Einzelbild herunterladen
 

Desto mehr dachte Uolde daran, die in einer ent* zückenden Frühjahrsioilerie Danielas Ankunft uny duldig erwartete.

Es war ein'herrlicher Tag nnt wostemlofem Him­mel und so warmem Sormemchem, wie im April.

Da Lari va feg bereits wartend unten im Auto uiti harre soeben den Chauffeur hinaufgeschickt, rnn zu« Aufbruch zu mahnen, da es bereit» auf halb vier Sing.

Isolde hatte es nämlich für klüger gehalten, daß e» unten auf sie warte und sich vor ihren Leuten ga» nicht erst zeige. Aus demselben Grund hatte sie an- georbnet, daß er mit dem Gefahr, nicht unmittelbar vor dem HauS, sondern an der nächsten Straßenecke halten solle. ,

Daß sie dadurch ihm selbst gegenüber tn ein schiefes Licht kommen könne, indem sie der ganzen Sache de» Anschein einer gemeinsamen Heimlichkeit gab, bedachte sie nicht. Sie war über derlei Kleinigkeiten immec mit souveräner Erhabenheit hinweggegangen.

Einzig die Angst, ihr Mann könne sonst etwas von der Sache erfahren und sie mißbilligen, veranlaßte sie zu den Vorsichtsmatzregeln.

Georg war in Bezug auf derlei Dinge so seltsam streng in der letzten Zeit . . .

Dallariva aber fatzie die Sache ganz anders auf. Lou deren Frische sehr gelitten hatte, seit sie unab- läsiig einen heimlichen Kampf mi, jen.rn furchtbare« Feind in sich führte, den r'e immer deutlicher fühlte und doch um jeden Preis vor der West verbergen wollte, hatte ihn arg enttäuscht.

Dem Auge b?8 Malers konnte nicht entgegen, was sonst noch niemand merkte: daß in daz süße Gesichtchen eine unheimliche Schrift von verborgenem Leiden kam. die auch die geschickteste Anwendung von Puder uni Schminke, da? strahlendste Lächeln wicht verwische» konnte.

Krankheit erregte in ihm nicht Mitleid, sonder« Abscheu und Grauen. Dazu kam, daß er mit provhe- tischem Blick voraussah wie Lou auSsehen werde, wen» er seinerzeit ihr Bild zur Ausstellung bringen werden könne: grau, verfallen, unschön. Niemand würde in ihr den »Morbenstrehl" w edererkennen.

Lachen würde man über ihn, seine Schwärmerei, seine Kunst! . . . Statt seinen Ruhm zu erhöhe» würde dies Bild ihn nur verkleinern,

.(Fortsetzung folgt/

fir. 152.

Verantwortlich für den rebalifoneCen Teil: Carl Schütte, " für die Anzeigen: I. var zei ler-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Artlendruckerei in Fulda. Fernivrecher Nr. 9. Telegr.-Adresie: Fuldaer Zeitung

Montag, 5. ZM 1920.

Bezugspreis: Monatlich 3.00 Ulf. ohne Zustellgebühr. In Fu da bei uns abgeholt Z,t5 M. Anzeigenpreis: DieK leinzeile (Colonelmah) 60 pfg., u. 10°;«Zuschlag, die Reklamezeile (Tertbreite) I.S0 Mk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

47. Zahrg

Spaa.

Eine schwere Woche für Deutschland hat begonnen. Fmt Stimmung banger Erwartung lieg, über dem putschen Volke, denn wir stehen vor einer Entscheidung, die für Deutschland auf Jahrzehnte hinaus bestimmend | sein wird. Zur Siunde schon sitzen sich in Spaa die Vertreter DiUtschlard» und seiner Fe'ud.» zum ersten Male a's Verhandelnde gegenüber. Er sollen dort die ? finanziellen Verpflichtungen festgelegt werden, die in ; allgemeinen Formeln in Versailles unter dem Druck ; her Zwangslage von uns mit unserer Unterschrift ge- f deckt wurden.

An dem ehrlichen Willeri des deutschen Volkes, Der- s pflichtunaen, die erfüllt werden müsien, wirklich auch zu erfüllen, soweit das möglich ist, kann es keinen Zweifel L geben. Der Reichskanzler hat diesen Willen zu ehr- ? lichrr Vertragsleistung ernst und würdig im Reichstag ' ausgesprochen; aber auch die feste Absicht, Gerechtigkeit von feiten unserer einstigen Gegner zu heischen und l dazu die Einsicht, daß die Kräfte des deutschen Volkes ' nur soweit angespannt werden dürfen und können, als | das deutsche Volk diese Anspannung zu erfragen im« ■ stände ist. Es gibt eine Grenze für die Leistungsfähig­keit jedes, auch des deutschen Volkes.

Fehrenbach und die Seinen haben einen schweren Dang angetreten. Sie dürfen aber überzeugt sein, daß 1 bas deutsche Volk mit heißem Herzen bei ihnen weilt. Wir wollen unsere Herzen wappnen, damit, die Schick­ff' solsentscheidung, die unser harrt, uns auch bereit finde!

*

Dis dsutfcheDelegation ist Samstag abend k %10 Uhr mit Sonderzug von Berlin abgefahren und .. in Spaa Sonntaeg nachmittag kurz vor 2 Uhr singe- ‘ troffen. Die Delegation wurde im Zug von den Generalsekretären der Konferenz im Ramen der belgi- s scheu Regierung begrüßt und begab sich in Staatsauto- mobilen in ihr Absteigequartieer.

Inzwischen sind auch die anderen Delegierten r zur Konferenz angekommen. Die erste Sitzung hat heute nm 10 Uhr begonnen.

DeuMlands Leistungsfähigkeit.

Das Gutachten der deutschen wirtschaftlichen Sach- ; verständigen über die Leistungsfähigkeit Deutschlands, i das dem Obersten Rate als Material für die Verhanö- j langen in Spaa überreicht wurde, enthält zunächst eine i ausführliche Darstellung der trostlosen wirtschaft­lichen Lage Deutschlands, als eine Folge der Waf- RfenftiUstands- und Friedensbcdingungcn. Der zweite Teil des Gutachtens beschäftigt sich mit den Voraus- I setzungen zur Fest stellung des Wiedergut« i machungsbetrages, der jetzt bekanntlich in s Spaa feste Form erhalten soll.

Da wird vor allem andern auf das Angebot der deutschen Delegation in Versailles vom 29. Mai 1919, sich zu Zahlungen biszulOOMilliardenGold ■ Zu verpflichten, eingegangen. Dieses Angebot könne | heute keinesfalls mehr erfolgen, weil von i seinen Voraussetzungen — Belassung der Kolonien, ' Verzicht ans die Auslieferung der Handelsflotte, keine L Besetzung des deutschen Gebietes — auch keine einzige erfüllt worden sei. Das Wichtigste bleibe zunächst eine Einigung in den beiden großen Fragen der Kohlen­lieserungen und der Beteiligung Deutschlands am Wiederaufbau Frankreichs. Bei der Kohlen« | lirfeiung bleibe kein anderer Ausweg, als Frankreich ein Vorzugsrecht auf bestimmte Kohlenmengen zu ge- l währen, aber nur unter der Voraussetzung, daß die i Lieferungen auf Grundlage der rm freien Wettbewerb sich bildenden deutschen bzw. englischen Ausfuhrpreise tatsächlich bezahlt werden. Diese Einkünfte könnten in , erster Linie jü Erfüllung der in Geld auszudrücken- oen Wiedergutmachungsleistung sichergestellt werden, k Weiter wird eine Arbeitsbeteiligurig der in Deutschland | unbeschäftigten Arbeitskräfte beim Wiederaufbau Frank« ^^^erlangt^Deutschlan^^enötlg^strnerE^r^as

Fordernde Liebe.

Roman von Erich Ebenstein. ......

ES dauerte lange, ehe ihm dies gelang. Sie teil« “0tc nur unter der Bedingung ein, daß er selbst sie Vnbringe und sie mindestens jeden zweiten Tag dorr "suche. Der berufene Psychiater war inzwischen ein» Wroffen. Nach kurzer Beratung mit ihm wurde be« schiossen. die Fürstin sogleich in die von ihm geleitete Welt zu überführen.

Heidlofs Ordination war längst' vorüber, als er ^müde und erschöpft raheim anlangte.

Trotzdem standen noch ein paar Patientinnen war. knb an -er Tür. Arme Leute, die sich nur schwer 8cij nahmen, zum Sr« zu gehen, und den Weg nicht umsonst gemacht haben wollten.

-Warum sind Sie nichr eingetreten?" fragte Heid- •f verwundert.

»Weil auf unser Läuten niemand öffnete“, enttoof *te eine der Frauen.

Kopfschüttelnd schloß er die Einzangstür auf und । Licht, da es schon dunkel war.

s ^-Wie die Herrin, so die Magd," dachte er bitter. ’j4-« laufen sie alle beide ihrem Vergnügen nach, ohne , Je Qertngfte Rücksicht auf meinen Beruf, der doch auch | ‘’nen gewisse Verpflichtungen cuferlegt'"

ff. Die paar Frauen waren bald abgefertigt. Ms die ^?te ging, schlug es auf der hübschen Stehuhr im i Speisezimmer eben 7 Uhr.

Hsidlof wunderte sich, als er hinter feiner Patien. die Ausgaiigstür abschloß, daß von Fanny immer ?nichts zu sehen war. Er warf einen Blick in Je Küche — es 6rannte kein Licht darin. Auch die ^rvstbotenkammer daneben, deren Tür offen irand.

feer, wie er sich durch ein angebranntes Streich- i überzeugte.

j, tvar ja recht nett! Nachdem er in Ermange- der Spa'ickammerschlüsfel mit einem frugalen hatte vorlieb nehmen müssen und icatt bei Zeitmangel entfallenen Mittagessens feinen Hun- am Heimweg nur rasch in einem Auiomäteicküffet gty'ßt hatte, schien nun auch wenig Aussicht auf ein Deutliches Abendessen vorhanden . . .

Zollte er ins Restaurant gehen? Aber er war so l^sthopst, daß er kaum mehr auf den Beinen stehen

Jahr bis zum 30. Juns 1921 über 4V3 Millionen To. Nahrungsmittel und mindestens 300000 Tonnen Phos­phate und dafür ausländische Kredite in Form einer Notanleihe.

Die Voraussetzungen für die Abgabe eines neuen deutschen Angebots sind unter anderen: Deutschland er­hält im Auslände im Wege der Gegenseitigkest M e i ft« begünstigung, wirtschaftliche Gleichberechtigung und Rechtssicherheit, Aussließung von Repressa­lien, unangetastete Wirsschaftshoheit im Innern und keinerlei Eingriff in die Einheit des deutschen Zollge­bietes. Freier Verkehr mit O st p r e uß e n, Milde­rung der Besetzungslasten, Veibehaliung des für Deutschlands Existenz notwendigen Schiffs­raums muß gewährleistet werden. Die unerläßliche Voraussetzung jeder Verpflichtung zur Wiedergutma­chung für Deutschland bildet aber die Erhaltung Oberschlesiens. Sollte wider alles Erwarten die Abstimmung gegen Deutschland ausfallen, so würde die Abgabe eines deutschen Angebots hinfällig werden müssen, da die Unfähigkeit Deutschlands zu nennens« werten Leistungen ohne Gegenleistung ohnehin für alle Welt erkennbar sein wurde.

Die Dorkonferenz in Brüssel, die gewisse Grundlagen für die Konferenz von Spaa schaffen sollte,_ ist am Samstag zu Ende gegangen. Die Berichte über das Ergebnis der Konferenz lauten ziemlich widersprechend. Während von verschiedenen französischen Blättern die Einigkeit der Alliierten in allen Fragen betont wird, wissen andere von Unstim­migkeiten, wenn nicht gar von offenen Konflikten zu berichten. Ein solcher Konflikt soll nach Pariser Mel­dungen zwischen den belgischen und italieni­schen Vertretern entstanden sein.

Es handelt sich darum, wie man die von Deutsch­land zu erlangenden Zahlungen auf die ein­zelnen Alliierten verteilen will. Da man in Boulogne den Belgiern 10 Proz. der Deute ver­sprochen haste, Italien aber von Belgien eine Herab­minderung seiner Ansprüche zugunsten Italiens cer« langte, und keiner nachgeben wollte, so ist die Span­nung begreiflich. Bisher stand immer nur fest, daß Frankreich 55 und England 25 Proz. bekommen soll. Auch diese Grundlage ist ins Wanken geraten und Lloyd George soll nunmehr ein Kompromiß vor- geschlagen haben, wonach Frankreich 52, England 22, Italien 10. Belgien 8, Südslawien 5 Prozent erhalten soll. Rumänien, Portugal und Japan sollen sich in den Rest teilen. Auf dieser Grundlage soll man sich schließlich geeinigt haben. Italien, das 20 Prozent be­ansprucht hatte, hat angeblich auf die Hälfte seiner Forderungen verzichtet. Aber dieser Verzicht ist kei« neswegs endgültig, sondern an die Bedingung ge­knüpft, daß in Spaa und in der Folge auf der inter­nationalen Finanzkonferenz in Brüssel eine Einigung zustande komme über die Mittel zur Hebung der Pro- dnktion, des internationalen Handels und der Valuta. Dis gesamte Kriegsentschädigung, die man von Deutschland verlangen will, beträgt angeblich 106, nach anderen Meldungen 120 Milliarden Goldmark.

In Bezug auf die Entwaffnung Deutsch, lands hat die Konferenz in Brüssel der Forderung Frankreichs zugestimmt, daß das Deutsche Reich durch ein besonderes Gesetz dir allgemeine Militärdienst, pflicht abschaffen solle. Man besteht auch auf der Auslieferung des Kriegsmaterials und der Herab­setzung der Reichswehr auf 100 000 Mann, er­kennt jedoch an, daß diese Herabsetzung bis zum 10. Juli nicht durchgeführt werden kann, und setzte neue Termine fest für eine ftaffelwrife Herabsetzung.

Deutscher Reichstag,

Die große. Aussprache ist vorüber. Tie burdf die HelfferiH-Kebe vom Sreitag' hervorgerufene Erregung schein: auch in der Samstaysitzung auf unabhängiger konnte. Nach der Hetzjagd dieses Tages fühlte er feine Nerven so abgespannt daß ihm davor graute.

Er kehrte in fein Zimmer zurück, warf sich auf den Divan 'und schloß die Augen.

Endlich würde ja doch Daniela ober wenigstens die Magd hrimkormnen . . .

Aber es kam niemand. SS schlug acht Uhr — nichts pührte sich draußen. Stumm und buniel lagen alle Räume der Wohnung da, nur schwach erhellt von deck unruhigen Reflexen der Straßenlaternen und einigen erhellten Fenstern gegenüberliegenden Woh­nungen.

Heidlof hatte sich erhoben trab durchwanderte un­ruhig die Flucht dieser gespenstig stillen Zimmer. WaS füllte die? bedeuten? Warum kam nicht wenigstens die Magd?

Plötzlich fiel ihm ein, baß Daniela vielleicht trgen# eine Botschaft an ibn hinterlassen hatte. Es konnte ja sein, daß eines ihrer Eltern erkrankt war und sie die Nacht über dorr bleiben wollte. In diesem Falle würde sie doch io viel Rücksicht gehabt haben, ihn davon zu verständigen . . .

Er eilte in ihr Zimmer hinüber und machte Licht. Nichtig, da lag mitten auf dem Tisch sehr sichtbar em Brief mit seiner Adresse. Hastig öffnete er ihn. Sr enthielt nur wenige Zeilen. „Wundere Dich nicht, wenn Du mich nicht mehr findest bei Deiner Rückkehr. Ich verlasse Tein Haus für immer, weil ich t3 nichr länger ertrage, neben einem Spanne zu leben, der so schmählich alle Schwüre brach, die er einst gabl Suche mich auch nicht. Eine Versöhnung wäre ja doch un. möglich zwischen unS. Einer Scheidung werde ich nicht» in den Weg legen und meinen Anwalt, Dr. Hampe, in diesem Sinn instruieren.

Daniela."

Totenblaß starrte er auf die Stilen nieder, wäh­rend ein schneidender Schmerz ihm die Brust zusarn- menprtßl«.

So weit war es gekommen — sie, die ihn einst liebte? Tas war bei Hohen Liedes Ende?

Tann übermannte ihn der Zorn. Mit einem ^Fluch ballte er bai Billett zusammen und schleuderte eS von sich.

Nun war es freilich klar, warum Fanny nicht kam- Sie halte ei offenbar für klüger gehalten dem Beispiel ihrer -Herrin zu ‘

•teile noch nachzuwirken. Hier ist es kein anderer als Lcdeiwur, der zu Beginn der Sitzung bas Haus in Wallung versetzt. Er sieht anscheinend eine besondere Ehre darin, sich zum Störenfried des ganzen HauseS macken zu wollen. Aus Anlaß ber an die Regierung gestellten Frage, ob und Scann sie bereit sei. die von den UnaichänMgen eingebrachte Interpellation über die c r b u r g'e t Student en zu beantworten, kommt es zu einer erregten Zwiesprache zwischen Sebebour urtb dem Reichswehrminisier. Tie SA«? der Unab­hängigen unterstützt den alten Hitzkopf wacker durch Geschrei und Zwischenrufe, die Erregung wird allge- mein. Obwohl ber Minister erklärt, daß er nach In­krafttreten des Urteils bereit sein werde, eine in tie­fer Angelegenheit eingebrachte Interpellation zu beant­worten, eine Antwort, die uns deutlich genug zu fein scheint, will Ledebcmr sich durchaus nichr mit dieser Aln Iwort zufrieden geben. Will er den Minister nicht verstehen? Cffenbar kommt es ihm nur darauf an, neuen agitatorischen Zündstoff zu sammeln, um drau­ßen so zu tun, als ob der Minister habe Ausreden und Schwierigkeiten machen wollen.

Die Beratung des von den Demokraten eingelwach- ten Antrages, betreffend Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung - des (steschäftsaebahrens, der Ergebnisse und der, Frage ber Auflösung der Kriegs» ff c sie llschaft en führte zur Bildung des beantragen Ausschusses. Keine Partei wandte sich ernsthaft berge, aen. Auch der Wirtschaftsminister Scholz, der diese Gelegenheit wahrnahm, um sich dem .Lause vorzuftellen, erklärte sich bereit, den nach dieser Richtung gegebenen Anregungen zu folgen und den Abbau ber Kriegsge­sellschaften. der bereits in Angriff genommen sei, auch weiterhin fortzuführen und zu beschleunigen. Auch wir sind der Meinung, baß es nun an ber Zeit sei. ben Stu bau ber Kriegsgesellschaftendie bei Anerkennung des Guten, das sie ehemals geleistet haben, nunmehr weder notgedrungen foribeftehen müßten, noch sich gerade allzu großer Beliebtheit erfreuen, energisch zu fördern.

Bei der Beschlußfassung über die Einsetzung eine8 Unters uchungsausfchufseS, als Fortsetzung des Untersiichunosausschusies ber Nationalversammlung kam es wiederholt zu lebhafteren Auseinandersetzungen, ebenso wie bei der ersten Beratung über den von beit Mehrhei tssozialisten eingebrachten Gesetzentwurf be­treffend Aufhebung b e r Militärgerichts­barkeit, ber bekanntlich schon in der Nationalver­sammlung spruchreif war. dessen Annahme aber durch bie Deulschnationalen kstnWich Hintertrieben wurde; die Teutsckmationalen waren auch jetzt wieder ibe Seele des Widerstandes. Der Gesetzentwurf ging aber an eine Kommission und es ist kein Zloeisle, daß er in kurzem Gesetz werden wird. Der Kommunist Dr. Levy griff heftig sowohl bie militärische als bie bürger­liche Rechtsprechung an. Dies rief- ben stellvertretenden Reichskanzler und FnsckznnnistGkt Dr. Heinze auf denk Plan, der unsere Rechtsorgane imb unseren Rechts- avvarat gegen diese ungeheuren Sntvürfe energisch in Schutz nahm. Der Unabhängige Rosenfeld zog sich bei Anlaß dieser Debatte m,s dem Munde fern eg eigenen Fraltionsgenosfen. H-S Abg. Tittmann, der igS Präsi­dium führte einen OrdnuwzSruf zu.

Tie weitere vorläufige Regelung des Reichs­haushalts für das Rechnungsjahr 1920 wird zur Kenntnis genommen. Das Hau» vertagt sich auf Montag.

Nach Ser Aussprache.

Dm Reichstag hat sich besser gehalten, als nach der Derwirrungswahl zu erwarten war, und die neue Regierung geht fo gesund und frisch aus der Wiege hervor, daß man ihr von den schweren Geburtswehen nichttz mehr anmerkt.

Teils Glück, teils Geschicklichkeit. Zu den Glücks- fällen darf man das Verhauen b-r Unabhän­gigen rechnen. Die haben sich in blindem Eifer ver­dienstlich gemacht. Zunächst durch die brüske Ab- lehnung jedes Anschlusses an die Regierung: wenn sie einen „Volksbeauftragten" aus ihrer Mitte ent­sendet oi^jr auch nur angeboten hätte, wäre eine arge Konftisson zu befürchten gewesen. Zwestens durch die Einbringung des Antrages auf ein förmliches Miß­trauensvotum. Es gab kein besseres Mittel, um vor aller Welt sonnenklar zu stellen, daß der ganze

Etwa eine Stunde lang ging Heidlof mit verstörtem Mick in seinem Gemach auf und ab. Darm übermannte körperliche Erschöpfung bie quälenden Gedanken. Im Düffetaussatz fand er eine Flasche Wein und Brot. Damit stillte er feinen Hunger. Tann ging er zu Bett und verfiel fofmt in einen tiefen Schlaf.

Am anderen Dior gen engagierte er die Haurbesor» gerin zur Bedienung. Sie sollte nicht viel Mühe ha­ben. Alle Zimmer außer dem Schlaf-, Warte, und Ordinationszimmer wurden abgesperrt, kßargen» hatte sie ihm bas Frühstück zu bereiten unb während ber Crbinaition in ber Wohnung zu bleiben das war alles.

Essen würbe er im Restaurant, und wollte man ihn zu Sranlen rufen, hatte man sich an das Sophien- hospital zu wenden. Dori würde man ungefähr wis­sen, wo er sich gerade befand.

Halmenschlags von bem Vorgefallenen zu verstän­digen, fand er nicht für nötig. Die würden ja besser als er über Danielas Pläne orientiert fein.

Ms Heidlof nach ber Unterredung mit bet Hausbe­sorgerin inl Freie trat, kam ihm gerade ein Postbote mit einet Depefcke für ihn entgegen.

Tie Tepefche war von Frau Dr. Renner aus St. Kathrein unb lautete: .Teil» Ihnen um Besorgnisse zu verhüten, mit, baß Daniela gestern unerwartet unb 'n seht überreiztem Zu stand zu längerem Aufenthalt bei iw» angekommen ist. Unbedingte Ruhe febeint uns momentan dringendes Gebot. Daniela weiß nichts von dieser Verständigung. Martha Renner."

Tie Nachricht ließ Heidlof ziemlich teilnahmlos. Wenn Daniela überreizt war, so hxtr sie doch nur sel­ber schuld daran. Und ob sie in St. Kathrein ober in Wien bei ihren Eltern lebte, änderte nichts an der Tatsache, baß sie es vermocht hatte, ihn zu verlassen. Er harte sie ja doch verloren., Das Bitterste habet schien ihm, daß es feinen Grund dafür gab unb nie so hätte kommen müssen, wenn sie nur ein bißchen wahre Liebe für ihn gefühlt Härte.

21.

Während Daniela, Verzweiflung im Herzen, dein kleinen steierischen Gebirgsdorf zufuhr, kam ihr' nicht ein einzigesmal zum Bewußtsein, daß heute Samstag wax — jener Samstag, cn dem sie Isolde versprochen hatte, bie Fahrt nach Tulln mit ihr zu machen

Reichstag bis auf das Schock Unabhängige hinter der neuen Regierung stand und die nachfolgende Erklä- nmg wirklich ein volles Vertrauensvotum bedeute.

Das Mißtrauensvotum abgelehnt mit 313 gegen 64 Stimmen. Also eine Fünfsechstel-Mehrheit für die Regierung Diese Abstimmung hätte für sich allein schon genügt, um dem Kabinett Fehrenbach eine Würde und Stärke zu geben, wie sie kaum einem seiner Vorgänger beschickten war.

Die Gegenfüßler der Linksradikalen, bie Deutsch- nationalen, verdienen auch ein Lob, aber nur mit Ein­schränkung. Es war nicht schön, daß sie als zweien Parteiredner Herrn Dr. H e l f f e r i ch vorschickten, der seiner Natur nach nur aufreizend und verwirrend wirken will imb kann. Andererseits war es gut, daß die Konservativen nach der mwermeidl'chen Ablehnung ihres überflüssigen Abänderungsantrages nicht mH Nein stimmten, sondern nur durch Stimmenthaltung eine ziemlich harmlose Demonstration machten.

Sehr erbaulich war das Schlußwort des Reichs­kanzlers Fehrenbach. Er hob die Debatte wieder auf die gebührende Höhe und zeigte, daß er sich sicher und stark fühlt auf seinem Posten, und daß er nicht bloß Reichskanzler heißen, sondern tatsächlich der Lei­ter der deutschen Reichspolitik sein will und auch zu I sein vermag. Das heiße Eisen der S p a a - K o n « ferenz mußte natürlich mit diplomatischer Vorsich! angefaßt werden; aber Fehrenbach ging doch mit gro­ßem Freimut auf die schwierige Sache ein. Wenn es überhaupt möglich ist, die Konferenz zur richtigen Erkenntnis und Berücksichtigung der Lebensbedingun­gen Deutschlands und des europäischen Gemeinwohls zu bringen, dann ist offenbar diefe Rede des Reichs­kanzlers die geeignetste Vorbereitung dazu.

Das deutsche Volk wird das beruhigende Gefühl haben: es geht der rechte Mann nach Spaa!

Eine Mechtfertkgung der ZentruMSpolitik-

Dem Zentrum wurden in ben letzten Monaten gerabebon katholischer Sette die bittersten Vor würfe wegen seiner Kulturpolitik gemacht, bie zu weit nach links ge­gangen sei. Wir unberechtigt diese Vorwitrfe sind, boben wir schon öfters bargeieat. Nunmehr hat auch Weih­bischof Haehling von Päderdorn die ZentrumSpolitik gebilligt Er fühlte nAmlich auf bem Sauerlänbif eben Katholikentag in Arnsberg u. a. au?: „Dem Zentrum ist in letzter Zeit oft ber Vorwurf gemacht worben, es habe in kulturellen Fragen versagt, eö habe für bie Schule mehr erreichen können. Dieser Vorwurf ist unberechtigt Das Zentrum sah sich einer fest, gefügten Mehrheit gegenüber, bie keine weiteren Zu« gefiänbniffe machte. Der Grund, daß das Z e n t r u m nicht stark genug war. So fei denn ben Tarnen Md Herren vom Zentrum von Herzen gedanlt für alle die Festigkeit unb Mühe, mit der sie für unsere höchsten Güter emgetreten find. Wir müssen dem Zentrum weiter banken für bie Mühe, mit ber es ben Ausgleich herbeizuführen suchte. Heute muß ein jeder Rück­sicht auf ben andern nehmen, der Arbeitgeber auf ben Arbeitnehmer durch ordentlichen Lohn und ber Arbeit­nehmer auf ben Arbeitgeber durch ordentliche Arbeits­leistung. Da- Zentrum hat sich große Verdienste darum erworben, daß es jetzt wieder in bie Regierung etnge« treten ist. Es möge wissen, daß es bichte Massen hinter sich hat, bie feine Schwierigkeiten und Sorgen $u ver­stehen unb würdigen wissen."

Die neue Beratung des SteueradzngS.

Der Sleuerausfchuß beS Reichstags kam auch am Samstag noch nicht zu einem Beschluß. Air Ergebnis der Aussprache kann bie allgemeine Auffassung aus­gestellt werden, daß von feiner Fraktion mit Ausnahme der Unabhängigen die Aufhebung des Steuerabzug* vertreten wird, dagegen bie schablonenhafte Anleenduna gemildert werden soll. Es soll versucht werden, durch Erhebung eines Pcruichmbetragc-I in einer der «Steuer- Iciftung nrrhekommenden Höhe eine Erleichterung des Abzugs zu versuchen, so daß ber Satz von 10 Prozent nicht unter allen Umständen festgehslten werben muß.