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'ßerantrosulich für den rebatlioncllen Teil: Carl Schütte, für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. “ Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernfprecher Nr. Ü. Tclegr.-Adrest'e: Fuldaer Zeitung

Samstag, 26. Zum 1920.

Bezugspreis: Monatlich 2,00 M. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 2,10 2Hf. Anzeigenpreis: DieKleinzeile (Colonelmaß) 50 JJig„ u. 10“;o Zuschlag, die Reklame zelle (lertbreiie) 1:50 Alk., u. 10“/, Zuschlag. -Bei Wiederhol. Rabatt.

47. Zahrg

Endlich.

Dfe neue druksche Regierung.

Die Verhandlungen über die Bildung einer Äoali- t'onsrcgterung sind endlich zu einem Abschluß gekom­men. Der Reichspräsident hat aus Vorschlag des Reichskanzlers Fehrenbach folgende Minister Ernannt:

Vizekanzler und Reichsjustizminister: Abg. Or. fi e i n s e (D. Vp);

Reichsminister des Auswärtigen: Geh. Leg.-Rat Dr. S i m o n s;

Reichsminifter des Innern: Abg. Dr. Kach (Sm.);

Rcichsfinanzminister: Abg. Dr. Wirth (Ztr.);

Reichsernährunasminister: Dr. Hermes (Ztr.);

Reichspostminister: Abg. Giesberts (Ztr.);

Rcichsverkehrsminister: General Gröner;

Reichswchrminister: Abg. Dr. G e ß l e r (Dem.);

Reichswirtschaftsminister: Oberbürgermeister Dr. Sckolz (D. Vp.);

Reichsschatzminister: Abg. Dr. v. Raumer

(D. Vp.)

Die Besetzung des W i e d s r a u f b a u m i n i - fteriums wird noch vorbehalten, es wird erwogen, die­ses Ministeriums der Bayerischen Volkspartei anzu­bieten. Das R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r i u m ist wie schon gemeldet, dem Abg. Brauns (Ztr.), dem Direktor des „Volksvcreins für das katholische Deutschland" in M.-Gladbach angetragen. Seine Zu- .sage steht noch aus, da ihm der für die Uebernahme des Amtes erforderliche geistliche Dispens noch fehlt.

Das neue Kabinett tritt am heutigen Samstag zu feiner ersten Sitzung zusammen und wird sich am Montag dem Reichstag vorstellen.

Zur Ueberwindung der Schwierigkeiten, die durch die Haltung der Sozialdemokraten entstanden find, glaubt man eine Lösung gefunden zu haben, auf die beide Teile, ohne ihren Standpunkt zu ändern, ein- gehen können. Man will nämlich keinen Antrag auf ein Vertrauensvotum stellen, sondern will ab­warten, ob die radikale Linke einen Mißtrauensantrag stellt. Der würde dann mit großer Mehrhesi a b g e- 'phnt werden.

dafür will man fteundlichst eine Vermehrung der Schutzmannschaft um 70 000 Mann bewilligen. Es sollen also außer den 100 000 Mann der Reichswehr sämtliche Mannschaften der Sicherheirswehr entlassen werden, und was dadurch an Möglichkeiten, die Ruhe und Ordnung in Deutschland aufrechtzuerhalten, be­seitigt wird, sollen 70 000 Schutzleute ersetzen.

Alle Welk mühte wiflen, daß es ein haarsträu­bender Unsinn ist, dem ohnmächtigen Deutschland die Vorbereitung eines neuen Krieges zuzutrauen. Und obendrein müßten sich alle darüber klar sein, daß die plötzliche Entlastung von ICO 000 Wchrleuten die schwersten wirtschaftlichen Folgen hat, da ge­rade bei der gegenwärtigen Geschästskrisis die Be­schaffung von Erwerbstätigkeit sehr schwierig und zum Teil unmöglich ist.

Diese handgreiflichen Wahrheiten prallen freilich ab bei den Franzosen, die eine Höllenangst vor der Ge­nesung des niedergeworfenen Nachbarn haben und also vor jeder deutschen Helmspitze zittern. Aber die Engländer und Italiener müßten doch einsehen, daß Deutschland nur zu seiner Selbsterhaltung die Ordnungstruppe braucht, und daß sie zu ihrem eige­nen Schaden handeln durch Schutzlosmachung des deutschen Wirtschaftslebens.

Zu der erforderlichen Aufklärung ist zweifellos das letzte Mittel die mündliche Aussprache unter den Vertretern der beteiligten Länder. Darum haben wir uns auf die Konferenz von S p a a gefreut. Aber nun will man den lehrreichen Meinungsaustausch wieder einschränken. In der Entwaffnungsfrage soll eine vol­lendete Tatsache geschafft werden, e h e die Besprechung in Spaa beginnt.

Die neue deutsche Regierung hat eine sehr schwere Aufgabe von entscheidender Bedeutung vor sich, wenn sie die rücksichtslosen Ansprüche der Entente in Ein­klang bringen muß mit den Lebensbedingungen der deutschen Nation.

Die Konferenz in Spaa - 5. Juli.

wtb Berlin, 25. Juni. Der englische Geschäftsträ­ger erklärte im Auswärtigen Amt, er fei beauftragt worden, mitzuteilen, daß die Konferenz in Spaa am 5. Juli statrfinden werde.

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Rückirittsabstcht Getzlers?

Die „Dossische Zeitung" meldet, daß der Reichs« kvehrminister Dr. Geßler bei der erneuten lieber« nähme seines Amtes dem Reichskanzler mitgeteilt habx, er würde sich außerstande fühlen, die Geschäfte seines RefsortS fortzuführen, wenn die Entente auf der Herabsetzung der Reichswehr auf 100000 Mann bestehen sollte. Tie Folge der Noten sei nun, daß Herr Geßler Freitag vormittag dem Reichs­kanzler Fehrenbach feine Demistion angeboten Hobe, rollte diese Meldung der Vossischen Zeitung zu- tteffen, so kann schon jetzt festgestellt werden, ' daß eine etwaige Demission in keiner Weise auf inner« politische Gründe zurückzuführen sei, sondern daß sie allein durch außenpolitische Momente herbeigeführt fein würde.

Wie von zuständiger Stelle ntitgeteilt wird, sieht Minister Geßler die durch die neuen Ententenoien geschaffene Sage als außerordentlich ernst an. Von seinem Rücktrittsgesuch ist jedoch amtlich nichts bekannt.

Die Entwaffnungs-Noten.

Im ganzen sind drei Noten dem Vorsitzenden der deutschen Friedensdelegcttion in der Frage der Ent­waffnung von den alliierten Regierungen zugegattgen.

Die erste erhebt endgültig die Forderung, daß die Reichswehr (bis zum 10. Juli?) von 200 000 Mann 2.»f 100 000 Mann herabgesetzt werde, gerner soll die S i ch e r h e i t s w e h r in den näch­sten drei Monaten aufgelöst und durch eine von 92 000 aus 150 000 Mann verstärkte Orts Polizei ersetzt werden. Die Bewaffnung der Ortspolizei soll von den alliierten Regierungen vorgeschrieben werden, ferner fordern die Alliierten, daß die tatsächlich schon eriolgte Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht auch durch Gesetz feft gefegt werde. Außerdem werden gesetz- >!che Maßnahmen gegen die Ausfuhr von Kriegsma- ferial und wirksame. Maßnahmen gegen die Ausfuhr ”0,t Kriegsmaterial und Maßnahmen zur Auflösung «er Einwohnerwehren verlangt. Die zweite Note gibt insbesondere Einzelheiten über den Ersatz der Sicher- veitspolizei durch die 150 000 Mann Ordnungspolizei. P16 dritte Note erklärt, daß die Anfertigung von Luft- sahrmaterial in Deutschland, die an sich am 10.

wieder hatte beginnen können, erst 3 Monate nach vollständiger Durchführung der Auslieferungspflicht wieder auf genommen werden dürfe.

Es ist unser Verhängnis, daß man im „siegreichen"' J:ielanbc die Verhältnisse in Deutschland immer noch verkennt. All die amtlichen Gäste und nichtamtlichen ^"vdschaftcr. deren Zahl Legionen ist, bleiben an der -rerfläche des deutschen Volkslebens haften. Sie ur- nach dem, was sie in ihren „feinen" Gasthäusern jenen und erleben: sie greifen auch gierig auf, was „gelegentlich non einem wortreichen Offizier ober itoticn Renommisten hören. Und vor allem fchlachten 10 Sern die Angriffe ans, die von den Linksradikalen (fegen den angeblich fortbestehenden „Militarismus" ge« föntet werden. In die Not des Volkslebens, in die Morgen der Familienväter, in die wirtschaftliche Be- -ungnis und die dadurch gestärkten Triebkräfte der wfturzbestrebungen bringen sie nicht ein.

f,, ^enn die Berichterstattung über die deutschen Zu- nicht so oberflächlich und vielfach tendenziös ‘Gre, müßte längst alle Well zu der Erkemiiliis ge- ^-nten fein, daß eine Reichswehr von 100 (ioO -^ann zur Sicherung der schwer gefährdete!!

e d n u n g in1 Deutschland nicht ausreicht. Bisher j,.Qr man Ziemlich allgemein der Meinung, daß e Entente wenigstens bereit sei, die S i ch e r h e i t s - . ~ 9 r R. ihrem gegenwärtigen Umfange bestehen zu ® J.en-._ oie hat sich wiederholt als eine sehr brauchbare erwiesen, und man muß schon an krank- .-er Revanchefurcht leiben, um in ihr ein Kricgs- . irument zu sehen. Aber auch die Sicherheitswehr innerhalb dreier Monate aufgelöst werden, und

Die Kundgebungen gegen

Teuerung und Wucher.

In einer Reihe von Städten ist es zu Kund­gebungen gegen die Verteuerung der Lebensmittel gekommen. In Württemberg wie auch in Rhein­land und Westfalen sind Verkaufsstände und Läden geplündert und die Verkäufer mißhandelt worden, ;um Teil hat sich die Wut der Massen auch gegen die Stadtverwaltungen gerichtet und zu schweren, aufruhrartigen Au s schrei tu n g en geführt, die mit Waffengewalt niedergeschlagen werden mußten und eine Anzahl blutiger Opfer gefordert haben. Anderseits erheben einige städtische Behörden, wie beispielsweise der Magistrat von Berlin, bei der Re­gierung gegen die Verteuerung der landwirischaft- lichen Erzeugnisse Einspruch. Tie Krawalle sind gewiß unerfreulich, aber bte Erregung der Massen wird dadurch noch genährt, baß trotz sinkender Kon­junktur, die mancherorts schon vielfach in Verkürzun­gen der Arbeitszeit und Arbeiterentlassung zum Ausdruck kommt, die Preise für die wichtigsten Lebensmittel ihre Höhe behalten, eine Ent­wicklung, die jedoch weniger den Schleichhändlern zur Last füllt, sondern die hauptsächlich in der erst viel zu spät berichtigten, lange Zeir grundsätzlich falschen Preispolitik der Zwangswirtschaft ihre Ursache hat. Das schließt natürttch nicht aus, daß Erzeugern und Händlern, d:e es auf eine Bewucherung der Verbraucher absehen, das Handwerk gründlichst ge­fegt werden muß.

5'n D r e rn e n nahnten die SebensmilteHratoaHe in den späteren Nuchmitiagssnmden in einigen Vororten einen gewaltigen Umfang an. Ez kam verschiedentlich zu schweren Ausschreitungen gegen die Sicherheits- mannschcckten. Nach Schluß der Arbeitsstunden setzten in bei: Vororten regelrechte Pliinderungen ein. Auch in Delmenborst kam es zu Plünderungen von Lüden., In Oldenburg zog eine nach Tausenden zülche.nde iVtenge truppweise durch die Geschäfte und stellte an die Geschäftsinhaber die Forderung, die Preise um ein Drittel herabzusetzen. Sollte bis mor­gen keine Herabsetzung erfolgt sein, so soll in den Be­trieben die Arbeit niedergelegt werden.

In Mainz bat am Freitag dir Teuerung für Obst und Gemiile auf dem Wochenmarkt zu stürnrischen Auftritten geführt. In aller Frühe kamen die Ber- brmiwer und Arbeiter in großen Scharen auf den Markt und setzten die Preise selbständig herab. Tas Pfund Kirschen wurde zu 60 Pfg. bis 1 Mark abge­geben. Erdbeeren zu 1 bis 3 Mark usw. Wo die Händler sich zur Wehr setzten, wurden die Körbe mit Gewalt geleert und verkauft, teilweise auch erhebliche Vorräte auf den Boden geschüttet imb zerireten. In vielen Leb.'nSmittelgeschästne setzten die Verbraucher selbst die Preise fest.

Herabsetzung der Brotration im Jndufftiebezlrk. Infolge der. Ausbleiben? der zugesagten Notlieferung von 2000 Sack Weizenmehl ist die Stadt Essen be­reit? acht Tage mit den Meblzmortsungen im Rück­stand. Igrfolgedeifen muß vorläufig die Brotration, auf 3 Psimd herabgesetzt werden. In Bochum und Dortmund können nur noch 2 Pfimd wöchentlich ausgegeben werden.

Dervächtige 1?ebungen.

Gerüchte über P u t sch a b si ch t e n der Linksra- dikalen werden in Regierungskrei'en bi? zu einem ge­wissen Grade ernst genommen. .Die amtlichen Stellen stützen nch dabei auf Berichte, die ihnen ctr? verschie­denen Gegenden des Reiches zugcgangen sind und die von organisierten Vorbereitungen der Ro° t e n Armee allerhand EinzelAnten melden. So wird berichtet, daß auf dem Temoelhofer Felde lei Berlin abends Mannschaften der Kommunistischen Ar- btiterraitei in Stärke von 200 bis 250 Mann mili­tärisch üben und sich mich im Handgranatenwerfen drillen. In diesem Falle scheinen die Uebungen sich in kleinem Umfange zu halten. In Sachsen, beson­ders in der Leipziger Gegend, sollen die Dinge erheb­lich ernster liegen. In Leipzig besteht eine .Qampf- organifation der Unabhängigen in Form einer Ein­wohnerwehr. die 24 Kompagnien zählt. Waffen sind in großem Maße vorhanden. In Dresden sind eben­falls rote Vereinigungen, die Uebungen militärischen Charakters abhalten. Dazu ist in Sachsen das Nach.

richtentoesen der Linksradikalen bis ins kleinste orga­nisiert. Die Regierung nimmt zu der Putschgefahr folgenden Standvnnkt ein: Nach dem Frriedensvertrag ist uns verboten, daß listenmäßig verzeichnete Mannschaften Hebungen abhalten, die militärischen Charalter haben. Die Regierung hat also schon aus diesem Grunde die Pflicht, diese merkwürdigen linköradikalen Hebungen 3 u unter­binden.

Die Meldungen über Gencr«istceikp!är>: in Bayern.

Tie Mitteilungen über Generali!re ik-o.nbrreilung.ui der bayerischen Unabhängigen werden in der ,.Fr.n- beit", dem Berliner Organ _ber llnabhängigen, als Phmttasieprodulde bezahlter Spitzel erklärt imo ver­sichert, in der Partei der Unabhängigen denke niemand daran politische Machtverhültnisie durch gtttvaltsmne Putsche oder Sabotageakte zu ändern. Tab- Münchener Organ der Unabbüngigen dagegen, „der .Stampf", be- srreitet die Nichtigkeit der Enthüllungen nicht, nur ben einen Punkt, die angeblich organisierte Sabotage an Maschinen, erklärt das Blatt für eine Verleum­dung. , .

Ans dem besetzten Gebiet.

Schikane ? Tie Franzosen verlangen aus den Uaiserd- Imtlctn unmittelbar benachbarten Gemarkungen der Ge- memdenNeukircken/MehIingen undSembach 1000Morgen bestes Acker- und Wiesenland für einen Flug- und Exerzierplatz, obwohl etwa 4 Kilometer von Kaiser?- lautern ein solcher erst ISll ange'eater Platz vorhanden ist. Alle bisherigen Vorstellungen und Bitten mürben adgelebut.

$os Urteil «egen die Arbeiterführer Das Kriegs­gericht in iianbäit verurteilte die kürzlich in Ludwigs­hafen verhafteten Arbeitervertreter und Gewertschafts- beamten wegen angeblich aufreizender öffentlicher Weben gegen die französischen Besatzungsbehörden zu Gefängnis­strafen bis zu 9 Monaten und 10000 Mark Geldstrafe,

Line französische Sensurbommission ist seit einiger Zeit wieder beim Postamie in Trier tätig. Der Kommission müssen täglich eine größere Anzahl von Briesen — 1000 —2000 Stück — zwecks Kontrolle überwiesen werden.

Clar seltsame Tchinkvng. Die KriegervereinS- sahnen der Kriegervereine von Saarlouis und Lisdors, sind von dem gegenwärtigen kommissarischen Bürger­meister von Lisdorf, Ruff, als Kreisteputierten des Kreises Saarlouis dem französischen Kommandanten de Job als .Andenken" geschenkt worden.

Deutscher Reichstag.

• Km Freitag zweiter Sitzungstag. Das Haus ist nicht mehr so gut besucht, wie am Tage vorher. Die Minister­donk ist leer. Der Alterspräsident Rieke-Braunschweig (Soz.) schwingt die Glocke und eröffnet die Sitzung. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Präsidiums und des Büros. Für den Präsidentenposten haben die Mehrheitssozialisten als stärkste Partei des Hauses ihren Fraktionskollegen Loebe vorgeschlagen. Der Wahlakt erfolgt durch namentliche Abstimmung und verläuft ohne Zwischenfall. 397 Stimmen vereinigen sich auf den Na­men des Abg. Loebe, der damit zum Präsidenten des ersten Reichstages der deutschen Republik gewählt ist. Ans die Frage des Alterspräsidenten, ob er die Wohl annehme, antwortet er laut und deutlich: ich nehme die Wahl an.

Herr Loebe schreitet unter erwartungsvollem Schwei­gen des Hauses zmn Prästdentensitz. Von dott richtete er kurze, schlichte und sicherlich beherzigenswerte Wotte an die Mitglieder des Hauses. Er gedachte der „Meisterhand eines Fehrenbach", der sich nun enlschlosien habe, eine schwerere Bürde im Dienste des deutschen Volkes zu über­nehmen. Das Haus begleitete diese Worte mit lebhafter Zuskimmun. Loebe sagte in recht geschickten Worten der Linken eine Mahnung, die Verhandlungen nicht absichtlich zu entwerten oder zu durchkreuzen. Wir alle mögen uns, sagte er, gemeinsam bemühen, hier im Saale die äußeren Vorbedingungen dafür zu schassen, daß fremde und eigene Meinungen ungestört hier vertreten werden können. Es ging wie eine Soraljnung gewitterschwüler Tage durch Loebs kurze Rede. Wie empfindlich di« Linke ist, zeigte sich auch jetzt schon. Als nämlich Loebe davon sprach, daß die Rechte und die Linke ein gemeinsames Band um­schlinge, da wurde hinter diesem Worte Loebe durch ent­rüsteten Zurus unterbrochen. Als er dann sottsuhr: „wenn es gälte, gemeinsame Not zu lindern, dann eben sei dieses Band vorhanden," da saß die Linke verdutzt, Henke und Geyer, die Häuptlinge der Unabhängigen, rüffelten das jugendliche Gemüse in ihrer Pariei und im Hause herrschte ein heiteres Vergnügen über den Reinsall.

Man schritt hieraus zur Wahl der Ä i z e p r ä s i d e n - t e n, die ebenfalls namentlich gewählt werden. Die Un­abhängigen haben als ersten Vizepräsidenten den Abg. Sittmann präsentiert. Von 397 abgegebenen Stim­men erhält er 236, unter den abgegebene,: Stimmzetteln befinden sich 156 weihe, für den zweiten Vizepräsidenten hat das Zentrum den Abg. Dy. Bell in Vorschlag ge­bracht. Die Auszählung ergibt von 367 abgegebenen. Stimmen 356 für Dr. Dell, der also mit erdrückender Mehr­heit zum zweiten Dizepräsidenten des Reichstages gewählt ist. Zum dritten Vizepräsidenten wird der deutschnattonal- Abg. Dietrich gewählt.

Er folgte barm noch die Wahl der Schriftführer und andere Formalitäten. Darauf oettagt sich das Haus auf Montag.

Deutsches Reich.

** Berlin, 25. Juli. Der Reftttsrat genehmigte die Ausprägunq'von weiteren 50 Millionen Fünf« zigpfennigstücken ans Alnrninium. — Die Re­gierung hat die Vorlage für die Aufhebung bei Militärgerichtsbarkeit, die bei der National- versammlung nicht erledigt worden ist, beim Reichs- tagc wieder eingebracht. — Trotz des ausdrücklichen Befehls des polnischen Ministers des Austvärtigen, Dr. von Helt um, den Leiter des Abstimmungr« ausfchuffes für Westprenßen, sofort in Freiheit zu fetzen, ist dieser noch immer nicht zurückgekehrt. — Tie dänische Regierung hat aus Prris die Mitteilung erhalten, daß die endgültige Uebertrogiing der Souveränität über die erste Zone am Samstag ftattfinden werde. — Der belgische Gesandte in Tokio, Gros dc la Faille de Leverghem, wurde zum bel­gischen Gesandten in Berlin ernannt. — Am 9. Juli beginnt ein neuer Erzberger-Prozeß, in dem es sich um die Erzberger eorgetDoifene Steuerhinter« Ziehungen handelt. — Die Aufwändentschä- bigungen für die Abgeordneten der Berliner Par­lamente sind setzt so geregelt worden, daß neben einer Pauschalsumme von monatlich 1 000 Mk. für jeden Tag der Anwesenheit in Berlin noch 30 Mk. Teuerungszulage gezahlt wird. Mitglieder von Au-- schüsfen, die während größerer Plenarpausen tagen, erhalten außerdem noch eine besondere Zulage von

20 Mk. pro Tag. — In Rio de Janerio ist ein Verband den ksch-brasisianif cher Firmen gegründet worben, dessen Zweck die Förderung der der deutschen Handelsinteressen in Brasilien ist.

* Ter Hemer Lchulstreik. Tie in die Schul­affäre verwickelten Lehrer haben ihre Erklärung, wonach sie eine Versetzung beantragen sollten, zurückgezogen, angeblich weil von der Gegenseite die beichlosjene Veriraultchleit der Vereinbarungen nicht gewahrt worden sei. Ter Schulstreik wird im jolgedessen in aller Schärfe fortgesetzt.

* Palästina und die deutschen Jude«. Ter Vor­stand des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaub nS über endet uns folgende Er­klärung:

Die poliitscheu Pereinbarunzeu tn Lau Sietno über Palästina haben an der Stellung der überwiegenden Mehrheit der deutsche» Juden tu und zum deutschen Vaterlande nichts geändert. Sie fühlen sich staats­bürgerlich, kulturell und national wie bisher als Wliober des deutschen Volkes. Diese Tatsache hilldert uns nicht, aus Juden- und Menschenpflicht an allen Bestrebungen miizuarbeiten, die darauf abzielen, normale, menschenwürdige Daseinsvedingunzen aller, orten und iusve>anders tn Palästina für alle diejentgen (Sunt benagen off en zu schaffen, die in ihren gegenwärtige; Verhältnissen nicht leben können.

ÜMiMö.

* 3n Deutsch-Oesterreich ist noch immer fein Uebergcmgskabtnett gesunden. Die Sozialisten sind gegen ein Beamtenkabinett, bas rein bürgerlich sein würde. Siuatstamjler Renner schlägt jetzt vor, etr Geschäftsmiittsterium zu bilden, in dem alle Parteien nach ihrer Stärke in der Nationalversammlung ver­treten sein sollen. In diesem Sinne bahnt sich eine Lösung an. Slaaiskanzfer wird wahrscheinlich der So­zialdemokrat Hanusch, Vizekanzler der Christlich- Soziale Dr. Mayr werden.

* Autonomie für Elsaß-Lothringer! beantragt. Rach Meldungen der Straßburger Blätter aus Parts ha- der elsässische Abg. Hauß in der französischen Kammer einen Antrag eingebracht aus Zuteilung der Selbstver­waltung für Elfaß-Loiyringen nufer gleichzeitiger Re­vision des Friedensverttages. Es ist selbstverftünd- lich, daß dieser Antrag in der französischen Kammer uriberückfichigt bleibt. 'Aber er wirst doch ein scharfes Schlaglicht auf die Stimmung in Elsaß-Lotyringen.

* Blutige Zufamtnrnstöße in Böhmen. In 2 a - l a u kam es in der Nacht auf Freitag zwischen deut­schen Zivilisten, die von einer Sonnenwendfeier zurück- kehrten und ffchrchischen Legionären zu blutigen Zu- fammenstößen, wobei mehrere tschechische Soldaten er- fchossen u. verwundet und zahlreiche deutsche Zivilisten verletzt wurden. Die Ursache ist darin zu suchen, daß bei den Gemeindrwahlen in Jglaü die Deutschen eine Zweidrntel-Mehrheit erlangt hatten, wogegen dir Tschechen Berufung eingereicht hatten. Die Neuwahlen stehen bevor, die Regierung hat inzwischen 2-100 rus­sische Legionäre nach Jglau versetzt, die sich an den Neuwahlen beteiligen sollen. Deutsche Senatoren brachten die Angelegenhen' im Prager Senat zur Sprache und erreichten schließlich, daß eine parlamcn- tari'che Untersuchungskommission nach Jglau gesandt wurde.

* Die polnische Regierungskrise ist vorläufig gelöst, es wurde ein fachmännisch-parteiloses Kabinett unter dem Präsidium Grabskis gebildet.

* England. Ein Vorschlag von Llsquith. das Heeresbudget herabzufetzen, wurde mit großer Mehr­heit vom englischen Unterhaus abgelehnt.

* Dee Bürgerkrieg in Londonderry. In London- derry wird der blutige Krieg zwischen Sinnfehlern und Unionisten fortgesetzt. Er zeigt sich immer mehr als die Folge des mehr als 300 Jahre währenden Religions- Haffes zwischen den katholischen Shmfetnern und den protestantischen englandsfteundlichen Unionisten. Beide Parteien haben sich hinter Sandsäcken auf den Dächern verschanzt und es wird auf Unvorsichtige, dir sich auf die leeren Straßen wagen, ohne jede Rücksicht geschlossen. Die Anzahl der Toten für Mittwoch und Donnerstag wird auf über Hundert geschätzt. Die Krankenhäuser sind mst Verwundeten überfüllt. Auch in anderen Tei­len Irlands wächst die Erregung über die Ereignisse, ir Londonderry und beide Parteien, sowohl die Sinn­feiner wie auch die Unionisten, drohen damit, ihren Ka- meraden in Londonderry Hilfe zu bringen.

-em Kachvargevier.

O Hana«. Die Stadtverordneten beschäs, ltglen sich mit der Besoldungsreform der städtischen Beamten und Lehrer. Die Vorlage sieht eine Gleichstellung der städtischen Beamten mit den Staatsbeamten vor. Empfohlen wurde eine Annahme der Vorlage in unverminderter Form. Stadtd. Dr. Wagner, der Führer der kommun. Fraktion, erklärte sich gegen die Enblocannahme. Er und seine Freunde wollten nicht über die achte Gehaltsgruppe hinausgehen, sie feien nicht gewillt, den besoldeten Magistratsmitgliedern Gehälter bis tu 49 000 Mk. zu bewilligen. Auch hinsichtlich der Lebterbesoldung hätte er einen Antrag, der es itn« möglich macht, die Vorlage en bloc anzunehmen. Ta aber keine Aussicht vorhanden war, daß eine ab« schnittsweise Beratung der Befoldungsvorlage ein­träte, verließ die kommunistische Fraktion den Sitzungs- iaal, hierdurch wurde die Beschlußunfähigkei des Hauies herbeigeführt und die Abstimmung übet die Befoldungsvorlage vereitelt.

5) Hanau. Genau drei Monate nach seiner Verheiratung faßte der 30 Iah e alte Daniel Hübn er aus Offenbach den Entschluß, seine Ehefrau zu ermorden. Am 17. April abends lockte er sie an das Ufer der Kinzig. Dort ließ er seine Zigarre uieberfallen und als sich seine Frau danach bückte, warf er sie in die Kinzig, in der sie erkrank. Tas Schwurgericht in H a n a u, wo er sich wegen des Morde? zu verantworten hatte, verwies ihn in eine Heilanstalt zur Beobachtung seines Geistcszustandee

Aus Oderhcffen uuv den heff. Slemtern

T Fritzlar. Ein bedeutungsvoller Tag war der 24. Juni für die Familie des Herrn Hauptlehrers Hain