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Nr. lro.

Verantwortlich für den redw Lien Teil'. Carl Schütte, - für di« Anzeigen: . ar sei I er-Fulda. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendmckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresie: Fuldaer Zeitung

Montag, 26. ZuU 1920.

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47. Zahrg

Reichswirtschaftsrat

zum Spaa-Abkommen.

!Im Samstag vormittag ist der Reichswirtschastsrat gieß er zusammengetreten, um das Kohlenabkommen jon Spaa zu erörtern. Die Debatte bewegte sich auf einem hohen sachlichen Niveau. Diese Anerkennung kann wohl sämtlichen Redner gezollt werden, mag es pd) um Arbeitnehmer oder Arbeitgeber, um Sozialisten, Zentrumsleute oder Rechtspolitiker gehandelt haben. Hier hat niemand als Parteimann gesprochen. Alle waren sich bewußt, daß es sich darum handelte, die Frage zu beantworten, wie unsere Volkswirtschaft sich nm besten mit dem Spaa-Abkommen abfinden kann. Line ganze Anzahl von Führern unseres Wirtschaft», lebens ergriffen das Wort, der eine für und der an­dere gegen das Abkommen von Spaa.

Stlnnes hatte während seiner Ausführungen ein voll besetztes, und aufmerksam lauschendes Haus. Er hält die Ausführung des Kohlenabkommens für unmöglich nicht weil er die Lieferung von zwei Millionen Ton­nen Kohlen für unmöglich hält, sondern, "weil er über- zeugt ist, daß unsere Industrie an dem eintretenden Aohlenmangel zu Grunde gehen und daß wir alle die Leidtragenden sein werden. Obwohl Gegner der Un- terzeichnung, erklärte er doch seine Kraft zur Durch­führung des einmal getroffenen Abkommens zur Ver­fügung stellen zu wollen. Dieselbe Erklärung wurde übrigens im Laufe des Tages von all den Sachver. ständigen abgegeben, die sich in Spaa gegen die Unter- zeichnung ausgesprochen hatten, so auch von denn

Geh. Vergrak htlger, der das Abkommen für un- durchführbar hält. Wenn die Entente das Ruhrgebiet besetzt hätte, wäre es jedenfalls nicht ein militärischer Spaziergang, wie von Mainz nach Frankfurt, sondern es wäre zu großen Unruhen gekommen und zu einem gewaltsamen Rückgang der Förderung. Bei der ietz-gea Verteilung der oberschlesischen Kohle durch die Entente komme nicht viel heraus. Oberschlesien werde trotzdem alles versuchen, um die Verpflichtungen zu erfüllen. An- derer Meinung als die beiden Genannten war

Walther Rathenau. Seine Rede hatte einen starken politischen Einschlag. Sie beweist, daß bei der Beur° teihmg des Spaa-Äbkommens politische und wirtschaft, liche Gesichtspunkte sich nicht vollständig von einander trennen lassen. Die Alternative in Spaa habe nicht ge­lautet: Lieferung oder Okkuvation^ Zu fragen war: Ras geschieht, wenn die Franzosen einmarschieren? Werden dann die 2 Millionen Tonnen geliefert oder nicht? Die Antwort lautete, sie werden geliefert werden. Dabei war es zweifellos, daß die Delatzungs- möchte sich nicht mit den 2 Millionen begnügen wür­den, sondern im Augenblick unserer Weigerung trat die Lieferungspflicht nach dem Friedensvertrag in Kraft, dann hätte uns die Entente vielleicht den Ueberfchuß von rund einer Million zu Weltmarktpreisen zum Kaufe angeboten. Das hätte eine Differenz von 8 Milliarden Dapiermark zu unserem Schaden bedeutet. Diese Kon- seuqenzen mußten ins Auge gefaßt werden. Dabei hätte Deutschland Frankreich nicht einmal das Grubenholz verweigern können, da wir doch die Ruhrbergwerke, die für uns Leben oder Tod bedeuten, nicht umtommen lasten können. Frankreich hätte dann Süddeutschland sehr stark beliefert, und die Folge wäre gewesen, daß dort ein französisches Protektorat, unter dem sich eine besondere Industrie entwickelt hätte, gar nicht ungern ge­feiten worden wäre. Dies wäre die schwerste Erfchütte. ning der deutschen Einheit gewesen. Als Vertreter der Arbeitnehmer sprach zu Beginn der Sitzung der

Bergarbeikerführer Jmbusch von den christlichen Ge­werkschaften. Er ging von dem Spaa^lbkommen als einer gegebenen Tatsache aus und entwickelte ein be­deutsames Programm für die Festung der Leistungs­fähigkeit der Arbeiterschaft und damit der Kohlenerzeu- gung. Die Frage müsse heißen, oh die deutsche Koh- lenwlrtschaft das verlangte Quantum liefern kann. Die fast unerträglichen Forderungen können wir nur erfül­len, wenn alle Beteiligten mit wirklich gutem Willen daran mitarbeiten, und wenn uns genügend Kohlen Bus Oberschlesien zur Verfügung ständen. Der Redner schilderte dann die geradezu skandalösen Ernährungszu­stände im Ruhrgebiet, deren Abhilfe die erste Notwen­digkeit fei.

Reichsminister des Aeußern Dr. Simons sprach die Hoffnung aus, daß das Vorurteil gegen Deutschland, es »olle den Friedensvertrag nicht erfüllen, seit Spaa ge- fchwunden ist.

fordernde Liebe.

Roman von Erich Ebenstein

5n Anbetracht der Ereignisse entschloß sich Hofrar Halmenschlag nun doch noch, einen halbjährigen Urlaub !u nehmen und mit Frau und Tochter auf Reisen zu Sehen.

Wera selbst hatte darum gebeten. Roland war gleich dach dem Begräbnis Lous zu feinen Eltern übergefie- delt. wo er bleiben wollte, bis er nach Ablauf des Trauerjahres Wera heimführen konnte.

Beide hatten dasselbe Gefühl daß sie einander wenig­sten, in der ersten Zeit nicht sehen wollten. Die ehr­liche Trauer, die sie für die Tote empfanden sollte nicht entweiht werden durch die heiße, tiefe Siebe, die sie, »enn Wera hier geblieben wäre, doch nicht ganz un- Erdrücken hätten können.

So hatten sie an Sous Grast mit einem stummen Händedruck voneinander Abschied genommen.

Am Tag vor der Abreise erhielt Hofrat Halmenschlag einen Brief von Georg Diez aus Doblowitz. Diez teilte ihm darin mit, daß er geschäftlich verreist gewesen und l>ei der Rückkehr zu seinem Befremden das an Isolde Sesandte Geld und einen schroffen Brief von ihr ge- Kunden habe, worin sie ein für allemal jede weitere derartige Sendung ablehne.

Nun könne er aber biefe Entfche'dung kein-»falls tis endgiltig betrachten, begreife auch Isoldes Stand- Punkt nicht Gewiß habe er Isolde nicht beleidigen ballen, doch fei es, da keine Scheidung zwischen ihnen stattgefunden habe — wovon er tn Rücksicht auf sie und stch selbst, dem ein öffentlicher Skandal außerordentlich peinlich wäre, von vornherein abgesehen habe — seine lelbstoerständliche Pflicht, für ihre Bedürfnisie zu for- 8e.n- Er wisse sehr wohl, daß I'oide verwöhnt sei, und keinesfalls mit dem auskommen könne, was ihre Eltern stlr sie tun könnten Ihre Neigung zu Prunk und ab- ?>echslungsreichem Beben allein widerspreche der M^g. ■Weit, ihre Wünsche nun wieder auf bas bescheidene Voß ihrer Mädchenzeit zu rebugteren. Er aber wolle 'sicht, daß sie gerade das pun entbehren solle, was da» Blück ihres Lebens ausmache. Da fein stets mehr für ^nfachheit und Stille veranlagte- Wefen sie ohnehin "tttits genug enttäuscht habe, (olle sie wenigstens die

Freiherr v. Schorlemer fürchtet von dem Kohlenab- kommen auch Schwierigkeiten für die Landwirtschaft. Sie müsse, um das Volk zu ernähren, vor allem mit Kohlen und r stlichen Düngemitteln versehen werden. Die kleinen L.ndwirte und die landwirtschaftlichen Ar­beiter. deren Tätigkeit ebenfalls eine außerordentlich : sch fr. und dringend notwendige ist, dürfen nicht sch! ?r gestellt werden als die Bergarbeiter.

l. mister a. v. Wistel tritt für pla.» mäßige Ordnung der Wirtschaft ein. Die schlechte Erna' :g sei nicht eine Folge der Zwangswirtschaft, sondc, eine Folge der schlechten Verteilung. Es herrsche auch noch eine Koh­lenverschwendung schlimmster Art. Ein Teil des Volks­vermögens wird immer noch zum Schornstein hinaus- gejagt. Alle Betriebe, die heiztechnisch nicht auf der Höhe sind, wüsten geschlossen werden. Die Geschäfte müssen ebenfalls viel früher Schluß machen.

Abg. Dr. v. Siemens erklärte, daß der in der letzten Zeit bemerkbare Beginn einer Verbesserung der Ver­hältnisse sPreirsturz, weniger Streiks, Hebung der Mark) nunmehr wieder urngestoßen sei. Die Rettung Deutschlands liege jetzt in der Hand des Bergarbeiters.

Die Beratungen nahmen den ganzen Tag in An- jpruch. Man einigte sich schließlich auf eine vom wirt- schaftspolilischen Ausschuß vorbereitete

Entschließung.

Darin wird zwar die Belastung des deutschen Wirt- schaftsledens durch das Kohlenabkommen in seinen Fol- gen für unabsehbar erachtet, aber doch eine Reihe von Vorschlägen gemacht, um es durchzusührcn. Die U e b er arbeit der Bergleute, deren Lebenshaltung mit allen Mitteln zu Heden sei, wird für unvermeidlich erklärt. Die Bergarbeiter und Angestellten müßten mehr als bisher zu mitverantwortlichen Trögern der nach gemeinwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu ord- nenben Kohlenwirtschaft werden. Die A n s i e d l u n g in den Bergrevieren soll so rasch als möglich in die Hand genommen und die Kohlenverteilung nach volkswirtschaftlichen und verkehrstechnischen Ge­sichtspunkten durchgearbeitet werden. Die Braun­kohle und die Wasserkräfte sollen mehr noch als bisher zur Energieverwertung herangezogen und die Wärmewirtschaft nach jeder Richtung hin ge- fördert werden. Die Braunkohle und die Was­serkräfte sollen mehr noch als bisher _$ur Energie- Verwertung herangezogen und die W ä r m e m i r t- fchaft nach jeder Richtung hin gefördert werden. Schließlich erwartet man, dem Versprechen Lloyd Ge- crges gemäß, eine größere Belieferung der deutschen Volkswirtschaft mit oberschlesifcher Kohle. Alle Kreise des Volkes werden aufgefordert, an der Erfüllung

-des Abkommens von Spaa tatkräftig mitzu­wirken.

Man darf annehmen, daß der Reichstag und Regie- rung diese Refolution zur Grundlage für die notwendi­gen gesetzgeberischen Maßnahmen nehmen wird. Der Reichswirtschaftsrat hat hiermit eine nutzbringende fach- verständige Vorarbeit geleistet und den Nachweis für seine Existenzberechtigung erbracht.

Die nächste Vollsitzung wird wahrschemlich Ende August stattfinden.

Zur tatkräftigen Mitwirkung an der Erfüllung des Spaa-Abkommens, das Deutschland, einem Zwange weichend, hat unterschrei­ben wüsten, ruft der R e i ch s w i r t s ch a f ts r a t alle Kreise des deutschen Volkes auf.

Die Darlegungen von Walter Rathenau im Reichswirtschaftsrat können erheblich dazu beitragen, daß sich im Volk die Erkenntnis durchfetzt, in welcher posttstchen Zwangslage sich unsere Vertreter be­fanden, als sie die schweren Kohlenverpflichtungen u n • terzeichneten.

Rathenau meint, es habe sich nicht darum gehan« Ht, ob die Gegner die 2 Millionen Tonnen erhalten oder nicht, sondern die Frage habe sich so gestellt: Sol­len mir liefern ohne Besetzung, oder sollen dir Koh­len mit D-setzimg uns einfach abaenommen werden? Es habe sich also nur um die Verhütung der Besetzung gehandelt.

Gegen diese Auffaffung könnte man ja geltend ma- chen, daß bei Besetzung des Ruhrgebietes die dortige Produktion wefenttich vermindert worden wäre. Aber fff———I — W

äußeren Vorteile nicht ganz entbehren, die ihre Ver­bindung mit ihm ihr gewähren könne. Er bitte also den Schwiegervater herzlich, ihm zu gestatten, daß die Vierteljahresraten fortan an ihn direkt gesandt werden dürften, da Isolde sie ablehne. Auch möge er seiner Tochter begreiflich machen, daß damit nur eine ein­fache Pflicht erfüllt würde, deren Unterlastung ihren Mann in ^peinliche Unruhe versetzen würde ...

Georg Diez hatte lange über diesen Dries gegrübelt und jedes Wort reiflich erwogen.

Nichts von der trostlosen Stimmung, die ihn erfüllte, und kein Hauch des Vorwurfs sollte dem Empfänger daraus entgegenwehen. Wie hätte er auch Vorwürfe Menschen sie ihr Herz verloren hattet Nein, er konnte erheben sollen, jetzt, wo er wußte, an welch elenden nur tiefes Mitleid mit ihr empfinden und Schmerz, daß alles so gekommen war . . .

Wie er sie kannte, würde sie sich nun mit doppelter Leidenschaft der Iaad nach Vergnügungen und Ab- wechslung in die Arme stürzen, um zu vergessen. Nach ollem, was er, ohne es zu wollen, da und dort über ihre Beziehungen zu diesem Feigling Dallariva erfah­ren hatte, waren es weit mehr Eitelkeit und Oberfläch­lichkeit aemefen, die sie dies verhängnisvolle Sniel be. ginnen ließen, als ihr Herz. Wr hätte sie dielen Elen- den, der sie bcnrn so feige im Stich sieh, nachdem er sie mit voller Absicht kompromittiert hatte, auch je ernst- sich lieben können?

Aber geruhe biefe eitle Oberflächlichkeit, die offen­bar den Grundzug ihres Mesens bildete, ließ Diez, so schmerzlich fein Herz auch dagegen revoltierte, sehen Ge. danken an ein ferneres Zulammenleben aufgeben Viel­leicht bereute sie ia nun. Abm gewiß wäre auch ihre Reue nur obersiächlich aewesen. .. .

Nein, er biir’te nicht hören auf fein Herz, wenn auch fein Leben nun sehr einsam weichen kvürde ohne sie. Sechs Jahre e:ne» oerbältn smähia ungetrübten Glü­ckes — hatten sie einander doch erst im lebten Jahre verloren — ließ-n sich nicht so leickt vergeßen

Diez empfand dies cm meisten, w-nn er rach ge- . taner Arbeit cbenbs in feiner einsamen Villa saß, die vom Erdgeschoß bis $"m Giebel blitzblank, neu und voll behaglicher Eleganz war.

Da mahnte alles an I'olde. Jeder Raum war so- zusagen auf ihren Geschmack, ihre Wünsche, ihre ®e»

dieser Möglichkeit gegenüber steht die Erwägung, daß die eingedrungenen Feinde nicht bloß auf die 2 $.11. Tonnen, sondern auf das ganze Ergebnis der Ruhr­zechen ihre Hand gelegt hätten. Darin hat Rathenau gewiß recht, daß sie sich nicht mit den 2 Millionen be­gnügt, sondern auf Grund des Versailler Vertrages drei und einhalb Millionen Tonnen monatlich für fich beansprucht hätten. Ferner hätten sie die Preisfest­setzung nach eigenem Beiieben machen können, natür­lich zu ihrem Vorteil, so daß wir von dem höheren Welt­marktpreis nichts profitiert hätten. Roch rvichiger ist aber der Umstand, daß sie über den verbleibenden R e ft von Kohlen willkommen hätten verfügen können. Die entstehende Kohienkrise hr t das unbesetzte Deutsch­land in das absolute Chaos geworfen und während Frankreich mit der Besetzung des Ruhrgebiets zu der polüifchen und militärischen auch noch die wirtschaftliche, Hegemonie auf dem Kontinent erreicht hätte, wäre Deutsckstcmd auch polittfch zerfallen, in ein privilegier­tes Rheiilland-Westfalen, in den von der Entente sicherlich gern bevorzugten Süden und Inoden der Ser- zweiflung anheimgefallenen Rest. Die Franzosen, die den heißen Wunsch hoben, die deutsche Reichsein- heit zu sprengen, würden sich nicht genieren, zu diesem Zwecks die Kohlengewait auszunutzeu. Das Verfahre» wäre ja zu einfach und zu verlockend. Wo man „Freundschaften" zu erwarten hofft, wie in Süd- deutschland, schafft man Wohlstand und Dankbarkeit durch reichliche Belieferung mit Kohlen, während die anderen Bezirke als „preußisch" verrufen und mit Ar­beitslosigkeit, Kälte und Rot heimgesucht rocrben.

In der Tat ist die Besorgnis nicht abzuweisen, daß die angedrohte Besetzung des Ruhrgebiets wie eine Dynamitpatrone gewirkt und nicht allein dir deutsche Volkswirtschaft, sondern auch die politische Einheit und Ordnung gesprengt hätte.

. Daraus folgt, daß die Unterzeichnung der Ab- machungen von Spaa geboten war, und daß auch die Ausführung notwendig ist, um die Wieder- 'wlunq der Gefahr zu verhüten. Ob sie ausführbar ist, läßt sich feststellen nur durch die tatsächliche Probe, die wir nach besten Kräften veranstalten müssen..

Schnell und flott sind die Vorarbeiten für die Ausführung in Angriff genommen worden: im Ka­binett in den beteiligten Fachmimsterien, in der Kon­ferenz von Vertretern der Arbeiterfchast und der Un­ternehmer aus dem Kohlenrevier, auch im Ausschuß- des Reichstages für Auswärtige Angelegenheiten und im R e i ch s w i r t s ch a f ts r a t. An die allgemeine bergbauliche Konferenz werden sich noch Revierkonfe­renzen im Ruhrgebiet anschließen, um die Aufklärung und die Anregungen in die weitesten Kreise zu tragen.

Die vielseittge und gründliche Vorberatung hat schon jetzt den Vorteil gezeittgt, daß man sich nicht in Einzelheiten und Nebensachen verbeißt, sondern das ’snje Problem und die Gesamtheit der auf- zubietenden Hilfsmittel ins Auge faßt.

Di« Resolution des Reichswirtschaftsrats und die Auslastungen verschiedener Redner zeigen mannig­faltige Wege für das, was geschehen kann und muß, die Kohlenförderung zu steigern. Die Hauptlast wird fürs erste ohne Zweifel auf den Bergarbeitern lasten bleiben, die durch Mehrarbeit das nur irgendwie Mög- fiche schaffen wüsten. Ohne Vermehrung der lieber« stundenzahl, die nur durch beffere Ernährung und Be­kleidung einigermaßen erleichtert werden kann, wird es nicht gehen. Die Sache wächst sich aber weiter aus zu einer gemeinsamen Aufgabe aller Zweige der deutschen Volkswirtschaft. Es handelt sich nicht bloß um eine Arbeitsgemeinschaft der Bergleute und der Bergwerkskrrifs, sondern um eine zielbewußt« Ar­beitsgemeinschaft aller verfügbaren Kräfte, wobei auch die deutsche Landwirtschaft dem' Vaterland« helfen muß, indem sie Unannehmlickcke-' auf sich nimmt und sich zu Höckstl-istuna-n aufb^’v-t w—r«

wohnheiten abgestimmt. Er selbst hatte alles' ausge« wählt: Tapeten, Bilder, Teppiche, Möbel und Kunst, gegenstände. Er hatte sie damit überraschen wollen. Sie war früher einmal |o gern in Doblowitz gewesen . . .

Nun empfand er es täglich von neuem voll Bitter­keit: dieser Traum war vorüber. Alles war aus einem Trugschluß basiert gewesen.

Da traf ihn eines Tages die Antwort feines Schwie­gervaters wie ein Blitz. Sie kam aus B erdig Hera und lautete:

„Lieber Georgi

Verzeih, daß ich Deinen Brief erst heute beantworte, aber wir waren gerade dicht vor der Abreise, als er kam. Was Deine Vorschläge betrifft, so sind sie gewiß gut gemeint, dach unter den bestehenden Verhältnissen unnötig. Isolde, die nie einen Augenblick daran dachte, ihr Glück weiterhin in einem abwechslungsreichen ge« sellschaftlichen Leben zu suchen, bedarf weder von Dir noch von uns einer Unterstützung. Sie lebt im Ru- dolfinerhaus und bildet sich dort zur Schwester vom Roten Kreuz aus. Ein Beruf, dem ste künftig nicht nur ihr Leben weihen, sondern auch ihren Unterhalt verdanken will. Es erübrigt mir also nur mehr, Dir für Deine gute Absicht den besten Dank auszusprechen.

Halmen'ch'ag."

Krankenpflegerin! Georg Diez starrte fastungslos auf den Brief nieder. Isolde, die verwöhnte, schone gefeierte Isolde — Krankenpflegerin! War das mög- sich? Welches Wunder konnte ste so verändert haben?

Sein Fabrikdirektor erweckte ihn aus feiner Erster- rung. Er kam. um ihn zu rufen, da man in der Fabrik soeben neue Modelle aus Altsilber fertig gestellt hatte, die Herr Diez begutachten sollte

Diez sah zerstreut auf. Dann sagte er hastig- „Mor- gen, lieber Brömel. Heute geht es wirklich nicht Ich muß sofort nach Wien reisen und mich sputen, den nach- ften Zug noch rech:zeitig zu erreichen."

In einem Landhaus bei Bordighera, dessen Besitze- rin, eine Deutsche, für alle ihre Bedürfnisse forgte, hat- ten Ha'menschlazs ein stilles Plätzchen gefunden. „Ein Paradies", wie Wera, die auf bet Terraste die Eltern zum Frühstück erwartete, eben an Roland Meister schrieb.

(Schluß folgt.)

Linderung der Wirtschaftslage, wobei überhaupt dl« ganze Bevölkerung ohne Ausnahme mitwirken muß durch Sparsamkeit -m Verbrauch von Kohlen und deren Produkte.

Was fo weit und so tief in btt heimische Vrlks« wirtschaft eingreift, muß gründlich vorbereitet werden. Der Reichswirtschaftsrat hat vom Standpunkt der wirtschaftlich kundigen Sachverständigen das Verständ­nis für die ungeheure Bedrohung, aber zugleich auch die Einsicht in die Notwendigkeit der Unterzeichnung des Abkommens von Spaa und feine Erfüllung ge­fördert. Heute tritt der Reichstag zusammen. Er wird hoffentlich die rechten Worte finden, um i* allen Kreisen und Schichten den Entschluß zur opfer­willigen Mitarbeit an dem Rettungs­werke noch weiter zu beleben.

Waffenstillstand im Osten.

Die Rote Armee stellt ihren Vormarsch ein.

Nach einem Moskauer Funkspruch hat die Sowjet­regierung den Vorschlag Polens auf Abschluß eines Waffenstillstandes angenommen. Nach einem in Paris eingegangenen weiteren Funk­ipruch zieht sich die Rote Armee auf Befehl de- bolschewistischen Oberkommandos zurück.

Tie Kriegslage. .

Nach dem letzten polnischen Heeresbericht müßte sich die Sage des polnischen HeereS ein wenig ge­bessert haben. Nach diesen Meldungen sollen polnische Abteilungen, die auf dem südlichen Ufer des Njemen gelegenen F"rtS von Grodno wieder genommen haben. Starke bolschewistische Angriffe, etwa südlich von Grodno, feien abgewehrt worden. Auch am südlichen Teil der Front habe der Kampf mit der bolschewistischen Kavallerie eine günstigere Wendung genommen. Dagegen wurden anderenorts polnisch« Stellungen aufgegeben, die jedoch durch Gegenangriff« wieder zurückerobert worden seien. In der Gegend von Dubno fiel die bolschewistische Reiterei den Polen in den Rücken, es kam zu heftigen Kämpfe».

Hefter Ostpreußen

ist wegen der Nähe des Kriegsschauplatzes der Belage- rungszustand verhängt worden.

Deulfchland fordert Schuh für Ostpreußen.

Die deutsche Friedensdelegation richtete an di« Friedenskonferenz eine Note, worin sie dem Verlangen der deutschen Regierung Ausdruck gibt, die freiwil­ligen Truppen in Ostpreußen zu ver­stärken und die Gebiete von Marienwerder und Allenstein zu besetzen, wo kürzlich die Volksabstimmung stllttfand. Um dafür die Erlaubnis der Alliierten zu er­halten, .beruft sich die deutsche Regierung aus die Not» wendigkest, Deutschlands Grenzen gegen eventuelle Ein­fälle der Bolschewisten zu schützen.

Deuksches Durchfuhrverbof für Kriegsmaterial.

Die Reichsregierung hat eine Verordnung erlaffen, nach der im Hinblick auf die Neutralität Deutsch­lands im Kriege zwischen Polen und Sowjetrußland die Ausfuhr und Durchfuhr von Waffen und Munition soweit sie für die beiden kriegführenden Länder bestimmt find, verboten wird. Dadurch ist jeder Möglichkeit vorgebeugt, daß eine kriegführende Partei vor der an­deren durch Zufuhr von Waffen ufw. durch deutfcheG Gebiet begünstigt wird.

Die ZwangSabstimmung

in Eupen-Malme-Y

Aus Druffel wird folgende Havas-Reuter-Mel- düng verbreitet: Bei der in den Kreisen Eupen und Malmedy veranstalteten Bolksab st immun- haben von 33 726 Stimmberechtigten i m ganzen 2 7 0 gegen die Einverleibung in Belgien prote­stiert.

Die Frau, Vie Freudebringerrn.

„Dom Freucn sind die Frauen genannt", fang einst in Deutschlands mittelalterlicher Glanzzeit einet unserer liebsten Dichter, Herr Walter von der Dogetweid«. Wunden zu heilen, Frohsinn zu verbreiten, das sah man als eine besondere Frauenaufgabe an, und die FraueU strebten, diefes deutsche Frauenideal zu verkörpern. Und wie ist es heute? Vielleicht werden mir manche sagenk „Es ist keine Zeit jetzt zum Freuen, unser Land liegt danieder, gehaßt von den Feinden von neulich-, Klassen« kämpfe durchtoben die Lande; katt, ohne Verständnis für das Denken und Hoffen des andern stehl der Deutsche dem Deutschen gegenüber; Blut fft geflossen. Bruderblitt: und da sollten wir an Freude denken?" Gewiß sieht es traurig aus in deutschen Landen, und doch sage ich: Wir müssen wieder lernen, uns zu freucn. Nicht so, wie viele es meinen, die ihre Freude suchen — nein, ich mag es gar nicht bezeichnen mit dem schonen, reinen Worte „Freude", jenes Taumeln von Genuß zu Genuß in den Ballsälen, den Kinos, das ift nicht die Freude, wie wir sie verstehen. Wie sieht denn die wahre Freud« aus? — Am Pfingft- morgen wandelte ich durch die herrliche Frühlings­natur, Gottes Sonne leuchtete über der Nähe und über der Ferne, es blühte und duftete, und die Böglein zwit­scherten 'hr Morgengebet hinauf in die tiefe Bläue des Himmels. Und vor mh: und hinter mir fröhliche Wan­derer, Blumen pflückten die einen, andere sangen zur Laute unsere allen einfachen Volkslieder, oder sie ruhten am Wegrand und stärkten sich aus dem Rucksack, bet die Gaben von Daheim bewohne. Kein Mißton störte die reine Harmonie und ich dachte: Glücklich die Gat­tin, die diese Freude mit ihrem Mann und ihren Kin­dern draußen ersährt, glücklich die Mutter, die ihr« Sohnr und Tochter zum Verstehen solcher Freude er­zogen hat. Müßte nicht tn diesen herrlichen Sommer­lagen, wer nur eben kann, den Frieden, die Schönheit der Natur aufsuchen? verbreitet den Sinn für da, Schöne, hr Frauen, wo ihr nur könnt, weckt Lieb« für die Natur für das Schöne in Buch und Bild, für Ordnung und Sauberkeit in Wohnung und Kleidung, mit all dem gebt ihr Freude. Und vergeßt das Best« nicht: zeigt durch euer Sprechen und Handeln, durch euer Leben, euer ganzes Wesen, wie herzerfreuerid deutsch« Sitte, wir schön der christliche Gottesglaube ist.