Folge geleistet. In sämtlichen katholischen und evan- gelischen Schulen konnte der Schulbeginn ohne Störung durchgeführt werden. Die Kinder waren fast vollzählig erschienen. Lehrer Dittmar ist übrigens vorläufig beurlaubt worden. Damit ist einem Schulstreik dort und in Rheine der Boden entzogen worden.
Ausland.
** In Deutsch-Oesterreich entwickelt sich ein erfreulich reges katholisches Leben. Seit Monaten finden dorr wie bei uns in Deutschland zahlreiche Bezirks-Kacholikentage statt. Ihr außerordentlich starker Besuch — fast immer handelte es sich um 10—15000 Besucher — zeigt das Neuerwachen des religiösen Gedankens. Die Programm reden behandeln meist die Tbemate: Freiheit der Krrche, christliche Schule, christliche Ehe, christliche Politik. Für den Geist dieser Versammlungen sind in besonderer Weise bezeichnend etwa Reden wie die Programmrede des Kardinals Piffl (Wien! in Mödling:
„Wir können heute überall die erfreuliche Tatsache feststellen, daß die Katholiken aus dem Schlafe erwachen und sich die Augen reiben, wir sehen, wie sie aus jenem Schlaf- erwachen, in welchen sie durch tönende, aber leere Schlagworte der Feinde während der letzten Jahrzehnte eingelullt wurden. Es ist Zeit, daß alle zu neuem katholischen Leben erwachen, daß alle sich in die Menen Reihen derer stellen, die mit festem Mut mpf aufnehmen für die Erhaltung und Sicherstellung unserer katholischen Kulturgüter. Dieser Kampf ist heute zur Notwendigkeit geworden. In der Verfaffung soll fest und tief verankert sein, was uns Katholiken heilig ist. in ihr soll verankert sein als Grnndforderung der Katholiken: die Freiheit der katholischen Kirche und des katholischen Bekenntnisses und die Grundlagen des von unseren Gegnern immer wieder vielgeschmähten christlich.germanischen Kulturideals. Wenn wir den Derfassungs- entwurf betrachten, welchen die Gegner der Oeffentlich- keit vorlegten, dann wird auch den schläfrigsten Katholiken der Schlaf vergehen. Aus Schule und Ehe soll der kirchliche, der christliche Einfluß vollständig oerschwin- den. Den göttlichen Kinderfreund will man jetzt aus der Schule vertreiben und die Ehe soll aus dem segenspendenden Boden der Sakramente entwurzelt und in einen Sumpfboden verpflanzt werden. Da erstehen uns wichtige Aufgaben. Wir haben den Weltkrieg verloren, aber nicht in offener Feldschlacht sind wir Oesterreicher besiegt worden, sondern durch innere Untreue. Wir werden uns wieder aufrichten können, aber nur dann, wenn wir als Katholiken nicht im Kampfe der Geister unterliegen.
Tie Katholiken in Alkdeutschlond begleiten die Brüder in Oesterreich in diesem Kampfe mit ihren besten Wünschen und gleiche Front haltend gegen die Bedeutungen der Freiheit der Kirche und des katholischen Bekenntnisses.
* Syrien. Aus Beirut wird gemeldet Emir F e s s a l habe die in dem Ultimatum des Generals Gourand gestellten Bedingungen angenommen.
Kus dem MchvargMer.
---- Hünfeld. Für die erste an unserer Stadtschule freigewordene Lehrerftelle ist Lehrer Hermann Loh fink aus Roßbach, z Z. in Poppenhausen (Rhön), gewählt worden. Herr Lohfink war schon in früheren Jahren als Lehrer hier tätig.
(;) Schwarzbach. Schon seit dem Jahre 1695 feiert die hiesige Pfarrei am Sonntag nach dem 16. Juli ihr s ch ö n st e s F e st des ganzen Jahres, das Fest U. L. Frau vom Berge Karmel oder das Skapulier» fest. In diesem Jahre wurde die Feier durch die Anwesenheit eines Karmeliterpaters erhöht, der von Würzburg aus hierher geeilt war. In seiner Festpredigt verbreitete er sich in schwungvoller Weife über die Muttergottes-Verehrung durch das hl. Skapulier. Aus fast allen katholischen Dörfern der Rhön waren die Andächtigen herbeigeströmt, sodaß unsere neue geräumige Pfarrkirche die Scharen unmöglich fasien konnte. An der Prozession, die nach Schluß des Hochamtes stattfand, nahmen unübersehbar viele Menschen teil. Gewiß eine erhebende und schöne Kundgebung wahrhaft katholischen Lebens und der Verehrung der hehren Gottesmutter in der jetzigen so glaubensarmen Seit
h Kassel bei Gelnhausen. Unter größter Anteilnahme der ganzen Dorfgemeinde und mehrerer ehemaliger Kapläne feierte das Ehepaar Jos. Hansel- mann seine goldene Hochzett. In geistiger und körperlicher Frische wohnLe das Jubelpaar dem feierlichen Hochamt« bei, in dem der hochw Herr Pfarrverweser in treffenden Bildern die Verdienst? des Jubelpaares um die kirchlichen Interessen Kassels zeichnete. Dabei verlas er auch ein Schreiben des Hochw. Herrn Bischofs, in dem auch von dieser Stelle dem Paare gedankt wurde für alles, was cs schon für Kassels kirchliche Bedürfnisse gearbeitet und geopfert. 2a, wohl keine religiöse begw.. kirchliche Sack^ wurde getätigt, die das Jubelpaar nicht selbstlos und freigebigst unterstützt hätte. Die ehemaligen Kaplans gedenken dieser Unterstützung noch gerne, gedenken auch noch gern der Liebe, die ihnen stets entgegengebracht wurde, und beten in Dank dafür um wettere Gefundhett und langes Leben, besonders aber um Gotteslohn im Himmel für das Jubelpaar!
fd Frankfurt a. M. Nach vierstündigen Verhandlungen entschieden sich die Gasarbeiter in einer Versammlung im „Zillertal" mit großer Mehrheit dahin, die Arbeit wieder aufzunehmen. Maß- regelungion sollen nicht stattfinden. Noch einer Kampfansage, über deren Leichtfertigkeit die Oeffentlichkeit schon in der ersten Stunde ihr Urteil gefällt und nach einer unerhört ftivolen Schädigung der wirffchastlich- schwächsten Bevölkerungsschichten ist der diktatorische Machtwille der Gasarbeiter gescheitert.
rno Frankfurt a M. Die Polenplage hat recht übechanden genommen. So wurden in einer einzigen Schöffengerichtsverhandlung nicht weniger wie acht Fälle verhandelt, in denen es sich um Einiprüche von polnischen Staatsangehörigen gegen Strafbefehle handelte, die sie wegen unerlaubter Grenzbeschreitung erhalten batten. Tie Angeklagten, die meist aus Polen geflohen waren, um nicht "der polnischen Armee einverleibt zu werden, kamen mit je hundert Mark Geldstrafe davon. Wie in der Verhandlung zur Sprache kam, scheint eine Organisation zu bestehen, die militärpflichtige Polen nach Frankfurt überweist, wobei mit Bestechungen an der Grenze gearbeitet wird. Es wurde ferner erwähnt, daß das Honorar für den Verteidiger dieser jungen Polen an besonderen Stellen gezahlt mird.
(•) Kassel. Man schreibt uns:
Der Derbandstag des Eisenbahn-Assi- lt e n t e n -V e r b a n d e s, der hier stattfand, nahm eine Entschließung an, in der „mit Entrüstung festgestellt vird, daß, obwohl die Eisenbahn-Asiistenten in einzel- »en Ländern und die Assistentenklassen bei der Finanz- »erwoltung und des Reichs in die Sekretärklaffe über» ührt und die Lehrer in Klaffe 7 eingestuft worden sind, >ie preußischen Eisenbahn-Assistenten zurückgeblieben mb. Der Eisenbahn-Assistenten-Verband erhebt erneut eine seit Jahren vertretene Forderung, mit den gleich zu achtenden Beamtengruppen des Reiches und anderer Ressorts gleichgestellt zu werden und ersucht die Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten und Anwärter, dies« Forderuna mit allen gewerkschaftlichen Mit
teln zu verwirklichen." Ferner wurde gegen Die unterschiedliche Beförderung von Eisenbahn- Assistenten ohne Prüfung zu Vorstehern und Se- kretären Beschwerde erhoben und der Antrag angenommen, daß der Eisenbohn-Affistenten-Verband mit einigen weiteren Verbänden sich zu der Fachgewerkschaft der nichttechnischen Eisenbahnbeamten zusammenfchließt.
X Naumburg. Herr Stadtpfarrer Dr. Lamme y e r ist in diesen Tagen nach Bonn übergesiedelt, um sich ganz wisienschastlichen Arbeiten und dem akademischen Lehrberufe zu widmen. Bekanntlich hat derselbe in Bonn den Doktorgrad in Aegyptologie, semili- scher Philologie und Philosophie erlangt. Außerdem ist derselbe Doktor der Theologie der Universität Freiburg, sowie seit vorigem Jahre Doktor beider Rechte der Universität Erlangen. Sein Arbeitsgebiet ist Vergleichende semitische Sprachwissenschaft, sowie Geschichte und Kultur des Orients. Bisher hat er herausgegeben hieroglyphische, koptische und arabische Texte sowie Arbeiten kulturhistorischen und kulturpolitischen Inhalts. Es sei nur erinnert an das von der Preffe aller Richtungen anerkennend besprochene Werk: „Das französische Protektorat." Auch auf s o- z i a l e m Gebiete hat sich Herr Dr. Lammeyer betätigt und in letzter Zeit zu den aktuellen modernen Problemen des In- und Auslandes Stellung genommen.
Lokaler.
Fulda, 22. Juli 1920.
±t Personennachrichten. Der frühere k o m m a n. dierende General des 11. Armeekorps, General der Infanterie Freiherr von Scheffer-Bohadel, feierte sein öOjähricies Militärjubiläum. Der General ist ein geborner Hanauer. — Die neue Amtsbezeichnung des Forstkassen-Rendanten Kohl in Fulda ist jetz' Forst Rentmeister.
)( Das Kartell der christlichen Gewerkschaften hat an den Krei saus schuß die Bitte gerichtet, die Frühkartoffe in auch an die versorgungsberechtigte Landbevölkerung, soweit sie minderbemittelt ist (Einkommen bis zu 15,000 Mark) statt zu 26 Mark zu 18 Mark für den Zentner abzugeben. Bekanntlich ist von gleicher Seite ein entsprechender Antrag für die Stadt Fulda bei der Stadtverordnetenversammlung gestellt worden.
△ Wichtig für ehemalige Kriegsgefangene. Die Reichszentralstelle für Kriegs- und Zwilgefangene teilt mit: Der Heirntransportdes in Frankreich zurückgebliebenen Gefangenen ge» päcks konnte infolge der Schwierigkeiten von französischer Seite bisher nur zu geringem Teile erfolgen. Die neuerdings eingeleiteten Verhandlungen über eine beschleunigte Rückbeförderung ve> sprechen den erwarteten günstigen Erfolg. Die in Deutschland etntreffenfcen Gepäcksendungen werden zunächst der Hamburg-Amerika-Linie zugeleitet und die einzelnen Stücke den Empfangsberechtigten von dort aus übersandt. Unter den bereits eingetroffenen Gepäckstücken befindet sich eine große Zahl, deren Aufschriften verloren gegangen oder unleserlich geworden sind. Es empfiehlt daher, daß alle ehemaligen Kriegs- und Zivilgefangenen, die ihr in Frankreich gelgffenes Eigentum vermissen, unter Angabe ihrer gegenwärtigen Adresse eine genaue Beschreibung der Stücke der Hamburg-Amerika-Linie nach Hamburg zugehen lasten.
— Zur Angestellten., ewegung schreibt man uns: In einem Rundschreiben des sozialdemokratischen Zentralverbandes der Angestellten, mit welchem die Fuldaer Angestellten augenblicklich bombardiert werden, versucht man es, allen Angestelltengewerkschaften, die sich nicht mit Haut und Haaren dem Sozialismus verschrieben haben, eins auszuwischen. Besonders verdient tS festgehalten zu werden, daß dieser Verband den billigen Jakob markiert, indem er fortwährend auf seine niedrigen Beiträge hinweist. Weiter wird dann noch in dem Flugblatt behauptet, ein Jahr Fuldaer Angestellten bewegung habe für die Angestellten noch keine Vorteile gebracht. Wenn dieses, wie angenommen werden kann, an der Führung der einjährigen Angestellten-Bewegung liegt, so kann man auch von dem vielgepriesenen Zentralverband nichts Ersprießliches erwarten, denn die Leitung der Fuldaer Angestelltenbewegung (Kartell der Angestellten) lag in denselben Händen, in denen jetzt die Leitung des Zentralveroandes der Angestellten ruht. Diese Tatsachen müssen für jeden Angestellten (männlich oder weiblich) Grund genug fein, ihren seitherigen Verbänden die Treue zu bewahren und für die weitere Ausbreitung derselben Sorge zu tragen.
---- Der Verein Kriegerkameradschaft beschloß in seiner Generalversammlung, das Sterbegeld laut Vorstandsbeschluß den Zeitverhältnissen entsprechend auf 50 und 100 Mark zu erhöhen. Dem gegenüber wurde der vierteljährige Vereinsbeitrag auf 2 Mark erhöht. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, den im Weltkrieg gefallenen Kameraden eine Ehrentafel im Vereinslokal zu widmen. Alsdann wurde wieder eine Anzahl neuangemeldeter Kameraden in den Verein aufgenommen. Nach Berichterstattung des Vorsitzenden über den letzten Kreiskriegerverbandstag wurde die Generalversammlung geschlossen.
Klagen über die Post. Warum sorgt die Post nicht für ausreichende Mengen von Briefmarken? Das ist eine der Fragen und Klagen, die in letzter Zeit häufig in der Oeffentlichkeit erhoben werden. Und in der Tat der Markenmangel ist unleugbar. Woraus aber ist er zurückzu- ühren? Die Hauptursache ist allgemein bekannt: der erhöhte Gebührentarif für den innerdeutschen Verkehr, dann aber auch der durch den Stand unserer Valuta verteuerte Auslandspostverkehr erfordert einen gewaltigen Verbrauch an Postwertzeichen, daß die Herstellung damit nicht mehr gleichen Schritt zu halten vermochte. Hinzu kommt aber noch ein Umland, der den Aufbrauch der Briefmarken wesentlich beeinflußt, d. i. die Verwendung der Briefmarken als Kleingeldersatz. Auf diese Weise werden so bedeutende Mengen ihrer eigentlichen Bestimmung entzogen, daß man sich wirklich nicht wundern kann, wenn hier und da ein Mangel eintritt, der nicht so geschwind zu heben ist wie man '.wünschen möchte. Was tut nun die Post, um diese offenkundige Kalamität •,u beseitigen? Ihr Hauptbestreben ist, mehr Marken zu drucken. Tas wird ihr gelingen, wenn die Zweifarbendluckmarken durch die der Oeffentlichkeit bereits angekündigten einfarbigen ersetzt werden. Sodann werden die niederen Markwerte in kleinerem Format herausgegeben werden, wodurch die Zahl der gleichzeitig herzustellenden Wertzeichen er» heb-ich vermehrt wir». Weiter wird an neuen hochwertigen Marken (zu 10 und 20 Mk.) eifrig gearbeitet; es ist zu erwarten, daß diese in absehbarer Zeit erscheinen werden. Schließlich wird es der Verbrauch anPostwertzeicheu nicht unerheblich vermindern, daß die Postanstalten jetzt Hobe Beträge an Aus» lands-Paketporto auf den Paketkarten nicht mehr durch Freimarken darzustellen brauchen, sondern bar verrechnen können. .Tas Zusammenwirken dieser Maßnahmen werd es hoffentlich erreichen, daß der viel beklagte Markenmangel recht bald der Vergangenheit angehölti
-de em. So gelang
* Zusammenstöße in Königsberg. In Königsberg tst an es verschiedenen Stellen der Stadt zu schweren Zusammenstößen gekommen. Nach einer starken Versammlung versuchten Streikende die technische Nothilfe in ihrer Arbeit zu hindern. Die Sicherheitspolizei mußte von der Waffe Gebrauch machen. Mehrere Arbeiter sind verwundet worden. Später unternahm eine große Menschenmenge den Versuch, das Elektrizitätswerk zu stürmen, um dort trotz der technischen Nothilfe den Betrieb lahmzu- legen. Auch hier mußte die Sicherheitspolizei die Angreifer auseinandertreiben.
es ihr, am Auto vorbeizusahren. Währenddessen zog ein Mann auf dem Auto einen Revolver und gab zwei Schüsse aus die Pferde imd die Tronsportbegletter ab. Beide Schöffe gingen fehl. Die Täter konnten unerkannt entkommen.
Vorstehende Bekanntmachung bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis.
Fulda, den 9. Juli 1920.
Der Landrat: 3. Köhler.
Amtliche Anzeigen.
Mt Genehmigung des Herrn Arbettsministers hebt ich meine Bekanntmachung vom 10. November 1919, bett. Verbot des Autofahrens an Sonn- und Feiertagen und Nachtzeit auf.
Kassel, den 5. Juli 1920.
Der Regierung» - Präsident. 3- A. gej. v. Hartman«.
«C Ausfallende Züge. Von heute ab fallen bis auf weiteres die Züge Fulda- ab 3,48 Ubr nachmittags nach Hünfeld und Hünfeld ab 1,13 Uhr nachmittags nach Fulda aus.
— Felddiebstähle. In den letzten Nächten wurde von den Grundstücken an der Hornungsbrücke und in der Johannesau wieder mancherlei gestohlen. Sonderbar, daß es die Diebe fast immer auf das Eigentum armer Arbeiter abgesehen haben, die selbst mit der Not zu kämpfen haben.
— Zn einem Theaterabend lädt der K. K. D. seine Mttglieder und deren Angehörige, sowie alle Freunde des Vereins auf Freitag abend ein, (siehe Anzeige), zum erften» male feit Beendigung des Krieges. Vor dem Kriege erfreuten sich die Veranstaltungen des Vereins stets des größten Interesses weiter Kreise der Fuldaer Bürgerschaft und zeichneten sich durch die Qualität der Darbietungen aus. Auch diesmal lassen die sorgfältigen Vorbereitungen einen vollen Erfolg erhoffen. Zur Aufführung gelangt das dreiaktige Lustspiel „Hans H u ck e b e i n" von Blumenthal und Kadelburg, den bekannten Verfassern einer Reihe beliebter Theaterstücke, darunter das altbekannte „Im weißen Röß'l". In dem spannenden und oerwick- lungsreichen Lustspiel „Hans Huckebem" bieten sie eine Ueberfulle bald heiterer, bald drastischer Situationskomik, durchwürzt , mit sprudelndem Humor, Witz und Satire.
— Sinsoniekonzerl. Das nächste der Mehlerschen Sinfoniekonzette findet nicht am 28. Juli, sondern er ft Mittwoch den 11. August statt. Näheres über bet Kartenverkauf wird noch bekannt gegeben.
— Neue Beitragsmarken. Die Verwendung der neuen Beitragsmarken findet nicht, wie am 20. Iuü hier ge- meldet wurde, vom 8. August, sondern vom 1. August ab statt.
Märkte.
(*) Hersfeld. Der gestrige Schweinemarkt war mit 188 Ferkeln und 3 Läuferschweinen befahren. Der Handel ging langsam, da die Nachfrage für Ferkel keine große war. Gezahlt wurden für Ferkel 100—250 Mark, für Läufenchweine 500 bi? 600 Mark. Em großer Teil der aufgetriebenen Tiere wurde nicht abgeietzt.
Mrkschaflspoliiische Mitteilungen der Handelskammer in Fulda.
Polnische Einfuhrverbote. Bei der Geschäftsstelle der Handelskammer in Fulda liegt die Verordnung des polnischen Industrie- und Handelsministers betr. die Einstellung der Genehmigung der Einfuhrbe- willigungen für die Einsuhr einzelner Warengattungen über die Zollinie der Republik Polen zur Einsichtnahme auf.
Aufhebung des Verbots der Ankündigung und Abhaltung von Ausverkäufen für Textilwaren. Laut Bekanntmachung im Reichsanzeiger vom 15. Juli 1920 sind mit Wirkung von diesem Tage ab sämtliche Vorschriften, welche die Ankündigung und den Ausverkauf für Textilwaren bis. her verboten, aufgehoben.
Die Korrespondenz über Borkriegsforderungen, welche unter Artikel 296 des Friedensvertrages fallen, dürfen zwischen Gläubigern und Schuldnern sich ausschließlich auf die Feststellung der Verbindlichkeiten, nicht aber auf die Regelung der Schulden, ober auch nur auf Vorschläge zu dieser Regelung beziehen. Auch vor Andeutungen in dieser Richtung werden deutsche Gläubiger und Schuldner dringend gewarnt, und andrerseits wird ihnen empfohlen, genaue Kopien aller ihrer Briefe über Feststellung von Aus- lo.ndsverbindlichkeit zurückzubehalten und die namentlich von englischen oder französischen Beteiligten empfangenen Schreiben sorgfältig aufzubewahren, um sie nöti- genfade den zuständigen amtlichen Stellen auf Verlangen vorlegen zu können.
Die Luxussteuerpflicht der Kleinhänd- l er. In den Kreisen der Kleinhändler (Detailliften) scheint noch vielfach Unttarheit über die Luxussteuerpflicht zu herrschen. Die Luxussteuer ist zwar in wei- tem Umfange aus dem Laden zum Fabrikanten zuruck- verlegt, und nur bei den verhältnismäßig wenigen Ge- genftänben bes § 21 bes neuen Umsatzsteuergesetzes (echte Edelmetallsachen, Gegenstände mit Edelsteinen, Halbedelsteinen und Perlen, Kunstgegenstände, Antiquitäten, Samrnelgegenstänbe u. ä.) ist grundsätzlich der Kleinhändler der unmittelbar an den Verbraucher veräußert, mit 15 Proz. luxussteuerpflichtig. Es wird aber offenbar vielfach übersehen, daß auch der Ladenbesttzer der Herstellersteuer des § 15 unterliegen kann .nämlich wenn er, wie das vor allem bei Textilien und Möbeln nicht selten der Fall ist, die von ihm vertriebenen Gegenstände selbst herstellt. Die Ladenbesitzer mit eigenen Nähstuben, Werkstätten usw. werden hieraus in ihrem eigensten Interesse aufmerksam gemacht und sind insbesondere verpflichtet, bei der diesmaligen ersten Veranlagung zur neuen Luxussteuer bis zum 15. August 1920 die Luxussteuererklärung auch für die von ihnen selbst hergestellten Gegenstände aus der Liste bes § 15 bes neuen Umsatzsteuergesetzes abzugeben.
vermischtes.
* Bestechliche Beamte. An den großen Veruntreu- ungen, die in Köln mtt Ein- und Ausfuhrbewilligungen verübt wurden, sind eine Reihe von Beamten des Reichskommiffariltts für Ein- und Ausfuhrbewilligungen beteiligt. Es handelt sich um Schiebungen, bei denen Millionenwerte in Frage kommen. Von der Kölner Polizeibehörde find dem dortigen Reichskom- missartttt als Be-eiligte ein Dr. Sieger, ein Kaufmann Kirsch und de Solve und ein Holländer Lindhorst fest- genommen wurdm. Das Haupt der Fälschergesell- schast, der Vorsteher Ringel, ist mtt einem großen Vermögen, man schätzt dies auf etwa 3 0 Millionen Mark, über die holländische Grenze entflohen. Die Untersuchung gegen weitere Personen ist noch im Gange. Sie dürste zu neuen Festnahmen führen Der in Berlin festgenommene Provisionsreisende Paul Söndgerath stand in ettger Verbindung mit dem flüchtigen Vorsteher Ringel. Auch Söndgerath trug sich bereits mit dem Plane, nach dem Auslande abzudampfen.
Nachtrags-Bekanntmachung.
Zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche wird auf Grund der §§ 18 u. ff. bes Diehseuchengesetzes ootn 26. Juni 1909 (R -G.-Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten folgendes bestimmt:
§ 1. Nachdem der Ausbruch der Maul- und Klaueiv seuche unter dem Rindviehbestande 1. des Magnus Hüffch in Niederbieber, und des Andreas Held in Neustadt amt? tierärztlich festgestellt worden ist, wird aus der Gemeinde Niederbieber und aus der Gemeinde Neustadt je ein Sperr» bezirk gebildet.
Im übrigen wird auf die früheren Bekanntmachung« (vergl. Nr. 154, 155 und 156) der „Fuldaer Zeitung' hingewiefen.
Fulda, den 15. Juli 1920.
Der Canbraf: 3. 33.: SSHler.
Ausgebroche«: Die Maul- und Klauenseuche i» der Gemeinde Angersbach, Kreis Lauterbach.
Fulda, den 17. Juli 1920.
Der Londrol: L. D.: Köhler.
Letzte Nachrichten.
wtb Berlin, 21. Juli. Der Ausschuß für Me au | märtigen Angelegenheiten setzte heute nai I mittag seine Verhandlungen fort. Abg. Spahn erfläi I hinsichtlich der Möglichkeit, das verlangte Kohlenguantt I zu liefern, daß der Versuch zur Lieferung gemacht werd I müsse und bei allseitig gutem Willen Erfolg haben kön, I Die Haltung der Delegation billigt der Redner. Ai I Strefemann (D. Bpt.) erklärt, nach sachkundigen Fx I stellmigen würde an Kohlen eine Mmderbelieserung „ I 20 Prozent emtreten. Der zähe Widerstand der Unti I nehmer-Sachverständigen war kein Ausfluß kapitalistisch I Anschauungen, sondern entspräche auch der Auffassung tz I Arbeitersachverständlgen. Abg. Schiffer (Dem.) me I hinsichtlich der psychologischen Beurteilung der Abkomny 1 auf die Berichte des französischen Ministerpräsidenten Ätz I lerand hin, m denen m Verbindung mit Spaa die beu I lichste Emmischungsobsicht ausgesprochen sei. Die Emst I düng eines französischen Gesandten nach München sie- I in derselben Linie. Abg. Breitscheidt (Unabh.) man I in der Kohlenfrage vor dem Gedanken einer Verlängeruy I der Arbeitszeit. Er wünsche nicht die Besetzung des Ruh I gebiete, würde aber eine Verlängerung der Arbeitest I kommen, so würde die Abneigung der Arbeiter gege I fremde Besetzung sehr nachlassen. Es sei ihnen gleich, R I welche Kapitalisten sie arbeiten. Abg. Stampfer (S> I tritt dieser letzten Aeußerung des Vorredners entgegen. Di I Arbeiter sind unter allen Umständen gewillt, die Linlft I der Nation zu erhalten. Gegenüber einer Bemerkung be Abg.Hötzsch, daß die Frage des Ostens in Spaa häh I zur Sprache gebracht werden muffen, erklärt Reichsttmzsi j Fehrenbach: In Spaa ist auch auf die Gefahr h I Osten aufmerksam gemacht worden, und zwar hinsichtlh der Notwendigkeit eines Grenzschutzes. Daß die Rcpar« tionsfrage in Spaa nicht mehr ausführlich zur Sprock I kam, ist kein Unglück. Es ist jetzt eine b'fiett Vorder«! tung der Frage für Genf möglich. Abg. Frech ur doi Serener: Die Entente weiß, daß sie gar nicht ba. Recht zum Einmarsch hat. Ein Einmarsch würde ei, Bruch des 33ersailler Friedens und des Völkerrechts sein Abg. Frl. Sender teilt zur Sage im Osten mtt, dos m Ludwigshafen Waffentransporte der Entente nach dm Osten eingetroffen seien. Die Arbeiter hätten die Besöv denmg dieser Waffen abgelehnk. Gegen Separation, beftteburroerr trete ihre Partei mit aller Schärfe auf.
I wtb Berlin, 21. Juli. Von zuständiger Stelle mir! mitgeteilt: Die österreichische Regierung steht mi Sowjetrußland in Verbindung über den Aus tausch der beiderseitigen Kriegsgefangenen. Sie ho) daher vor kurzem die Reichsregierung erfucht, die nod in Oesterreich internierten kriegsgefangenen Ruff«, durch Deuffchland nach Rußland zurückbefördern zu bist fen. Die deutsche Regierung hat ihre Zustimmung daz« erteilt, und nunmehr ist ein Transport von 108 Ulan, ner und 8 Frauen nach Stettin geführt worden. Dori machte der österreichische Offizier, der den Transport führte, die Mitteilung, daß sich h o ch p o li t i f ch, Persönlichkeiten auf dem Transport befänden. Schon vorher war durch das österreichische Korrespm- denzbureau verbreitet worden, daß Bela Khun mit mehreren Begleitern nach Deutschland abgeschoben war- den sei. Da die deutsche Regierung auf eine Anftag, des österreichischen Gesandten in Berlin ausdrücklich er« klärt hatte, daß ihre Zustimmung sich nur auf den Durchtransport von Kriegsgefangenen bezöge und sie es grundsätzlich nicht gestatten könne, daß andere Per« fonen, insbesondere politisch verfolgte wie Bela Khun, dem Transport angeschlossen würden, mußte der Trans, vort in Stettin angehalten werden. Nach de» Regeln des Völkerrechts war der unter österreichischer Leitung und Bewaffnung stehende Transport als exterritorial anzusehen. Eine Aussonderung der politischen Persönlichkeiten von den Kriegsgefangenen stand daher der deutschen Behörde nicht zu. Vielmehr mußte der ganze Transport, weil er gegen die Vereinbarung zufammengestellt worden war, nach Oesterreich zurückgeleitet werden. Die Rückbeförderung des Transportes ist bereits im Gange. Die deutsche Regierung bedauert, daß durch das Vorgehen der österreichischen Regierung die Heimkehr der ruffischen Kriegsefangenen verzögert wird. Sie wird die Heimkehr dieser Gefangenen mit größter Beschleunigung be- wirken, sobald die östrereichische Regierung ihr 'nachweist, daß der erneute Transport der Vereinbarung entspricht.
wtb Dresden, 22. Juli. Erwerbslose haben vor den Redaktionen der Dresdner Nachrichten und des Dresdner General Anzeigers erregte Kundgebungen veranstaltet, weil ihr Entschließungen nicht ousführ- lich und auffällig genung in diesen Blättern gestanden hätten. Sie haben schwere Drohungen gegen die Redaktion ausgestoßen.
wtb Rostock, 21. Juli. Ein gewaltiger Brand hat am Dienstag abend das Gut Bietgast bei Güstrow heimgesucht. 37 Pferde sind verbrannt, sowie größere Futtervorräte und landwirtschaftliche Maschinen usw. vernichtet. Der Schaden beträgt mehrere Millionen.
* ffiin Millionenkransport überfallen. Die Magdeburger Viehhandelsbank, die auf dem Schlachthose eine Zahlstelle unterhält, wollte die Summe von einer Million Mark, darunter 15 000 Mark in Gold- und Silberwährung, nach der Reichsbank bringen. Das Geld sollte auf einem Fuhrwerk transportiert werden und wurde von drei Angestellten überwacht. Dem Fuhrwerk kam von entgegengesetzter Richtung eine Autodroschke entgegen, die mit drei Mann besetzt war, und hiell Mötzlich unmittelbar vor dem Ge- fährt. Die Führerin schöpfte Verdacht mrd hieb kurz ent» schlossen mit der Peitsche auf die Pferde em. So gelang es ihr, am Auto vorbeizusahren. Währenddessen zog ein
Wlungen Des Mennmtes.
Brikettvertettung.
Arn Freitag, den 23. Juli, für folgende Straßen« Langebrücke, Maberzellerstr., Domplatz, Klosterweg, Lichtweg- Domdechanei, Frauenberg, Marienstt.
(Eine wirklich sachgemäße pflege des Schuh' und Ledsrmaterials sollte sich jede Hausfrau zur erste" Pflicht machen. Beim Einkauf von Lederkreme darf deshalb nicht der Preis maßgebend fein. Die Firma Earl GentnSt, Göppingen, bringt, wie im Frieden, wieder <ochudpUV Bigrin mtt Banderole — Schutzmarke der bekannte Scho«' fteinfeger — aus garantiert reinem französischem oder amerikanischen Terpentinöl, ohne jeden Zusatz von Ersatzstoffen, in den Handel, bei dessen Verwendung das Ledet geschont und erhalten, wasserdicht und geschmeidig gemacht wird. Durch Behandlung mit Bigrin wird ein frühzeitig« Brechen des Leders vermieden und bei sparfamstem brauch auf den ersten Dürstenstrich ein prachtvoller tief' ichwarzer Dauerhochglanz erzielt.