J|o 146»
SamSLag, 2«. Juni 1920,
Fuldaer Heilung
Um Vie neue Regierung!
Bon unserem Berliner politischen Mitarbeiter wird MS über die Ereignisse der letzten Tage geschrieben:
Dir Haben in den letzten Tagen die mühsamen, Tag und Nacht durchgehenden Verhandlungen aufreibendster Natur zu dem Ziele der Schaffung einer t^uert Regierung für daz deutsche Voll mitgemacht, M- was wir bei diesen Verhandlungen erlebt haben,' mar geeignet, auch einen Menschen mit stablharten Nerven zum Verzweifeln zu bringen. Man hätte oft genug wünschen können daß das gonge Doll selbst hätte Zeuge dieser Verhandlungen sein können, um das Exempel selbst zu schen^ was mit diesem Wahlergeb- niffe angerichtet worden 'st. Mit rechter Freude ist bei diesen Verhandlungen weih Gott kein Mensch dabei ge. wesen — schon seit Zähren macht einem ja in Deutschland die Politik und das Arbeiten in ihr keine Freude mehr — und als alter, langjährig in der Politik an ihrer Quelle tätiger straffender Politiker mutz man auz- sprechen, daß die Zweifel ob das Volk zur Selbstregierung reif ist, durch diese jüngsten Vorgänge nicht beseitigt worden sind. Man mutz es auch sagen, daß einem der Parteijammier noch nie so erbarmungswürdig vorgekommen ist, wie jetzt I
Die Versuche zur ^rbinettsbildung offenbarten eine Ziellosigkeit und Planlosigkeit die ihresgleichen sucht. Gewiß war diese Zielunkficherhett eine Folge des Wahl- auSsiches, der einen klauen Volkswillen nicht erkennen ließ. Aber sobald ein fester Zielpunkt zu erkennen war wurde er sofort wieder unterhöhlt durch das Vor. drängen von partei-egoistischen Motiven oft geradezu jämmerlicher Natur. Von den demagogischen Künsten der UnabRingigen wollem wir ganz schweigen. Die Rolle aber welche die Mehrheitssozialisten spielten, war kläglich. Die Sozialdemokratie schalt die Unabhängigen wegen ihres Beiseitesteheils. tut aber selbst nichts anderes. Sie erkannte klar, daß eine Koalition Deutsche Volkspautei-Zentrum-Demokratien not« wendig ist und redete den Demokraten zu wie einem kranken Schimmel, an dieser Koalition teilzunehmen. Aber in demselben Augenblick. als diese Koalition zu- stände kommen sollte, verweigert die Sozialdemokratie derselben Regierung die sie für notwenoig hält, ihr Vertrauen. Diese- Politik der Angst war der Vorteil ter Unabhängigen. Das war um so törichter, als ja die Sozialdemokraten ein unmittelbares Interesse daran hatten, daß der Block der Mitte zustande kam, und ihnen damit die Verantwortung abgenommen würde. Zu einer gewissen Mitverantwortlichkeit ober müssen die Sozialdemokraten als die stärkste Partei sich bereit finden, wenigste!'? dadurch, daß sie der Geschäftsführung des neuen Kabinetts keine Hindernisse machen. Anders ist garnicht zu arbeiten, denn darüber besteht kein Zweifel, daß eine so kompakte Opposition, wie sie links steht, jederzeit Äles zertrümmern kann.
Die Verhandlungen, die innerhalb der Parteien des Blocker der Mitte um die Regierungserklärung geführt wurden, bilden ein eigenes, aber auch hinwiederum kein rühmlickes Kapitel für sich. Es wurde gefeilscht um jede? Wort um jeden Buchstaben. Wegen t i n e § Wortes wurden stundenlange Verhandlungen geführt. Es handelte sich dabei im besonderen um die Formulierung des Bekenntnisses zur republikanischen Staatsform. Zm ursprünglichen Regierungsprogramm. Entwurf ist zum Ausdruck gebracht, daß der Wieder- aufbau aus dem Boden der rcvublikanischen Staats, form zu „fördern" sei. lieber dieses Wörtchen -fördern^ wurden stundenlange Debatten geführt, bis man dann schließlich zur Einigungsfornrel kam, den Ausdruck -in Angriff nehmen" wählte. Solche Beispiele wären noch Dutzende anzuführen. Dann kamen die Per s o. nakfragen die noch nie solche Schwierigkeiten bildeten wie jetzt. Ave Persönlichkeiten, die um Ueber- nahme von Ministerämtern angegangen waren, stellten, soweit sie nicht von vornberci» die Flucht ergriffen, ihre -Bedingungen". Diese waren oft von solcher Art, daß ei<s völlige Aenderung der organischen Grundlage des . gesamten Reichstxrwaltungs-Appara- tes notwendig gewesen wäre.
Die Lage wechselte von Sunde z« Stunde und man erlebte zuweilen ein Schauspiel, das zum Heulen und Zähneknirschen war. Dörweil saß in Doullogme die Gläubiger-Versammlung unserer Grauer. Im Lan- desinnern flammten hier und dort Teuerungsunruhen auf. gefährliche Explosip-Stoffe entwickelten sich in den Industrie-Zentren, und in Berlin kai» keine neue Regierung zustande! Man braucht sich nur einmal vor. zustellen was sich ereignet hätte, wenn in diesen ungemein kritischen Stunden, in denen wir in Berlin auf dem Pulverfasse saßen, nun auch noch Has Zentrum und der neue Reichskanzler Fehrenbvch die Flinten ms »Korn geworfen hätten. Die Radikalen warteten ja nur auf eine solch» Entwicklung der Dinge als auf das Signal, um ihrerseits sich in den Besitz der politischen Macht zu setzen, was ihnen unter den obwaltenden Umständen viefleicht nicht schwer geworden wäre. Nur dem in diesem Falle mäßigenden Einfluß der Unabhängigen welche sich noch nicht stark gemtg hielten, schon loszuschlagen, war e? zuzuschrerban, daß dik'a- torische Vergewaltigung de§ Bürgertums hintangefetzk
Fordernde Liebe.
Roman von Erich Ebenstein, 35] ---------
-Sünde?" Roland Meister richtete sich plötzlich hoch und stolz auf. -Nein! Das ist sie nicht! Sie ist eine Offenbarung des Göttlichen, das beste und höchste^ was ein Mensch überhaupt empfinden kann! Wie dürfen Sie Sünde nennen, was ungewollt kam, ungewollt lebt und keinerlei Unrecht begeht? Wie ein Stern, der plötzlich am Lehenshimmel aufflammt, steht sie über mir, das Dunkel und die Leere meines bisherigen Daseins mit ihrem reinen Licht erleuchtend! Unbegehrt — unerreichbar! Aber fein Licht allein genügt mir ja! Es sind nur unsere Wünsche, die Sünde tragen in reine Gefühle, und Sie wissen sehr wohl, daß ich unfähig tväre, dies je zu tun. Liebe ist nicht an den Besitz der geliebten Person gebunden. Aber das Licht, das sie über unser Leben strömt, ist lebenspendend 'imb not= toenbig geworden, wie das Sonnenlicht jeder armen Kreatur ist. Löschen Sie den Stern, der mir aufge« Bangen ist, aus, und tiefere Nacht, trostlosere Einsam, keit als je werden mich lähmend umgeben. So lähmend, daß kein Wille dagegen auflommen kann! So sicher tödlich, haß kein Sterblicher ihr widerstehen kann. DreZ mußte ich Lshnen sagen, Dera. Wenn Sie nun noch tert Mut haben, um eingebildeter Gewissenskrupel bullen aus meinem Leben zu verschwinden, dann tun Sie eSI"
Wera stand regungslos. Seine Worte hatten sie Mit sortgertssen. Ja, das war Liebe! — Echte, tiefe imb retne Liebe, wie sie sie verstand! Jauchzend antwortete alles in ihr darauf. Was lag daran, daß sic sich nicht einmal durch ein Wort, einen Blick offenbaren ^urfis! Sie machte sie ja beide doch unsäglich reich! Und beiden würde sie als Stern am Himmel ihres Lebens stehen, zu dem sie aufblicken durften in einsamen Stunden ...
Ein seltsamer Glanz lag in ihren blauen Tugen tvic ter Abglanz eines barborgenen Gestirns. \
$>n diese leuchtende Tiefe versank für einen Augen- bstck Rolands Blick. Ta wußie er, wie es um sie stand.
In diesem Augenblick steckte Lou den Kops zur Tür herein.
-Aber um ter Himmels willen, wo bleibt Ihr denn ®UI?* sagte sie lachend. . -Da schickt der Herr den <p- «l aus . .
wurde. Was aber wird kommen, warm der Radikalis. muS, infolge der Uneinigkeit des Bürgertums immer weitere Starikung erfährt? Täuschen wir uns doch ja nicht über den Ernst der Lage. Dle Zukunst steht dun. fei vor uns. Im Innern gärt und brodelt es trotz aller Beschwichtigungen, denen man so vielfach begegnet. In Spaa wird man neue drückende Lasten und Pflichten uns auferlegen. Wir werden einen Leidensgang tun müssen, der vielleicht zu Deutschlands Grabe führt. Ist eS da zu begreifen, daß man sich in den Partei. Schmollwinkel zurückzieht, daß alle Versuche zur Rettung aus dem Sumpfe mit vorgefaßten Partei-Lehrmeinungen fabvttiert werten! Kanu man es über- Haupt noch jemanden verdenken daß er mit allen politischen Drngen überhaupt nichts nte6r zu tun haben will, wenn sich keine Männer mehr finden lassen, die die Last der Verantwortung auf sich zu nehmen bereit sind.
Gerade in der jetzigen Zeit brauchten wir Männer und brauchten wir Führer! Statt dessen ekelt man alle Persönlichkeiten, die einen verantwortlichen Posten übernommen haben, durch kleinlich- Kritikasterei, diesem unseligen Beiwerk jedes Deutschen, der sich „politisch" aufführen zu können glaubt, von seiner Stelle weg und man verjagt alle diejenigen, welche Bereit wären, ihre Sonderinteressen denen der Allc-e. meinheit unterzuordnen. Das muß einmal ganz klar und deutlich ohne urmngebrachte Rücksichtnahme ausgesprochen werden. Soll es denn wirklich dahin kom. men, daß diejenigen Recht haben, die da sagen, über das deutsche! Volk feisn noch nickst genug der - 'o Leiden gekommen!
Wir möchten e$ immer und immer wieder, tote schon so oft an dieser Stelle ausgesprochen, dem Volke zurufen, daß toir jetzt alle samt in einer großen Schicksalsgenveinschioft verbunden sind^ die uns dazu nötigt, in treuer Arbeitsgemeinschaft nichts anderem und niemand anderem zu dienen, als dem Wohle unseres schwergeprüften Volkes und unseres geüiebtsn Vaterlandes!
Deutsche Kriegsgefangene in Frankreich.
Ein ganzes Jahr ist nunmehr feit der Unterzeichnung des Friedensvertrages vergangen. Aber noch immer schmachten Hunderte von deutschen Kriegsgefangenen in französischer Gefangenschaft. Nach dem Waffenstillstand mußten alle französischen Kriegsgefan- denen, agch solche, die wegen gemeiner Verbrechen zu hohen Strafen verurteilt worden waren, ausgeliefert werden. Frankreich aber hat bei der allgemeinen Auslieferung nicht nur die etwa 20 deutschen Kriegsgefangenen zurückbehalten, die sich Verbrechen schuldig gemacht hatten, sondern auch solche, denen nur Ser» gegen gegen die Disziplin und die Lagergesetze nachgewiesen worden waren. Die Angaben über die Zahl der Zurückgehaltenen schwanken zwischen 500 und 800. Allein im Zentralzuchthaus in Avignon befinden sich 421 Deutsche. Ihr Los ist verzweifelt: Bei härtester Zirongsarbeit, mißhandelt und non Hunger ge» quält sind sie moralisch gebrochen. Unterkunft, Ser» pflegung und Behandlung sind unter aller Menschenwürde, als ob es die französischen Wächter darauf abgesehen hätten, chre Opfer nach Möglichkeit zu quälen. Briefe und Pakete waren Monate hindurch gefpent. Aussicht auf Erlösung sehen die Unglücklichen nicht, die sich von der Heimat vergessen glauben. Die hohe Zahl ton Fluchtversuchen unter Verhältnissen, wo Flucht dem Selbstmord gleichkommt, zeigt am besten die Gemütsverfassung dieser Verzweifelten. Bei fast allen Zurückgehaltenen handest es sich nur um g a n z le i cht e Vergehen, Vergchen, die die Gefangenenexiftenz ost im (Befolge hat, wie Mundraub und Sachbeschädi» gung in Verbindung mit Fluchtversuchen, falls die Unglücklichen nicht überhaupt Opfer des französischen Hasses, falscher Anklage, meineidiger Zeugen ober fehlender Äereidigungsmöglichkeiten geworden sind.
Frankreich befleckt feinen Namen, indem es den Krieg gegen Einzelm über den Frieden hinaus ver» längert. Es gebe die Zurückgehaltenen frei, die als pflichtgetreue Verteidiger ihres Vaterlandes in feine Hände gefallen sind, und die nur aus Not ober Verzweiflung gegen die Gesetze der Ordnung verstoßen haben. Wir appellieren an bas Ehrgefühl der französischen Nation, der französischen Regierung und an bas Urteil der Welt.
Äu§ dem Nachbargebiet.
— Mernes (Str. Gelnhausen). Bei Betrachtung der heutigen Well kommt es uns oft vor, als hätte man den blutigen Krieg und all feine furchtbaren Opfer vergessen. 3n unfeim stillen Spessartdörfchen Mernes ist das sicher
-Verzeih, mein Süßes, Kleines/" Roland nahm sie zärtlich wie sonst in die Arme, -es ist wirklich abscheu» lich, daß wir Dich einen Augenblick vergaßen. Aber nun gehöre« wir wieder ganz Dir! Du hast wohl schon wieder Hunger?"
-Schrecklich, Rolly!"
-Dann komm rasch, Liebling!" Ohne Wcra auzu. sehen, verließ er mit seiner Frau das Zimmer. Dera folgte beiden laugfam nach. Sie war noch immer tote betäubt. Lous Erscheinen hatte von neuem 'Zweifel und Gewissensbisse in ihr geweckt.
Sie war so ahnungslos! Und würde es denn über» Baupf gehen, daß sie nach wie vor die Dritte hier im Bunde blieb, ohne daß je wieder Augenblicke kamen hre der eben durchlebte?
-Meiner selbst bin ich sicher," dachte sie beklommen. -Aber — er?"
Allmählich erst wurde sie ruhiger. Lou erzählte Roland^ mit großer Wichtigkeit alles Hübsche, das man ihr Beute gesagt, uttb er hörte genau mit bei gleiche« liebevollen Aufmerksamkeit zu wie sonst. Er brachte ihr nach Tisch Kissen, damit sie bequemer sitze, er streichelte zuweilen ihr Händchen und feine Spur' bett Ge. zwungenheit war in der sorgenden Liebe, mit ter er sie umgab. Wenn sein Blick Wera begegnete ober er das Wort an sie richtete, leuchtete nichts aus seinen Augen, als die sanfte ruhige Freundlichkeit, mit ter er ihr bisher immer begegnet war.
Da atmete sie befreit auf.
Nein, Lou würde nichts entbehren. Und sie fekbst wollte die Freundin nun doppelt lieben.
Als sie sich kurz nach Tisch anschickte, nach Hause zu gehen, fiel ihr Lou plötzlich stürmifch um den Hals: -Du, eben fällt mir ein, daß Du heute davon sprachst, zu Ostern verreisen zu 'wollen — willst Du uns daS wirklich antun, böse Wera? Was wollen wir denn an. fangen ohne Dich? Rolly, Du mußt mir helfen — wir lassen sie einfach nicht fort, ehe sie verspricht, den Gedanken auszugcben!"
Sie stellte sich mit verschränkten Armen vor die Tür. Aber zum erstenmal schien ihr Gatte nicht der. selben Meinung zu sein. Sonst schob er Lou beiseite.
»Du darfst nicht egoistisch setn und feinen Druck auf unsere Freundin auSüben," sagte er ernst. -Sie hat uns schon so viele Opfer gebracht, und wenn es ihr Wunsch ist, mm zu reisen — "
-Nein, ich reife nicht," unterbrach ihn Wcra ruhig. -Ez war nur so ein Einfall . . . gute Nacht, Herzchen.
nicht der Fall. Das beweist der oergangene Sonntag. Unter Anteilnahme der ganzen Gemeinde und vieler her. beigeeilten Bewohner der Nachbarorte fand die feierliche Weihe des von den Angehörigen uns freunden der Gefallenen und Vermißten aus der Gemeinde Mernes errichteten Kriegerdenkmals statt. Geschlossen nahmen die Krieg eroereine mit ihren Fahnen von Obern» darf, Burgjoß, Marjoß und Pfaffenhaufen ' teil. Dor dem Eingang« der Kirche erhebt sich aus Rot« fandstein-Sockel die lebensgroße Statue des Heilandes, entern fttrbenten Krieger die Hand reichend. Milde ruht fein Blick auf dem sterbe »den Solhater und senkt Sicherheit in das brechende Herz. Sein Mund öffnet sich: -Komm' du guter und getreuer Knecht'." Den trauernden Angehörigen aber spendet der Heiland Trost, Ruhe und Hoffnung: „Sch bin die Auferstehung und das Leben!" Der sterbende Krieget zu Füßen des Heilandes greift mit zitternder Hand nach feinem von der Kugel getroffenen Herzen; schwer fällt ihm der Abschied von der Erde. Sein klagender Mund scheint zu rufen noch Batet und Mutter, spricht zum letztenmole aus den Namen der treuen Gattin, lispelt noch einmal den Namen des Kindes, dos er in seiner Votersorge dem Himmelsvatet empfiehlt: „Herr, dein Wille gescheh'!" Sein brechendes Auge blickt empor, zu feinem Heiland, an den er im Leben geglaubt und der ihm im Tode mche. Dos wollt« der Künstler (Fleck-Fulda), des« fn Meisterhand dem toten Stein Sinn und Leben gegeben, in die Gestalten des Heilandes und des Kriegers hinein« legen. Sm Sockel des Steines stehen eingegraben die Namen der Helden, die im Kampfe für das Vaterland gefallen sind: 24 an ter Zahl. Dann lesen wir noch die Namen der 5 Vermißten, von deren Derbleib bis heute noch keine Nachricht eingetrvffen ist. Fürwahr eine erschreckende Zahl für das kleine nur 620 Seelen zählende Dorf! Sn feinen Worten, die die Enthüllung vorbereiteten, wies Herr Lehret Becker hin auf die Leiden des Kriegers, auf den Schmerz der Angehörigen, die nun hier in treuer Liebe und Dankbarkeit em Zeichen ter (Erinnerung und eine Stätte des Gebetes für die Toten, die Blut und Leden für uns gaben, schufen. Shr sollte die Nachwelt nicht vergessen, wenn sie zur Kirche schreitet. Alle sollen ausgesordert werden, am Aufbau des Vaterlandes mitzuhelfen, für das die Helden ihr Leben lassen muhten. Den Prolog sprach Ftl. Anna D e s ch und gab der Liebe der Angehörigen zu ihren Gefallenen beredten Ausdruck und legte den ersten Kranz am enthüllten Denkmal nieder. Sm Namen der Gemeinte legte Herr Bürgermeister K ö- n i g einen Kronz nieder. Die Weiherede hielt Herr Pater Leopold aus dem Kloster Salmünster, der selbst als Feldgeistlicher tätig gewesen war. Sn der Einleitung seiner Rede feierte er den Opfersinn aller derer, die dieses Werk so groß für das kleine Bergdorf zustande gebracht haben, obwohl sich so manche Schwierigkeiten in den Weg gestellt hotten. Sein Appell an ovferfreudiqe Seelen, die letzten Schulden tilgen zu helfen, blieb, wie sich am Schluß der Feier zeigte, nicht umsonst. Er legte in seiner Rede den Sinn des Denkmals aus, den der Künstler in sein Werk gelegt hat. Die kirchliche Weihe erteilte dem Denkmal der OrtsgeisUiche Herr Lokalkoplan D r i s s e L Zum erstenmal stiegen vor dem Denkmal die Gebete für die gefallenen Kameraden zum Himmel auf. Noch vollzogener Weih« ging di« versammelte Menge in die Kirche, wo die Feier ihren Abschluß fand in der Erteilung des sakramentalen Segens. Große Anerkennung gebührt allen denen, di« die Mittel für dieses Denkmal zum Teil unter großen Opfern zusammen brachten. Dank denen, die entschlossen und mutig das Werk zu Ende führten, sodaß Mernes als erstes Dorf im Sossogrund seinen toten Helten ein herrliches Denkmal gesetzt hat. Dank gebührt der Gemeinde, die bereitwilligst den Platz vor der Kirche zur Beifügung stellte, sodaß all«, die zur Kirche gehen, erinnert werden müssen an diejenigen, die dos Leben für sie gaben. Shren Dank sprachen die Angehörigen aus den Sungfrauen der Gemeinde und allen denen, die sich Bemüht haben, dos Denkmals und die Umgebung desselben in würdigster Weise hu schmücken. Dank den Mitgliedern des Gesangvereins »Edelweiß", die mitten in der größten Erntearbeit noch Zest fanden,, die herrlichen Chöre einzuüben und in erhebender Weise zum Vortrag zu bringen'. Vor allem das Lied: Shr, die im Kampfe für dos Vaterhaus gabt hin bas 2eben. Dank den beiden Rednern,, deren Worte auf- bewahrt bleiben sollen in den Herzen der Angehörigen und Freunden her Gefallenen. Möge dieses Denkmal ein Crinnerngszeichen sein, sodaß alle, die vorübergehen zur Stätte des Opfers und Gebets, auf gerufen werden, der 29 Opfer, di« der Krieg in unserer Gemeind« gehabt hat, zu gedenken.
wo. Frankfurt a. M. Zur rationellen Vcrwer- tung ihrer Abfallprodukte richtete die Fra nk» furter Gasgesellschaft eineFabrikzurHerstel- lung von Bausteinen nach dem bekannten Körnersteinverfahren des Baudirektors Fried in Barmen ein. Die Produktion ist unter einem viel geringeren Kohlenanfwanb wie bei Ziegelsteinen möglich. Die Steine sind leicht und besitzen ein gewisses Wärmehaltungsvermoacn. Gegenwärtig produziert, die Fabrik täglich 10000 Steine. Man er- achtet in Fachkreisen die Steine erstklassigem Baumaterial gleichwertig.
G«Y bald zu Bett, Du siehst ganz abgespannt au?'" Ste nahm Lous Lockcnköpschen zwischen ihre Bei.ben Hände und küßte die weihe Stirn . . .
Daun ging sie.
D<chcim war ibr erster Weg zum Vater in dessen Kabinett. . Der Hofrat saß wie gewöhnlich allein, rauchte seine Zigarre und las gerade einen Aussatz fernes Schwiegersohnes Heidlof. der einen klinischen Beridjt über dessen aufsehenmachente Operation enthielt.
Er war sehr stolz auf ihn. „Sin Teufelsjunoe der Egon!" sagte er, Wera vergnügt zunickend, als sie'ein- trat. „Wagt sich ba frischweg bran. wo wir Alten fetnergeit nicht mal ben Mut gehabt haben an so ettnaS au denken! Ich erinnere mich noch gut. daß wir fei- nerzett, ots ich mein Spitalsjahr als neugebackener Doktor machte, einen ähnlichen Fall auf der Klinik hat- ton. Die Frau ist uns damals elend hingestorben, ohne daß jemand an Operieren auch nur zu denken toagie. Na Bibra und Hellmann können froh fein baf; Egon gerade sie als Assistenten zur Operation bei- sog! Di« haben wos gelernt dabei! Daniela kann stolz fein auf ihren Mann ..."
Plötzlich bemerkte er, baß Wera ihm gar nicht zuhörte.
„Nanu?" unterbrach er sich, sie verbüßt ansehend. „Das ist denn mit Dir los, Eichhörnchen? Du siehst ja ganz merkwürdig mis . . . ist was Neues passiert?"
.Ja Papa." Wera sank neben ihm in bi« Knie imb lehnte ihren Kopf an seine Brust. „Du allein von allen Menschen außer ihm unb mix sollst e5 wissen."
"Und ich k a n n ihn nun nicht verlassen," schloß sie weich. „Ich fühle, baß er nicht die Kraft hätte, diesen Schlag zu verwinden ... daß seine ÄhaffenS- kraft, seine Ruhe, daz bißchen Glück ihm ein« feste Stütze verleiht."
Stumm streichelte Halmeuschlag ihr blondes Haar- Endlich sagte er tief auffeufzend: „Gott schütze Dich mein armes Eichhörnchen! Ich hätte Dir int Leben tooljt ein anderes Glück gewünscht, als hungernd mit feeren Händen vor verschlossenen Türen zu stehen! Aber wenn -Z Dein Wille ist — ich weiß: an Kraft dazu wird eZ Dir nie fehlen!"
„Nein Papa. Und auch ihm nicht, darauf kannst Du Dich verlassen 1
Druck der Fuldaer Aetieudrrrctorel in Frrl-o
MMrie, SMmsNM AM!
Set la Staat a. MS SM!!
Vier Wochen stehen wir vor der Ernte. Di, heimischcnBrotgetreidcvorrätcffud fast aufgebraucht Nnr durch Zuschüsse der Rrichs-Geircidestelle kann die Brotvcrsorgung mit Mühe und Not aus recht erhalten werden. Die Reichsgetreidestette ist einzig und allein auf Zuschüsse vom Ausland angewiesen. WaS sie vom Anöland erhalt, führt fit den Kommunalverbände» zu. Wir sind gezwungen, Slreckungsmtttcl wie Gerstcmnchl, Maismehl, Kar- loffrlmchl, in größere» Mengen zu nehmen, um mit Hilfe dieser die Brotvrrsorgnug der Bevötkeruve überhaupt zu ermöglichen. Das Brot vertiert durch die starken Beimengungen an (Sitte und (Sefchrnack: es ist schwer verdaulich und kann von manchen Kranke» überhaupt nicht gegessen werden. Der Landwirt dagegen hat heute uoch im allgemeinen ein schmackhaftes Brot; deshalb wende ich mich au alle Selbstversorger mit der dringende» Bitte, ihrerseits von ihren Mehl- und Getreidcbestandcn an die Ortsbürgermrtster abzugeben. Für diese freiwillig abgegebene Menge soll allen Landivirtcu, die sich an diesem christlichen LiebeSwere beteiligen, eine ebenso große Menge Streckuugsmittrl verabfolgt werden.
MMrLanWrlk, MsoM UMnt!
Ihr Int ein gutes Werk und nehmt tätigen Anteil au dem Bestreben, einen verföhuendcn Ausgleich zwischen Stadt und Land zu schaffen.
Fulda, de» 24. Juni 1920.
Der Landrrtt:
Fry. v. Doernberg.
Dermitotes.
* Feuergefährlicher Kleiderstoff. Aus Halber- st a b t wirb gemeldet: Während eines Wendkonzerts nn Stabtpark sahen die Besucher unter ben promenierenden Personen plötzlich eine in hellen Flammen auf» lodernde Frauengestalt. Einige Herren stürzten sich aus die Schreiende, warfen sie zu Boden unb erstickten die Flammen mit Hilfe von Tischtüchern. Die mit Löblichen Brandwunden bebeckte Dame wurde ins Krankenhaus gebracht. Eine sofort angestellte Untersuchung ergab, baß von ben neuerbings in ben Handel gebrachten schwedischen Streichhölzern ein Köpfchen abge- sprungen und auf bas Kleid gefallen war. Dieses bestand aus Kunstseide, die jedoch mit einem stark zellulosehaltigen Stoff gemengt gewesen sein muß, da bas Kleid in einer Sekunde unter Zischen in einer drei Meier hohen Flamme verbrannte unb auch keine Asche hinterließ. Die Staatsanwaltschaft ist jetzt bamil beschäftigt, Herkunft und Zujammenfttzung des Kleiderstoffes zu ermitteln.
* Berlin — die größte Stabt der Welt. In dem Gesetzentwurf für die Einheitsgemeinde Groß-Berlin war bie Fläche ber neuen Stabigemeinbe mit 756 Ouabratkilometer angegeben. Nachdem bie preußische Lanbesversammlung sowohl im Osten wie im Westen die umfangreichen Wälder des Zweckverbandes in das neue Berlin einbezogen hat, ist jetzt ber Flächeninhalt der Einheitsgemcinde auf nicht weniger als 877,66 Ouabratkilometer festgestellt worben. Damit steht das neue Berlin an ber Spitze aller Hauptstädte ber Erbe. Zum Vergleich sei angeführt, daß Newyork 840 Quadratkilometer umfaßt. Erst in weitem Abstand dahinter liegen Paris mit 480, London mit 303 und Wien mit 275 Quadratkilometer.
* Ter erste Friebcns-Expreßzug Paris-Wien hat Montag die subdeutschen Staaten durchfahren. Er wirb auf Grund des Friedensvertrages und auf Verlangen ber Entente gefahren. Er hat mit 22 Rcisenben, nur Franzosen unb Belgiern Poris verlassen und von Stuttgart bis München nur eine» einzigen brutschen Mitreisenden gehabt.
19.
Danielas Erregung war ins Maßlose gestiegen. Was ihr durch Isoldes Tazwischcnkommeri unmöglich gemacht toorden war — ihrem Mann heimlich zu fol- k?en —, das führte sie am nächsten Tag au5.
Sie wußte: für heut« war Heidlof zur Fürstin Laban geladen, too tiefe über ihre Zukunft — unb damit auch über bie seine — beraten wollte.
Fast die ganze Nacht haikre Daniela wach gelegen und hatte überlegt. Sollte sie ihm bei diesem Besuch, dessen Ziel und Zweck sie ja kannte. Überhaupt folgen otcr nicht? Eigentlich war es Überflüssig und würde chr nur Qual bereiten . . . ba§ Resultat würde sie ja bald genug aus feinem Benehmen erfahren. Wen» es der Fürstin gelang, ihn zu Überreden, daß er hier alles aufgebe und fein Leben an das ihre knüpfe mußte ter Bruch bald erfolgen.
Egon tourte dann gctoiß schon in den nächsten Tagen einen Streit vom 'Zaun brechen und daz Wort Scheidung auSsprechen.
ES toar also im Grunde zwecklos, ihm heute zu •eigen, bloß um ihn im Palais der Fürsttn Verschivi». den zu sehen.
Und doch — jedesmal, tocnn Daniela bis z» die- ent. Schluß gekommen toat, meldete sich eine Stimme in ihr, tie dagegen sprach.
War cS denn ganz gewiß, daß er auf die Vorschläge «r Fürstin einging? Er liebte doch immerhin seinen Beruf und stand gerade jetzt an der' Schwelle des Ruhmes. Vielleicht überwog ter Ehrgeiz doch Eitel- kett und Liebe?
Und dann: e5 dünkte Daniela unmöglich, untätig baljcim zu sitzen, während dort in dem Palais an der Landstraße über ihr Schicksal entschieden wurde.
Auch eine leise Hoffnung meldete sich: Viefleicht gmg er nur hin, um abzusagen, weil doch noch ein Fünfen Gewissen unb Mitleid für fein Weib in ihm lebte? Welch« Seligkeit wäre cs, mit eigenen Augen ?>u sthen, daß er schon wenige Minuten später das Palais wieder verließe . . . bann wäre ja alle» gut — bann könnte sie wieder hoffen . . .
Tie Vorstellung dieser Möglichkeit bewirkte, daß Daniela dann in der Tat schon eine Viertelstunde vor 4 Uhr in einem geschlossenen Mietauto, dessen Eherni- feur genaue Instruktionen erhalten hatte, an der nach- sie» Straßenecke auf das Erscheinen ihres Mannes luarlefe .(Fortsetzung folgt.).