47. Zahrg.
Donnerstag, 24» Ium 1920
fir. 144
. aumai
früher
-Ich
itirn und sprach leise mit
Er fuhr sich über di«
Ich wußte nichts von
verträumtem Lächeln weiter:
wiederholte, murmelte er Nur daS: ein Mensch ist nur mehr einen Abgrund
Er ihre
Wera, in die
Sie Auflösung der Einwohnerwehren.
Segen die Auflösung der Einwohnerwehren, die von dem Verband in einer seinerzeit übermittelten Note gefordert und dementsprechend durch den Reichs- Minister des Snnem verfügt worden ist, laufen fortgesetzt, namentlich von der Bevölkerung des platten Landes in Süddeutfchland und in den Grenzprovinzen Ost- und Westpreußen Einspruchskundgeb-
fordernde Liebe
Roman von Erich Ebenstein.
ungen ein, weil man dort fürchtet, nach Wegfall der Selbstschutzorganisationen dem bewaffneten -üet« brechergesindel auf Gnade und Ungnade ausgeliesert zu sein. Trotzdem bleibt den Behörden nichts anders übrig, als der Forderung des Verbands zu willfahren, solange nicht er selbst zu der Erkenntnis gelangt, daß die Wehrlosmachung der ordmmgliedenden Elemente in Deutschland die Aufrechterhaltung der mnern Ordnung und damit auch unsere wirtschaftliche Leistungs- fähigkeit aufs schwerste gefährden muß. Die Durchführung stößt jedoch auf erhebliche vchrrnerigketten. Wenn auch die Waffendepots bereits zum großen Teil abgeliefert worden find, so ist es doch noch nicht möglich gewesen und wird vorläufig überhaupt nicht möglich sein, die überaus zahlreichen in Einzelverstecken befindlichen Waffen restlos zu beschlagnahmen. Wette Kreise der Bevölkerung erklären, sich nicht freiwimg entwaffnen zu lassen. Die amtlichen Stellen geben sich keinem Zweifel darüber hin, daß noch vielfach Waffen versteckt gehalten werden. Die amtlichen stellen erkennen die Notwendigkeit der Entwaffnung, haben aber keine hinreichenden Mittel zur Entwaffnung in der Hand, bevor nicht genügende Sicherheitswehren oeschaffen find. Das preußische Ministerium des Innern hat einen Plan zur Einrichtung von Orts- undFlurschutz fertiggestellt, der verwirklicht werden soll, sobald feststeht, was der Verband uns nach der Richtung hin gestatten will, also unmittelbar nach der Konferenz nach Spaa. Verschiedene Länder, wie Ungarn, die Schweiz, die Niederlande, Skandinavien, auch England, haben den Selbstschutz eingeführt. Auch Deutschland verlangt weiter nichts und hofft, daß die Einführung des Selbstschutzes in Spaa auf keine Schwierigkeiten stoßen wird.
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Dann schweiften ihre Gedanken wieder zu die ans Fenster getreten hxtr und regungslos
partei, die fortan die Geschäftsführung übernimmt, sondern eine Koalition, an deren Spitze.625 Zen» t r um steht und an der die demokratis ch e ftra:- tion einen wesentlichen Anteil hat, — beides Parteien, i mit denen die Mehrheiissozialisten schon „vertrauensvoll" zusammengewirkt Haden, und zwar tmter voller Teilnahme an der Verantwortlichkeit. Zweitens ist der Begriff des parlamentarischen Vertrauensvotums falsch aufgefaßt. Der Zweck des Vertrauensvotums ist nicht eine Ehrung aller Minister oder eine vollstan- dige Erklärung der Uebereinstimmung mit allen ihren Ansichten und ihrem Vorleben, sondern das sog. 23er- trauensvotum fett nur besagen: Wir halten diese Regierung für die Führung der Geschäfte unter den obwaltenden Umständen für geeignet und haben bis aus weiteres nicht die Absicht, sie zu stürzen. Im vorlie- aenden Fall kann ein solches Vertrauensvotum erst recht nicht als eine Blankovollmacht gedeutet werden, weil a alle Welt weiß, daß wir uns in einer Uebergangs- jeit befinden und die hochpolitischen Aufgaben der Regierung im Vordergrund stehen. Wenn man selbst die Hände zur Rettung de» Vaterlandes nicht rühren will, so kann man doch wenigstens die Nothelfer, die in die Bresche springen, unbehelligt arbeiten lassen.
Der bedauerliche Entschluß der Mehrheitssozialisten läßt sich nur dadurch erklären, daß in der Fraktion die schwächlichen Elemente, die den Wettbewerb der Unabhängigen beim Stimmenfang fürchten, die Oberhand behauptet hatten. Die einst so stolze und mächtige Fraktion muß sich aus dem Joch der Unabhängigen lösen; sonst bricht ihre ganze Herrlichkeit zu- sammen trotz der zahlenmäßigen Stärke, auf die sie gelegentlich noch pocht. Wenn Bebel noch lebte, würde in dem Fraktionszimmer ein anderer Wind wehen.
Darf man tn letzter Stunde noch hoffen, daß Scheidemann seine alte Liebhaberei für das Zusammengehen mit den Unabhängigen vorläufig dämpft oder daß andere Führer die Mehrzahl der Genosien von der schwebenden Staatsnotwendigkeit überzeugen?
Bis zur Stunde, wo diese Zeilen durch die Prefie gehen, wird die Entscheidung wohl gefallen fein. Es wäre ein schreckliches Verhängnis für Deutschland, wenn in dieser Schicksalsstunde die Vertreter des deutschen Volkes aus Eigensinn, Feigheit und Zerfahrenheit sich unfähig erweisen sollten zur Bildung einer arbeitsfähigen Regierung.
Bettln, 23. Juni. Sm Laufe des Abends haben sich die Aussichten für das Gelingen eines Kabinetts Fehrenbach wieder gebessert. Die Deutsche Volksvartei hat ihren Protest gegen die Ministerliste des Reichskanzlers Fehrenbach wieder fallen gelassen, einmal weil Herr Fehrenbach nicht bereit war, dem Einspruch Rechnung zu tragen, und zum andern, weil die Deutsche Volkspartei selbst nicht in der Lage gewesen ist, entsprechende Fachmänner vorzuschlagen. Geheimrat Wiedfeldt und der von ihnen vorgeschlagene Generaldirektor Voegler waren nicht bereit, ein Ministeramt zu übernehmen. Die sozialdemokratische Fraktion trat am Nachmittag zu einer Sitzung zusammen. Es besteht nach den letzten Mitteilungen Geneigtheit, im Wege einer Resolution die Tragfläche für ein aus dem Zentrum, den Demokraten und der Deutschen Dolkspartei bestehende» Kabinett zu schaffen. An der Formulierung dieser Resolution wird gearbeitet.
Durchfahrt der Stimmberechtigten
durch polnisches Gebiet.
Dem deutschen Geschäftsträger in Warschau ist vom polnischen Minister des Aeußern eine Erklärung über- geben worden, in der eS heißt: Die polnische Regierung verpflichtet fick, die Stimmberechtigten der, Abstimmungsgebiete van Allen st ein und Marienwerder in täglich sieben Sonderzügen während eines Zeitraums von 14 Tagen durch das polnische Gebiet zu befördern. Die Durchfahrt wird auf der Strecke Könitz—Lürschau—Marienburg erfolgen. Die in polnischem Gebiet wohnenden deutschen Staat?» angehoörigen gemeßen dieselben Rechte Ivie die volnu schön Staatsbürger.
wollte es ja in mich verschließen, aber c? war wie ein heißer, brennender Strom, der sich Bahn brechen mußte . . . einmal nur! Kein zweiteSmal sollte es geschehen, das verspreche ich Ihnen. Nur wißen mußten Sie, wie es um mich steht . . . heute, loo ich sehend geworden bin . . ."
Die Lebrnsmittelunruhen.
Bei den Lebensmittelunruhen in Ulm wurden drei Personen getötet und Ü8 verwundet. Zur Wiederherstellung der Sicherheit und Ordnung hat das Staatsministerium über Ulm den Belagerungszustand verhängt.
Detmolder Protest gegen die hohen Kartoffelpresse.
Die Festsetzung der Kartoffelpreise auf 30 Mk. fist den Zentner vom Reich hat in der Detmolder Vevöl-
Lerontwortlich für den redatttoneLen Teil: Carl Schütte :: für di« Anzeigen: I. ParzeUer-Fulda. :
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Ferniprewer Nr. 9. Telegr.-Adressr: Fuldaer Zeitung
an der Wand. Roland trat dicht an sic heran, schien jetzt ruhiger geworben. Sanft nahm er Hand in ine seine.
„Hab ich Sie erschreckt?" frag er weicht.
Liebe. Ich war ein einsamer Mensch, der sich seine eigene Welt baute und zuweilen von hohen Zielen träumte, die sich dann unter veränderten Berhältniffen nicht weiter verfolgen ließen. Meine Kunst mußte nach Brot gehen, mein Streben sich beschränken auf das Glück eines anderen Wesens - - •"
„Aber Sie liebten Sou doch!" warf SStra fa5t heftig ein. »Sie haben sie geheiratet aus freien Stücken und — Lou liebt Sie!" '
Er sah sie ruhig und groß an, beinahe erstaunt.
„Nein," sagte er sanft, .„ich nahm sie nur an meine Brust, um ihr Kinderseelchen vor der rauhen Not des Lebens zu schützen da niemand sonst sich ihrer er. barmte. Ich habe' sie sehr lieb. Aber meine Seele blieb ganz einsam neben ihr. Und auch sie liebt mich nur, wie Kinder lieben: halb als Spielzeug, halb als Beschützer! Es ist nichts — gar nichts in ihren oder meinen Gefühlen, daz berührt würde durch die wunder- bare, erhabene Liebe zu Ihnen, die wie eine Offenbarung meine Seele erfüllt!"
.Diese Liebe, Mc trotzdem — Sünde ist!"
-"b^sttzung folgt.)
Immer neue Milliarden fehlste tröste.
Sn der öffentlichen Sitzung des Reichsrats am Dienstag wurde der Notetat beraten, der sofort dem neuen Reichstag vorgelegt werden soll. Der Notetat enthält u. a. eine beträchtliche Stellenoermehrung bei den Verkehrsbeamten der früheren Eisenbahnstaaten, deren Eisenbahnen nunmehr auf das Reich überaegangen sind, ebenso auch bei der Post. Finanzminister Dr. Wirth beziffert den Fehlbetrag im ordentlichen Budget jder Reichseisenbahnen auf 15 Milliarden, und dazu komme noch der Fehlbetrag der Post. Er benutzt« die Gelegenheit, um dem Reichsrat zu sagen, daß wir vor neuen großen Zuwächsen in den Fehlbeträgen ständen, weil die Beamten der Einzelstaaten, die m den Neichsdienst übernommen würden, ihr Gehalt nicht nach der Reichsbesoldungsordnung, sondern nach den erst kürzlich erhöhten Gehaltsordnungen ihrer Länder verlangten. Die Reichsbesoldungsordnung sei so, noch ehe sie wirksam werden sollte, aufgehoben dorch die weitergehenden Besoldungsordmingen der Länder. Es kommen, so fuhr er fort, ganz außerordentliche Mehr- lasten hercurs, wenn wir die Reichsbesoldung umbauen müssen nach dem, was die Sauber getan haben. Außerdem stehen wir vor dem Abschluß eines Lohntarife» für die Reichseifenbahnen, wobei es sich um gewaltige Forderungen der Organisationen handelt. Das Defizit wird sich durch diese neuen Forderungen noch erhöhen, es wird Sache des neuen Reichskabinetts sein, dazu Stellung zu nehmen. Weitere Beschlüsse betreffen die Freifahrten für Dienstreisen der Länder.
(Die Ueberuahme her Eisenbahnen auf dar Reich ist f. Zt„ wie die „Franks. Ztg." in Erinnerung bringt, auch damit begründet worden, daß die Vereinbeitlichung der Verkehrseinrichtungen Ersparnisse ermögliche. Und nun wird auf einmal voigerechnet, daß der Uebergang der Eisenbahnen auf das Reich eine neue Vermehrung hei Veamtenapparatek erforderlich mache, als» auch neue Ausgaben. Tabei ist der Verkehr *uf den Eisenbahnen in einem Maße einje-
Erst, als Wera ihre Frage leise: „War geschehen ist? sehend geworden und erblickt vor sich!"
„Herr v. Meister!?"
Dunkelheit hinausstarrte.
Ja, sie war lieb und gut! Lou chatte sich
- manchmal über ihre „Moralpredigten" geärgert. Aber in der letzten Zeit war Wera so sanft und liebevoll mit ihr geworden, daß man ihr gut sein mußte. Und was tat sie alles für sie! Einfach alles! Nur eine?
die verständnisvolle Teilnahme einer gleichgestimmten Seele! Das ist es, was Sie mir gaben! Er machte mich reich und glücklich und zufrieden — stark auch für alles andere, was ich mir ausgeladen hatte. Und ich nahm es hin wie ein glückseliger Blinder. Bi» mir heute, als Die vom Fortgehen sprachen, tue Binde vom Auge siel . . ." _
Wera war totenbleich geworden. Schritt für Schritt wich sie zurück unter seinen Worten, die ihr Seligkeit und tiefster Hammer zugleich bedeuteten. Mso auch er - - -! So viel war sie ihm geworden, ohne daß er ez merkte---genau wie bei ihr selbst . . .
Unfähig, eine Silbe hervsrzuvringen, lehnte ste
Es wird weiter vcrhanSelt.
Wie uns aus Berlin gemeldet wird, herrscht 'm parlamentarischen Kreisen die Meinung vor, daß die ^eiteren Verhandlungen Fehrenbachs Erfolg haben werden und daß doch noch eine Regierung der bür- -Men Mitte zustandekomme. Reichskanzler Fehrenbach hatte für gestern abend die Führer der Deute (dien Bolkspartei und der Demokraten nochmals zu sich gebeten, um die durch den Beschluß der Demo- f,atsn eingetretenen Schwierigkeiten der Kabinettsbildung zu befestigen. Fehrenbach hofft trotz der neuen Schwierigkeiten die Kabinettsbildung bald zustandezu- bringen. Sämtliche Fraktionen tagen noch zur Stunde nn Reichstag, lieber die wesentlichen Fragen ist Wischen den an den Verhandlungen beteiligten Parteien Uebereinstimmung erzielt worden, besonders auch insofern, als die bisherigen demokratischen und Zentrumsminister in ihren Aemtern verbleiben. Die Be- schung des Auswärtigen Amtes mit dem früheren Ministerialdirektor Simons hat allgemein Zustimmung gefunden. Infolge der endgiltigen Absage des ®e- Heimrats Wiedfeld wird bereits mit einer anderen bedeutenden Persönlichkeit des Wirtschaftslebens Der- handelt. Der Minister Stegerwald, der für das Acheitsministerium in Frage kam, hat gewünscht, sein preußisches Portefeuille zu behalten. Der für das Arbeitsministerium vorgeschlagene Abg. Becker- Arnsberg hat aus persönlichen Gründen gebeten, von ihm absehen zu wollen. *
Die schwierige Lage im Innern und die Rücksicht auf die demnächstigen Verhandlungen in Spaa verlangen eine schleunige Klärung. Wir möchten es dahingestellt fein lassen, ob die Deutsche Bolkspartei und die Sozialdemokraten sich über die Folgen des durch fie geschaffenen neuen Skandals völlig im klaren sind. Eins aber können wir nicht unterlassen iestzu- stellen, daß das Zentrum auch diesmal wiederum den Beweis erbracht hat, daß es bereit ist, Opfer zu bringen, wenn das Interefle des Vaterlandes es verlangt. Es wäre gewiß bequem und niemand wurde es dem Zentrum verübeln können, wenn es nach seinen ernstlichen Bemühungen, die Krisis zu lösen, sich nunmehr beiseite stellen würde. Wenn es das nicht tut, so geschieht das lediglich aus Rücksicht auf die gebieterischen Interessen des gesamten deutschen Volkes, denn die äußere und innere Lage ist derart, daß alles aus dem Spiele steht. Es ist hoch anzuerkennen, daß nach dem kläglichen Rückschlag kurz vor dem Abschluß der langen Verhandlungen Fehrenbach trotzdem die Flinte noch nicht ins Korn geworfen hat unö sich weiter der Geduldsprobe bis an die äußerste Grenze der Möglichkeit unterzieht. Die Entscheidung liegt aber bei der deutschen Dolkspartei und bei den Sozialdemokraten.
Vor allem kommt es darauf an, daß die neue Regierung auf ein Vertrauensvotum rechnen kann, das ihr die wirksame Vertretung der deutschen Jnteresien in Spaa ermöglichen muß, ein Vertrauensvotum auch von den Sozialdemokraten.
Für die sonderbare Strömung, die jetzt in der mehr- heitssozialistischen Fraktton herrscht, ist es sehr bezeichnend, daß diese „einstimmig" beschlosien hat, als stärkste Fraktion des Reichstages ihren Anspruch auf den ersten Präsidenten zu erheben und den bisherigen Dizepräsi- deuten Löbe oorzufchlagen. Sehr schön, wenn man sich der Zahlenstärke bewußt wird bei Verteilung der Ehren st eilen! Aber wenn es sich um die Ar- beitsposten handelt, ist dann nicht die stärkste Fraktton des Reichstages auch zum Vortritt oder we- nigstens zur Mitwirkung berufen?
Die Herren sagen, sie könnten einer Regierung, in der auch Männer aus der Deutschen Dolkspartei sitzen, «nmöglich ihr Vertrauen aussprechen. Eine haltlose Ausflucht. Erstens ist es nicht die Deutsche Volks-
„Ja," nickte er. CS ist so. Aber das braucht Sie nicht zu kümmern. Reisen Tic ruhig nach dein Süden! Genießen Sie den Frühling am Gardasee und vergessen Sie die zwei Unglücklichen, denen Sie bisher ein Er^-l des Friedens gewesen sind in — jedem Sinne . . ."
Dera atmete tief auf. Sie versuchte sogar gu lachen.
„2 c 5 ist es, lvaZ Sie bedrückt? O, fcerr v. Meister, wer wird denn solch eine Kleinigkeit so tragisch nehmen? Ste denken wohl, e5 ginge daun alles hier drunter und drüber, wenn ich nicht ein bißchen zum Rechten sehe? Aber ich verspreche Ihnen, baß 1 ies nicht der Fall fein soll! Erstens gehe ich nicht eher alz bis Betty gang gewandt ihren Dienst verfielst, zweiten" ist bis dahin ja Ihr Glück beendet . . ."
Sw verstummte erschrocken. Ein Blick voll Glut und Leidenschaft, wie sie ihn diesen famten Augen nie zugetraut hätte, traf sie.
„Ta-k-, glauben Sie also, ist alles, was Sie mir gegelen haben? Aeußeres Behagen?! So schlecht kennen Sie mich, daß Sie nicht wissen, wie leicht eS mich ankäme, in einer elenden Äühlerhütte zu sitzen und trockenes Brot zu essen, wenn ich dabei das eine nicht entbehren müßte, was des Menschen bmbsteS Gut iit-
Lou," fuhr er mit kühner Förmlichkeit, die feinem Wesen sonst gang fremd war. fort: „Ich bin wirklich nicht imstande, jetzt zu essen."
Statt zu gehen, trat Wera bestürzt näher.
„Was ist Ihnen, Herr d. Steiftet? Sind Sie krank. Stimmt Ihnen etwas nicht in Ihrem Stück?"
„Tatz Stück!" Er lachte bitter auf. „Wenn Sie ahnen könnten, wie gleichgültig mir dies jetzt geworden ist! Tie» und — alles! Stein, sehen Sie mich nickt f» erschrocken «n. Fragen Sie um nichts. Gehen Sie . . . lassen Sie mich allein! vielleicht sinde ich dann meine Vernunft wieder!"
„Wie kann ich Sie in diesem Zustand sich selbst überlassen," tief Wera immer bestürzter über sein ihr unverständliches Wesen. „Tie sind ja von Sinnen! Wo? nm Gottes Willen ist denn geschehen in diesen zwei Stunden, seit Sie uns drüben verlassen haben?"
Er blickte stumm vor sich hin, ohne zu antworten.
schränkt, daß sich einem ganz von selbst die Frag- auf- drängt, wie es die Eisenbahnoerwaltung überhaupt fettig bringt, das gegenüber dem Friedensstand betracht» lich vergrößerte Heer von Beamten, und. Arbeitern Zu beschäftigen. Und bei der Post das gleiche Bild: An dem Maße, wie die Leistungen 'sich verringern, folgt Personalvermehrung auf Personalvermcbrung. — o Iann e s nicht weitergehen. Es ist, sagt daS genannte Frankfurter Blatt, höchste Zeit, daß auch die öffentlichen Verwaltungen in Reich und Ländern ein. scheu, daß wir auf dem eingeschlagenen Weg _ unrettbar dem Abgrund entgegentreiben, daß nur äußerste Sparsamkeit, daß nur die Verringerung unseres Behörden- und Beamten-Apparates auf das Mindestmaß dessen, womit die Staatsmaschine eben noch in Gang gehalten werden kann uns vor dem völligen Zu- sammenbruch unserer Firianx.'n bewahren kann. Mi- dieser Forderung steht es in denkbar schärfstem Wrder- spruch, trennt wie der Aeichsfinanzmiriister auSgcführt bat einzelne Landesregierungen den Uebergang der Eisenbahnen auf das Reich dazu benutzen, ihren »er- kebrsbeumten noch rasch neue Gehaltszulagen aus Sw’ si-m des Reiches zu sichern in der Erwägung, daß nicht mehr sie selbst, sondern das Reich die Lasten zu tragen habe. In Dauern wollen die Beamten ihren Ucbertritt in oen Reichsdienst von der Bewilligung der erst neuerdings er- höhten Teuerungszulagen abhängig machen. Was den bayerischen Beamten recht ist, wird denen der anderen Staaten billig sein. Sie werden mit ihren Ansprüchen sicher nicht dahinter Zurückbleiben wollen. Schon melden auch die Arbeiter neue Forderungen an, unbekümmert parum, ob die Allgemeinheit, die fie dock aufzubringen hat, dazu noch in der Lage sein wird. Stuf diesem Wege müssen wir schließlich dahin kommen, daß die Erhaltung der großen Reichsbetrieb« u:td der in ihnen tätigen Beamten und Angestellten letzten Endes alles das verschlingt, was das deutsche Volk an Steuern und Abgaben aufzudringen. in der Lage ist.)__
Sein Steuerabzug im besetzten Gebiet.
Zu dem Gesetzentwurf über den lOorozentiget. Steuerabzug hat die interalliierte Kommission noch nicht Stellung genommen. Bis zur Entscheidung darf den
i Arbeitern und Angestellten ein Abzug vom Lohn. zu Steuerzwecken nicht gemacht werden.
In Hindenburg in Oberschlesien demonstrier, ten gewaltige Arbeitermassen gegen den Steuerabzug. Sie begaben sich zu der interalliierten Kommission, um gegen den Lohnabzug zu protestieren. Eine Abordnung wurde von dem interalliierten Kreiskontrotleur empfangen. Dieser teilte mit, daß die interalliier e Kommission sich bereits wegen der Außerkraftsetzung des Lohnabzuges mit Ser Reichsregienmg in Verein- düng gesetzt Hobe. — Dar Vorgehen oer Arbe ter in
I Hindenburg, die sich gegen die eigene Regierung und I gegen die eigene Volksvertretung hilfesuchend an dis
Entente wenden, ist beschämend.
Wera »erschwand.
Auch im Badezimmer hatte sich manches unmerk- licb verändert, seit Wera des HauShaltungezepter führte. Um die Wanne staub ein hübscher Paravant brr den eigentlichen Baberaum vom übrigen Gemach abschhoß. Tex „Poetenwinkel" links aber hatte alle» Nüchterne und Ungemütliche verloren. Ein Teppich bedeckte den Fußboden. Hübsch? Stiche in dunklen Nahmen hingen auf dem graugrünen Qelanstrich der Wandecke. Eine elektrische Stehlampe mit grünem Seidenschleier über dem Glastrichter und eine schöne, kupferne Aschenschale s»wie eine kleine Brongebüste Goethes schmückten den Schreibtisch. Rechts und link? von der Büste standen schlanke GlaSkelche, in denen täglich frische Blumen dufteten. Ter ganze „Poeten- winkel" erhielt ein besonders trauliches Aussehen durch einen bunt gewebten Gobelin-Wandbehang, der in halber Mannshöhe ring» um die gan^e Ecke lief.
Tiefen Raum hier hielt Wera ganz allein instand. Hier durfte Betty weder kehren noch fegen, oder auch nur einen Finger an den Schreibtisch legen. Ganz allmählich hatte sie ein Ding nach dem andern herzugebracht, teil? aus anderen Räumen der Wohnung, teils — wie die Kupferstiche, — au; ihrem eigenen Besitz daheim.
Roland hatte nie ein Wort darüber verloren. Wahr- scheinlich glaubte er, es seien Lou» Einfälle. Und da? sollte er nur! Wera war ja glücklich bei dem Gedanken, daß er e« nun nicht mehr gnr so unwirtlich, prosaisch um sich l-abe beim Schaffen.
Als sie aber nun zaghaft eintrat, um ihn zum Abendessen zu holen, fand sie ihn nicht wie sonst Hal- iiber Kops in seine Arbeit, vergraben.
Untätig saß er da, starrte versunken vor sich bin und sprang beinahe erschrocken auf, als er Wera er- fcnnte. Offenbar hatte er f i e am wenigsten zu sehen erwartet.
„Run — Sie arbeiten" heute nicht mehr?" sagte sie er>tmmf. denn bisher hatte man ihn stets erst zwei bi? dreimal makuen müssen, eie er sich entschloß, die Feder wegzulegen und zu isch zu -oiimren.
„7?ein~ Ich habe überhaupt nicht gearbeitet. Wer weiß, kann ich es je wieder . - .?" antwortete Roland' seltsam verstört.
Er brach ab und starrte an ihr vorüber.
„Litte, lassen Sie sich nicht stören durch meine wun- drrliclie Stimmung »nd entschuldigen Sie mich bei
war nicht schön ton Wen», und Lou mußte nun immer gerade baren denken. Als Herr v. HadeSleben, der junge Attache, heitte erwähnte, daß er seinen Oster- «rlastb am Gardasee berfrrhtgen «vollst, hatte Wera gesagt: „So? Nun, dann sehen toir tms vielleicht dort. Pap« will Heuer auch Osterurlaub nehmen und mit Mama und mir an den Gardasee reifen."
»Für lange?" fragte jemand. Und sie nickte und hatte ganz gelassen erwidert: „Ich glaube wohl, daß toir mindestens sechs Wochen bleiben werden!"
Lou hatte sie gern3 erschreckt angesehen. Auch Aollh, her gerade für einen Augenblick lftrübergewm- fjten war, um die Gäste zu begrüßen und rasch^eine ^-asse See zu trinken ehe er wieder zu seinem „Lam- lmi" zurückhehrte, war so erschrocken, daß ibm der Teelöffel klirrend au5 der Hand fiel.
Natürlich — was sollten sie beide denn dann ap= fangen ohne Wera? Wera hatte sie in jeder Beziehung so verwöhnt! Nein, das durfte sie ihnen nicht °ntim . . . Roland muß nachher helfen, es ibr auSzu- reden . .
-Liebe Wera ivillst Du nitfn so gut fein und Ro- land zum Essen rufen?" sagte Lou laut. »Illi bin so faul — und Dir folgt er auch eher ..."
Dera wandte sich zögernd um.
-Möchtest Du nicht lieber warten, bis er von selbst kommt Lou? Mir erjtbeint eJ immer wie ein Unrecht, chn um fo banaler Tinge willen mitten aus seiner Arbeit zu reißen! vielleicht ist er gerade mitten in etner Szene . . . Du weißt, er arbeitet seht mit lol- chmn Feuereifer am letzten. Akt von bestem Ausfall eigentlich das (Selingen des ganzen Stucke? e.bhäu.tt.
»Stein, nein, ich habe schon so großen Hunger! Er kann ja später wieder arbeiten. Sitte geh!"
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KM
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