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Bezugspreis: Monatlich Z.0Ü Mk. ohne Zustellgebühr. Zn Futda

Nr. UZ

Donnerstag, 29. ZuU 1920

bei uns abgeholt 3,15 Mk. Anzeigenpreis: DieKleinzeile A"*[ 'Infam (Colonelmatz) 60 Psg„ u. 10"j« Zuschlag, die Reklamezelle » *• J) UIJ l y

(Tertbreite) 1.80 2HL, u. 100/o Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

Ton, und mit bebender

haben schon durch viele gelauert, wie die hung. Leichenschmause kommen.

an die Reikener fallen!"

Er sagte das in grollendem Stimme sprach er weiter:

„Die Reikener Eggenbrechis Generationen auf das Majorat rigen Raben werden sie zum :

Vie perlen -er Eggenbrechis

$] Roman von Alexandra von Bosse.

Aber kein Sattelknopf soll ihnen bleiben, der nicht rechtlich zum Majorate gehört, auch die Perlen nicht! Rein, auch die Perlen nicht!" wiederholte er in hef­tigem Ton, und böse blitzte es in seinen Augen auf.

Er ergriff einen Schlüsselbund, der auf dem Tisch, chen zu seiner Linken lag, suchte einen kleinen seltsam geformten Schlüssel hervor und gab ihn Silvia:

«.Der da öffnet meinen Geldschrank."

daß die Regierung sich in einer Zwangslage befand und zur UnterMchnung schließen mußte.

Diese Zwangslage m , man bedauern, aber man kann sie nicht leugnen. Auch die konservativen Wort- führer haben nicht nachzuweifen vermocht, daß sich etwas Besseres hätte erreichen lassen. Sie sagen frei­lich, man hätte mehr „Würde und nationale Festigkeit" entwickeln müßen. Aber der Reichskanzler hat gegen­über diesen „imposanten" Redewendungen festgestellt, daß dir Regierung durch Trotz nichts anderes hätte er­reichen können, als den Abbruch der Verhandlungen und die Besetzung unseres Ruhrgebietes. Wäre es do- hingekommen, so brauchten wir freilich nicht weiter über ein Dertrauensvotum zu verhandeln, sondern könnte dem Deutschen Reiche die Leichenrede halten.

Um Kopf und Kragen zu spielen, kann sich vielleicht eine verwegene Einzelpersönlichkeit gestatten, die ihre vermeintliche „Würde" höher schätzt, als ihr Leben. Aber die Minister sind verantwortlich für das Leben von sechzig Millionen Volksgenossen, und da müssen sie schon ein Opfer bringen, wenn es gilt, die Zukunft der ganzen Ration zu retten.

Unter den gegenwärtigen Umständen als Vertreter des ohnmächtigen Deutschland mit den Siegern zu ver­handeln, ist eine fürchtersich schwere Aufgabe, für die man keinen Dank erhoffen darf. Wer diesen Dornen­weg beschreitet, sollte wenigstens im Jnlande etwas Verständnis und etwas Schonung bei den untätigen Zuschauern finden.

Dte Vertrauenskundgebung.

Es hätte einen schönen und heilsamen Eindruck im Buke gemacht, wenn sich zum Schluß der Spaa- Debmte die sämtlichen Parteien (abgesehen von den unverbesserlichen Unabhängigen) auf einen gemeinsamen Beschluß geeinigt hätten. Die Mehrheitsparteien mit den Sozialdemokraten haben es getan, die Deutsch- nationalen aber haben sich ausgeschlossen, sogar die Kundgebung des „Bedauerns" beantragt. Die Zustimmung hatte auch den Deutschnationalen möglich sein müssen, denn durch den Mehrheitsantrag wird keine Befriedigung, kein Wohlgefallen an dem Ergebnis von Spaa ausgesprochen, sondern nur die Anerkennung,

künden nachdenklich und fuhr dann mit weicherer Stimme fort: „Setze Dich her, Silvia, ich möchte noch etwas mit Dir besprechen. Es ist mir eingefallen, daß ich Dir noch etwas zu vermachen habe, was ich in mei­nem Testament nicht erwähnte."

Sie zog einen niedrigen Sessel dicht an das Bett heran und er nahm wieder ihre Hand in die feine.

Jetzt, wo Halbdunkel im Raume herrschte, sah er gar nicht s» sehr krank aus. Er war sorgfältig geklei­det und frisch rasiert, er hatte sich zwei Tage zuvor das Haar schneiden lassen, das über der markigen Stirn steil emporstand. Er trug eine dunkelblaue, verschnürte Hausjacke, und um den Hals lag ein weicher, weißer Kragen. Er wollte wenigstens in feinem Aeußeren nicht krank erscheinen.

Sauft streichelte Hang Joachim Silvias Hand, die weich und kühl in seiner lag. Es tat ihm plötzlich leid, daß er Silvia oft schroff und beinahe hart behandelt hatte, wie das einmal in seiner Natur lag, aber ihr gegenüber niemals gerechtfertigt gewesen war. Nie hatte sie versucht oder auch nur gewünscht, seinem Willen entgegenzuhandeln. Jetzt mußte er bewundern, wie tapfer sie sich während der schweren Wochen seines Krankseins gehalten hatte, wie geduldig sie feine Reiz- barkeit ertragen hatte, immer bemüht gewesen war, ihn aufzuheitern oder durch freundliche Worte zu beruhigen.

„Ich danke Dir, daß Du meine Frau wurdest, Sil­via", sagte et leise, „Du hast m:ch sehr glücklich ge­macht."

„Nur ich habe zu danken", murmeUe sie mit erstick- ter Stimme

„Nein" widersprach er. „Du hast mir manches zu vergeben. Ich hätte Dir die fünf Jahre, die ich Dich j mein nennen durste, sehr viel verschönen können, doch ich behtelt Dich hier in der Einsamkeit von 2lbenroicD, weil ich Dich ganz für mich allein haben wollte."

„Ich wollte es nicht anders, ich war glücklich!" oer- sicherte sie, aber er achtete nicht auf ihre Worte, und nachdem er kurze Z.'it geschwiegen, fügte er bewegt hinzu:

„Ich habe Dich über alles geliebt, Silvia, vergiß bas nicht — nie!"

Da legte sie die freie Hand vor das Gesicht und ' meinte lautlos, während ihre Schultern in verhaltenem , Schluchzen erbebten. Ruhig wartete er, bis sie sich, zu । beruhigen schien, bann bat er sie, das elektrische Licht 1 einzuschalten.

„Ich will noch Geschäftliches mit Dir besprechen, und Geschäfte dürfen nicht im Dunkeln abgewickelt wer­ben", sagte er mit einem Versuch zu scherzen.

Als sie seinen Wunsch erfüllt und sich wieder neben ihn gesetzt hatte, begann er in geschäftsmäßigem Ton:

„Da wir leider keinen Sohn haben, fällt Altenwied, als Majorat an die Reikener Eggenbrecht, denn ich bin der Letzte der Altenwiedcr Linie. Du wirft Altenwied verlassen müssen, und ich wünsche, daß Du nach meiner Beisetzung so bald wie möglich nach München über­siedelst, in das Haus auf der Bogenhaufener Höhe, bas mein Privateigentum ist und das ich in meinem Testa- ment Dir vermacht habe. Verstehst Du, ich wünsche es so!" "

Sie neigte zustimmend den Kopf.

„Es ist vollständig möbliert und sehr gut emgerich- tet, wie Du weißt", fuhr er fort. „Mein Vater baute es für meine Mutter, die eine sehr verwöhnte Dame war und im Winter lieber in der Stadt lebte. Ich habe auch Privatoermögen, bas Dir und Ursel ge­hören wird, und auf Altenwied ist auch noch Verschie­denes, bas nicht zum Majoratsgut wird gerechnet wer­den können. Leo Branding, den ich zum Testaments­vollstrecker ernannt habe, wird die ganze Crbregulie- rung besorgen. Ich weiß, daß ich mich vollkommen aus ihn verlassen kann, und ich bitte Dich, ihm volles Vertrauen entgegenzubringen."

Silvia neigte wieder zustimmend den Kopf, und er fuhr fort:

„Ich verfaßte mein Testament kurz nach Ursels Ge- burt, zu einer Zeit, wo ich weiß Gott nicht ans Sterben dachte darum habe ich darin auch nicht über die Perlen bestimmt Diese Perlen gehören mir, sie sollen nicht

Die Boulogner Besprechung.

Die fo plötzlich eingeschaltete Besprechung zwischen M i l l e r a n d und Lloyd George in Boulogne über die zur Lösung drängenden Ostfragen hat knapp einen Tag gedauert. Dienstag vormittag kamen die Minister an, abends um 6 Uhr reiften sie bereits wieder nach London und Paris ab.

Es handelt sich hier in erster Linie um die Vor- befprechung der L o n d o n e r Konferenz, auf der die gesamten Ostfragen erledigt und der polnisch-rus­sische Friede geschlossen werden sollen. Sowjetruß­land, Polen sowie sämtliche russischen Randstaaten und die Entente-Großmächte sollen dort vertreten sein, man würde auch gern die Vertreter der Vereinigten Staa­ten sehen, vielleicht wird auch Deutschland hinzugezogen werden, hierfür soll in England Stimmung sein.

Heber das Ergebnis der Boulogner Verhandlungen wird durch Havas gemeldet, daß man eine Rote an Rußland senden will, wonach die Alliierten an der von den Bolschewisten gewünschten Konferenz in London teilnehmen werden, wenn die Russen gewisse Bedin­gungen bete. Polen annehmen. Millerand formulieren, von ihrer Annahme durch die Russön^ange die Konferenz ab. Bis zur Annahme der Bedingungen würden die Verhandlungen zwischen England und Ruß­land unterbrochen.

Man hat ferner in Boulogne über die Regelung der Deutschland für seine Kohlenlieferun-- g e n zu leistenden Vorschüsse gebrochen und auch hierüber der Wiederheesteltungskomnu.'sion die Aufsicht gegeben. Die Vorschüsse sollen nach einer Havasmittei- lung folgendermaßen geregell werden:

Deutschlmch soll am 1. September 1920 der Wieder- herstellungskommsssion Schatzscheine im Werte von 60 Millionen Goldmark mit dem Verfalltag des 1. Mai 1921 und einem jährlichen Zinsfuß von sechs Prozent übergeben. Rach dem 1. September 1920, je nach den erfolgten Koh- lenliefcnmgen wird Deutschland ähnliche Schatzscheine nach Maßgabe der Vorschüsse übergeben. Die Vorschüsse wer­den natürlich den Lieferungen angepaßt werden.

Die WiederherstellMgskommission kann sich die diesen Schatzscheinen entsprechenden Beträge durch Verkauf ober Flüssigmachung mit ober ohne Indossement an die inter­essierten Mächte verschassen. Um den Detmg der zu ge­währenden Vorschüsse rascher festzustellen, kann die Kom» mission provisorisch die Quote der monatlich an Deutfch-

essen biene. Sie schließt mit einer Begrüßungs­rede für den Bolschewismus, der an den Oren- zen Deutschlands halte. Umso bedauerlicher sei es, wenn die Sozialdemokraten eine ihm feindliche Haltung einnähmen.

Abg. Hergl (Dnatl.) klagte, daß die deutsche Volks­partei, mit der die deutschnationale bis vor wenigen Monaten in nationalen Fragen einig gewesen sei, heute über die nationale Würde nicht mehr so peinlich dächte wie ehemals. (Großer Lärm bei der D. Dpt., Rufe: Unerhört!) Die Delegation habe in Spaa die Nerven verloren, sie sei gewissermaßen kochend nach Spaa gegangen und habe sich sehr schnell abgekühlt. Man habe nur unter dem Eindruck der Bajonette ge­handelt. Hätten wir nicht unterzeichnet, so hätte der Einmarsch ins Ruhrgebiet einen Rechtsbruch bärge- stellt, der uns in den Augen der Welt zugute gekommen märe. Jedenfalls sei die Unterzeichnung keine nationale Tat gewesen.

Vizekanzler Heinze: Wir mußten unter allen Umstän­den damit rechnen, wenn bas Abkommen nicht zustande kam, daß der Einmarsch zur Tatsache wurde und die deutsche Wirlschast vollständig zusammenbrach. Gewiß, die Drohung besteht weiter. Aber wenn uns mit der Vernichtung un­serer Wirtschaft gedroht wird, möchte ich den Mann sehen, der bei Sinnen ist und,der sagt, lieber heute als morgen. (Lebhafte Zustimmung bei der Mehcheit.) Solange wir irgend dir Möglichkeit haben, den Einmarsch zu verhindern, ist es Pflicht cim\ verantwortungsvollen Regierung, bas zu tun (erneuter Beifall), und wir wollen hoffen, daß wir den Einmarsch verhindern können. Mit Sicherheit steht et keineswegs bevor. Er kann vielleicht erfolgen. Aber dieses vielleicht wiegt sehr viel für die Zukunft un­seres Volkes. Auf Grund dieser UÜberlegung hat die Re­gierung sich schweren Herzens entschlossen, auf die Bedin- düngen von Spaa einzugehen.

Neichsmlnlsler Dr. Simons: Abg. Hergt hat uns nicht den Rücken gestärkt, sondern sst uns in den Rücken gefallen. Wir haben eine Verschlechterung der Friedensbedingungen nicht angenommen, sondern wir haben dagegen angekämpft. Meine Ausführungen über Sowjet-Ruß­land sind verschiedentlich angegriffen worden. Ich habe nur gesagt: „Ich halte Tschffscherin für viel zu klug, als daß er die Absicht habe, Deutschland mit Krieg zu über­ziehen, weil er die deutsche Wirtschaft unbedingt nötig hat, um die russische Wirtschaft wieder aufzurichten. Ich gehe allerdings nicht so weit zu behaupten, daß Rußland ledig­lich em Chaos ist. Ich sage: In Rußland ist ein ftetiger Aufbau im Gange, und zwn Beweise dafür habe ich angeführt, was dort für die Krastgewinnung schon getan worden ist. Rußland ist so groß, daß es keinen Unterschied macht, wenn Mittellungen norfiegen, daß nicht überall ein Arffbau stattfindet. Ich bin immer gegen die ausgetreten, welche die Gegner unterschätzen. Deutsch­lands Politik geht zur Zeit aus einem schmalen, vereisten Grat. Jeder Fehltritt kann uns in den AbgruNd bringen. Unter diesen Umständen werden Sie es nicht verübeln, wenn ich in der auswärtigen Politik die Augen etwas ein« seifig auf das Ausland gerichtet halte und vielleicht den Ton verpasse, der mich erfüllen würde, wenn ich stärker auf das Ausland sähe. Es geschieht dos im Uebennaß von Sorge für die deutschen Geschicke. Wir haben eine feste Stellung gegenüber der Entente und gegenüber Ruß­land nötig. Des fehlt. Darin liegt kein Vorwurf gegen die bisherige Rerierung. Ich halte es für falsch, daß wir gegenüber den Friedensforderungen der Entente den Stand- punkt vertreten haben: Dieser Friede ist unmöglich und unausführbar. Umgekehrt, der Friede muß ausgeführt werden, gerade wenn wir ihn ausführen, werden mir mer­ken, wo er unausführbar ist. Die Gefahr, die in dem geistigen Einfluß eines Nachbarvolkes liegt, kann man nicht durch Kreuzzüge in dieses Land bannen, sondern nur dadurch, daß man durch eigene fleißige Arbeit der Gefahr zunächst bei sich selber begegnet Das ist mehre Politik gegenüber Rußland. Wir rechnen damit, daß in den Säu­bern, die uns bisher feindlich waren, die Elemente all­mählich emporkommen, die uns gestatten werden, in anderer Weise zu verhandeln als jetzt in Spaa. Der Tag dazu wird kommen. Ich werden keinen Schritt empfehlen, der uns den Leuten aufdrängt: sie werden uns selbst kommen müssen, weis sie sehen, daß ohne Deutschland der Aufbau Europas unmöglich ist. (Lebh. Beifall.)

Die Debatte schließt. Der Antrag der Deutschnationalen, der der Regierung das Bedauem über ihre Unterzeichnung ausspricht, wird abgelehnt. Der Antrag der M ehr- beitsparteien, der die Gründe der Regierung für ihr Verhalten in Spaa billigt, wird gegen die Deutsch nationalen und Unabhängigen atfgenommen.

Außerdem haben die Unabhängigen einen Antrag auf sofortige Sozialisierung der Kohlenbe­triebe eingebracht.

Minister Dr. Simons erklärt den Antrag, so sym- pachffch er für die Regierung auch sei, für zurzeit als undurchführbar-, da er in die Abmachungen mit der Entente störend eingreisen könnte.

Abg. Ledebour (Unabh.) meint, das sei nicht zu be­fürchten.

Der Antrag der Unabhängigen wird abgelehnt.

Es folgt eine Interpellation der Mehrheitsparteien roegeu der

Abtretung des Weichfelufer st reifens.

Abg. Fleischer (Ztr.) begründet die Interpellation und erklärt, nach den ihm zuteil gewordenen Informationen aus Paris habe die Entente trotz des glänzenden deutschen Ab­stimmungssieges im Osten fünf Gemeinden Und einen Streifen Land an der Weichsel Polen zu- gesprochen. (Allgemeiner Protest.) Das sei eine Ver­letzung der Verträge und gebe Grund, die Revision des gesamten Friritensvertrages zu verlangen. Ostpreußen fei der Zutritt zur Weichsel im Friedensvertrag zugesichert. Hier werde eine Kette unaufhörlicher KonfiiÄe geschaffen. Er erwarte schärfsten Protest m Paris. Die Entente dürfe ihren eigenen Frieden nicht sabotieren. (Bravo!)

Minister Dr. Simons: Es gibt nur eine Lösung, nämlich die Zuteilung des gefamten Gebietes an das Deutsche Reich. Nach einer Meldung soll allerdings der Oberste Rat bereits die Entscheidung gefällt haben, wonach ine Häsen von Marienwerder und Kurzebrack sow.e fünf Orte an Polen gegeben und so eine Art Brückenkopf aus dem rechten Weichselufer gebildet werden soll. Es fällt mir schwer zu glauben, daß der Oberste Rat in Paris einen solchen Beschluß gefaßt hat, der die Vertragsbestimmungen so völlig außer Kraft setzt und der geographischen und wirt- schaftlichen Zugehörigkeit der Bevölkerung keinerlei Rech­nung trägt. In der Bevölkenmg der Weichselniederung ist über die Pläne der Polen ein Sturm der Entrüstung ausgebrochen. Das Auswärtige Amt hat alle möglichen Schritte getan, um diese Vergewaltigung zu verhindern. Sollte sich die Meldung bestätigen, so erhebe ich nach­drücklich Protest. (Lebh. Beifall.) Das deutsche Volk wird einen solck^n Spruch nicht anerkennen.

Abg. Schulz Bromberg (Dnat. Vp.) Hände weg von der Weichsel, muß die Losung heißen. Die Regierung muß der Entente klar machen, daß es hier kein Diktat gibt.

Abg. Pohlman» (Dem.) Die Abtrennung würde dem Friedensvertrag aufs Schärfte widersprechen. ES gibt in dieser Frage keine Uneinigkeit im Reichstage.

• Abg. Everling (D. Vpt.) Nach dem Abftimmungs- ergebnis sollte man sich in Paris, London und Washing­ton geschämt haben, daß man in einem so kerndeutschen Land überhaupt noch eine Abstimmung vornehmen ließ. Sollte man dennoch zu einem nyten Rechtsbruch schreiten, so erinnere ich an daS Naturgesetz in der Geisteswelt: Irrt Euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten.

Abg. Ledebour (Unabh.) Auch wir würden den Versuch, nachträglich noch deutsches Gebiet für Polen abzutrennen, alö eine Verletzung des von der Entente proklamierten Selbstbestimmungsrechtes der Völker auf­fassen.. Warnen möchte ich davor, wie eS Herr Schultz tut, die deutsche Bevölkerung dieser Gebiete zu gewalt- samen Widerständen aufzufordern. Man würde nur unglückliche Menschen ins Verderben schicken.

Abg. Schultz-lveftpreutzrn (Soz.) Eine solche Der- letzung des Friedensveriraa-s betrachten auch wir als ungeheuerlich und bitten, jedes Mittel dagegen zu er­greifen. (Beifall.)

Donnerstag. Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit, Nachtrag zum Notetat.

Nun wies er sie an, wie sie zu verfahren habe, den Geheimverschluß zu öffnen, wiederholte es, bis sie ver­standen zu haben schien, dann befahl er:

„Jetzt öffne den Schrank! Du wirst in dem unteren Raum eine große Schatulle finden, die bringe mir her."

Während Silvia hinter ihm vor dem großen Geld­schrank stand und sich bemühte, ihn zu öffnen, gab er ihr weitere Anweisungen, wurde ungeduldig, bis er an dem eigentümlich saugenden Ton hörte, daß die schwere Stahltür sich öffnete. Nun zog Silvia die Schatulle hervor, und er vernahm ihre schweren Atemzüge, als sie den gewichtigen Kasten emporhob.

„Hier, neben mich auf den Stuhl!" befahl er, und auf atm en b setzte sie den Kasten nieder.

Achim schloß selbst auf und als. der Deckel zurück, schlug, zeigte es sich, daß der Kasten angefüllt war mit von Leder ober Samt überzogenen Kästchen von ver­schiedener Form und Größe. Sie enthielten den wert­vollen Familienschmuck der Eggenbrechts. Achim wählte rasch eine flache runde Schachtel, die mit weißem Samt überzogen war, und als er sie geöffnet, sah Silvia darin eine wundervolle Perlenschnur, die gleich einer gleißenden Schlange zusammengeringelt auf weißem Atlas ruhte.

Achim nahm die Perlenschnur heraus und sieh die mattglänzenden Kugeln langsam durch die Finger glei­ten, dabei sagte er in bestimmtem Ton:

„Diese Perlen sollen Dir gehören!"

„So gehören sie nicht zum Familtenschmuck?" fügte sie

„Nein", erwiderte er, „die Perlen stammen von mei­ner Urgroßmutter, die eine Spanierin war, sie gehören von Rechtswegen mir als Privateigentum, obgleich mehr Vater sie in der Liste des Familienfchmucks angeführt hat: er hat wohl feine Gründe dafür gehabt. Aber nun habe ich allein das Recht darüber zu verfügen, und ich werde sie aus der Liste wieder streichen. Die Per­len sollen nicht Erbgut der Reikener Eggenbrechts wer­den, Darum schenke ich sie Dir, Silvia!"

Er hielt ihr die kostbare, schimmernde Schnur ent­gegen, aber Silvia wagte nicht, sie zu ergreifen.

„So nimm sie doch!" gebot er ungeduldig. „Ich schenke Dir hiermit diese Perlen ausdrücklich! Lege sie gleich an - tue es - bitte — gleich!"

Silvia gehorchte zögernd, nachdem sie ihr Kleid am Hals ein wenig geöffnet hatte. Wie lebendige kleine, katte Tiere berührten die Perlen ihre Haut, und sie er»

Deutscher Reichstag.

Der Mittwoch brachte den Schluß der Spaa- I Debatte. Es lagen zwei Anträge vor, ein deuffch. M nationaler, der die Haltung der Spaa-Delegation stark I mißbilligt, und der gestern schon mitgeteitte Antrag I fer Regierungsparteien gemeinsam mit den Soziolde. I mefraten, der die Haltung der Delegation billigt. — I jif? erster Redner tritt bet

Abg. Dr. Strefemann (D. Vp.) auf. Man hatte I feinen Ausführungen mit Spannung entgegengesehen, I »eil gerade die deutsche Volkspartei über die Rede des I Außenministers sich verschnupft zeigte. Allein was er I wirklich kritisch über die Leistungen unserer Delegation I r,Crgebra.1it bat, war noch ziemlich gnädig. Er wandte I sich in seinen Anklagen mit Recht mehr gegen die U tzntente als gegen unser eigenes Kabinett und kam am I Schluß und nach Abweisung der deutschnationalen I [Übertreibungen zu dem Ergebnis, daß Dr. Simons 1 paar feinen Erfolg in Spaa errungen, jedoch unter I Berücksichtigung der schwierigen Verhältnisse sein Bestes I getan habe. Die Kritik der Volkspartei bedeute alfo | (ein Mißtrauen gegen bas Kabinett, vielmehr werbe Mdie Partei Die Regierung unterstützen. An der Rede | de« Außenministers hatte er allerdings verschiedenes | au?' 'setzen. Sie war, sagte er, zu sehr auf die Psy. Mchö'oqie s Auslandes eingestellt und ließ die Empfind- Mtichkeiten im Inland außer Acht. In der Flaggenfrage I t: -et wir zu viel des Guten getan. Der Sieger könne W'Ijkl'mrwürdig sein, der Unterlegene darf es nicht. Zu- I fiähaltung und Kargheit in Liebenswürdigkeiten sei Wie beste Politik gegenüber dem Auslände. Die Cnt- I smdung eines französischen Gesandten nach München I sei eine Provokation, gegen die der Außenminister viel I schärfer hätte auftreten müssen. Die Worte des Mini- I fters über Rußland hätten ihn uns außerordentlich be. I fremdet. Redner schildert die Zustände im heutigen I Rußland. Der Außenminister wollte sicher nicht den I Eindruck erwecken, als sähe er in Rußland die roieber- I aufbauende Arbeit eines Landes, das zu Wohlstand I und Ordnung kommt.

Abg. Dr. Haußmann (Dem.) stimmt dem Urteil Dr. I Amons' über Spaa zu und protestiert als Süddeut- I scher energisch gegen die gänzliche Wehrlosmachung I Deutschlands. Doch hier erzwangen entscheidende I ®rünhe, deren Wichtigkeit er anerkenne, die deutsche I Unterschrift. Er polemisiert weiter gegen die Unab- I hängigen und die Deutschnationalen, deren Außenpolitik I schädlich für Deutschland sei.

Abg. Böhm (Bayr. Volksp.) erkennt an, daß sich der | Minister des Aeußeren in Spaa sehr geschickt benom- I ir.cn habe, und daß trotz aller Bemühungen doch nicht I mehr zu erreichen war. Andererseits gebe er aber zu, I daß in Spaa die Zugeständnisse das Maß dessen über- I schritten haben, was tatsächlich geleistet werden könne. I Speziell Bayern habe unter dem Kohlenabkommen sehr | zu leiden. Dabei herrsche schon jetzt dort große Ar- I deitslosigkeit auf industriellem Gebiet. In der Ange. I legenheit des französischen Gesandten in München habe I sich die bayrische Regierung korrekt und dem Reichs- I gsdanken getreu erwiesen. • Die bayrische Einwohner- I mehr trage absolut keinen militärischen Charakter.

Abg. Frau Jelkin (Komm.) begrüßt die Erfolge der U bolschewistischen Armee gegen den Imperialismus Po- I Ims. Sie ruft alle Kommunisten und Sozialisten der I Welt zur Dritten Internationale auf, um im Sinne der I Weltreoolution den Kapitalismus und Imperialismus I zu stürzen.

Hiermit haben sich alle Parteien ausgesprochen, und I es müßte nach dem getroffenen Abkommen zur Abstim- I mung kommen. Nun aber besteigt nochmals ein So- I zialdemokrat, Der frühere Reichskanzler

Abg. Hermann Müller, die Tribüne, um die Frak- I Iwn gegen die im Laufe der Debatte laut gewordenen 1 Sermürfe zu verteidigen. Die optimistische Auffassung I Dr. Simons über die russischen Zustände teile er nicht, I tr könne auch nicht an den russischen Sozialismus glau« I den.

Abg. Frl. Tony Sender (Unabh.) wendet sich gegen I politische Schlagworte, die genau so leichtfertig seien I ®ie zu jenen Zeiten, als uns die imperialistische Poli- I M in den Krieg gejagt habe. Das Gerede von Deutsch- I lonbs Versklavung sei nur Gerede. Stinnes und Ge- I "offen würden sich schon rechtzeitig mit der Entente I verständigen. Die Rednerin verlangt die Sozialisierung I oer Kohlenbergwerke, damit die Arbeiterschaft die Ge. U "ißheit habe, daß sie nicht privatkapitalistischen Inter­

Verantwortlich für den redattionellen Teil: Earl Schütte, " für die Anzeigen: I. P arze l I er-FuIda. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fu Ibaer Zeitung

„Aber Achim — wie kannst Du denken . . ."

„Es wäre ja nur natürlich," murmelte er.

„Ich liebe Dich mehr als je, feit ich Dich pflege," ■ ^sicherte sie mit schimmernden Augen, und sie glaubte, ®°5 sie sagte, denn sie empfand unsagbares M tleid für jMen starken Mann, der wie ein gefällter Baum vor >hr lag.

„Du wirst Dich später an mich immer nur als an ; Elen kranken Mann erinnern, nicht gern an mich zu- i Eckdenken", grollte er.

»Was quälst Du Dich mit solchen trüben Gedanken", Me sie weich und ftreicfjelte sanft seine Hand, die ihre "echte fast schmerzhaft preßte.

„Die Gedanken quälten mich, ich rufe sie nicht", Murmelte er dumpf.

i „Soll ich Dir Ursel bringen?* fragte sie. „Du hast tas Kind heute noch nicht gesehen."

i Hans Joachim liebte sein kleines Töchterchen zärt- «ch. aber nun mußte er immer daran denken, wie o?llde es war, daß Ursel nicht ein Junge geworden joor. Darum mußten nach seinem Tode Silvia und ™ Kind Altenwied verlassen.

3n Gedanken an sein Töchterchen fuhr Hans l«ochim fort:

»Sobald ich tot bin, Silvia, wirst Du Altenwied troffen müssen und die Reikener Eggenbrechts werden ’lct die Herren werden."

„Ach, sprich nicht fo", bat sie leise, aber er fuhr in Wen trüben Betrachtungen fort:

»Cs wird nicht mehr lange Dauern ... gut für Hch, wenn es nicht zu lange Dauert . . ." f »Achim . . .!"

Cr lachte kurz auf.

„Machen wir uns gegenseitig nichts vor, Silvia! A sterbe! Ich habe keine Schmerzen mehr, aber ich J*Ne, wie der Tod langsam an mir heraufkriecht, und pR* wird er mein Herz erreichen."

L®ie schwieg, um nicht in Tränen auszubrechen, Mite die Zähne fest aufeinander, sich zu beherrschen, 5*1” er sah, wie sie kämpfte.

. »Weine jetzt nicht", sagte er hart, „Du kannst Das Wter, wenn . . er brach ab,1 schwieg einige Se-