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Fuldaer Zeitung

0*^ Druck der Fuldaer Aetieudruckerer in Fulde

32 169.

SamStCfl, 24. Juli 1920.

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Mit diesem Worte wird seit 1910 in der soziai-

nab jchastlichen Besserstellung ihres Standes zu arbeiten, feine Anz, das Wort „Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben!"

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imokratie und dem Christentum besteht gar keine

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bann natürlich nicht gemeint, sondern ein Ausspruch des Lischoss von Henle in Regensburg. Und wie liegt da die Sache? Der bayerische Verkehrsminister grauenöorfer hatte in der Sitzung der bayerischen Aeichsräte vom 12. Juli 1910 die sozialdemokratische Bewegung mit dem Urchristentum verglichen. Darauf

guibe auf einmal ausgelegt als eine programmatische Darstellung der sozialen Anschauung und Arbest des

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„Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben'

(Aus dem Neuhofer Kaligebiet.)

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> zu, Wvikratischen Presse und in den Versammlungen, auch -hl iLimserer Gegend, eine widerwärtige, christentumsseind- siche Hetze getrieben. Man weiß nicht recht, worüber Sia fjgn dabei mehr staunen soll, über den Mangel an k r stihrhestsliebe und die Entstellung der Tatsachen, die t tz ch dabei zeigen, oder über die Unwissenheit in den i mi Wachsten Dingen.

Alle jene Hetzartikel bezw. Hetzreden sind auf den (inen Ton gestimmt, das Christentum verlange grund- Mich von seinen Bekennern, daß sie in d e m Stande Men, in den sie hineingestellt worden sind, und aerfriete ihnen, höher zu streben, zumal an der wirt-

. ■ ändogie weder in den Zwecken und Zielen, also weder 77 * der Tendenz noch in ihrer gegenseitigen Entwick- lMgsgeschichte. Seine Exzellenz haben hingewiesen auf die soziale Entwicklung des Christen­

anfwortete ihm Bischof Henle-Regensburg:

^Hohe Herren! Ich bin leider veranlaßt, Seiner ™ Wllenz dem Herrn Verkehrsminister in einer seiner Äußerungen, die von ganz besonderer Tragweite ist, vib«sprechen zu müsien. Seine Exzellenz haben zwi- ifpij fcton Christentum und Sozialdemokratie eine Analogie -jip iVergleich) gezogen. Hohe Herren! Zwischen der So-

er und Ägitatronsredner einmal zu fragen, wie es WMt, daß sie diese Entdeckung erst fest 1910 gemacht Btn. Jenes Wort wird auf eine Stelle in den Pau- chen Briefen zurückgesührt, ist darum so alt wie ia di Das Christentum überhaupt und hätte auch wohl schon 8es« Mer den Agitatoren, die itt religiösen Dingen so be- ganbert sein wollen, bekannt sein müssen. Und wie (miet diese Stelle? Siehe 1. Korintherbrief, Kap. 7,

Sets 20:

.Ein jeder bleibe in dem Berufe, in welchem er be- rufen ist. Bist du als Sklave berufen, so laß dich dies eicht mern: doch wenn du frei werden kannst, so fuufye es dir lieber zu nutze. Denn wer im Herrn be. Olfen als Knecht, ist ein Freigelassener des Herrn; deidiipie wer als Freier berufen ist, ist ein Knecht hkisti. Ihr seid teuer erkauft, werdet nicht Knechte $on Menschen! Worin ein jeder berufen ist, darin dleide er bei Gott."

: Wie man aus diesen Worten eine Gegnerschaft des Christentums gegen das wirtschaftliche Besserstreben des Lbeiterstandes herauslesen kann, dürfte nicht jedem "Ä klar sein. Ebenso leicht lassen sich die Worte im ar- teüergünftigen Sinne deuten. Aber diese Melle ist

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®or s. Zt. durchaus am Platze und einmal dringend Atwendig. Denn, wenn man geneigt sein will, Der- Mche zwischen der heutigen Zeit und dem Urckristen-

zu ziehen, so ist es doch nachgerade ein Unfug ge- ®Mben, das Urchristentum als soziale Frage zu betrach- oder gar als eine proletarische Bewegung entstehen N lassen. In sozialdemokratische Tendenz- und Mär­chenbücher mag so etwas passen, mit wissenschaftlicher

tu ms. Dos Christentum har sich mit der sozialen Frage jahrhundertelang nicht beschäftigt. Wenn Seine ilMllenz die Güte haben wollten, die Paulinischen Briefe nachzulesen, so würden Sie aus denselben ent«

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Hat man den Wortlaut und Zusammenhang dieser Rede vor sich, so erkennt man ohne weiteres, daß l e- diglich vom Urchristentum die Rede ist und dessen Stellungnahme zu den damaligen sozialen Fragen, kein Wort also von einer grundsätzlichen Stel­lung des Christentums zu der sozialen Frage Über- liaupt. Wir haben hier weiter nichts als eine g e - schichtlich e Feststellung über das Urch r isten- ium. Und diese Stellung erklärt sich daraus, daß ksUrchristentum eine religiöse und keine soziale Semegung gewesen ist, vor allem keine klaflenkämpfe- dsche. Die energische Hervorhebung dieser Tatsache

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. , nehmen, daß der Apostel Paulus beständig dahin ge» r.;.m nickt hat, sich in die gegebenen Verhältnisse zu schicken. 0® Ser Knecht ist, soll Knecht bleiben, wenn er nicht frei« lad) Billig von seinem Herrn der Knechtschast enthoben wird, bor» las Christentum hat also mit der Sozialdemokratie ngiii Beziehung auf seine Entwicklungsgeschichte und seine " D Stellung zur sozialen Frage auch nicht die geringste Berührung. Das möchte ich hier konstatiert haben."

^üsie meine schnuppernde Nase umspielten^ Wahrhaftig, erst Sß r r • ., . . , . . .__n

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Zwar fehlte die behelmte Reiterstatue des blauen

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^rlin stand nicht auf dem Kops! Da hielten - direkt vor den Eingangshallen, 'die ollen, ehrlichen Ber- Droschenkutscher mit ihren vom vielen Pflastertreten ^deinig gewordenen Rosinanten. Und drüben, über * Platz, rückte die lange Reihe der Autos in gemessenem

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* »Stadt der Dualen" mich mit Proviant versah, Äs *s 3um Nordpol oder in die Sahara ginge.

lbon der Fahrt will ich schweigen. Sie ist heute gleich st^lluicklich in allen Teilen Deutschlands. Sie konnte 7nn viel Ueberraschendes bieten. Zum Dergleiche reizte ^tnich erst, als ich am Endziel die weiten Bahnhoss- ®^t verließ und wohlbekannte, erinnenmgsschwere Ben­

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-Amanns, der einstens in würdevoller Unbeweglich. Joon den olympischen Höhen seines langbeinigen Tra-

)i» herab aus das Verkehrsgewimmel zu seinen Füßen I PM- Dafür war aber die schmucke grüne Sicherheits- ibtt "Wei auf dem Posten, und bei näherem Zusehen ent»

igtÄ und bestimmter Ordnung zu den Einsteigplätzen

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Berliner Eindrücke.

Ech. Berlin, 18. 3ufi.

Seit dreimal 48 Stunden sitze ich im „Wasserkopf" ”* * * * 5 * 7 8 * Deutschen Reiches. Ein dringendes Telegramm hatte »ich

unvermutet aus der ländlichen Stille meines kurheffi- wen Kreisstädtchens für einige Zeit nach Berlin gerufen. . Sieben Jahre ist's her, daß ich die Reichshauptfiadt W mehr sah. Eine ganze Welt von Ereignissen liegt ^zwischen: Weltkrieg, Revolution, Spartakistenkämpfe der Kapp-Putsch. Spaa, Wirtschaftsflaue ;mö vor- ^llches Hungerelend geben der Gegenwart das Gepräge, «ie spiegelt sich diese Veränderung im ^»sicht des einst so stolzen Berlin wieder? *°5 war die große Frage, mit der ich meinen ersten Wüt us das Asphaltpflaster vor dem Anhalter Dahn- m setzte. Die Provinzzeitungen überbieten sich ja in ssepslichen Schilderungen des politischen und wirtschaft- ^hen Schieber» und Banditentums in der Metropole des ?®M't repMikanischen Deutschland, in der Aufzählung der ?^smitielnöte und der turmhohen Phantasiepreise für Etliche Lebensbedürfnisse. Erstürmungen von Marki­gen und militärische Hebungen der „Roten Armee" geben * Rosinen in dem marktgängigen Berichterstatterkuchen

Das Wunder, daß ich mein Testament machte, die meines Vermögens mobilisierte und zur Reise nach

Kenntnis der Tatsachen ist es schlechterdings unver­einbar.

Es ist darum geradezu ein Verdienst des Bischofs Henle, einmal deullich festgestellt zu haben, daß die kath. Kirche gewaltsame Revolutionen nicht m i t m a ch t. „Wer ein Knecht ist, soll ein Knecht bleiben!" Jede di re kt e Au fl e h n u n g ist hiernach verpönt: der Geist des Christentums arbeitet anders, mehr indirekter Art. Und diese indirekte Ar­beit des Christentums ist es gewesen, die die Sklaverei, die Knechtschaft seiner Zest, entwurzelt hat. Warum hüpft man denn über diesen so nahe liegenden Gedanken mst Stillschweigen hinweg? Fürchtet man etwa, dann eingestehen zu müssen, daß die schönen Deklamationen über die Stellung des Christentums zur Sklaverei und Unterdrückung bezw. Ausbeutung in jeder Form auch bei dem Gedankenlosesten keinen Eindruck mehr zu machen? Wie hypnotisiert sieht man stieren Blickes darnach, ob Christus, ob die Apostel, ob die Kirche direkte Brandreden gegen jede Sklaverei gehalten haben und noch täglich klassenkämpferische Reden halten. Da­bei sieht man allerdings, was niemand anders erwar­tet, daß äußerlich nichts dergleichen geschehen ist, son­dern anscheinend alles beim alten geblieben ist, aber man sieht nicht oder will nicht sehen, daß in Wirt­lichkeit alles anders geworden ist und durch Christus, durch die Apostel und die kath.KirchevoninnenherausderBoden zerstört worden ist, in dem die Sklaverei jeg­licher Art wurzelte.

- In den Tropen gibt es eine Ameisenart, die Ter­miten, und diese sind die gefährlichsten Feinde der Gegenstände aus Holz. Von unten her dringen sie in dieselben ein und höhlen sie aus. Während also der Tisch und Stuhl äußerlich ganz unberührt und unver­letzt erscheint, ist er innen hohl gefressen und fällt beim geringsten Stoß in sich zusammen. So hat auch das Urchristentum und die kath. Kirche von jeher von innen heraus jede Sklaverei ausgehöhlt, indem es anbere Anschauungen in die Herzen und Köpfe der Menschen einpflanzte, sodaß jegliche Sklaverei einfach ein Ding der Unmöglichkeit geworden ist und werden mußte. Und so fährt die Kirche fort, für die Unter­drückten zu arbeiten, freilich nicht als Predigerin wüste­sten und ödesten Klassenkampfes: aber nichts destoweni- ger zum Besten und Nutzen der wirtschaftlich Schwa­chen. Und was die Kirche und die ihr nahestehenden, von ihrem Geiste befruchteten Organisationen aus die­sem Gebiete im Laufe der Zeiten schon erreicht haben, das übertrifft himmelweit hie Flick- und Stückwerkarbeit ungläubiger antichristlicher Organisationen und kann in keinerlei Weise durch das Gerede einseitiger Agitatoren geschmälert werden. Denn wenn Gott der Herr das Haus nicht Mut, bauen umsonst die Bauleute.

dem Nachvaraeviet,

'△ Hünfeld. Vertreter der holländischen Regierung besichtigten am Freitag, im Kraftwagen von Holland kommend, den Säulenbasaltbruch U l m e n st e i n der Mitteldeutschen Basallwerke. Sie sprachen sich sehr lobend Über das Basallvorkommen, die umfangreichen Detriebsanlagen und die stetig steigende Produktion aus. Letztere geht in der Hauptsache nach Holland, was nn Interesse der Arbeitnehmer sehr zu begrüßen ist, da der Absatz im Inland wegen fehlender Kauf­kraft der Kommunen fett einigen Monaten st o ck t.

W Kleinlüder. Ein fast unabsehbarer Leichenzug bewegte sich Donnerstag morgen durch unser Dorf. Galt es doch die sterblichen Ueberreste des so früh dahingeschiedenen Wilhelm Sander zur letzten Ruhe zu bestatten. Von nah und fern waren zahl­reiche Leidtragende erschienen, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Durch sein freundliches und hilfberrites Wesen gegen jedermann war Sander in der Gemeinde und in der ganzen Gegend sehr beliebt. Gegen Bedrängte jeder Art hatte er ein mitleidvolles Herz und eine mildtätige Hand. Manchem hat er ans der Not geholfen, und mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Er war auch einer der ersten, wenn etwas für das Gemeindewohl geschaffen werden sollte. Lange Jahre hindurch bat er der Gemeinde­vertretung angehört, war Aussichtsrat der Darlehns- kasse und KreiSausschußmitglied. Die Kleinlüderer Gemeinde ist ihm noch zu besonderem Danke dafür verpflichtet, daß er schon feit Jahren die Elektrische Licht-Anlagen für die Gemeinde eingerichtet hatte. Infolge dessen war die Gemeinde während des Krieges stets mit Lickt versorg«. Er ruhe in Frieden.

)( Hilders, bas noch von der vorjährigen Feier der 41. Hauptversammlung des Rhönklubs bei allen Teilneh­

beckle ich m abgeschabter Uniform und Mutze auch einen „Blauen", der dem fragenden Ankömmling geduldig und bestimmt wie einst die erbetene Auskunft erteilte.

Der erstere äußere Eindruck war: Berlin hat sich durch die Umwälzung doch nicht so grundstürzend verändert, wie es dem Fernerstehenden in zahllosen Artikeln und Berich­ten geschildert worden war. Rur müder, heruntergekom­mener stellt sich der Anblick der Stadt und ihres Treibens dar. Anzeichen des Alterns und der Per- wahrlosUng machen sich in dem einst jugendstrebigen und ob seiner Reinlichkeit berühmten Berlin bemerkbar.

In einer ruhigen, einfach-vornehmen Pension des Westens, nicht weit von der Potsdamer Drücke, fand ich die bestellte Unterkunft. Wenig Deutsche, viele Ausländer, Flüchtlinge aus dem Osten, in Samariterdiensten tätige Amerikaner traf ich am gemeinsamen Tisch. Der volle Pensionspreis betrug 35 Mark. Ich war auf mehr gefaßt gewesen. Ganz so teuer, wie man es überall draußen liest und hört, scheint das repub-

likanische Berlin doch nicht zu sein. Wenn

man erst einige Zeit hier ist und sich misfemtt im „Wurst­kessel", lebt man hier kaum teurer als in irgend einer Provinzstadt. Für 100 Mark im Monat tarnt man be­quem ein möbliertes Zimmer mit Frühstück bekommen: ein

Mittagessen in guten Restaurants erhält man schon von

7 Mark ab, ein Abendessen gleichfalls. Man muß nur gut beraten sein, dann kann man sehr zufriedenstellend hier leben. Sehr Überrascht und angenehm enttäuscht hat mich der billige Preis des Obstes und des Gemüses, das allenthalben in den Straßen feilgeboten wird: Johannis­beeren 1 Mark bis 1,40 Mark das Pfund, Stachelbeeren 1,50 Mark, Wirsing, und Weißkohl 60 Pf. das Pfund. Grüne Schotenerbsen sah ich zu 55 Pf. ausgestellt, marken­freie Margarine zu 11 Mark und Tilsiter Käse zu 6 bis

8 Mark das Pfund.

Die Preissenkungsbewegung der letzten Tage und Wochen mag in diesen Zahlen schon zum Ausdruck kommen. Trotzdem habe ich den Eindruck, daß man draußen von den Berliner Verhältnissen vielfach, einen falschen Begriff hat. Man hört und liest nur von den Merkwürdigkeiten und Auswüchsen der Millionenstadt und verallgemeinert in unzulässiger Weife. Man bedenkt nicht, daß unter einer Bevölkerung von zwei Millionen neben Zehntausend en von Schiebern, Vagabunden und Dirnen auch Hunderttausende von anftänöigen Existenzen leben. Wer sich erst einmal «-«kennt, findet diese und- weiß die andern nach Möglich-

mern in bestem Andenken und froher Erinnerung steht, ist in diesem Jahre von dm Rhönimkern als Äusstel- lungsort ihrer bienenwirtfchastlichen Rhönerzeugnissen gewählt worden. Mit der Feier des 10jährigen Stif­tungsfestes des hiesigen Bienenzüchtervereins wird am 14. und 15. August d. I. zugleich die nächste Hauptver- sammlungdesKreisimkerverbandes„Gers- seid" unter Teilnahme der dem Hessischen Bienenzüchter­verein angegliederten Rachbarzweigoereine tagen. Die Ausstellung ist als eine lokale bienenwirtschastliche Kreis- ausstellung gedacht. Die Vorbereitungen für diese, sowie für die ganze Festveranstaltung sind in vollem Gange und schon recht wett gediehen. Zahlreiche Anmeldungen zur Ausstellung, darunter die weltbekannte Fuldaer Wachs- waben-Industrie Franz Emil Berta und die bienenwirt- schafüiche Geräteverkaiissfinna Ignaz Traut in Fulda sind bereits erfolgt, trotzdem die Anmeldefrist erst am 6. August abläuft Zehn wertvolle Ehrenpreise sind dem Verein be­reits zu Prämiierungszwecken gütigst zur Verfügung gestellt worden. Der Preisrichterausschuß ist aus folgenden Her­ren gebildet worden: Kreisschullnfpektor H. Th. Kimpel, Vorsitzender des Hessischen Bienenzüchtervereins in Kassel: Berufsimker F. ßatoig, Verbandsvorsitzender und Groß­imkereibesitzer, Wüstensachsen: Straßenmeister August Steinwachs, 2. Vorsitzender des Hilderser Biensnzüchter- vereins und Lehrer Schramm, Vorsitzender des Imkerver­eins Lütter. Anmeldirnaen zur Ausstellung nimmt noch bis zum 5. August der Vorsitzende des Zweigvereins Hil­ders, Lehrer Ferd. Hillenbrand, entgegen. Auch Stiftungen von Ehrenpreisen werden noch dankbarst an­genommen. Möge das gastfreundliche, vielbesuchte, in un­serer herrlichen Rhön zentral gelegene Hilders sich in diesem Jahre auch einmal als Ausstellungsort bewähren.

)( Gersfeld. In Gersfeld herrscht zurzert regster Fremdenverkehr. Kein Stübchen ist unbelegt. Gar viele Fremde, die abends unangemeldet hier eintreffen, kommen wegen eines Nachtlagers in größte Verlegenheit. Die 8 Gasthöfe find auf solch zahl­reichen Besuch nickt eingerichtet und Privatquartiere find infolge der Wohnungsnot sehr beschränkt. Wie man hört, gedenkt der Kreis Gersfeld demnächst durch Einführung einer Kurtaxe den regen ^rembenoer« kehr auch seinen Finanzbedürfnissen dienstbar zu machen.

Aus Oberheffen und den Hess. Aenrtern.

^ Marburg. Im Rathaule fand am 22. Juli eine von Vertretern der Behörden, der Landwirt­schaft, des Handels, der Gewerbe und der Gewerk­schaften aus dem .Steife Marburg und Kirchhain betuchte Sitzung statt, welche sich mit der .Herab­setzung der Preise für alle Lebensbedürfnisse be­schäftigte. Es wurde schließlich eine ffinfgliebetige Kommission gewählt, welcke die erforderlichen Schritte einleiten soll. Ebenso erklärte sich die Versammlung für den Abbau der Zwangsbewirtschaf­tung.

vermischter.

* Wieder ein Zusammenstoß mit Franzosen in Berlin. Donnerstag morgen wurde in der Nähe des Hotels „Kaiserhof" ein älterer Bankbeamter von einem jungen Franzosen angerempelt. Zwei andere Franzosen mischten sich ein: es entstand eine Schlä­gerei. Sofort sammelte sich eine größere Menschen­menge an, die eine drohende Haltung gegen die Franzosen einnahm, die schließlick in das Hotel flüchteten. Dabei gab einer der Franzosen einen Schuß ob, der aber niemand verletzte. Die Sicher­heitspolizei, die hinzwischen herbeigekommen war, nahm die Franzosen in Schntttzaft.

* Deslechungsskandal in Moskau. In Moskau ist eine große Bestechungsaffäre aufaedcckt worden. Man hat festgisiM, ichß sich eine große Anzahl mo­bilisierter Soldaten durch Bestschungsgslder vom Mili­tärdienst losgekauft hat. 67 an der Affäre beteiligte Personen wurden erschossen, darunter mehrere Aerzte.

Eingesandt.

Schon über ein Jahr sehen wir beit Domplatz mit zwei großen Haufen Schutt und einer Menge Sand­stein platten beladen, welche auf die Passanten einen sichtlich schlechten Eindruck machen und deren Beseitigung um so erwünschter sein dürfte, als der größte Teil der Bevölkerung kein Verständnis und Interesse für den tieferen Grund dieser dauernden Ablagerung hat, nach­dem der wissenschaftlichen Erforschung des DombaueS Genüge geschehen ist. Ebenso finden die Besucher deS Domes es höchst eigenartig, daß das hinter dem Haupt­portale befindliche große Loch, welches doch sicher nicht eine Zierde, des herrlichen Gotteshauses darstellt, nun auch schon über ein Jahr besteht. Um werteren, über vorstehende Mißstände täglich hörbaren unwilligen Aeutzerungen entgegen zu treten, wäre die alsbaldige Beseitigung genannter Zustände sehr am Platze.

(Soweit der Redaktion bekannt tft, hat die Bau­behörde in Kassel, der die baplichSMIeberwachung des Dornes obliegt, die Hoffnung, die freigelegte Krypta erhalten zu können unD widersetzt sich deshalb der Zuschüttung. Mit dem Verfasser obinen Eingesandts werden viele Fuldaer der Meinung fein, daß bei der jetzigen Finanzlage die für eine Wiederherstellung der Krypta erforderlichen Gelder in absehbarer Zeit nicht beschafft werden können und deshalb eine Zuschüttung immer noch dem jetzigen Zustand vorzuziehen ist. Em glücklicheres Jahrzehnt mag bann die nun genau fest gestellte Gruft wieder ausheben und ausbauen.)

Auszug aus dem Standesamts-Register

des Standesamtes Fulda.

Sterbefälle in der Zeit vom 16. 7.-23. 7. 1920.

15. Juli. Gutsbesitzers-Witwe Emma Karoline Maria Vomberg, 71 I. 1 M. 25 T. 16. Anna Mario Krämer 6 T. 16. Witwe Rosalia Kalb, 76 I. 7 M. 24 T. 17, Barmherzige Schwester Mathilde Hüber, 57 I. 23 T. 18. Kurt Erich Kratt, 10 M. 26 T. 19. Müller Johann Wilhelm Sander aus Kleinlüder, 57 I. 10 M. 3 T. 20. Rosa Brend ’/« Stunde. 20. Weichensteller Joseph Hofmann, 67 I. 5 M 23 T.

Gottesdienstordnung.

Katholischer lZottesdienst.

Sonnlag, 25. Juli. Dom. V-6, 6, V-7, 7 Uhr hl. Messe. In der 6 Uhr-Messe Kommunion des christl. Müttervereins. 8 Uhr Pfarramt mit Sß.ebigt '/-10 Uhr Kathevralamt mit Predigt. 11 Uhr Christenlehre für die Jüngling-. V$12 Uhr hl. Messe und Predigt. V-2 Uhr Michaelsbruderschajt. 2 Uhr Christenlehre für die Jung­frauen. 3/43 Uhr Versammlung des christl. Müttervereins Montag Vi8 Uhr abends Rosenkranz-Andacht. — Stabt Pfarrkirche. 57i Uhr Kommunion 5’/« hl. Messe 63/« Uhr hl. Messe und Kommunion des Müttervereins 8 Uhr hl. Messe und Predigt (1. Schulaottesdienst) 9V» Uhr Pfarramt und Predigt. 11 Uhr hl. Mess« und Predigt (2. Schuloottesüienst). 9'/, Uhr .Christen- lehre für die Jünglingssodalität in her L-everikirche. IV» Uhr Christenlehre für die Jungfrauen. 2Vs Uhr Bruderschaft vom hl. Erzengel Michael. 3V< Uhr Mütterverern. — Pfarrkirche zum heiligen Geiste. 3/«7 Uhr hl. Kommunion 7 Uhr Frühmesse, 8 Uhr Predigt, Amt mit Kommunion. 0,5 Uhr Christenlehre. 5 Uhr Andacht. — Michaelskirche, Ewige Anbetung. (Volk. Ablaß.) 6 Uhr Aussetzung des Allerheiligsten. Messe des hochw. Herrn Bischof. 7,_8 und 9 Uhr hl. Messen 10 Uhr Amt. Vor jeder hl. Mepe wird die hl. Kommunion ausgeteilt. Von 11 dir 6 Uhr Betstunden. 6 Uhr Schluß- andacht des dochw. Herrn Bischofs. — Teverikirche. Sonn­tags Vs7 Uhr werktags 6M M. — Herz-Jesu-Heiur. 6 Uhr Frsthm., 8 Uhr Amt m. Pr., 2 A. (Mittw. adends 8 A.) — Frauenberg. Tltularfest des Franziskaner- Missionsvereins. HI. Messen von 5—7 Uhr. 8 Uhr Rosenkranzmesse mit Predigt, 9 Uhr Predigt und Leviten- amt mit sakram. Segen. — Nachm. V-3 Uhr Predrgt und Andacht für den Franstkaner-Missionsverein, 5 Uhr Predigt und Andacht für die Terziaren der Stadt Fu-da

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 25. Juli. Vorm. 8 Ruhl u. 9>/s Ruhl

■HW der WlWe-r WlWsMWerle.

24. Juli 1920.

In der nächsten Woche entfallen auf jede Fettkarte 100 Gramm Schmalz zu 10,— M das Pfund. Die Kran­kenkarten werden mit Buffer zu 13,40 M bezw. 10,60 M das Pfund bedient. Abgabe an die Verbraucher: Freitag und Samstag. Schmufzausgabe an die Geschäfte: Don­nerstag von 9 bis 12 Uhr im Schlachthof (die Stunden find pünküich oinzuhallen). Bufferausgabe: Donnerstax nachmittag in der Molkerei.

Auf die Fleischkarten der nächsten Woche wirb frische» Fleisch geliefert.

Das Maismehl aus der Bertettung 19 kann m den Geschäften abgeholi werden.

Zuckerverfeüvrrg für Augnsi:

Da der Zucker für August in den ersten Tagen des Monats ausgegeben werden soll, sind die August-Zucker» karten den Geschäften sofott zur Voranmeldung zu über­geben. Anmeldeschluß: Dienstag den 27. Juli. Abqabe- schluß für die Geschäffc bei der Karfenkonfrollsfslle: Mitt­woch den 28. Juli. Voraussichllich werden gegeben: 550 Gramm laufend und 200 Gramm Zuschuß, zusammen 750 Gramm.

Die fällige allgemeine Kartenausgabe findet am näch­sten Donnerstag den 29. Juli statt. Näheres wird noch mttgetellt.

kett zu meiden. Allerdings fällt es manchem schwer, bei der allgemeinen Jagd nach mühelosem Gewinn selbst an- ftänbig zu bleiben, zumal die schlechten Zeiten viele Tau-' sende ins Erwerbsleben gedrängt haben, die seither gar nicht darauf angewiesen roaren. Typisch für die letz­teren sind die gewaltigen Massen von Offizieren und Stu­denten, die heute Arbeit und Verdienst um jeden Preis suchen. Zustände, wie wir sie früher nur aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten kannten, haben sich ent­wickelt. Kaum volljährig Gewordene grüpden Fstmen und

springen mit mehr oder weniger Erfolg von einem Beruf in den andern. Die blauen und braunen Lappen fliegen von Hand zu Hand. Di« allgemeine Unsolidttät des Ge- schäftslebens begünstigt di« berufliche Wechselbalgerei ganz außerordentlich. Der gute, ehrliche Mittelstand ist, wie ^mch anderwärts, arm, sehr arm geworden. Man Markts an dem Besuch der bürgerlichen Restaurants und .Speiselokale. Hunderte sind eingegangen, und die weni­gen, die noch bestehen, vegetieren in trostloser Leere dahin. In Wohnungen und Haushalt wird nichts mehr ersetzt mrd repariert. Man lebt von der Vergangen­heit. Wie lange noch wiids dauern, dann ist das letzte ResrroesILck aus Schränk und Truhe aufgebroucht und die bisher zur Not verdeckte Dürftigkeit tritt offen an das Tageslicht!

Eines der traurigsten Kapttel im öffentlichen Geben Berlins ist die U n f i t t l i ch k e i t. Man war von früher her gerade in Berlin ah allerhand gewöhnt. Was sich aber heute an Unmoral in der Reichshauptstadt brett macht, übertraf womöglich noch meine pessimistisch eingestell­ten Erwartungen. Zur schlimmsten Zett des römischen Kaiserreichs kann der Dersall der Sitten nicht schlimmer gewesen sein. Oswald Spenglers „Untergang des Abend­landes" fiel mir em.

Berlin ist ohne Zweifel auf dem absteigenden Ast. Wenns heute öußersich auch noch nicht überall zu Tage tritt — die Zukunft wird es immer mehr bestätigen. Es hatte in der auffteigenden Zett des gestürzten Kaiserreichs die Führung an sich gerissen — zu Unrecht. Es scheint sie auch beim Abstieg, beim Verfall, beibehalten zu wollen — diesmal mit Recht. Denn etwas Ungesundes hat Berlin schon in seiner Wilhelminischen Glanzzeit stets an sich ge­habt. Wir wären heute selbst m unferm Elend nicht so übel dran, wenn der große „Wasserkopf" Bersin nicht als Träger und Zentrum steter Krankhetten an unfern, schwachen Körper säße.

Die Nahningsmfttelstelle hat braune Sfeinzeugföpfe (Einmachtöpfe) von 50 und 40 Liter Inhalt zum Preise von 30,— M bezw. 25,— ,U das Stück abzugeben. Re- fektanten werden gebeten, sich in der Kartenkontrollstoll- zu melden.

Wie schon mttgeteitt, ist mit der Anlieferung von aus­wärtigen ,'tzrllhkarfoffefu voraussichtlich bald zu rechnen. Der Verkauf fmdet durch hiesige Geschäfte gegen Abgabe der Frühkartoffelabschnttte statt. Die Abschnittnummern wer­den von hier aus zur Bedienung aufgerufen.

Außer von auswärts zu liefernden Frühkartoffeln wer­den auch hiesige Frühkartoffeln ausgegeben: auf deren An­lieferung kann jedoch erst nach erfolgter Reise anfangs oder Mitte August gerechnet werden. Auch die hiesigen Frühkarfoffelu werden nur gegen Zrühkarfofselkarfen ab­gegeben. Sollfen Verbraucher Frühkartoffeln bei hiesigen Anbauern selbst abholen, so müssen die fiarfoffeUcrteo bei der Abholung abgegeben und die Kartoffeln an die Anbau er bezahlt werden. Die Anbauer sind verpflichtet, die ein» genomme-hen Kartoffel karten bei der Stadt abzuliefern.

Mit dem heutigen Tage wird die städtische Berkanfs stelle tn der Schloßstraße ausgehoben. Ein Verkauf von Lebensmitteln ummttetbar durch die Stadt findet für die Folge nicht mehr statt. Bis auf weiteres sind die Waren, deren Abgabe einer Kontrolle unterworfen werden muß, wie.sie bisher durch die städtisch« Verkaufsstelle, ausgeübt wurde, in dem Geschäft von Georg kalb. Karlstraße. zu haben. Der Verkauf findet daielbst in der gleichen Weise roie in der städtischen Verkaufsstelle statt.

Amtliche Anzeigen.

Bekanntmachung.

Roch § 11 des kurhessiichen Gesetzes vorn 2.3. Oktober 1834 (®. S. S. 1561 Bergt. § 389 Ziffer 53 des Waller» gefehes vom 7. Avril 1913 kann den Mullern, wenn nick ein umfassenderes Recht zum Vorteile der Wässerung bereits besteht, nur vom Samstag um 6 Uhr abends an bis zum Sonntage um dieselbe Stunbe das Mühlenwassel durch di« Wiefenbesitzer für die Wässerung entzogen werden.

Di« Herren Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises werden ersucht, diese ge'rtzflche Vorschriften in ihren @emetnben_auf ortsüblich« Weise bekannt machen zu lassen und dafür Sorge zu tragen, daß sie genau Beachtung findet

Den Müllern darf das Wasser jetzt nicht widerrechtlich entzogen werden.

Fulda, den 21. Juli 1920.

Der Laudrak: S. 23.: Köhler.