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Samstag, 3. Juli 1920.
Aul-aer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetieudruckerei itt Fuldl
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Fordernde Liebe
Roman von Erich Sbenstein.
„Unabhängige" Angst vor den Jesuiten.
Der in der berüchtigten Revolutionszeit den preußischen Justizminister spielende „unabhängige" Rechtsanwalt Dr. Strtijur Rosenberg hat eine Entdeckung gemacht, die gewiß nicht verfehlen wird, die unabhängige Sozialdemokratie an ihre „Kulturideale" zu erinnern.
Zti Arthur Rosenberg hat einen „Seelen- mord" an der deutschen Jugend und zwar an dm — katholisch enSchvlern entdeckt. Fürchterlich aufgeregt schreibt er eine Epistel an die Berliner „Freiheit", worin er darlegt, daß das „System Hönisch" darauf hinauslaufe, „die katholischen Spüler von 14 bis 18 Jahren —dem Jetuiten-Orden indie Hand zu spielen". Entsetzt fährt er fort: „und wer dabei brüderlich mit den Jesuiten zusammenwirkt, das ift das preußische Kultusministerium k"
Der Entsetzensschrei Rosenbergs geht zurück auf die in Köln erfolgte Gründung des Derbandes katholischer Schüler höherer Lehranstalten „Neudeutschland". Diese Gründung war auch von dem Abg. Dr. Wildermann, der Referent für katholische Angelegenheiten im preuß. Kultusministerium ist. gebilligt worden. An diese letzter« Eigenschaft Prof. Wildermanns* knüpft Rosen- berg an, um feinen Schreckensruf und seinen wütenden Kampf gegen das preußische Kultusministerium und das „System Hönisch" zu begründen. Don diesem sagt er: „es sei ein Unglück für das deutsche Volk und müsse von jedem, der die Revolution " weiter treiben will, unermüdlich bekämpft werden. Denn dieses System Hönisch bedeutet die Auslieferung der deut- schenIugendandasPfaffentum. In dieser Tonart geht es fort. Die Tatsache, daß der Ie- suitenpater Ludwig Esch in dem Verbände katholischer Schüler eine Rolle spielt, hat es diesem unabhängigen „Freiheitskämpfer" ganz besonders angetan. Angstvoll schreit er auf: „Der Jefuitenorden bereitet einen Fischzug vor, um die älteren katholischen Schüler Deutsch- lands einzufangen."
Hu! Wenn er einen Jesuiten wittert, dann fährt selbst einem unverzagten Unabhängigen-Häuptling der bleiche Schrecken in das klappernde Gebein. So sehen die „Helden" aus, die den „wahren und echten" Sozialismus gepachtet zu hoben oorgeben, und denen die Verwirklichung des sozialdemokratischen Grundsatzes „Religion ist Prioatsache" ach so sehr am Herzen liegt. Rosenberg M die Kühnheit, um kein anderes Wort zu
das zu ergänzen und zu bekräftigen, was der Finanz- Minister und andere vorbereitende Kundgebungen schon zu allgemeiner Kenntnis und Erwägung gegeben haben. Sollte man ihnen mit vorher abgefaßten Ultimatums das Wort der Wahrheit und Klarheit ab- fchneiden wollen, so bliebe ihnen nichts anderes übrig, als heimzukehren und dem Verhängnis seinen Lauf zu lasten. _____
Internationaler Kongreß
der christlichen Gewerkschaften.
In der vergangenen Woche tagte im Haag der internationale Kongreß der christlichen Arbeiterbewegung, der von Vertretern au£ Deutschland, Belgien Ungarn, Oesterreich, der Tschechoslowakei, Italien, der Schweiz und Spanien beschickt war.
Das Programm des Kongresses war reich und doch, bedeutend. Schon das Eingangsreferat des Holländers A m e l i n k über den Stand der christlichen Gewerkschaften in den verschiedenen Ländern bot eine inter. essante Zusammenstellung. Rach einer Statistik der Mitgliederzahl ist wohl noch ein großer Vorsprung der sozialdemokratischen Gswerkschaslien vorhanden, doch hofft man auch diesen Unterschied bald ausgeglichen zu haben. Der Vertreter von Amsterdam, Baas, berichtete über seine Eindrücke als Teilnehmer der internationalen Washingtoner Arbeiterkow- ferenz. Er bezeichnete es als schwere Gebrechen des .Kongresses, daß die Ausführungsbestimmungen der Beschlüsse jedem Lande überlassen bleiben sollen und daß Deutschland, Oesterreich, Rußland nicht auf dem Kongreß vertreten waren. Aber im großen ganzen begrüßte er die Ergebnisse der Konferenz.
Die grauenhafte Finanzlage.
Ein fürchterliches Bild von dem grenzenlosen Elend »nferer Reichssinanzwirtjckmsl hat Finonzminister Dr. Wirth in seiner großen Rede zum Notetat im Reichstag entworfen. Das Deutsche Reich ist mit einer G e - amtschuld von 265 Milliarden Mark »lastet. Vor dem Kriege betrug die Schuld des Reiches rund 5 Milliarden, sie ist also im Verlause von sechs Jahren um das Fünfzigfache gestiegen. Rechnen wir eine Beoölkerungsziffer von 60 Millionen Menschen für das Reich, die aber eher zu hoch gegriffen ist, dann würden als Anteil an dieser Schuldenlast auf den Kopf der Bevölkerung 4 417 Mark entfallen. Eine fünfköpfige Familie würde 22 085 Mark opfern wüsten, um ihren Beitrag zur Abbürdung dieser Schuld zu liefern. Wir müssen heute in einem einzigen Jahre mehr an Steuern aufbringen, als in sämtlichen Kriegsjahren zu- saw.mengenommen aufgebracht werden mußten.
Die „lakonische Sprache der Zahlen", meinte der Finanzminister, werde noch nicht überall verstanden. Aber kein deutscher Bürger und Wähler darf dagegen noch das Ohr verschließen. Es handelt sich nicht um einen Ziffernsport für Fachmänner: es handelt sich auch nicht bloß um Einzelheiten dieser oder jener Steuerart, sondern um Sein oder Nichtsein unseres Broterwerbs, um die Zukunft der Nation in dem vollsten Sinne, daß mit dem Zusammenbruche der Reichswirtschaft auch die gewerbliche, die häusliche und die persönliche Wirtschaft sämtlicher Bürger in Schutt und Trümmer zu gehen d r o y t.
265 Milliarden an Schulden hat das Reich schon: der gegenwärtige Haushalt erfordert 55 Milliarden jährlich und droht noch weiter anzuschwsslen Wenn wir das zurzeit Erforderliche aufbringen sollen, so müssen wir nicht bloß Notopfer bringen aus dem vor- ^andenen Dermögen, sondern d'e Gesamtheit muß fortgesetzt erwerben und schaffen, damit aus dem Em- kommen und aus dem Umsatz die Gelder fließen können, die Reich und Länder bedürfen, um sich vor dem Staatsbankerott zu retten. Also nutzbringende Arbeit in Ordnung und Fleiß ist unbedingt notwendig, sonst sind wir allzumal verloren.
Diese überzeugende Darlegung ist die bestmögliche Vorbereitung für Spa a. Den feindlichen Machthabern müssen Tatsachen vorgeführt werden, deren Richtigkeit sich nicht leugnen und deren Konsequenzen sich nicht verkennen lassen.
Alle wörtlichen Versicherungen unseres guten Willens werden auf der Gegenseite in Zweifel gezogen. Man zuckt die Achseln, wenn wir sagen, wir wollten alles tun, was uns möglich sei, und bis an die äußersten Grenzen unserer Leistungsfähigkeit gehen. Jetzt können die Gegner, soweit sie das Rechnen verstehen, sich s e l b st ein Bild machen von den wirklichen Grenzen der Leistungsfähigkeit ihres Schuldners.
Sie werden bei ehrlicher Prüfung sehen, daß der Reichskanzler und der Finanzminister mit Recht sagen konnten: Deutschland hat trotz aller Nöte der Zeit bisher schon Leistungen vollbracht, wie sie noch keinem Volk in der Welt jemals auferlegt worden sind. Wollte man nun in Spaa aus blinder Gier die Lasten noch wesentlich erhöhen, so würde der Schuldner zusammenbrechen und damit auch die Gläubiger ihres Anspruchs verlustig gehen.
Also in ihrem eigenen Interesse müssen die Sieger zunächst Mäßigung in ihren Geldansprüchen lernen. Die zweite Nutzanwendung geht dahin, daß sie das Wirtschaftsleben in Deutschland schonend und sogar pfleglich behandeln müssen. Aus dem einfachen Grunde, weil sie nur das ernten können, was sie beanspruchen.
Dazu kommt noch der weitere Gesichtspunkt, den «ich der Finanzminister heroorhob. In Spaa wird nicht nur unser Schicksal entschieden, sondern das Schicksal Europas. Wenn die deutsche Finanz- und Volkswirtschaft zum Zusammenbruch gebracht wird, dann geht der gesamte europäische Wiederaufbau in die Brüche. Die Weltwirtschaft ist so ausgebildet, daß die Völker auf einander angewiesen sind. Ein 60-Millionen-Volk mit der hohen industriellen Ent- Wicklung Deutschlands kann nicht vernichtet werden, ohne daß die anderen Nationen die schwersten und zum Teil tödlichen Schäden in ihrer eigenen Wirtschaft erleiden.
Die Predigt der Tatsachen muß helfen. Es wird Sache unserer Vertreter sein, im Meinungsaustausche
Sie legte eine Banknote auf die Spiegelkonsole.
„Hier haben Sie Geld zum Einkauf, Fanny," sagte sie, „wenn es zu Ende ist legen Sie meinem Mann Rechnung, er wird Ihnen dann weiteres geben. Nun holen Sie mir ein Auto und tragen Sie mir die Tasche hincch."
„Gnädige Fran verreisen?" konnte Fanny sich nicht enthalten neugierig zu fragen, als das gewünschte Auto geholt war und Daniela cinstieg.
„Ja. Zu meiner Freundin."
Fanny wußte genug. Nachdenklich stieg sie die Treppe wieder hinauf.
So weit also war es schon, daß die Gnädige ein. fach durchbrmmte! Wenn man nur wüßte, was sie eigentlich hatten miteinander? Bor ein paar Monaten hatten sie doch noch verliebt tote die Tauben getan — —
Aber es war gar Zeine schlechte Jjdee, so Knall und Fall davon zu gehen! Wie, wenn man es auch so machte? Mit dem Geld, das die Gnädige zurückließ, wäre der rückständige Lohn gerade gedeckt, und dem Herrn konnte man ja sowieso nichts mehr recht machen.
Don Bedeutung war die Gegenkundgebung des Kongresses zur Dohkottbew egung gegen Ungarn. Wie unberechtigt, gewalttätig und boshaft die Verhängung des Boykotts gegen Ungarn geschehen ist. ging <nt§ der Rede des Vertreters Ungarns. Ministers H u s z a r hervor, der Einzelheiten aus den Schre- ckenstagen Ungarns schilderte. @r und die Seinen haben die Zügel der Regierung ergriffen zu einer Zeit, wo in Ungarn alles außer Rand und Band war, keine Post, kein Telegraph, kein Telephon, keine Zeitung, keine freie Religionsübung, kein politisches Leben, keine Gerechtigkeit mehr anzutreffen war. Der Boykott ist kein Kampfmittel gegen die ungarische Regierung, sondern das Mittel, um die Weltrevolution auf das wirt- schaftliche Gebiet hinüberzuspielen. Der Ministerpräsident lud die Teilnehmer zu einer Untersuchungsreise nach Ungarn ein, um sich dort ein objektives Bild zu machen.
Der Kongreß nahm Kenntnis von dem Boykott und protestierte gegen die Schändung der christlichen Moral und gegen den Mißbrauch der Macht der international, len Arbeiterbewegung.
In dem Verlaufe der nächsten Sitzungen kam e§ zu längeren Aussprachen, durch die gewisse Gegensätze zwischen den Vertretern der einzelnen Länder überbrückt wurden. Rach diesen Aussprachen konnte man zur Frage der Gründung des Internationalen Verbandes übergehen. Es wurden darüber nicht weniger als sechs Vorschläge eingereicht. Da hierbei die Meinungen sehr aitseintmbergttrgen. einigte man sich auf den Antrag Scherrer (Schweiz) dahin, daß der Wunsch ausgesprochen totrrbe, die Sache noch in der Schwebe zu lassen. Man begnügte sich damit, die von dem Kongreßbüro erwählten Mitglieder ber internationalen Kommission bekannt zu geben und durch allgemeine Zustimmung die Wahl anzuerkennen.
Der Vorsitzende SerrareZ schloß mit den Worten: „Wir sind nun gewiß, daß die christliche Internationale besteht und bestehen bleibt." Minister Huflar dankte namens der Kongreßteilnehmer, daß die Weltorganisation der christlichen Arbeiter zustande gekontt men sei.
Der ganze Kongreß war von großer Einmütigkeit, Begeisterung und Brüderlichkeit getragen.
Heidlof hatte einen ebenso angestrengten als aufregenden Vormittag durchgmacht. Es war Samstag, wo er ohnehin schon im Sophienspiial immer seinen starken Tag hatte. Dazu kamen zwei neue Patienten in seiner Privatpraxis, bei denen er sich länger mif. hielt, als er gedacht, und kurz vor Mittag, als er noch rasch eine Kranke int Sanatorium Löw aufsuchte, tourbe er von dort durch einen Boten ins Palais Laban geholt, wo man feiner dringend bedürfe, tote der Bote mit einem scheuen Blick nach dem aufhorchenden Portier hinzugefügt. Das Auto des Fürsten wartete bereits unten auf ihn.
Heidlof trat in die Telephonzelle, um Daniela zu verständigen, daß er nickt rechtzeitig zmn Essen daheim fein könne. Eine Rücksicht, bie er sich trotz der ein- getreteuen Entsrembtmg zur Pflicht machte.
Aber als die Verbindung von der Zentrale herge- stellr worden war, antwortete trotz alles Läutens niemand auf seinen Anruf.
Aevgerlich gab er die zwecklosen Versuche endlich auf. Unterwegs fragte er den Boten — ez war der Leib- tommerbtener des Fürsten — was denn eigentlich daheim passiert sei.
Zu seiner Bestürzung erfuhr er, daß sich in der Nacht Zeichen von Qtoijteiftöamg bei der junge« güt«
Die Besoldung der Lehrer.
Dos neue Diensteinkommengesetz für die Volksschullehrer ist der Preußischen Laudesversammlung zugegangen. Das Gesetz tritt an die Stelle des Anfang Mai verabschiedeten Notgesetzes. Während dos Notgesetz nur die Gehaltssrogen regelt, schasst das neue Gesetz auch für die übrigen umstrittenen Fragen eine Neuregelung.
Gehaltssätze, Zulagen usw. bleiben unberührt (6200 bis 9300 Mark Grundgehalt gleich den Beamten in Gruppe 7). Neu geregelt wird folgendes: Der Ortszuschlag beträgt bei bis 7000 <M Grundgehalt in Orts- klasse A: 3000, B: 2400, C: 2000, D: 1700, E: 1400 bis 8100 M. Grundgehalt; 3000, 2800, 2300, 1950, 1600 M, über 8100 .« Grundgehalt: 4000, 3200, 2600, 2200, 1800 JL Verheiratete Lehrerinnen erhalten den Ortszuschlag zur Hälfte.
Dienstwohnungen werden mit 3 Prozent tut» gerechnet. Ferner wird bestimmt, daß den Landlehrern Hausgarten und Landnutzung zusteht. Bei Verbindung von Schul- und Kirchenämtenn werden Stellenzulagen gewährt. Die Leiter von Schulen mit sechs und mehr Klos-, sen erhalten Amtszulagen von mindestens 1200 <k. (Leiterinnen 1080 -K.) Die bisher gewährten Natmalleistun- gen können verbleiben, Anrechnung auf dos Diensteinkommen ist zulösiig.
Dos Besoldungsdienstalter der endgültig angestellten Lehrer beginnt mit dem Zeitpunkte der endgültigen Anstellung, die nicht vor dem Beginn des 27. Lebensjahres erfolgen darf. Dienstzesten an Privat- und Auslandsschulen werden eingerechnet, wenn der Lehrer für jedes Jahr eine Einzahlung von 2200 Ji, die Lehrerin von 2000 M. an die Landschulkasse leistet. Die anzurechnende Zeit darf 8 Jahre nicht übersteigen. Militär- und Kriegsdienstzeit werden als Schuldienst gerechnet.
Die Pensionsbestimmungen sind dieselben wie beim Beamtenpensionsgesetz. Dos Witwengeld soll mindestens 900 M im Jahre betragen. Vorschriften über Gnad en bezöge, Umzugskosten usw? werden den entsprechenden Bestimmungen des Beamtengesetzes angepaßt.
Schließlich regelt der Entwurf die Aufbringung der persönlichen Unterhaltungskosten der Volksschulen und des Mehrbedarfs für die Erhöhung der Einkommen unter Aufhebung der ihm entgegenstehenden Bestimmungen des Volksschulunterhaltungsgesetzes. Es ist unter Auflösung der bisherigen Alterszulagen., Ruhegehalls. imd Volks- schullehrer-Witwen- und Waisenkassen die Einrichtung einer Landesschulkasse vorgesehen ,die die erforderlichen Geldmittel durch Staatsbeiträge, Schulverbandsbeiträge und eigene Einnahmen erhält und die Zahlung aller Ge- Halter und Pensionen übernimmt. Der Staat zahlt alle alten Pensionen, ferner ein Mertel des Einkommens und der neuen Pensionen. Außerdem stellt der Staat ein sogenanntes Beschulungsgeld, das nach der Zahl der die Volksschulen besuchenden Kinder berechnet wwü, zur Der- fügung. Diese Staatsleistungen haben zur Folge, daß der Staat etwa drei Viertel der persönlichen Schul- unterhaltungskosten trägt und die Gemeinden nur noch ein Viertel. Bisher war das Verhältnis umgekehrt. Die Gegenleistung ift ein größerer Einfluß des Staates auf die Besetzung der Schulstellen, eine Frage, die ebenfalls der Entwurf regelt. Lnstellungsbehörde ist die Schulaufsichtsbehörde.
Stein, so konnte sie ihrer Feindin nicht gegenüber« treten. —
Viel besser war ihr zwar auch nicht, cis sie gegen fünf Uhr anfstand und sich hastig für die beabsichtigte t?afjrt nach Neuwaldegg zurecht machte. Aber trag ihr an Kräften fehlte, würde der Wille ersetzen, dachte sie.
Dieder, wie gestern, war es fast dunkel, als sie draußen anlangte. Tann, als sie dos Garteutor durchschritten hatte, stockte ihr Fuß plötzlich. Geigenklänge tiefen rhr Ohr.
Am selben Moment blitzte ein furchtbarer Verdacht in ihr auf.
Me, wenn Egon sie belogen, und gar nicht zur Fürstin gegangen wäre? Wenn er die Einladung nur ^opgefchützt hätte, um auch den Abend bei diesem Ge- tchövf zubringen zu können?
«rratt an der Haustür, wie sie vorgehabt, Einlaß si: begehren, lenkte sie links ab und umging das Haus.
- Erft mußte sie sich überzeugen, ob ihr Verdacht begrün- war. Was dann, weiter geschehen sollte, wußte sie selbst nicht.
Als Daniela um die rückwärtige Hausccke bog, ver- sttmmte das Geigensviel plötzlich.
Auch hier war allez wie gestern: die erleuchteten sensber mit den bunten Vitragen innen ohne herab- Alassene Läden — —
Hastig stieg Daniela auf den Hügel, um dann jäß, erstarrt, stehen zu bleiben.
Ja — er war hier! Aber er saß nicht am Sofa, tigern stand mitten im Gemach und Lore Kand lag' von feinen Armen umschlungen, an seiner Brust!
Da kam über Daniela eine hilflose Schwäche, die unfä5ig machte zu jeder Bewegung. In diesem
Moment dachte sie nickt mehr an ihre „Rechte". Wozu «nn noch kämpfen? Wogegen sich wehren? Da doch 4lleZ nu§ war--alles, alles aus!
Mehr konnte sie nicht denken. Die Sinne schwanen ihr. Mit einem ächzenden Seufzer glitt sie nie» °et auf den feuchten Erdboden.
20.
Daniela die Augen wieder aufschlug, kniete der ! ^vtitffeur neben ihr upb war bemüht, ihr aufzuhelfen. I langes Ausbleiben hatte ihn besorgt gemacht, I da teils aus Neugier^ teils aus lange Weile, J
Mit bitterem Lächeln quittierte Heidlof am nächste« Morgen Fannys schnippische Meldung, sie habe weder Butter noch Eier zum Frühstück bringen können, da die gnädige Frau die Speisekammerschlüssel habe und noch frfjfafc. Gestern Abend aber sei nicht bar gegeben worden wie sonst, weil die gnädige Frau gleich zu Bett ging. Ueberhaupt — das fei ja eine merkwürdige Wirtschaft jetzt hier — —
Ein Blick Heidlofs scheuchte sie hinaus.
„Im Grunde hatte sie recht," dachte er gereizt. „Es wird ja alle Tage sckör^r--"
Er leerte feine Teetasse und schlang; hastig ein paar trockene Brötchen hinunter, dann ging er.
Fanny sah ihm boshaft nach. Ja, wenn das so weiterging hier, dann ging sie auch bald. Fhr Buch hatte sie ja gottlob und Posten fand sie genug. Die sollten andere Leute anschnauzen —
Als sie sich umwandte, um in die Küche zurückzugehen, stand Daniela vor ihr. Sie war zum Ausgeben angekleidet und trug eine Reisetasche in der Hand. Ihr Gesicht war so bleich tote Sinnen, der Blick noch immer verstört und fremd tote gestern ebeni. I
bereits gestern die Richtung ihres Weges verfolgt hatte, dauerte es nicht lange, bis er sie fand.
Ueberzeugt, daß es sich um einen Liebeshandel handle, schlug er auch keinen Lärm, sondern fragte nur teilnehmend, ob ihr nun besser sei?
-Ja," murmelte Daniela und ließ den irren Blick an ihm vorbei gleiten. „Ditte, sahren Sie mich in die Stadt zurück!" —
Fanny mochte große neugierige Singen, als sie ihre Herrin so verstört zurückkommen sah. Aber sie wurde sofort, in ihre Kammer geschickt. „Ich brauche nichts," erklärte Daniela schroff und schloß sich in ihr Zimmer ein. ।
Dort saß sie stundenlang halb ausgekleidet, fiebernd, mit erloschenem Blick vor sich hinstarrend.
Sie konnte nicht weinen und fühlte weder Zorn noch Hatz mehr in sich. Eine grenzenlose Leere war in ihr, durch die seltsame GlebanZcn gleich büfitren Phantomen beängstigend hereingebrochen war--
Angstvoll schrak sie empor, als nach DUtemacht draußen die Flnrtür leise geöffnet wurde und ihr Mann heim kam. Hastig drehte sie das Licht ab und kroch noch halb angekleidet, wie sie war, ins' Bett, die Decke bis ans Kinn ziehend, die Augen zudrückend, geroafti sam Schlaf heuchelnd.
gebrauchen, die Sammlung katholischer Schüler als ein „Verbrechen" zu bezeichnen, bei welchem „30 000 Kinder so vergiftet werden, daß sie in blindem Haß gegen den Sozialismus und die Revolution aufwachfen". Dieser famose Herr Rosenberg ist anscheinend der Mei- ntmg, daß es Kinderseelen veredeln heißt, wenn man ihnen die „hehren" Grundsätze der unabhängigen Sozialdemokratie cinimpft und sie lehrt, mit Bomben und Handgranaten friedlichen Burgern das Lebenslicht aus. zublasen! .
stur dem Nachbargebiet.
_ Kleinsasseu. Am 30. Juni feierte der frühere Bürgermeister Georg Baier mit seiner Ehefrau An- tonia das Fest der goldenen Hochzeit. Schon am Vorabend wurde dem Jubelpaar eine sinnige Ehrung zu teil. Unser aufblüljenber Kirchenchor unter der bewährten Leitung des Herrn Lehrer? Krick teilte sich mit der Musikkapelle Menz in ein stimmungsvolles Programm, während blumenbekränzte Schülerinnen die Segenswünsche der Gemeinde tn ihren Gedichten zum Ausdruck brachten. Nachdem der Ortspfarrer das Hoch ausgebracht und die Gemeindevertretung unter Führung unseres Herrn Bürgermeisters Storch ihren Glückwunsch ausgesprochen hatte, fand die Vorfeier ihren würdigen Abschluß mit dem zur Avegiocke gelungener Volkschor: „liebet die Berge schallt". — Bei der kirchlichen Feier seines Ehrentages empfing das Jubelpaar tief ergriffen die hl. Kommunton, während der Kirchenchor mit weihevollen Gesängen den Gottesdienst verherrlichte. Musik und rosentragende Kinder gaben dem Hochzeitszug ein festliches Geleite. Unter den vielen Ehrungen, die der denkwürdige Tag dem greisen Ehepaar brachte, war auch ein Glückwunsch-Telegramm des Hochw. Herrn Bischofs, der mit herzlichen Worten seinen Segen übermittelte. Möge den Jubilaren noch ein langer glücklicher Lebensabend beschieden sein!
** Gersfeld. Beim Verkauf des Grasertragsder städtischen Rhönwiesen wurden die vorigjährigen hohen Preise nahezu umdasDoppelte überboten.
O Hanau., Dem Vernehmen nach beabsichtigt ein elsaß-lothringisches Siedelungskvnsortium, dem sich die Quäker angeschlossen haben, die Baulichkeiten des Kurortes Wilhelmsbad bei Hanau für Kleinwohnungen umzugestalten und eine größere Anzahl von Famtlien dort unterzubringen. Der Staat als Eigentümer des Kurortes Wilhelmsbad, bat, wie man hört, Absicht auf dieses Projekt ein- zugehen und Wllheimsbad auf einen längeren Zeitraum zu verpachten. — Wilhelmsbad 'wird von Hanau und der Umgebung gern besucht, es ist ein reizend gelegener Erholungsort. Erbauer ist der Erbprinz Wilhelm von Hanau, der nachmalige Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel. Am 3. Juni 1779 wurde es eingeweiht und nach seinem Stifter „Wilhelmsbad" benannt.
fd Frankfurt a. M. Dor dem Mieteinigungsamj spielte sich eine Wohnungsgeschichte ab, di< allerlei Anlaß zu nachdenklichen Betrachtungen gibt. Ein Frankfurter Architekt wußte, daß die Inhaberin einer Fünfzimme: Wohnung seines Hauses in absehbarer Zeit auszirhe t werde, und er machte einen Bekannten, der e.ne Wohnung suchte, darauf aufmerksam, damit dieser beim Wohnungsamt die nötigen Schritte einleite, um die Wohnung zu erhaben. Ter Bekannte geht auch zum Wohnungsamt, erzählt dort, was er weiß, und wird mit dem Bescheid fortgeschickt, daß er Nachricht bekommen werde. Nun sptolt sich folgendes ab. In der Wohnung erschien eine Kommission, besichtigte und erklärte sie für das Wohnungsamt beschlagnahmt. Wenige Tage darauf erhielt der nichtsahnende Hausbesitzer vom Wohnungsamt die Nachricht, daß In die beschlagnahmte, aber noch nicht einmal gekündigte Wohnung ein Mieter eingewieseu fei. Der Hausbesitzer war damit nicht einverstanden und wurde vom Wohnungs- amt beim Mieteinigungsamt auf Erfüllung des Mietvertrages verklagt. Dort machte der Rechts- betstand des Hausbesitzers die Miiteiluna, daß de, etngetoiefene Mieter der Abteilungsleiter 'Wissenback dcs Frankfurter Wohnungsamtes sei, der in einet Villa in Buchschlag ungekündigt wohne. Trotzdem der Abteilungsleiter keine Kinder hat, erhob er doch Anspruch auf die fragliche 5 Ztmmerwohnung mit der Angabe, daß er seine Schwiegereltern zu sich
stin gezeigt hatten. Sre war mitten tn der Nacht auf» gestanden und in das Schlafzimmer ihres Gatten eingedrungen dem sie eine furchtbare Szene machte, in- öem sie ihn mit grundlosen Vorwürfen Überschutteile, ihn ihren „Todfeind'^nannte und schließlich einen Re- tolber zog, um, wie )tc schrie, ihr Leben gegen ihn zu verteidigen. --
Mit Mühe hotte man sie halb Wegs beruhigt. Aber am Vormittag begannen die Aufrezungszustände von neuem. Man hatte nun um einen Psychiater telephoniert, doch war er noch nicht erschienen und die Für- tinmutier verspreche sich überhaupt viel mehr von Dr. Heidlof, bet schon öfter mit Glück beruhigend auf die Schwiegertochter eingewirkt habe.
Heidlof nahm den Bericht fdtoeigenb entgegen. Er hatte etwas Aehnliches im Stillen immer gefürchtet. Der Vater der jungen Fürstin war im Irrenhaus ge-i torben, die Mutter in Trübsinn verfallen, der sie bis an ihr Ende nicht mehr verließ. In der Fanrilic Laban hatte das exzentrische Wesen der jungen Fürstin chon lange Besorgnisse geweckt, und Heidlof war, in Kenntnis der schweren Hysterie seiner Patientin, darum auch nur mit schwerer Sorge an die leider 'unbedingt notwendig gewordene Operation geschritten, da er bie Folgen der Narkose für ihr ohnehin zerrüttetes Nervensystem fürchtete.
Besser als irgend jemand sonst wußte er, daß dies» Sorge nur zu gerechtfertigt gewesen war. Wenn ete bie übertriebene Dankbarkeit der schönen Frau auch anfangs wirklich nur als solche aufgefaßt hatte, mußt« er in der letzten Zeit leider erkennen, daß ihre Gefühle sich in krankhafter Richtung bewegten. Sie bestürmte ihn förmlich mit Briefen und mündliche» SiebeSerflä6 rungen, glaubte sich verfolgt, forderte ihn auf, sie zu retten und mit ihr zu fliehen so daß er oft rückfichtS- los werden mußte, um sie nur halbwegs wieder zur Vernunft zu bringen.
Auch gestern war es so gewesen und er hatte gc hofft, nun wieder eine Zeitlang Ruhe zu haben.
Wer die finsteren Gewalten, die um die? schöne, mit allen Glücksgiitem gesegnete junge Wesen ran. gen, hatten doch die Oberhand behalten__
Als er ihr gegenüberstand und den seltsam flacker«- den Blick beobachtete, mit dem sie ihn ansah. wußte er sofort, daß er all seinen Einfluß auf sie nun nur mehr dazu benützen tonnte, um sie zum Eintritt in eine Heilanstalt zu bewegen.
^Fortsetzima tnU>X