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M 148.

Mittwoch, 30. Juni 1920.

- Fuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer Aetieudruckerrr in Fulda

Stadtverordneten Versammlung.

[(i) Fulda, 29, Juni 1920.

Sfa der Sitzung an Montag abend nahmen 30. gJtitglieber teil. Den Vorsitz führte Stadtverordneten- Kori'ueher Justizrat Rang. Vom Magistrat waren ff. Dergeordnieter Stith, 2. Beigeordneter Fritz, Giadtbaurat Eb erlern und Stadtrat Laux er­schienen.

Bor Eintritt in die Tagesordnung wurde ein Schrei, ben des SchornsteinfegermeisterS v. Parts verlesen. Bei der Besprechung der Helfferich-Versammlung hat Etv. Mihm bekanntlich von einem geadelten Schorn, steinfegermeister gesprochen, der ihn at der Kehle ge­packt habe. Herr v. Paris schreibt. daß, falls er mit dem geadelten Schornsteinfeger gemeint sei, er die Darstellung des Herrn Mihm in Abrede stellen müsse. Stv. Mihm stellte dazu fest, daß ihn Schornsteinfeger­meister v. Pariz in der Tat an der Kehle gepackt h<tt>e.

Wahl einer aernischken Kommission zwecks Prüfung der Beschwerden gegen die Brotversorgungsstclle. In der sozialdemokratischen Proteswersammlung am Frei- tag sind gegen die städtische Brotversorgungsstelle Vor­würfe erhoben worden, die Stv. Rühl (Dem.) als zum mindesten f e h r leichtfertig bezeichnet. Um keinen Zweifel über die Geschäftsführung der städti­schen Brotversorgungsstelle aufkommen zu laffen, soll eine aus allen Parteien zusammengesetzte Kommis' sion gewählt werden, die den ganzen Geschäftsbe­trieb zu prüfen hat. Die Vorwürfe gegen die Brot- bersorgungsstelle gehen zum Teil auf eine Beschwerde der Bäckerinnung Fulda zurück, worin über die Be' schaffenheit der Ersatzmehle Klage geführt wird Sw. Kind trug diese Beschwerdeschrift vor. Der Wortlaut der Eingabe ist aus einer Resolution der Offen­bacher Bäckerinnung übernommen. In dem Schrei' ben wird weiterhin mitgeteilt, daß sich in einem Sack Mehl Strohmehl vorgefunden hat. Dieser Umstand ist auf einen technischen Fehler in der Mühle, die der Reichsgetreidestelle das Mehl geliefert hat. zu­rückzuführen. Daß die Browersorgungsstrlle bei der Verteilung der Mehle nach Gunst verfahre wie es be. hauvtet worden ist, winde vom Magistratsvertreter entschieden bestritten. Der Forderung nach einer M i s ch m a s chi n e, die von sozialdemokratischer Seite lebhaft erhoben wird, stehen finanzielle und technische Bedenken gegenüber. Ein solcher Apparat kostet 200 bis 300 000 Mark. Er läßt sich auch nur unter beson­deren Verhältnissen verwenden. Das Brot in Fulda, so wurde von verschiedenen Seiten gesagt, ist s ch l e cht. Anderswärts ist es über noch schlechter. In 4 Wochen wird hoffentlich die neue Ernte eirs- Besierung der Berhältniffe herbeiführen. Tie Debatte lief schließ­lich in längere erregte persönlich« Aus­einandersetzungen aus, die sich an die Tat­sache knüpften, daß SW. Mihm die Sitzungen der Lahrungsmittelkommission nur selten hesuchte. Er er- Märte das mit seinem schlechten Gesundheitszustand. Im übrigen kündigte Herr Mihm weitere sozia. listische Kundgebungen in der Leb en S- mittelfrage an. Es komme der hiesigen sozial, demokratischen Partei nicht darauf an, dabei Wähler aus den. Kreisen der Kleinhändler usw. zu verlieren. — In die Kommission wurden gewählt von jeder Par­tei zwei Vertreter und zwar vom Zentrum: Siv. Barnickel und Franz .Heil, Lichtweg; von den Demo­kraten; SW. Frl. Grippentrog und Eisenbahn-Ober­sekretär Reitz; von den Sozialdemokrateni SW. Krönung und Sattler a. d. B. Vorhauer; von den Kriegsbeschädigten: SW. Hering und Bäckermeistersw-itwe Kandier, Kronhofstraße, von den Deutschnational en SW. Zirkenhach und Schorn» steinfegermeister v. Paris.

Stv. Mihm kam nach Erledigung dieses Protestes darauf zurück, daß ihm in der letzten ordentlichen Sitzung, als der Zeiger der 'Uhr auf Mitternacht rückte, nicht mehr zum zweiten Male gestattet worden sei, über die Helfferich-Versammlung zu reden. Er sprach deshalb dem Vorsitzenden das Miß­trauen der sozialdemokratischen Fraktion aus. Der Vorsitzende erklärte, nicht von seinem Stendpunkt abgehen zu können. Die Angelegenheit der Helfferich- Bersammlung habe gar nicht in die Stadtverordneten­versammlung gehört. SW. Dux stellte sich auf den gleichen Boden und sprach aus. was Wohl allgemeine Ueberzeugung sein wird, daß SW. Mihm nur au6 agitatorischen Rücksichten die Sache in der Madwerordnetenversammlung behandelt hat. Einem Antrag dez SW. Mihm, eine neue Anfrage von ihm vor Erledigung der Tagesordnung zu behandeln, wurde nicht stattgegehen .

Rechnungsprüfungen. Gelegentlich der Berichter­stattung über die Rechnungen der Jahre 1917 und 1918 führte SW. Axt einen Fall an, in dem der Gasmesser ungenau angezeigt hat. Es soll Abhilfe «schassen werden. Beschlossen wurde, die Kautionen di« bisher von städtischen Beamten hinterlegt werden mußten, als unzeitgemäß nicht mehr zu verlangen. Die bisherigen Kautionen sollen zurückgegeben werden.

Fordernde Liebe.

Roman von Erich Ebenstein.

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TH, Et dann kam alles ganz anders als Daniela gedacht hatte.

Egon Heidlof fuhr gar nicht zur Fürstin Labat. • ®u. Bis zum nächsten Autostand, mietete

er« Auwtaxi und fuhr schnurstracks nach Neuwaldsgg, wo das Gefährt hinter dem Park links abbog und vor emem freundlichen Landhaus hielt, an da- sich ein großer Obstgarten schwß.

diesem Haus verschwand er nachdem er das AEtaxi entlassen hatte. Offenbar' also bestand die Mssicht den Besuch hier länger auszudehnen, was be- »nes, daß es sich keineswegs um einen Krankenbesuch sandeln tonnte.

Klopfenden Herzens saß Tawela in ihrem Gefährt, «S abseits von Bäumen stand und nicht auffallen chmtw, da sich auch hier der Eingang zu irgendeinem Btllengarten befand.

Sie wußte nun alles. In dem Haus drüben «ahnte Lore Sand! Ihr galt Egons Besuch. Um terettoillen hatte er der Fürstin abgefaat oder deren «Windung einfach ignoriert. Lore Sand galt ihm also wel mehr als die Fürstin Laban ... ihr gehörte sein Herz . . .!

Mit brennenden Blicken starrte Daniela hinüber nach dem Landhaus, dessen bellerleuchtete Fenster breite -Wleflel tn die Dämmerung des nebligen Vorfrüh, «ngswges warfen.

Daren ;te dort oben hinter diesen Spitzenstorrs, wo 08 nnd zu Schatten vorüberglitten?

Aber nein. Daniela erinnerte sich plötzlich, daß ihr */attn damals, als er mit Lore Sand über die Woh- sprach, erwähnt hatte: „®ie sehen von Ihrem «en'^ex mitten in den Obstgarten hinein, der nun bald

Blüte stehen wird. Auch Treppen brauchen Sie ft * 3U ^igen, nuv drei Stufen von der Veranda der .?°chparterres, in dem Ihr Zimmer liegt, und Sie |tni> Garren unten." .

-urreg Zimmer mußte also rückwärts nach der Gar- lette zu liegen. Ringsum war es totenstill. Immer 3,2,7er, ?»d düsterer wurde die Dämmerung. Eine SSLntpJSrL ^aurigkcn schien über der noch halb im

#°tUt 8U Iie8en’ iDCn,8'tEnS

Errichtung einer neuen Oberlehrerstelle 6ei den Oberrealschule. Mit Rücksicht auf die steigende Schü­lerzahl der Oberrealschule, die zurzeit die Beschäftigung von fünf Hilfskräften nötig macht, hat der Magistrat die Schaffung einer neuen, her 11. Qberlehrersttzlle beantragt. Die Versammlung stimmte dem An- trage zu.

Auderweite Festsetzung der Preise für Kaufgräber am neuen städtischen Friedhöfe. Die Geldentwertung hat eine Erhöhung der Preise für Kaufgräber nötig gemacht. Der Magistrat hat eine lOOprozentige Er­höhung der Preise vovgeschlagen. SW. Mihm will statt dessen die Poeise um 1000 Prozent erhöhen, so­daß nur noch ganz reiche Seute Kaufgräber enter­ben könnten. Stv. Zirkenbach hielt eine nach dem Einkommen des Käufers abgestufte Preisbemessnng für angebracht. Beschlossen wurde, vorläufig nur im Bedarfsfälle Grabstätten zu verkaufen. Die Erhöhung soll zunächst 100 Prozent betragen gemäß dem Magi- stratsvorschlay. Eine Regelung im Sinne des Zirken- bach'schen Vorschlages soll durch eine besondere Kom- mission vorbereitet werden.

Entwurf zu einem Nachtrag zu ben Satzungen über den Anschluß an die städtische Wasserleitung. Die Er. Höhung des Dassergeldes von 20 auf 25 Pfg., gegen die Einspruch nicht erfolgt ist. wurde tn den Satzun­gen festgelegt. Es wurde au?' der Versammlung an. geregt, für die höher gelegenen Stadtteile die Was­serversorgung sicherzustellen. Da? könnt« bei den jetzigen Wasserverhältniflen nur durch allgemeine Sparsamkeit im Wasserverbrauch geschehen.

Entwurf zu einem Nachtrag zu der Hnudesteuer- orbnnng. Die Hundesteuer soll künftig für den ersten Hund 25 Mk. (bisher 20 Mk.). für den zweiten 50 (bisher 30), und für den dritten 75 Mk. (bisher 30 Mark) betragen). Die sog. Zwingersteuer soll 40 Mk. betragen und die Steuer für einen Wachthund auf 5 Mk. (bisher 1 Mk.) festgesetzt werden. Der Ent­wurf wurde genehmigt.

Die übrigen Punkte der Tagesordnung werden wegen vorgerückter Zeit zurückge stellt.

Anfragen.

Sw. Stamm wollte wissen, wie die in den Etat eingestellten Mittel für Teuerungszula. gen verwendet würden. Der 1. Beigeordnete teilte mit, daß daraus die Besoldung her städtischen Bamten nach den staatlichen Grundsätzen Vorschuß, weise erfolge. Weiter wollte Herr Stamm wissen, wie beschlagnahmte Lebensmittel verwendet würden. Der Magistratsvertreter vsrwies auf die wiederholten Bekanntmachungen der Lebens- Mittelstelle. In Einzelfällen erteilt die Lebensmittel, stelle an Interessenten Auskunft. Die Kontrolle ist zuverlässig. Am Zusammenhang damit wurde mitge. teilt, daß die Eisfabrikation im Schlachthof aufgenommen worden ist. Stv. Ebert bezifferte den Wert her in Fulda im letzten Fahre festgehaltenen Schieberwaren auf 65 000 Mk. Weiterhin wurde von Stadtrat Laux die interessante Mitteilung gemacht, daß hier zurzeit über 600 werdende und stillende Müt­ter vorhanden sind, sodaß schon große Mengen für Sonderverteilungen erforderlich sind. Beschlossen wurde auf Antrag Grippentrog monatlich einen Rechen, schaftsbericht über die Verwendung der Schleich­handelsmengen zu veröffentlichen.

Siv. Mihm fragte: Ist der Standesbeamte zur Wahrung des Dienstgeheimnisses verpflichtet und ge' gebenenfalls, was gedenkt der Herr Oberbürgermeister zu tun, nm die Wahrung des Dienstgeheimnisses zu ge- währleisten. Er nahm dabei Bezug auf eine Aeuße» rung, die in der letzten Stadtverordnetenversammlung im Zusammenhang mit der Anfrage des Herrn S t e in (Soz.) gefallen ist. Stv. Mihm redete dabei von einer Zentrumswirtschaft, die bald durch eine sozialdemokratische Mehrheit äbgelöst werden würde- In der Aussprache wurde festgestellt, daß die Voraus, setzunczen des Stv. Mihm gar nicht zutreffen, sondern die Mitteilungen de? Stv. Prof. Dr. Thielemann nicht auf den Standesbeamten, sondern auf ein Stadtge­spräch zurückgehen. Stv. Prof. Dr. Thielemann machte dabei recht beherzigenswerte Ausführungen über Friede und Eintracht in der Bevölkerung, die uns jetzt allein retten können. Wer sie gefährde, trage eine große Verantwortung.

Schluß: % 12 Uhr.

Kus -em Rachbargebiet.

h Hersfeld. Während in allen anderen Städten je» dermonn nach Kohlen lechzt und dankbar für die kleinste Gabe ist, lehnen hier viele Verbraucher die An- nähme von Briketts aus Bequemlichkeitsgründen a b. So ist zu lesen in einer amtüchen Bekanntmachung des Magistrats von Hersfeld.

X Neustall (Ulmbach). Der B iene nzüchter- Ver ein von Ulmbach und Umgebung hielt hier seine Vierteljahrsversammlung ab. Herr Pfarrer

Sie kämpfte unaufhörlich mit Tränen und dem Wunsch, heimlich an die Hinterseite des Hauses zu schleichen, um vielleicht durch die Fenster die beiden be­obachten zu können.

Seit der erste Verdacht in rhr aufgestiegen war, ihres Mannes Liebe habe sich einer anderen zugewandh hatte Daniela völlig ben Kopf verloren. Anstand und Würde waren ihr nur mehr leere Begriffe. Was allein noch ihre Handlungen leitete, war her Instinkt einer blinden, wahnsinnigen Eifersucht, die ihren Verstand zu verwirren drohte.

Wenn sie es nun trotzdem nicht wagte, ihren Bor. satz auszuführen, so war es nur die Angst, habet von Egon ertappt zu werden, die sie zurückhielt. Er war bereits fast eine Stunde bei Lore Sand und konnte jeden Augenblick das Haus verlassen . . .

Da klangen plötzlich die Töne einer Violine durch die Dunkelheit. Das konnte nur s i e fein — Egon hatte ja von einer Violine gesprochen damals. Sie spielte ihm vor! Er dachte also offenbar noch gar nicht ans Fortgehen!

Hastig erhob sich Daniela und verließ das Gefährt. O — sie mußte die beiden sehen . . .

.Warten Sie hier, bis ich wiederkomme," sagte sie dem Chauffeur und Überquerte die Landstraße, um den Garteneingang zu gewinnen.

.Geben Sie acht, Fräulein," rief der Chauffeur, der sie für ein eifersüchtiges Mädchen hielt, nach »Es ist vielleicht ein Hund beim Haus!"

Daniela zögerte einen Augenblick, eilte aber dann rasch weiter. Ach lvas, er mußte eben gewagt wer­den! Bisher hatte sich ja auch kein Hund bemerkbar gemacht . . .

Es gab in der Tat keinen. Unangefochten erreichte ie die Rückseite des HckufeS und sah sofort, daß daS Terrain ihren Absichten gar nicht günstiger sein konnte-

Links von der Terrasse waren zwei Fenster hell er- leuchtet, und hinter ihnen ertönte das Geigenspiel. Ge­rade den Fenstern gegenüber aber gab es einen kleinen Hügel, von dem aus man direkt ins Zimmer sehen konnte.

Zwar waren die Fenster geschlossen, und ziemlich dichte, gemusterte Vitragen bedeckten die Scheiben, aber es waren keine Läden herabgelassen, und man konnte daher die Umrisse der sich im Zimmer befinb, lichen Personen deutlich sehen.

Heidlof saß in behaglicher Stellung am Sofa, hatte den Kotzs in die Hand gesticht und lauschte offenbar

Broun begrüßte als Vorsitzender die zahlreich erschienenen Mitglieder und hielt einen anschaulichen Vortrag über die Kunstschwärme oder Ableger, dem sich eine anregende Aussprache anschloß. Es wurde einstimmig beschlossen, gegen die Verweigerung des Winterzuckers Einspruch zu erheben und der Vor­sitzende beauftragt, beim Landratsamt in Schlüchtern und beim Ministerium in Berlin Beschwerde zu erheben, auch die Brudervereine zum selben Vor- gehen zu veranlassen. Wegen der anhaltenden Trockenheit honigten die Blumen schlecht. Die Honigernte ist kaum befriedigend.

O Bab Ort. Die Stadtverordneten haben den städtischen Haushaltsplan für 1920 in Einnahme und Ausgabe auf 1984 820 festgesetzt. Er hat sich gegen die Borjahre mehr als v e r d o p p e lt. An Realsteuern werden 300 Prozent erhoben.

O Atülelbuchen, Kr. Hanau. Beim Scheiben­schießen des hiesigen Schützenvereins wurde der als Zeiger fungierende 15 Lahre alte Land- wtrtssohn Ludwig Weiß in dem Augenblicke, als er aus der Deckung heraussah, um an der Scheibe etwas in Ordnung zu bringen, von einem Schützen, der im Anschläge stand und einen Schuß abgab, in den Kopf getroffen. Schwer verletzt wurde der junge Mann in das kackoi-sche Sst'vesternhaus nach Hanau gebracht, in dem er kurz nach seiner Einliefe­rung gestorben ist.

-d- Kassel. Der Handwerkerverband für Kurh ssen und Waldeck hielt am Montag im großen Saale der „Stadt Stockholm" eine Handwerker-Ver­sammlung ab, welcher der Generalsekretär des Nordwestdeutschen Handwerkeibundes Dr. Bogel über die Lage des Handwerks und die Ziele der neuen Handwerkerbewegung unter besonderer Berücksichtigung der Aufgabe der Handwerkerverbände sprach. Leider waren die Einladungen erst kurz vorher ergangen. Doch waren die meisten Innungen, Handwerker und Gewerbevereine des Kammerbezirks vertreten. Reicher Beifall lohnte den Redner, welcher in über Zitündi- gem flotten Vortrag die Organisation, das Wirken und nicht zuletzt den Erfolg des heimischen Ver­bandes schilderte. Wurden doch 4 von ihm borge- schlaaene Handwerker in den neuen Reichstag gewählt, in 14 Tagen hatte derselbe 36000,— Mark Grün- dungSgelder zusammen; und in wenigen Wochen um­faßte die dortige Organisation über 80 000 Meister, sodaß heute nach dreivierteljährigem Bestehen in zäher opfervoller Kleinarbeit eine Schlagkraft erzielt wurde, die das Handwerk an die Spitze des vielfach so lauen bürgerlichen Mittelstandes stellt. Es Kunde beschlossen, die Organisation auch für den hiesigen Bezirk schnell­möglichst auszubauen und neben dem Jahresbeitrag noch Gründungsmittel alsbald flüssig zu macken. Eine im Saale zu diesem Zweck veranstaltete Teller­sammlung ergab etwa 1400.— Mark. Als Vertrauens­mann für Fulda wurde Metzgermeister Franz Kramer gewählt.

Aus Oberhesserr und den Hess. Acmtern.

Mardorf. Vom 2. bis 9. Juli wird wieder in der Kellmark-Kapelle die Oktav des Festes Maria-Heimsuchung gefeiert. Das Fest selbst (2. Juli) fällt auf den Herz-Jelu-Freitag. Darum ist an diesem Tage nur abends 8 Uhr eine Andacht in der Kapelle. An den übrigen Wochen­tagen wird morgens 8 Uhr ein Hochamt gehalten. Von x/s7 Uhr an ist Gelegenheit zum Beichten, wo- bei ein Franziskanerpater Aushilfe leisten wird. Die Gläubigen von Mardorf und den umliegenden katho­lischen "Gemeinden werden zu recht eifrigem Besuch der Kapelle in dieser Festoktav und zum Empfang der heiligen Sakramente daselbst eingeladen.

* Treysa. Lehrer G lintzer in Wasenberg, der kürzlich 70 Jahre alt geworden, geht am 1. Juli nach fast 50jähriger Dienstzeit in "den Ruhestand und verzieht nach Nausis. Er ist durch seine Tätig, keit als Unterverbandsdirektor der Raiffcisenvereine im Kreise Ziegenhein bekannt.

m Marburg. Der Kath. Akademiker-Ausschuß veranstaltet am Donnerstag, den 1. Juli, abends 8V- Uhr im großen Saale "des Physikalischen In- stituts einen öffentlichen Vortragsabend, an dem der bekannte Philosoph und Kölner Univ.-Prof. Max Scheier sprechen wird.

vermischtes.

* Millionen Brandschaden. In Rheine (West- faken) zerstörte Großfeuer das Baumwollager der

ganz versunken her Musik. Die junge Lehrerin aber stand nur wenige Schritte von ihm entfernt und spielte ohne Noten mit hingebender Entrücktheit in Haltung und Bewegung.

Sie spielte »Der TcH und das Mädchen" von Schu­bert. Plötzlich aber brach sie mitten im Stück ab. Ihr Zuhörer hatte eine Handbewegung gemacht und ihr etwas zugerufen.

Gleich darauf setzte sie mit einer heiteren innigen Weise wieder ein, wobei sie mit einer weichen Sopran­stimme die Worte rnitsang.

„Ich hört' ein Bächlein rauschen".....FH wollt',

meine Lieb' ergösse sich" ... und „Ich schnitt es gern tn alle Rinden ein" ... folgten ohne Unterbrechung. Zuletzt kam halb schalkhaft, Wb innig; „Du Ring an meinem Finger, mein golhnes Ringelein" . . .

SDber mitten drin legte Lore Sand die Geige toug wandt- sich rasch ihrem Zuhörer zu und hielt ihm ihre Hand dicht vor die Augen, während ein jubelnder AuS- ruf über ihre Lippen kam, den Dan:eka nicht verstehen konnte.

Desto besser verstand sie den Vorgang selbst. An dieser schlanken, weißen Mädchenhand saß offenbar solch ein goldenes Ringelein, das ihr die Liebe angesteckt hatte . . .

Und Egon nahm diese Hand und küßte sie . . .

Bleich tote der Tod taumelte Daniela durch den nun ganz finsteren Garten zurück.

So weit schon waren sie!

-Zurück zur Stadt," murmelte, sie dem Chauffeur tonlos zu. "

2Benn sie bisher trotz alledem immer noch ein Fiink. äjen Hoffnung besessen hatte — nun war e? verloschen.

Ein namenloser Schmerz durchwühlte ihr Inneres- Daneben Zorn und Haß gegen diejenige, die ihr Egons Liebe geraubt. Kein Strahl von Selbsterkenntnis fiel in die Nacht dieses qualvollen Zustandes. Nicht ein einziges Mal fragte sie sich: Bist Du nicht selbst schuld, wenn seine Liebe erlosch? Was warst Du ihm denn bisher? Brachtest Du je das kleinste Ovfer für ihn? Darbst Du um seine Liebe und Treue?

»Er ist mein Mann und hat mir Liebe geschworen!" dachte sie ttotzig. „Es ist nut mein Recht wenn ich ordere, was er mir einst freiwillig versprach!"

Als Heidlof an diesem Abend heimkam, war Da­niela bereits zu Zeit gegangen. Er aß allein — chlecht bedient, denn Fanny fand es nicht mehr der Rühe wert, sich besonders anzuftrengen, da sie ohnehin

Jayernschen Spinnerei. Der Wert der vernichteten Baumwolle wird auf neun Millionen Mark geschätzt.

* Fleiß der anderen — ein Skreikgrund. 3n Mün­chen haben in einer Lebensmittelfabrik, so berichtet der „Bert. Lok.-Anz.", sämtliche 66 Arbeiterinnen und 12 Arbeiter gestreikt, weil eine Arbeiterin nicht entlassen wurde, die im Akkord mehr leistete als die anderen. Auf deren Dorwürfe, daß sie zu viel arbeite, hatte die fleißige Arbeiterin die Borarbeiterin und Betriebsrätin gefragt, ob das verboten fei, u. dadurch die Betriebsrätin tief gekränkt. Diese bezeichnete die Fragestellerin als De­nunziantin und inszenierte den Streik. Umsonst wurde der Gewerkschaftsfekretär gerufen, um zu erklären, daß kein Streikgrund vorliege, vergeblich ein 14tägiger „Strafurlgub" für die fleißige Arbeiterin vereinbart. Die sozialdemokratisch viel zu gut geschulten Frauen und auch die Männer verlangten die Entlassung der fleißigen Arbeiterin, was mit voller Entschiedenheit verweigert wurde. Am nächsten Tage wurde dann von allen regelrecht gestreikt. Darauf verkündete die Fabriklestung, am Nachmittag werde entlassen, wer die Arbeit nicht wieder aufnehme. Daraufhin sind alle wiedergekommen.

* * Einen außerordentlich hohen Preisstand haben die Lebensmittel auch in Polen, und besonders in der Hauptstadt Warschau erreicht. Ein Beispiel bietet das Brot dar, das 15 M. für das Kilogramm kostet. Hand in Hand damit geht die Finanznot. Steuern sind genug ausgeschrieben, aber sie werden nicht bezahlt. Die Drückebergerei steckt den Polen von der russischen Zeit her im Blute, und sie kann auch nicht durch das ’ tatsächlich stark entwickelte Nationalgefühl befestigt werden. Daß die Hoffnungen auf einen starken finanziellen Beistand durch Frank­reich und England sich nicht erfüllen werden, sehen die Polen icibft schon ein. Dazu kosten auch der Krieg gegen die Bolschewisten ein enormes Stück Geld und ist doch unglücklich.

— Nicht nur zu enge, sondern auch zn weite Schuhe können Blasen und sonstige Wunden an ben Füßen Hervorrufen, besonders wenn Neigung zu Schweißab­sonderung besteht. Letzteres Hebel beseittgt man durch Behandlung des Fußez mit Formalin. Am übrigen lege man soviel Einlegesohlen in die Schuhe, bis sie gut sitzen. tn.

Eingesandt.

Jur Sliefspreisfrcge. Das „Eingesandt" in Nr. 141, Astervermietungen bett., rührt offenbar vor je­mand her, der die Verhältnisse nicht genau kennt. Wenn auch die Preise in einzelnen Fällen allzu hoch scheinen, so sind sie es in Wirklichkeit doch meistens nicht. Ich habe z. B., nachdem mich mein Hausherr um 40 Pro­zent gesteigert, und da ich mit demselben kein Streit haben will, andererseits aber auch finanziell schlecht gestellt bin, von der Not getrieben, auch ein fein ausgestattetes Zim­mer für 40 M monatlich vermietet. Dabei habe ich aber mindestens 20 M Unkosten für Bettwäsche, Kaffee, Licht und Bedienung — wobei die Abnutzung von Bett­zeug, Möbeln und Vorhänge erst noch gar nicht gerechnet sind — dazu oft die Annehmlichkeit, daß viele Mieter bald dieses, bald jenes noch extra beanspruchen. Die mei­sten Vermieter haben abgegeben, „der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe"; sollen sie gar keinen Ver­dienst mehr haben, so behalten sie das Zimmer selbst und die Wohnungsnot wird immer größer. Sobald die Preise für die Wohnungen, Möbel, Hausgeräte aller Art usw. wieder zurückgehen, werden auch die einzelnen Zimmer billiger vermietet werden. y.

Die Aleischpreise. Zu dem Bericht der Fuldaer Zei- tag über die letzte Stadtverordneten-Sitzung, in welcher über die hohen Schlachtviehpreise debattiert wurde, möchte ich als Landwirt zur Aufklärung ein Beispiel anfüh­ren, welches in der Stadtverordneten-Sitzung nicht er­wähnt worden ist, das aber ein Schlaglicht auf die hohen Fleischpreise wirst, an welchen die Landwirte nicht die Schuld haben. Ein Landwirt verkauft ein Kalb von viel­leicht 14 Tagen an den Diehhandelsverband oder den ihm vom Diehhandelsverband zugewiesenen Metzger im Le- bendgewicht von 125 Pfd. Der Landwirt bekommt da­für netto 534 M. Dieses Kalb schlachtet sich auf 75 Pfd. (75X9 -ss = 674 J0. Die Haut, welche auch 9 Pfd. wiegt, bringt 9X13 M — 117 M, zusammen 791 M. Das ist der Erlös des Metzgers aus dem Kalb. Es be­steht mithin zwischen dem Verkaufspreis des Landwirt» und dem Erlös des Metzgers eine Differenz von 257 M. oder jedes Pfund des lebenden Kalbes hat sich mn 2 M, fast um die Hälfte dessen, was der Landwirt bekommt, verteuert. Ist diese Verteueruna durch die hohen Schlacht, viehpreife bedingt oder welche Ursachen sichren dazu? (In dem Erlös des Metzgers stehen steilich auch Schlachtge­bühren, Umsatzsteuer, Abgabe an den Mehhandelsverband ufw. D. Red.) K. B.

gehen sollte — arbeitete bann noch bis Mitternacht cn einem wissenschaftlichen Artikel und sank endlich tot- müde ins Bett, wo er sogleich einschlief.

Auch Daniela schien zu schlafen. Aber ihre Augen waren nur zum Schein geschlossen und ih-r Hirn ar­beitete fieberhaft.

Was sollte sie nun tun? Ihre Mutter noch einmal in§ Vertrauen ziehen, hatte keinen Sinn. Mama toäce ja doch wieder nur für Schweigen und Einlenken ge. wesen, ha Egons Ruhm so stark im Aufblühen war.

Gehen? Tie Scheidung fordern? Nein, so leicht wollte sie es ihnen doch nicht machen.

Vor einer Aussprache mit Egon selbst scheute sie instinktiv zurück. Hätte sie ihm habet doch gestehest müssen, woher sie über seine Beziehungen zu Lore Sand so genau unterrichtet war.

Eines aber blieb ihr nnd das wollte sis Weich morgen tun: zu dieser Person gehen und chr den Standpunkt klar machen!

Ihr gegenüber konnte sie, ohne eine Erklärung zu geben, mit der vollen Wucht ihrer Rechte als legitime Gattin auftreten.

Sie wollte vormittag? hinausfahren. Aber kurz nach dem Frühstück kam ihre Mutter zu Besuch und ver­plauderte sich so lange, daß ez dann zu spät war, diese Absicht noch auszuführen.

Bei Tisch sagte Heidlof: „Ich bitte Dich, heute abend mit dem Essen nicht auf mich zu warten. Ich bin zu der Fürstin Laban geladen und konnte nicht absagen."

Es war dies das einzige Mal, wo das starre Schwei­gen gebrochen wurde.

Daniela nickte nur. Es war ihr nun gleichgültig, daß er zur Fürstin ging, da sein Herz ja doch ander­weitig gebunden war. Sie war sogar froh über diese? Arrangement. So hatte sie nun den ganzen Nachmit­tag ungejtßrt für sich und war sicher, daß er ihr bei Lore nicht in hie Quere kam.

Tas beste aber war, sie brauchte den Besuch nun nicht während feiner Ordination zu machen und konnte ich erst ein paar Stunden ausruhen.

Tenn ihr war wirklich elend. Die schlaflosen Nächte, die beständige Aufregung, in der sie seit Wo. chen lebte, hatten sie ganz heruntergebracht. Ihr Kops glühte beständig und ihr Herz schlug, als wollte es zerspringen. Alle Augenblicke liefen eisige Schauer durch ihren Leib.

^(Fortsetzung jolgt.):