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aerZettung

47. Zahrg

Mittwoch, 28. Zutt »920

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zu

Sie neue Friedenskonferenz.

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Knechte

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Ausführung der übernommenen Verpflichtungen unterstützen."

Die Männer wechselten verstohlen besorgte Blicke: ein einfocher Beinbruch war das nicht, das erkannte jeder von ihnen, doch keiner wagte seine Meinung zu äußern. Langsam bewegte sich der Zug mit der Trag­bahre dem Gutshose zu.

Noch nichts von dem Geschehenen ahnend, erwartete indessen Silvia Eggetibrecht ihren Mann am Teetisch. Das Wasser brodelte bereits im silbernen Kessel, und aufmerksam horchte Silvia auf, als sie dos Klappern von Pferdehufen auf dem Pflaster des Hofes hörte. Das mußte Achim sein.

Prüfend überflog der Blick der blaugrauen Augen den Tisch, auf dem alles bereit stand, den ermüdeten Gutsherrn zu erquicken: Feinbelegte Brotschnittchen, süße Keks, kräftige Napfkuchen und Honig. Silvia stellte fest, daß nichts fehlte, dann ließ sie das kochende Wasier über die duftenden Teeblätter in die Kanne sprudeln» Noch war sie damit beschäftigt, als der alte Diener An­ton hereinkam und mit seiner tonlosen Stimme sagte:

„Frau Baronin, es wird doch nicht ein Unglück ge­

braute die Riesengestalt des Freiherrn nicht hoch, war, als hingen schwere Gewichte an den Deinen Derunglückten, und mit scheuer Frage sahen Herr Diener einander in die Augen.

„Kreuz gebrochen?" fragte Eggenbrecht leise.

mutmaßte

Silvia sein, sonst

Silvia

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Man muß weit zurückgehen, um eine Mrffsterrevr zu finden, die bei den Parteien ähnliches Aufsehen ge­macht hat, wie die Rede des Außenministers S i m o ns

Ufer, schüttelte sich und trabte dann langsam über die Wiesen dem Gutshofe zu, wo die buntbelaubten Park» bäume und das graue Schieferdach des Schlosses über die roten Dächer der Wirtschaftsgebäude emporlugten.

Hans Joachim von Eggenbrecht lag mit dem Unter­körper im Wasier, mit dem Oberkörper im Lehm der Uferböschung und machte vergebliche Anstrengungen, sich aus seiner mißlichen Lage zu befreien.

„Was liegt denn so schwer auf meinen Seinen?" fragte er den Reitknecht, der in das Wasser hineinge. watet war, seinem Herrn zu helfen. Mathias griff ihm unter die Arme, aber vergebens war feine Mühe, er

Großmächte die Hcmd im Spiele behalten Das würde sich kaum vermeiden lasten, da eine dauerhafte Beruhi­gung im Osten nicht möglich erscheint, wenn die mäch­tigen Regierungen von Frankreich oder England sich mit der neuen Ordnung der Dinge nicht abfinden woll­ten.

Die geplante Konferenz in London unterscheidet sich schon wesentlich von der Vorbereitung des Friedens­vertrages von Derfaflles, bei besten Entwurf das ge­schlagene Deutschland gar nicht zugezogen war und nur hercmzitiert wurde, um das unabänderliche Dik­tat zu unterschreiben nach der Parole: Vogel, friß ober stirb! Die Polen und die Russen dagegen werden zu wirklichen Verhandlungen eingeladen; sie sollen also gehört werden, ehe das entscheiderrde Wort ^ge­sprochen wird. Das geschlagene Polen wird gnädig behandelt als Schoßkind der Entente, und Sowjet»

„Nein, Herr Baron, so arg wird es ja net gleich sein," murmelte Mathias.

„Laß mich liegen, hol' Hilfe!" befahl Eggenbrecht, und schon wollte Mathias gehorchen, als er den alten Inspektor Timmer, gefolgt von einigen Knechten, vom Gutshof herbeieilen sah, wo das ledig heimgekehrte Pferd die Leute alarmiert hatte. Mathias winkte ihnen mit beiden Armen, sich zu beeilen, schnell liefen sie herzu und umstanden nun mit erschrockenen Gesichtern den Verunglückten.

„Mein Gott, Herr Baron, wie ist das nur postiert?" rief Inspektor Timmer aus.

„Fragt nicht lange, helft mir hier 'raus!" befahl Eggenbrecht kurz.

Kräftige Knechtfäuste griffen nun zu, hoben ihn aus dem Master und betteten ihn zunächst auf das kurze Gras der Bachwiefe, dann liefen zwei Leute nach dem Hof zurück, eine Tragbahre zu holen, wie es Timmer leife befohlen, als er gesehen hatte, daß die Beine des Gestürzten wie tote Gegenstände am Körper hingxn.

Eggenbrecht hatte dumpf auigestöhnt, als die Leute i^n'aus dem Bach hoben, jetzt lag er stumm und blickte starr zum Himmel auf, während feine starken Zähne heftig die Unterlippe bearbeiteten. Dann kamen die Knechte laufend mit einer hölzernen Futtertrage zurück, wieder hoben sie die Riesengestalt des Freiherrn em­por und betteten ihn behutsam auf die Trage, und wie­der entrang sich den Lippen des Herrn ein verbissenes

schehen sein? Dem Herrn Baron sein Brauner terlos heimgekommen."

„Titus — reiterlos heimgekommen?" fragte cken Silvia und erhob sich.

„Jawohl! Der Herr Inspektor und einige

Anton.

nickte mechanisch: Jo, das mußte es wohl würde man doch keine Tragbahre brauchen, eilte selbst durch den Gartensaal, über die

Veranda und durch den Park auf die Felder hinaus. Sie wußte, wo heute gearbeitet worden war und wo allo das Unglück geschehen fein mußte. Als sie die Brücke erreichte, die unweit des Parkes den Bach über­spannte, kamen ihr schon die Männer mit der Trag­bahre entgegen. Nebenher ging der Inspektor Timmer, und sein wetterbraunes, hageres Gesicht sah ganz kum­mervoll aus.

sind schon aufs Feld hinaus, um nachzufchau'n."

Eilige Schritte, die sich im Hofe vernehmen ließen, veranlaßten Herrin und Diener, ans Fenster zu treten, und da sahen sie, wie zwei Knechte mit einer Tragbahre eilig aus dem Hofe liefen.

„Mein Gott!" stieß Silvia aus und starrte für Augenblicke ganz fassungslos den beiden Männern nach.

„Vielleicht hat der Herr Baron ein Dein gebrochen,"

. Ich Habs die besten Hoffnungen bezüglich Friedens. FriÄe ist das, was die Welt braucht."

So soll Äoyd George im englischen Unterhause ge­sagt haben. Möge er dos ssinige tun, um der Welt endlich das zu geben, was sie bisher trotz Versailles, San Remo und Spaa vergebens ersehnt.

Uebcr den W a s f e n st i l l st a n d im Osten wird zwischen Rußland und Polen an Ort und Stelle in Daronowitschi verhandelt. Der Friedensvertrag soll in London beraten werden, damit die westlichen

Unwillkürlich verhielten die Knechte den Schritt, als sie die junge Herrin erblickten, und so konnte sie ar$ die Bahre herantreten.

„Achim . . .!"

Sie ergriff feine Rechte, die eiskalt war, und blickte in sein unter der Sonnenbräune graubleich gewordenes Gesicht.

„Was ist es, Achim? Hast Du ein Bein gebrochen?" fragte sie ganz atemlos.

„Wahrscheinlich beide Deine," erwiderte er mit grim­migem Lächeln, dann befahl er: „Vorwärts, Leute'"

Seine Stimme klang so kräftig wie sonst und so rauh, wie sie immer war, wenn er etwas befahl; schleu­nigst setzten die Knechte ihren Weg fort. Silvia ging nebenher, und ihre Augen suchten des Inspektors Blick, ihn stumm zu fragen, was denn eigentlich geschehen sei; aber er vermied es, sie anzusehen.

So wurde Hans Joachim von Eggenbrecht in fein Haus getragen, das er auf eigenen Füßen nicht wieder verlasien sollte.

Zweites Kapitel.

Das große Herrenzimmer im Schlöße Altenwisd war zur Krankenstube geworden, denn Eggenbrecht hatte dort zu liegen gewünscht. Sechs Wochen lag er nun bereits auf feinem Schmerzenslager und erst vor drei Tagen hatten ihn die Aerzte aus dem qualvollen Streck­bett befreit. Seitdem wußte Hans Joachim, daß er sterben mußte.

Es war dämmerig im Gemach, die Sonne ging farb­los hinter grauen Wolkenbänken nieder, ein trübkalter Oktobertag neigte sich feinem Ende zu. Eggenbrecht lag auf einem breiten Ruhebett, das mitten im Zimmer oufgefteUt worden war. Neben ihm rechts und links auf kleinen Tischchen stand alles, was er brauchte, in für ihn greifbarer Nähe. Er lag stumm und starrte mir gefalteten Händen vor sich hin.

Silvia hatte ihm bis vor einer halben Stunde auf feinen Wunsch aus der Zeitung vorgelesen, aber plötzlich hatte ihn alles, was sie las, aufgebracht. Was ging es ihn noch an? — Er hatte sie mit rauhen Worten verstummen gemacht und von seinem Lager fortge- scheucht, dennoch wollte er nicht, daß sie das 3 mmer verließ. Nun saß sie am Fenste?, hielt eine Handarbeit im Schoß, arbeitete jedoch nicht daran, sondern blickte müde aus dem Fenster,

Che noch der erschrocken^ Reitknecht herangekommen ®Qr’ hatte das Pferd sich wieder emporgeschnellt, flet- von der Last seines Reiters'befreit, wieder ans j Stöhnen.

rechts), daß Sie behaupten, wir hätten das Recht zum Einmarsch anerkannt. Ob die Forderungen erfüllbar sind, darüber kann man verschiedener Meinung sein. Die Entwaffnung läßt sich in einem^i halben Jahre durchführen, aber sie fetzt den guten Willen aller vor­aus, sonst ist sie natürlich undurchführbar. Die Soh­lenfrage hängt von der Lösung der obersch'esischen Frage ab. Aber hier muffen wir die Loyalität von Lloyd George in Rechnung fetzen. Im übrigen kommt es auf die Derbesierung der Ernährung und damit der Leistungsfähigkeit der Bergarbeiter an. Wft chaben das Menschenmögliche getan, um unteren Standpunkt durch­zufetzen, haben aber nur erreicht, daß die Forderung auf zwei Millionen Tonnen berunteryefetzt wurde. Man sagt, wir würden frieren müssen. Aber_ was würde ge­schehen. wenn dos Rudrrevier besetzt würde' Die Berg­arbeiter und Süddeutschland wären wahrscheinlich von den Franzosen nicht schlecht behandelt worden: schlecht behandelt worden wäre nur das übrige dicht bevölkerte Deutschland. Ich kenne die baditche Bevölkerung, sie ist treudeutich. A''»r ob in weiten Kreisen der Devölke- rung, wo die Begeisterung für die Errungenschaften der Revolution leider stark natbae'affen bat. unter die­sen Umständen die Fre/digkeit am Reiche bestehen bliebe, bas ist zu bezweifeln. Die R e i ch s e i n h e i t wurde wahrscheinlich in die Brüche pezonoen fe n. Wir haben unser Bestes für dos deutsche Dolk getan ,wd glauben uns den Dank des deutschen Volkes ver­dient zu haben. Wir sind gern bereit, den Herrn Bor- r ebn er oder einen feiner Freunde noch (Senf zu schicken. Vielleicht wird ihnen zum Bewusstsein kommen, daß sie zu einem geschlagenen Dal'e gehören und statt zu be­fehlen, verhandeln müllen. Untere Kritik werden sie sich bann ftellich auch gelosten lasten müssen (Seif.)

Noch Genehmigung einer Reihe kleinerer Vorlagen vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch.

Ein Vertrauensvotum.

Das Vertrauensvotum des Reichstages für die NeichSregierung weoen Span ist pesichew. Während der Aus vracke über die Rede W ReichSministerS des Äußern Dr. Simone haben sich die Regierungs­parteien und die MehrheitSioziallsten auf folgenden Antraa geeinigt:

„Der Reichstag würdigt die Grunde, ouS denen'die Reichsregierung da? Abkommen von Spaa unterzeichnet bat und erwartet von allen Beteiligten ohne Unterschied, daß sie, wa» in ihren Kräften steht, rückhaltlos tun werden, um die ReichSrestcrung bei der

Rußland findet Rücksicht, weil es siegreich dasteht, und eine Macht darstellt, mit der auch die vermeinllichen Herren der Welt rechnen muffen.

Wir gönnen den östlichen Nachbarn die bessere Be­handlung. Es erhebt sich nun aber von seibst die Frage, ob Deutschland von der Londoner Konferenz aus» geschloffen bleiben kann, obschon doch die Verhandlun­gen die deutschen I n t c r e f f e n bedeutend m Mitleidenschaft ziehen. Es ist schon ausdrücklich hinge- wiesen worden auf die schwebende Frage von Ober- schlesten und Danzig. Wenn Ruhe im Osten eintreten soll, muß auch bas Zusammenleben von Deutschland uni) Polen geregelt werden. Wesentlich ist ferner, wo­rauf unser AußenmiiMer am Montag hingewiesen hat: daß Polen sich entscheiden muß, ob es eine Scheide zwischen Deutschland und Rußland bleiben oder eine Drücke bilden will. Wir brauchen den wirtschaftlichen Verkehr mit Rußland mtribeftens ebenso. dringend, wie England, das schon Handelsbeziehungen an gebahnt hatte und d'ese jetzt fortsetzen will. Die Gerechtigkeit und die Zweckmäßigkeit erfordern also gleichmäßig daß auch' Deutschland nach London eingela­de n werde, wenn diese Konferenz ein wirkliches Frie­de n s w e r k nach dem Programm von Lloyd George schäften soll.

Vermutlich wird Frankreich in feiner alten Der- bisietcheit und Engherzigkeit Schwierigkeiten machen, und allem Anfchein nach ist Lloyd George schon dabei, in Dcmlogne durch Vorbesprechungen mit Millerand die­ses Hemmnis zu befetiigen.

Inzwischen können wir seststellen, daß von deutscher Seite das bestmögliche geschehen ist, dem wirklichen Frieden die Wege zu ebnen. Damit meinen wir nicht bloß die Uebernahme der schweren Lasten, die uns Spaa auferlegt hat, sondern auch die bedeutsame Rede des Außenministers Dr. Simons. Die hat vielfach durch ihre außerordentliche Offenherzigkeit und Artigkeit gegenüber den Gegnern überraschend ge­wirkt. Sie ist aber nach Inhalt und Form nur richtig zu verstehen, wenn man das große Ziel des Redner» im Auge behält: die Anbahnung von Vertrauen und Friedlichkeit. Daher fein eifriges Bestreben, alle die Aergernisie auszuräumen, die durch die jüngsten un- liebfamen „Zwischenfälle" veranlaßt fittd, wo­bei der Minister auch gute Miene machte zu dem be­denklichen diplomatischen Spiel in München. Daher auch die Höflichkeit gegenüber Sowjet-Rußland, mit dem wir trotz der politischen Gegensätze in wirt­schaftliche Beziehungen treten möchten. Bei dieser Ge­legenheit hat der Minister sogar eine Schätzung der wirtschaftspolitischen Leistungen der russischen Regie­rung gegeben, die von den bisherigen Berichten über die dortigen Zustände erheblich abweicht und von einigen al? Verherrlichung des Bolfchem smus unangenehm empfunden wird, was den Minftter in der gestrigen Sitzung veranlaßte, Del auf dir Wogen zu gießen. Ob d.r Berichte, auf die sich der Minister stützt, zuverlässig find, muß sich freilich erst noch zeigen. Aber feine Ab­sicht ist offenbar gut. «Denn wir haben hie bestehend« Regierung Rußlands schon seit den Verhandlungen von Brest-Lttowfk anerkannt, und wenn wir den Bol- schewismus von uns fern halten wollen, so sind dazu andere Mittel nötig, als Verkennung der Wirklichkeit oder Ablehnung des Warenaustausches.

Die Hauptsache ist, daß Europa zur Ruhe kommt und Deutschland mit ihm. Bepn dafür Dr. Simons feine ganze Kraft und Kunst einfetzt, so kann von Mmisterkrisis keine Rede fein, mag auch diese oder jene Einzelheit nicht sofort allen gefallen.

Möge Lloyd George als Friedensstifter das Lob verdienen, das ihm Dr. Simons gespendet hat. Deutsch­land ist zur Mitarbeit wirklich bereit.

Dentscher Reichstag.

Die Dienstag-Sitzung des Reichstages steht noch aanz Int Zeichen der Sensation, die die gelinge Erklärung bis Außenministers machte. Das zeigt schon der Auftakt, Beim «nächst ergreift noch einmal

Reichsminister Dr. Simons das Wort zu einer Gr- [lirung. Seine gestrige Aeußerung Über die Ehrendezeu- r1 ng der Reichswehr vor der französischen g h n e sei mißverstanden worden. Die Reichswehr habe tigifommen korrekt ukrd befehlsgemäß gehandelt. Daß sie g schmuckloser Uniform, in Mütze unö ohne zu prüfen- fieren erschienen sei, liege im Wesen bet neuen Ausdil- fning, die alles Parad «mäßig« vollkommen ausschalte.

Slbg. Stampfet (Soz.) geht sofort auf Ne überraschende «lebe des Außenministers em und spricht nur kurz über gpaa. Er will di« Rede nicht überschwenglich loben, das fei Ausgabe der Regierungsparteien, ganz besonders bet'. Deulschen Dolkspartei (Heiterkeit), doch zolle er ihr An- ertermung; sie gebe ihm keinen Anlaß zur Oppo- |itt o n. Er bringt dann einige Einzelbeschwerden. be- kfgttiiers über die Reichswehr vor, die ihm mit Simons Borten nicht übereinzusiimmen scheinen. Wenn so etwas jiortomme, meint er, seien ihm selbst 100 000 Manns Reichswehr viel zu Diel. Zu Spaa habe er zu erklären, tafj die deutsche Regierung nicht anders handeln konnte. Er protestiert gegen die Per Handlungsweise der Entente, s 6er Einmarsch in das Ruhrrevier sei ehre unerhörte Ver­letzung des Völkerrechts. Er wendet sich gegen eine rückst ch t s l o s e Sozialisierung und redet einem i planvollen Abbau des Kapitalismus das Dort. Er zollt ften Worten Dr. Simons über Sowjetrußland hohe Anerkennung, schwächt sie aber ab. Rußland zerstört und baut dann wieder auf, wir wollen ohne Zerstörung unser Ziel erreichen. Ohne DeutsAand könnten die Osi- ftlgen nicht gelöst werden. Er hoste, daß die Zuversicht

Simons' (Zuruf Dr. Simons: die leise Hoffnung!), mit der er nach Genf gelst, chn nicht täuschen wird.

Abg. Dr. Brelischeld (Unabh.) nennt das Abkommen ton Spaa die Folge von Versailles, wofür letzten Endes die die Schuld trügen, Ne den Weltkrieg heraufbeschwo- ren hätten. Die Weltrevolution werde einst tiefe Verträge hinwegfeaen. Bei der Befprechung der Dftfragen benutzt er die Gelegenheit, um von dieser Stelle aus Sowjet- eußland den Gruß der deutschen Unabhängigen zu ent­bieten. Die Worte, die Dr. Simons gestern über Ruß- lend gesagt habe, bestätigen die Auf sasiung, - die die Un- eihängigen immer vertreten hätten. Er polemisiett dann sehr erregt gegen Stinnes. Das Ergebnis von Spaa will er nicht rühmen, aber auch nicht verdammen.

Reichsminister De. Simons führt aus, der Vorredner Hobe einen Unterschied in der Stellung des Reichskanzlers M Bolschewismus und seiner eigenen konstruiert. Der har Reichskanzler habe aber in einem anderen Zusam­menhang von Bolschewismus gesprochen. Er habe darauf hingewiesen, daß es nötig ist, unsere Truppenzahl nicht |o zu schwächen, daß wir nicht mehr gegenüber dem Bol­schewismus den genügenden Widerstand leisten könnten, der nicht aus Prinzip für uns in Betracht komme, sondern de: sich unseren Grenzen nähere. Zur Frage der N eu- im.lität gegenüber Rußland bemerkt der Mimst« wir seien nicht so ohnmächtig, daß wir nicht noch empfindlich um uns schlagen könnten. Eine Neutralität, der man incht Achtung verschaffen könne, sei keine Neutvalttät, ba­tet haben wir zur Wahrung der Neutralität Truppen nach Ostpreußen geschickt. Der an gehaltene polnische Zug habe wirklich Kriegsmaterial gehabt. Di« intevallnerte «oinmission in Wiesbaden habe gebeten, den Zug weiter- sühren zu dürfen, rom Reichsverkehrsministerium fei aber die Anweisung gegeben worben, den Zug zurückzu - leiten. In seinen Ausführungen zur Fahnenanaeleaen- heii wolle Breitfcheid fchon so etwas wie einen Schwäch«, wfall ober einen geordneten Rückzug erblicken. Er habe »Hertings gestern durch die Form seiner Rede, die als ein direkter Angriff gegen seinen Kollegen im Wchnninisterimn nisgelegt wurde, einen Fehler gemacht. Ein solcher An- griff wäre unkollegial gewesen, er habe einen solchen An- Criff nicht gemacht. Schließlich nahm der Minister noch fierm Stinnes gegen die Vorredner in Schutz. Herr Stinnes hat vieles bester verstanden als beide Vorredner. Herr Stinnes ist als Sachverständiger in Spaa gar nicht Su umgehen gewesen, denn er hat vom Standpunkt« des Unternehmers aus die wirtschaftlichen Faktoren am besten beherrscht. Ich kenne niemarch, der einen so guten lieber- blick über die Zusammenhänge unserer gesamten Wirt- schnfi hätte. Wenn er auch Unternehmergewinne erzielt, ff kann ich ihm das nicht übel nehmen. Jedenfalls kenne «h keinen Menschen, der von dem Geld, das er verdient,

Verantwortlich für den redattionellen Teil: Earl Schütte, n für die Anzeigen: I. Bar zell er-Fulda. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Lctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung

so wenig hat als Herr Stinnes, besten ganzes Leben nur Arbeit bedeutet, und so lange es Unternehmer gibt, wird man an Hm nicht vorübergehen können. Mein Vorredner hat ’jtiWerum ausführlich über die Schuld a m Kriege Demgegenüber möchte ich bemerken, daß wir ooH endlich aushören sollten, uns hier vor dem Ausland« andauernd über dir Schuld am Kriege zu zanken. Mr sollten allmählich erkennen, daß es nur eine große in­ternationale Schuld ist, die mit einem großen in- terimtiona!« Hebel bestraft wurde, das noch nach wie vor über uns hängt. Ich habe gestern leider nur als Außen­minister gesprochen. Das war der Fehler meiner Rede. Ich nehme deshalb jetzt Gelegenheit zu sagen, wie tief mir als Deutscher di« schweren Last en zu Herzen ge­gangen sind, die die Protokolle von Spaa dem deuischen Volk auf erlegt haben, nicht nur den 'Bergarbeitern, sondern der Gesamtheit des Volkes und auch der deutschen In- dustrie, die außerordentlich schwer unter dem neuen Ab­kommen leiden muß. Ich muß auch nochmals betonen, wie schwer unsere Sicherhettsformationen. von der Reichs­wehr an gefangen bis zu den Polizeitruppen, darunter leiden müssen und wie schwer unsere E-famtwirtschafi davon betroffen wird, daß in überstürzter Form eine Maste von Mwlchen wieder arbeitslos werden. Schließlich stellte bet Minister seine Auffassung vom Bolschewismus, für den er gestern ein gutes Wort gefunden habe, dahin fest, daß er gestern nicht den Sieg des Bolschewismus gewünscht oder diesen für ein brauchbares Prinzip der neuen Wftiordnung erklärt habe. Er habe natürlich nur sagen wollen, daß bis heutigen Machthaber Rußlands nicht bloße Zerstörer, onbrrn in den Grenzen ihrer Mittel auch Drpaniftaoren eien. Im übrigen sagte er heute, der Bolschewismus, s! eine frest-nde Flamme, bfe mir Asche hinter sich laste. Das Hellmittel liege im richtig aufgefaßtan Soziasismus, der aber nicht das Unten ebmerium beseitigen dürfe, son­dern die Arbeitsgemeinschaft zwischen Unternehmern und Arbeitern herzustellen habe.

Abg. Spahn (3tr.) spricht, ohne sich auf den Tri­bünen verständlich, machen zu können. Er setzt attsein- ander, daß Friedenskonferenzen niemals uneingeschränk­ten Dank ernten könnten Es fei die Frage aufgewor­fen worden, ob sich der Weg nach Spaa gelohnt habe. Wir müßten diese Frage bejahen. S-aa bedeute zwar keinen Wendepunkt in der europäischen Geschichte, aber es habe die Härten des Versaillers Ver­trages neuerdings beleuchtet und dies allein schon müsse als ein Vorteil erscheinen. Noch sei es Millerand ge­lungen, die Einheit unter den Alliierten zu wahren und die Garantien für den Versailler Vertrag zu verstärken- Die Lage Deutschlands fei entsprechend verschlechtert, aber wir müßten sagen, daß die Delegation tatsächlich ihr Möglich st es getan habe und wir sind ihr des. halb zu Dan? verpflichtet.

Abg. hoetzfch (dntl.) erklärt, der gestrigen Rede des Reichsaußenministers habe auch der kleinste Funken na. ttonalen Empfindens gefehlt. Im Auslanoe nehme man uns nicht mehr aanz ernst, nachdem wir erst die Sor­tierungen der Entente als unmöglich bezeichnet und nachher doch angenommen hätten. Der Einmarsch in das Ruhrgebiet wäre ein Rechtsbruch. An die tech­nische Erfüllbarkeit der Entwaffnung glaube er nicht. In der Kohlenfrage fei Unmögliches zugesichert worden. 25 Prozent industrieller Betriebe müßten zur Stilleaung gebracht werden, wenn das Kohlenabkommen in Kraft trete. Er glaube nicht an den Einmarfch in das Ruhr­aebiet; die Delegation hätte fest bleiben muffen. Seine Partei lehne die Billigung dieses Derhal- tens ab und fordere Revision des Friedens von Ver­sailles.

Reichskanzler Fahrenbach führt aus: Die Rede des Abg. Hoetzfch war so aufgebaut, als fei sie am 27. Juli 1914 gehalten worden, nicht jetzt, wo die Tage von Versailles und Spaa da waren. W i e hätten wir wohl auf unserem Kopf bestehen bleiben sollen? Auch an un. ferem guten Willen und Glauben an unseres Vaterlan­des Zukunft hat der Vorredner gezweifelt. Wie die Ser- hältniste liegen, da fei es doppelt schmerzlich, solche Worte und Vorwürfe anhören zu müffen. Wir sollen die Würde nicht gewahrt haben. Das sollte man uns gegenüber zu behaupten unterlaßen. Gewiß, mir hät­ten auf einem Angebot bestehen bleiben können, aber heißt das Verhandeln in einer Situation, wo es für uns darauf ankommt, unsere Gage erträglicher zu tna- chen? In der Einmarfchlrage haben wir den deutschen Rechtsstandpunkt bis zuletzt aufrecht erhalten. Bei der Kohlenfrage haben wir das Einmarfchrecht auch tatsäch­lich abgelehnt. Es ist nicht schön von Ihnen (nach

Die perlen der Eggenbrechts.

Roman von Alexandra von Boss«.

Erstes Kapitel.

Ein verregneter Sommer war vorübergegangen, doch Herbst stellte sich endlich heißes, trockenes Wetter tin, und nun kam die Ernte in vollen Gang. Auf allen Seibern der Herrschaft Altenwied wurde emsig gear­beitet, und der Herr des großen Gutes, Freiherr Hans utachim von Eggenbrecht, war fast den ganzen Tag iu Pferde draußen auf den Steifem gewesen, die Ernte- ^beiten zu leiten. Jetzt sank die Sonne rotglühend, gleichsam, als habe auch sie sich heiß und rot gearbeitet, unb die letzten Wagen, hoch mit goldenem Segen be- Aden, schwankten über die zerfahrenen Feldwege dem «utshofe zu.

Hans Joachim von Eggenbrecht ritt langsam quer die Felder beim, und ihm folgte fein Reitknecht Mathias. Hans Joachim war müde und erhitzt, nun letzte von Osten her kühler Wind, der wohl erfrischte, ^gleich aber den müden Körper srösteln lief). Den Weg Hzukürzen, hielt Herr von Eggenbrecht auf den Bach &, dessen Wasier während der Regenzeit über die Ufer ^treten war, wo die lehmige Erde nun bloßgelegt elatigrot erglänzte im Schein der Abendsonne.

Ais Mathias sah, daß sein Herr sich anschickte, den ’M) zu überspringen, rief er ihm warnend zu, daß 'M der Seite drüben die Böschung noch weich sei, doch wrte ihn der Herr nicht oder er mochte die Warnung ’5 Dieners nicht beachten — jedenfalls kehrte er sich W daran, sondern spornte feinen Braunen und setzte ?n in Galopp. Gleich darauf nahm das mutige Tier ?• kraftvollem Sprung den Bach, dessen Sohle tief in

Boden eingegraben war, erreichte auch glücklich °°5 jenseitig« Ufer, wo jedoch feine Hufe im aufge- Achten Lehm einfanken. Heftig keuchend, versuchte et kräftige Gaul sich emporzuarbeiten, als plötzlich das ^ybreirt) unter ihm nachgab, und nun überschlug sich i

Pferd nach rückwärts in den Bach hinein und be- ; J‘ub seinen Herrn unter sich, dem es nicht schnell ‘ Itaitg gelungen war, sich aus dem Sattel zu sihwin- i