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Nr. 156.

'ßerantwonlidi für den redatiionellen Teil: Sari Schüft». - für die An,eil!en: I. Parzeiier»Fulda. " Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actlendruckere! in Fulda. Fernsprecher fPr. 9. Telegr.-Adresie: Fuldaer Heitung

Freitag, 9. Zull 1920.

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Alk. ohne Zustellgebühr. In Fu da bet uns abgeholt Z.15 Mk. Anzeigenpreis: DleKi» fnzeil» (Colonelmatz) 6J Ptg., u. 10°« Zuschlag, die Reklame,eile tTenbrelte) 1.80 Mk^ u. 10% Zuschlag. Bel Wiederhol Rabatt.

47. Zahrg,

Tie Enlwaffnungsfrage in Spaa.

Die Heereshcrabsetzung bis 1. Januar 1921 verlangt.

Die für gestern mittag angesetzte Sitzung der Kon­ferenz, in der die Entscheidung der Alliierten in der Abrüstungssrage verkündet werden sollte, mußte aus den Nachmittag verschoben werden. Der von Mar­schall Fach redigierte Bericht über das Ergebnis der Beratungen zwischen den deutschen und alliierten Mi­litärsachverständigen konnte erst gegen 11 Uhr den De­legationen der alliierten Mächte oorgelegt werden. Ihre Mitglieder waren nicht imstande, untereinander die letzte Entscheidung zu treffen, als die allgemeine Sitzung beginnen sollte. Ueber die dann am Nach­mittag abgehaltene Sitzung der Konferenz wird be­richtet:

ww. Spaa, 8. Juli. Die heutige Sitzung der Konse» ren, wurde erst nachmittags %4 Uhr eröffnet. Lloyd George teilte sofort im Namen der Alliierten mit, daß, sofern Deutschland sofort zu der Entwaffnung der Ein­wohnerwehren und der Sicherheitspolizei schreite, ihm für dir Herabsetzung dercheeresstärke aus 100 MO Mann eine Frist von sechs Monaten zugebil- ligt worden sei. Die Herabsetzung des Heeres habe in zwei Raten bis zum 1. Oktober 1920 auf 150 000 Storni, dis zum 1. Januar 1921 auf 100 000 Mann stattzufinden.

Minister D.. Si m o n s betonte, daß eine so bedingte Fristverlängerung eine einseitige Auflage der Entente dar- stellen würde, nicht ein Abkommen unter den ver­handelnden Parteien.

Lloyd George entgegnete, daß die Alliierten dar­auf beständen, daß wir das Protokoll für diese Abmachun­gen annehmen. Demgegenüber erklärte Minister Dr. Simons, daß wir das nicht tun könnten, ohne vorher eingehend über die Angelegenheit beraten zu haben.

Die Konferenz wurde darauf um 5 Uhr nachmittags auf Freitag vormittag 11 Uhr vertagt. Die Mitglieder der deutschen Delegation sind sofort nach der Rückkehr von der Konferenz zu einer Besprechung zusammengeireten.

Die Entwoffnnngsfrage ist trotz der forschen Worte von Lloyd George und trotz der französischen Furcht vor den deutschen Waffengespenst auf den Weg des KomPromisieS gekommen. Eine dauernde Ueberschreitunq der vertragsmäßigen Truppenziffer will man unS freilich nicht zugestehen, aber doch die Frist zur Abrüstung verlängern, also vor- läufig uns etwas mehr lasten, als die unzulängliche Luoie von Versailles. Un ere Fachmänner schlugen anderthalb Jahre vor; L'ohd George machre als cifriaer Sachwalter Frankreichs den Gegenvorschlag von 3 Monaten. Das war aber nur Takiik, wie sie im Markiverkebr üblich ist. Die belderjritigen Militärs sollten sich über den Mmelveg verstän­digen und rS ist zu einer Frist von 6 Monaten ge­kommen.

Das ist im tSruude keine Lösuna, sondern nur eine Verschiebung der Schwieriakeiten. Aber es iit doch ein wichtiger Fortschritt im Vergleich zu dem Dikiat von Versailles. Zeit g Wonnen — v el ge­wonnen. Auch di« Drohung mit der Besetzung des RuhrgebietS oder anderer Gebiete, die in den nachfolgend mitgeteilten Dedingungen anSge- tprochen wird, kann mit der Zeit von ihren Schrecken velieren, wenn sie gewiß auch an sich ernst genug zu nehmen ist. Aber immerhin, wenn die Eni- waffnungsfrage vorläufig er edigt wird, so wird dos »usdie weiteren Verbanvlunaspiinkieheiliameinwirken.

Die Erklärung der Alliierten.

wtb Spaa, 3. Juli. Die in der heutigen Sitzung als Ergebnis der Beratungen der Alliierten übergebene Erklärung hat folgenden Wortlaut: Unter der Bedin­gung, daß Deutschland

Unpolitische Zeitläuse.

Bon Fritz Ntenkemper.

Berlin. 6. Juli 1920

Die Eltern sind verreist; die Kinder bleiben zu Hause.

So geht es jetzt in unserer Dolksfamilie. Die hohe Obrigkeit ist nach Belgien gefahren wir regierte Leute kommen uns etwas verwaist vor. Aber neidisch sind wir nicht; denn der Ausflug der Herren Eltern nach 6paa ist kein Vergnügen.

Mein urberlinischer Nachbar, der gern Wortwitze kalauert, ist jetzt auf Silbenscherze hinabgesunken. Er «einte, „der gute Fehrenbach habe sich vor einem Mo­nat auch noch nicht träumen lasten, daß er nach Spaa spazieren müsse; es werde ihm wohl in Spaa spanisch vorkommen; vielleicht werde er zum Schlüße stufzen müssen: Ich hätte mir die Fahrt nach Spaa sparen können. Mein schmerzhaftes Auge bot ihm Halt; sonst hätte er wohl noch weiter mit Spaa Spaß getrieben.

Die Sache ist wirklich nicht zum Scherzen: die Zu­kunft Deutschlands steht auf dem Spiele. Wir sind aber öurch die Schicksalsschläge seit zwei Jahren so abge- bnlht, daß auch der Schreckensrsuf „Sein oder Nichl- fein" keine große Erregung mehr hervorruft. Der Mensch kann sich an alles gewöhnen, auch an das Nacht- ®anbeln am Rande des fünfstöckigen Daches.

Kismet, sagt der Türke und ergibt sich mit unter» geschlagenen Beinen in das unabwendbare Schicksal.

Mehr Aufregung, als alle hochpolitischen Fragen, wft im Volke die Magensrage hervor. W ihreid *n Spaa an der wankenden Weltordnung gezimmert wird, beschäftigt sich der deutsche Reichstag mit der Schlechtigkeit des deutschen Brotes und dem Mginel an Nahrungsmitteln überhaupt. Der einheimische Hunger und die ausmärlige Politik hängen eng zusammen. Die b eger m Spaa verlangen Geld von uns, viel Geld Und noch mehr Geld. Wir können ■ nur zahlen, wenn »ir Geld verdienen, und wir können nur Geld oerdie- |ltn, wenn wir im Schweiße unteres An-elichis ar’-ei« und wir können nur arbeiten, wenn wir zu essen bekommen. So können sich unsere Minister in Spaa auf die Reichstagsverhandlungen und auf die W 'chen- "larkt-Krawalle berufen. Don der Kuh, die kein Futter bekommt, kann man keine Milch erwarten.

Am letzten Sonntag stand im Evangelium: Mich tfbarmet des Volks; sie Harren schon drei Tage bei mir ^5 und haben nichts zu eilen.* Dann folgt der Bericht über die wunderbare Brotvermehrung. Der Allm'ch'ige l^kift heutzutage nicht mehr durch ein besonderes üButu

sofort zur Entwaffnung der Einwohnerweh­ren und der Sicherhetispolizei schreitet,

eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der die sofor­tige Auslieferung aller Waffen gefordert wird, die in der Hand der Zivilbevölkerung sind, die im Falle der Zuwiderhandlung wirksame Strafen vorsieht, öm Falle, daß die Befugniste, dir die Regierung traft Gesetzes hat, nach dieser Richtung hin ungenügend sein sollten, müssen unverzüglich nesetzgeberische Maßnahmen geschaffen werden, die die Befuaniste der vollziehenden Gewalt auf diesem Gebiet verstärken),

sofort alle die Maßnahmen in Angriff n’mrnt und erorcift, die notwendig sind, um die allgemeine Wehr­pflicht abzuschaffen urb um das Heer auf der Grundlage der langfristigen Dienstzeit aufzubauen, so wie es im Friedensvertrag vorgesehen ist,

den Alliierten olle in ihrem Besitz befindlichen Waf­fen und alles Ärieqsgerät, das über die im Ver­trag zugelaffene Menge h-nmrsgeht, zi m Zwe^e der Zerstörung ausllefert und den Alliierten bei der Zerstö­rung beh'lflich Ist,

dir Anwendung derienigen Bestimmungen des F-ie- densvertrags über die Seemacht und über die Luf t« fahrt sicherstellt, die noch keine Ausführung gefunden haben,

erklären sich die Alliierten bemit einverstanden:

Die Frist, die für die Verminderung der Trupven- stärke der Reichswehr vorgesehen ist. bis zum 1. Okto­ber 3 u verlängern. Zu diesem Zeitpunkte muß bas Heer auf 150 000 Mann beschränkt sein und höch­stens 10 Reichswehrbri gaben umfassen. Die M'ierten erklären sich weiter mit einer zweiten am 1. Ja'"or 1921 ablaufend-m Frist einverstanden. Zu diesem Zeit- punkte muß die Ermäßigung der Truvpenstärke auf 100 OOO Mann genau in der Zusammensetzung und her Organisation wie im Friedensvertrag vorgesehen vollen­det fein;

die brutsche Regierung zu ermächtigen, in der n e n- tralen Zone bis zum 1. Oktober diejenigen Strelr- fräfte zu unterhasten. deren Zahl der alliierte militärische Ueberwechungsans'chuß ihr befr-n^t neben wird, um an der Sammlung der Waffen teilzunehmen,

alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Waffenschmu gael aus dem besetzten Gebiet nach anb-ren Teilen Deutschlands zu verhinbem.

Wenn zu irgendeinem Zeitvunkte vor dem 1. Januar 1921 die alliierten Ueberw.gchunasaus'chüsse in De-'t'ch- (anb feststellen, daß die Bedingungen der gegenwärtigen Vereinbarung sucht loyal ous^esührt werden, z. B. wenn am 1. Sentember die vorgesehenen Derwa'tungs- und aefetzgeberischen Maßnahmen nicht ergriffen worden sind, nicht in weitgehendstem Maße verösfentb'chi wor­ben sind, wenn die Zerstörung und b’c Auslieferung des Krieasaeräfs nicht normal ihren Fortgang nimmt, wenn am 1. Oktober das deullch- Heer nicht a"f eine Ziffer von 150 000 Mann beschränkt Ist und h-!chge-s 10 Reichswehrbrigaden umfaßt, werden die Alliierten zur Besetzung eines Teiles des deutschen Gebiets schreiten, sei es des Ruhrgebiets, fei es jedes anderen Gebiets, unfr werben dieses Gebier erst an dem Tage räumen, wo alle Bedingungen der gegenwärtigen Dereinbarung restlos erfüllt fein werden.

Die Stimmung der deutschen Delegation in Spaa gegenüber diesen Bedingungen kommt in einer Trayt- meldung der „Frks. Zlg." aus Spaa zum Ausdruck, in der es heißt: Die Bedingungen der Alliierten sind so folgenschwer, daß ihre Prüfung den denkbar möglichsten Ernst, aber zugleich die kühlste Nüchternheit verlangt. Wer die Bedingungen gcles.it hat, wird nach- fühlen können, daß die deutsche Delegation von außer- ordentlichen Sorgen bedrückt ist, den sie zeigen mit ei­nemmal die wahre Lage und die volle Einigkeit der Alliierten. Die Bedingungen enthalten Im wesentlichen, was der Vertrag von Versailles in Verbindung mit dem Protokoll von San Remo festgestellt hat. Die Alliier­ten legen den § 18 des Anhanges 2 zu den Wiedcrgut- machuugsartikeln des Friedensvertrages so aus, daß er ihnen unter allen Umständen das Recht gibt neue

der ein. Die Menschen auf Erden sollen sich selber helfen auf Gegenseitigkeit, und sie kkönnen es auch, wenn sie vernünftig die irdifchen Aecker bebauen. Der Himmel gibt barn das Gedeihen 6er Saaten, und die- fes Wachstum der Frucht ist auch eine gnadenvolle Brotoermehrung.

Der Heiland fühlte Erbarmen mit dem hungern­den Volke. Haben die Machthaber auf Erden auch Mitleid mit den kleinen und großen Menfcheiikin- dem, die an Unterernährung dahinstechen und dem vor­zeitigen Grabe entgeoenmanfen? Die Hungersnot in Deutschland währt nicht bloß drei Tage, sondern schon viele Jckhre. Zwanzig ganze Monate sind schon seit dem Waffenstillstand verfloßen, und noch ist nicht dafür ge­sorgt, daß das unschuldige Volk sich gehörig satt esien kann.

Auf christtiche Nächstenliebe oder menschliche Rüh­rung ist kein Verlaß. Bog Spaa Ist nur dann etwas zu hoffen, wenn die Machthaber erkennen, daß sie sich selbst schädigen durch die weitere Aushungerung, Deutschlands. Wenn sie uns ruinieren, werden sie ihre Beute verlieren. Wenn Fehrenbrch ihnen das klar

machen kann, so läßt sich vielleicht etwas erreichen. Sonst Hilst uns die ganze Konferenz nichts.

Immerhin ist es schon ein Fortschritt, daß es wieder einmal zu einer rnünbl' chen Aussprache am Beratungstisch gekommen ist.

Es geht nichts über den Nahverkehr zwischen Mund und Ohr, Auge in Auge. Der Fernverkehr Ist freilich in den letzten Jahrzehnten für den Gedankenaustausch großartig ausgebildet worden. Zum Telegraphen kam noch der Fernsprecher. Die Staatsmänner in London. Paris, Rom und Berlin können, wenn sie wollen, sich den ganzen Tag und die halbe Nacht miteinander un­terhalten durch den Sprechdraht, ohne ihr Heim zu ver­lassen. Falls sie gerade auf dem Wasser schwimmen, läßt sich mit drahtlosen Wellen das Gespräch fortfetzen. Eigentlich brauchten sie also nicht erst nach emem Kon­ferenzort zu reifen. Aber sie tun es doch Wir haben ja gesehen, daß die alliierten Minjster ihr Gewerbe im Umherziehen betreiben. Bald kommen sie in Paris, bald in London, bald in San Remo, bald in Hylhe, Boulogie oder Brüssel zusammen. Das alte Verfahren der perlönlichen Znsawmenkunst wird bevorzugt. Mit Recht; denn wo es auf Verständigung abgesehen Ist, ba ist nichts besser, als der unmittelbare Gedanken- ausiausch.

Noch schlechter, cis der Fernsprecher, ist das s ch r i ft- ' iche Verfahren, der Ausiausch von beschriebenem Papier. Diese kaltherzige Verkehrsart hatte» die Sie-

Besetzungen vorzunehmen. Die deutsche Auffassung bestreitet diese Auslegung grundsätzlich. Kann sie aber wagen, die Konferenz in Spaa an diesem i Punkt scheitern zu lasten? Die Folgen sind leicht aus­zudenken: Am 10. Juli läuft die Frist ab, nach der die neutrale Zone einschließlich des Ruhrgebiets geräumt werden muß, ebenso läuft die Frist für das 100 000 Mann Heer ab — also, da die Alliierten jegliche Macht Hoden, so stehen wir vor einem elementaren Zwang. Man braucht dabei weniger an einen Vor­marsch ju denken, der Lloyd Geroge höchst unerwünscht wäre. Aber mir sind auch in jeder anderen Beziehung, ahne daß en; Einmarsch dro;t. von den Allnerren ab­hängig. Schwerste innere Verwirrung in Deutschland wäre dir wahrscheinliche Folge.

D'e,en schweren Belastungen Deutschlands stehen mm aber cffkvsichtlich bedeutende Erleichte­rungen gegenüber, die uns die Alliierten anbieten: nämlich die Genehmigung der Besetzung der tu» u t r a • len Zone bb zum 10. Oktober und die Gewährung der S e ch « m o n a t s f r i st. Wenn auch die militari« scheu Sachverständigen für die Entwaffnung und die Verringerung des Heeres, wie das ihr Gutachten ja gezeigt hat, die Innehaltung dieser Frist technisch nicht für mögl ch halten, so erfordert die Gefährlichkeit unterer Lage trotzdem eine gründliche Überprüfung dieser Frage. Technische Erwägungen müsten sich jedeusulls politischen Notwendigkeiten unterordnen. Die Alliier­ten verhängen eine überaus große Gefahr über uns, besonders indem sie unser Wirlschaftsleben durch die beständige Möglichkeit eines neuen Gin mar» ches beunruhigen. Sie beloben sich vor aller Welt mit ibwerst'r Verantwortung. Aber wenn Deutschland ein äußerstes tut, um den Vertrag von Versailles In einem militärischen Teil zu erfüllen, so kann es einer guten Politik gelingen, die Gefahr des Einmarsches und alle ferne Folgen ganz wesentlich zu beschränken. Die Franzosen erhalten durch den Plan Lloyd Georges, was sie brauchen: Sicherheit. Aber eine Aus­dehnung der Besetzung wird ohne die Genehmigung Englands künflig nicht möglich sein. Ernsthusteste politische Erwägungen sprechen durchaus dagegen, daß Lloyd George den Franzosen die Bahn zum Ruhrg biet, oder in das Herz Süddeutschlands srei geben werde. Durch die Bedingungen der Alliierten ist unsere wahre Lage, die bejammernswert genug ist, zwar schärfer be- leuchtet worden, aber sie hat sich im Grunde nicht ver­ändert.

Treffende Antworten von Simons.

Rach hem „Malin" soll im Laufe der Verhvnb- lun-en in Spaa am Mittwoch Lloyd George erklärt haben, obzwar >r rankreich 1871 reich Ingen gewesen sei, bät e e8 doch rasch b*e schweren Ausstände brr Kom­munisten nieberfchfapen können, worauf Minister @t« m o n 8 Beantwortet habe, Deutschland habe auch Frank- re ch die Mittel gelassen, eine Armee zit unterhalten, nm die Revolte niederzitschla >en. Hi rauf habe Lloyd George geantwortet: Aber eine ernftbaite Regierung muß dock Oeriin 'n ihrem eiacnen Lande sein; was Reichsminister SimonS veranlaßt habe, zu sagen: Sie fii.d, Herr Präsident, Ehef emeS lehr großen, sehr blühenden und fiepreiefjen Imperiums. Ieboh habe ich sagen hören, hab jüngst eS Ihnen nicht leicht gefallen sei, die Siebenen zu veranlassen, dir Waffen zurück- zuyeben, bereu fie sich bedienten, um die regulären Trvpven avzugreifen. Ich weiß nicht einmal, ob eS Ihnen bis heute gelungen ift. Ich erwarte deshalb von Ihnen, haß Sie ein wenig Nachsicht mit einer notroen« bijjrroeife schwache» Neuerung haben werden, die ein f‘r lagene3 Land regieren muß, in dem Unordnung

Tie Tauer der Konferenz

Tie Vermutung, baß die Sitzungen bis etwa Mitte nätifter bauern tollen scheint sich nicht zu be» per bisher gegenüber bem mißachteten Deutschland be­liebt. Unsere Vertreter mürben freilich nach Versailles oder sonst wohin beordert, aber man steckte ihnen einen Knebel in den Mund. S-e durften nichts sagen, son­dern barten nur zu unterschreiben, was ihnen als un» abänderliches Diktat vor die ersetzten Augen geschoben wurde. Die Reise war im Grunde überrlfiifig; durch die Post hätte sich der Austausch der Aktenstücke ebenso gut vollziehen lasten.

So ging es, so lange der Spruch galt: 5tat pro rat:one voluntas. „nicht die Vernunft gilt, sondern nur Wille". Allmählich hat man doch einge-eljen, daß die Welt nicht ganz ohne Vernunft regiert werden kann, und bequemt sich wieder zu bem münbl;rh?:t Verfahren, das etwas bessere Aussichten für die Erkenntnis der Wirklichbil und der Möglichkeiten bleiet.

Das ist ein Fortschritt, aber am Ziele sind mir frei- llch noch nicht. Ich möchte den Tag von Spaa nicht vor bem Abcnb (oben. Sollte jedoch am Abend noch ein Gewhier kommen, so würde ich auch noch nicht gleich ve-zweiseln. Tenn nachdem emmai der Fak.cn der mündlichen Aussprache gelegt ist. |j kann man ihn auch n-iibt.- verknoten, falls er ger'ffcii ist. Spaa b:>mch ji rk‘;t die letzte Konferenz zu sc.n.

Ist die rrünbllche Aussprache nur für die Politik gut ob?r au di für den Anstrag non p r • o n t e n Mißhe'.iig. teitc-i ober persönl chen Streitigkeit m?

Bei solchcn Konflikten wollen heißvliitige Cent" gleich zum Ncch'ncmwalt unb Gericht laufen. Andere ver­beißen fick, in ihrem Aerger unb it* len sich grollend oder gor polternd in den Schmollwinkel. W eviel Ver­druß urb Schaben ließe sich oermeiben, mein bie Leute sich einmal ruhig miteinander aussprächen? Der freim'iHae und ehrliche Gedankenaustausch würde man- chc« 3Tli!'Derftänbnis beseitigen unb zum wenigsten in ber Sti-gel ben Verbacht Qusräumen, baß der Gegner ein abgefeimter Bösewicht wäre. Aber unter einer un­erläßlichen Voraussetzung: man muß zu ber Aussprache in ber Absicht ber Dorstänbigung gehen, nicht etwa zum Schimpfen und Kränken. Wer die nötige diplomatische Selbstbeherrschung nicht besitzt, der laste lieber zunächst Fäden wieder anknüpfen.

Die christliche unb zugleich vernünftige Richtlinie ist im Vaterunser zu finben. gleich hinter bem täglichen Brot: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir »er­geben unfern Schuldigen". Da- foUte auch in Spaa an die Wand geschrieben stehen An ber andern Wand könnte man vorsichtshalber schreiben: 2Henee Thekel, Phares. „ .

stäiigen. Sie soll vielmehr SamStag abend beendet und dann die Diskussion über .die Ncbensragen in Ost ende oder gar in London fortgesetzt werden,

Linkssozialistkn gegen den Generalstreik.

Auf der in Halle *menben Konferenz her revo­lutionären Detri-bsrät' und Vertrauensmänner der unabhängigen Parier MitteldeuffchlandS siegte nach befiiaer Debatte die Auffassung, unter allen Um­ständen einen Generalstreik zu vermeiden, obwo il der Stenerabzirg und b*e wir"'chast!ibe Sage einzelner Beiriebe einen günstigen Boden süc ein» umfastende Aktton bieten Wirde.

Tas Preßamt der braiinschweioiscben Regierung tritt ben Zeimngsmelduuoen über angeblich? kommu« nistiscke Umtriebe in Braun schweig eut^en.

Aus dem besetzten Gebiet.

* Ver;ewolti«ung pfälzischer Zeitungen. Die Pfälzer Zeitn igeu, Oie wegen Besprechung der Ber, ewatti ung deutscher Frauen durch farbige französische Truppen bestraft worde n toaicn, werden jetzt nack trägt ich ge­zwungen, die Ehreuei kiärung für diese Truppen wieder» y eben, die auch jcho । von einigen «tattern in Köln crpießt worden ist. Sie müssen darin „em estchen", daß oas Material für jene Artikel nicht genügend nach, geprüft worsen sei; sie müssen „feiifteilcn", daß bie französischen Kolonialtruppen (ich etmvaitDirei benehmen und sie muffen Oie unglaubliche Lüge auefpicchcn, baß sich „Oie beut che Presse bisher großer Picssejreiyeit fciterä der franzöfiicden BehörOen er reute "

Die Wahrheit über Eupen unb Malmedy. Die Be­schwerde der deutschen Regierung über die Handhabu-rg des Abstimmungsverfahrens in Eupen und Maimedy iit von den Derbandsmächten als unbegründet zurück» gewiesen worben. Die Aniwormote ber Alliierten be» zeichnete bas Vorgehen Belgiens in den Abst mmungs- gebieten als durchaus korrekt unb In Uebereinftimmung mit bem Willen des Friedensvertrages befindlich. Welche Verkennung der Tatsachen ber Aerbanbs w!e zngrunbe liegt, möge folgende Aussage bezeugen, bie ein Einze ch. nungsberechtigter der deutschen Westkreise Über den Ver­lauf des Einzeichnungsaktes zu Protokoll gegeben hat- Der Betreffende fag‘e aus: „Arn . . . ocr'anqte der Kreiskornrnistar Thasflaire von mir für bie (Eintragung in die Brotestliste eine Bescheinigung, baß ich "vom August 1914 bis jetzt im Kreise wohnhaft fei. U"ter an­derem sagte er mir: „Unser Weißbrot lasten Sie sich gut schmecken unb trotjbem arbeiten Sie ge-en urs.- 21m . . . würbe ich zur (Eintragung in die Prolelilist« Egelaffen. Dor ber Eintragung sagte ber Kreiskvmmis» r: „Deutfchlanb mit seiner roten Regierung ist doch ld ganz kaput." (Er machte mich barauf aufmerksam, daß ich ben Dreifprochenstemvel, brr für ben ungehin­derten Verkehr mit bem b-fetzteu Gebiet nötig ist, nicht erhalten werde, wenn ich Pr-test erbeben würde. Nach der (Eintragung sagte er: „Wissen Sie auch, botz Sie jetzt her erste find, ber hier heraus- fliegt?" Ich bat nm Auskunft roeaen A s'le'lung bes Dreifvrachenstempels, worauf ich b’e Antwort er- h'elt: „Sie werben boch nicht oerlanoen. bai S e bie» selben Dorrech'e peniehen, wie bie anberen Leute, bie nicht protesv-ren. Nehmen Sie ben Protest zurück, dann befomm-n S>e ben StemM sofort. Versuchen S'e mal im Derkebrsbureau, ob Sie ben S'empef be'ommen." Dort würbe mir aber bie Ausstellung bes Stemge's ver­weigert. weil auf meinem Personalausweis ein entspre­chendes Zeichen e'noetraien war, das bie Ausstellung verhindert." — Diese Au-soge d-s bentichen Elnze'ch. nungsberedjtiaten, bereu Wahrheit n-cht anzuzwei'e'n sein bürste, bilbet feine Au-nobme. Cie zeigt ro'e'er, wie berechtigt bie beutfrhe Forberung war, bie Ztbft'm. mung in (Eupen unb Mnlmeby geheim unb unter neutraler Kontrolle vor sich gehen zu laff-n Die be-ffche Regierung fe'bit ober möge erwänen, !>aß es bo-t, wa es bie Abwendung eines Unrechtes gilt, ein „Zn |pä# nicht gibt. ________________________

Immer neue polnische Schikanen.

Der Deutsche Schutzbund teilt mit: Der deutsche Schiffs- raum und die Zahl der von den Polen für den Verkehr durch den polnstchen Korridor zuoelastenen Sonder- z ii g e reichen nicht aus, alle Stimmberechtigten nach Ost- unb Westgreußen zu befördern. Die Gesamtzahl ber aus anderen Teilen des Reiches in die Abstimmungsae- biete beförderten Stimmberechtigten beträgt über 150 000, wozu noch 10 000 Kinder kommen. Die Zuge durch, ben polnstchen Korridor sind nicht roll besetzt, da Tausenden von Reifenden der Durchgang verwehrt wird, weil auf ihren Abstimmunpsausweisen der Stempel der Abstim- mungskommistion fehlt. Alle jene einmal in Bewegung gesetzten Tausende von Reisenden mästen über bas vorge­sehene Transportprogramm hinaus auf dem Seeweg umgreifet werden. Die Dampfer sind dadurch bis zur höchstzulästigen Grenze belastet. Zahlreiche stlmmberech- tigte Ost- unb Westgreußen im Reichsinnern sind Irotz dringlicher Mahnungen noch immer nicht in den Be­sitz der Abstimmungsausweise gelanat, die in ben Heimatsorten von deutsch-golnischen Abstlmmungs- kommsstionen ausgestellt werden. In vielen Fällen ist kestpestellt, daß gerade diejenigen Kommistionen mit der Zustellung der Ausweise noch immer im Rückstand sind, deren Vorsitzender ein Pole ist. Andererseits ist eimvandsfre! festgestellt, daß aus den gleichen Orten Leut« mit polnisch-klingendem Namen zwei, drei, ja auch nie* Ausweise erhalten haben.

Polnische Angst vor der Volksabstimmung.

In ber Sitzung deS Sejm (poltt. Reichstag om Mittwoch brachte der Adg. Gtyk einen Dringlichleits, antraq ein, der verfassiinggedende Sejm möit an die Parlamente ber verbündeten Mächte einen Auf­ruf ergehen lassen, um dieVolksabslimmung h ina uS- zu s ch t eb en. Der Anlrag wurde mit sehr bebentenhet Mehrheit angenommen. Ferner wurde ein Anirag angenommen, daß die Bewohner der Volksab- stlmmungsgebiete, bie durch das Ergebnis der Volks­abstimmung der Republik zufallen iveiden, ohne Rücksicht auf die Nationalität von der Militärdienst- pflicht für acht Jahre frei sein sollen. —

DaS zeigt, baß die Polen bereits fest überzeugt find, daß der 11. Juli ihnen eine entscheidende Niederlage bringt. Darum wollen sie einen längeren Aufschub, um mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln die Abstimmung für sich beeinflussen zu können. Ter zweite Beschluß soll ein Köder für die Ostmärker sein und die für bie polnische Sache ge­rade zu vernichtende Wirkung mildern, die die Ein- zle ung der Teutschen in den betend polnischen Gebieten gehabt hat. Aber auf den Leim werden unsere Du» und Westpreußen, die die Polen jetzt kennen gelernt haben, nicht mehr kriechen.