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47. Zahrg.

Dienstag, 27. Juli 1920

fit. 171

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Deutscher Reichstag.

Montag nachmittag trat der Reichstag nach der durch Verhandlungen in Spaa notwendig gewordenen gau'e zum ersten Male wieder zusammen. Zunächst Ljrie die Bestätigung der vorläufigen Präsiden- |enicabl vorgenommen. Es ist eine durch die Ge- *äitsorbnung vorgeschriebene Formsache. Der Haupt- W>alt der Sitzung war aber der Bericht über Lpci a. Dem Reichstag war hierzu bereits ein Weiß- der Regierung zugegangen über „Die Konferenz L Spaa vom 5. bis 16. Juli 1920". Es behandelt in einer Einleitung den sachlichen Stand der für Spaa tat Erörterung gestellten Fragen und recht dann alle L bekannten Noten, Protokolle und Entschließungen w letzten beiden Wochen aneinander.

Reichskanzler Fehrenbach erstattet Bericht über Spaa dankt dem Minister des Aeußern Dr. Simons für geleistete Arbeit. Die Verhandlungen hätten sich nicht zwischen gleichen Parteien vollzogen, sondernden xdoraktcr einer ultimatumartigen Diktats getragen. Zweimal standen wir vor der Frage des Abbruchs der Verhandlungen. Wir haben uns schließlich gefügt, aber sowohl bei der Entwaffnungsfrage wie bei der Kohlen-

unseren Standpunkt gewahrt. Unser Rechlsstand Lticrt aus dem Völkerrecht. Deshalb müssen wir den Einmarsch der fremden Truppen ablehnen. Gegen den Einmarsch gibt er nur ein Mittel: die eingegangenen Verpflichtungen so sorgfältig wie möglich zu erfüllen. Jnbrzug auf die Reichswehr haben wir feine oste- nen Obren gefunden. Es wurde uns nur eine $riU ton einem Halden Jahr zugeiranden Auch in der E nt- yarrnung unseres Volkes muffen wir den Wünschen der Entente entsprechen, um daS Mißtrauen zu beseit!- gen J-ebcenbach warnt daher vor etwaigen Putschen oder Unruhen, die jetzt gerade ein Verbrechen an der Nation seien. In den nächsten Tagen werde eine knilprechende Gesetzesvorlage dem Hause zugehen. Auch ir. der Kohlenfrage sind viele Sachverständige der Ansicht, daß die unS auferlegten Lasten unmö.üich feien. Siier in der Gefahr greife man zu dem letzten Mittel, um das größte Unglück für das Vaterland zu vermei­den. Er dankt den Bergarbeitern für ihren vater- iöndischen Opfermut, die Last auf sich zu nehmen, des- gleichen auch den Transportarbeitern, die dem Reichs. irirtschaftSrat eine ähnliche Erklärung der Bereitwillig­keit abgegeben haben.

Außenminister Dr. Simons gab in seiner Rede wert- »olie Ausblicke auf Deutschlands allgemeine Lage im Lerhältnis zur übrigen Welt. Vorher stellte er fest, daß in den Beschlüssen von Spaa das Reichskabinett solidarisch sei und die Bedenken einzelner Mini­ster keine. Rolle spielen könnten. Diese Feststellung ist deshalb nicht überflüssig, weil Organe der Deutschen Dolkspattei den Versuch aemacht Haden, den zu chrer Fraktion zählenden Kabinettsmitgliedern aus deren Widerstreben gegen die Unterschrift oder aus unsicher verbürgten Demissionsabsichten ein besonderes Verdienst zu machen. Aber kein Minister hat gern unter- । schrieben. Deutschland gegenüber ist, nach der Aeuße- rung Dr. Simons, Herr Mill er and in Spaa Sie. cet geblieben. Er bringt Frankreich von der Ruhr Millionen Tonnen monatlich nach .Hause, wozu noch die Erträge der Saar und der wiederherzustellenden fron« zasifchen Gruben zu rechnen sind. Trotz der Härte, mit der uns Frankreich behandelt, ist die wirtschaftliche Zu- lammenarbeit mit ihm für uns erforderlich und der Wille dazu wurde auch von französischer Se^e durch bi$ Entsendung des 5>errn Laurent als Botschafter naa) Berlin bekundet. Leider haben sich neuerdings verlchie- ■bene Zwischenfälle dieser wirtschaftlichen Annäherung : störend in den Weg gestellt. Herr Dr. Simons zahtt ffe euf Zunächst der Vorfall vor der s r a n z o s > f ch e n Lotschast in Berlin. Herr Simons erkannte an. Mß die Forderung, die Frankreich wegen Beleidigung seiner Fahne gestellt hat, durch das Völkerrecht be- Mündet wird. Es liegt auch durchaus im Intereffe Deutschland«, in iolchen Dingen die peinlichste Korrekt- : beit zu üben, weil in der kommenden Zeit die deutsche irahnc in fremden Ländern beleidigt werden kann, ohne dsß wir uns mit Machtmitteln Genugtuung verschaffen könnten. Der Minister verschwieg nicht, daß die Art

fordernde Siebe.

Roman von Erich Ebenttein

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(Schluß.)

b Cs war ihr erster Brief an ihn und soll!? auch der letzte bleiben. Aber einmal mußte sie ihm sagen, was ihr täglich von neuem das Hcrz überquellen lieh vor l Entzücken.

„Ich wollte, Du könntest mir einmal sehen, mein Freund, unser Plätzchen hier auf der Terraffe, wo wir bergens und abends sttzen, ohne etwas anderes zu tun, °ls zu schauen und zu träumen! lieber mir ist das auf Spalieren gezogene Dach eines Rosenbaumes, dessen Zweige sich wie zärtliche Arme verschlingen. Und jedem Zweig fmd blaffe, feine Rosen, die wie unzählige Hand- chen aussehen. Ich muß immer an Lou's zarte, blu- menhafte Händchen denken, wenn ich sie ansehe . . .

Der Baum wurzelt im Garten unten und beschattet eine Ecke der weißen Marmorterraffe, deren Säulen* bolustrade mit uralten Aloen und Orangenbäumchen in Kübeln bestanden ist. Die OrangenbSumchen blühen und fragen zugleich Fruchte. Welch wundersamer Duft! Farbenspiel: die goldig schimmernden Früchte, das ; blanke Grün der Blätter und zwischendurch überall Don draußen grüßend das tiefe Blau des Meeres! Ach, biejer Meer, Lieber . . .! Diese Bläue, dieses ewige Wechselspiel der Wellen! Am Morgen leuchtet es rosen- fot, om Abend in Purpurglut, nachts, wenn der Mond darüber steht, in flimmerndem Silberschein! Wunder­bar und märchenhaft sind die Lieder, die in seinem tauschen erklingen. Alles Hohe und Schöne wird da- l bei lebendig und immer klingt das Hohelied eines ewi- gen, erhabenen Friedens in alle Melodien hinein.

Ich wollte. Du könntest hier schaffen! Wie muhte die Seele sich Dir weiten, wenn Du z. B. abends bei Son­nenuntergang auf meinem Lieblingsplätzchen unten am Strande träumtest! Es ist ein einsamer Fels, weit - vorgeschoben in die blaue Flut, ich denke immer: vor- : »eschoben von der Küste des Lebens hinaus in die Ewigkeit!

Oder, wenn Mittagsglut über Bordighera liegt, in «nferern stillen Garten hinter dem Haus. Edelkastanien Men dort und alte Zedern, seltsam verknorrt, mit tie. fent Schatten darunter. Ein regloses Waffer daneben Dtit schwimmenden weißen Blüten. Rosenrot blühen­der Oleander. Wundersam gezeichnete Passionsblumen Unb Rosen. So viele Rosen ringsum, daß ihr Dust M ganzen ©arten erfüUt.' Um den Garten läuft eine

und Weise, in der unser Militär die geforderte Genug­tuung leistete, ihm durchaus nicht gefiel. Es fei nicht gleichgültig, ob die Truppe, die die Honneurs macht, tu schlechter Montierung mit dem Gewehr auf der Schul­ter abmarschiert und beim Abziehen die Nationalhymne singt! Hört! hört! und Bewegung.) Man könne über den Geschmack verschiedener Meinung sein; hier aber habe das Reglement versagt. Das habe er auch dem Botschafter erklärt und sei wegen des Reglements mit der Militärbehörde in Verbindung getreten. Ungelöst fei auch di« Frage der französischen Gesandtschaft in München. Der Minister hat, als ihm der Bot« fdN’te- Laurent die Absicht der französischen Regt-rung mitteilte, sofort erklärt, daß er alle Rechte Deutschlaiids wahre Unser Protest gründet sich auf dre deutsche Ver- sassung, die ausschließlich dem Reich alle auswärtigen Geschäfte überträgt. Bayern werde natürlich kernen Ge­sandten nach Paris entsenden. Endlich der tfaH D o r- t en Dr Simons sagte mit dürren Worten, dag das Auswärtige Amt bei der Verhaftung Hortens unzulak- finerroeife nicht gefragt worden und daß tue Verhaftung selbst völkerrechtswidrig sei. Nach dem Ryeinland-Ad- kommen wie nach den Bestimmungen, des Friedens- Vertrages haben die Okkupationsmächte m den besetzten Gebieten die Ausübung der Hoheitsrechte-, es blieb also nichts anderes übrig, als die Verhaftung aufzuheoen In der Kohlenfrage hat, fuhr der Minister fort Lloyd George zu unfern Gunsten emgegnfren. Er hat es nicht getan, um unfern Vorteil zu wahren; aber er hat einen offenen Blick, und die Beweglichkeit feines Ger- stcs hat ihm erlaubt, die deutschen Gegenvorschläge m «ine Fmm zu bringen, die sie den Gegnern annehmbar machte und die uns erlaubte, wenn aitdf mit schweren Sorgen, auf die Forderung der zwei Millionen Tonnen einzüg-hen gegen Zusicherung der Verbesserung der Le­benshaltung der Arbeiter. Nach Zeitungsmeldungen soll die Gesundheit des englischen Premierministers erschüt­tert sein; wir können nur wünschen, daß er bald wie- derhergcstellt wird. Mit Italien werden unsere Be­ziehungen bald wieder besser werden, da wir viele ge­meinsame Interessen haben. - Mit A m e r i k a be­finden wir uns noch immer im Kriegszustand. Em Ende ist vor März 1921 nicht abzusehen. Wohl aber machen sich in Amerika humanitäre Bestrebungen geltens sur die deutschen Kinder und die deutschen jungen Mut er. Eo sollen Milchkühe in größerer Anzahl nach Deutsch­land gebracht werden. Das Rote Kreuz findet hier ein weites Arbeitsleld. Hier öffnet sich uns eine Tur zum Völkerbund. In Span ist leider vielfach der Haß d e r

elgifchen Bevölkerung zu Tage getreten. Der Generalsekretär hat aber alles getan, um unsere ichrme- rige Ausgabe zu erleichtern. Ich glaube, der Haß wird nicht ewig dauern; wir sind auf internationale Ge­meinschaft angewiesen. In dem russisch-polni­schen Kriege wollen wir neutral sein, haben auch die Ausfuhr und Durchfuhr von Waffen verboten. Wenn die französischen Gönner Polens darin eine Ve- nachtriligung ihres Schützlings erkennen wollen, daß dieser deutsche Schritt die Anerkennung der Sowietre- gierung ausspricht, so ist zu entgegnen, daß Deutschland die bolschewistische Republik schon durch die Friedens- Verhandlungen von Brest-Ürtowfk anerkannt hat. T.e weitere Entwicklung flößt dem deutschen Munster des Auswärtigen nicht die Sorge ein, die vielfach, auch ,-n Deutschland gehegt wird. Ich sehe, sagte er, d:e Ererg- nisse im Osten nicht mit den Augen an, rote es viel­fach geschieht. Ich glaube nicht, daß die S v w- ietrcpublik gegen Deutschland mit Mor­den und Brennen vorgehen wird, denn was sie braucht, ist wirtschaftliche Unter st ützung. Ich kenne selbst Tschitscherin und gehöre nicht zu denen, die in Rußland nur ein großes Chaos sehen. Ein- gehende Berichte beweisen mir, daß in Rußland eine enorme aufbauende Arbeit geleistet wird, die wir gut tüten uns zum Muster zu nehmen. (Bewegung; Zwischenrufe rechts: Arbeitszwang!) Das Problem der Varallelisierung der gegeneinander lausenden Strömun­gen und der Vereinigung aller Kraftquellen wird in Rußland in einer Weife betrieben, daß Sie Respekt vor dieser Tasoche des Wiederaufbaues hätten, wenn S-.e sie kennen würden. Nun wird bisweilen gesagt, für Deuffchland bestehe eine, große Versuchung, sich Rußland alte Mauer, dort stehen uralte Zypressen, die wie ernste Finger zum Himmel weisen. Und das ganze Fleckchen Erde ist, als habe der liebe Gott hier die Welt ge- küßt . . .

Aber weißt Du, was mich hier am glücklichsten macht? .Viel glücklicher als alle Schönheit? Daß ich ohne Reue und Vortyurf in die Zukunft blicken darf! Ich habe nichts gewünscht und nichts gehofft, so lange Lou's armes Seelchen zwischen uns stand. Darum darf ich mich nun des Glückes freuen, das uns befchieden ist! Und das wollte ich Dir einmal sagen! Darum schreibe ich. Und auch, weil es so schön hier ist, daß ich wünschte, wir würden später einmal gemeinsam hierher zurjickkehren für einige Zeit . . .'

So weit war Wera gekommen, als ihre Eltern zum Frühstück erschienen. Die Hofrätin brachte die Post mit.

„Drei Briefe, Wera. Einer fiir Dich, zwei für mich. Don Daniela und . . . Isolde. Ein bekümmerter Senf- zer folgte dem letzten Wort.

Die arme Isolde! Täglich empfand es die Mutter aufs neue: So recht von Herzen konnte sie sich all der Schönheit hier doch nicht freuen, wenn sie an ihre ein­same Aelteste dachte, die so harte Pflichten erfüllte . . .

Da sagte ihr Mann, deffen Blick mechanisch auf den Briefen ruhte, betroffen: „Sonderbar, die Schrift ist doch von Isolde und der Stempel auf dem Brief ist aus Doblowitz . . .? Wie läßt sich das erklären?"

Die Hosrätin hatte das Kuvert bereits aufgerissen und zu lesen begonnen. Plötzlich rollten Tränen über ihre Wangen.

„O, Wilhelm — der liebe Gott hat ein Wunder ge­tan! Isolde ist in Doblowitz bei Georg! Er hat sie geholt und alles ist wieder gut — lies nur selbst, wie überselig sie schreibt! Nicht einmal Daniela _ findet so flammende Worte für ihr wiedererobertes Glück!"

Die Hofrätin war außerordentlich verjüngt vor Freude. Nach fo viel trüben Tagen, wo sie nichts als Sorgen um sich sah — Kinder, deren Lebensschifflein jämmerlich gestrandet war, — einen Mann, der sich ver­bittert und unzufrieden von ihr zurückgezogen hatte, das Gerede der Leute, die Abreise der Thalwanns, ihre er­schütterte Stellung in der Gesellschaft — ach ja, es war viel zusammengekommen in diesen letzten Monaten! Enttäuschung über Enttäuschung. Bittere Stunden, in denen sie sehend wurde und sich ganz verlassen wähnte.

Und nun war doch alles so gut geworden! Die Toch­ter hatten sich heimgefcknben und sie selbst im Gatten den treuen Freund gefunden, der ihrem Leben erst jetzt wirklichen Inhalt gab.

in die Arme zu werfen, um sich dem Versailler Ver­trage zu entziehen. Das ist nicht unsere Absicht: denn dann würde Deutschland das Schlachtfeld werden zwischen dem östlichen Bolschewismus und dem westli­chen Imperialismus. (Sehr richtig!) Das wurde für Deutschland Verhältniffe nach sich ziehen, wie wir sie im Dreißigjährigen Kriege hatten! (Sehr richtig!) Wir wollen Polen ebenso wenig schaden wie Rußmnd. -Utr inö darauf angewiesen, mit Polen als Nachbarn zu leben. Aber ich glaube, daß Polen em« sehr trübe Zu- kimst haben wird, wenn es sich die Aufgabe stellt, ->e Scheid! zwilchen Deutschland und Rußland zu fern; ich meine, es sollte lieber danach streben, eme Drucke -milchen den beiden Volkern zu sein! (Sehr richtig!) Deshalb beklage ich die Politik der Schikanen und lln- gerechtigkeiten, die von Polen gegen uns getrieben wird. 3d) bin begierig zu sehen, ob die Entente bei den neuen Friedensverhandlungen denselben Fehler begehen wird wie in Versailles, wo sie ohne Deutschland verbandelte. Wenn sie das tut, wird der, tirneben im Osten ein Kartenhaus werden, noch riel wack­liger als der von Versailles! (Lebhafte Zustimmung.) Der Minister kam schließlich auf Bela Kuhn zu sprechen Nachdem daS Auswärtige Amt Kenntnis vor der Anwesenheit Bela Kbuns erhalten hatte, mußte e» einnreifen' und ihn und seine Kollegen wstenehmeu. Solan;t sich die Xeslenommenen bet uns befinden, wird ihnen nichts geschehen. Stellt e» sich heraaus daß Bela Khun nur ein politischer Verbrecher ist, so rotrb er dorthin gebracht werden, wohin er zu geben wünscht. 3m andern Falle werden wir ihn austtefern muffen. Der Minister bespricht endlich die Verhandlungen,m Reichswirtschaftsiat. Er verliest die drnr emgebracvte Refolutidn und appelliert an daS Sau«, die »rorderunaen zu unterstützen. Redner schließt mit einem Ausblick nuf die Konferenz in ®enf, wo zwischen unserer Leistun -Sfähwkeit und den Besorgnissen ßFrankreichs die Mitte ae,ogen werden muffe. Er appelliert an daS HauS, der Regierung daS gleiche Vertrauen zu schenken, wie auf der Konferenz in Spa. — Die Besprechung rotrb auf Dienstag vertagt.

Um den Waffenstillstand.

Einem Radiotelegramm aus Moskau zufolge wird die polnische Regierung Vertreter, die mit Vollmachten ausgestattet sind, an den von der rufst Regierung zu bezeichnenden Ort senden. Die russische Regierung wird gleichfalls die Zeit festsetzen, zu der sich die polnischen Vertreter an diesen Olt begeben sollen.

Zur Wahrung der deutschen Neutralität.

Die ReichSgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten und -Anwärter, die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner und der Allgemeine Eisenbahnei verband richten fol­genden Aufruf an alle deutschen Eisenbahnbeamten und -Arbeiter: .......

„"Die Reichsregierung erklärte bic Neutralität der Republik Deutschland im Kampfe zwischen Sow;et- rutzland und Polen. Diese Neutralitätserklärung legt meutschland u. a. die Pflicht auf, zu verhindern, daß Dilitärische Transporte für die eine oder bte andere der kriegführenden Parteien durch Deutschland geleitet werden. Sollte in dieser Hinsicht irgendwelcher Druck auf die deutsche Regierung ausgeübt »erben,, so erklären die Großdrganisationen der deutschen Eisen- bahnbeamten und -Arbeiter, daß sie unter keinen Umständen eine Verletzung der Neutralitätspflichten Anlassen und mit allen gewerkschaftlichen Mitteln der­artige Transporte verhindern werden! Jede dahingehende Aufforderung ist vom Eisenbahnpersonal zurückzuweifen. Jede Hilfeleistung ist Verrat am Vaterland

Verschleierte Truppenkranporke.

Der „Frkf. Zig." wird aus dem besetzien Gebiet geschrieben: Die Franzosen bereiten fest etwa zehn legen eme Expedition nach Polen durch

In feuchtem Glanz ruhte ihr Blick auf der endlosen Bläue des Meeres, die sich vor ihr ausdehnte.

Es war wohl so im Leben, daß man erst durch ein finsteres Tor der Schmerzen wandern mutzte, um wah- res Gluck zu erringen!

Leise stahl sich ihre Hcmd in die des Gatten. „O Wilhelm, wie glücklich bin ich! Wie dankbar, daß nun auch unsere arme Isolde geborgen ist!"

Halmenschlag zog die Hand an seine Sippen, wäh­rend sein Blick warm auf der alternden Gattin ruhte.

„Ja, es war doch ein guter Kern in ihr; auch sie hat, wie Daniela ernannt, daß fordernde Siebe zuletzt arm mad)t, während gebende Siebe des Weibes unoerfieg» sicher Reichtum ist."

Wera hatte inzwischen auch ihren Brief gelesen. Er war von Roland. Auch ihn hatte es gedrängt, ihr ein­mal wenigstens ein Sebenszeichen zu senden.

Er arbeitete an einem Roman, wie er schrieb, und hatte sich von aller Welt abgeschloffen dazu. Sehr zum Aerger seines Freundes Winnhold, der wütend war, daß er seinen „Bombenerfolg" nicht „ausschrotete".

„Denn leider hat mich der „Samson", und die trau­rigen Umstände, die seine erste Aufführung begleiteten," schrieb er, „momentan zur Berühmtheit des Tages ge­macht. Man überschüttet mich mit Einladungen, will mich auftauen, mir huldigen, mich trösten . . .

Natürlich habe ich alles abgelehnt. Ich will keinen Menschen sehen, habe eine fast kindische Abneigung ge­gen alles, was Wett und Gesellschaft heißt. Ruhe, Stille — meine Arbeit, die Gedanken an Dich und unsere arme kleine Sou, sind alles, was mich erfüllt.

Und ich muß Dir ein Bekenntnis machen, Wera, eine Frage an Dich richten. Mich widert diese marktschreie- rische Großstadt mit ihrem Suxus und Börm unsäglich an. Mich widert das Theater an. Ich möchte nie wieder ein Stück schreiben, dem man Hände und Deine beschneidet, damit es „Erfolg" haben kann. Ich möchte der Welt mein Bestes geben, aber still — unbeachtet — aus irgend einer Zone weltabgeschiedenen Friedens. Konntest Du je den Mut haben, Dich mit mir in solch eine völlige Einsamkeit, nach der meine Seele dürstet, zu vergraben?

Fühlst Du, was in mir vergeht? Hast Du je be- merkt, daß ich ein ganz unweltläusiger, unpraktischer Mensch bin, sowie man mich in die Oeffentlichkeit zwingt? Sage es mir offen, Du Teure. Denn Du weißt wohl, daß, wenn Du es als zu Deinem Glück notn--ndig forb--». ich alles tun werd- — auch in der

Deutschland vor. Sie haben für die Beförderung zu- nächst folgenden Ausweg gefunden: Die Transporte werden zur Ablösung der in Oberschlesien stehenden Truppen in Marsch gesetzt. Um auch der eigenen Truppe das wirkliche Ziel zu verschleiern, werden die Besatzungstruppen verschiedenen Formationen entnom­men. Bor allem werden Artillerie und Sanitätsper­sonal geschickt. Ein Transport von 21 Waggons, der als Sanitätszug b^eichnet wurde, ist bereits ab­gegangen. Die Waggons enthieltm in Wirklichkeit Munition und Maschinengewehre. Ein zweiter ähnlicher Transport von 18 Waggons geht in den nächsten 48 Stunden ab. Die Begleitmannschaften bestehen aus Unteroffizieren. Dies soll jedoch erst der Anfang sein. Wie verlautet, hat man die Aussen­dung wett größerer Transporte im Auge. Frankreich beabsichtigt, ihren Durchmarsch, wenn die politische Lage es erlaubt, auf diplomatischem Wege durchzusetzen.

Bei dem in Marburg angehaltenen Zug Kriegsmaterial handelt es sich, wie aus Berlin ver­lautet, offenbar um einen sogenannten P o l o n i a z u g, um einen der 155 Züge, die auf Grund des deutsch- polnilchen Wirtschaftsabkommens vom 22. November 1919 zum Teil mit militärischen Gutem, zum Teil mit Güiern auch für die Zivilbevölkerung, durch Deuffch­land durchgeführt werden. Die Eisenbahndirektionen hatten bereits vor dem Vorfall telegraphisch Anweisung erhallen, derartige Züge nicht mehr anzuneh- men. Weitere Anweisungen ergehen, wenn über den Inhalt des Zuges und den Vorfall selbst amtliche Mitteilungen vorliegen.

Verschleppung Deutscher durch die Polen.

Die „Oberschlesifche Volkszeitung" bringt unter Nennung der Namen die aussehenerregende Mitteilung von über 20 Fällen, in denen oberschlesische Ein­wohner von den Polen gewaltsam verschleppt wor­den seien. Darunter befinden sich Minderjährige, die jenseits der Grenze festgehalten werden. Abge­sehen von der Völkerrechtswidrigkeit sind einzelne Fälle besonders schwerwiegend, da die Angehörigen der verschleppten jungen Leute vielfach in bitterster Not bleibeix, wenn, wie es vorgekommen ist, der verschleppte Sohn den Hauplantetl zum Unterhalt der Familie zu bestreiten hat. — Diese Mitteilung müßte von der Regierung schleunigst aufgeklärl werden. __________ _________

ver Fall Dorfen.

Der m Wiesbaden verhaftete Dr. Dorten ist, rott jetzt bestätigt wird, ins Untersuchungsgefängnis in Leipzig eingeliefert worden. Er wurde bereits dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Die Nachricht, daß er wieder freigelassen worden sei, scheint den Tm- füchcn voraus zu eilen. Die Verhaftung wird wohl nicht aufrecht erhalten werden können, da nach den Rheinlcmdabkommen die Verfolgung von politischen De­likten, die während des Waffenstillstandes begangen worden sind, nicht erfolgen darf. Darauf hat auch gestern im Reichstag der Außenminister hingewiesen. So wird wahrscheinlich Dr. Dorten dorthin gesandt werden, von wo man ihn geholl hat.

Deutschlands Sachleistungen aus dem Fnedens- Verirag.

Nach einer unter den Anlagen zum neuen deutschen Weißbuch befindlichen Zusammenstellung über die be­reits getätigten Lieferungen und Leistungen, die Deutschland auf seine Wiedergutmachungsschuld anzu- rechnen finb, beträgt der Gesamtwert der abgetretenen Saargruben eine Milliarde, der Wert des an­rechnungsfähigen Staats- und Reich seigen-

Großstabt als Zeitungsschreiber roeiterleben, auch Thea- terstücke schreiben ... i

Solltest Du aber Stille unb Natur lieben rote ich, bann würbe ich meine Stellung hier aufgeben unb wi, könnten uns irgendwo ein ruhiges Plätzchen suchen Soweit ist mein Name ja mm bekannt, baß ich glaube» burch meine Arbeit genug zu verbienen, um uns betbi sorglos zu erhallen. Man verlangt jetzt überall Ar betten von mir unb bietet mir gute Honorare. Obei glaubst Du, es würbe ttotzbem nicht genügen? Du weißt, in Gelbsachen bin ich blöbsinnig. Alles Praktische muß unb soll daher stets in Deinen Händen liegen. Da bist Du die kluge, ftrenge Mutter unb ich Dein gehör- sames Kinb.

Also entscheibe . . .*

Verträumt ruhten Weras Augen auf bem Brief, Wie seltsam, daß auch hier ihre Wünsche unb Gedan­ken sich wie von selbst begegneten! Waren seine Zeller nicht wie eine ahnungslos gegebene Antwort auf bas was sie täglich hier tm Stillen gedacht unb vorhin in ihrem Brief an ihn leise angebeutet hatte?

Aber so mußte es wohl sein, wenn zwei einander wahrhaft lieben. Keiner forderte, betbe gaben . . .

Sie ftanb auf unb trat an bas kleine Tischchen in ber Terraffenecke, roo ihr noch unvollendeter Brief in ber Mappe lag.

Mit ihren großen energischen Zügen schrieb sie als Schluß auf bte letzte Seite: „Eben Deinen Brief er- halten. Du Sieber — wie hast Du die heimliche Sehn- sucht in mir erraten! Von ganzer Seele rufe ich Dir zu: Ja, laß-uns fern vom Trubel ber Welt leben, kein größeres Glück könnte mir werden! Das Plätzchen ist gefunden! Die Rosen, die Zedern, bas Meer, ber himmlifche Frieden — wo konnte Dein Talent sich herr­licher entfalten im Schaffen unsterblicher Werke? Hier in diesem abseits gelegenen Landhaus hast Du Stille unb eine halbe Stunbe entfernt, in Bordighera selbst, Anregung genug, wenn Dich darnach verlangt.

Alles „Irdische" laß meine Sorge sein. Frau Win- ter hat zwei Stuben unb eine Küche, bie sie gern al« Iahresroohmmg vermieten mochte. Uebergenug für uns! Wie auf einer Insel ber Seligen wollen wir hier leben, wenn bie Zeit gekommen ist. Nur eines bebinge ich mir aus: Weihnachten wollen wir stets daheim bet Deinen unb meinen Eltern »erbringen! Der flimmernde Sichterbaum paßt nicht zu Palmen unb Eypressen. Er muß auf deutschem Boden strahlen bei Küchenbuft unb im Kreise unserer Sieben. Unb nun Gott befohlen bis zum Herbst, roo wir einander wiedersehen!

» Dein .Mütterchen" Wera."