47. Zahrg.
Montag, 21. Zuni 1920
Nr. 141
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Hoffentlich kann man von dem neuen Kabinett sagen: was lange währt, wird endlich gut. Wir hätten schon viel früher zum Ziele fommen können, aber es hat sich als Folge der Wahl gezÄgt, daß jede Partei es am liebsten sähe, wenn sie in Opposition treten und den anderen Parteien die Mühe und Der- mrtwortung des Regierens überlassen könnte. Den Wählern recht machen kann es ja in dieser Elendszeit keine Partei. Indessen mit diesem Parteiogoismus kommen wir nicht weiter, es geht einfach nicht, daß jede Partei fick einfach zurückhAt und es den andern überläßt, wie sie den Karren aus dem Dreck ziehen. Die Parteien müssen erkennen, was die Staatsnotwendigkeit unter den neuen BerhAtnisien von ihnen fordert; sie müssen ihre Sonderwünsche einschränken und von ihrer mehr oder weniger berechtigten Eigenart etwas abschleifen, um in die Arbeitsgemeinschaft hinemzupasien.
Das Zentrum war am schnellsten sich dieser Pflicht bewußt und hat danach gehandelt, es hat nicht gezögert, die Verantwortung auf sich zu nehmen. Die Deutsche Dolkspartei hat einen kleinen Umweg gemacht, aber doch bald den Anschluß gefunden. Am umständlichsten war die Selbsterziehimg bei der Demokratischen Partei. Bei der haperte es schon früher wiederholt an der Einigkeit und der Entschlußkraft. Die Nackenschläge, welche diese Partei bei der vorgängigen Absplitterung und bei den letzten Wahlen erhielt, habe noch mehr verwirrend gewirkt. Wir erkennen aber gern an, daß die jüngste Erklärung einen erfreulichen Fortschritt bedeutet.
Gcmz versagt hat die mehrheitsfoziali- stiiche Fraktion. Sie hat von ihrem Entschluß, nach dem Vorbilde der Unabhängigen sich abseits zu stellen, den Rückweg nicht finden können; mehr und mehr ist aber doch bei den gemäßigten Sozialisten die Erkenntnis durchgedrungen» daß es unverantwortlich sein würde, wenn sie den neuen Staatskutfchern Knüppel zwischen die Räder werfen wollten. Ob man schon
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genwärtig laufenden Ablieferungen an Frankreich und Belgien zu beseitigen.
Die Wahlen in Thüringen.
Die am gestrigen Sonntag vorgenommenen Wahlen zum ersten Landtag für Großthüringen haben aus den 14 größten Städten folgendes vorläufig« Ergebnis gebracht: Rechtsparteien 49167 Demo- Traten 14,521, Mehrheitssozialisten 31,594, Unat» hängige 42,242, Kommunisten 1195, Bauernbund 1297 Stimmen. Das flache Land ist noch mcht vertreten. Die Zentrumswähler stimmen bekanntlich nicht mit.
Verständigung.
Eine Entscheidung ist in der Regierungs- fri s e noch nicht gefallen, aber sie scheint doch jetzt bevorzustehen. Das „Kabinett der Wüte" aus Zentrum, Demokraten und Deutsche Volkspartei kann als gesichert gelten.
Die letzten Schwierigkeiten waren bekanntfich wegen brr Haltung der Demokraten entstanden. In ihren Beratungen, die am Samstag fortgesetzt wurden, kamen sie schließlch zu dem Entschluß, ihren Eintritt in die Arbeitsgemeinschaft nur noch davon abhängig zu machen, daß 1. die Deutsche Volkspartei sich voll auf den Boden der Weimarer Verfasiung stelle, 2. kein Minister mit „azu starkem politischen Gegensatz" berufen werde, 3. die Mehrheitssozialisten em Vertrauensvotum durchgehen kaffen. Diese „Forderungen" taffen pH erfüllen und sind offenbar schon aufgestellt worden in der Voraussicht, daß sie kern Hindernis bilden würden.
Es folgten Verhandlungen zwischen den Führern der Deutschen Volkspartei und der Demokratischen Partei. Die Deutsche Volkspartei erklärte, daß sie zwar die Monarchie als erstrebenswerte Staatsform ansehe, gleichwohl aber dem Ministerium einer Republik angehören könne, well man den gegebenen Verhältnissen Rechnung tragen müsse. Die Demokraten nahmen von dieser Erklärung Kenntnis und erklärten sich nun bereit, in die Koalition einzutreten. Die Führer des neuen Regierungsblocks haben sich daraufhin beim Präsidenten Fehrenbach zu einer gemeinsamen Besprechung zusammengefunden, um die letzten noch bestehenden Hindernisse für die Kabinettsbildung aus dem Wege zu räumen.
Am heutigen Montag finden die letzten entscheidenden Fraktionssitzungen statt, die aber nur formale Be- bmtung haben. Mn der Aufstellung der Mmsteriiste kann dann sofort gerechnet werden.
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auf eine „wohlwollende Reutralllät" rechnen dar>, mag noch nicht ganz sicher sein; doch ist wenigstens M erwarten, daß die Mehrheitssozialisten die neue Regierung und ihre Arbeitsgemeinschaft nicht schon wn Keime ersticken, sondern ihre Leistungen a b w a r t e n wollen. . , . - .
Man muß sich stellich fragen, tote lange soll das gut gehen? Die neue Regierung muß immer damit rechnen, daß sie von der Sozialdemokratie zu Fall gebracht wird, wenn diese den „psychologischen Augenblick" für gekommen erachtet Der „psychologis^ Augenblick" heißt ins Sinnfällige übersetzt: „Wahlparole". Das Kabineft besteht bis zu dem Augenblick, wo es der Sozialdemokratie eine Wahlparole geliefert hat, keinen Tag länger.
So sieht es mit den Lebensbedingungen des neuen Kabinetts aus. Die. drei Regierungsparteien haben fteilich durch die in der vergangenen Woche geübte Selbsterziehung und gegenseitige Abschleifung sich leistungsfähiger für ihre schwere Aufgabe gemacht, sre sind und bleiben aber in die Hand des nacktesten Parteiegoismus der Sozialdemokratie gegeben.
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Carl Schutte, u für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung.
es audrü-Wch: „Dre Kommission . soll all- vmr der deutschen oder preußischen Regierung ausseÄbten Machtbefuigrliffe besitzen, mit Ausnahme „tewr, dred e Gesetzgebung und die Steuern betreffs. Es 'lt nicht au verstehen, daß die Deutschen Behörden tn £6er- MesiM sich zjvei Monate diesen Zustand haben gefallen
Der zehnprozentige Steuerabzug auf Lohnzahlungen
stößt slüvohl in Arbeitnehmer als auch in Arbeib geberkreisen auf sehr ernste Bedenken.
Nach dem neuen Einkommensteuergesetz sind von jedem Einkommen die ersten 1500 Mark jährlich steuerfrei, außerdem hat jeder Steuerzahler mit nicht über 10,000 Mark Einkommen aber auch für seine Ehefrau und jedes seiner Kinder unter 16 Jahren, sowie sonstige Personen, die er zu unterhalten verpflichtet ist, 700 Mark Steuerfreiheit zu beanspruchen.
Ein Arbeiter, der verheiratet ist und 6 Kinder unter 16 Jahren hat, genießt also für 6400 Mark Steuerfreiheit, hat er außerdem noch für eine alte Mutter zu sorgen, so erhöht sich die Steuerfreiheit aus 7100 Mark jährlich. Danach hätte er bei einem Einkommen von 7200 Mark nur von 100 Mark die Steuer mit 10 pCt. — 10 Mark jährlich zu entrichten. Diese Bestimmungen über die Steuerfreiheit je nach Größe der Familie sollten besonders den Arbeitern und Angestellten eine ganz bedeutende, Steuererleichterung bieten.
Die Vorschrift, daß 10 Prozent vorn Arbeitslohn für Steuern einzubehalten sind, ist aber geeignet, große Verwirrung und Unannehmlichkeiten herbeizusühren. Anstatt 10 Mark Jahressteuer wären im vorliegenden Falle nicht weniger als 720 Mark für Steuerzwecke einzubehalten, die der Betreffende doch eigentlich gar nicht schuldig ist. Zwar sieht das Gesetz vor, daß er das zuviel Gezahlte später wieder zurückerhält, aber erst nach der endgültigen Veranlagung für das Rechnungsjahr 192*0, die keinesfalls vor dem Jahre 1921 stattfin» den tarnt, so könnte also ziemlich sicher der Fall eintreten, daß die Rückzahlung für das im Jahre 1920 zu viel Gezahlte erst im Herbst des Jahres 1921 geschieht; bis dahin wären aber anstatt 15 oder 20 Mark schuldiger Steuer 900 bis 1000 Mark vow Lohn einbehalten worden.
Daß ein Arbeiter nicht ohne Weiteres solche Betröge auf längere Zeit entbehren kann, zumal bei der jetzigen Lebensmittelteuerung, liegt auf der Hand, e$ ist deshalb unbegreiflich, daß man ein solches Gesetz gemacht hat, zumal bei seiner Abfassung jn । der Kommission hauptsächlich Arbeitervertreier mit- । gewirkt "haben.
| Die Unhaltbarkeit dieser Besfimmungen scheint sogar im Reichsfinanzministerium jetzt eingesehen zu werden, denn die soeben bekannt gewordenen Ausführungsbestimmungen enthalten zwar folgende Vorschrift:
„Zuviel entrichtete Beträge werden gründ, sätzlich auch nicht vor der entgültigen Veranlaffung für 1920 (diese findet, wie schon erwähnt erst im Jahr» 1921 statt) zurückgezahlt."
Es ist aber dann hinzugefügt:
„Zur Vermeidung von Härten ist jedoch schon eine vorherige Zurückzahlung für solch* Fälle vorgesehen, in denen die vom Arbeitnehmer für das Rechnungsjahr 1920 endgültig zu entrichtende Einkommensteuer voraussichtlich weniger als 10 vom Hundert des mutmaßlich im Jahre 1920 zu l erzielenden Arbeitseinkommens des Arbeitnehmers beträgt; entsprechender Antrag ist vom Arbeitnehmer beim Finanzamt zu stellen."
Da dieser Fall mit Rücksicht auf die Steuerfreiheit der 1500 Mark und der 700 Mark für jeden.
Derkehrsboykot gegen Ungarn.
Der Snternationale sozialistische Gewerkschaftsbund hatte gegen Ungarn wegen der dort nach der llnter- iHütfimg des roten Schreckens angeblich durch das Mt- ftär eingeführten „weißen Schreckens" ten Derkchrs- boykott verhängt, d. h. die Arbeiterschch , dte m diesen Gewerkschaften organisiert ist, verpflrchtete sich, keine Waren nach und von Ungarn, und teure Telegramme u. s w zu befördern. Der Boykott trat am gestrigen Sonntag in Kraft. Dieser Boykott hat, auch wenn er berechttgt wäre, das liebte, nicht diejenigen zu treffen, denen er zugedacht fft, sondern hauptsächlich das Proletariat, das durch ihn geschützt werden soll. Leiden wird die Arbeiterbevölkerung, für die sich alle Warm neuerlich ungeheuer verteuern muffen, wenn nichts ins Land kommt. Anderseits ist Oesterreich auf die Em- fuhr von Getreide, Fleisch und anderen Lebensmitteln aus Ungarn angewiesen, was namentlich wieder J)te Arbeiterbevölkerung Wiens auf das Schwerste schädigen kann. Selbst die Wiener sozialdemokrattsche Arbeiterzeitung muß zugeben, daß diese Waffe des roter» nationalen Proletariats nicht nur dem Feinde, sondern auch sich selbst schwere Wunden schlägt. Die netto- rotiert und christlich-sozialen Gewerkschaften der österreichischen Post-, Telegraphen- und Telephonangestell- ten haben denn auch teschloffert, den Boykott nicht mit- zumachen.__________ _____________
Kurland.
♦ Der Deulscheuhch in Belgien. Die Geschäfts« räume der deutschen Finna Sicks in Antwerpen wurden von einer ausgehetzten Menge gestürmt und vollständig ausgeraubt und zerstört.
* fialt statt IHarmor. Der neue italienische Mt- nisterprästdent Giolitti erklärte bei einer Besichtigung neuer Amtsräume des Ministeriums des Innern, daß die Räume für eine Zett, worauf Bedacht zu nehmen sei, dem Volke Brot zu vetffchaffen, viel zu verschwenderisch eingerichtet seien. Gwlittt ordnete an, daß die Wände nicht mit Marmor bekleidet, sonder» gekalkt würden. Parlamentarische Kreise glauben, daß dieses Beispiel ausgezeichnet auf die Einschränkung aller Ausgaben wirken werde. — Hoffentlich auch über dte Grenzen Italiens hinaus.
* Der Freiheitskampf der Türken gegen tue Engländer macht weitere Fortschritte. Die Truppen der türfischen Nationalisten unter Mustapha Kemal sind aus dem Innern Kleinasiens an die Küste des Mar- mara-Meeres vorgedrungen. Bei I s m i d, der letzten Stadt vor Konstantinopel an der anatolischen Bahn, haben sie die Engländer angegriffen, ihnen empfind- siche Verluste beigebracht, Ssmid und auch die Halb- insel von Smyrna besetzt. In Cieilien, in Syrien, in Mesopotamen und in Persien ist die Lage für die Briten überaus ernst, besonders da alle diese moham- medamschen Stämme untereinander und mit den Bolschewisten eng verbunden sind.
i * Räumung Persiens durch die Bolschewisten. Der [ Appell Persiens an den Völkerbund um Schutz gegen die russischen Angriffe hat zu einem überraschenden Ergebnis geführt. England, das durch fein Desensiv- bündnis mit Persien verpflichtet ist, aktive Httfe zu leisten, h<tt offenbar durch die Drohung, die wirtschaft- sichen Verhandlungen mit Krassin sofort abzubrechen, erreicht, daß die rufsifche Räteregierung sich bereit erklärt hat, ihre Truppen von persischem Gebiet zurück- zuzkehen. Allerdings soll W Moskauer Regierung er- klärt haben, sie könne sich jedoch weder dafür verbür- I gen, daß die unabhängige Republik Baku sich diesem I Vorgehen anschließen werde, noch verhindern, daß die I persischen Bolschewisten handelten.
Aus dem besetzten Gebiet.
---- Der Lohnabzug in Oberfchlesien. Der in Ober- schlefien durch den zeh-nproz. Abzugchon Lohn und Gehalt erbrachte Steuerbetrag wird nicht dem Reiche zufliehen. sondern von der udetxtiL Kommission angesammelt und zur Wiedergutmachung, also Krisgsentschädi- tzung verwendet. Die Kommission hat in den letzten zwei Monaten bereits aus allen Steuern, tote die „Ostdeutsche Morgenpost" mitteilt. 200 Millionen Mark eingenommen. — Das ist eine glatte Verletzung des Frie" densvertrages, denn im Artikel 88, Anhang § 3, heißt
ter samt Bruder und Baronin Atmh Bogner mit ihrem Ddann.
Dallariva aber sollte mit Isolde hinausfahren und da sie dies doch nicht allein wagte, sollte Daniela mit.
Der ganze Plan dieses Ausfluges war in Dalla- ribas' Kopf entstanden, der nach einer Zeit kühler Spannung nun plötzlich wieder AnnähemngÄxrsuche an Isolde machte und hoffte, sie bei dieser Spritzfahrt zu alten Fresken auch wieder zur alten Sympathie zurückzuführen.
Denn Isolde hatte .eS sehr übel genommen, daß er quasi hinter ihrem Rücken Lons Bild zu malen begon- neu hatte. Zwar war dies nicht, tote damals verab- redet worden war, gleich am nächsten Tage geschehen, da Frau Lou sich auf der Diezschen Gesellschaft „ein wenig erkältet" hatte, aber sie erfuhr doch, daß die Sache damals beschlossen worden war, und faßte es als Verrat Dallarivas auf.
Von da an wurde Frau Isolde sehr kühl gegen ihn. Sie übersah rhn und Lou geflissentlich in Gesellschaft, und als er einmal, im Mai, wie vereinbart gewesen war, mit ihrem Bild zu beginnen, sah sie ibn hochmütig erstaunt an: „Ich denke, wir lassen die ! Sache überhaupt sein. Sie sind ja nun auch schon an- I derweitig beschäftigt. Auch habe ich gar keine Lust, später im Künstler Haus mein Bild als — Gegenstück ausgestellt zu sehen!"
Dallariva erschrak ein bißchen. Es war durchaus nicht seine Absicht gewesen, es mit der reichen, schönen Frau Diez zu verderben.
„Sk zürnen mir also ernstlich?" fragte er bei nächster Gelegenheit kleinlaut.
„Durchaus nicht. Ich habe nur das Interesse an der Sache verloren. Ich bin nicht gewohnt, an zweiter Stelle zu stehen!" lautete ihre kühle Antwort.
„Aber ich versichere Sie, e5 ist nicht meine Schuld! Ich weiß kaum, wie es kmn . . . gestatten Sie mir | wenigstens, mich zu rechtfertigen . . ."
Indessen, Fiolde hörte gar nicht mehr auf ihn und I wußte ihm sehr geschickt jede Gelegenheit zur „Recht- I fertigung" zu entziehen. Nicht etwa — weil ihr die | Sache wirklich gleichgültig geworden war — im Gegenteil, ihre Eitelkeit litt heftig an der Niederlage, und sie hätte viel darum gegeben, Lous Pläne noch im letzten Augenblick durchkreuzen zu können — fern» dexn, weil sie injvuknp Wlta, durch täih; Asüärwa
Fordernde Liebe.
Roman von Erich Ebenstein.
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„Was willst Du denn eigentlich von mir?" frug sie | »ach einer Weile aus ihren Gedanken aufschreckend. I
-Oh, nur eine Kleinigkeit. Du sollst mich Sams- I tag aus einer Fahrt nach Tulln begleiten. Es gibt I da irgendwo in der Nähe eine alte Dorfkirche, in der | man kürzlich Fresken von künstlerischem Wert entdeckt I hat. Auch andere Altertümer sollen zu sehen fein. I Dallariva will uns das zeigen und erklären. Du der- I stehst: so eine Art Kunstwanderung I Es ist nur ein I Sanz kleiner Kreis von Bekanntem avisiert worden. ! Lauter Verehrer und Verehrerinnen Dallarivas."
.Und was soll ich dabei? Du weißt, ich kann Herr« I Dallariva nicht ausstehen l Er ist ein eingebildeter Geck, von dessen Charaker ich gar nichts halte. Die alten Fresken aber find mir erst recht schnuppe!"
.Dann tu es eben nur mir zuliebe, Dana! Ser lieb, Kleine! Weißt Du, es macht sich auch besser —I Wir treffen uns alle erst in Tulln — und da Georg schon so komisch in seiner Eifersucht auf den armen Dallariva, würde er es vielleicht nicht gerne sehen, •Denn ich solo an der Partie tetlnähme . . _
.Fährt Dein Mann denn nicht mit?"
-I wo! Der ist nicht für solche Sachen. Auch muß er Freitag nach Tvblowitz, wo die neue Villa einge- toeiht wird."
-Und da begleitest Du ihn nicht?"
. -Fällt mir gar nicht ein. Esten? Haffe ich diese ^lilla und zweitens stehen wir momentan cur einer Art stummen Kriegsfuß. „Also, was ist's wegen Smus- taz? Nicht wahr, Du kommst doch mit?"
Sie sprach so dringlich bat und schmeichelte so, daß I « Daniela unter andern 'Umständen gewiß ausgefallen | £äre. Heute aber war sie zu sehr mit ihren eigenen । Angelegenheiten beschäftigt. Sie konnte, sich auch gar | "jcht zu der gewünschten Zusage entschließen. Bis : Samswg waren noch vier Tage. Wer weiß, was in- tanschen geschah . I
' Aber Isolde ließ nicht locker. Sie hatte die Schwerer schnöde belogen, als sie tagte, alle träfen sich erst ta Tulln. Daz galt nur für die anderen Teilnehmer, ^eren es übrigens nur vier gab; ein Fräulein p. R«t-
veutsches Reich.
** Berlin, 20. Juni. Reichspräsident Ebert hat | gegen seinen Ausschluß aus dem Verbände der 1 Sattler und Portefeuiller bei dem Ausschuß des I Verbandes protestiert, der ihn in seine alten Mit- | gliederrechte wieder einsetzte. — Die Organisationen I der Unternehmer und Arbeitgeber in Landwirtschaft, I Handel, Industrie, Handwerk und Gewerbe des I Reiches haben sich zu einem Zentralausschuß der 1 Unternehmerverbände zusammengeschloffen. I — Der langjährige frühere Reichstagsabg. Prinz I Heinrich zu Schönaich-Carolath ist im Alter I von achtundsechzig Jabren gestorben. — Tie Preußi- I sche Regierung hat angeordnet, daß der Name der I Stak Köln hinfort mit dem Buchstaben ge- I schrieben wird.
* Die westfälische Landwirtschaft zur Zwangs- I wirtschaft. Eine in Hamm von etwa 1000 Landwirten j besuchte Hauptversammlung der der Landwirtschafts- I kammer für die Provinz Westfalen angeschtassenert I Vereine mit rund 110 000 Mitgliedern befaßte sich u. a. mit der künftigen Gestaltung unserer Ernährungs- wirtschast und nahm nach einem Dortrage des Oekono- mierats Gerland eine Entschließung an, in der geegt ist, daß /
1. beim Brotgetreide die Landwirtschaft sich mit der Zwangsbewirtschaftung noch abfinden müsse- ie ertoarte jedoch, daß das frühere Prämiensystem (bekanntlich vorgeschlagen und gefordert vom Bund der Landwirte) nicht wieder eingeführt und ein Ab- | kefiewprsis festgesetzt wird, der nach Deckung der Er. I zeugungSkosten einen angemessenen Gewinn beläßt, j
2. die ZwangSbewirtschaftung beim Fntterge- treibe, bei Oelfriichten und Fafergewäch. 1 e n sowie bei der Zuckerbewirtfchaftung so- vrt aufgehoben werden müsse.
3. die Kartoffelbewirtschaftung völlig aufzuheben fei. Für dieses. Fahr werde jedoch dem Plane zugestimmt, wonach ein Teil der Ernte durch privatrechttiche Lieferverträge für die allgemeine Volksernährung sichergestellt werden soll
4. Die Zwangsbewirtschaftung von Schlacht- vieh sei. soweit es sich um Schlachtschweine handelt, sofort und bei SHlachtrindern nach Erledigung der ge- mtn stärker zu beeinflussen al, früher, wo sie ihn beständig auszeichnete und ihm Weihrauch streute.
Allerdings wußte sie nicht, daß ihr bei diesem Spiel Lou selbst zu Hilfe kam, deren ungleichmäßige Laune und jetzt zuweilen elendes Aussehen Dallariva nicht nur stark enttäuschten, sondern geradezu abkühlten. , 1
So war eS gekommen, daß er nun diesen Ausflug er£mn um Isolde wieder näher W kommen.
Sie merkte gleich, was er wollte, imd triumphierte innerlich. Aber sie ließ sich lange bitten, ehe sie ihm erlaubte, die Fahrt nach TUlln mit ihr gemeinsam zu- rückzulegen.
Um gegen ihren Mann, der ihr nie verziehen hätte, toenm sie mit dem Maler allein gefahren wäre, gedeckt zu sein, mutzte Daniela mtt. i
Und nun wollte Daniela nichts i
„Es ist abscheulich!" sagte Isolde zuletzt ernstlich empört. „Eine so kleine Gefälligkeit! Und eine Schwester der anderen gegen®er!*
„Mir gefällt eben die ganze Geschichte nicht. Ich komme Georg gegen® er dadurch nur in eine schiefe Sage. Er mag Deinen Verkehr mit Dallariva überhaupt nicht!"
„Lächerlich! Erstens: was geht Dich Georg an? Zweitens: wenn Du mitfährst, ist ja alles ganz kor- reft!*
„Warum ersuchst Du nicht lieber Mera?. Sie hätte auch leichter Zeit."
„Die? Aber Dana, lebtest Du denn die letzte Zeit auf dem Mond, daß Du nicht toeitzt, wie Wera selbst nach Hause nur' mehr wie ein Gast auf flüchtige Minu- ten kommt? Mit Wera fft jetzt gar nichts anzufangen. Entweder pflegt sie Lou Meister, die, glaube ich, einen Schnupfen ewig nicht los werden kann, oder sie begleitet ihr Küchlein wie eine Gluckhenne auf Schritt und Tritt."
„So viel ist sie hei Meisters ?, Das wußte ich nicht "
„Mehr denn je. Na, ich habe so meine Gedanken darüber . . . nein, mit Wera ist'S nichts Und wenn Du mich nur ein bißchen lieb hast, so sagst Du nun endlich ja!"
Daniela seufzte.
Bonlogne tmb Spaa.
Der französische Ministerpräsident Miller and trifft heute mit L lo y d G e o r g e in Boutagne zusatn- roen. Der Zweck der Begegnung ist der Abschluß der Vorarbetten für die Konferenz von Spaa. Auch Jta- lien, Japan, Belgien und sogar Griechenland werden durch Vertreter ihrer Regierungen anwesend Jein. Große Schwierigkeiten sind neuerdings durch Entscha- digungsforderungen Italiens entstanden. Der neue italienischr Minister des Aeußern Sforza hat tert Auf- trag, ganz bestimmte Ansprüche auf Berücksichtigung ter ftalienischen Enffchädigmigsforterungen zu stellen. Dadurch werden die zwischen Frankreich, England und Belgien getroffenen Vereinbarungen über die deutsche Entschädigung in Frage gestellt. In Frankreich ist man infolgeteffert sehr mißtrauisch geworden und es scheint, daß die Franzosen ihre Zustimmung zur Festsetzung einer Pauschalsumme jetzt verleugnen möchten und auf Tilgung durch Iahreszahlungen zurückkommert möchten, die je nach der »Leistungsfähigkeit Deutschlands erhöht werden könnten.
Auch die Entwaffnung Deutschlands soll in Bou- fogne besprochen werden und man ist sowohl auf englisch« wie auf französischer Seite entschlossen, zu verlangen, daß die Zahl von 100 000 Mann, die durch ten Friedensvertrag Deutschland zugebilligt worden ist, unter allen Umständen bis zum 10. Juli erreicht wird.
„Echo te Paris" meldet, daß infolge der Schwierigkeiten bei ter Bildung des deutschen Kabinetts die Konferenz von Spaa abermals verschoben wird, und zwar auf ten 10. Juli.
Französisches Lob für Dr. Mayer.
Der Parffer „Jntransigeant" spricht dem deutschen Geschäftsträger in Paris, Dr. Mayer, eine besondere Anerkennung aus anläßlich ter Begründung seiner Ablehnung des Kanzlerpostens (Dr. Mayer hatte er- i klärt, daß er wegen ter Wichtigkeit seiner Aufgabe in I Frankreich seinen Posten nicht verlassen könne) und erklärt, Dr. Mayer habe in Paris überall den besten Eindruck gemacht. Man könne nur wünschen, daß seine Ratschläge in Berlin auch gehört würden.
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