47. Zahrg
Samstag, 3). Zuli 1920
nr. 175
in Fulda.
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unseren Lieferplan an«
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1536000
64 000
200 000
140 000
60 000
Tonnen Tonnen Tonnen Tonnen Tonnen
Das Lieferungsprogramm der
Mission sieht vor:
aius dem Ruhrrev'ier
aus dem Aachener Revier
aus Oberschlesien
Kölner Braunkohlenbriketts
Wir hoffen, daß die Entente
Unser Lieferplan für August umgerechnet) lautet:
vom Ruhrremer
aus dem Aachener Revier
aus Oberschlesien
Kölner Braunkohlenbriketts mitteldeutsche Braunkohlenbriketts
Wiederherstellungskom-
1 720 000 Tonnen 64 000 Tonnen 80 000 Tonnen
135 000 Tonnen
Bezugspreis: Monatlich 3,00 Alk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 217L Anzeigenpreis: DieKleinz
Um den Abbau der Zwangswirtschaft.
Im Unterausschuß des Reichswirtjchaftsrates für Landwirtschaft und Ernährung, der sich gutachtlich zu dem Regierungsentwurf über die Fleischbewirt- fchaftung zu äußern hatte, wurde am Freitag be-
Dauer unerträglich ist, braucht nicht weite führt zu werden.
Braunkohle, Torf und Holz.
Als wichtigste Ausgabe betrachtet .Herr Siu
Polens Zusammenbruch.
Die Russen suchen vor dem Waffenstillstand noch so weit wie irgend möglich vorzukommen, um ihre Position bei den Verhandlungen möglichst stark zu machen. Auf der ganzen Front haben sie eine umfangreiche und energische neue Angriffsbewegung angesetzt. An der Nordfront stehen starke russische Kavalleriemassen unter dem Oberbefehl eines ehemaligen zaristischen Unteroffiziers Kudsenny unmittelbar an der deutschen Grenze. Suwalki, Augustowo, Offowicz, Grajewo, Lomscha, alle diese bedeutenderen Orte in der Nähe der deutschen Grenze sind in russischer Hand, auch Walystok ist gefallen. Die polnische Front befindet sich in v ö l - ligerAuflösung. Don der Nfemenlinie bis zur Südfront gehen die Polen fluchtartig zurück. Ostgalizien ist in den Händen des Generalgouverneurs der Sowjetrepublik, die Rusten befinden sich in schnellem Vorschreiten auf L e m b e r g.
Unter diesem Zeichen stehen die W a f f e n st i l l- standsverhandlungen, zu denen sich die polnischen Parlamentäre auf der Bahnlinie Brest-Litowsk- Baranowitschi zu den russischen Vorposten begaben.
Der englisch-russische Notenwechsel über die endgültigen Friedensverhandlungen geht unterdessen weiter. England hat nach der Boulogner Besprechung mit Millerand über die Londoner Konferenz folgende'Note an die rufsstche Regierung gesandt:
„Die englische Regierung ist nach Beratungen mit ihren Verbündeten in der Lage, folgende Antwort auf Tschit- scherms Telegramm vom 27. Juli zu senden: Die englische Regierung schlägt unter der Voraussetzung, daß der Abschluß eines W a f f e n st i l l st a n d e s zwischen Sowiet» rußland und Polen bevorsteht, ihren Alliierten vor, an einer in London abzuhaltenden Konferenz, an der auch die Sowjetreaierung vertreten sein wird, teil» zm.ehmen." Weiter heißt es in der Antwort: Die eng» lische Regierung halte dafür, daß, wenn die Beratungen zwischen dm alliierten Regierungen und der Sowjetregie- rung einige Aussicht auf Erfolg haben sollten, die Vertreten Polens und der in Frage kommenden Rand- st a a t e n auch dabei vertreten sein müßten. Hauptzweck der Konferenz solle die Wiederherstellung des Friedens in Europa fein, und zwar in erster Linie zwischen Polen und Rußland, auf Grund von Bedingungen, die die Un - abhängigkeit Polens sicherstellten. Die Konferenz solle auch die schwebenden Fragen zwischen Sowjetrußland und den Randstaaten beraten. Schließlich könnte die Konferenz dazu übergehen, sich mit den zwischen Sowjet» rußland und den Alliierten schwebenden Streit» fragen und der Wiederherstellung normaler Beziehungen zwischen ihnen zu befassen.
Jetzt hat Rußland wieder das Wort!
Ter Abstimmungstag in Oberschlesien.
Wie der Oberschlesische Kurier berichtet, hat die Botschasterkonferenz in Paris sich in ihrer letzten Sitzung dahin ausgesprochen, daß dem polnischen Wunsche, den Abstimmungstag, für Oberschlesien um drei Monate zu verschieben, nicht Folge geleistet wird. Die Bekanntgabe des Abstimmungstermins steht unmittelbar bevor.
Hoffnung auf deutsche Hilfe.
Polen wartet auf die Hilfe der Entente. Aus welchen Wegen allerdings die Ententehilfe kommen, soll, scheint vorläufig nicht ganz klar zu sein. Von einem direkten Durchmarsch von Ententekruppen durch Deutschland wird man wohl angesichts der Haltung der deutschen Regierung kaum Gebrauch machen können. Es bliebe noch die Möglichkeit von Truppentransporten über Danzig, über die baltischen Häfen und eine starke Unterstützung der in der Krim stehenden Wran- ael-Armeen, um durch einen mächtige« Druck von dieser Seite her die Schlagkraft bet russischen Armeen gegen Polen abzuschwächen. Alle diese Wege aber sind sehr weit und würden lange Zeit in Anspruch nehmen, während den Polen augenblickkich geholfen werden müßte, wenn diese hisse noch etwas nützen soll. Schon wird von gewisser englischer Seite, nämlich von Churchill, dem englischen Kriegsminister, die Hoffnung auf deutsche Hilfe ausgesprochen, Deutschland — sagt Churchill — würde im Falle einer polnischen Niederlage vor die Wahl gestellt werden, entweder vom bolschewistischen Chaos sich verschlingen zu lasten, oder einen Deich gegen die Sturmtruppen der roten Barbarei zu bauen.. „Wenn Deutschland imstande wäre, einen solchen Deich zu errichten, so wäre dies ein Schritt vorwärts auf dem Wege, wieder seinen Platz in der Christenheit einruneblNLN
BrennstoMte zu erweitern. Die Aussichten auf Erhöhung der Steinkohlenförderung seien augenblicklich nicht groß, doch die Braunkohlenförderung sei gestiegen. Unsere I n» dustr!e müsse sich aus Braunkohlenfeuerung umstellen. Wichtige Einschränkungen der hierbei hemmen» den Transportbeschränkungen habe der Reichsverkehrsmini, ster zugesagt. Besonders die chemische Industrie Süddeutschlands muffe sich umstellen, da leider gerade Süddeutschland durch die EnteMelieferungen beeinträchtigt werde.
Dann käme eine bessere Erfassung und Verwendung von Torf und Holz in Frage. Wichtig sei dann auch noch die Frage der
Ersparnis an Brennstoffen.
Hier handelt es sich zunächst um durchgehende Revision von Dampf-, Kessel- und Maschinenarrlagen, eventuell käme eine Liefersperre für Firmen mit wenig sparsamen Maschinen und eine Zusammenlegung kleinerer Firmen in Frage. Vor allen Dingen müßte eine stärkere Einschränk u n g des Lichtverbrauchs der Großstädte eintreten. Die Polizeistunde in Berlin sei viel zu lang. Leider habe bei der Ueberwachung der Luxuslokale, der Rummelplätze usw. die Exekutive versagt. Hier muß noch viel schärfer durch- gegriffen werden.
In der hierauf folgen.den lebhaften Diskussion kam der ernsthafte Wille zum Ausdruck, das nun einmal abgeschlossene Abkommen zu erfüllen.
Billigere Braunkohlen.
Am Freitag beriet der Reichskohlenverband mit dem Großausschuh der Reichskohlenrats über die Herabsetzung der Braunkohlenprtise. Beide Körperschaften beschlossen den Preis für das mittel- und ostdeutsche Kohlenrevier bei Briketts um 19 Mk. je Tonne, bei Rohbraunkohle um 9 Mk. pro Tonne berabzusetzen, und für das rheinische Gebiet den Preis für Briketts um 12 Mk., für Rohbraunkohle um 6 Mk. herabzusehen. Hierzu kommen für den Verbraucher noch 20 Prozent der obigen Beträge, welche an Kohlensteuer gespart werden. Der Beschluß bedeutet eine Herabsetzung der Braunkohlenpreise um etwa 12 bis 15 Prozent und stellt einen erheblichen Fortschritt auf dem Wege des allgemeinen Preisabbaues dar.
Die Durchführung des Kohlenabkommens.
Am Donnerstag hielt der große Ausschuß des Reichskohlenrats eine öffentliche Sitzung ab, in der der Reichskohlenkommissar Stutz und der Staatssekretär im Reichswirischaftsministertum, Prof. Hirsch, über die Erfüllung des Kohlenabkommens referierten. Hieran schloß sich eine lebhafte Beratung, in der aus den Kreisen der über hundert versammelten Sachverständigen zahlreiche be» achtenswerte Anregungen gegeben wurden.
Reichskohlenkommissar Stutz teilte in feinem Bericht mit, daß wir nach dem Spaa-Abkommen rund 900 000 Tonnen Kohlen mehr aufzubringen hätten als bisher. Hieraus ergeben sich für unsere Kohlenwirffchast zwei Ausgaben, 1. Aufstellung eines für die restlose Erfüllung Gewähr leistenden Lieferungsplanes und 2. Instandsetzung der deutschen Wirtschaft, diese Kohlen zu entbehren.
Die Lieferungspläne.
Heber den ersten Punkt teilte der Reichskommissar mit:
Schule für Ordnung nud Unterordnung. Er schließt mit dem Wunsch, daß die neue Reichswehr sich der großen Traditionen würdig erweisen möge, die das alte deutsche Heer bewiesen habe; er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß einstmals wiederkommen werde, was wir als ein 60 Millionenvolk im Herzen Europas brauchten, wenn wir leben wollen, nämlich die allgemeine Wehrpflicht. Der
Abg. Leich! von der bayrischen Dolksparlei stimmt dem Gesetz zu, weil wir unter dem Druck des Zwanges handeln müssen und dieser Gesetzentwurf aus einer harten Notwendigkeit geboren ist. Zum Schluß der Debatte nimmt noch
Reichswehrminister Geßler das Wort: Der Gesetzentwurf ist eine Folge des Diktates von Versailles. Seine Durchführung ist hart. Denn der Deuffche hat die allgemeine Wehrpflicht stets als ein sittliches Prim zip angesehen und im gegenwärtigen Völkersystem als ein Paladium unserer Freiheit und Unabhängigkeit. Es war eine Schule treuester Hingabe an Staat und Volk. Er dankt dem hohen Hause, daß man diesen Gedanken- gangen so lebhaft Ausdruck gegeben habe.
Der Gesetzentwurf wird in allen drei Lesungen angenommen.
Daraus folgt die zweite und dritte Beratung des Entwurfs eines Gesetzes betreffend die Verlängerung der Gültigkeit des K oh l en st e u er g es e tz es. Das Gesetz wird nach kurzer Aussprache gegen die Stimmen der sozialistischen Parteien in dritter Lesung angenommen.
Das Haus tritt in die dritte Beratung des Gesetz- entmurfs über die Aushebung der Militärgerichtsbarkeit ein. Auf Antrag der Mehrheitsparteien wird die Miiltärgerichtsbarkeit ausgeschlossen von den Strafverfahren in Kriegszeiten und gegen die an Bord von Kriegsschiffen eingefrfjifften Angehörigen der Reichsmarine. 3m übrigen wird das Gesetz fast unverändert angenommen.
Samstag: Entwaffnungsvorlage, Etatsberatung. Voraussichtlich werden am Montag und Dienstag noch Sitzungen stattfinden müssen.
Deutscher Reich.
** Berlin, 30. Juli. In den Derhandlurrgen über den geplanten Amnestieerlaß sind neuerdings größere Schwierigkeiten aufgetreten. Diese Haden einen solchen Umfang angenommen, daß sie geeignet sind, die ganze Vorlage zu gefährden. Es wird emsig daran gearbeitet, einen annehmbaren Ausgleich herbeizuführen. — Dr. Herbst vom Oberpräsidmm Königsberg ist zum Bevollmächtigten der Provinz Ostpreußen bei der Reichsregierung ernannt worden. — Die bisherige deutsche Botschaft in Wien wird, Blätter- Meldungen zufolge, wegen der Veränderung der politischen Berhältnisse in eine Gesandtschaft urnge» wandelt werden, nachdem der Reichstag feine Zustimmung gegeben haben wird. — Der deutsche Gesandte in Warschau hat die polnische Regierung offiziell von der Neutralitätserklärung Deutschlands im russisch-polnischen Kriege verständigt.
* 40 Milliarden Reschsdesizit. Bei der gestrigen Sitzung des Volkswirtschaftlichen Ausschusies des Reichstages machte Reichsfinanzminister Wirth über die äußerst trostlose Finanzlage des Reiches interessante Mitteilungen. Der Minister rechnet mit einem Fehlbetrag allein bei P o st und Eisenbahn von insgesamt mindestens 20 Milliarden Mark. Hierzu kommen die Fehlbeträge des ordentlichen Etats in Höhe von 4 Milliarden und die des außerordentüchen Etats von 12 Milliarden. Insgesamt wird das laufende Haushaltsjahr mit dem ungeheuren, noch nie dage» wefenenFehlbetrag von mindestens 40 Mil- liarden Mark abschließen.
* Bestechlichkeit in Mrlschaslsämkern. Die demokratische Reichstagsfraktion hat eine kleine Anfrage an die Regie- rung gerichtet über die Bestechlichkeit von Angestellten ht behördlichen Wirtschaftsstellen und in Behörden, die an der Zwangswirtschaft beteiligt sind. Es wird besonders auf £ne
Muß man das dulden?
Im Zusammenhang mit den brutalen Ausschreitungen, die bei den Höchster Farbwerken von erregten* Arbeitermassen gegen die Leitung der Fabrik begangen wurden, richtet die demokratische „Franks. Ztg." eine eindringliche Mahnung an die besonnenen Elemente der Arbeiterschaft. Sie schreibt:
Da die Arbeiterschaft als solche ein Vorgehen wie in Höchst nahezu einmütig ablehnt — gerade in der Erkenntnis der unabsehbaren Konsequenzen für sie und die Allgemeinheit — braucht man auf die Folgen kaum einzugehen. Rur in einer Hinsicht mag sich jeder Arbeiter und jeder, der auf der Seite der Arbeiter steht, bewußt werden, wie diese Gewaltmenschen in der Fad- rik und alle die Ungefestigten, die sich in ihren Tier- instinkten zur Gewalttat mitreißen lassen, gerade die Sache der Arbeiterschaft, der gewerk» lich disziplinierten Arbeiterschaft, verraten und mit Kot bewerfen. Sie vernichten das Ansehen und die Würde ihres eigenen Standes, für die sich gerade ein klaffenbewußter Proletarier vor allen .anderen einzusetzen hätte. Je- doch, eor sind die Anführer bei solchen Taten? Hinterher muß mancher anständige Arbeiter sich schämen, wenn er sieht, welcher Führung er sich für den Augenblick anvertraut hat. Man kann sich mit einem Bedauern nach der Tat durchaus nicht zufrieden geben, sondern man muß verlangen, daß die Arbeiterschaft selbst sich gegen die Frevler in ihren Reihen zur Wehr setzt, aber auch, daß sie die Ursachen erkenne, die zu solchem Unheil führen. Uub da mutz man fragen: warum dulden die Arbeiter, daß man sie täglich ungestraft anlügen kann, warum lassen sie sich von Leuten ausputschen, die an Erfahrung und Einsicht weit unter ihnen stehen, warum kann man ihnen nicht die Wahrheit sagen, ohne von Schlagworten niedergeschrieen zu werden? Und ferner: Führer, die in Massenversammlungen oder Betriebsversamm» langen nichts weiter tun, als mit einem gewissen Schlagwortregister bewaffnet, hetzen und wiederum hetzen, die in widerlicher Weise das Prole. tariat umschmeicheln — und es dennoch verachten, weil sie es für „geeignet" halten für ihr» Zwecke, sie alle können nicht hinterher kommen und sagen: wir haben dies nicht gewollt. Wenn die A r» beiterschaft nicht von innen heraus mit aller Energie diesem Krebsschaden zu Leibe geht, dann müßte- man resigniert die Hoffnung auf eine Besserung unfe- rer Verhältnisse überhaupt aufgeben. Was da in Höchst und anderorts geschehen ist, berührt die Arbeiterschaft aufs tiefste. Nicht daß sie sich — die Feigheit einer solchen Vorgehens erkennend — schützend vor ihre Direktion stelli, ist notwendig, nein, sie müffen erkennen, daß die Rowdyszenen von Höchst feindselige Akte gegen d i e Arbeiters ch a ft selbst fink in materieller und moralischer Hinsicht.
Es gibt überall in Industrieorten Leute, die in Versammlungen „nichts weiter tun, als mit einem gewissen Schlagwortregister bewaffnet, hetzen und wiederum hetzen und 'm widerlicher Weife das Proletariat umschmeicheln." Wenn noch nicht überall die Massen zu Gewalttätigkeiten sich hoben aufreizen lassen wie in Höchst, dann ist dos nicht das Verdienst dieser Leute. Aber was nicht ist, kann noch werden. Es ist an der Zeit, daß die Arbeiter erkennen, wohin sie diese Leute, die nicht Sozialdemokraten, nicht Unabhängige, sondern Umstürzler sind, sie führen. Sie müssen selbst ent- schieden gegen ein solches Treiben Stellung nehmen. Alenn es nicht dahin kommen soll, daß die Rowdies herrschen und das Volk vor ihrem Treiben zittern muß, dann ist bie Ruhe und Ordnung liebende Arbeiterschaft die nächste dazu, das zu verhindern, indem sie sich von solchen „Führern" lossagt und ihnen den Stuhl vor die Tür setzt.
Der ß i e fe r p I a n für August ist fertiggefteUt.
" ' .......~ " d. I. (Koks auf Kohle
nehmen wird, da tiefer eine bessere Verteilung auf die einzelnen Kohlenreviere und damit größere Sicherheit bringt, daß die Lieferungen ausgeführt werden können.
Kürzung des heimischen Kohlenverbravchs.
lieber den zweiten Punkt führte der Referent aus:
Noch wichtiger war bei der Aufstellung des Lieferplanes die Lösung der Frage, welche Verbrauchergruppen zu kürzen seien. Ein kleiner Abstrich ist bei Eisenbahnen vorgenommen, denen im Monat August nur der wirkliche 25ebarf zugeführt werden soll, während die in den Vormonaten eingeleitete Bevorratung für die Herbst- und Wintermonate leider eingestellt werden mußte. Der Hausbrand ist im Monat Mai nur mit 53 v. H. seines knappen Kontingents beliefert worden, kann daher n i ch t m e h r gekürzt werden. Die Gaswerke sind im Frühjahr auf etwa 70 v. H. der Bedarfsanforderungen für das Jahr 1917-18 rationiert. Eine weitere Kürzung ist ebenfalls nicht angängig. Für die Elektrizitätswerke sind die Zufuhren des Monats Mai als Sollieferung für August vorzutragen. Die Ausfuhr ist gegen Mai von 232 000 Tonnen auf 106 000 Tonnen vermindert worden.
Fast die ganze Last der Mehrlieferung. an die Entente muß von der I n du st r i e einschließlich der Hüttenzechen getragen werden. Industrie und Hüttenzechen können im August nur 3 406 000 Tonnen Steinkohle und 487 000 Tonnen Briketts erhallen. Der Abstrich beträgt rund 16 vom Hundert. Dabei bietet der Monat August insofern noch ein günstiges Förderergebnis, als er 26 Arbeitstage, d. d. drei Arbeitstage mehr als der Monat Mai und einen Arbeitstag mehr als der Durchschnitt hat. Daß eine derartige Kürzung für unsere Industrie auf längere
(Colonelmatz) 60 pfg„ u. 10°j» Zuschlag, die Reklame;-...
(Textbreite) 1.80 Ulf., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.
schlossen, den Entwurf, der die Aufhebung bex Fleischkarte vorsah, abzulehnen und die Aus/ Hebung der Zwangswirtschaft erst _ nach einigen Monaten, wenn gewisse Uebergangsmaßnahmen durchgeführt sind, gutzuheißen. Bezüglich der Kartoffel« wirtschaft wurde die Aufhebung der Bewirt, schaftungderHerbstkartoffeln einstimmig beschlossen. Es wurde jedoch an die Aufhebung bet äwangswirtschaft die Bedingung geknüpft, daß die ememden durch Abschluß von Lieferungsverträgen ein Quantum von 35 Millionen Zentnern für dr städtische Bevölkerung sicherzustellen, und daß außerdem Vorsorge für weitere Kartoffelreserven, mit denen etwa eintretende Notstände bekämpft werdet» jönnen, getroffen werde.
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Carl Schutte, u für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda.
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei i _ Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
und die aufrichtige Zusammenarbeit zwischen England. Frankreich und Deutschland, von der Europa wohl Ähängt, zu erleichtern."
Mit anberen Worten, Deutschland, das erst letzthin in Spaa Proben dieser „aufrichtigen Zusammen- arbeit" zu spüren bekommen hat, soll für England und Frankreich und für das der Entente verpflichtete und Deutschland feindliche Polen — alles zusammen Christenheit genormt — die Kastanien aus dem Feuer holen. Deutschland aber hat sich neutral erklärt. Wenn es einen Deich gegen den Bolschewismus bilden kann, so wird es ihn durch eigene Arbeit und im eigenen Interesse bilden. Sich für Polen in einen Krieg mit Rußland stürzen hat es um so weniger Veranlassung als nur ein völliger Frieden mit Rußland mit allen seinen wohltätigen wirtschaftlichen Folgen eines der Lebensinteressen für die deutsche Zukunft ist.
Das Ende der allgemeinen Wehrpflicht.
Sturmszenen gab es gestern im Reich stag, als das Gesetz über die Abschaffung der Wehrpflicht beraten flurbe. Die Leichenreden arteten in heftige Streitereien jus. Die Tote, nämlich die alte deutsche Wehrmacht, Burbe von der einen Seite hoch gepriesen, von der andren Seite beschimpft.
Was ist wahr? Was ist gerecht? Es geht wie bei den meisten anderen Toten, so weit es sich nicht um vellkommen Heilige ober ausgesprochene Verbrecher handelt. Tugenden und Fehler, Vorzüge und Schwä- t($n, Wohltaten und Lasten sind gemischt. Am Grabe soll man nach dem befamnen Sprichwort nur das Gute hervorheben, und das andere mit dem Mantel der Liebe bedeckt lassen. Freilich braucht man eine oer- gehende Einrichtung nicht so zart zu behandeln, wie eine verblichene Person. Doch bei allem Parteieifer sollte man bei Beschimpfung der Vergangenheit immer fragen: Wozu nützt denn diese leidenschaftliche Kritik? Wenn man die Gefühle von Millionen von Mitbürgern kränkt und die bisherigen Zustände im Vaterlande verlästert, so kommt dabei nichts anders heraus, als das Wohlbehagen unserer Gegner.
Besonders schädlich ist es, wenn die „antimilitaristischen" Heißsporne den Ausbruch des Weltkrieges und dessen Unheil der deutschen Wehrmacht zur Last legen wollen. Hätten wir kein starkes Heer gehabt, so wären wir von den lauernden Feinden und Neidern schon viel früher bedrängt und erdrückt worden. Ob wir im Kriege nicht zu viel Wagemut bewiesen und nicht rechtzeitig einen Vergleich gesucht haben, kann dahin gestellt bleiben. Kein Deutscher sollte aber etwas sagen oder tun, was die bösartige Behauptung stützen könnte, das Deutsche Reich sei der Störenfried gewesen, als es in Nibelungentreue für feinen bedrohten Bundesgenossen Oesterreich-Ungarn eintrat.
Das Wortgefecht über die Vergangenheit tarnt nichts ändern an der Notlage in der Gegenwart und der Zwangsroute für die Zukunfi. Der Vertrag von Versailles hat das Todäurtsil über unsere allgemeine Wehrpflicht gesprochen, und das Abkommen von Spaa nötigt uns, auch das Söldnerheer alsbald auf die Hälfte herabzufctzen Daran ist vorläufig nichts zu ändern. Darum sollten wir uns rächt in der rückschauenden Kritik die Köpfe heiß machen, sondern fieber Vorsorge treffen, um die neuen Verhältnisse möglichst erträglich zu machen.
lieber den Verlauf der Reichstagssitzung wird uns berichtet:
Die Freitagsitzung des Reichstages sieht an erster Stelle eine ungemein große Anzahl von Anfragen, im ganzen 41, die den Geschäftsgang des Hauses be- deutend verlangsamen.
Darauf werden ohne Debatte drei Gesetzentwürfe in allen drei Lesungen angenommen, ein Gesetzentwurf Über eine erhöhte Anrechnung der während des Krieges zurückgelegten Dienstzeit, ein Gesetz über den Wiederbeginn und den Ablauf von Fristen vom 3. April als Ergänzungsgesetz und ein Entwurf des Zentrumsabg. Dr. Pfeiffer über die Aen- derung des Paragr. 21, Abf. 2 Nr. 2 des Umsatzsteuergesetzes vom 24. Dez. 1919.
Beim nächsten Punkt der Tagesordnung kommt es zu stürmischen Auseinandersetzungen. Es steht zur Beratung der Entwurf eines Gesetzes betr. die Abschaffung der
all gemeinen Wehrpflicht
und die Regelung der Dauer der Dienstverpflichtung. Der erste Sprecher ist der deutschnationale Abg. General v. Gallwih. Er widmet der Tüchtigkeit des alten Hee. res einen warmen und innigen Nachruf. Dies veranlaßt die Unabhängigen, unter denen • sich besonders Adolf Hoffmann und Ledebour auszeichnen, zu stürmischen Unterbrechungen. Minutenlanger Lärm erfüllt den Sitzungssaal. Unter Mißachtung der Würdigkeit der Ortes wandelt sich das Parlament in eine erregte Volksoersammlungsszene. Die Glocke des Präsidenten übertönt die hitzigen Wortgefechte der an ein» anbergeratenen Volksvertreter. Präsident ßoebe muß die vor der Rednertribüne heftig gestikulierenden Volksboten zweimal auffordern, ihre Plätze einzunehmen. Die Linksradikalen sind nämlich zur Rednertribüne geeilt, wo sie in wildes Johlen und Schimpfen ausbrechen. Ledebour fuchtelt wie ein Besessener mit beiden Armen und schreit aus vollem Halse. Der Lärm dauert minutenlang. Aus den bürgerlichen Fraktionen hagelte es Zwischenrufe zur Linken hinein. Der demo. kratische Abgeordnete Kopsch ruft mit lauter Stimme zu den Sozialdemokraten: „Ein hochverdienter alter General wird im Reichstag beschimpft! Eine solche Schande ist nur in Deutschland möglich!" Endlich kann der Redner seine Rede zu Ende führen. Auf den beut» scheu General folgt sein Widersacher
Dr. Rosenfeld von den Unabhängigen. Er hält eine über alles Maß gehende Anklagerede gegen das alte Heer. Der Militarismus habe uns das Elend gebracht. Die Deutschnationalen und die deutsche Volkspartei mit Ausnahme von 5 Abgeordneten verlassen ostentativ den Saal. Sie wollen diese wütenden Angriffe nicht hören.
Abg. v. fiarborff von der deutschen Volkspartei »er- teibigt dann in einer sehr geschickten Rede die Ehre | unseres alten Heeres, wobei ihm die Rechte eifrig affigiert. Trotz feiner wirklich fachlichen Ausführungen kommt es auch hier wieder zu Lärmszenen der Unabhängigen. Herr v. Kardorfs stimmt namens feiner Freunde dem Gesetzentwurf blutenden Herzens zu als einer unabwendbaren Folge von Versailles und von Spaa. Der demokratische
Abg. Schsicking hebt bas Unrecht hervor, bas darin liege, von uns eine Abrüstung zu verlangen, während senseits der Grenzen noch Millionenheere gehalten wür. den. Er fordert, daß auch die anderen ernsthaft mit der Abrüstung beginnen.
Abg. Breitscheidt (Unabh.) setzt sich des längeren mit Herrn v. Kardorfs und v. Gollwitz auseinander. Für die Mehrheitsfozialisten spricht der Aba. Schöpflin und für die Unabhängigen nochmals Frau Wurm, die einen Antrag der Demokraten auf Einführung eines wirt- schastlichen Dienstpflichtjahres seitens ihrer Freunde ab» fthnt. Der Demokrat Dr. Haas geißelt die Ungerech. tigfeit der Entente, die durch ihren Zwang herbeiführe, daß mitten unter allen Völkern ein Volk leben solle, dos wehrlos fei, während alle anderen in Waffen starrten, so könne es nimmermehr auf Jahrhunderte hinaus bleiben. Denn es fei unerträglich für ein Volk, wie ein Sklave leben zu sollen. Der
Zenttumsabg. Dr. Herschel versichert, daß man die- ' fes Gesetz besser ohne eine Erörterung verabschiedet hatte, denn es löse als eine Folge des Zwangsfriedens hationale Iraner aus. Er bezeichnet das alte Heer als Jine Institution der körperlichen ' Ertüchtigung und der »örperlidjen Gesundung des Volkes sowie als eine