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Donnerstag, 1 Juli 1920

Nr. M9

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ahmung finden.

den

PaeeM beim Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident empfing am Mittwoch

(Colonelmatz) 50 Pfg., u. 10°/o Zuschlag, die Reklamezeile .(Textbreile) 1.50 IRL, u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

In der EröfsnEsfrtzmrg war mich Reichskanzler Fehrenbach erschienen, der die Erschienenen im Na­men der Reichsregierung begrüßte. Er sagte u. a.: „Die Reichsverfasfung hak sich das ideale Ziel gesetzt, die Gleichberechtigung aller in der Wirtschaft tätigen Kreise an der Entwicklung der produktiven Kräfte der Nation herbeizuführen. Der vorläufige Reichswirtschaftsrat ist ein Glied zur Verwirklichung dieses Zieles. Nach seiner Zu- sammensetzung und seiner Aufgabe stellt er ■ eine Neu­erscheinung unter den Parlamenten der Welt dar.. Von allen Seiten drängte die Entwicklung zu einer Verbindung der verschiedenen Zweige und Klassen, zur einheit­lichen Iutercssengemeinschaft. Der Gedanke hat sich Bahn gebrochen, daß auch die Arbeiter Ge­legenheit zur Einwirkung auf die Pro­duktion nehmen, um ihre Sachkenntnisse dafür frucht­bar zu machen und Freude an ihrem Schaffen zu gewin­nen. Der Reichswirtschaftsrat, wie ihn die Verfassung vorsieht, soll sich auf einer Reihe von Körperschaften auf­bauen, die heute noch nicht bestehen, deren Einrichtung vielmehr zur Aufgabe der nächsten Monat« gehört. In der Bedeutung, die der Reichswirtschaftsrat sich für seine Tätigkeit zu geben weiß, liegt seine Stellung fester ver­ankert als in Artikeln und Paragraphen, wenn all? Be­teiligten durchglüht sind von dem Bewußtsein, Laß heute weniger denn je die Wirtschaft Sache des Einzelnen ist. Wenn alle Beteiligten die natürlichen eigenen Interessen in die dfs Ganzen einhüllen, dann wird, so hoffe ich, der Reichswirtschaftsrat das erste Parlament der A r b e i t/ der Grundstein, auf dem wir weiter bauen können zum Wohl des Vaterlandes." (Lebb. Bravo.)

Es folgte die W a h l d e s Vorstandes. Cs haben sich drei Gruppen gebildet: Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Verbraucher. Jede Gruppe hat sich wieder in zehn Ab­teilungen geteilt, in der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichmäßig vertreten sind. Alle drei Gruppen sollen je drei Mitglieder in das Präsidium und drei Mitglieder auf die Schrififllhrerposien entsenden. Den Vorsitz und den ersten stellvertretenden Vorsitz führt wechselweise ein Ar­beitgeber und ein Arbeitnehmer: beide Aemter werden nach je einem halben Jahre ausgetauscht. Durch Los wurde bestimmt, daß der Vorsitzende erstmalig aus -en Arbeit­gebern zu wählen ist: die Wahl siel auf den Unterstaats- sekrstär a. D. Edlen v. Braun (Landwirtschast). Zum ersten Stellvertreter gewählt wurde Legten (Industrie, Arbeitnehmer). Nach der Wahl der übrigen stellvertreten­den Vorsitzenden folgte die Bildung eines Wahlpriifungs- gerichts, eines wirtsilmftspolittz'chen, eines sozialpolitischen und eines Gefchästsordnungsausschusies. Der wirtschafts­politische Ausschuß soll sofort in Funktion treten, da ihm die Unterlagen für di- Verhandlungen in S p a a zur vertraulichen Stellungnahme unterbreitet werden sollen.

Nächste Sitzung: Donnerstag.

Aus dem besetzten Gebiet.

Neue Schwarz» im Anmarsch. ProgrdS de Lyon meldet, das 2. und 3. Kolonialregiment in Mar- seille den Besohl zum Abtransport ins besetzte Ge- biet sür den 10. Fuli erhalten haben. Die Regimenter werden die jetzt im besetzten Gebiet stehenden Heimat- trupen abtösen.

Verhaftungen durch die Engländer. Eine britische Truppenabteilung mit englischer Militärpolizei rückte überraschend in den Remscheider Stadtteil Westhausen ein, der bisher nicht besetzt war und nahm Nach- suchungen nach Waffen vor. Fünf Einwohner wurden verhaftet, weil bet ihnen Waffen vorgefunden wurden. Nach Beendigung der Streife zog die Truvpe unter Mitnahme der Verhaften wieder ab.

Der Zusammentritt

des NeichswirLfchaftsrats.

Zum ersten Male trat am Mittwoch im ehemaligen Herrenhaus der vorläufige Reichswirtschaftsrat zusam­men. Damit beginnt ein neues deutsches Parlament, ent Parlament der Arbeit seine Tätigkeit. Der Reichs­wirtschaftsrat ist als begutachtendes, beratendes, an­regendes Organ von Fachleuten gedacht, das dem poli­tischen Parlament zur Seite stehen soll, aber vor allem auch eine Einwirkung auf die Regierung haben wird, da alle sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Ge­setzentwürfe von grundlegender Bedeutung von der Reichsregierung vor ihrer Einbringung dem Reichs­wirtschaftsrat vorgelegt werden sollen. Der Reichs- wirtfchaftsrat hat aber auch das Recht, selbst solche Ge­setze zu beantragen.

Die Zusammensetzung des vorläufigen Reichswirt- fchaftsrates, in dem die Vertreter der wichtigsten Be­rufsstände sitzen, ist folgende: Land- und Forstwirt­schaft haben 68 Sitze, Gärtnerei und Fischerei 6, die Industrie, die wie Handel, Bank- und Versicherungs­wesen fachlich und räumlich gegliedert ist, 68, der Han­del, die Banken und das Versicherungswesen 44, Ver­kehr und öffentliche Unternehmungen 34, das Hand­werk 36, die Verbraucherschaft 30, Beamtenschaft und freie Berufe 16. Dazu treten noch 12 vom Reichsrat ernannte Mitglieder, die in besonderem Maße mit dem Wirtschaftsleben der einzelnen Landesteile vertraut find, ferner 12 Persönlichkeiten, die nach freiem Ermes- fen von der Reichsregierung auf Grund ihrer Leistun­gen für die deutsche Wirtschaft ernannt wurden. Dieser „vorläufige" Reichswirtschaftsrat wird ersetzt werden durch den eigentlichen Reichswirtschaftsrat, sobald die Körperschaften geschaffen sind, auf denen er der Verfas­sung gemäß ausgebaut werden soll.

Der vorläufige Reichswirtschaftsrat tritt in schwe­rer — vielleicht in einer der schwersten Zeiten zusam­men, die Deutschland durchleben muß.^ Möge aus fei­ner Arbeit Nutzen für unser Volk entstehen.

ersten apostolischen Nuntius bei der deutschen Regie­rung, Monsignore P a c e l l i, zur Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens. Hierbei hielt der Nun­tius eine Ansprache, in der er u. a. sagte:

Dir Errichtung einer Reichsbotschaft beim Heiligen Eiuhl in Nom und die Gründung einer apostolischen Nuntiatur in Berlin stellt ein Ereignis von historischer Bedeutung in der Entwicklung der Beziehungen zwischen dem apostolischen Stuhl und Deutschland und gleichzeitig eine feierliche Anerkennung des wohltätigen und unpar- 'teiischen Wirkens des Heiligen Vaters bar, erhaben über i die menschlichen Leidenschaften, wie er während des Krie- j ges der Verteidiger des Rechts, ein Bote der Liebe und : ein Förderer eines gerechten Friedens war, so auch heute ; nicht aufhöri, mit nimmer müder väterlicher Hand dos

wenigen Tagen, die noch zur Verfügung stehen, muß so gut wie alles vorbereitet werden. Das eröffne uns nicht gerade angenehme Aussichten. Der Ein­wand, baff baS alte Kabinett dem neuen keine Vor­schriften für seine Haltung in Span hätte machen wollen, kann nicht gelten, denn der zuerst bekannt­gegebene Termin war der 25. Mai, also eine Zeit, zu der das Ministerium Müller noch im Amte war.

Die Reise nach Spaa.

Die deutsche Delegation reist am Samstag nach Spaa ab. Im Gefolge des Reichskanzlers befinden sich 9 Vertreter des Handels und der Industrie, die bereits von der alten Regierung berufen waren.

Die Drüffeler Zinanzkonferen^

Die Konferenz der Verbündeten in Brüssel, die zur Vorbereitung der Besprechungen in Spaa dienen soll, wird am 2. Juli eröffnet werden. Die Haupt- srage wird die Verteilung der von Deutschland ge­schuldeten Entschädigungssumme bilden. Die Finanz­sachverständigen haben den Bericht ausgearbeitet, der der Konferenz übergeben werden wird. Nach Schluß der Konferenz werden alle Delegationen sofort nach Spaa abreisen.___________

Deutschlands bisherige Leistungen.

Ein unverdächtiger Zeuge über die bisher auf Grund des Friedensvertrages von Deutschland erfüllten Lei­stungen ist der frühere Wiederaufbauminister Frank­reichs, L o u ch e u r, der im Finanzausschuß der Kammer einen Beruht über die Kriegskoften und Wie­dergutmachungen vorgelegt hat. Er ist mit diesen Lei­stungen keineswegs zufrieden und verficht insbesondere den Grundsatz, daß man die Zahlungsfähigkeit Deutsch­lands nicht nach seinen jetzigen schlechten Verhältnissett beurteilen dürfe. Immerhin kamt man aus seinem Berichte sehen, welche ungeheuren Summen in den bis­herigen Leistungen Deutschlands schon enthalten sind. So wurden an Eisenbahnmaterial 24 003 Ton­nen nach Frankreich, 43 000 Tonnen nach Belgien ge­schickt. Wertsachen wurden im Wert von 1800 Millionen Francs zurückgegeben. Deutsches Heeresgerät int Be­trage von 6*ä Milliarden blieb in Belgien zurück. Den ©cfamtwert des zurückerstatteten Gutes gibt Loncheur mit 8,6 Milliarden Francs an. An Vieh wurden an Frankreich 40 492 Rinder, 67 476 Schafe, 7575 Ziegen und 6547 Pferde, an Kohlen 5% Millionen Tonnen, davon allein im Mai 964 000 Tonnen, geliefert. Dazu lieferten die Saargmben 2,6 Millionen Tonnen.

Loucheur zählte natürlich auch auf, was Deutsch­land nicht geliefert hat. Aber es ist sich wohl heute niemand mehr im unklaren darüber, daß die Bedingun­gen des Friedensvertrages nicht erfüllbar find, zumal von einem Deutschland, das nicht nur im Innern, son­dern auch von außen immer aufs neue beunruhigt uzid in der ruhigen Entwicklung gehemmt wird.

Ablehnung deutscher Ansprüche.

Nach einer Meldung der ,$ime§' hat Frankreich die deutschen Ersatzansprüche, die anläßlich der Be­setzung Frankfurts erhoben wurden, ab gelehnt Tie Mitteilung wurde dem deutschen Geschäftsträger in Paris überreicht.

Vernünftige Landwirte.

Die Landwirte in Lippe traten zu einer Protest­versammlung zusammen gegen den von der Reichsregie­rung festgesetzten Kartoffelpreis von 30 JL für den Zentner. Sie beschlossen, für Kartoffeln der ' neuen Ernte nur 12 M für den Zentner zu nehmen.

Formalität, sondern auch in der sachlichen An­näherung. Der neue Nuntius konnte mit Recht darauf Hinweisen, daß der Heilige Stuhl fortgesetzt gestrebt habe nach Versöhnung der Völker auf der christlichen Grund­lage von Wahrheit und Gerechtigkeit. Daraus erwiderte der Reichspräsident Ebert, daß die Beziehungen zwi­schen den Völkern im Geiste des Friedens und des Ver­trauens wieder aufgerichtet werden. . in dem Ge­danken der Nächstenliebe und Versöhnung, deren un­ermüdlicher Verkünder Seine Heiligkeit der Papst stets gewesen ist."

Dieser Einklang zwischen Papst und Reichsgewalt ist tröstlich für uns, und wir können nur wünschen, daß in Spaa dieser Geist Anklang finden möge.

Der feierliche Akt und die begleitenden Reden ha­ben eine größere Bedeutung als sonst die diplomatischen Förmlichkeiten.

Diese Entsendung des March. Pacelli nach Berlin ist bahnbrechend, da bisher nur ein Nuntius in Mün­chen bestellt war, besten Amtsbezirk formell auf Bayern sich erstreckte, während die preußische Gesandt­schaft beim Vatikan ihre Ergänzung durch einen Ver­treter des hl. Stuhles in Berlin noch nicht gefunden hatte. Jetzt ist der erste Nuntius, der in Berlin resi­dieren soll, nicht bloß für den preußischen, etcat, son­dern für das Reich im ganzen bestimmt. Die Bayern werden dadurch nicht beeinträchtigt, denn sie behalten ihre alten diplomatischen Verbindungen. Für Preußen aber und die anderen nicht-bayerischen Länder wird eine regelrechte Verbindung hergestellt, und — was die Hauptsache ist — die Reichspolitik wird in unmittelbare Fühlung gebracht mit dem Vatikan, wie es sich gehört bei der neuen Ordnung der Dinge, die der Reichspoliük eine viel größere Einwirkung auf die re­ligiös-sittlichen Angelegenheiten gewährt, wie sie früher dem Reiche zustand.

Wenn jetzt der erst e apostolische Nuntius in Ber­lin residiert, so ersieht man daraus, daß in die alte Eng­herzigkeit und in die protestantischen Vorurteile Bresche gelegt ist. Die Männer vom Evangelische!: Bund, die früher in einem Nuntius den schrecklichen Vorkämpfer des „staatsgefährlichen und reichsfemdlichen" liltromon« tamsrnus sehen wollten, sind jetzt ohnmächtig und zum Teil auch schweigsam geworden.

Die ansgetauschten Reden zeigen, daß sowohl der Heilige Stuhl als auch die Reichsregierung beseelt sind von dem festen Vertrauen, daß sich das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Deutschland in friedlicher, freundlicher und gedeihlicher Weise rrgeln werde. Verständnis und Entgegenkommen wird ton beiden Seiten in herzlichen Worten zugesichert.

Der erste Nuntius in Berlin ist zugleich der erste Botschafter, der nach mtserem Zusammenbruch in die Reichshauptstadt einzieht. Der Apostolisch« Nun­tius steht im Range den weltlichen Botschaftern gleich, wird herkömmlicherweise sogar als Doyen des Bot­schafter-Kollegiums mit dem Vortritt und der Wortfüh­rung beehrt. Die weltlichen Großmächte, die uns im Kriege feindlich gegerrübergestanden haben, wollen an­geblich auch wieder in Berlin durch förmliche Votfchaf- ter sich vertreten lassen. Das gehört sich auch, wenn der Friedenszustand wirklich friedlich werden soll. Auf dieser Bahn ist der Vatikmi schneller oorgegangen, als die weftlictM Staatskünftler.

Möge das Beispiel des Heiligen Stuhles bald Rach-

durch den unseligen Kampf angerichtete Elend zu lindern und die Verföhnung der Völker machtvoll anzustreben, ge­stützt auf die christlichen Grundsätze von Wahrheit und Gerechtigkeit. Um aber dem deutschen Volke, das neuer­dings so tiefgreifende Umwandlungen erfahren hat, die ständige Ruhe wiederzugeben, die für jeglichen dauerhaf­ten Fortschritt notwendig fft, erachtet Seine Heiligkeit als von höchster Wichtigkeit die Eintracht zwischen den zwei Gewalten der kirchlichen rind der bürgerlichen. Aus diesem Grunde hat mir der aller­höchste Oberhirte den hohen Auftrag erteilt, mit den zu­ständigen Autoritäten die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Deutschland von neuem so zu regeln, wie es der neuen Lage und den heutigen Bedürfnissen ent­spricht. Bei dieser Mission für den Wiederaufbau und den Frieden habe ich die feste Zuversicht, daß mir die wirksame Mithilfe der hohen Reichsregierung nicht man­geln wird. Was mich betrifft, so werde ich meine ganze Kraft daranfetzen, die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Deutschland zu pflegen und weiter zu festigen, überzeugt, daß auf diese Weise, während die religiösen Interessen der katholischen Bevölkerung geschützt bleiben, andererseits auch das Wohl des Staates mächtig unter­stützt und gefördert wird.

Der Reichspräsident erwiderte u. a.:

Ich erblicke in der Errichtung der deutschen Botschaft beim päpstlichen Stuhl und der apostolischen Nuntiatur in Berlin Errungenschaften von weittragender Bedeutung. Die Reichsregierung ist sich bewußt, daß eine die berech­tigten Interessen beider Teile dauernd befriebigenbe Eini­gung erstrebt werden muß. Darüber hinaus liegen vor uns allen Aufgaben von größtem Ernst. Die Beziehungen zwischen den europäischen Völkern müßten im Geist des Friedens und Vertrauens wieder aufgerichtet werden. Deutschland ist entschlossen, hieran mit allen Kräften mit- zuarbeiten. Sollen diese weltgeschichtlichen Aufgaben ge­löst werden, dann müssen sich alle Völker zu den Gedanken der Nächstenliebe und Versöhnung bekennen, deren uner­müdlicher Verkündiger der Papst stets gewesen ist.

er- dwiomcnischen

Prsgrannndebatte im Reichstag.

Dr Reichstag eröffnete am Mittwoch bei mäßiger Ve- setznnk des Hauses, aber gulbesuchteu Tribünen feine Sitzug. Die Strafverfolgung des beutfchnationalen Abg. dan en Kerkhosf wird ausgesetzt. Ferner wird die Aufhbung der Haft des unabhängigen Abgeordneten Mitwoch beschlossen.

kn der Fortsetzung der' politischen Aussprache tarnen die Vertreter Derjenigen Parteien zu Wort, welche die Rcserung bilden. Den Reigen eröffnete der

Äg. Irimborn (Z.). Er gedenkt der alten Koalition, be» grifet den HinzutriU der Deutsch. Voltspartei und bedauert txs Ausscheiden der Sozialdemokraten, die sich gerade jetzt v»r Spaa den Konfeguenzen der Friedensunterzeichnung erlögen. Das bedeute für die Regierung eine große Schwierigkeit, da die Sozialdemokratie es jetzt in der Zand hat, ihre Täligteit und die des Reichstages lahm- ,-ulegen. Di« sozialdemokratischen Führer füllten wissen, >aß auf ihnen ein besonderes Maß von Verantwortung .-trift. Das Zentrum hatte von vornherein den Wunsch, die parlamentarische Grundlage der neuen Regierung so breit wie möglich zu gestalten. Wir werden auch in Zu­kunft weiter auf eine Verbreiterung dieser Grundlage hin- roirten, sei es nach rechts, sei es nach links. (Zustimmung im Zentrum, Hörti hört! bei den Unabhängigen.) und mir werden unsere ganze Kraft für die neue Regierung ein« fetzen, weit das Vaterland es verlangt. Wir würdigen die Schwere des Opfers, bas ber Abg. Fehrenbach durch bie Uebernahme des Kanzlerpoften auf sich genom­men hat. Wir wollen alle an dem Wiederaufbau des Reiches arbeiten. Aber es wird nur möglich fein, wenn

In letzter Ttunde.

Die Reichsregierung ist mit fieberhaftem Fleiß dabei, ihre Vorschläge für die Konferenz in Spaa vorzubereitcn. Sie hatte gestern und vor­gestern den ganzen Tag gefeffen und beraten. Hebet das Ergebnis kann aus naheliegenden Gründen nichts mitgetetlt werden. Soviel aber kann gesagt werden, in politischen und parlamentarischen Kreisen ist längst bekannt, baß das Kabinett Hermann Müllers für die Konferenz von Spaa kaum etwas vorbereitet hat. Die neue Negierung steht vor einem unbebauten Felde. Das muß um so mehr befremden, als die fozialdemokratifchen Auskunftsstellen der alten Regierung vor den Vertretern der Preffe immer wieder betonten, wie unangenehm der Regierung die ewigen Hinausschiebungen des Termins für die Konferenz seien. Man durfte daraus wohl den Schluß ziehen, daß Deutschland seine Vorschläge und Richtlinien in schönster Ordnung habe und feine Vertreter mit gebundener Marschroute nach Spaa schicken könnte. Das Gegenteil ist der Fall. In den

feilt so ist das doch kraffer Wucher. Wenn eine Papier­fabrik ihre Dividende von 9 Prozent auf 18 Prozent zu steigern iveiß, so ist das doch nicht die Schuld der hrih.cn Holzpreise. Ter übertrieber): Zentralismus wird von uns bekämpft. Tie zentralisierte Wirtschaft in dem Augenblick, ton die Wirtschaft erschüttert ist. rührt uns zum Untergang.

Am Schluffe gab der Präsident bekannt, daß bic Unabhängigen ein Mißtrauensvotum eingebracht haben. Heber eine Gsgenresolution, die in positiver Weise die Arbeit der Regierring fördern soll, irrirb noch verhandelt, die endgültige Form dafür ist noch nicht gefunden.

Die Debatte über das Programm geht am Don­nerstag weiter und der Reichstag wird entgegen der früheren Absicht in dieser Woche noch nicht fertig: zur Erledigung des Notetats rind der Intervellatwnen werden noch die ersten Tage der nächsten Woche er­forderlich sein.

•ms mich bie Lebensmöglichkeit gelassen wird. Mögen h i t Verhandlungen in Spaa in dieser Hin- sinen Schritt weiter bringen! Gegenüber Forde- »en, die wir beim bester, Willen nicht erfüllen - können, muß «in entschiedenes Nein ge- Ufprochen werben. (Sehr richtig!) Dasselbe gilt auch.

gegenüber allen Verletzungen unseres durch den Friedens. K vertrag festgelegten Rechtes. Ein 100 000 Mann starkes

Heer reich! für unsere inneren Verhältnisse nicht aus. jb (Sehr richtig!) Man weiß anscheinend nicht, wie un­sicher bei uns die Verhältnisse geworben sind. Ob bie Nachrichten über bie Dilbung einer neuen Roten At- m e e richtig sind (lärmende Unterbrechung bei den Un­abhängigen), kann ich nicht beurteilen. Aber es herrscht tu manchen Gegenden ein P l Ü n d e r u n g s g e i st. Die Behörden wissen sich nicht mehr zu helfen. Das darf nicht jo bleiben. (Lebhafte Zustimmung.) Wir erwarten, baß die Regierung sich stark erweisen wirb. Sie wird im Parlament und im Volk den notwendigen Rückhalt fin­den. (Sehr richtig!) Denn nichts wirb so sehr vorn Volke gewünscht als eine starke Regierung. (Lebhafte Zu­stimmung.) Unsere Finanzen sind in den traurigsten Ver­hältnissen. So bars es nicht weiter gehen, sonst sind wir W verloren. Deshalb müssen die Steuergesetze durchgeführt werden. Die ganze Wirtschaft und MVerumlirmg muß sparsamer eingerichtet wer- üen. Sv, BehördenvPpvkvi ist viel zu groß. Es ist aber unbegreiflich, wie der preußisch« Fiuanzminister für bie U Zwangs Pensionierung ber Beamten bei ber Vollendung des f® «5. Lebensjahres eintreten kann. Das Defizit von Post und Eisenbahn läßt sich nur befestigen, wenn beide sich sparsamer eiurlchten. Wir denken nicht an eine Soziali- H; fiernng ober Kommunalisierung des Kleingewerbes; sonst aber muß die So z i a l p o l i t i f fortgesetzt werben. Die .Zwangsmirtsckzaft muß eingeschränkt imb besonders der Landwirtschaft bie nötige Bewegungsfreiheit gegeben wer­den. Die sittlichen und religiösen Kräfte des Volkes müs­sen erhalten bleiben. Der Bildungstrieb darf nicht erlah­men. Die Regierung hat unser vollstes Vertrauen, und mir sind uns unserer Verantwortung ihr gegenüber bewußt. (Beifall im Zentrum.)

Abg. ©trefemoim (D. Vpt.) führt ans, eine bür- 1 -gliche Regierung mit Einschluß der Deutschnationalen ’rtv unmöglich, er verlangt aber von den Dentschnatio- nalen mit Recht, daß sie aus vaterländischen Gründen ' "t? jetzige Regierung unterstützen sollten. Im übrigen »itmwte Stresemann seine Ausführungen auf den D Grundgedanken ab daß die Gesundung unser es ,/ Wirtschaftslebens Voraussetzung für die poli. ttscke Gesundung nuferes Volkes ist. Die Hebung ber ■ Produktion müsse die erste Ausgabe aller Stegiienmgs- dolitik sein und auch die Sozialisierungsfrage dürfe man nur von diesem Standpunkt aus betrachten. In dem gegenwärtigen Kabinett erblickt Stresemann nur Ave Etappe auf dem Wrye zur Entpolitisierung der lstittschast. Dor allem müne da- Auswärtige Amt voll- ücrndlg^ entpolitisiert werden. Er bedauert, daß die Deutsch« Dolkspartei die gewünschte Entpolitisieiung des gesamten WirtftckaftskornvlepeZ der Reichsverwaltung nicht habe durchführen können. Angesichts der bevor - nehenden .Konferenz von «spaa habe aber seine Partei cn der Person des Reichsfinanzministers die Regie- . amWbilbung, nicht scheitern lasten dürfen.

. . Abg. Schiffer, der demokratische Redner, erklärte, keine Partei wäre. nach dem Wablausfall am liebsten Isiäft wieder in die Regierung hineingegangen, aber ne habe sich aus den gleichen Gründen wie da? Zen- trum schließlich doch zur Teilnahme an der Regierung a entschlossen.. Deutschlands Dasein hänge davon tib. daß U ims gelinge, eine Revision der Friedensbedingun- Sen zu erzielen. Für uns arbeite ’ die allmählich zu- 1 «hnjende Erkenntnis, tntz Deiftstfflarfds Zusammen- | "ruch den, der andern europäischen Völker nach sich

^hen müsse. Frankreich brauch» ein krsdil- und ar.- I v^lZfähigeS Deutschland, um seinen eigenen Kredit » zu bauen. Erkennten unsere Gegner die Diacht

ber Tatsachen nicht an, so würden wir. so schwor die Konsequenzen auch sein mögen, ein Nein sprechen müs- stn.

Abg. Dr. Heim (SB. Bvt. i sprach eingebend über chfi a a. Er Joies jede andere Diplomatie als die der mahrheilsgemäßen Darstellung der unbestreitbaren Tat. ■ ov1 5urü(f._ Offenheit, so sagte er. ist in unserem S List. Wir müssen Kar machen, daß

|f Teutschkand mit der ihm gMH-ebenon halben 2mHe -. nicht die doppelte Last bergan tragen kann.' die ein . 9wiz Gesunder zu bewältigen im Stande wäre Die f perabsetzuny be? Heeres auf 100 000 Manu mache es Bp j', Regierung unmöglich die Ordnung aufrecht zu er- bajen. Dann könne aber auch von im? nicht die Fnne- valhmg. des Friedensvertrages verlangt werden. Es eine mittlere Linie gefundeiz werden, auf der l!5“. die Interessen Frankreichs und Deutschlands per. j etnirren lasten. Habe man in Spaa dafür kein Der. Pjnbni?, w mülle Verzweiflung in die Herzen des­st ^fischen Volkes einziehen unh die Folgen tobe Frank- ^ich mitzutragen. Di« Zwangswirtschaft eia"- de- Redner weiter auS. nur durch die

jchueichtcrunp. des Imports gelockert werden und im. iS? Politik mutz in erster Linie auf die Länder mit !m,echter Valuta eingestellt werden, also nach dem film. Man soll den Weizenpreis nicht höher . ptouben. als er unbedingt sein mutz. Ich halte auch verordneten Kartof/elpreis von 25 Mark für zu In dieser Zeit der Teuerung muß die Landwirt- Ist c2.aTt sich auch ihrer sozialen Pflicht gegenüber der ^igcmeinEeit bewußt sein. (Lebhakte Zustimnnmg.f brauchen einen Abbau her Preise. Wenn L tTnc HeringSgesellschcrst 900 Prozent Dividende ver-

Verantwortlich für den rcbaKioneUen Teil: Carl Schutte, :: für bie Anzeigen: I. ParzeNe r-Fulda. -

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fu Idaer Zeitu nq

Polnische Gewaltlatigkcilen.

Neberfall einer Zensrnmsversammlung. Ifn Den- t h e n wurde eine Zentrumsversammlung von bewcrff- neteTt Polen überfallen und bedrängt. Die beiden Red­ner, darunter der bekannte Führer des oberschlesischen deutschen Zentrums, Abg. Ulitzka. wurden tätlich an. gegriffen. Erst der Sicherheitspolizei gelang e?, bi« Menge anseinanderzubriugen. -— In Rädzionka dran gen Polen in den Tanzsaal eines Turnvereins ein und warfen eine Handgranate. Es entstand eine. S'ch.ietzefrki, bei ber mehrere Personen verhetzt wurden. Auch hier gelang es erst der Sicherheits­polizei. die Ruhe Wieherherzustellen. i

Erschießung von 17 Grauüenzer Deutschen. Vor kurzen! ging durch die deutsche Presse die Nachricht vou dec Erschießung von 17 Graudenzer. Deutschen durch die Polen. Tie Nachricht war so ungeheuerlich, daß es ratsam erschien, erst ihre Bestätigung abgittoarten, ehe man sie als Tatsache hinnahm. Diese Bestätigung liegt jetzt vor. Es wirp darüber gemeldet: Am 2. Mai ist in Graudenz durch Plakatanschlag ein Pro test veröffentlicht toorixn. in dem sich alle politischen Parteien gegen das Verbleiben der Polen in West­preußen erklärten. In der Zeit vom 8. bis 17. M«i sind daraufhin 16 Mitglieder der USPD, imb ein Mitglied der SPD., meist Gewerkschaftler, von den Polen nach Thorn geschasst und dort standrechtlich ab« geurteilt und am 25. Mai erschossen worden. Letztere Tatsache ist in Graudenz nickt nur durch zuverlässige Nachrichten aus Thorn bei tätigt, sondern auch . durch die polnischen Zeitungen bekanntgeworden, die die Na­men der Erschossenen veröffentlichten. Weiter sind noch vier Personen verhaftet worden. Von diesen ist der Gewerkschaftsführer Rasinski nach Warschau imb der Magislratssekretär Felke nach Kowcl transportiert wor­den. Die Polen geben als Grund ihrer Handlungs­weise an, daß die verhafteten Personen die Urheber der Proklamation gewesen seien.

Durck Beschlagnaüme ber deutschen AbstiminungS- Dapiere verhind e r n die Polen die Teilnahme der in Ncupo-len wohnenden Deutschen an der wefi» und ostpreutzischen Abstimmung.