bie als Marodeure einer gesprengten Armee im Weltall vagabundieren. Aber die Erde gehört zu den kleineren Planeten unseres Sonnensnystems. Im Vergleich zu der Königin Sonne ist sie ein winziges Sinbfein. Wenn wir nun bedenken, baß es Millionen und Millionen von

kommen. Vor kaum 10 Tagen hat England denselben General Wrangel in aller Form fallen lassen. Unter­stützung hat es ihm schon seit langem keine zukommen lassen. Einmal hat es wohl von den Mißerfolgen der Judenitsch, Kolischak, Denikin usw. genug, zum anixri; hat es Wrangel zugunsten der Verstänvigungsabsichten mit Rußland aufgegeben.

Lloyd George hat sich zum König begeben, - um ihm Vortrag über die äußere Lage und die franzö­sische Politik zu halten.

Lloyd George ȟberrascht".

Die öffentliche Meinung Englands richtet sich sehr krttisch gegen die französische Regierung, und die Mei- rmngsverschiedenheit zwischen England und Frankreich verdient gegenwärtig mehr Aufmerksamkeit als der russisch-polnische Konflikt. Mittwoch nachmittag wurde die Pariser Meldung in London bekannt. Im Unter­hause wurde Lloyd George daraufhin interpel­liert. Er antwortete, er habe die Meldung mit Ueber- r a s ch u n g und Besorgnis gelesen. Offiziell sei ihm aber davon nichts mitgeteilt. Er könne kaum an- nehmen, daß die Meldung korrekt sei, weil er sicher sei, daß Millerand ihm die Absichten der französischen Regierung bekanntgegeben haben würde, wenn er etwas Derartiges beabsichtige. Ein Vorschlag auf Anerkennung Wrangels sei auf der Konferenz in Hythe nicht gemacht worden. Lloyd George fügte hinzu: Wir beabsichti­gen nicht, Wrangel anzuerkennen. Wie ernst die Lage geworden ist, zeigt die Wirkung der Mitiellung Lloyd Georges iim Unterhause. Sie hat dort große Erregung hervorgerufen, und als im weiteren Verlauf der Sitzung die Bestätigung der Nachricht eintraf, bat das Unter« Haus, das bereits in die Ferien gehen sollte, daß die Ferien aufgehoben würden und die nächste Sitzung für kommenden Montag anberaumt würde.

Mißlungener Deutungsverfuch.

Die englischen Zeitungen bemühten sich, dem französischen Ministerpräsidenten Mlllerand go bene Brücken für einen Rückzug zu bauen, indem sie die Vermutung auffteDten, Millerand sei unschuldig an demMißverständnis", Beamte hätten feine Ab­wesenheit von Pans benutzt, seine Politik zu durch­kreuzen. Demgegenüber muffte aber bald Reuter die Aufklärung bringen, daß die Note der französischen Regierung an Wränge!, worin dessen Regierung anerkannt wird, von Millerand selbst vorbe- reitet und vom französischen Kabinett ge­billigt worden fei. Der Berichterstatter Reuters selbst erfuhr im französitchen Ministerium des Aeußern, daß die Vermutung der englischen Preffe, das Persona^.des Ministeriums des Aeußern habe die Pmitik her'französischen Regierung durchkreuzt, unbegründet sei.

»Die Alliierlen sind einig.

Inzwischen versichert Millerand immer noch bieEinig- fett* der Alliierten. Beim Empfang in Noyon anläßlich seiner Rundreise durch die verwüsteten Gebiete gab Mll- leranb eine Erklärung ab, in der er sagte:Die Alliierten sind einig und werden einig bleiben. Es bestehen un­ausbleibliche Differenzen infolge der nationa­len Besonderheiten eines jeden, aber die Einigkeit, die zwischen uns herrscht, wird die alte bleiben."

Katzenjammer.

Die Pariser Blätter haben an der Anerkennung des Generals Wrangel keine reine Freude. Sie fürchten die Schwierigkeiten, die sich ergeben können. So meint der,Oeuvre', das Abenteuer mit Wrangel droht Frankreich das Bündnis mit England zu kosten. Auch der ,Mann' nennt die Verstimmung außerordentlich bedauerlich.

Besprechungen.

Der englische Geschäftsträger in Paris Hai dort gestern eine Note der englischen Regierung über­geben, die sich mit der südrussischen Frage besaßt. In London hatte der französische Geschäftsttäger im Auswärtigen Amt eine längere Unterredung mit Sonnen gibt, die meistens noch größer sind, wie un­sere Sonne, und daß vermutlich jede von ihnen einen ganzen Schwarm von Trabanten um sich hat, die viel- fach noch größer fein werden, wie unsere Planeten, fo schrumpft die ganze irdische Herrlichkeit fast bis auf null zusammen. Nennt man die Erde einen Tropfen im Eimer der Schöpfung, fo ist bas noch ruhmredig. Vielleicht könnte man sagen, sie fei ein Tröpfchen im Weltmeere ber unermeßlichen Schöpfung.

Und was sind wir, Du und ich? Eins von den vielen Millionen von Lebewesen, die in dem bescheide­nen Ameisenhaufen, Erbe genannt, umherkrabbeln. Ein Nichts vom naturwifsenschafllichen Standpunkt aus, Wert und Würbe verleiht uns erst der Glaube, das Bewußtsein der Unsterblichkeit unserer Seele und der Anwartschaft auf bas ewige Leben in einer besseren Welt.

Aber unser sterblicher Körper stammt aus der Erde und geht wieder in bie Erde. Seine äußerlichen Schick­sale hängen mit der Umgebung und dem Boden zusam­men, die wir auf der irdischen Pilgerfahrt antreffen. Dem Leibe nach bilden wir einen winzigen, schnell ver­gänglichen Teil des winzigen und vergänglichen Wan­delsterns Erde. Unsere bescheidene Stellung im Weltall wollen wir niemals vergeßen. Weder in den Tagen des Glückes, wenn uns der Uebermut kitzeln möchte, noch in den Zeiten der Trübsal und Not. Der gewaltige Strom des Weltschickfals kann nicht zart Rücksicht neh­men auf jedes Hälmchen, das irgendwo auf der abseits gelegenen Erde fein Köpfchen erhebt. Da droben waltet freilich der Allmächtige als weiser Ordner und gütiger Vater. Doch er hat uns nicht versprochen, daß er uns schon auf Erden glücklich machen wolle. Er sagt uns: Ich weiß besser, was für Dich recht und heilsam ist; laß Dir genügen mit meiner Gnade, die Du zur Erlan­gung der ewigen Seligkeit benutzen kannst, und ertrage geduldig, was Dir auf Erden beschert wird durch den Fluch der Sünde und die Torheiten der Menschen!

Aus der Oberfläche der Erbe ist in den letzten Iah. ren bie Drbnung entsetzlich erschüttert worden. Aber der Erdball selbst geht im alten Gleise fort, Tag und Nacht, Jahr um Jahr, und die ganze Ordnung im Welt- all bleibt unberührt von diesen Stürmchen in unferm Wasierglas. i

Wir beklagen den Schaden der Kultur. Ja, die Kul- s tur hat in Heren Zeiten auch ähnliche Nacken-

Lord Curzon. Man glaubt, daß in den nächsten Ta­gen eine neue Begegnung zwischen Mille­rand und Lloyd George stattfinden wird, ent­weder in Boulogne oder in England.

Der Gang nach Minsk.

Von russtscher Seite wird gemeldet: Am 9. Au­gust warteten die Vertreter des russischen Oberkom­mandos vergeblich auf die polnische Delegation, deren Abreije drahtlos bekanntgegeben war. Ein polnischer Offizier traf aber die Delegation nicht an. Am 10. August sandte das russische Oberkommando Autos nach Siedlec, fand aber gleichfalls die Delegation nicht. Am 12. August eroberte die rote Armee Siedlec und entdeckte dir polnische Delegation in der Stadt. Die Abordnung wurde nach Minsk ae- (an , um dort zu verhandeln.

Für die Selbstbestimmung der Ostmark.

Der Stockholmer KorrespodneM berFrist. Ztg." will von wohlunterrichteter Seite gehört haben, daß ber rus­sische Vormarsch in Polen mit großem Nachdruck und ohne Rücksicht auf die Verhandlungen in Minsk fort­gesetzt werbe. Die ruflische Sowjetregierung fei entschlos­sen, ber bereits gebildeten polnischen Sowjetre­gierung die Herrschaft über das ganze Land zu ver­schaffen. Die Verhandlungen in Minsk würden inzwischen sottgeführt werden nach den Grundsätzen, nach welchen die Entente Deutschland behandelt hat. Jeder Einwand der Entente werde abgelehnt mit dem Hinweise auf bie berüchtigten Waffenstillstandsbedingungen, die Deutschland auferlegt wurden. In ihr Programm für die eigentlichen Friedensverhandlungen mit Polen bezw. der Entente habe die Sowjetregierung folgende Punkte aufgenommen: 1. Teilnahme Deutschlands an den Verhandlungen mit der Entente; 2. Beseitigung des Danziger Kor­ridors; 3. ftrenge Anwendung des S e l b st b e st i m- mungsrechtes der Völker auf die an Polen abge­tretenen deutschen Gebiete. Grundsätzlich betrachte jeden­falls die Sowjetregierung die Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages bezüglich der Ostfragen heute schon für verfallen.

Ein russischer Funkspruch an Berlin.

Moskau entsandte folgenden Funklpruch:

Sehr bringend, Berlin, Dr. Simons, .'.uStoärtiiieä Amt. ES ist uns sehr biingenb zu erfahren, ob bie polnischen Truppen, bre sich int Absttmmungs. gebiet zusammenziehen, interniert und entwaffnet werben. Wir bitten brtn enb bemsche Regierun a um sofortige Ruckäußerung. Moskau, Volkskommissar AuS- wärtizen, Tschitscherin.

Die SpihelMkrale.

In der A.'Mlegenheit, die gefälschte Plane über an­gebliche linksradikale Putschpläne in die Oesferrtlichteit gebracht hat, waren elf Verhaftungen erfolgt. Die Fest- genomimenen, die inzwischen wieder freigelassen wurden^ haben zugegeben, daß sie Protokolle und Briefe ge­fälscht haben, um Material für ihre Meldungen zu ha­ben. Nach ihren Aussagen war ihr Plan, das Bür­gertum durch bauernde Putschmeldun­gen zu verängstigen und dadurch zusmnmenzu- schließen. Wenn man den Augenblick für gekommen hielt, sollte die Regierung durch ein Ultimatum des geeinigten Bürgertums zum Rücktritgezwun- g e n werden. Nach den beschlagnahmten Büchern sinÄ in diesem Jahre bereits 175 000 M für die Zentrale verausgabt worden, die hauptsächlich von Industriellen stammten.

Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsaufbau.

Debatte im Relchswirlschaflsral.

Die vereinigten wirßchastspolilifchen und sozialpoli­tischen Ausschüße bes Rcichswirlschaftsmts begannen bie Aussprache über bie Denkschrift ber Untertommifiion. bie sich mit ber Förberung ber produktiven Erwerbs- l o f en f ü r f o r g e besaßt hat. Die Gegner, an deren Spitze der Abg. Keinath, ber Vertreter des Großhan­dels, steht, wandten sich vor allen Dingen gegen die Fest­

schläge erdulden müßen und hat sich doch immer wieder erholt. Die Hauptsache ist, daß bas Reich Gottes auf Erden bestehen bleibt, und da haben wir die Verhei­ßung, die sich bisher stets bewährt hat: die Pforten ber Hölle werden sie nicht überwältigen. Im übrigen: wie wenig fällt das bißchen Kultur einiger Erbenlän­der ins Gewicht, wenn man die Gesamtentwicklung des unermeßlichen Weltalls auf die Millionen von Jahren in Betracht zieht!

Blickt aufwärts aus ber Trübsal! Der Körper klebt an ter lehmigen Erbe, trotz aller Flugzeuge. Das Auge drängt über die Grenzen unseres Planeten hinaus. Bis in den wirklkichen Himmel des Jenseits freilich nicht; aber doch weit hinein in die Sternenwelt. So fühlte sich die Menschheit als kleines Glied einer ungeheuren Schöpfung. Das soll uns beherrschen und geduldig machen, doch zugleich unser Herz erheben in dem De- wußtsein, daß all bas Gewaltige, was unsere Sinne erkennen und bewundern, vergänglich ist un5 also zu­rücksteht hinter ber unsterblichen Menschenseele, ber eine bef'tre Wett erblühen wirb, wenn der jüngste Tag die sämtlichen Ster.ie mit allem, was darauf ist, die kleine Erde viürlich auch, in bas Nichts zurückgeworfen hat.

Klein ist die Erde, groß ist das Weltall; vergänglich sinb sie allzumal. Größer ist ber Himmel, und er kennt keine »renzen nach Raum und Zeit. Und dort findet bie unsterbliche Seele, was sie hienieden vermissen mußte.

Allerlei Weisheit. Eine freibrennende Gas' flamme verzehrt viermal mehr Sauerstoff aus der Luft als ein Men,ch. Eine Lerche kann bis zu 600 Meter hoch fliegen. Sie ist sthon bei 300 Meter unsichtbar, aber ihren Gesang hört man dennoch. Die Astronomen haben bereits 25 Monde als Begleiter von Planeten entdeckt. Die Erde hat 1 Mond, der Mars 2, der Jupiter 8, der Saturn 9, der Uranus 4, der Neptun 1. Auch die Venus soll, einen Mond haben, doch ist dieser noch nicht ent­deckt. Nur der Merkur hat keinen Mond. Jähr­lich wanderten im Frieden allein aus Preußen durch­schnittlich 60,000 Personen au5. Es ist wissen­schaftlich nachgewiesen, daß die Insel Helgoland immer tiefer in die See hinabsinkt. In Deutsch« and wird im Durchschnitt jede 27. Ehe geschieden, mo.