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Fulvaer Zeitung

7-nldaer Aetteudrnckerei in Fulda

VMM der Bctttl

MüS, 6 1.7 M. ^2 T 16. Anna Traut, ledigen Standes, 70 I. 8 M. 23 T. 17. Geh. Justizrat August Metz aus Gießen, 71 I. 11 T.

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gefühl.

Der Friedensruf des Papstes ist ein Appell an das I gewissen Europas und ein Beweis dafür, welch feines Ohr die Kurie für den Gang des Weltgeschehens hat. I Für den, der von den gewaltigen geschichtlichen Ereig. lüsten der Gegenwart den nötigen Abstand zu nchmen vermag, gibt es eigentlich keine deutsche, englische und französische Frage, sondern letzten Endes nur eine europäische Frage, die darin gipfelt, ob die abendländischen Kulturländer noch die innere Kraft be­sitzen, der vom Osten heranflutenden Welle der Bar- barei Trotz zu bieten. Die Enzyklika gibt die Antwort auf diese Schicksalsfrage und nennt das einzig rettende | Mittel: die Erneuerung der Nationen im । Geiste des Christentums. Wie unser eigenes Volk nur durch eine geistige Wiedergeburt aus tiefem Falle wiedererstehen kann, so wird das Schicksal der europäischen Kulturgemeinschaft von der Möglichkeit einer Renaistance des christlichen Zkulturgedankens ab» hängen.

Die päpstliche Note enthüllt die ganze innere Un- Wahrhaftigkeit des Gebildes, das unsere ehemaligen Feinde Völkerbund nennen. Der wunde Punkt btefes Bundes besteht darin, daß er wohl die Entwaff­nung der Besiegten betreibt, dafür aber umso eifriger werter rüstet. Darum fordert die Enzyklika eine wei- kstgehende Einstellung her Rüstungen bet allen Nationen, denn nur dann kann ein Bertrau- rnsverhältnis sich zwischen den Völkern anbahnen, Wenn nicht eine Nation dauernd mit der brutalen Ge- Waü einer andern rechnen muß. Es ist richtig, daß wir heute in Deutschland infolge unserer Lage solchen Gedanken leichter zugänglich sind, als die siegreichen Na- fcmen. Dadurch wird die Notwendigkeit aber nicht ge­ringer chie europäische Politik aus einem Gleise heraus- iubringen, das sich täglich deutlicher und erschreckender ols ein totes Gleise erweist. Wir haben keinen Ein­fluß auf den Geist der anderen Nationen. Wir haben schließlich auch kein Recht, vor die anderen Völker als die Prediger des Evangeliums der Siebe hinzutreten, so­lange im eigenen Volke noch Haß und Zwietracht den Ton angeben. In dem Maße, in dem es aber dem deuten Volke gelingen sollte, die Mahnungen des Oberhauptes der katholischen Kirche, der hier auch zu den Christen außerhalb dieser Kircbe spricht, zu ver- wirklichen, in dem gleichen Maße könnte das deutsche Volk auch wieder schlagkräftig nach außen hin werden, diesmal nicht mit der gepanzerten Faust, sondern nut den Waffen des Geistes.

rangen zusammenhielt, in denen man sich in Berlin und zwar nicht nur in Volksversammlungen und in der Presse, sondern auch in maßgebenden Kreisen über die amerikanische Beteiligung am Kriege erging, mußte schon im verhängnisvollen Sommer 1917 über den Ausgang unserer Sache ernstüch besorgt fein.

Die Genugtuung, durch feinen Bericht die Mei­nung des Grafen Hertling im Sinne nachdrücklicher Vorstellungen in Wien und Berlin zugunsten eines „Schluffes zu rechter Zeit" beeinflußt zu haben, ist Herrn v. Stockhammern versagt geblieben. Als ich, erzählt er, den Grafen Hertling im Herbst 1917 in Berlin mied ersah, war er, ein hochbetagter und er­schreckend gealterter Mann, Kanzler des Deutschen Reiches geworden. Daß er das Amt nicht gesucht hatte wird ihm jedermann bezeugen, der weiß, wie er sich seinerzeit im Jahre 1912 unter Berufung auf seine Gesundheitsoerhältniffe und fein damals schon ge» schwächtes Augenlicht geweigert hatte, das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten anzunehmen. Wenn er sich 5 Jahre später entschloß, bei erheblich geminder- ten Körperkräften die unvergleichlich größere Bürde des Reichskanzleramtes zu übernehmen, so geschah dies aus Beweggründe^ hoher Vaterlandsliebe und in der durch feine parlamentarische Vergangenheit berechtigten Ueberzeugung, daß er der Mann sei, um mit dem Reichstag, in dem man damals die Quelle allen Hebels sah, fertig zu werden. In gewiffem Sinne und bis zu einem gewissen Zeitpunkt gelang dem Grafen Hert- ling die Lösung dieser Aufgabe, dank der unvergleich- sichen Meisterschaft, mit der er mit großer Schlag- fertigtest in kritischen Auaenblicken die parlamentarische Situation zu meistern wußte. Es war dies aber mehr das Aufflackern einer erlöschenden Flamme, als die Betätigung geistiger Spannkraft und wegweisender [ Eonse, die RcÄV ta idrer buÄttzsW Sgae

Börsenwochenbericht

des Hessischen Bankvereins, Akliengeselffchost, Zweigniederlassung Iulda.

Mangels jeglicher Unternehmungslust und infolge des weiteren Andauerns der Regierungskrisis bewegte sich das Geschäft anfangs der Woche in sehr engen Grenzen. Die Dienstagbörse eröffnete in der Erwartung, daß eine Lösung der Regierungskrise erfolgen werde in recht fester Haltung. Auch am Mittwoch hrelt die feste Tendenz an. Die neue Regierungskrise wrrkte aus die Donnerstagbörse verstimmend, sodaß eine allgemeine Geschäftsunlust eintrat, die auch bis Ende der stoche angehalten hat. Die ausländischen Zahlungsmittel konnten am Anfang der Woche eine recht erh.ebl^lche Steigerung aufweisen, um im Laufe der Woche wieder abzuschwächen. Der Stand am Ende dreier Woche blerbt immerhin hinter dem der vorigen Woche zuruck, sodaß unsere Mark trotz der starken Schwankungen im Lause der Woche eine kleine Stärkung erfahren hat.

Heimische Anleihe waren sehr still, 5% Kriegsanleihe 79.50.

gyrzug aus dem Standesamts-Register

des Standesamtes Fulda.

Sterbefälle in der Zeit vom 11.—18. Juni 1920.

10. Juni Ehefrau Frieda Amanda Hose, 30 I. 6 St. 12 T. 10. Ehefrau Agnes Elisabeth Kleine. 68 I. 8 M. 6 T. 10. Witwer Privatmann Liebmann Freund, 82 I. 8 M. 28 T. 12. WerkmeisterS-Witwe Karoline Michel, 68 1.1 M. 29 T. 12. Invalide Witwer Faustin Loos, 74 I. 1 M. 12 T. 13. Heinrich Friedrich Flohr, 2 M. 10 T. 15. Ehefrau Rosine Veh auS Reulbach, 43 I. 6 M. 3 T. 15. Klara Josesine Röhrig au» Rückers, 4 I. S M. 22 T. 15. Maria Möller aus

3eien Sonntag ein öutin im Me

kann nicht jeder haben. Aber es gibt noch so viele Haus- halle, wo sich Zeit und Gelegenheit zur Geflügelzucht böte und diese könnten bei rationeller Zucht vor allem

miedet Wime 6iti finden.

Wichtige Fingerzeige bietetbem Züchter der Geflügelzucht- kalender in dem soeben erschienenen Fuldaer Eonifaftus- kalender sürdasZahr 1921, der bei seinem mäßigen Preis (Mk. 1.20) und gediegenen Inhalt unter den Kalendern immer M fiel fillilgfte isl.

JE 140.

Samstag, 19. Juni 1920.

Märkte.

n Fulda, 19. Juni. Der heutige Schweine­markt wies einen Auftrieb von 180 Ferkeln und 44 Läufern auf. Bei wenig lebhaften Handel wurden für Ferkel 150, 200 und 250 Mark, für Läufer 400, 450 und 500 Mark gezahlt.

vermischter.

* Filmervlosion. In Falkenberg (Prov. Sachsen) ereignete sich während einer Vorführung des Films „Die Herrin der Welt" im Lichtspieltheater eine Filmexplosion. Der Filmoperateur wurde schwer verletzt; eine Reihe von Filmen sind vermchtet und die Apparate demoliert. ,

* Durchstechereien im städtischen Flelschamt m München. Amtlich an gestellte Personen tm Münche­ner Fleischamt, von denen bisher fünf verhaftet wurden, haben Fleischmarken in großen Mengen an Münchener Gastwirte gegeben. Die Durchstechereien kennzeichnen sich meist als Verbrechen tm Amt.

Der wahre Völkerbund. ,

zur Ariedenseuzyklika des Papstes.

In dem Augenblick, wo sich bei den Entenlemäch- I vornehmlich in Frankreich, allerlei dunkle Kräfte I Seihen, den Weg nach Spaa zu verbauen und da- I Ljwjh die ersten zarten Keime einer Verständi- I au«g zwischen den ehemals kriegführenden Mächten • eMcken, erhebt der Stellvertreter des göttlichen Stiebensfürften auf Erden seine mächtige Stimme und I A„ahnt die Völker zum Frieden. I

' 2)as päpstliche Schreiben gibt ein erschütterndes Bild I MU der trostlosen Lage der euwpäischen Völker, die in I

und Feindschaft zu ersticken drohen und dadurch I selbst zugrunde richten. Nicht nur die Zivilisation I Ut vor dem Untergang, die ganze Kultur und mit ihr te Trägerin unserer Kultur, das Christentum, befindet sich in der schwersten Krise. Von hoher Warte lL mit dem durch keine nationale Begrenzung l>e- imgenen Blicke des Oberhauptes der welturnfaffen- ta, Kirche, sieht der Heilige Vater das Chaos und die «Msung über die Menschheft hereinbrechen, wenn «icht baldigst eine Wandlung des Geistes der Völker «gb ihrer Staatsmänner eintritt. Wohl ist äußerlich b« Friede allerorten geschloffen, aber vom Willen zum wahren Frieden ist bei den Siegern wenig zu I spüren. Solange der Haß noch den Grundton im Verkehr zwischen Siegern und Besiegten angibt, so taigc kann an einen aufbauenden Frieden nicht ge­dacht werden. An die Stelle des Hasses muß der Geist der Liebe treten, wie sie Christus gelehrt und wie sie die Kirche als wichtigstes Erbgut die Iahr- kmderte hindurch der Menschheit gepredigt hat.

2>te europäische Frage wäre gelöst, wenn die Völ­ks nur einen Teil der päpstlichen Weisheit, die aus dem ewig frischen Quell der christlichen Sittenlehre ge­schöpft ist, sich zu eigbn machen wollen, ebenso wie ksie soziale Frage ihrer größten Schwierigkeiten be» mubt wäre, wenn sich die Menschen in den Bann der christlichen Nächstenliebe begeben wollten. In den Tagen, wo die Staaten Europas durch wahnsinnige Selbstzerfleischung sich zugrunde richten und im Geiste tes Materialismus zu ersticken drohen, tritt Rom vor bte Völker hin und entrollt einer Menschheit, der die graue Not die letzten Ideale rauben will, das Ideal­bild einer europäischen Staatengemein­schaft, zusammengehalten durch den Geist des ge- memfamen christlichen Glaubens, gestützt auf die sitt­lichen Ewigkeitswerte der christlichen Rellgion. Nicht als ob das päpstliche Rundschreiben einer Ausschaltung ber natürlichen Verschiedenheit der Nationen das Wort reden wollte, wie sie der sozialistischen Internationale oorschwebt, die alle Schranken zwischen den Nationen niederreißen zu können vermeinen. Die Politik Roms, so sehr sie auch von übersinnlichen Voraussetzungen ausgeht, und gerade durch diese Einstellung auf das Jenseitige ihre wesentliche Prägung erhält, hat wohl niemals die Tatsachen der rauhen Wirklichkeit aus dem Luge gelassen. Der Zweck der Vereinigung soll nicht verflachende Gleichmachung im Völkerleben sein, son­dern Sicherung der Unabhängigkeft und des ungestörten Besitzes des eigenen Lebens der einzelnen Völker. An Stelle der Politik einer gegenseitigen Vergewaltigung und Beraubung soll eine Politik der Solidarität ber europäischen Nationen treten, heraus» gewachsen aus dem gemeinsamen christlichen Kullur-

Ltterarisches.

SpezIalsLhrer durch den Dom, die Landesblbliolhek und die Mchaelskirche zu Fulda von Franz Kramer, Fulda. 1.—6. Taufend. Eigenverlag. Preis 4 M.

Wie froh ist man in einer fremden Stadt mit erlesenen Sehenswürdigkeiten, wenn man einen Munn findet, der durch liebevolles Studium und tiefgehendes Intereffe mit allem Schönen und Bedeutungsvollen an dem betreffenden Orte vertraut ist, dabei aber auch die Gabe besitzt, in eigen­artiger, geistreicher und erfrischender Weife über alle die Dinge zu plaudern, die einem beim Rundgang tn die Augen fallen. Nicht jedem und nicht überall ist einem das Glück befchieden, einen solchen Cicerone zu finden. Am häufigsten glückt es noch in Süddeutschland. Wie mancher, der nach München gefahren ist, hat dort im Hos- bräuhaus oder an einem andern feuchtfröhlichen Orte von Isar-Athen einen ürgemütlichen Münchener kennen ge­lernt, der es sich dann zur Ehre anrechnete, als „Spezial- Führer" durch die Sehenswürdigkeiten der blau-weißen Hauptstadt zu dienen. Wer das Glück genießen durfte, am Isarstrand längere Zeit zu leben, der hat genug Bilder von norddeutschen Hochzeitspaaren, auch von Erholungs» Urlaubern aus „Preißen" in guter Erinnerung, wie sie unter der vorsorglichen Führung solcher Münchener Lokal­patrioten alle Denkmäler, Kunstsammlungen, Paläste und Kirchen schwelgend genoffen. Auch in unferm lieben Fulda hat mancher Fremdling, den der Ruf der Boni- satiusstadt, der Perle edler Barockarchitektur anzog, einen ebenso kenntnisreichen als originellen Führer gefunden, Herrn Franz Kramer, den jünglinghasten 70er. den Ver­fasser des eingangs genannten Schriftchens, in dem, er feiner verdienstlichen Führertätigkeit nun auch einen lite­rarischen Niederschlag gegeben hat. Was er am liebsten den staunenden Fremden m feinen Musestunden zeigte, Dom, Landesbibliothek und Mchaelskirche, hat er darin mit erfrischender Lebhaftigkeit beschrieben. Die Originali­tät des Dersaffers bringt es zu Wege, daß nicht nur ber Fremde, sondern auch der Einheimifche, zumal jeder, der den liebenswürdigen, hilfberesten und stets witzigen Franz Kramer kennt, feine Helle Freude an diesem Spezialführer haben tarnt. Die Worte werden da nicht auf die Gold- wage wiffenschaftlicher Bedächtigkeit gelegt, weise und ge­lehrte Leser will unser begeisterter Freund der Fuldaer Heiligtümer nicht noch weiser und gelehrter machen, aber es gilt ihm, lebensvolle Beziehungen zwischen dem Be­schauer und dem Kunstwerk, zwischen dem Betrachter und dem Gegenstand der Betrachtung herzustellen. Er verfährt, . rote jener Dichter des Heliandes, des germanischen Chri- I stusepos, verfuhr. Er sieht auch Vergangenes und ihm weniger Bertrautes mit den besitzergreifenden Sinnen eines Menschen des 20. Jahrhunderts, er spricht aus, was er denkt, er hat den Mut, zu sagen: so sehe ich es, I wenn ich auf dem Boden des Jahres 1920 und nicht auf dem Schemel irgend einer historischen Forschungsmethode I stehe. In einer Zeit, wo viele zünftige Diener der Feder I aus demütiger Hochachtung vor den vielen Büchern, die I über jeden Gegenstand nun seit Erfindung der Schreib- I tun ft schon geschrieben sind, ängstlich und immer ängst- I sicher werden, ihre Ansicht auszusprechen, da hat Franz I Kramer, hn stolzen Bewußtsein eines Mannes, der die I weit« Welt gesehen hat, die Schätze feines lieben Fulda I gepriesen. Alle Freunde eigenwüchsiger Art und treuen I Heimatsinnes, der keine falsche Scheu kennt, wiffen ihm I Dank für die frohe Stunde, die ihnen ine Lektüre des I Schriftchens bereitet hat. 2. K.

Elvs Geheimberichten

an den Grafen Hertling veröffentlicht Minffterialdirektor von Stockham-, »em, während des Krieges und vorher an der baye­rischen Gesandtschaft in Rom tätig, in der Zeiifchrist »Ztie Grenzboten" einzelne Stücke, die für jeden Po- "iker von hohem Intereffe sind. .

In der Einleitung hat der Verfasser eme feinsinnige Aarakterisierung des ehemaligen Reichskanzlers, des «rafen Hertling, gezeichnet. Er hat versucht, aus dem Tharafter und der inneren Seelenftruktur des Grafen Hertling heraus, dessen Einstellung zu den äußeren Ereignissen der Politik zu entwickeln und zu erklären. Er hat dadurch wesentlich dazu beigetragen, das Bild Hertlings zu vertiefen und biographisch zu vewoll- kommnen.

Die veröffentlichten Schriftstücke selbst, verschaffen uns einen Einblick in die verschiedenen biplomatuajen f Strömungen und zeigen uns deutlich, wie es auch in unserem eigenen Lager an Warnern vor einer lieber» wrmnung der Derhältniffe nicht gefehlt hstt. Herr AM

beburfte. Die geistige Vereinsamung, in der Herllmg, i der schon in München auf die Unterstützung fremder I Augen angewiesen war, sich befarch, Mhm angesichts des riesenhaften Ausmaßes der Geschaftslassi d'e m Bersin auf ihm lag, naturgemäß zu. Undc war eine Tragik des Schicksals, daß das kor^rl.cheEahmen eines ehrwürdigen Greifes mit dem katastrophalen Zu I sammenbruch seines Volkes zusammenfiel, dessen Führer er war.

Kur dem Kachdargevier,

» Gelnhausen. In den letzten Tagen brachen an verschiedenen Stellen der Furftl. Wach dachffchen Gruben und Waldungen Brande aus, die teilweise auch erheblichen Schaden anrich teten. In der letzten Nacht wurde abermals ein großes Gebäude bei Wittgenborn durch Brand ver- nichtet, wodurch der Betrieb der Brauerei Wachters- ! bach gestört wurde. Die fürstliche Verwaltung hat auf die Ermittlung der Brandstifter eine Beloh» nun« von 10000 Mark ausgesetzt, da sie an­nimmt, es mit einer organisierten Bande zu tun zu $abmö. Frankfurt a. M. Nach Erledigung eines recht reichlichen Arbeitspensums ging der 4 5. deutsche Gastwirtstag zn Ende. Aus den Verhandlungen ist besonders erwähnenswert, daß sich nunmehr alle

I Gastwirteorganisationen dem deutschen Gastwirte I verband anschließen werden und dag man zu einer Arbeitsgemeinschaft gelangen wird. Die Skhaffting eines Reichstarifs für das Gastwirtsgewerbe erschien der Tagung nicht opportun und -s wurde der dahin gestellte Antrag abgelehnt. Man sprach sich für die Unterstützung der Organisationen der technischen Nothilfe aus. Die Tagung sprach sich dann fernerhin für die Errichtung von Gastwirtekammern aus. Um die wirtschaftlichen Sorgen des Gastwirts herab

I zumindern, stimmte man dem Antrag zu, der be» I zweckt, dem Gastwirt das Recht der ® e&u$?:cn' Erhebung für Benutzung desFernsprechers zuzugestehen. Daß der Abbau der Zwangswirtschaft und der Kriegsgesellschaften gefordert wurde lag angesichts der gemachten Erfahrungen'm Gastwirts» I gewerbe auf der Hand. Gegen Ende der Tagung, mit der eine Reihe von Besichtigungen verbunden waren, überraschte der Direktor der Kohlensaurewerke noch durch die Mitteilung, es werde demnächst eine Verteuerung der Kohlensäure eintreten.

Stockhammern zeigt grell den Unterschied Mns^'siI \ Illusionen, denen man sich in Berlin vor der 5t-a5pl, I ] schäft v. Hertlings hingab und der nüchternen Beur- teilung der Dinge, wie sie in der Schweiz gefchah, wo sich Diplomaten und Nachrichten aus allen tanoern i des kämpfenden Erdkreises kreuzten. Der stärkste Ein- I druck, sagt er, den ich in dieser Hinsicht empfing, war I die an einen Jubelrausch ermahnende Stimmung, oie i ich am 13. Dezember im Jahre 1916 in Berlin antraf, I wo man eben das seit Monaten vorbereitete, in oer l Schweiz bereits bekannte Friedensangebot der Zentral- I möchte bekannt gegeben hatte. Zwei Herren auster i nächsten Umgebung des Reichskanzlers von Bethmann I Hollweg, zu denen mich mein dienstlicher Weg führte, i gaben ihrer strahlenden Zuversicht in das unmittelbare I Bevorstehen des Friedensschluffes einen s° treuherzigen Ausdruck, daß man versucht war, zu glauben, die En­tente habe Deutschland den Frieden angeboten, und man komme aus einem Land der Träume und mcht I aus der Schweiz, wo alles, was man seit Wochen uns Monaten beobachtet hatte, gegen die Dpporhrmtat eines I derartigen Friedensschrittes sprach. Die skeptischen Auffassungen, die in dieser Hinsicht in der Schweiz bestanden und über die ich berichtete, fanden ihre volle I Bestätigung durch das, was ich am 26. Dezember, 5 I Tage vor der brüsken Ablehnung der Entente aus I

I Bern an die bestimmte Aeußerung eines gewöhnlich gut I unterrichteten päpstlichen Diplomaten nach Haufe mel­den konnte. Nur aus diesem Zustand chronischer Selbsttäuschung heraus ist es zu erklären, daß man in Wien und Berlin so ziemlich jedes Quartal, auf haltlose Agentennachrichten hin, sich am Vorabend

I eines Friedensschlusses wähnte, während man es mit | einer gewissen Konsequenz aus dem Wege loyaler, ge­deckter Inanspruchnahme einer neutralen Macht ober wenigstens durch Beauftragte zu versuchen, die mcht I von vornherein durch den zweifelhaften Charakter ihrer Legitimationen den ftemden Vertretern Miß-

I trauen einflößen mußten. ...

Bemerkenswert sind seine Auslaffimgen über die Folgen eines Falles von Verdun, den er nach sei­nen Informationen als nicht genügend angesehen hat, um die militärische Widerstandskraft Frankreichs zu brechen. Wir wissen, daß die ntilftärischen Führer seiner Zeft anders darüber geurteilt haben. Ebenso I bemerkenswert sind seine Auslassungen über die Fol­gen der österreichischen Fliegerangriffe auf die oberitailienifrfjen Städte. Diese hätten, so schreibt er am 24. Februar 1916 aus Genf, keineswegs Kriegs­müdigkeit, sondern im Gegenteil Kriegsfanatismus I hervorgerufen. Die Stellung zu Italien steht über» Haupt in den Berichten im Vordergrund. Im dama­ligen Auswärtigen Amt, insbesondere bei Herrn von Iagow, galt als sicher, Italien stehe vor der Revo» lution, die Monarchie werde kopfüber gehen, Italien werde sobald als möglich einen Sonderfrieden nach­suchen. Wie irrig diese in den Berichten von Anfang an bekämpfte Auffassung war, hat der Verlauf des Krieges bewiesen. Italien war schon vor dem Kriege in wirtschaftlicher, nationaler und militärischer Be­ziehung weit über den landläufigen Begriff hmaus ge­wachsen, den man sich in Deutschland zurecht gelegt hatte und hatte in den zehn Monaten feiner Neutra­lität (August 1914 bis Mai 1915) so bewundernswerte Proben nationalen Elans und gestraffter Disziplin ab­gelegt, daß die von Berlin und Wien aus verbreitete Idee von einem raschen Zusammenbruch der italieni­schen Kriegspolitik als Wahngebiwe erscheinen mußte. Die Dauer des Krieges war ferner eine Frage, die von Herbst zu Herbst aktueller wurde und hinsicht­lich deren in den politifchen Zirkeln in ber Schweiz schon im Jahre 1915 die Ueberzeugung bestand, daß vor dem Jahre 1917 ein Ende nicht zu erwarten fei. So stark wurde schon damals der Kampfwille und die Kampfstärke Englands eingefchätzt, ebenso im Jahre 1916, als die Möglichkeit einer Verschärfung des deut­schen Uboottrieges die Welt beschäftigte und im Jahre 1917, als die absolut gerechnet, großen, relativ gemes» sen, aber ungenügenden Ergebnisse des verschärften Uboottrieges die öffentliche Meinung Englands stark zu beunruhigen begannen. In klarem Widersprach zu der offiziellen Berliner Meinung stehen ferner Berichte, die wahrheitsgetreu sich über die Höchstleistungen äußern, die man in diplomatischen Kreisen der Schweiz den Vereinigten Staaten von Nordamerika gutraute. Von besonderem Gewicht für die Beurtei­lung dieses Problems war hier die Meinung des päpst­lichen Vertreters in der Schweiz, der lange Jahre an der apostolischen Delegatur in Washington tätig ge­wesen war, Amerika nach allen Enden hin bereift hatte und aus der Zeit dieser feiner Wirksamkeit nicht nur ein gründliches und gereiftes Urteil über die Verhält­nisse Amerikas, sondern auch eine Fülle wertvoller Verbindungen besaß, die ihn in den Stand setzten, sich ein tlares Bild von dem Kampfgeist zu machen, der im Frühjahr 1917 die Union mit der Wucht eines Tropenfiebers befiel Wer das, was dieser kluge und aufrichtige Freund des Friedens, der ganz im Sinn und Geist Benedikts XV. rastlos für die Ermöglichung einer Anbahnung von Friedensverhandlungen tätig war, in vertrautem Kreis über die Leistungsmöglich- I feiten Amerikas entwickelte, mit den albernen Aeuße-

Sottesdienstordirung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 20. Juni. Dom 6,-/-7 u. 7 M., i/,7 Korn. d. Jüngi.-Sod. u. d. chrtstenlehrpfl. Jungt., 8 Pfarre "t m. Umg., Pr. u. S., V-lO Kathedraiamt irr 5ßr Tht., r/rl2 M. m. Pr., V-2 Sakraments-A. (2.’ Fron. 7 Ehr., 4 Sakraments-Bruderschaft m Pr., 7 Ä i d - uittenl. (Montag nachm. 5 Rosenkranz-A.) Stadtpfarrkir»e. 5V, Kom., 5-/« M, 6-/. M. u. Stern, b Jüngl 8 M. u. Pr. (1. Schulgd.), 9’/» Pfarramt u. Pr? ll M u. Pr. (2. Schulgd.i, 9V, A. f. d. Jungl » Sob i d Severikirche, IV, Ehr. f. d. Jungfr., 2/, Bruberschaft vom hochwürdigsten Gut. - E"meüe .«m heiligen Geiste. V.7 Kommunion, 7 Frühmesse, 8 Pr7 Amt m. Kom., V,5 Ehr 5 A. - S°dal tat. i/,10. — Severikirche. Sonntags V,7, werktags 6

6 Frühm., 8 Amt m. Pr., 2 A. (Mlttiv. abends 8 A.—Frauenberg. M. v. 5-7, ^ruderschafts-M. m Pr 9 Hochamt m. Pr., nachm. 2 Pr. u A. f. o. Terziaren, abends V>8 Herz-Jesu-Andacht mit Predigt, Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 20. Juni. Vormittags 8 u 9V, Pfarrer Weber, 11 Kindergottesdienst. — Bieberstein. Vorm. 9 Pfarrer Reich.

MeilmW to KMemM.

Brtkettverteilttng.

Am Montag, den 21- Zmi. für folgende Straßen: Abtslor, Kronhofstraße, Rosengarten, Wiesenmuhle, Breiterweg, Haimbacherstratze, Horaserweg, Hopfengarten. Lengsseldergasse, Tränke, Angel, Eichsfeld, Hmterburg.

Gaskoksavgabe.

Am Montaa, den 21., und Dienstag, den 22. Znni. füt folgende Straßen: Schlachthausgasse, Schwememarkt, Augustastraße, Brauhausstraße, Dalberg» . Florengasse. Hirtsrain, Künzellerstraße, Schuhtraße, Stemweg, Bach rain, Buseckstraße, Edelzellerstraße, Franzosenwardchen, Kapuzinerstraße. etttiiiioira der WMe» MWtWiMiWr.

12. Juni 1920.

In der nächsten Woche entfallen auf jede Fettkarte 100 Gramm lluslandrschmah. Die Krankenkarten werden mit Butter bedient. Abgabe an die Verbrancher. Fre,. taa u Samstag. Schmalzausgabe an die Geschäfte: Donners» tag v'ormittag 9 bis 11 Uhr im Schlachthof. (Die Stunden find pünklich einzuhalten; zu einer anderen Zelt w r Schmalz nicht auszegeben). vutteranrgabe: Donnerstag nachmittag in der Molkerei.

Auf die Fleischkarten der nächsten Woche wird frisches Fleisch geliefert.

Sonderverteilung für Mütter, Tbc^-Kranke und Diabetiker. (Als Mütter kommen alle tn Betracht, die im Besitz eines blauen Bücheichens find).

Die Karten werden am vtenrtag, den 22. Ium tn der Kartenausgabestelle ausgegeben Dm Ware rst am Dienstag und Mittwoch m dem Geschäft von 2. Decke, Kanalstraste abzuholen. Beliefert wird: 1 Pfd.-Bo,e I Malzextrakt zu 4,— Mk., V, Pfb.-Paket Milchsüßspeise (flute° Ware bestehend zu einem großen Teil aus Weizen­grieß) zu 3,— Mk., 1 Pfd.-Pakei Kunsthonig zu 3,70 Mk.

Betrifft Kartoffeln:

Ber vorhandene Restbestand an Kartoffeln ist gemäß Bekanntmachung vom 15. d». Bttr. Sieben worden. Kartoffeln find also nicht mehr vorhanden; «eitere Nach, fragen find zwecklos.