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nicht verhindern können. Das vorläufige Ergebnis der Abstimmung für Destpreußen ist folgendes. Ab­gegebene Stimmen: 99 316. Davon 91634 Stimmen für Deutschland und 7682 für Polen. Somit 92 Proz. für Deutschland. — In Ostpreußen wurden 361063 Stimmen abgegeben. Davon entfielen für Deutschland 353 655 Stimmen, für Polen 7 408 Stimmen. 9 7,9 Proz. der Abstimmenden erklärten sich mithin für Deutschland.

Die Streikbewegung.

Trotz des dringenden Abmahnens ihrer gerverk- (Gastlichen Organisation stimmten im Zeitzer, Weißen­felser und Meuselwitzer Braunkohlenbezirk 77 Prozent der Bergleute für den sofortigen Streik als Protest gegen die hohen Lebensmittelpreise und den Steuerabzug. — Der Metallarbeiterstreik im Saar- ff e b i e t ist beendigt. Die Streiktage werden nicht be­zahlt, es finden aber auch keine Maßregelungen statt. —■ Der pommersche Landarbeiterstreik geht weiter. Die Heuernte liegt noch auf den Wiesen. — Unter der Leitung der Arbeitgeberverbände hat sich in Berlin eine Streikversicherungsgesellschaft unter dem Namen „Deut­scher Streikschutz" gebildet, der die bedeutendsten Ar­beitgeberverbände und Streikentschädigungsgefellschaften beigetreten sind. — Wegen der furchtbaren Nahrungs- mütelteuerung wurde in dem deutschsprachigen Gebiet von Böhmen der Generalstreik erklärt, der sich auf alle Aemter und öffentlichen Anstalten erstreckt.

Airs dem besetzten Gebiet.

fd Kein französischer Sprachunterricht. Die Rhein- landkommission hat eine Verfügung an den Reichskom- miffar erlassen, nach der gegenwärtig kein Beschluß ober. Befehl in der französi chen Besetzungszone in Kraft ist, durch den der französische Sprachunterricht an den deutschen Volks- oder Mittelschulen erngesührt oder auf» rechterhalten wird. Gleichzeitig gibt die Verfügung be­kannt, daß alle über diesen Gegenstand von den Mili­tärbehörden erlassenen Befehle hinfällig geworden sind.

* Belgische Willkür. Auf der Losheimer Kirmes schlug ein Mädchen einem belgischen Gendarm, der bewaffnet am Tanz teilnahm, einen Tanz ab, worauf dieser Gen­darm sofort die Veranstaltung schloß. Verschiedene Per­sonen, die sich anerkennend über das Verhalten des Mäd­chens geäußert hatten, wurden verhaftet und unter starker militärischer Bedeckung nebst Begleitung von Polizeihun­den nach Ma'medy gebracht, jedoch nach eingehendem Verhör vorläufig wieder entlasten.

Derttscher Reich.

* Dersrn, 11. Juli. Seitens aller Parteien ist in der preußischen Landesversammlung der Antrag ein» gebracht, bei der Reichsregierung zu vercmlasien, den Ehrensold der alten Kriegs Veteranen erttspre- chend der Geldentwertung zu erhöhen. — Nach einer Mitteilung des Kölner Reichstagsabg. Sollmann haben die Kosten der rheinischen B e s e tz u n g den Voranschlag um mehrere Milliarden überschritten.

, c Die EisenbabnvrrbLnde gegen das Finanz­ministerium. Die Vertreter der großen Eisenbahn­organisationen sind am Freitag zu einer Tagung zusammengetreten, um gegen die Ausführungen des Reichsfinanzministers zum Reichslohntarif der Eisen­bahner Stellung zu nehmen. Die Stimmung unter den Eisenbahnern wird als außerordentlich gereizt bezeichnet, da man der Ansicht ist, daß die Ausfüh­rungen des Ministers eine Ablehnung des Tarifs bedeute und die Mehrausgaben für den neuen Tarif mit 2,5 Milliarden Stark erheblich zu hoch geschätzt worden seien.

* Zum Heiner Schukfirer? ist auf Grund erneuter Verhandlungen mit allen Beteiligten folgende Entschei­dung des Kultusministers ergangen: „Der Schulstreik in Herne ist sofort einzustellen. Nach Einstellung des Schulstreiks werden folgende Maßnahmen durchgeführt: 1. Es werden in Herne sofort Schulklassen er­richtet, in denen solche Kinder zu vereinigen sind, die auf Wunsch der Eltern am Religionsunterricht nicht teilnehmen. Diese Schulklaffen sind mit möglichster Beschleunigung zum vollen Schulsystem aus­zubauen. 2. Die beteiligten Lehrer übernehmen diese Klaffen als Klassenlehrer. 3. Zu den mit der Einrich­tung dieser Klaffen notwendigen Vorarbeiten sind die in Frage kommenden Lehrer selbst im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung unter Befreiung von jeder anderen Tätigkeit sofort heranzuziehen. 4. Zu irgendeinem disziplinären Vorgehen gegen die betreffenden Lehrer liegt keinerlei Deranlaffung vor."

Anstalt».

** Der Einzug des dänischen Königs in Nord- l'chleswig hat stattgefunden. Der König ritt an der Spitze eines großen Gefolges auf einem weißen Pferd über die alte Grenze, gefolgt von einer unge­heueren Menschenmenge.

** Lord Fisher, der ehemalige Lord der briti- ,chen Admiralität ist gestorben. Er war einer der gehässigsten Gegner Deutschlands.

** In Mexiko soll wieder einmal eine Revolu­tion ausgebrochen sein. Eine Anzahl Brücken an der amerikanischen Grenze sind verbrannt worden.

Ans llirche und Schule.

Für ein Erzbistum Mainz.

Das offizielle Blatt der hessischen Regierung, die „Darmstädter Zeitung", bringt soeben einen Artikel „Für ein Erzbistum Mainz!", besten Ausführungen ihr von „unterrichteter katholischer Seite" herrührend beachtenswert erscheinen. Das Erzbistum Mainz, die höchste kirchliche Stelle Deutschlands von den Zeiten des hl. Bonifatius bis zum Anfang des vorigen Jahr­hunderts, ein kirchliches Reich, besten Sprengel von den Graubündner Alpen bis zum Unterlauf der Elbe bei Hamburg, vom Hunsrück bis an die Havel und den Fränkischen Jura, ja im frühen Mittelalter bis an die Ostgrenzen Böhmens und Mährens reichte, versank einst lautlos in den Wellen der Franzosenkriege und der chnen folgenden Wirren. Mainz, das einst elf und mehr Suffragane an seinem Metropolttanthron stehen sah, war selbst zum Suffragan eines vorher gar nicht existierenden Erzbistums Freiburg L Br. geworden. Soll, muß das so bleiben? fragt der Verfasser. Er fordert Wiederaufrichtung des Mainzer Erzstuhls mit den stamm- und fprachoerwandien Suffraganbistümern Fulda, Limburg, gegebenenfalls auch Speyer. Frei- bürg möge seinen Sprengel, wenn erforderlich, im Süden erweitern. Man sieht, es tritt hier auch auf kirchlichem Gebiet das Streben zu Tag, durch die po­litischen, hier kirchenpolitischen Sünden der westlichen Diplomatie des 19. Jahrhunderts Getrenntes, ober innerlich Zusammengehöriges wieder zu vereinigen, analog dem durch die neue Reichsverfastung eröffneten Weg, die „Länder" als „zur wirtschaftlichen und kul­turellen Höchstleistung" befähigte Gebilde zusammen zu schließen. Mainz soll auch kuchenrechtlich wieder feine führende Stellung erhallen. Alle Kräfte, auch die k-rchlichen, müsten, sagt der Verfasser, im Jahrhundert der Freiheit von unnatürlichen, seinerzell der Kirche widerstrebend aufgezwungenen Beengungen gelöst wer­

den. Auch die Kirche muß jetzt, wo es gilt, alle Energien zur höchsten Kraftentfaltung zu führen, als treueste Hüterin ujri) Wiedererneuerin aller, begründeter Zusammenhänge ffich bewähren — zu noch segensrei­cherem Wirken für Kirche, Volk und Staat.

aus dem ltachvargeviet,

(!) Marbach. In der Gemarkung Markung Mar- bach tötete gestern Herr Wilh. Oesterreich aus Fulda eine ausgewachsene Kreuzotter. Vorsicht beim Beerensuchen!

() Nenhos. Der Sportverein 1910 Neuhof feierte gestern sein lOjähriges Stiftungsfest. Nachmittags 3 Uhr fand ein Gesellschaftsspiel zwischen der Reserve- Liga-Mannschaft des Ballspielklubs 1899 Offenbach a. M. und der ersten Mannschaft des Sportvereins statt. Nach flottem Spielverlauf gewann Offenbach mit 4:2. (Halbzeit 2:1).

(t.) Schlitz. Der Bierbrauereibetrieb der hiesigen Gräflich Görtz'schen Brauerei mit dem leben­den und toten Inventar ging käuflich in den Besitz der Herren Ferdinand Otterbein, Dierbrauereibesitzer in Großenlüder und dessen Bruder, Herrn Franz Otter­bein, Mineralwasserfabrikant m Fulda, über. Der von dem erstgenannten Käufer seither in Großenlüder ge­habte -Betrieb wird hier weitergeführt, während die Fuldaer Mineralwaffersabrik seines Bruders nach wie vor von ihm selbst weiterbetrieben wird.

(•) Schlüchtern. Der aus Marborn stammende berufslose Wilhelm Reisinger in Frankfurt ist von der Hanauer Strafkammer wegen Schleichhan­dels in Tateinheit mit Schwarzschlä'chiung und unbefugter Fleischausfuhr zu einem hzahr Gefängnis und 2000 Mk. Geldstrafe verurteilt worden.

(wo) Frankfurt a. 2fi. Die Ziegenzuchtgenossen, schäft Neu-Isenburg hat als erste in der hiesigen Ge­gend M i l ch s ch a f e eingeführt. Der Nutzen dieser Tiere ist ein dreifacher, sie geben mindestens ebensoviel Milch wie eine Ziege, liefern jährlich acht bis zehn Pfund Wolle und erreichen als Schlachttiere ein Ge­wicht bis zu drei Zentnern. — Ein Klub deutschfreund­licher Damen in New Jersey stiftete dem Lehrer R. Kaiser von der Heddernheimer Schule 10500 Mk. zum Kauf von Kleidern und Schuhen für die bedürf­tigen Kinder seiner Klaffe. Die Damen Haden ge­wünscht, daß jedes Kind ihnen ein Dankschreiben sende.

t'd Frankfurt a. M. Seit einigen Tagen hat die Wucherstelle gegen die Schieberbörsen auf dem Börne- platz und auf der Kronprinzenstraße und die wilden Händler einen scharfen Kampf eröffnet. Den Schie­bern wird die Ware rücksichtslos weggenommen, während man auch in den Ladengeschäften jede lieber- schreitung des Höchstpreises mit der Beschlagnahme der vorhandenen Vorräte ahndet. Uftb trotzdem wird weiter geschoben und gewuchert. — In der Nacht zum Donnerstag hat ein städtischer Hilfsfeldschütze 2Getreidediebeauf einem Grund­stück am Henrichsweg abgefaßt. Als die Diebe auf wiederholten Anruf nicht stehen blieben, feuerte der Feldschütze und tötete den Glaszuschneider Hans Weigler, durch zwei Schüsse. Wie festgestellt wurde, haben die beiden Diebe ungefähr 66 Pfund Gersten- ähren abgeschnitten und in einem Sack entwendet. Der Erschaffene war Ehrenwachmann der Klein- gartenkolonie „Kuhwaldverein" und hat das in ihn gesetzte Vertrauen schmählich mißbraucht. — Zu der Besichtigungsfahrt der französischen Militärmission durch die Ortschaften des 18. A. K. erfahren wir, daß sich in unserem Bezirk noch etwa 120 fran­zösische Heeresangehorige aufhalten, meistens Fahnenflüchtige oder solche Leute, die drüben etwas auf dem Kerbholz haben. Zahlreich sind auch die Fälle, daß sich Franzosen mit deutschen Mädchen verheiratet haben und sich im „Boches'-Land Wohler fühlen als in der alten Heimat.

fd Bad Homburg v. d. H. Eine Bürger­meisterversammlung des Obertaunuskreises, an der auch die Verirrter der Gewerkschaften und die Vor­standsmitglieder des Kreisdauernvereins teilnahmen, richtete an die Landwirtschaft einen Appell zwecks Herabsetzung der Preise der landwirtschaft­lichen Erzeugnisse. Die Vertreter der Bauernschaft erklärten sich bereit, den Aufruf, der sich besonders für eine Herabsetzung des Preises für Herbstkartoffeln ausspricht, der in den nächsten Tagen nach Homburg einberufenen großen Versammlung der Bauernschaft des Kreises vorzulegen. Man erwartet, daß diese Bauernversammlung des Obertaunuskreises als erste Naffaus mit einem guten Beispiel vorangeh.n werde, dem sich dann auch die übrigen Kreise des Gebiets anschließen dürsten.

Q Bad Kissingr«. Ein Glückspilz ist der Ober-Packmeister beim hiesigen Postamte, Philipp Hümmler aus Nüdlingen, der bei der ersten Ziehung der Sparprämienanleihe eine Million Mark ge­wonnen hat.

hc Kassel. Die Brotkartenschiebungen des städtiichen Bürovorstehers Bender zieben jetzt noch weitere Kreise. Auch eine Anzahl Geschäftsleute ist an der Sache beteiligt. Die Frau des verhafteten Vorstehers, der bekanntlich wegen Urkundenfälschung eine vorjährige Zuchthausstrafe abgesessen hat, ist ebenfalls an den Unterschlagungen beteiligt. Es steht jedoch fest, daß die Stadtverwaltung keinerlei Verschulden trifft. Bender soll nämlich bereits bei seiner Anstellung mit gefälschten Zeugnissen gearbeitet und so seinen Aufenthalt im Zuchthaus verdunkelt haben. — Der Magistrat erläßt an die Bevölkerung von Kassel einen Aufruf, in dem auf die Schwierig­keit der Lebensmittelversorgung hingewiesen wird. Zum Schluffe heißt es: Tie Zufuhr von Lebensmitteln zu vergrößern und die Preste zu senken ist unser eifrigstes Bestreben. Gleichzeitig ist ein Herab­setzen der Fleischpreiie erfolgt.

* Mellrichstadt. Das großzügige Elektrizitätswerk U e b e r l a n d w e r k „R h ö n", das mit dem Sitz in Mellrichstadt die eine Wirtschaftseinheit bildenden Ort­schaften des Rhöngetnrges mit elektrischem Licht ver­sehen will, wird den Ausbau der Orts- und Ferirlei- tungen in den nächsten Tagen in Angriff nehmen.

50 Me M. Mer- unö WWbMlM.

J) Fulda, 11. Juli.

Mitten in den Wogen des Zeitgeistes, der unsere Ge- sellschast neuen Zielen zuzusühren strebt, begeht der Kath. Meister- und Männeroerein jein 50. Stiftungsfest. An der Spitze des Statuts heißt es: Der Kath. Meister- und Män­neroerein erstrebt die Hebung und den Schutz des Kathol. Gesellenoereins, sowie die Förderung der geistigen und materiellen Interessen des Handwerkerstandes durch Pflege eines kräftigen religiösen und bürgerlichen Lebens. Wie der Gesellenverein stellte auch er sich unter den Schuh des hl. Joseph. Diesen programmatischen Zielen ist der Ver­ein fünf Jahrzehnte hindurch treu geblieben, und als heute im Sonnenglanz eines prächtigen Julimorgens der Mei­ster- und Männerverein sich mit feinen zahlreichen Fest- gaffen in die Heiliggeistkirche zum

Gottesdienst

begab, da galt ganz gewiß dem Allgütigen, der die Der- einsarbeit so reich gesegnet, sein innigster Dank und sein vertrauendes Gebet um Kraft und Hilfe für die Zukunft. Das Hochamt hielt Franziskanerpater Dr. Ewald. Sei-

Predigt legte er die Worte Gottes im Allen Bunde

zugrunde: „Das 50. Jahr sollst du heiligen." Der Kanzel­redner würdigte die Verdienste des Männer- und Meister­vereins in dem verflossenen halben Jahrhundert und eiferte die Mitglieder an, immer und besonders in der Gegen­wart unerschrocken ihren Mann zu stellen. Nach dem Hochamt ordnete sich der Festzug, der die Veteranen des Vereins in Wagen mitführte. 13 zum Teil prächtige Fahnen, mit vielen Erinnerungsbändern geschmückt, stot­terten im Winde. Vertreten waren der Iünglingsoereiu der Dompfarrei, der Jugendverein der Stadtpfarrei, der kathol. Meisterverein von Hünfeld, das kathol. Kasino von Hanau, die katholischen Männervereine von Geisa, Ham­melburg, Hanau und Kassel, die Fuldaer Vereine Win- fridia, St. Josephsverein, der Gesellenverein und der Iubelverein.

Der Festakt.

An dem goldenen Jubelfeste des Vereins nahm die ge­samte katholische Bürgerschaft freudigen Anteil. Alt und Jung, Hoch und Niedrig hatte sich im vollbesetzten Stobt- saal um den mit Recht allgemein geachteten Meister- und Männerverein geschart. Me Feswersammlung wurde auch durch den Besuch des Oberhirten unserer Diözese, des Hochw. Herrn Bischofs Dr. Joseph Damian Schmitt ausgezeichnet, der mit Herrn Protonotor Dr. Aren- h o ld erschienen war.

Der Vorsitzende, Herr Obermeister Jteiberf, kam in sei­nen Begrüßungswortm auf die Gründung des Meister- und Männervereins zu sprechen, wofür an erster Stelle dem Gefellenverein Dank gebühre. Beide Vereine wüß­ten sich einig in ihren idealen Bestrebungen zum Wohle des Einzelnen, des Vaterlandes und der Kirche. Herr Neidert hieß alle Gäste des Jubelvereins, die aus der Stadt, sowie von Nah und Fern erschienen waren, aus ganzem Herzen willkommen. (Der Ehrenpräsident des Vereins Oberbürgermeister Dr. Antoni hat aus seinem Erholungsort herzliche Festwünsche gesandt.) Redner er­blickt in der überaus zahlreichen Beteiligung an der Jubi­läumsfeier einen vollgülttgen Sympaihiebeweis für den Verein, der stolz darauf sei, das Wort „Katholisch" auf fein Banner geschrieben zu haben. Katholische Grund­sätze habe er stets in seinem Leben verfochten, im Kultur­kampf sei er für die katholische Sache in Protesten und Petitionen eingetreten und an allen öffentlichen Prozes­sionen habe er immerdar seine rege Teilnahme bekundet. Die Anwesenheit des Hochw. Herrn Bischofs benutzte der Redner, um im Namen des Vereins das Gelöbnis des treuen Bekenntnisies zu Glauben und Kirche zu erneuern.

Der Hochw. Herr Difchvf, der als Präses des Gefel- lenvereins vor 30 Jahren selbst Gelegenheit hatte, das Leben im Meister- und Männerverein aus nächster Nähe flennen zu lernen, bestätigte dem Vorredner, daß der Meister- und Männerverein im Kulturkampf unerschrocken eingetre.cn ist für die Rechte unserer ht. Kirche nicht bloß in den engen Mauern des Vereinssaales, in Reden und Entschließungen, sondern auch im öfsentlichen Leben. Als Bischof gebe er dem Meister- und Männeroerein mit freu­digem Dank das Zeugnis, daß dieser alte gute Geist noch jung und frisch in ihm lebt. Er dankte auch für den Aus­druck treuer Gesinnung und möchte wünschen, daß der Verein den Geist mannhafter Religiosität mitnimmt in das zweite Halbjahrhundert seines Bestehens und daß in allen katholischen Männern Fuldas dieser Geist lebendig werde und sich auswirke in entschiedenem Bekennermut zu den Grundsätzen unseres hl. Glaubens.

lieber „Christliche Politik im Lichte der Gefchichte der letzten 50 Jahre" verbreitete sich Herr Professor Dr. Thielemann. Die großzügige Rede, packend in ihren Gedankengängen, frisch und lebendig in der Sprache des warm empfindenden Freundes eines ge­sunden Mittelstandes, dessen Erhaltung der Festredner als eines der wichtigsten Ziele der christlichen Sozialpolitik hinstellte, machte ersichtlich liefen Eindruck auf die Ver­sammlung: Im Jahr der Gründung des Meister- und MLnnervereins war noch nicht lange die Gewerbeordnung erlassen, die vom freien Spiel der Kräfte im wirtschaft­lichen und sozialen Leben das Hell der ^Welt erwartete. Der Krieg und die nachfolgende Revolution hat die Un­vereinbarkeit dieses Systems mit christlichen Grundsätzen in seiner ganzen inneren Hohlhell zum Ausdruck gebracht. Der Kach. Meister- und Männerverein hat in all den Jahren seines Bestehens im Anschluß an die Vorkämpfer der christlichen Sozialreform Ketteler, Kolping u. a. den Geist der Kirche hinausgetragen ins öffentliche Leben. Er steht auch heute noch kräftig da, gerüstet für die Kämpfe, die die Gegenwart uns bringen wird. Wir brauchen nicht umzulernen, wir sind dieselben einst wie jetzt, wir sind dieselben, well wir stehen auf dem unerschütterlichen Boden der göttlichen Weltordnung. Nur die Kampffront hat sich verschoben, auch der Feind ist ein anderer geworden. An die Stelle des manchesterliHen Liberalismus ist der Sozialis­mus getreten, der sich zum Erlöser vom Druck der Arbeit aufwirft, alles Eigentum abschaffen und allen eine gleiche Möglichkeit des Henuffes verschaffen will. Der Redner stellte der sozialistischen Gesellschaftsordnung die christliche Auffassung vom diesseitigen Leben gegenüber. Nicht me­chanische 'Gleichmacherei. Das Glück der Eefellschaft be­ruht auf dem gottgewollten Ausgleich der verschiedenen Kräfte in Gerechtigkeit und Liebe. Zwischen dem Unter­nehmer auf der einen und dem Arbeiter auf der anderen Seite muß ein besitzender Mittelstand in den verschieden­sten Abstufungen sich einschieben. Ein gesunder Mittel­stand, für dessen Bildung und Organisationen wir mit allen Kräften arbeiten wollen, muß das Rückgrat unseres ganzen gesellschaftlichen Ausbaues sein. Das ist die For­derung, die die Zell in den Tagen der Umwälzung an uns stellt. Wir alle wöllen nach diesem unglücklichen Kriege, der das Volk verelendet und seine Seelen ver­roht'hat, wirken am Bau der Gesellschaft und für Gott kämpfen; indem wir für Gott kämpfen, kämpfen wir auch für das Wohl des Volkes und unseres Vaterlandes.

Frl. Therese R e u ß sprach verständnisvoll einen Pro­log auf den Iubelverein, dem Frl. Anna Fleischer in schönen Worten eine von den Frauen und Jungfrauen ge­stiftete Fahnenschleife übergab.

Ehrung der Jubilare. Von den 28 Männern, die am 13. Febr. 1870 an der Wiege des Vereins stan­den,' kann nur einer, Herr Werkmeister a. D. Klemens Latsch, frisch an Körper und Geist, das 50. Stiftungsfest mitfeiern; die übrigen hat der Tod bereits dahingerafft. Herrn Latsch, in dessen Person sich die ganze Vereins­geschichte verkörpert, wurde ein Ehrendiplom und das Ver­einsabzeichen in Gold überreicht. 11 Mitglieder, welche sich bereits 25 und mehr Jahre durch Hingabe und freudige Mitarbeit am Verein auszeichneten, erhiäten vom Vorsitzenden das silberne Dereinsabzeichen: Adam Faul­stich, Kajetan Fleck, Ed. Henrich, Joh. Carbig, Dam. Reich, Franz Ricken, Franz Schmitt, Joseph Schmitt, Richard Schmitt, Richard Schnarr und Julius Werner. •

Glückwünsche. Herr Beigeordneter A r n d 1 wid­mete dem Iubelverein die wärmsten Glückwünsche namens , des Magistrats, Herr Eduard Kaufmann namens des Männergesangvereins „Winfridia", Herr Amtsgerichtsrat Rhiel sprach, als Vorsitzender des Katholikenkomitees- Fuldo, Herr Stadtpfarrer Gramm im Auftrage der Kath. Männergesellschaft M. N., Herr Oberlehrer Scheller als Präses des kath. Gefellenvereins, und Herr Anton Schmitt als Vorsitzender des Meister- und Männerver- eins von St. Marien in Kaff«! machte den Schluß in der Reihe der Gratulanten. Der Depeschenbote brachte Glück­wünsche von: Fabrikant Richard Schmitt, z. Z. in Soden, vom Handwerksamt Fulda und von Ku- ratns S ch m iti - Rothemann, einem früheren Präfes des hiesigen katholischen Gesellenvereins.

Mit großem Beifall ausgezeichnete Liederfpenden des Männergesangvereins „Winfridia" und die ebenfalls recht dankbar aufgenommenen Musikstücke des von Herrn Sup- , pes geleiteten Orchesterklubs gaben der Veranstaltung einen geschmackvollen, würdigen Rahmen. Um 1 Uhr wurde der Festakt von Herrn Obermeister Neidert mit Worten des Dankes an die Versammlung und alle, die bei der Frier mitgewirkt haben, geschloffen.

Am Nachmittag fand eine theatralisch-musika­lische Unterhaltung statt, die den Freunden und Gönnern des Vereins einige sröhliche Stunden bot. Es kamen noch mehrere Glückwunsch-Telegramme und Schrei­ben zur Verlesung, so vom Bad Order Männerverein, vorn Kathol. faufmänn. Verein Fulda, vom kathol. Meisterver­ein in Hilders, von den früheren Präsides des Meisterver- ems Pfarrer Ney in Dipperz, Pfarrer Martin in Zella, Pastor Rippert in Vacha und von Herrn Domiapitular Prok. Dr. Leimbach in Fulda.

Möge der Kath. Meister- und Männeroerein auf dem beschrittenen. Wege weiterwandeln zum Nutzen feiner Mit­glieder, zur Förderung des Handwerks, zur Weckung des

katholischen Lebens im Mittelstand'. In diesem Sinn» schließen auch wir uns den Gratulanten an und fassen unsere Wünsche für den Iubelverein in dem alten, schöne» Gruß:

„Gott segne das ehrbare Handwerk!"

Lokales.

Fulda, 12. Auli 1920.

a Grnnderwrrbsftener. Bon der städtischen Steuerabteilung wird uns geschrieben: Die Regelung der Grunderwerbssteuer bei der Veräußerung von Grundstücken ist nunmehr endgültig erfolgt. Die Grunderwerbssteuer beträgt 4 pCt. des Kauf­preises oder Meistgebots oder des gemeinen Wertes, falls letzteres höher ist. Hiervon erhält das Reich und das Land Preußen je die Hälfte; außerdem wird noch rückwirlend vom 1. Oktober 1919 ab ein Zu- schlag von 2 pCt. erhoben. Von diesem Zuschlag erhält das Land Preußen 1 pCt., die Stadt Fulda */s pCt. und der Kreis Fulda 1[i PCt. Im ganzen werden somit 6 pCt. erhoben. Der Zuschlag des Landes Preußen von 1 pCt. ist erst vor einigen Wochen in der Preußischen Landesversammlung be- schlossen worden, und erhalten daher alle, die Grund­eigentum nach dem 1. Oktober 1919 gekauft haben, eine nachträgliche Zablungsaufforderttttg über den Zuschlag des'Landes Preußen von 1 pCt. Auf An­trag w:rd die Grunderwerbsteuer und der Zuschlag, um die Hälfte ermäßigt, falls die Erwerber ein Einkommen von unter 5000 Mark Haden, ein Ver­mögen von unter 10,000 Mark besitzt und Grund­stückshandel nicht gewerbsmäßig betreiben. Wird die Steuer nicht binnen drei Monaten nach dem Auf­lassungstage entrichtet, so sind außerdem noch 4 pCt. Zinsen zu entrichten, wobei es belanglos ist, ob der Steuerbescheid sofort bei der Auflassung oder erst später zugestellt wird. Das Reich nimmt hierbei an, daß ihm die Steuer, genau so wie bei den früheren Stempel, am Auflassungstage zur Verfügung steht.

§ Eine Versammlung der hiesigen Viehhändler fand gestern nachmittag im „Deutschen Haus" statt. Der während des Krieges eingegangene „Viehhänd­ler-Verein Fulda" wurde neu ins lieben ge­rufen. Vorsitzender ist Handelsmann A. Nußbaum. 30 Mitglieder erklärten sofort ihren Beitritt. Es wurde beschlossen, Einspruch gegen die Umsatzsteuer zu er- 1 heben, da das beschlagnahmte Vieh Eigentum des Äommunaiverbandes ist.

(c.) lieber den Preisabbau in Fulda sollte nach den angeschlagenen Plakaten am Samstag abend im gro­ßen Sladtsaat gesprochen werden. Die beiden Redner, Herr Mihm sowohl wie Herr Willigsecker, berichteten zu Anfang ihrer Ausführungen auch über die erzielten Preissenkungen der Lebensmittel usw., die bereits be­kannt sind. In der Hauptsache verbreiteten sich beide über Dinge, die mit Preisabbau wenig zu tun hatten, sie spielten sich so auf, als ob die sozialdemokratische Partei bie alleinige Retterin in der Not sei und sie waren eifrig bemüht, die PreisabbauoerhandlunLen, an denen doch alle Parteien der städtischen Körperschaften gleich tat­kräftig beteiligt sind, lediglich als Erfolge ihrer Partei zu buchen. Herr Mihm ritt auch wieder sein bekann- -es Steckenpferd, die Mehlmischmaschine. In der Aus­sprache berichtete Herr Krönung über eine Streife in Salzschlirf, bei der mehrere Zentner Mehl und Fleisch beschlagnahmt worden seien. Ein Mitglied der Marktkommission ermahnte die Hausfrauen, sich nun- : mehr auch an die vorgeschriebenen Preise zu hallen und nicht selbst die Preise in die Höhe zu treiben.

)( Neue Serben für Briefmarken. Germaniamarken in neuen Farben, die jetzt zur Ausgabe gelangen sollen, hat die Reichsdruckerei hergestellt. Sobald die alten Be­stände aufgebraucht sind, werden die Marken in deu neuen Farben ausgegeben. Die Farbemöne. sind rot­braun für die Marken zu 5 Ps., orange für die zu 10 Pf., saftgrün für die zu 20 Pf., hellblau für die zu 30 Ps., karminrot für die zu 40 Ps., hellviolett für zu 50 Pf., ol-ogrun für die zu 60 Ps., dunkelvioteit. für die zu 75 Pf., und dunkelblau für die zu 80 Ps.

W Nachsendung von Zeitungen in die Sommer­frische. Wer seine Zeitungen in der Sommerfrische ohne Unterbrechung weiter beziehen will, versäum^ nicht, ihre Nachsendung rechtzeitig und bei der richtigen Stelle zu beantragen. Die richtige Stelle ist für die l durch die Post bezogenen Zeitungen das zustellenle Post­amt des bisherigen Wohnorts, für nicht von der Poft gelieferte der Verlag selbst oder der Zeitungsagent, Spe­diteur, Buchhändler ufw., der den Bezug bisher ver­mittelt hat. In beiden Fällen muß der Antragsteller genau angeben, wohin, von wann ab und täte lange die Zeitungen nachgefandt werden sollen. Die Ueber- weisung jeder durch die Post bezogenen Zeitung kostet 2 Mark. Vordrucke zu Nachsendungsanträgen erhält man unentgeltlich beim Postamt. Wegen der Weiter- ; Überweisung der von der Post nachgesandten Zeitungen - bei wiederholtem Ortswechsel und wegen der Rücküber- - Weisung nach Hause muß man sich immer an das Post-J amt wenden, das die Zeitungen unterwegs zuletzt aus- j geliefert hat. Die Weiterüberweisung kostet wieder 2 A Mark für jede Zeitung; die Nücküberweifung ist kosten- frei.

(b) Felddiebstähle. Die Feldsrüchte sind noch nidjr reis, und schon werden Klagen über Diebstähle und Feldplünderungen laut. Besonders auf, die Felder in der nächsten Umgebung der Smdt, in den Ge­markungen Kohlhaus, Edelzell usw. haben es di: Diebe abgesehen.

X Ein geriebener Vutterfchleichhändler, der fort« gefetzt Butter in Eierkisten unter Eiern nach Frank- I furt a. M. und Höchst verschob, wurde von den Be- ' ernten der Wucherstelle Fulda gefaßt. Es wurden ihm einige 100 Eier sowie zirka 20 Pfund Butter beschlagnahmt. ~

Vermischter.

* An grünem Obst gestorben. Unter heftigsten ■ Schmerzen starb in Duderstaüt der 11jährige Franz Schaberg, nachdem er Stachelbeeren und grüne Äepfel gegessen und darauf Waffer getrunken hatte. j

* Das neueste und größte Zeppelinlusischifs C. 72, das vor Ausbruch der Revolutton von der Marine- verwalluug m Auftrag gegeben und erst jetzt fertig- ■ gestellt worden ist, machte am 9. Juli feine erste glan­zend verlaufene Probefahrt. Das Luftschiff muß an Frankreich abgcliefert werden.

* Me Erdgasqnekls in Neuengamme ist wie- j der in Betrieb. Sie liefert zusammen mit der im vo­rigen Jahre erbohrten neuen Erdgasquelle täglich übe' 100 000 Kubikmeter Erdgas.

Hanvel und Wirtschaft.

— Ter Wert der Mark im Auslande. Für 100 Mark wurden gezahlt (vor dem Kriege) aw 9. Juli und 8 Tage vorher: in New Jork (23,8,) 2,61 2,66 Dollar, London (97,8), 13,4213,24 Shilling, Paris (125,4), 31,50 31,75 Franken, Zürich (125,4). 14,70 14,65 Franken, Amsterdam (59,2), 7,40 7,55 Gulden, Kopenhaaen (88,8) 16,00 16,25 Kronen, Stockholm (88,8), 12,00 12,10 Kronen, Wien (117,8), 445,00 440,00 Kronen, Prag (117,8), 117,25 116,75 Kronen.

— Dir lkohlentörderung im Ruhrgebiet ist wieder zurückgegangen. Die Beteiligung an deu vertraglich ;