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Nr. 160.

Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Lari Schütte, z für dir Anzeigen: I. Par zellet-Fulda. N Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fuwa- Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adrefle: Fuldaer Zeitung

aerZenung

Mittwoch, 14. Zull 1920.

Bezugspreis: Monatlich Z.00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bet uns abgeholt 3,15 Mk. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmah) 60 JJfg„ u. 10% Zuschlag, die Reklamezeile (Tertbreite) 1.80 Mk., u. 10% Zuschlag. Del Wiederhol. Rabatt.

47. Zahrg.

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arbeitete sozusagen Tag und Nacht. Er

hatte

Predigten

mein Gesicht! Ich mag nicht, daß Rolly dies kommt mir dann immer mit seinen dummen

spitz wird sieht. Er

Fordernde Liebe

Roman von Erich Ebenstein.

Predigten und will, daß ich zu Bett bleibe. Aber es srhlt mir ja nichts. Das ist doch nur das Frühjahr und die kleine ErkAtung, die ich noch immer nicht los

.Weiht Du, ich sehe jetzt morgens immer so elend und blaß - - - -

werden konnte. Auch stört es mich, wenn Rolly so spät zu Belt geht. Ich schlafe dann stets so schwer wie­der ein. Später, unter Tags, sehe ich ja wieder ganz pasiabel aus. Rur früh soll er mich nicht sehen. Du Ulußt ihm das begreiflich machen. Wenn Du ihm sagst, er soll drüben im Wohnzimmer schlafen, tut er es irwiß!"

.Aber fühlst Du Dich denn wirklich wohl, Liebling?" sragte Wera, die von dem heimlichen Bluthusten und schlaflosen Fiebernächten nichts ahnte.

.Wie ein Fisch im Wasser! Fange doch nur nicht auch Du wieder an mit diesen überflüssigen Besorgnissen um meine Gesundheit! Denke lieber, daß es auch für «ofanb besser ist, wenn er jetzt mehr für sich leben J°nn, wo all seine Gedanken bei dem Stück sind, von «em wir soviel erwarten. Nicht wahr. Du wirst es *>r zuliebe so einrichtens"

„Unter einer Bedingung: Daß Du dann, wenn die Me Ausführung der .Samson" vorüber ist, mit Deinem »iann irgendwohin aufs Land gehst. Ihr habt beide Erholung dringend nötig. Du weißt, Dr. Kämmender "rlangte es neulich für Dich geradezu!"

„Meinetwegen. Nur das Derby müssen wir erst ab« •»orten; das lasse ich unter keiner Bedingung aus! Und *<n Ort wähle i ch ausl Und D u kommst natürlich

Er arbeitete sozusagen Tag und Nacht. Er U»«- feine Ahnung, daß die rosigen Wangen seiner kleinen Frau geschminkt waren, ihre quecksilberne Lebhaftigkeit die Frucht unerhörter Anstrengungen, und arglos ging

er auf Weras Vorschlag ein, ihn aus dem Schlafzimmer auszuquartieren. „Damit er Laus Schlaf nicht störe, wenn er, wie jetzt täglich, erst lange nach Mitternacht tu Bett ging." Der Plan zu diesem Porschlag, den Dera ebenso arglos übernahm, wie sie ihn dann Ro- iond machte, war in Lous Kopf entstanden.

Am toten Punkt.

We Kohlenfrage hat trotz dreitägiger Der- jandlung keine Lösung gefunden. Di« Deutschen hat- en als Höchstleistung die Lieferung von 1 Mllion lornien monatlich vorgeschlagen und gingen später so- jar auf 44 000 To. pro Arbeitstag herauf. Gestern zat die deutsche Abordnung ein weiteres getan und fls äußerstes Angebot eine Tageslieferung von vor- jäusig 65 000 Tonnen, später von 68 000 Tonnen an» »boten. Mehr, erklärte Dr. Simons, könne Deutsch, «nd nicht leisten. Die sehr ernst zu nehmende Ant- roort des Vorsitzenden der Konferenz läßt keinen Zwei­fel darüber, daß wir in der Krise stehen. Läßt sie sich nicht überwinden, so- wird eine wirtschaftliche Verständigung in Spaa in der Kohlenftage gescheitert fein, denn ohne eine erträgliche Lösung dieser Frage wird die deutsche Delegation auch bezüglich der Wieder­gutmachung, insbesondere bezüglich der Iahreszahlung keine bindende Erklärung abgeben können.

Spaa, 13. Juli. Die Lage hat sich im Lause des heu- fsgen Tages erheblich verschlechtert. Der gün­stige Eindruck vom gestrigen Tage gründete sich hauptsäch­lich darauf, daß die Wiedergutmachungsfrage von den Alliierten an eine sog. gemischte Kommission ver­wiesen worden war, deren .Zweck nur ausgiebige Ver­handlungen sein konnten. Bei der irrsten Sitzung dieser Kommission heute stütz stellte sich aber heraus, daß es den Alliierten dabei nicht auf Verhandlungen, sondern nur auf gewisse Feststellungen ankommt. Bezeichnender Weise schält die Kommission den Namen Untersuchungskommis- sum. Sie fall nur dazu dienen, Fragen der Alliierten aufzuklären. Der Präsident der Kommission bat die deut­sche Delegation um eine bestimmte Auskunft über die Höhe des finanziellen Angebots, insbesow- bere der Iahreszahlung. Reichsminister Dr. Wirth stellte eine solche Antwort für den Nachmittag in Aus­sicht. Inzwischen hatten die deutschen Sachverständigen in der K«hlenfrage mit den Sachverständigen der Gegenssda über ein neues Angebot monatlicher Tonnen- fiefenmg an die Alliierten verhandelt und das Angebot in schriftliche Form gebracht. Eine Einigung war nicht zustande gekommen. In dem am Nachmittag beim Reichs­kanzler abgehaltenen Mmtsterrat wurde infolgedessen be° schlossen, die gewünschte Auskunft an die gemischte Kommission zunächst z u r ü ck z u h a l t e n, bis in der Nachmittagssitzung der Konferenz die Kotzlenlieferung, die dem wirifchostlichen Angebot zur Grundlage dienen müsse, feftgeftellt worden (et

Die Vollversammlung der Konferenz am Nachmittag führte zu einer unmittelbaren Krisis. Gleich zu Beginn erteilte der Vorsitzende Herrn Dr. Si­mons das Wort zur Deantwortimg der Frage über die Kohlenlieferung. Dr. Simons erinnerte noch einmal dar­an, daß der deutsche Vorschlag unter allen Umständen von der Zustimmung der deutschen Jrcknistrie und der Arbeiter­schaft abhängig sei. Die Industrie sei bereit zu erheb­lichen Leistungen. Schwieriger sei jedoch die Frage der Arbeiterschaft, well jene sich notwendigen Ueberschichten widersehe und infolge der schlechten Ernährungslage stark behindert fei. - Ohne eine erhebliche Verbesserung der Er­nährung sei an eine Steigerung der Produktion nicht zu denken. Auch müßte für eine größere Zahl Bergarbeiter angemessene Wohnungen geschcssfen werden. Unter diesen Voraussetzungen könne man zusagen, das Tageslie- ferquantum vom 1. Oktober 1920 ab um 12 000 Ton­nen, also auf 56 000 Tonnen und vom 1. Oktober 1921 ab um weitere 12 000 Tonnen auf 6 80 0 0 Tonnen zu erhöhen, lieber dieses Angebot könne die deutsche Delegation nicht hinausgehen. Der Minister erklärte aber weiter, eine nicht unerhebliche Stet- flerung sei möglich, wenn in Oberschlesien für Ruhe gesorgt werde, sodaß Ueberschichten geleistet werden kön­nen. Dazu sei erforderlich, den Abstimmungster­min sobald als möglich anzusetzen, weil Ms dahin die friedliche Arbeit durch Agitation aller Art gefährdet werde. Noch besser würde es fein — ober damit gebe

aus," sagte sie zu Wera, „sieh nur, ganz

er nur eine Anregung, ohne einen Antrag zu stellen — wenn man auf die Abstimmung überhaupt ver­zichte und über die Kohlenlieferung an Polen und an die anderen auf die oberschlesische Kohle angewiesenen Länder unter Zustimmung der Alliierten eine Verein­barung träfe. Ideelle Werte kämen für die Polen über­haupt nicht in Betracht, da Oberschlesien seit Jahrhunderten deutsch sei. Aber mich in materieller Beziehung würde Polen fernen Nachteil erleiden, insofern die Kohlenpro­duktion der oberschlesischen Bergwerk unter deutscher Verwaltung höher sei als unter polnischer, und Vorsorge getroffen werden könne, daß Polen durch die deutsche Grubeiwerwaltung m ausreichendem Maße mit Kohlen versorgt werde. Herr Dr. Simons betonte ausdrücklich, Deutschland fürchte die Abstimmung in Oberschlesien nicht, aber es wolle die damit verbundenen Unruhen vermeiden im Interesse der Kohlenproduktton. Würden diese oer«' mieden, so sei eine erhebliche Steigerung möglich. Er bitte daher, diese Ausführungen in Erwägung zu ziehen.

Der Präsident der Konferenz Herr Delacroix ant­wortete darauf mit sehr getragenen Worten, indem er den Ernst der Lage schilderte, die durch diese Erklärung des Herrn Dr. Simons geschaffen sei. Er versicherte dar­auf, die Alliierten seien von dieser Erklärung schwer enttäuscht. Der Friedensvertrag habe Deutschland zur Lieferung von 3 Mill. Tonnen verpflich­tet, die Wiedergutmachungskommsssion habe die Summe auf 2,5 Mill, herabgesetzt und die Konferenz habe diese Summe noch auf 2 Mill, erniedrigt. Trotzdem sei Deutsch­land nicht zur Annahme bereit. Unter diesen Umständen mässe er die Sitzung aufheben und behalte sich dot, den Delegationen einen Beschluß über einen neuen Termin mitzuteilen.

Spaa, 13. Juli. Dr. Simons hat heute abend den Vertretern der deutschen Presse die Sage in der Kohlen­frage klar geschildert und mit der sachlichen Begründung seines Standpunktes, der zugleich der Standpunkt der Sachverständigen ist, tiefen Eindruck gemacht. Die deut­sche Delegation will keinen neuen Vertrag eingehen, den sie nach ihrer sicheren Ueberzeugung in kürzester Frist brechen müßte. Sie will nicht gegen das Gutachten ihrer Sachverständigen, vor allem nicht gegen den Wil­len der deutschen Arbeiterschaft Bindungen eingeh.!^ die sie ja nicht dem Kabinett, sondern den fceufdjen Unternehmern und vor allem der deutschen Arbeiter­schaft auferlegen würde. Sie will es nicht und sie kann es nicht. Herr Dr. Simons hat mit Nachdruck erklärt, daß er glaube, das Vertrauen der Arbeiter zu genießen, und daß er es weit von sich weise, auf das Diktat der Alliierten an den Arbeitern Verrat zu begehen. Eine Vertragsunterfchrift kann ein Kabinett leisten, aber die Ausführung eines Wirtschaftsvertrages ist Sache des Volkes und Sache der Arbeiter: an dieser Stelle hört die Macht der Sieger auf. Findet sich kein Ausweg, bann hat die Konferenz von Spaa in dem Augenblick ihr Ende gefunden, in dem sie ein großes Werk hätte beginnen können. Dann fällt den Alliierten die sehr schwierige Ausgabe zu, durch die Wiedergutmachunas- kommission einen praktisch gangbaren Weg ohne deutsche Vorschläge zu suchen, der in Spaa auf Grund der deut­schen Pläne nicht zu finden war. lieber einen Punkt wird sie niemals Hinwegkommen: über b-n festen Wil­len der deutschen Arbeiter, nicht Sklavenarbeit für Lloyd George und Millerand zu leisten.

Ein UebcrfaU in Spaa

In der Nacht zum Dienstag wurde der Vertreter de» Wölfischen BureauS in Spaa auf dem Nachhause, toeae von einem bei iscken Offizier beleihtet und dann mißhandelt. Die Angelegenheit wird untersucht und werter »erfolgt '

Der Abstimmungssieg.

Die aus dem ostpreußischen Abstimmungsgebiet ein- erlaufenden Berichte bekunden, daß der glänzende Sieg des Deutschtums überall große Begeisterung hervorgerufen hat. Die einzelnen Ergebnisse, i);e ein überwältigendes lieber! cwich» über dir fast rt lüg ver­schwindende polnische Minderheit aufwiesen, wurden

„Letzteres wird sich schwer machen lassen, mein Herz. Papa will einen halbjährigen Urlaub nehmen und die­sen mit uns in München derbringen. Die Meinen rei­sen schon zu Ostern fort ich soll nachkommen, sobald Du mich nicht mehr nötig host . ." sagte Wera zögernd.

„Aber ich habe Dich eben immer nötig, Mütterchen Wera! Und es war doch schon ausgemacht —"

„Damals handelte,es sich nur um eine kurze Öfter- reife in den Gardasee, wo ich allein die Eltern begleiten sollte. Seitdem hat sich viel Trauriges ereignet. Isolde ist ganz gebrochen, Danielas Briese lauten auch trostlos, da meint Papa, um ihretwillen wäre es am besten, Wien zu verlassen. Man entgeht dadurch dem pein­lichen. Gerede und beide kommen auf andere Gedanken."

„Frau Daniela soll also auch mit?"

„Mama wünscht es wenigstens. Sie korrespondiert deshalb eifrig mit Daniela — bisher freilich erfolglos.“

„Wozu brauchen sie denn dann aber D i ch noch dazu? Ich garantiere Dir, Du wirst Dich mit uns vier besser amüsieren, als mit Deinen beiden Trauerweiden von Schwestern, die schließlich an ihrem Unglück doch nur selbst schuld sind! Isolde wenigstens."

„Bitte, laß das, liebe Sou! Wenn jemand unglück­lich ist, soll man nicht fragen, ob er schuld daran ist ober nicht? Isolde ist sehr unglücklich. Uebrigens spre- chen wir wohl noch über die Sache."

Sou nestelte sich schmeichelnd en Wera.

„Du bist meine Freundin, und ich mag nun einmal nicht sein ohne Dich," sagte sie naiv. „Rolly auch nicht — still, mach kein so abweisendes Gesicht, ich weiß es ganz genau, wenn er es auch nie gesagt hat! Du sorgst so gut für uns beide. Du weißt immer Rat, wenn wir in Verlegenheit sind, und machst all unsere Dummheiten wieder gut. Ohne Dich hätte Rolly seinen „Samson" überhaupt nicht schreiben können!"

„Aber Sou!" ,

„Ganz gewiß nicht! Denn bann hätte er sich um alles Mögliche kümmern müssen: um mich, den Haus­halt, daß die Defen rechtzeitig geheizt werden und das Essen auf den Tisch kommt, daß Betty uns nicht be­stiehlt und ich das Geld nicht'vertue — Gott, ich will's ja gar nicht, aber es geschieht eben doch . . . ganz ge. gen meine Absicht — na, kurz, Du bist uns unent- behrlich!"

„Dennoch, Sou — es ist vielleicht gut, daß wir ein­mal davon sprechen: immer kann das doch nicht so fort- gehen! Sieh, gerade dann, wenn ihr auf dem Lande

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bei der Bekanntgabe jubelnd begrüßt. Mehrfach wird berichtet, daß noch in der Nacht Umzüge mit Fackeln stottfcmden. Freudenfeuer loderten zum Himmel em­por, und die Knchenglockcn begrüßten den Sieg , der deutschen Einheit und Geschlossenheit. Kein Mißton

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Das Abstimmungsgebiet in Westpreussen, störte die allgemeine Freude, von der alle deutsche Volks­kreise ohne Unierschied des Standes und Berufes er­griffen waren.

Aus Spaa sandte Reichskanzler Fehrenbach an den Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen nachstehendes Danktelegramm:

„Das Ergebnis der Abstimmung in Ost- und West­preußen ist ein heller Lichtblick in schwerer, ernster Zeit. Deutsche Treue konnte sich in diesen Tagen nicht schöner und überzeu enöer eiweisen. Ich bitte Sie, der Be­völkerung der preußischen Ostmark, die in so erhebender Weise für das alte Vaterland Zeugnis abgelegt hat, den allerherzttchsten Dank der Äetchsregierung zum Ausdruck ru bringen. Fehrenbach "

Reichspräsident Ebert und die preußische Negierung erließen Kundgebungen an den Ober- Präsidenten in Königsberg. Der Oberpräsident hat an die Ostpreußen und die Schwestern und Brüder, die aus dem westpreußischen Abstimmungsgebiet neu zu Ost­preußen hinzutreten, einen Aufruf gerichtet, in dem er narrens der Regierung all den Taufenden deutscher Frauen und Männer, die für die Errichtung des schönen Zieles ihre beste Kraft eingesetzt haben, heißen Dank aussprickst. Die öffentlichen Gebäude haben Flaggen- schmuck angelegt. •

seid. Dein Mann fein Stuck beendet hat und Du keine gefellschastttchen Ablenkungen mehr hast, wäre die beste Gelegenheit, daß Du Dich ein bißchen daran machtest. Deine häuslichen Pflichten zu üben ..."

„Um Gottes willen," Sou hielt sich lachend beide Ohren zu, „red mir doch nur davon nicht. Ehr Schnee- hyhn könnte eher chinesisch lernen, als ich Hauswirtschaft! Nein, Du, den Gedanken habe ich längst aufgegeben! Dazu muß man geboren sein! Ueberhaupt schon das bloße Wort. „Pflicht" kommt mir dumm und eklig vor. Pflicht und Zwang . . ."

„Nein, Sou. Pflicht ist Freude! Man muß sie nur richtig verstehen!" sagte Wera ernst.

„Dir macht sie Freude. Mir gar nicht. Du bist eben auch dafür geboren." . '

„Und wofür bist D u geboren?“ Weras schöne blaue Augen ruhten eindringlich auf der Freundin. Sou aber lachte nur. Unbekümmert schüttelte sie ihr wuschiges braunes Sockenköpfchen.

„Weiß ich's denn? Frage doch die Lerche, wozu sie geboren ist? Sie ist eben da und freut sich, daß sie lebt und die Welt fo schön ist!"

„Recht so, Kleines! Du sollst auch gar keine andere Lebensphilosophie haben!" sagte Roland, der eben ein­trat und die letzten Worte gehört hatte.

Mit einem gütigen Lächeln, das fein schönes Antlitz wundersam verklärte, nahm er die kleine zierliche Ge­stalt in die Arme.

„Freue Dir nur, mein Lerchlein,“ fügte er, herzlich hinzu, „das ist alles, was ich wünsche."

„So, bist Du zufrieden mit mir, wie ich bin?" fragte Sou lächelnd.

„Gewiß! Immer! Und nun will ich Dir eine große Neuigkeit mitteilen: übermorgen findet im Dolkstheater die erste Leseprobe des „Samson" statt!"

Er hatte es zu Sou gesagt, aber fein Blick hing da­bei an Wera, als gelte die Nachricht in Wahrheit nur ihr-

„Wirklich?" rief Wera strahlend. „Das Stück. ist angenommen?"

„Ja. In der neuen Fassung der Schlußszene, die ich nach den Winken des Direktors änderte. Sie wissen, diese Szene gefiel ihm nicht sehr. Er meinte, sie sei noch zu wenig packend. Nun aber ist er zufrieden und will das Stück sogar noch vor Ende der Saison heraus­bringen.

^Fprfie^ung folgt.)

Montag hat der Rücktransport der west- preußischen Abstimmungsberechtigten aus dem Reich in vollem Umfange eingesetzt. Die deutschen Be­hörden haben angeordnet, daß die Abstimmungsberech. tigten auf dem gleichen Wege in die Heimat befördert werden, wie sie gekommen sind, d. h. mit geschlossenen Sonderzügen durch den polnischen Korridor und zu Schiff über Königsberg, Pillau und Swinemünde.

Nun gilt es nach dem erfolgreichen Kampf in Ost- nnd Westpreußen den Kamps umOberschlesi en. Deutschlands Schicksal hat zur Doraussetzung, daß Ober» sckstesien deutsch bleibt. Gerade Spaa, wo übermütige Sieger unser Land wirtschaftlich in brutalster Weise knebeln wollen, mahnt uns daran, daß Deutschland ver­loren ist, wenn Oberschlesien an Polen fällt. Bisher ist

Das Abstimmungsgebiet in Ostpreussen.

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ist der Tag der Abstimmung für Oberschlesien noch nicht festgesetzt. Man wird in Oberschlesien nicht mit einem so glanzenden Abstimmungsergebnis rechnen können, wie in Ostpreußen, da die Verhällnisie durch die vielen Industriearbeiter und die mehr in polnischen Händen befindliche Landwirtschaft andere sind. Aber das schöne (Ergebnis des letzten Sonntags berechtigt zu der sicheren Erwartung, daß wir auch diesen Kampf um deutsche Erde siegreich bestehen werden.

Wiedergutmachung im Osten.

Die riesenhaste Niederlage, die die Polen bei der Abstimmung in Ost- und Westpreüßen erlitten haben, sollte der Entente und der ganzen Welt die Äugen trnrüber öffnen, was uns nicht nur mit der Abstim­mung, sondern auch mit dem Gebietsraub im Osten angetan ist.

So kerndeutsch wie die Städte und Dörfer des Abstimmungsgebiets sind viele Städte und Dör­fer, die gegen ihren Willen durch den Friedens­vertrag dem polnischen Staate ausgeliefert werden mußten. Don der pommerschen Küste mit dem deut­schen Neustadt bis herunter nach Soldau liegen weite Strecken, die nur von Deutschen bewohnt finb,jmb die, hätte man sie gefragt, sich mit derselben Einmütig­keit zum Deutschtum bekannt hätten. In dem ganzen ohne jede Abstimmung von Deutschland gerissenen westpreußischen und posenschen Gebiet, sowie in dem „Korridor" hätten sich beträchtliche deutsche Majori- taten gezeigt, wenn auch dort abgestimmt worden wäre. Der 11. Juli hat der ganzen Welt deutlicher als alles andere gelehrt, wie ungerecht, nur ppn Haß und Raubsucht dikttert, von jeder Sachkenntnis völlig ungetrübt das Dersailler Schandwerk, genannt „Frie­densvertrag", ist. Wir haben ein Recht zu verlangen, daß eine Nachprüfung der Grenzfestsetzung im Osten stattfindet, die die deutschen Bezirke aus der polnischen Verstrickung erlöst. Nicht nur die Deutschen, sondern auch ein erheblicher Teil der polnisch sprechenden Be­völkerung will von der politisch unfähigen und finan­ziell halb bankerotten Republik Polen nichts wissen. Zunächst sollte einmal ohne weiteres, wie das von deut­scher Seite in Spaa soeben angeregt worden ist, durch das Abstimnnmgsdekret für Oberschlesien ein dicker Strich gemacht werden.

AuS dem besetzten Gebiet.

• Bei der S(ai>fotrorbnefenroafH la Saarbrücken erret­ten der Demokratisch-volksparteilich« Sammlungsblock 15, Deufichnattonale 2, Zentrum 19, Sozialdemokraten 14, Unabhängige 10 Sitze. Die elsaß-lothringische Wirtschnsts- liste, die Partei der Französlinge, erlitt eine katastrophale Niederlage. Die Wahl am Sonntag hat also gezeigt, daß die Bevölkerung Saarbrückens von einer Französierung nicht das Geringste wissen will, daß sie deutsch ist und deutsch zu bleiben entschlossen ist die 15 Jahre der Fremdherrschaft hindurch.

* Prof. Nippold ist jetzt offiziell zum Präsidenten des Obersten Gerichtshofes des Saargebiets ernannt worden. Nippold ist von Frankreich aus der Schweiz hergeholt worden, wohin er mit Beginn des Krieges sich verzogen hatte. Ms ein Mann, der das Land feiner Väter in schwerster Not beschimpft und nach Kräften geschädigt hat, wird er von Frankreich für besonders geeignet zur Amts­führung in Deutschland gehalten. Die deutschen Richter im Saargebiet, die Nippold unterstellt werden sollen, werde« noch ihr Wörtchen dazuzu sagen haben.

Ei« Anschlag ans Hindenburg.

Der,Hann. Kurieri meldet: Montag abend dräne ein 20 Jahre alter Mann in die Wohnung bei Feldmarschalls von Hindenburg ein. Als der Feld- marschall einen Diener rufen wollte, entspann sich zwischen ihm und dem Eindringling ein längeres hartes Ringen. Dabei zog der Erndringling plötzlich einen Revolver und schoß aus denFeldmar schall. Die Kugel ging vorbei. Dem Verbrecher glückte e8 schließlich, sich loszureißen und unerkann/ zu entkommen. Jedenfalls handelt es sich um ein Mitglied einer Bande, die einen Einbruch in die Villa Hindenburgs verüben wollte, für den der Eindringling die Gelegenheit erkunden sollte.