M 143.
Mittwoch, 23. Juni 1920.
- Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aefieudrnkerci iu Fulda
Kleines Feuilleton
An» Schluß der Reichsschulkonferenz.
Don Prof. Grebe, M. d. pr. L.
Die Reichsschulkonferenz Hai ihre Beratungen abge- schloffen. Die Oeffentlichkeit hat ihr nicht die volle Auf. Mttksamkeit schenken können, denn die Unsicherheit der ganzen politischen Lage, die uns um das „Morgen' ban- gen läßt, machte eine Versenkung in Zukunstsprobleme wenig geeignet. Woher soll Geduld und Neigung kom- wen, um über Zweckmäßigkeit und Schönheit der Innen- anrstattung nachzudenken, wenn der ganze Untergrund schwankt, auf dem das Gebäude steht?
Gewiß ist das Gebiet der Schule kein Boden, auf dem sich alle Deutschen von vornherein zu einträchtiger Zu. sammenarbeit friedlich zusammenfinden. Gerade hier klof. fen Gegensätze, die sich nicht überbrücken laflen. 'Eine sachliche Aussprache aber über Umfang und Grenzen einer Umgestaltung unseres gesamten Schulwesens mußt« Manchen Umschwung dämpfen, manche Besorgniffe zer- peuen. Kühne Stürmer mußten sich bewußt werden, daß ihre schönen Ideen noch nicht so vollkommen ausge- refft seien, um einfach vom Baum herabgeschüttelt zu werden. Bedächtige Freunde des Alten konnten die Beobachtung machen, daß in dem Neuen doch auch manch dnmchbarer Kern, oder vielmehr, daß manches garnicht neu, sondern frisch frisierte alte Weisheit sei.
Die Tagung verlief äußerlich ziemlich reibungslos. Die «orgefehene Tagesordnung wurde fast restlos erledigt. An. gefichts der Tatsache, daß über 600 Teilnehmer, die nicht «ffeinander eingearbeitet waren, an den Verhandlungen teSnahmen, ist diese Leistung nicht gering anzuschlagen. S$ ist überhaupt erstaunlich, wie schnell sich die Versamm- fang in die parlamentarische Arbeitsweise hineinsond. Die Gruppenbildung erfolgte fast automatisch. Es lag dies wohl in erster Linie daran, daß alle Vertreter m der überwiegenden Mehrzahl von Organisationen entsandt waren.
Ob der innere Verlauf, die Ausbeute an positiven Er- gckiiffen ebenso hoch zu bewerten ist, dürste wohl vielfach bezweifelt werden. Di« Fülle des Stoffes verbot schon eine eingehende Dehandlung. In der Vollversamm- fang konnten nur drei von den neun Gegenständen, über die Referate vorlogen, vorberaten werden, nämlich die Frage der Einheitsschule, der Arbeitsschule und der Lehrer- bildmig. Die übrigen Gegenstände wurden ohne Besprechung an Ausschüße überwiesen. Zwei Tage lang arbeiteten 18 Ausschüsse unter Ansetzung von Ueberstunden, um den umfangreichen Stoff in Leitsätze zu gießen. Im allgemeinen gelang es auch, in ernster Arbeit, eine annehmbare Lösung zu finden. In den grundlegenden Fragen der Einheitsschule und Lehrerbildung platzten auch in den betreffenden Ausschüßen die Geister heftig auseinander, und eine Einigung wurde nicht erzielt. Wie sollte mm die Vollversammlung Stellung nehmen? Es verstand sich von selbst, daß über die Gegenstände, mit denen sich die Vollversammlung gar- mcht beschäftigt hatte, auch keine Abstimmung ftattfinden konnte. Weder eine Annahme noch eine Ablehnung der Leitsätze der Ausschüße ließ sich ohne Besprechung rächtfortigen. Es kamen also nur die Ergebnisse der Ausschüße 2. (Schulaufbau), 5. (Arbests- 1 unterricht) und 9. (Lehrerbildung) für ehre Abstimmung in Frage. Die Leitsätze des 5. Ausschußes boten keine \ . Schwierigkeiten, aber in 2 und 9 waren die schärfsten Meinungsverschiedenheiten hervorgetrete.i. An sich lieferten sie daher höchst ungeeignetes Material zur Beschlußfassung in einer Versammlung, die nur gutacht, fichen Charakter trägt. Den radikalen Stürmern kam es aber darauf an, gerade in diesen Fragen Beschlüße der Reichsschulkonfernez herbeizuführen, durch die auf die Entwicklung ein Einfluß in ihrem Sinne ausgeübt werden könnte. War doch die Auswahl der Teilnehmer an der Konferenz unter der Obhut des fozialdemokra- tffchen Schulsochverständigen Staatssekretärs Schuh erfolgt Die verschiedenen Resormer verlangten daher einen ! Beschluß der Versammlung, ob Abstimmungen stattsinden sollten. Mit 260 gegen rund 200 Stimmen wurden A b • stimmungSn abgelehnt. Durch diesen Verzicht auf formelle Beschlüße trat der Charakter der Reichs- fchulkonferenz auch äußerlich in die Erscheinung. Sie soll ter Gesetzgebung nicht oorgreifen, sondern ihr nur Material liefern.
Die letzten Vollversammlungen wurden damit ausge- stillt, die Berichte der Ausschüße entgegenzunehmen. Die äußerste Linke war mit dem Ausgang der Konferenz keineswegs zufrieden. In einer Erklärung sprach sie ihr Bedauern über den Beschluß aus, keine Abstimmungen «rzunehmen. Sie sah darin eine Herabwürdigung der Konferenz, die nun nicht in der gewünschten Weise die veßenllichkeit beeinflußen könne. So versteht man Die Demokratie. Reden läßt man jede Richtung; dann aber testimmt man durch Mehrheitsbeschluß, wer recht hat!
— Die Ursachen des ehelichen Unglücks. Die Tatsache, daß in' allen Staaten die unglücklichen ®>ett zunehmen, wa§ schon aus der immer großer werdenden Zahl der Ehescheidungen hervorgeht, bat thte englische Zeitschrift veranlaßt, den Gründen dieser Erscheinung nachzugehen. Hauptsächlich wurden folgende Gründe festgestellt: Die Klub- und Verems- »ttetei deS Mannes, schlechte Launen auf beiden Seiten, da? HinauSleben über die Mittel was meistens durch die Frau verursacht wird, kein trauliches Heim, «in wonniger Empfang, wenn der Mann nach Hause «mimt Selbstsucht, Armut und Anfang mit Schulden, me Verbindung mit dem ersten besten Mann oder Mädchen, Neid der Fran, Unfreundlichkeit gegenein- ttnber, Trunksucht, Spiel und andere schlechte Sitten. — Das alles war schon allgemein bekannt. Aber *3 schadet nichts, wenn der gleichen Feststellungen immer wieder einmal bekannt gemacht werden. Die Hauptsache bleibt, daß er und fie sich auch ihren etlichen Kern erst gründlich kennen lernen sollten, daß man sich nicht nur von der Liebe, sondern auch von der Vernunft leiten läßt, und andererseits Uscht nur von der Vernunft, sondern auch von der Liebe. vs
. — Eine neue Einküchenhaus « Idee soll demnächst im Norden Londons zur Verwirklichung ge- 5”flen. Eine Frau Me'.vin. hinter welcher eine Aktiengesellschaft steht, hat 24 Acker Land gekauft wird hier eine kleine Siadt von Einiamilien- Msern errichten, die jährlich 600 bis 1000 Mark "»ete kosten sollen. Man bewohnt also nicht, tote °?8 früher in den Einküchen-Hättiern der Fall war, ?ue Einzelwohnung in einer Mietskaserne, sondern
Mieter hat sein eigenes Häuschen mit Garten Uiw. aber nirgends ist eine Küche, findet sich viel- N m einem „Klubhaus", das in der Mit,e des ?artens!ädtchens steht und ven jedem Häuschen aus °urch gedeckte Laubengänge erreicht werden kann. Mr befindet sich der Speisesaal mit kleinen Ts chen, ^.Lesesaal, Spielsaal, Kindergarten, Baderaume, N bi- große Waschküche usw. und endlich fehlen dar ganze» Anlage auch nicht Spielplätze für
In der Einladung aller möglichen Richtungen war man recht weitherzig gewesen. Sie durften auch alle ihre Ansicht äußern. Mit der Zulaßung Jugendlicher aber war bie Grenze vom eben noch Erträglichem zum Lächerlichen überschritten. Staatssekretär Schulz entschuldigte diesen Schritt zwar damit, daß die jugendlichen Objekte der Gegenstand der Erziehung seien. Die jungen Herren benahmen sich aber keineswegs als Objekte, sondern traten sehr tätig als Subjekte hervor. Der Vertreter der segialdemokratischen Jugendorganisation hielt zunächst der Lehrerschaft einen Spiegel vor: „Die wenigsten von Ihnen sind sich der großen Verantwortung bewußt, die Sie der Jugend gegenüber haben." Dann gab er sein Urteil ob über die Verhandlungen: „Es ist ei# ganz trauriger Anblick für die Jugend, wie einer nach dem andern auftritt, sein Derslein herbetet und damit seine Pflicht getan zu hoben glaubt." 'ich die Welt im Kopfe dieses Jünglings malt, zeigte feine Forderung, daß endlich auch den Leuten Freiheit werden müße, die es in der Schule nicht aushalten können, „damit sie sich unter einem Führer der Bildung, die aus chrem Innern wächst, aneignen können". Nach dem Beschluß der Versammlung, keine Abstimmung vorzunehmen, Netz diese Organisation dem Hause'die betrübende Mitteilung machen, sie lege auf die weitere Teilnahme an den Verhandlungen keinen Wert mehr, da sie nicht ausreichend zu Worte käme. Das Auftreten dieser Iugendüchen sollte auch Herrn Schulz nachdenklich stimmen, ob die Sozialdemokratie mit ihren Erziehungsgrundsätzen wirklich auf dem rechten Wege ist.
Die Konferenz hot für die gesetzgeberische Behandlung der Schulfrage reiches, ja überreiches Material geliefert. Es ist nur zu befürchten, der Bericht über die Tagung wird so dickleibig, daß sich niemand an fein Studium herangetraut. Eins, aber dürfen wir nicht vergeßen. Prof. Oestreich, der Wortführer der entschiedenen Reform, hatte absprechend von dem Streben „nach mön- chisch-wißenschaftlichen Idealen" geredet. Darauf entgegnete Prof. Dr. Binder (Protestant), er habe von mönchischem Wesen auf unseren höheren Schulen nichts gern er It Eins aber müßte die Jugend lernen, auch ein mönchisches Ideal: Entsagung, „denn nur durch Entsagung könne Deutschland wieder emporkommen, nicht durch Ausleben".
Deutschland wird sich vieles versagen müßen, auch manche kostspielige Neuerung im äußeren Ausbau des Schulwesens. Die Reformen sind jedenfalls nicht im Augenblick da, sondern erfordern zu chrer Durchführung Jahrzehnte, lieber diesen Zukunftsplänen dürfen wie die Gegenwart nicht vergeßen. Unsere Schulen, wie sie sind, höhere Schulen und Volksschulen, müßen ein Höchstmaß in ihren Leistungen erstreben, ein Höchstmaß nicht bloß im Mitteilen von Wißen, sondern vor allem ein Höchstmaß an Pflichtgefühl.
lieber die Reichskonferenz nnd ihren Verlauf schreibt Geh.-Rat Dr. Marx in rheinischen Blättern:
Die katholischen Teilnehmer hatten selbstredend der Art unb Weise der Zusammensetzung der Konferenz von vornherein größte Aufmerksamkeit gewidmet. Die Teilnehmer wurden von der Staatsregierung ausgewählt und bestimmt, jirm Teil direkt als Einzelpersonen, zum Teil indirekt, indem die größeren Organisationen und Verbiände zur Benennung von Vertretern aufgefordert wurden. Der katholische Bevölkerungsteil ist zweifellos bei dieser Art der Zusammensetzung der Konferenz ungemein schlecht weg gekommen: Wenn unter 600 Teilnehmern nach einer ziemlich genauen Zählung noch nicht 100 katholisch waren, so muß das als eine durchaus ungenügende Berücksichtigung des katholischen Volksteiles bezeichnet werden.
ES darf aber bei der Beurteilung der Dinge gerechterweise nicht unberücksichtigt bleiben daß gerade als Beauftragte zur Konferenz von verschiedenen Organisationen u. a. vom Philologenverein, unter deren Gesamtmitgliederzahl sich viele Katholiken befinden, entweder überhaupt keine oder nur unverhältnismäßig toienige Kathriüiken bezeichnet tvordSn sind. Merams kann der Staatsregienmg an sich kein Vorwurf gemacht werden. Den katholischen 3toitgfte'<ern dieser Verbände kann nicht dringend genug empfohlen werden, fick' mehr Einfluß innerhalb ihrer Vereine zu verschaffen und auf einer gerechten Berücksichtigung bei der Wahl von Beauftragten in ähnlichen Fällen entschieden zu bestehen!
Als erfreuliches Ergebnis der Konferenz kann mit Befriedigung fesigesiellt werden daß in toet* tem Umfange durch die Aussprache eine gewiße Verständigung und Annäherung der bisher schroff sich gegenüberstehenden Ansichten und Meinungen herbeige- führt worden ist Man ha tsich persönlich kennen und gerechter beurteilen gelernt. Weitfliegende Pläne sind angesichts der nur „begrenzten Möglichkeit", wie Reichs- minister Koch in seiner Schlußansprache betonte, die ihrer Ausführung offen steht, auf ein bescheidenes Maß zurückgeführt werden.
Graß und klein. Alle Mahlzeiten stehen in genügender Austoahl zur Verfügung, sie werden als richtige Familiengerichte einfach aubweitet und sehr reichlich verabfolgt zum Selbstkostenpreis. Die allgemeinen Kosten" für Köchin, Hilksmädchen usw. werden verteilt, ebenso ein etwaiger Ueberschuß- Frühstück und Abendbrot können sich die Herrschaften auch in der Wohnung zwanglos selbst zuberiten, wozu ein Gaskocher vorhanden ist. Neu ist auch, daß man vom Klubhaus für beliebige Tage und Stunden Dienstboten leihen kann.
— Bon Sommersprossen werden gar viele Mägdlein geplagt, und sie alle möchten gern ein Mittel wissen, tote man die Störenfriede beseitigt. Mit einem äußerlichen Mittel allein ist es aber nicht getan, denn die Sommersproffen sind keineswegs eine äußerliche Erscheinung. Die Ursache muß man zunächst beseitigen, und diese liegt sehr oft tief. Zum Beispiel führt zn enges Schnüren, unvernünftige Ernährung, ungeregelte Leibesöffnung, Mangel an Hautpflege usw. zu dem Hebel, oft ist auch ererbt, wieder andere, namentlich brünette und rothaarige Vertonen find besonders für Sommersproffen „dispdnieri", müssen also recht vorsichtig sein. Tie Tatsache, daß Sommersprossen nur an unbedeckten Hautstellen erscheinen, ist Beweis fafür, daß Sonnenschein und Luft ebenfalls ihren Anteil an der entstebung des Hebels haben. Man gehe bei gutem Weiter nie ohne einen weißen Sonnen- schirm aus und trage auch viel weiße oder Helle Kleidung, damit die Haut nicht zu sehr erhitzt werde. Wenn irgend möglich, kühle man das Gesicht am Tage öfters mit kaltem Wasser. Die vielen ange- -priesenen äußeren Mittel, wie Gurkensaft, Borax- wasser usw. helfen nicht im geringsten, wohl aber ist ein ständiger Gebrauch des sog. Kummerfeldschen Waschwasser zu emptoblen, daS jeder Apotheker anferiiot. Es enthält Rosenwasser, Cau de Cologne, Schwefelpulver (ganz un-ckäblich), Glyzerin, kohlen, saures Kali usw. und wirkt nicht nur reinigend und kühlend, sondern auch regenetiend und heilend auf die Haut ein.
— Zeppesiu Luflschiffe in Amerika. Die Erfolge der Zeppelm-Luftschiffe haben eine amerikanische In- tereffengemrinschaft veranlaßt, mit Vertretern der Zep-
Mit besonderer Befriedigung können die k a t h o- Itfdjen Teilnehmer auf ihre gemeinsamen ae- prechung zurückblicken, die neben den anftrengenben Beratungen der Konferenz herlaufend alltäglich groß Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der einzelnen stellten. An Pflichttreue leuchteten allen die beiden .Hochwürdigsten Bischöfe Dr. v. Hauck, Erzbischof von Samberg und Dr. Berning von Osnabrück vor die, wie auch die in stattlicher Zahl erschienenen Schulschwe- tern der verschiedenen Orden, bei keiner wichtigen Sitzung fehlten. Von großem Vorteile war es. daß die größeren katholischen Organifationen, der kath. Lehrer- verband, der Verein kath. Lehrerinnen der Kath. Frau, enbund, der CaritaSverband der Verband kath. Jünglingsvereine, der kath. Rektoratschullehrerverein^ die Kath. Schulorganisation u. a. schon vor der Konferenz zusanmrentraten, die einzelnen Leitsätze der Referenten durchberieten und so ein zielbewußtes und geichlos- enes Vorgehen gewährleisteten. Mehrmals trat man auch mit Vertretern evangelischer Schul- und Lehrervereine zu gemeinsamer Beratung zusammen ein Ver- 'uch, der beiderseitig mit Befriedigung als von bestem Erfolge begleitet bezeichnet wurde.
Mit einem guten Schlußakkord echt katholischer Einmütigkeit und Geschlossenheit konnte der Ausgang der Schulkonferenz versehen werden: Nachdem Erzbischof Dr. von Hauck die Forderungen des deutschen Episkopates zum Religionsunterricht und zur konfessionellen Gostaltung des Schulwesens dargelegt hatte, konnte der Vertreter von zwölf großen katholischen Organisationen unter dem lebhaften Beifall ihrer Vertreter erklären, daß die katholischen C r ga n i f a t i o n e_n und Verbände auf dem Boden der Erklärung der Hochwürdig st en Herren Di- chöfe ständen und ihr in vollem Umfang zustimmten, — eine Erklärung, die in diesem Kreise, wie nicht anders zu erwarten war. nicht ohne Unruhe entgegen genommen wurde.
Schaden durch Schwarzwild.
Don amtlicher Seite wird uns geschrieben:
Seit jeher hat es in unserer waDreichen Provinz Schwarzwild gegeben und ebenso lange richtet das Schwarzwild mehr oder weniger oft Schaden an, indem es aus den Waldungen, feinen eigentlichen Heimstätten und Aesungsplähen, in das Feld herausdrängt und be- sonders Kartoffeln, Rüben, aber auch andere Feldfrüchte, herauswühlt und auffrißt. In diesem Jahre sind die Klagen über Wildschäden besonders zahlreich, weil sich die Schrvarzkittel infolge des milden Winters stark vermehrt haben und außerdem der Abschuß während des Krieges wegen der Einberufung vieler Jäger stark zurückgegangen war. Früher durfte der Forstbeamte jede selbst erlegte Sau für ein ganz geringes Entgelt als eigen behalten, jetzt werden statt dessen Prämien gezahlt; aber es wäre dringend zu wünschen, wenn der frühere Zustand wieder hergestellt würde, daß die selbstgeschossenen Sauen in das Eigentum des Schützen übergehen. Dann kommt zu der Jagdpaffion noch der mächtige Anreiz des Gewinns hinzu, der jetzt ganz erheblich ist. Wie die Staatsforstbe- amten ihr möglichstes für die Vertilgung des Schwarz- willies tun, fo verfahren auch die Besitzer größerer Privatwaldungen, die eigenes Forstpersonal halten imd selbst wirkliche Jäger sind.
W>e steht es aber mit den Gemeind ewal- düngen und mit den Gemeindejagden im allgemeinen? Da müssen wir, so fd)reibt der forsttechnische Leiter der Abteilung für Forsten pp. der Regierung in Kassel, nun leider feststellen, daß in den meisten Fällen sehr wenig oder gar nichts geschieht. Warum? Weil die Gemeindejagden fast ausnahmslos an den Meistbietenden verpachtet werden ohne Rücksicht darauf, ob der Pächter wirklich Jäger ist oder sich nur so nennt und ob er fen Ort oder wenigstens in der Nachbarstadt wohnt ober. in Berlin ober im westlichen Industriegebiet. Die meisten Iagd- vächter kommen nur bann und jagen, wenn es sich lohnt. So darf es aber nicht weitergehen. Es muß unbedingt verlangt werden, daß bei jeder Neuverpachtung Überall da, wo Schwarzwildfchaden vorgekommen ober zu besorgen ist, ber weit abwohnende Jagdpächter verpflichtet wirb, wenn er Wald mit gepachtet hat, im Winter bei Neuschnee auf Sauen zu jagen, besonders aber seinen Jagdaufseher zu ermächtigen, jederzeit Sauen zu schießen und für sich zu behalten. Und wo Jagdverträge bestehen und Schwarzwildschaben vorkommt, muß der Iagbpächter veranlaßt werden, nachträglich solche Bestimmungen anzuerkennen und zu erlassen. Zeigt er sich abgeneigt, dann muß den Gemeinde- und Staatsforstbeamten das Recht gegeben werden, Sauen auch auf der verpachteten Feldjagd zu schießen und zu behalten.
Ein weiteres Büttel, dem ßu Schaden gehenden Schwarzwild wirklich energisch zu Leibe zu rücken, ist das Fangen. Besonders gerne frißt das Schwarzwild Kartoffeln und auch Fleisch, zumal wenn es schon recht anrüchig geworden ist. Darauf gründet sich Anlage, Einrichtung und Unterhaltung ber Saufänge. Es finb aus Nadelholzstangen fest und dauerhaft hergestellte „Buchten" mit selbsttätig schließenden Türen, zu denen man bas Schwarzwilb mit Kartoffeln herankirrt und in benen Kartoffeln zum Eintritt einloden. Noch sicherer wirkt aber irgend ein verludertes Wild ober Tier, dessen Geruch bie Sauen auf weite Entfernungen wittern. In manchen Staats- imb wenigen Privatwaldungen sind solche ©au»
pelin-Luftschiff-Gesellschaft in Verbindung zu treten, und den Direktoren E. Därr und O. Milatz, die in Newyork emgetroffen sind, aufKnommen worden. Bisher wurde ein Luftschiff L. Z. 125 zum Preise von 700 000 Dollar in Auftrag gegeben. Welches Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Zeppesin-Luftschiffe gesetzt wird, gcht daraus hervor, daß sich bereits jetzt eine Reihe amerikanischer Kapitalisten mit dem Besitzer der Automobilfabrik Henri Ford an der Spitze für die Errichtung einer Luftlinie Rewyork-London- Berlin, für die vorläufig ein Kapital von 15 Millionen Dollars zur Verfügung steht, einsetzen. Zu diesem Zweck ist bereits die Errichtung von Zeppelin- Werken in Amerika in Erwägung gezogen. Aber nicht nur die Luftschiffe, sondern auch die deutschen Flugmaschinen haben in der neuen Welt Anklang gefunden. So erregte kürzlich ein von dem deutschen Erfinder Professor Hugo Junker hergestellter Aeroplan Aussehen. Die Maschine, die vollkommen aus Metall hergestellt ist, ist unverbrennbar und bedarf keiner Drähte zum Spannen der Tragflächen. Das Flugzeug wurde mit großem Erfolg bei dem dritten panamerikanischen Aeronautischen Kongreß in Atlansic City von Professor Junker, der dem Kongreß als Delegierter beiwohnte, vorgeführt. a
— Wachsende Telegrophensiangen. Vm amerikanischen Staate Nevada Hai man bei der Legung der Telegraphenlinien als Drahtträger Stämme der Kanadischen Pappel verwendet, ehne si-> vorher abzurinden. Tie Folge dieser Nnter'assung war, daß hje Baumstämm- bald darauf Wurzel zu 'ch'.agen a.'fingen. und nur wachsen sie trotz ihrer amtlichen Verwendung ganz gemütlich weiter. Ta man jedoch bald erkannte, daß die lebenden Stämme viel eher in der Lage waren, den vernichtenden Angriffen der in jener Gegend in großen Mengen auf. tretenden, ganz außerordentlich gefräßigen weißen Ameisen erfolgreichen Widerstand zu leisten als andere, so hat man sich m’t den wachsenden Telegraphenstangen bald und nicht ungerne abgefunden.
— Um den Kohlweißling fernzuhalten, der so gern seine Eier unter Kohlblättern ablegt, mache man in den Koblpflanzungen eine Ztoiichensaat von Hanf. Einige Körner in den Zwischenrechen genügen .vollkommen, " la
fange bereits vorhanden, haben früher ausgezeichnet gewirkt und müßten unbedingt erheblich vermehrt werben, wenn Kartoffeln und Luder zu haben wären.
Trotz wiederholter Anträge ber Forstverwaltung haben bie Verteilungsstellen Abgabe von Kartoffeln für ©au- fange ab gelehnt. Hier ist Abhilfe bringe iw geboten. Der Kreis muß für weitere Anlage von Sausängen in den Gemeinde-, Interessenten- unb Privatwaldungen sorgen und bie Kartoffeln zum Ankirren freigeben, er muß auch einmal ein verendetes Stück Vieh ober Teile eines solchen für den Saufang zur Verfügung stellen.
vermischter.
* Felssturz. In der Nähe der Felsenkirche von Oberstein im Birkenfeldischen lösten sich Felsenstücke, fausten talabwärts, durchschlugen zwei Wohngebäude und verletzten eine Frau und ein Kind. Die Felsblöcke batten ein Gewicht von 15 bis 20 Zeninern.
* Rechtswidrige Verordnungen gegen die Presse. Ter Demobiimachungskommiffar für die Kreishauptmannschaft Dresden hatte vor einiger Zeit durch Verord- nunodenZeitungenverbotenStellengeiuche zu veröffentlichen und ebenso Anzeigen unter Deckadressen oder Chiffre zu bringen, wenn es sich um offene Stellen irgendwelcher Art handelte. Die Blätter erklärten diise Verordnung für ungültig und brachten trotzdem derartige Anzeigen. Die Schriftleiter aller Blätter wurden daraufhin angeklagt, aber vom Schöffengericht mit der Begründung freigejprochen, daß die Verordnung vollständig in der Luft hänge und jeder Rechtsaültigkeit entbehre.
* Schloß Nordkirchen als Erholungsheim für Post- beamle. Der Herzog von Arenberg, der bekanntlich während einer Legislaturperiode Mitglied der Zentrumspartei war, hat sein Schloß Nordkirchen der Reichspost- und Telegraphenverwaltung als Erho- lungsheim für Postbeamte zur Verfügung gestellt. Am 18. d. M. fand eine Besichtigung des Schlosses durch den Reichspostminister Giesberts und eine Sachverständigenkommission statt, die zu dem Ergebnis kam, kmß das Schloß sich ausgezeichnet zu einem Erholungsheim eigne. Unter vollständiger Schonung derjenigen Räume des Schlosses, die historische und künst- lerische Bedeutung haben, wird es möglich sein, etwa 300 Personen, darunter auch ganzen Familien, im Schloß einen bequemen und angenehmen Aufenthalt zu verschaffen. Für das Erholungsheim soll der umfangreiche Park mit seinen gärtnerischen Anlagen und Teichen sowie ein Teil des Hochwaldes zur Beifügung gestellt werden.
* Kellner * Verdienst. Ein Schlaglicht auf das Einkommen mancher Berliner Kellner, das in unerhörtem Widerspruch zu den Verdiensten der großen Mehrzahl ihrer Kollegen steht, wirft folgende Nachricht der „Deutschen Gastwirtszeitung" in Frankfurt a. M. Gelegentlich von Streitsachen am Gewerbegericht treten Einkommen von Kellnern in Erscheinung, die aus Unglaubliche grenzen. So klagte ein Kellner, der von der Wirtin der Weindiele „Schwarzer Kater" in Berlin kündigungslos entlassen wurde, eine Entschädigung von täglich 150 Mark für die Dauer der 14 tägigen Kündigungsfrist mit insgesamt 21 00 Mark ein. Die Entlassung erfolgte, weil er mehrmals betrunken zum Dienst gekommen war und die Gäste nicht mehr in ordnungsmäßiger Weite bedienen konnte. Obgleich dem Kellner ein Rechtsanspruch nicht zustand, zahlte die Beklagte dem Kläger sofort im Termin vergleichweise 250. — Mark aus. Ein noch weit größeres Einkommen bezog ein Kellner in der „Lessing- Diele". Sein Verdienst belief sich das Jahr auf 72 000 Mark. Er beanspruchte wegen Nichteinhaltung der Kündigungsfrist vor 14 Tagen 2800 Mark Entschädigung. Die Entlassung erfolgte wegen arger Hebervorteilung der Gäste. Die Klage wurde abgewiesen.
Amtliche Anzeigen.
Bekanntmachung.
Das Wahlergebnis für den Reichstag, 21. Wahlkreis, wurde durch den Kreiswahlausschuß sestaestellt, wie folgt: Abgegeben wurden insgesamt 1136256 gültige Siimmen. Ungültig waren 3470 Stimmen.
Es entfallen auf Wahlvorschlag
1. Schwarz...........192 808,
2. Schlick ng.......... 116 084,
3. Zetk n ............ 16 524,
4. Helfferich........ . . 177 273,
5. Dißniann.......... 139 321,
6. R'eßer ........... 183511,
7. Schsidemann......... 310 735.
Durch Ueberweisung von Reststimmen aus dem 22. Wahlkreis entfiel auf Wahlvorschlag 4 noch ein weiterer Sitz.
Als Abgeordnete sind demnach gewählt vom Wahlvorschlag 1: Schwarz, Herbert, Höner, Wahlvorschlag 2: Schücking, Wahlvorschlag 4: He fferich. Lind, Hartwig, Wahlvorschlag 5: Dißmann, Sender, Wahlvorschlag 6: Rießer, Hepp, Seibert, Wahlvorschlag 7: Scheibemann, Tesch, Kaiser, Thöne, Hoch.
Als Ersatzmänner kommen in Betracht vom Wahlvorschlag 1: Jungblut, Ritter, Schmitz, Wahlvorschlag 2: Trieschmann, Wahworschlag 4: Christian, Heins, Rudorff, Wahlvorschlag 5: Hüttmann, Wick, Wahlvorschlag 6: Mink, Magnus, Hollmann, Wahlvorschlag 7: Röhle, Witte, Sträubt, Quart, Bierbrauer.
Staffel, den 15. Juni 1920.
Der Sreiswahlleiker für den Wahlkreis Hessen - Nassau, von Lentze.
Wird veröffentlicht.
Fulbu, den 17. Juni 1920.
Der Landrat: Frhr. v. Doernberg.
Steiler mien mnß jeder, aber jeder muß nicht gleich viel zahlen, es sind in dem neuen Einkommensteuergesetz eine ganze Reihe von Fällen vorgesehen, bei deren Vorhandensein unter Umständen ein mz deöentenöer ünfllnB eintritt. Deshalb sollte sich jeder genau orientieren. Einen gut belehrenden Artikel bringt der soeben erschienene Fuldaer Sonifafius-fiatenbet für 1921, deshalb sollte dieser reichhaltige und biflige Kalender (Ulf. 1.20)
in lener Snmllie norWen feil