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Nr. 143

Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Carl Schütte, u sür die Anzeigen: I. Parzellrr-Fulda. u Rotationsdruck il Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Tclegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

47. Zahrg

Mittwoch, 23. Zunl $920

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Neue Schwierigkeiten.

Dre sozialdemokratische FraMon hat gestern ein« Sitzung abgehallen und darin eine Erklä- rung abgefaßt, die u. a. besagt, daß die Sozialdemo­kratie gegenüber dem neuen Robinett Stimment­haltung anwenden würde. Sie werde zwar das von der Negierung verlangte Vertrauensvotum nicht oblehnen, wohl aber bei der Abstimmung weiße Zettel abgeben. Daraufhin haben die Demokraten in einer Fraktionssitzung den Beschluß gefaßt, daß unter diesen Umständen eine Regierung, die vom Vertrauen des Reichstages getragen in Spaa verhandeln könnte, auf der beabsichtigten Grundlage nicht gebildet roer- len kann. Damit ist eine völlig neue Lage geschaffen.

Hinzu kommt noch, daß die Deutsche Volks- partei in ihrer Fraklionssitzung beschlossen Hot und diesen Beschluß dem Reichskanzler Fehrenbach über1- Mitteln ließ, daß sie mit der von ihm beabsichtigten Berufung des Abg. Wirth zum Finanzmimster, des Lbg. Gieeberts zum Reichs Postmünster und des Ge­nerals Gröner zum Reichsverkehrsminister nicht ein­verstanden sei, sondern für diese Posten Fach- m i n i st e r verlange.,

Sozialdemokraten und Deutsche Dolksparket laden schwere Verantwortung auf sich, wenn sie abermals das Zustandekommen einer tragfähigen, dem Auslande gegenüber verhandlungsfähigen Regierung, verhindern. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen, angesichts der schicksalsschweren Beschlüsse, die in Spaa gefaßt werden sollen, gibt es kein anderes Gebot als die Unter­stützung der Regierung, die das verhältnismäßig Bests ist, was sich erreichen ließ, und die letzte Stütze ist für unsere Hoffnung, daß wir in den hochpolitischen Verhandlungen etwas erreichen können zur Milderung unseres Elends. Stürzen wäre ein Frevel; stützen ist das patriotische Gebot der Stunde, auch wenn einem nicht alles wohlgefallen will.

D!e Abrüstung Deutschland-.

Zur Frage der Heeresverminderung die die auf der Konferenz von Spaa erörtert »erden soll, wird von zuständiger Seite folgendes mitgeteilt:

Einschließlich der Truppen in der neutralen Zone betrug die HoercSstärke am 5. Mai 213 065 Mann und am 21. Mai 200 000 Mann. Da die Konferenz in Spa über den Antrag der deutschen Negierung, dau- ernd ein 200 000 Mann-Heer halten zu dürfen, ent­scheiden soll, die Herabminderung des Heeres auf 100 000 Mann aber nach dem Friedensvertrage bereit; am 10. Juli durchgeführt fein sollte, während die Konferenz auf den 5. I.uli oder noch tveiter verschoben wird, so hat die ReichSregicrung am 3. Juni eine Verlängerung der Frist beantragt.

Tie Bestände an Geschützen, Gewehren und Muni­tion sind weiter vermindert worden. Die Reichs, treuhandgesellschaft hat von den ihr Lbriggebliebenen 1 724 000 Gewehren bisher 1 330 000 zerschrottet, von 40 800 Maschinengewehren 24 500 und von 25 500 Geschützen 19 400. Außerdem sind große Mengen Ge­wehre und Maschinengewehrmnnition, Handgranaten, Svrengswffe und Artilleriegeschosse vernichtet worden- Auch die Schleifimg sämtlicher Festungen außer Pillau, Avinemünde, Königsberg, Mm und Köslin, die Deutsch­land nach dem Friedensvertrag noch halten darf, ist in Arbeit und dürfte terminmäßig beendet werden.

Die Abrüslungsfrisk verlängert.

wtb paris, 22. Sunt Wie bet Berichterstatter bet Pariser „Information" aus Boulogne mitteilt, ist die Frist für die Entwaffnung Deutschlands überben 10. Juli hinaus verlängert worden.

Die Entschädigungssumme.

In einer Pariser Auslastung über die Ergebnisse der gestern beendeten Konferenz von Sou« logne beißt er:

Die Frage der von Deutschland zu zckhlknden Ent­schädigungssumme und deren Verteilung unter die Alliier-

ten ist aufs neue geprüft worden. Es ist ent­schieden worden, daß die sranzöfischen, englischen, ita­lienischen, belgischen und serbischen Sachverständigen sich in Paris vereinigen, um unter Zugrundelegung des Vereinbarten gemeinsame Vorschläge zu machen, die den Alliierten, die sich am 2. Juli in Brüssel wieder vereinigen, um endgültig ihr Einverständnis vor der Kon­ferenz von Spaa festzulegen, unterbreitet werden sollen.

Einig ist man also über bie Entschädigungssumme und die Verteilung der Deute noch nicht unb man scheint auch noch nicht so bald einig zir werden. Ehe man in Spaa den deutschen Vertretern gegenübertritt, will man erst noch in Brüssel und bann nochmal in Paris über dir Frage verhandeln. Jedenfalls aber will man mit fertigen Vorschlägen an Deutschland herantreten. Was Misere Vertreter ba noch in Spaa sollen, ist rätselhaft. Von deutschen Vorschlägen, wie sie in San Remo versprochen wurden und einer ern­sten Beratung darüber scheint gar keine Rede mehr zu sein. Dagegen wird neuersich mit Nachdruck auf die angeblich nicht eingehaltenen militärischen^Der- pflichtumzen Deutschlands verwiesen. Wir können aus all diesen Anzeichen keine Aenderung der früheren Pläne der Alliierten sehen, unmögliche Leistungen von Deutschland, wieder auf dem Wege des Diktats, zu erpressen. __

Der Boykott gegen Ungarn.

Die Berliner ungarische Vertretung versendet eine Erklärung, in der zugegeben wird, daß in Bridapest nach den kommunistischen Wirren ein gewisser Zustand der Rechtsunsicherheit herrschte, daß im übrigen aber diese an sich maßlos übertriebenen und erdichteten Zu­stände eine wesentliche Besserung erfahren hatten. So gehe namentlich die Regierung gegen dre milnarnchen Sonderformationen nach Art der dentichen Freikorps und gegen unifomierie Banden mit Strenge vor. . Eine arbeiterfeindliche Strömung habe es in Ungarn nie ge- «ben Todesurteile seien nur 66 verhängt worden, vermißt seien 280 Mwsonen. interniert etwa 2000 dar- unter Verbrecher, LebenSmitielwuchcrer und staats- feindliche Komnnmiswn. Tie Negierung werde noch weiteren gesetzlichen Schutz für die persönliche Freiheit und das Privateigentum schaffen. .

Vertrauensmänner der österreichischen! sozialdemo- kratischeu Gewerkschaften überwachen an der Grenze die Durchführung des Boykotts dre bürgerlichen Blat. ter stellen aber fest, daß der Verkehr sogar durch so- zialdemokratische Bedienstete aufrechterhalten wird, weil diese mit dem Streikbeschluß mcht einverstanden feien Die ungarischen GegemnvßregcLn machen sich in Wien unangenehm bemerkbar, da dre Gemüse- rmd Obstzufubr aus Ungarn aufgehort hat und das zu Wien gehörige Kohlenberglverk an her Ungar: scherr Grenze gesperrt ist. so daß die Belieferung des Elektrizitätswerks mit Kohlen verhindert wird. Die christlichen Gewerkschaften beteiligen bekannt, ich

nicht am Boykott. __

Lebensmlkkelrsvollen.

Än Krefeld z«r nach einer MaffenkrMbgevim» die die DrehrheitZsozialisten gegen die Teuerung ver- anstaltet batten, eine zügellose Menge zur Markthalle, die vollständig airZgeplündert wurde Gegen Meeno stürmte der Pöbel daz Warenhaus T,etz. Sämtliche Fensterscheiben wurden zertrümmert, der Jnlralt des Warenhauses auf die Straße geMeudert und ver­schleppt. Auch mehrere andere Geschäftshäuser, befan« fcer? Schuhivarengeschäfte. wurden ausgeraubt. Der angerichtete Schaden wird auf mehrere Millionen MI. geschätzt Die Stadt bietet noch immer ein bewegtes Bildt Starke belgische Patrouillen durchziehen dre Straßen. , „ , , . , kt

Bei den Unruhen in Osnabrück forderten die Rädelsführer die Menge cnif, aufs Land zu gehen und die Scheunen in Brand zu stecken. In einer Brauerei toitrben die Türen zu den Kellern gesprengt und ke Mischen Fleischvorräte gewaltsam herauSgeholt.

Die Gefchaftsstockung.

D?k ffit mehreren Wochen in DeutschlakD VM>- achtende Zurückhaltung der Käufer ist noch immer

nicht beendigt und es hat vorläufig mcht den Aftfchrin, als ob in kurzer Zeit eine stärkere Kauflust des Publi­kums wiederkehren werde. Die Gründe dafür sind leicht einzusehen. Einmal hofft das Publikum, daß bie Preise noch weiter fallen werben, zmn großen ..eil aber ist es auch heute noch bei den jetzt teilweise schon gesenkten Preisen nicht in der Lage, sich mit Waren zu versorgen, ba die verlangten Preise die Kaufkraft noch immer erheblich übersteigen.

Die Folgen des Käuferstreiks sind schon gegenwär­tig sehr bedenklich unb sie müssen um so bedenklicher werden, wenn die Zurückhaltung des kaufenden Pub­likums noch längere Zeit anhaltcn würde. Ein Aus- weg aus der ganzen Krise muß gefuirden werden, wenn nicht Arbeitseinstellungen unb Arbeiterentlaffun- gen in größtem Umfange die Folge fein sollten. Sie Tatsache ist nun einmal nicht aus der Welt zu schaffen, daß die Besserung unserer Valuta in dem Augenblicke eintrat, wo auch auf dem Weltmarkt die Preise sanken, sodaß der Preisdruck bei uns in doppeltem Umfange eintreten mußte. Es kommt unter den gegenwärtigen! Verhältnissen für Deutschland einfach darauf an, die Produktion auf jede mögliche Weise zu ver­billigen. Geschieht dies nicht, so hört unsere Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt allmählich vollkommen auf.

Es wird nötig sein, daß bei der Produktion so weit als irgend möglich Ersparniffe erzielt werden, um das Fertigfabrikat zu einem Preise herzustellen, der bie Kaufkraft des Publikums nun einmal nicht über­steigt. Die großen Unternehmen werden sich daran ge­wöhnen müssen, sich mit geringeren Geroin - n en unb Dividenden zu begnügen. Es wäre eine durchaus falsche Spekulation, zu glauben, daß das kaufende Publikum schließlich durch den notwendigsten Bedarf doch gezwungen würde, früher oder später hohe Preise zu bezahlen. Bis dieser Zeitpunkt ringe- treten wäre, würden aber bie Unternehmen schon längst mehr verloren haben, als sie je verlieren, wenn fit an einen gesunden Preisabbau mit ernstem Willen Herangehen. Die Steigerung der Produktion verbun­den mit einem vernünftigen Preisabbau scheint äugen* blicklich der einzig mögliche Ausweg aus der bestehenden wirtschaftlichen Krise zu sein. Daß sie beendet wird, daran haben Käufer unb Verkäufer ein gleich großes Interesse. Die abbauenbe Bewegung muß aber von oben, d. h. von den kapitalkräftigeren Fabrikanten, namentlich den Großbetrieben, ausgeben; denn der Detaillist ober Ladenkaufmann kann nur bann billiger verkaufen, wenn er selbst billiger geliefert erhält. Er kann auch mit seinen beschränkteren Mit­teln leine Konjunkturftürze aushalten, sondern würbe zugrunde gehen. Da- wo bie größten Gewinne hin- geslossen sind, rnüsien jetzt auch die «forderlichen Opfer gebracht werden.

Das Wirtschafts-Parlament.

Mn 30. Juni wird das neue Wirtschafts-Parlament, der Reichswirtschaftsrat, in Berlin zusam­mentreten unb etwa zwei Wochen tagen. Eine um säst sende Denkschrist des Reichswirtschaftsmimsteriums über die gegenwärtige Lage im Reiche wird den Aus­gangspunkt und bie Grundlage bilden.

Mit dem Zusammentritt des vorläufigen Rrichs- wirtschaftsrates — die endgültige Schaffung dieser Körperschaft ist ja erst späterer gesetzlicher' Regelung vorbehalten, wird das deutsche parlamentarische Leben um eine neue eigenartige Form bereichert. Wir wer­den neben dem rein politischen Parlament, wie es sich im Reichstag barstellt, nun auch ein Wirt- schäft s-Parlamenl erhalten, dem vorwiegend die Erörterung, Behandlung, Begutachtung und Beschluß­fassung über dir wichtigsten Wlrischaftsfragen des Rei­ches obliegen. Bei der engen Verknüpfung zwischen Wirtschafts- unb politischen Interessen wird sich eine streng» Scheidung der Beratungsgegsnständ« mn so

weniger ermöglichen lassen, als ja auch der Reichstag eine enge Verknüpfung seines wirtschastspolUschen Handelns mit den im Reichswirtschafts-Parlament zur Geltung kommenden Auffassungen bewirken muß. Unter diesem Gesichtswinkel gewinnt die Tätigkeit des Reichs^ Wirtschaftsrates eine besondere Bedeutung.

Deutsches Mich.

* Bersin, 22. Juni. Die Delegierten btr ®rof$-' mächte haben beschlossen, sich in Zukunft nicht mehr durch Geschäftsträger, sondern durch Botschafter in Berlin vertreten zu lassen. — In Berlin fand eine imposante Massenkundgebung der Grenzdmischen aus Ost- unb Westpreußen, Oberschlesien, Eupen, Malmedy mid Schleswig-Holstein gegen die Uebergriffe in den Abstimmungsgebieten statt. — Reichspräsident Ebertz hat den Hinterbliebenen der beiden verstorbenen Poli­tiker Prinzen Heinrich zu Schönaich-Tarolalh und Dr. Friedberg in anerkennenden Worten für die Tätigkeit der Heimgegangene'' srin Beiles brieflich ausgedrückt. — Der Sozialdemokrat Thiele ist zum Landrat des Saale- Kreises, der demokratische Abg. Sch-miljan zum Land­rat in Löwenberg (Schlesien) ernannt worden. — Nach­dem die bayerische Demokratie ihre beiden Münchener, Hauptorgcme, die „München-Angsb.-Abendztg." und' bie „Münch. N. Nachr.", an die Rechtsparteien verloren- hat, sind nunmehr auch die demokratischen „A u g s • bürget N. Nachr." an den Stinneskonzern über-, gegangen. — Laut Mitteilung der italienischen Gesandt­schaft in Warschau ist der von den Polen widerrechtlich, festgenommene deutsche Abstlrnnmngskomm'.ssar Dr, o. Holtum freigelassen worden.

o Ter neue Reichstag, dessen Zusammentritt au| Donnerstag, den 24. b. M., festgesetzt ist, wird nur in einer kurzen Sitzung die notwendigen vorberei­tenden Arbeiten der Geschäftsordnung er lebigen und die Präsidenten wählen. Spätestens am Freitag, vielleicht auch schon am Donnerstag selbst, wird sich der Reichstag dann wieder Verlagen, um erst am Dienstag in der nächsten Woche seine eigentliche Arbeit aufzunehmen. An vielem Tage, an dem das Haus in feine große Beratungen eintreten soll, wird sich auch daS neue Kabinett vorstellen und das Vertrauen deS Reichstags erbitten.

* Eine neue Kreditvorlage. Es verlautet, daS Reichsfinanzministerium beabsichtige wegen der starken Defizite bei den einzelnen Ressort?, besonders bet der Eisenbahn, der Post und dem Wiederaufbau dem neuen Reichstag eine Krediivorlgge über 14,7 Milliarden Mark für die Zeit Juli-September 1920 f zugehen zu la sie». Bei Beratung dieser Forderungen soll auch die augenblickliche Steuerpolitik befr. Reicher eine neue Besprechung erfahren, da bet; zehnprozenrige Lohnabzug die Gefahr neuer Streiks und neuen Lohnforderungen berauibeschwöre.

(ns) Die Berliner Gemeindewahlen. Es siegen nunmehr bie Ergebnisse aus sämtlichen 15 Wahlkreisen vor. Es bestätigt sich, daß die beiden sozialistijchech Parteien zusammen über die absolute Mehrheit ver­fügen. Sie haben 1077 968 Stimmen auf sich ver­einigt und übertreffen bie bürgerlichen Parteien, bie zusammen 714 000 Stimmen erreichten, um 363 368 Stimmen. Die Mandate verteilen sich etwa wie folgt: Deutschnationale Dolkspartei 25, Deutsche Volkspartei 34, Zentrum 8, Demokraten 14, Wirtschaftliche Vereini­gung 8, Mehrheitssozialisten 55, Unabhängige 81. Sie Unabhängigen werden nun einmal Gelegenheit haben/ ihr Verwaltungstalent zu zeigen. Ganz geheuer scheint »s ihnen dabei nicht zu sein, denn bie „Freiheit" gibt sich oll» Mühe, bie bevorstehenden Aufgaben als so groß hinzustellen, daß bie Leser von vornherein vor­bereitet erscheinen. Der Erfolg aller Arbeit werd« ab» hängen von dem Grab, wie die Rechtssozialisten ihre Politik m der Gemeinde einrichten. Das heißt: bis Unabhängigen werden non den Mehrheitssozialisten

Fordernde Liebe.

Roman von Erich Stzenstein.

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Er schwieg, denn SSera hatte eine jähr, erschreckte Bewegung gemacht und war leichenblaß geworben.

Wie ein Blitz hatten die Worte hez Vater- den Aebel zerrissen der bisher übet ihren Empfindungen N, Stein, fie' liebte Lou gar nicht. Richt ihretwegen trieb es sie immer wieder zu Meister-. Nicht sie flößte hr Mitleid ein, nicht sie war eS, der all ihre sorgen- tot Gedanken galten . . .

Roland allein erfüllte ihre Seele! Ja, nun er- Knute sie eS mit Schrecken: schon von jenem ersten Augenblick an, ba sie ihn auf dem Gürtel erblickt fette, cis er seinen Rock auszog, um ihn einem freut, tot Bettler zu schenken . » . liebte sie ihn!

Seine grenzenlose Güte, feine Trämneraugen rmd ~~ ja, tag sogar zumeist — feine Hilfloiigkeit im Le- toi, hatten es ihr angetan.

Richt bloß wie daS Weib den Mann liebte sie ihn, Wem noch vielmehr wie eine Mutter ihr Kind, dem

Stütze ist. Heiß, tief, selbstvergessen und ewig, s» to»r ihre Liebe unbeachtet emporgewachsen in ihr, wie dem Reiz der Baum. Ein Märchenbaum, zu dem mn zu sagen brauchte: Rüttle dick, schüttle dicht *®trT Gold und Silber über nüchl Un> man wurde strahlenden Prinzessin . . .

^Ach „ein Das nicht. Der Prinz, für den der ihrer Liebe sie schmücken 1 könnte, gehörte 1« ^ner anderen! Sie aber würde ewig unbeachtet da- ^Ebenstehen wie dar arme verputiete Aschenputtel , > .

.Wera — sieh mich anl' sagte ihr Vater leise.

. -Ich wußte er nicht . . •' stammelte sie scheu. -Ich ptoöre Dir ich wußte e, nicht bis heute! Aber wenn

«S auch'g-wutzt hätte, ich hätte doch nicht ander, Zkor.nt! Wie ick es jetzt nicht kann . Lou ist krank, daß ihr Mann etlvaS ahnt davon. Er hat sie anvertraut und ich — o, Papa, ich habe sie so 'chleckt behütet weil ich innerlich nur mit mix selbst ^schäftigt war' Tann habe ich ihr versprechen mus- *eit' Roland nichts davon zu. sagen , . .

< '-'n hastigen Worten erzählte sie von dem DuUsturz, «n Lou bei Uoldc, Gesellschaft gehabt.

-N-chi wahr Du verstehst nun," schloß sie, >e

mir lastxtr' Ich bin schuld, daß er i» LM

ich sie nicht tanzen lassen, wär« vielleicht all« auSg«- blieben . .

„Schwerlich. Höchsten, hmaUSgeschvben, Venn offen- bar ist die kleine Frau von ihrer Mutter her erblich belaste. Allerdings, daß Du ihr Schweigen gelobtest gegen ihren Mann legt Dir eine schwere Verantwor- hmg auf. Du hast' dadurch selbst die Verpflichtung auf Dich genommen, sie vor Torheiten zu bewahren imb ihren Gesundheitszustand zu überwachen. Da- «cHärt mir nun vieles . . .*

„Ja, Papa, es ist schwerer ,al8 Da nur ahnen kannst! Denn'Lou will um keinen Preis krank fein. Sie belügt nicht nur mich, wo sie kann, sondern auch sich selbst. Sie will nicht, wissen vom Temperatur- messen und ruiniert heimlich alle Theruwmeter, die ich ihr bringe. Auch auf die gewohnten Vergnügungen will sie nicht verzichten. Tag für Tag habe ich des- halb Kämpfe zu bestehen und bin glücklich, wenn e3 mir nur einmal gelingt sie zum Taheimbleiben zu be- wegen. Dabei ist sie manchmal so elend, daß sie sich kaum regen kann, und fiebert bestimmt fast jeden Abend."

,Wc»S sagt Dr. Kommender?"

.Richt viel. Ich konnte ihn erst extern sprechen. Lou hat bisher offenbar absichtlich verhindert, daß ich mit ihm zusammentreffe. Da ging ich endlich einfach selbst zu ihm in die Ordination. Aber er scheint, daß sie ihn ganz bezaubert hat, denn er sprach in ihrem Sinn — nämlich beruhigend! Es sei nicht so arg, wenn die Lunge auch erkrankt und momentan ein ge­wisser Schwächezustand vorhanden sei. Aber da Lou sick leidenschaftlich wehre, Wien zu verlassen, und ein gewaltsame Befehl dazu sie biet zu sehr erregen würde, müsse man von solchen Mitteln vorläufig abschen. Ich sollte wachten, daß sie sich gut nähre, viel Nutz» habe, wenig mitmache und so werter."

„Und was soll nun tofller werden? Daß Du nicht sofort allen Verkehr dort cckbrechen kannst, sehe ich ja unter diesen Um'iänden ein. Aber könntest Du ihn nicht einschränken?"

„29 i e, Papa? Wenn ich 'mcht dort bin und ihr tortete oder sie sonstwie unterhalte, langweilt sie sich und läuft wieder von Vergnügen zu Vergnügen. Tas Mädchen, das sie nun haben — lange hält keine dort aus ab Lou zuviel an Bedienung beansprucht — kann kaum das Einfachste kochen, und ich habe mich daher rrbvten. fic abzurtMw. AuK ist fflfciel im Haus­

halt zu tun. Wenn alles nur ein bißchen menschlich zugehen soll, hat man fortwährend aufzuräumen, zu nähen, allerlei Kleinigkeiten, für Lou Nachmittagrte, vorzubereiten, bei d»m es nun fast täglich «in» Menge Säfte gibt ..."

„Aber was tut denn Frau Lv« fcföft d»n ganzen Tag?"

.Nichtri Sie flat nte tei Leven etwas anveres ge­tan, Papa, als — zugesehen oder sich amüsiert! Wenn fie sich wohlfühlt, läuft sie wie ein neugieriges Kind neben mir her und lacht: Ach, wozu machst Du Di» nur so viel Mühe? Ob das Ding da liegt oder dort, ist doch ganz gleich k Wenn ein Besatz zerrissen ist an ihren Kleidern, geniert sie dies nicht im mindesten. Gibt eS irgendwo einen Riß, wird er mit Nadeln zu. sammengesteckt. Kommt das Essen mißraten auf den Tisch, läßt sie lachend allerlei neue Delikatessen au» dem nächsten Restaurant holen, und wenn man sie am 2. des Monats z. B. allein ausgehen läßt, kann man sicher fein, daß sie so viel törichte», unnützes Zeng zu­sammenkauft, bis vom Wirtschaftsgeld auch der letzt» Heller verbraucht ist. »Die Verhältnisse sind stärker alz ich," erklärt sie dann lachend mit der sorglosesten Miene. Ich habe deshalb mm die Wirtschaftskasse selbst in Verwahrung genommen. Jeder Kreuzer geht durch meine Hand und wird genau gebucht. Denn das war ja überhaupt keine Wirtschaft — früher.'

.Stein, dar war allerdings leine Wirtschaft,' nickte Halmenschlag nachdenklich, und fein Gesichtsausdruck wurde immer sorgenvoller. ^Arme Wera, daß gerade Du . . ."

Er schwieg.

t'P, es war bitter! Sie — fein Lieblirigskind — das so geschaffen wäre für ein stolze», volles Glück . . .1 Und nun hatte sie ihr Herz an diesen Federhelden ver­loren, der an eine andere Frau gebunden und ganz vernarrt in diese war — denn sonst hätte er sie ja wohl weder geheiratet, noch so geduldig neben sich er­tragen ... •

Ta» Schlimmste war: ee ließ sich, wie die Dinge lagen — nicht einmal absehen, wie und toen« sie sich würde frei machen können aus diesem Retz freiwillig iibernotmnener Pflichten » . .

Weras weiche Arme umschlangen plötzlich feinen Nacken und ihr blonder Kopf ruhte an feiner Brust.

»Hab' keine Sorge um mich. Pal Ich bin trotz alledem CciB gaj^tf, tatzfexe, Wätzgl, das sich schon

nicht unterkriegen läßt vom Schicksal. Wenn er fein Stück nun vollendet hat . . , und Lou gesünder ist —' wozu da» Frühjahr nutz der Saisonschluß am besten helfen werden — dann finden wir wohl einen Vor­wand, um alle» wieder in Ordnung zu bringen. Tarn, nimmst Du mal Urlaub und gehst mit mir auf Reu» fen, ja?"

Er sah sie gerührt an.

>Wirst Du ihn dann vergessen können, Eichkätzchen?R »Vergessen — nein! Aber fertig werden damit — fc daß sein Wesen in meiner Seele nur bleibt wi» ein schöner Traum! Ich will ja auch jetzt nichts fün mich. Ich wünsche nichts und hofte nichts, als dag e r glücklich ist! Glück ist für ihn Erfolg. Gott hat ihm, feine Dichterseele gegeben, die gottlob immer über, irdische Kleinigkeiten erhaben ist. Sv wird er nie gunX Bewußtsein kommen, wie viel ihm feine kleine töricht« Lou . . . schuldig bleibt! Und das, siehst Du, ijtf mein Trost und meine Beruhigung!"'

18.

EStta ahnte nicht, daß diese tröstliche Beruhigung schon 24 Stunden später in alle Winde gcrflatter» sollte.

ES war Abend. Lou hatte einen „guten" Tag ge­habt, und er waren eine Menge Leute zum Tee bage» wesen, die sie durch ihr lebhafter Wesen und ihre» Liebrei, bezauberte.

Nun lag sie etwa» ermüdet im SchrukelstuU und Derdachte noch einmal all die Artigkeiten, die ma» ihr gesagt.

Zuweilen huschte een leichtes, glückliches Lächeln über ihr Gesichtchem ,

Ach, die Leute waren doch z u nett mit ihr I Und daß sie bie Gräfin Pahlen heute gar als „MusterhauS- ftau" gepriesen hatte, wett alles gar so nett und appetitlich zugerichtet sei bei ihr, war furchtbar komisch! Sie hatte ja protestieren wollen m»d sagen, daß dies alles Weras Verdienst war, aber Wera selbst hatte >h» da» Wort abgeschnitten und der Gräfin beigesrimmt. Die Gute! Immer war fie fo! Die eigenen Ver­dienste schob sie vor den Leuten von sich ab auf di« Freundin, damit man nur recht gut von ihr denke.

Nun deckte Wera still und geräuschlos wieder den Abendtisch, hatte alles Ueberflüssige bereits fortgeräumt und aus allerlei Resten draußen in der Küche zwei, yLftc, appetitliche: Abenschüsjefii zusammLngeLcsitz JLg.f.,