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Dienstag, 13. 3mi 1920

Nr. 159

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Herr Dallariva wird ans Telephon gebeten.

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Klatsches bildete, wurde sehr

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Gottsetzung folgt.)

ihn einen elenden Feigling, als der beleidigte Gatte Gr­

ein greller hatte laut um eines Liebe des

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Gegenstand schadenfrohen verschieden besprochen.

Die Männer nannten der einfach verduftet sei,

Noch lag der Schreck über das Geschehene wie eine dumpfe Betäubung über ihr. Aber es war nicht das Bewußtsein des Verlustes, den sie an Stellung und An-

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nugtuung fordern wollte. Die Frauen aber nahmen wie er ganz richtig vermutet hatte — seine Partei und häuften alle Schuld aus Isolde.

Ihre Koketterie und Ueberhebung habe ja längst Aergernis erregt. Jedermann wußte plötzlich, daß sie ihren Mann nie geliebt und nur des Geldes wegen ge­heiratet habe. Daß sie immer von sich reden machen, alle Frauen durch ihren Luxus übertrumpfen und stets dir erste Rolle habe spielen wollen. Als sie mit ihren Toiletten nicht mehr genug Aufsehen erregte, wollte sie bloß aus Sensationslust mit Dallariva durchbrennen oder ihn mindestens in ein Duell hineinhetzen, damit alle Welt von ihr spreche . . .

Aber es geschah ihr ganz recht, daß alles schief ging, Dallariva ihr nun den Rücken gedreht hatte und ihr Mann sich, wie es hieß, scheiden lassen wollte. Nun mochte sie nur als geschiedene Frau, verlosten und ge­mieden, darüber nachdenken, ob selbst einer so schönen mondainen Frau — alles erlaubt sei?

Auch Sou v. Meister dachte -o. Sie hätte es ganz gut gespürt, wie Dallarivas Begeisterung in der letzten Zeit erkaltet war und er sich immer mehr von ihr ab­wandte. Nun war er abgerestt ohne Abschied, und das Bild würde wohl nie mehr fertig gemalt werden . . .

All dies verdankte sie Isolde! Sie hatte ein paar schlimme Tage, hustete heimlich Blut und fieberte nachts ununterbrochen. Ein Glück nur, daß Roland zu ver­tieft in den Schlußakt seines „Samson" war, um etwas zu merken.

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Fordernde Liebe

Roman von Erich Ebenstein.

sehen erlitten hatte, was sie zuweilen wie Blitzstrahl durchzuckte, daß sie vor Schmerz aufschreien mögen, sondern die Erkenntnis, gedankenlosen Spiels willen Achtung und

wünscht ihn zu sprechen," meldete in diesem Augenblick ein Diener, den Kopf zur Tür hereinsteckend.

L Dallariva erhob sich mechanisch und ging nach der Telephonzelle.

lung zu stellen. Als auch dort die Franzosen oon den deutschen Fachmännern sich nicht belehren lasten woll­ten, setzten unsere Vertreter einen Drücker auf, indem sie den versprochenen Wiedergutmachungsplan zurück­hielten. Erst unter dem Versprechen einer neuen Er­örterung der Kohlenfrage brachten sie den Plan zur Verteilung. Nun wurde freilich alsbald nach allen Richtungen telegraphiert, der» deutsche Wiedergut- machungsplan sei ganz ungenügend, habe arg ent­täuscht usw. Aber wir haben doch erreicht, daß man unseren großzügigen Vorschlag prüfen muß, und daß mit dem System der Einzelerprestung gebrochen wird, indem jetzt die wirtschaftlichen und finanziellen Ange­legenheiten in ihrem Zusammenhang zur Be­handlung gelangen.

Da Herr Millerand am Mittwoch den 14. Juli, dem französischen Nationalfest, in Paris sein will und Lloyd George sich zur Zeit krank gemeldet hat, ist es wohl möglich, daß die Konferenz in Spaa auf einige Tage unterbrochen oder daß sogar die Weiterberalung auf eine neue Konferenz verschoben wird. Das würde uns nicht zu erschrecken brauchen. Im 'Gegenteil: Es kann unserer Sache nur vorteilhaft sein, wenn die Dinge ohne Ueberhastung mit aller Gründlichkeit besprochen und beurteilt werden.

Das amtliche Ergebnis der

Abstimmung in Westprentzen.

Nach dem amtlichen Ergebnis sind in West- preußen für Deutschland 96,889 Stimmen abge­geben, für Polen 7977, zusammen 104,876. Für Deutschland stimmten 92,4 Prozent, für Polen 7,6 Prozent. ___

nable Gesellschaft gab. Nach Wien würde er erst zu­rückkehren, wenn seine Freunde ihm schrieben, daß die Wogen sich gelegt hatten . . .

Der einzige Verlust war, daß er Heuer in der Herbst­ausstellung kein Bild ausstellen konnte. Obwohl — man konnte nicht wissen? Vielleicht fand er gerade in San Sebastian sein Glück! Den großen „Schlager", aon dem er immer geträumt: irgend eine exotische Prinzessin oder amerikanische Milliardärin, die sich just von ihm malen lassen wollte und so seinen Namen auch außer­halb Oesterreichs in Mode brachte.

Wie gut, daß er Diez erst für morgen bestellt hatte! Da mochte der gute Mann sich dann nur an verschlosse­nen Türen die Nase einrennen . . .

Inzwischen telephonierte die Hofrätin mit ihrem Schwiegersohn . . .

„. . . aber sie sehnt sich nach Dir, Georg! Du mußt doch begreifen, daß sie das Bedürfnis hat, sich mit Dir auszusprechen, Dir alles zu erklären! Ich versichere Dir, es ist alles lange nicht so schlimm, als Du denkst! Dreiviertel haben die Zeitungen hinzugedichtet."

„Ich bedauere, aber es ist mir unmöglich zu kom­men," lautete die kalte Antwort. „Ich staune, daß Isolde dies nach dem Geschehenen überhaupt erwarten und — wünschen kann!"

„Dann erlaube wenigstens, daß sie nach Hause kommt! Sie will durchaus nicht länger im Sanato­rium bleiben. Es fehlt ihr ja auch so gut wie nichts mehr . . ."

„Selbstverständlich hat sie das Recht, nach Hause zu kommen. Ich werde dann, da ich -erst in einigen Ta­gen nach Doblowitz zurückfahren kann, bis dahin in einem Hotel Aufenthalt nehmen."

„Georg!!! Einen solchen Affront könntest Du ihr antun?" brauste die Hoftätin auf und fuhr, als keine Antwort erfolgte, bitter fort: „Nun, fei beruhigt! Sie wird Dich selbstverständlich nicht in diese Zwangslage versetzen. Wir, ihre Eltern, würden dies gar nicht dul­den. Isolde ist sehr unbesonnen gewesen, tiber eine solche Behandlung hat sie denn doch nicht verdient!" s Eine kurze Pause folgte. _ Dann fragte Diez kühl: „Wünschest Du sonst noch etwas, Mama?"

„Nein. Schluß."

Mit bebender Hand hing die Hofrätin das Hörrohr an feinen Platz und verließ die Telephonzelle.

Am selben Abend noch übersiedelte Isolde in ihr altes Mädchenzimmer, das Wera und die Hoftätin in aller Eile instand gesetzt hatten.

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Ter deutsche Sieg im Osten.

r- Das Ringen im Westen.

In den Abstimmungsgebieten von Oft- und West­preußen hat das Deutschtum am Sonntag einen vollen Sieg errungen, der auch die kühnsten Hoffnun- ' gen übertraf. In Westpreußen haben kaum 8 vom Hundert polnisch gestimmt; in Ostpreußen noch nicht 2 vom Hundert.

Ein glänzendes Zeugnis für die Treue der deutsch- sprechenden Bevölkerung und auch für die Vernunft der Masuren sowie eines Teiles der polnisch sprechenden 1 Bevölkerung. Das alte deutsche Vaterland hat trotz seiner augenblicklichen Not doch eine viel größere An­ziehungskraft bewiesen, als das reklamehaft sich auf« spielende neue Polenreich.

Nebenbei bedeutet diese Abstimmung eine mora­lische Niederlage der Entente. Die Väter dee gewalttätigen „Friedensoertrages" werden jetzt leibst einsehen, daß es töricht war, in diesen Be­zirken überhaupt eine Abstimmung vorzunehmen. Ent­weder haben sie die dortigen Verhältnisse nicht gekannt, oder sie haben sich falsche Einbildungen gemacht über die Wirkungen, die von der polnischen Agitation und den Schikanen erhofft wurden. Es war ein Unfug, den Leuten die Lasten und Kosten der Volksabstimmung ovfzuhalsen.

Unsere Freunde in Ost- und Westpreußen haben freilich die Opfer nicht umsonst gebracht. Sie haben zunächst ihre eigene Heimat dem Vaterland gerettet u:ck> dann auch den Oberschlesiern ein aufmun- ternbes Beispiel gegeben. Dieser glänzende Erfolg ver­stärkt unsere Hoffnungen auf die wichtige Abstimmung in Oberschlesien.

Einen Schatten auf unsere Freude wirft leider die Gefahr, daß durch die russischen Waffenerfolge die bolschewistische Gefahr näher an uns heran­rückt und überhaupt die Zerrüttung des neuen Polen­reiches uns mit neuen Wirren im Osten bedroht. Dem­gegenüber können wir aber in Betracht ziehen, daß der polnische Uebetmut, wenn er sich in der bisherigen Weife ungehemmt weiter entwickelt hätte, uns eben­falls schwere Drangsal beschert haben würde. Viel­leicht wirken die bitteren Erfahrungen erzieherisch auf die Polen, daß sie etwas besonnener werden und den Wert eines friedlichen Verhältnisses zum deutschen Nachbar erkennen.

Leben und leben lassen! Diesen abgegriffenen und doch so weisen Volksspruch suchen wir unseren^ Geg­nern im Westen zu Gemüte zu führen. In Spaa ist bisher noch kein durchschlagender Erfolg erzielt wvr- | den. Vielmehr müssen unsere Verftkter mühsam rin­gen, um den Machthabern auf der Gegenseite klar zu machen, daß sie sich selber schädigen, wenn sie von Deutschland mehr verlangen, als es leisten und ertragen kann.

Es geht in Spaa ähnlich wie bei den Echternacher Springprozessionen. Bald wird ein Schritt vorwärts gemeldet, bald wieder ein Schritt zurück. Auf jede Entspannung folgt wieder eine neue Spannung, und wenn vormittags die Sache kritisch aussieht, so wird nachmittags noch ein Ausweg oder wenigstens ein Auf­schub gesucht. Die Gegner halten mit äußerster Zähig­keit an ihren unmöglichen Forderungen fest, und un­sere Vertreter müssen nicht allein die gleiche Zähigkeit, sondern auch sehr viel taktisches Geschick entwickeln, um die Lebensbedingungen Deutschlands zur Geltung zu bringen gegenüber der Unkenntnis und Habgier.

Tröstlich ist nur die Wahrnehmung, daß wir das dtbeüebte Diktatoerfahren den Gegnern all­mählich abgewöhnen. In der Entwaffnungsfrage konnten sie freilich noch ohne und gegen unsere Zu­stimmung ein Diktat durchsetzen. In der Kohlen- frage aber mußten die Gegner sich bequemen, ihr Sanz unmögliches Diktat zunächst zur Ausschußbehand-

ir Er war so verstört, daß er die Hofrätin Halmen­schlag, die eben zum Telephon wollte, als er dasselbe verließ, gar nicht gewahr wurde und ohne Gruß an ihr vorüberschritt. Sie aber wandte mit eisiger Miene r. den Kopf und tat, als sähe sie ihn nicht. —

k Dallariva begab sich direkt zum Portier und ver­langte die Rechnung. In einer Viertelstunde wollte er ha? Sanatorium verlassen.

Dann stand er wartend in seinem Zimmer. Er war

Die Verhandlungen in Spaa.

Kohle und Wiedergutmachung.

Spaa, 12. Juli. Die heutige Vormittagssitzung mußte a u s f a l l e n, da die Alliierten mit der Prü­fung der deutschen Vorschläge, die gestern überreicht worden sind, noch nicht zum Abschluß gekommen sind. Die deutsche Delegation wurde nicht rechtzeitig von dem Ausfall der Sitzung benachrichtigt, sodaß sie einen ver­geblichen Gang machen mußte. Der Generalsekretär der Konferenz bat sie, die Alliierten zu entschuldigen. Er fügte hinzu, daß er den ausdrücklichen Auftrag der Alliierten habe, mitzuteilen, daß die Alliierten ihre Be­ratungen fortsetzten. Der Reichskanzler erwiderte, die deutsche Delegation sei gern bereit zu warten, wenn dabei Früchte in Aussicht stünden.

Spaa, 12. Juli. Die heutige Nachmittagssitzung brachte einen neuen Zug in die Verhandlungen, als vor Beginn der Vollsitzung der Konferenz die Regie- riungshäupter zu einer Sonderbesprechung zusam- mmgebeten worden waren. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß die Alliierten denn doch ein sehr starkes Interesse daran haben, über die Schwierig­keiten in der Kohlenfrage Hinwegzukommen, aber wie es scheint, nicht in der Weise, daß sie sich dem deutschen Standpunkt nähern wollen, sondern um auf einer möglichst hohen Lieferungsziffer — beispielsweise von 24 Millionen Tonnen im Jahre — die internatio­nale Anleihe, zu der sie zu kommen wünschen, aufzu­bauen. Die deutsche Delegation wird aber ihre lieber» zeugung nicht aufgeben, daß eine ausreichende Versor­gung der deutschen Betriebe mit Kohlen eine uner­läßliche Voraussetzung für das Gedeihen des deutschen Wirtschaftslebens ist. Je bester die deutsche Wirtschaft arbeitet, desto größer können die Leistungen Deutfch- lands aus dem Friedensvertrag bemessen werden. Wie in der Sitzung der Regierungshäupter mitgeteilt wurde, sind die Alliierten mit ihren Forderungen versuchsweise für sechs Monate h srun t er geg ang e n auf je 2 Millionen Tonnen Kohlen im Monat an Stelle der bisherigen „Festsetzung" von 2,5 Millionen,

F Als er sie zwei Minuten später wieder verließ, war sein Gesicht aschgrau. Georg Diez hatte angefragt, wann Herr Dallariva in seiner Wohnung zu treffen sei oder cb er — falls fein Aufenthalt im Sanatorium länger dauere, — bereit fei, heute nachmittag gegen fünf Uhr dort Besuch zu empfangen?

Deutsche; Reich.

♦ Berlin, 12. Juli. Am Mittwoch werden samt- lichc Oberpräsidenten und die Leiter der Sicherheits­polizei zu einer Besprechung über die U m f o r m t e« rung der Sicherheitswehr beim Minister des Innern Severing zusammentrelen. — Die Finanz» Minister der Einzelstaaten waren zu einer zweitägi- gen Besprechung in Stuttgart versammelt, die die Aus­führung des Landessteuergesetzes zum Gegenstand hatte. Außerdem wurden finanzielle Einzelheiten des lieber» ganges der Eisenbahnen auf das Reich beraten. — Die letzte Festung in der Pfalz, Germersheim, wird jetzt gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrages geschleift. — Der belgische Geschäftsträger in Berlin. G,of de Cerckove de Den ter gh em, ist abberufen worden.

* Eine bürgerliche Regierung in Bremen. Sie Bremer Bürgerschaft nahm Freitag die Wahl des neuen Senats vor. Da die Unabhängigen und die Mehrheitssozialdemokraten die Beteiligung ablehnte», wurde eine bürgerliche Liste gewählt.

„In meinem Atelier. Morgen früh," hatte er ge- antworte, nur um Zeit zu gewinnen ... überlegen zu können . . .

Abflauen des mitteldeutschen Streiks.

Aus Halle wird gemeldet: Die 22 000 Mann starke Belegschaft der Leunawerke lehnte den von linksradi­kaler Seite betriebenen Generalstreik ab. Auk den Braunkohlengruben in Zeitz, Weißenfels, Naumburg, Meuselwitz und Zschorna wurde nach einer Verein­barung zwischen den Streikführern und den steten Ge­werkschaften der Ausstand für beendet erklärt. . Eine Abordnung der Gewerkschaften soll mit der Regierung wegen des Steuerabzugs verhandeln.

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einzigen Menschen verloren zu haben, den sie außer sich selbst liebte.

Wie sehr liebte, das fühlte sie erst jetzt . . .

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Dallariva? plötzliche Abreise unmittelbar nach dem Abenteuer mit der schönen Frau Diez, das überall den

Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Earl Schutte r. für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. : Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Aetiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

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fetzt wehr erbost als verstört. Mußte er sich das alles !, wirklich stillschweigend gefallen lassen? Er hatte doch

während von Dr. Sünnes das deutsche Angebot mit Rücksicht auf die in Aussicht gestellten Lebensrnittel von 1 Mill, auf 1,4 Mill, monatlich ga^fteigert worden und für die Zukunft (innerb^ eine^Jahres) eine wei­tere Steigerung bis auf l,7jOr 1.8 Millionen für mög­lich erklärt worden ist. HM Dr. Simons hat aber aus- drücklich erklärt, daß er in all diesen Fragen sich streng an seine Sachverständigen (Unternehmer und Arbeiter) halten müsse, von deren praktischer Arbeit der Erfolg abhänge. Dies ist ein gutes Prinzip. Bergarbeitern läßt sich nun einmal eine Arbeitsleistung nicht ohne wei- teres diktieren: man wird darüber beraten müssen. Zu diesem Zwecke werden morgen früh die beiderseitigen Sachverständigen zu Vorbesprechungen zusammentrelen. Die Vollversammlung der Konferenz wird sich dann am Nachmittag um VA Uhr mit dem Ergebnis dieser Be­ratungen beschäftigen.

Ohne daß das Rätsel gelöst wäre, sind die Beratun­gen im Gange erhalten worden und so lange dies der Fall ist, braucht man eine Verständigung nicht für aus­geschlossen zu halten. Bezüglich der W ieder gutma­ch u n g s f r a g e ist ein Fortschritt in der Verfahrens­art zu verzeichnen. In der Nachmittagssitzung der Kon- ferenz haben die Alliierten mitgeteilt, daß sie eine „ge­mischte Kommission" einsetzen wollen, die abseits vom grünen Tisch der Regierungshäupter beraten wird, ohne doch gleich in die so gefürchtete Dunkelkammer der Män­ner vom Fach einzutreten. Die Kommission soll aus den Finanzministern der alliierten Länder und Deutsch­lands sowie aus den Mitgliedern der Reparationskorn- Mission bestehen, ferner aus den Botschaftern Englands und Frankreichs in Berlin und noch zu bestimmenden deutschen Delegierten und Experten. Diese gemischte Kommission wird Unterkommissionen zur Beratung der deutschen Vorschläge und aller Reparationsprobleme ein­setzen. Das dürfte als eine technische Lösung zu be­wachten sein, mit Hilfe deren man zu praktischen Ergeb» nifsen kommen kann.

In der ßebensmittelfrage, die mit den Auf­gaben der deutschen Wiedergutmachungskommission eng zusammenhängt, besonders hinsichtlich der Arbeitsleistung der Bergarbeiter, hat die deutsche Delegation heute ein Gutachten des Reichsernährungsministers Hermes über­mittelt und den Eintritt in Kommissionsverhandlungen auch in dieser Frage beantragt.

Cs steht fest, daß die Konferenz keinesfalls morgen zu Ende gehen wird, wenn kein Zwischenfall kommt. Die Alliierten wollen die Arbeit zu Ende führen.

Dir deutschen Mederaufbauvorschlüge.

Die Dokumente, die am Sonntag den Alliierten von deutscher Seite überreicht wurden, zerfallen in drei Teile:

1. einen Plan für die Sachleistungen und der genauen Organisationen von Sachverständigen nfwi, um die Sachleistungen möglichst sicherzustellen und günsttg auszuwirken,

2. die Anregung für die Durchführung des Wiederaufbaues der zerstörten Gebiete. Es wird dort vorgeschlagen, ein internationales Syndikat von -Un­ternehmern zu bilden, an dem allen Staaten die Beteili­gung offengestellt wird. Das Syndikat zieht Arbeiter aus allen alliierten und neutralen Ländern sowie auch aus Deutschland zu dieser Mitarbeit heran,

3. die Richtlinien zur Erfüllung unserer finanziel­len Verpflichtungen. Deutschland macht zuerst daraus aufmerksam, daß es die nach dem Friedensvcrtrag zunächst fälligen zwanzig Milliarden schon jetzt durch Sachleistungen gezahlt habe. Eine Regelung für die Zukunft kann die deutsche Regierung nur bann als erfüllbar anerkennen, wenn sie nach den wirtschaftlichen und finanziellen Sachleistungen nach den Möglichkeiten Deutschlands bemessen werden.

Danach ergibt sich folgendes: Die Entschädigungssumme ist in Jahresleistungen auszudrücken. Die Min­desthöhe der Jahreszahlungen ist festzustellen. Die Jah­resleistungen werden zum Teil durch die S a ch l e i st u n- g e n gedeckt. Die Sachleistungen werden zum Welt­marktpreis cmgerechnet. Da diese in den nächsten

uur geflirtet mit Isolde und sie hatte ihn ja zuweilen niederträchtig behandelt. Nicht einmal bis zu einem Kuß hatte er es gebracht . . . wie kam er denn nun b°3u, sich ihretwegen schlagen zu sollen? Oder gar sie to heiraten? Fiel ihm gar nicht ein! Da kniff er lieber beizeiten aus. Es war zwar nicht tapfer und die Män- ber würden wohl den Stab über ihn brechen, aber daran lag ihm nicht viel. Er war es feiner „Kunst" Ichuldig, Leben und Freiheit nicht um solch einer Tar­beit willen aufs Spiel zu setzen. Und die Frauen, das b>ußte er schon heute — würden es ihm danken, wenn st sich frei hielt. Sie würden feine Partei ergreifen und 'bn im Herbst im Triumph empfangen.

Als der Portier ihm die Rechnung präsentierte, stand fön Entschluß bereits fest.

Er wollte nur nach Hause, um zu packen und seinen Diener zu entlassen. Mst dem Mittagseilzug mußte er TOon unterwegs sein. Sein Ziel würde San Sebastian ton, wo es um diese Iahreszest noch eine sehr fashio-

dreißig Jahren noch nicht zu überblicken sind, soll eine Beteiligung der alliierten Regierungen an einer wesent­lichen Besserung der Finanz- und Wirtschastskrafi Deutsch­lands vorgenommen werden. Es ist eine Höchstsumme, zu bestimmen, nach deren Abtragung Deutschland frei wird. Eine bestimmte Summe ist in diesen Richtlinien noch nicht genannt.

Der deutsche Wiedergutmachungsplan, der mit gro­ßer Umsicht aufgestellt, das Entgegenkommen Deutsch­lands bekundet, kann nicht mit allgemeinen Redensarten beiseite geschoben werden. Er muß die Grundlage von Ausgleichsverhandlungen bilden. Einstweilen tun die Alliierten höchst enttäuscht über die deutschen Vor­schläge, da diese nichts Positives böten, sondern nur allgemeine Regeln aufstellen. In der Tat enthalten die deutschen Pläne in der Form, in der sie überreicht worden sind, nur allgemeine Richtlinien für das Ver­fahren, das der deutschen Delegation und ihren Sach­verständigen als das brauchbarste erscheint, um zu einem vernünftigen Ergebnis der Konferenz und der späteren Arbeiten zu kommen. Die deutsche Delegation wäre vermutlich mehr ins Einzelne gegangen, wenn in der Kohlensrage schon eine Vereinbarung hätte er­zielt werden können. Auf deutscher Seite sieht man im Kohlenproblem den Schlüssel zu weiteren Verhandlungen auf allen Gebieten. Die deutsche De­legation steht auf dem Standpuntt, daß sie keine ge­treuen Vorschläge zur Wiedergutmachung machen kann, so lange sie nicht die Höhe der zu machenden Sachleistungen kennt, unter denen die Kohlenliefe­rungen an der Spitze stehen. Und ebenso ist es nach Auffassung aller Sachverständigen unmöglich, beispiels- weise die Höhe einer finanziellen Jahresleistung zu be­nennen, solange man nicht weiß, ob und in welchem Umfange die Kohlenlicferungen in dieser Iahressumm- berechnet werden können.

Eine amtliche Feststellung der deulfchen Delegallon.

Amtlich wird aus Spaa gemeldet: Von französi­scher Seite wird verbreitet, daß Deutschland durch die am 9. Juli erfolgte Unterzeichnung des Protokolls über die Entwaffnung sich der von bei. alliierten Mächten angedrohten Besetzung weitere» deut- scher Gebietsteile, insbesondere des Ruhrge- b i e t s, ausdrücklich unterworfen habe. Die deut- sche Delegation erklärt diese Auffassung für völlig u n be- grünbet und den Tats achen widerspre- ch e n d. Die deutscherseits am Schluffe des Protokolls abgegebene Erklärung besagt lediglich, daß die deutsche Regierung von der Entscheidung der alliierten Mächte Kenntnis nimmt und daß sie die Bestimmungen, soweit sie Deutschland betreffen, d. h. ihm positive Lei­stungen auferlegen, ehrlich erfüllen werde. Außerdem erklärte der Reichsminister Dr. Simons vor Unter­zeichnung des Protokolls in einer Sitzung der Konferenz ausdrücklich, daß die deutsche Delegation ihre Zustim­mung zu der angedrohten Besetzung weiteren deutschen Gebietes nicht geben könne, worauf der britische Pre­mierminister Lloyd George erwiderte, daß eine derartige zustimmende Erklärung seitens der deutschen Delegierten weder erforderlich fei noch auch von ihnen erwartet werde, weil sich ihre Zustimmung lediglich auf die Deutschland auferlegten Verpflichtungen zu beziehen brauche. Der Präsident der Konferenz, D e- l a e r o i x, bestätigte diese Auffassung ausdrücklich.

Wenn in dem offiziösen Kommunique über die Sitz­ung vom 9. Juli 1920 weiter gesagt worden ist, der bri­tische Premierminister habe bemerkt, daß Deutschland bereits im Protokoll vom 10. Januar 1920 seine Zustimmung zur Desetztma weiteren deutschen Ge­bietes gegeben und der deutsche Reichskanzler dieser Auffassung zugestimmt habe, so ist hierzu folgendes fest- zustellen: Der Reichskanzler hat sich mit dieser letzteren Bemerkung Lloyd Georges in keiner Weife einver­standen erklärt, sondern hat vielmehr genau den glei- djem Standpunkt wie der Reichsminister Dr. Simons vertreten. Der Schlußvasius des Protokolls vom 10. Januar 1920 gab den Alliierten nur das Recht, bis zum Eintritt des Friedenszultandes wegen bestimmt bezeich­neter W af f'enstillstand sv er ! etzu n g en mili- tärisch einzufchreiten Diese Einschränkung, welche den Passus völlig bedeutungslos machte, da der Friedens« zustand unmittelbar nach der Zeichnung des Protokolls durch die Ratifikation eintrat, ist in dem vorhergehenden Notenwechsel namens Oer Alliierten von Clemenreau schriftlich anerkannt worden. Die Alliiertei­können sich also auf dieses Protokoll nicht berufen.

Ausland.

* Englische Serreu nm Irland. Infolge der ern­sten Lage in Irland sand eine gemeinsame Sitzung