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Fordernde Liebe.

Roman von Erich Ebenstein.

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Ms Pore Sand das Vorzimmer treuste, um zur klnsAingstür Zu gelangen begegnete sie Daniela.

„Gewiß ist das seine Frau!" dachte sie und grüßte böslich. Der Gruß wurde durch «in stummes Kopf­nicken erwidert. Für einen Augenblick ruhten Dat- «nclas dunkle Augen kalt und verächtlich auf der jun. flen Lehrerin.

Aber ihr Herz pochte dabei laut und etwas Wie schreck krampfte ihr die Brust zusammen.

O — sie war schön, diese Lore Sand, viel schöner "och, als Daniela gedacht! Ein feines, blafles Ma- ^mrrengefilbt mit großen, blauen Kinderäugen, dunk- l®n Haar und eine schlanke, biegsame Mädchengestalt, ^iiva? EdleS, Schwärmerisches lag über dem Gesicht "»Sgegosien, das ihm aparten Reiz verlieh und Mankier anZiehen mußte . . -

16,

Taniela verlebte den nächsten Tag wie im Fieber. Heute hatte er Lor« Sand versprochen, zu kommen, w»rgen sollte er zur Fürstin Laban. Welch« würde bx< stärkere sein? Wofür würde er sich entschließen?

Sie war feit entschloßen, ihrem Mann heimlich zu Wßen. Sie mußte wißen, wo dieses Mädchen wohnte >vie lauge er bei ihr blieb.

Rechts während er schlief, stand sie Heimlichs auf Und^ durchstöberte sein« Taschen, bis sie dar kleine No. ^büchlein fand, in dem er sein« Besuche bei Privat, kranken vormerkte.

Leise schlick, sie damit in da? anstoßende Dadezim- 5fEr, machte Licht und begann eifrig darin zu stu. "ieren.

Aha — vormittags waren drei Besuche mehr al» verzeichnet. Besuche bei Patienten, zu denen er °Wt immer erst gegen Abend nach der Ordination Langen war Don V,3 biz 4 Uhr hatte er die Ordi. vvtion. Nachher war überhaupt kein Besuch mehr vor. Kemerkt. Er wollte also offenbar gleich danach zu Lor« bi; znm Abendessen bei ihr bleiben I So lang«, "wgr Seit I

Oder wohnte sie vielleicht' so weit von der Stadt ^vtfernt, daß er sich' deshalb so lange frei machen "Mßte?

Nun, man würde ja sehen . . .

Am Morgen, gleich nachdem ihr Mann aukgegangen war, verließ auch Daniela das HauS. Sie bestellte sich ein geschloßene» Auto für nachmittag» vier Uhr an die Ecke der Straß«.

Dort sollte es auf sie warten, aber dann nicht gleich mit ihr frotfahren, sondern erst ihre weiteren Instruk­tionen abwarten.

Daniela» Plan war, eher unten zu sein al» ihr Mann und ihm dann unauffällig zu folgen, geichviel, ob er per Wagen, Auto oder Straßenbahn seinem Ziel zustrebte.

„So kann «9 gar nicht fehlschlagen," dachte sie.

Aber al» sie kurz vor vier Uhr leise die AuSgangS» tür öffnete, um hinunterzueilen — bei Egon war soeben die letzte Patientin eingelaßen worden — prallte sie beinahe mit Isolde zusammen, die gerade die Klin­gel ziehen wollte.

„Wie gut. daß ich Dich noch treffe," begann Isolde hastig, „ich muß Dich nämlich unbedingt sprechen. Du mußt mir einen Gefallen tun, Dana."

„Alle?, waS Du willst, nur jetzt nicht, denn ich habe eS furchtbar eilig! Ich bitte Dich, halte mich nicht auf! Wenn 'Du willst, komm« ich abends auf einen Sprung zu Dir . . ."

„Da bin ich mit Mama in d«r Oper. Karuso singt." „Dann morgen . .

„Nein, ich muß ez gleich wißen. Einen Augenblick wirst Du doch Zeit haben? Wo willst Du denn über­haupt hin?"

„Zu — zu meiner Schneiderin," log Daniela, die wie auf Nadeln stand und der in der Eile keine bes. fett AuSrede einfiel. „Es ist sehr wichtig, und wenn ich sie noch treffen will, darf ich keinen' Augenblick verlieren!"

Uolde brach in Lachen aus.

„Ach, nur zur Madam« Lampe willst Du? *?», ich garantiere Dir, daß Du sie in einer halben Stund« auch noch triffst. Die gebt jaj nie vor sieben Uhr abend» cnS! Und meine Angelegenheit ist jedenfalls wichtiger. Also komm, sei nett und opfere mir fünf Minuten. 1 Wir wollen in Dein Zimmer sehen . .

„Nein, e» geht wirklich nicht! Bitte, liebe Isolde, laß mich doch fort!"

In diesem Augenblick kam die letzte Patientin aus Heidlof» Ordinationszimmer. Daniela weinte fast vor

nr. 140.

Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Carl Schütte. ~ für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreße: Fuldaer Zeitung.

Samstag, 19. Juni 1920.

Bezugspreis: Monatlich 2,00 M. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 2,10 Mk. Anzeigenpreis: Die K l e i n z e i le (Colonelmaß) 50 Pfg^ u. 10°j, Zuschlag, die Reklamezeile (Tertbreite) 1.50 2Nk^ u. 10°/« Zuschlag. Bei Wiederhol Rabatt.

47. Zahrg.

UMÜl'AI IM—

Das amtliche Ergebnis

der Reichstagswahlen.

Das amtliche endgültige Ergebnis der Reichstags- wählen liegt jetzt vor. Danach setzt sich der neue Reichs- jag einschließlich der den Abstimmungsgebieten ange­hörenden Mitglieder aus 466 Abgeordneten zusammen. Hiervon entfallen auf das Zentrum 68 Mandate und zwar sind von diesen 68 Abgeordneten 55 in den Wahlkreisen und 6 auf der Reichsliste gewählt, g Mitglieder des Zentrums vertreten die Abstimmungs­gebiete. Die Bayerische Dolkspartei zählt 21 Mitglie­der einschließlich der 3 auf die Reichsliste gewählten Abgeordneten, sodaß

das Zentrum zuzüglich der Bayerischen Dolkspartei über 89 Sitze im Reichstag ver­fügt, ebensoviel wie in der Nationalver­sammlung.

Auf die übrigen Parteien verteilen sich die Man­date wie folgt:

Im neldjstag

hl btt

Itafionafottfammtuug

Sozialdemokraten

112

163

Unabhängige

81

22

Deutsch nationale

66

42

Deutsche Dolkspartei

62

22

Demokraten

45

74

Welsen

5

3

Bayer. Bauernbund

4

4

Kommunisten

2

O

Noch keine Regierung.

Die Demokraten machen Schrckerigketten.

Die Kabinettsbildung begegnete im Laufe des Freitag immer noch Schwierigkeiten, sodaß sie leider immer noch nicht hat vollzogen werden können. Nach­dem die Deutsche Volkspartei ihre gnmdsätz- kche Zustimmung zum Beitritt zu der Regierungs­mehrheit, bestehend aus Zentrum, deutscher Volkspar­tei und Demokraten, gegeben hatte, glaubte man in parlamentarischen Kreisen die Hoffnung hegen zu dür­fen, daß nunmehr der Weg für die eigentliche Kabi­nettsbildung frei sei. Diese Hoffnung hat sich jedoch leider getäuscht, denn nun machten die Demokra­ten Schwierigkeiten, die im wesentlichen darin gipfel­ten, daß sie sich plötzlich hartnäckig weigerten, ihren Beitritt zur Regierungsmehrheit zu erklären, solange nicht das Kabinett als solches gebildet sei. Auch verlangen die Demokraten, entsprechend ihrem vor einigen Tagen veröffentlichten Programm, daß die deutsche Dolkspartei grundsätzlich Erklärungen dahin­gehend abgibt, daß sie sich auf den Boden der repu­blikanischen Staatsform zu stellen gewillt sei. Mit dieser Haltung der Demokraten sind aber­mals neue Schwierigkeiten aufgetaucht. Sie waren Gegenstand von Verhandlungen, die im Laufe des Freitag gepflogen worden sind. Die demokratische Partei"trat zu einer Fraktionssitzung zusam­men, die den ganzen Tag dauerte und in der es zu einer Entscheidung nicht kam. Die Demokraten werden am Samstag ihre Beratungen fortsetzen.

In maßgebenden Zentrumskreisen vertritt man den Standpunkt,' daß, wenn die Demokraten sich zu einer ablehnenden Haltung entschließen sollten, Präsident Fehrenbach seinen Auftrag in die Hände des Reichs­präsidenten zurücklegen wird.

Aus deur besetzten Gebiet.

Neve Verhaftungen in Ludwigshafen Freitag morgen zwischen 4 und 5 Uhr wurden drei weitere Arbeiterführer Fischer, Dainn und Rauscher durch die Franzosen verhaftet und mit Automobilen in das Militärgerichtsgefängnis nach Landau verbracht. Sie sollen in den österlichen Ver­sammlungen am 15. Juni in Ludwigshafen aufreizeiche Reden gegen die französischen Behörden gehalten haben.

Der französische Platzkommandant Netz Plakate anschlagen, in denen er die Bewohner vor feindseligen Kundgebungen warnt. In dem Plakat wird weiter behauptet, die früher verhafteten drei Arbeiterführer hätten eine Spionagetätig­keit und Aufruhrpropaganda gegen die Besotzungstruppen getrieben, wofür die französischen Behörden die Beweise hätten. Die Franzosen haben sehr viel Truppen hier und in der Umgebung zusammengezogen.

Französische Nervosität. Eine Versammlung der (Eßern- beträte sämtlicher Wiesbadener Schulen, die dazu Stel­lung nehmen wollte, daß von den 17 Schulen der Stadt nicht weniger als 7 mit französischem Militär belegt sind, wurde durch einen französischen Offizier aufgelöst.

Schandtaten der Schwarzen. Erst jetzt wird eine schimpfliche Gewalttat der französischen Besatzungstruppen bekannt, die sich am Pfingstmontag an der Landstraße zwischen Wiesbaden und Limburg ereignet hat. Vier Marokkaner von den dort an der Grenze des besetzten Gebietes aufgestellten Posten überfielen gegen Abend zwei Mädchen aus dem benachbarten Dorf Limbach. Während das eine Mädchen sich loszureißen vermochte, wurde das andere hinter das Gebäude geschleppt und von den vier Unholden der Reihe nach mißbraucht. Die Em­pörung der gesamten Bevölkerung ist um so begreiflicher, als der im vergangenen Sommer dicht dabei begangene Lustmord an einem von Limbach nach Görsbach gehenden Mädchen, der verübt worden ist, noch ungesühnt ift

Gin neuer polnischer Gewaltakt.

Das Mitglied des Deutschen Ausschusses in Marienwerder, Dr. v. Holtum, ist auf der Reise nach Berlin von den Polen ohne jeden Grund ver­haftet worden. Gegen diese Verhaftung hat die Regierung bei der polnischen Regierung und bei der interalliierten Kommission in Marienwerder Protest eingelegt. Letztere hat daraufhin sofort bei der pol­nischen Regierung Schritte zur Freilassung des Dr. von Holtum eingeleitet.

Der Ruf nach Aufhebung

der Zwangswirtschaft.

Die Zwangswirtschaft, die die Rettung Deutsch­lands vor dem Hungertode bedeutete, wird, je länger sie besteht, um so unfähiger, die vorhandenen Erzeugniffe wirklich gerecht zu verteilen. Der Ruf nach ihrer Aufhebung beschränkt sich deshalb keines­wegs mehr auf die Produzenten. Auch die Verbrau­cher, die darunter leiden, daß die staatlich geregelte Versorgung versagt, werden kritisch und fragen sich, ob man denn nicht bester, wenn die Zwangswirt- schäft doch nicht straff durchgeführt werden tarnt, sie endlich beseitigt. Es ist z. B. bemerkenswert, daß in Esten im städt. Lebensmittelausschuß, als die schlechte Beschaffenheit des Brotes erörtert wurde, der so- zialdemokratifche Beigeordnete Krvftk erklärte, man muffe mit aller Kraft für die Aufhebung der Zwangswirtschaft eintreten, weil sie allerorts Banke­rott gemacht und der Bevölkerung mehr Nachteile als Nutzen gebracht habe. Dieselbe Stttffoffimg spricht aus einer Zuschrift, die uns soeben aus unfern Parteikrei­sen zugeht. Sie lautet:

Bei dem offensiLtlichen Abbröckeln der Zwangs­wirtschaft dürfte eS sich empfehlen, um ihre beschleunigt« Aufhebung auf den Reichstag einzuwirken, wozu tn erster Linie Vereine und Korperationen berufen sind.

Die Zwangswirtschaft, die im Durchschnitt nur mangelhaft ihren Zwecken gedient, ist längst überlebt und wirkt nur noch nachteilig, weil sie eine Gesundung deS Wirtschaftslebens verhindert. Wenn heute der kleine Laib Brot Mk. 4,10 nächstens gar Mk. 6,— kosten soll und daS Pfund Fleisch bereits über 10 Mk. kostet und von den Kriegsgesellschaften die SeifenherstellungS« und Vertriebsgesellschaft Berlin herauSgeariffen, die Preise für deutsche Seife innerhalb 8 Monate für Toilettenseife von Mk. 10,— bis Mk. 50,— Kernseife von Mk. 8,— bis Mk. 33,33 und K. A. Seifenpulver von Mk. 1,80 bis Mk. 14,— per Kilo hinaufgesetzt worden sind, ist die Unfähigkeit der Zwangswirts chaf t erwiesen.

Die Konkurrenz de» leicht beweglichen freien Handels, würde hier für besseren Ausgleich sorgen, wenn die

Einfuhr für lebensnotwendige Waren gestattet, und die Ausfuhr inländischer Erzeugniße, bevor der heimische Bedarf ausreichend gedeckt, verboten würde.

Die große Zahl der Beamten in der Zwangs wirtschaft, deren Tättgkeit unproduktiv und dreifach noch über da» Bedürfnis hinauSgeht, bildet eine große steuer­liche Belastung, deren Beseitigung damit ebenfalls gegeben wäre. __

Es ist notwendig solche Aoußerungen bekanntzu- geben, damit man in Berlin erfährt, wie man im Lande über die Zwangswirischast und Kriegsgesell» schaftm den«. Die Oesfentlichkeit mutz einmal zuver- lässige Aufklärung erhalten über das Kapitel Zwangs- wirstchaft und Kriegsgefellfchasten. Wir verzichten aber auf eine Aufklärung von den Kriegsgefellfchasten selbst, wir erhoffen sie vielmehr vom Parlament, in dem viele neue arbeitsfreudige Kräfte sich sicher gern in einem Ausschuß dieser Frage widmen würden. Ein solcher Ausschuß würde zu prüfen haben, in wieweit die Zwangswirtschaft mit absoluter Notwendigkeit auf­recht erhalten werden muß. Nur soweit ein solcher absoluter Zwang besteht, kann heute von der Auf- rechterhaltung der Kriegsgesellschasten und der Zwangswirtschaft noch die Rede sein. Hat nicht etwa bße Fleischversorgung Mn seit Wochen tatsächlich Bankrott gemacht? Wozu sie da noch beibehalten? Gründe persönlicher Art, wie etwa die Beschäftigung von Angestellten dürfen heute unter keinen Umständen die Erhaltung solcher Einrichtungen rechtferttgen. Im Geaentell, wenn man das wasserkopfartige Anschwel- len' des Apparates der Versorgungsorganisation ver- folgt hat, dann muß man wünschen, daß dieses Be- amtrnheer so bald wie möglich abgebaut werde, das die bewirtschafteten Waren nur verteuert.

** Karlsruhe, 17. Juni. Sn der heutigen Sitzung des badischen Landtages wurde einstimmig ein von Vertretern aller Parteien unterschriebener Antrag an­genommen, einen aus neun Vertretern bestehenden Ausschuß einzusetzen, um mit der Regierung über die Möglichkeit und die Wege zur Be- seitigung der Zwangswirtschaft zu be­raten und dahingehende Beschlüsse des Landstags vorzubereiten.

wtb Bersin, 18. Sunt Halbamtlich wird erklärt:

Gegenüber unzutreffenden Angaben der „Dost. Ztg." über bevorstehende allgemein« Aufhebung der Zwangs- wiri fchaft zmn 1. Oktober wird bemerkt, baß das Reichs« Ministerium an eine Aufhebung der Zwangs­wirtschaft zmn 1. Oktober nicht gedacht hat und nicht denkt. Schon im Hinblick auf die allgemeine Ernährungslage würde eine solche Maßregel die größten Gefahren mit sich bringen. Für die wichttchten Nahrungs- tnj*tel kann für die nächste Zukunft an ein« Freigabe nicht gedacht werden. Dos gilt nicht.nur für Ge­ir eine und Milch, sondern z. B. auch für Fleisch. Soweit als möglich, soll wieder die frei« Einfuhr zugelasien werden, zunächst für Nsche, Gier, frisches Ge­müse und Obst mit Ausnahme von Luxusobst und Süd­früchten, später auch soweit möglich, für andere Lebens­mittel. Bei der heutigen Emährungslage wär es irnret- antwortlich, wenn nicht olles geschähe, was unsere Er­nährung durch reichlich« Zufuhren aus dem Ausland ver- beffem und verbilligen kann. Als weitere Folge tiefer Wiederherstellung des freien Handels ergibt sich dann auch die feit langem vom Volke mit Recht geforderte Ver­minderung der Kriegsgesellschaften, an deren Abbau das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein wesentlich beschleunigtes Tempo ein- schlägt. Für diejenigen Nahrungsmittel, die die Grund­lage der Ernährung bilden, kann jedoch eine Lockerung oder Aushebung der Zwangswirtschaft erst in Frage kom­men, wenn Sicherheit besteht, daß bei freier Wirtschaft für jeden die Deckung des Bedarfs zu erträglichen Prei­sen möglich ist.

Deutsches Reich.

* Derktn, 18. Sunt Der Reichspräsident wendet sich mit einem Erlaß an die Marine und for­dert Offiziere und Mannschaften zu gewissenhafter

Zorn und Ungeduld. Mit Gewalt wollte sie «m der Schwester vorüber. i

Aber Isolde war mm aufmerksam geworden.

„Sieh, sieh." sagte sie mit eigentümlichem Lächeln, „wir haben also auch kleine Heimlichkeiten! Desto bes­ser! Dann werden wir uns um so leichter verstau, digen. Du brauchst Dich wirklich nicht so zu eilen — auf fünf Minuten früher oder fpäter kommt «S doch wirklich nicht an . .. selbst wenn man ein Rendez. vous bat!* i

DcmielaS Widerstand erlosch plötzlich. Die Tür von HeidlofS Zimmer hatte sich geöffnet und er trat, zum ÄuSgehen angezogen, in» Vorzimmer.

„Zu spät Nun ist alles zu spät!* dachte Daniela verzweifelt und lieh sich von Isolde in» Zimmer ziehen. j

Stumm Heg sie sich kork auf einen Stühs fallen und legte mechanisch Hut und Handschuhe ab.

„Du legst ab? Ich dachte. Du müßtest auSgeyen. sagte Isolde.

„I^tzt nicht mehr. Du hast mir alle» verdorben!" stieß Daniela erbittert heran».

„I ch?" Isolde schüttelte verständnislos den Kopf. Plötzlich lachte sie amüsiert auf. „Ah — jetzt ver­stehe ich erst! Du wolltest wohl ein bißchen Privat­detektiv spielen? Du bist ja immer eifersüchtig auf Deinen Mann! Eine gräßliche Eigenschaft übrigen», liebe Daniela . . . jawohl, ich kann es Dir au» Er­fahrung sagen, donn Georg besitzt sie leider auch, und ich ärgere mich zuweilen krank darüber. So sehr, daß ich dann erst recht tue, wa» er mißbilligt! Na — nebenbei bemerkt, kannst Du froh sein, daß ich' da­zwischen kam! Männer vertragen das Nachspionieren noch schlechter. Entweder sind sie unschuldig, dann lehnt sich ihr Swlz auf, oder sie sind schuldig u'ttb las. fen ihren Aerger, sich ertappt zu sehen, erst recht die Frau entgelten. Speziell Egon würde Dir nur schwer verzeihen, wenn er wüßte, daß Du Dich in Deiner Eifersucht so weit vergiß:!"'

Daniela starrt« schweigend bor sich hi». Sie hatte kamn zugehört. Wa» ging sie Isolde» Ansicht an? Die war jo gong ander» veranlagt al» sie selbst und konnte sie gar nicht verstehen. Ach, niemand kannte sie der. stehen — nicht einmal Mama, wie sie 'n letzter Zeit oft merken mußte . - .

(Fortsetzung folgt V

Pflichterfüllung und zur Treue gegen die Verfassung, Gesetze und Dienstordnung auf. — Nach einer bisher unbestätigten Meldung soll die amerikanische Regie­rung den Abschluß einer 14 Millionen-Dollar- An leihe an Deutschland genehmigt haben. — Der neue brasilianische Geschäftsträger und der neue perua» msche Gesandte sind in Berlin eingetrvffen und haben ihre Beglaubigungsschreiben überreicht. — SnFlens. bürg such die deutschen Truppen unter dem _ Sudes der Bevölkerung eingezogen und mit großen Feierlich­keiten empfangen worden. — Die „Neue badich- Lan» deszeitmrg* erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß die ehemalige deutsche Kaiserin in Holland so schwer krank ist, daß eine schlimme Wendung zu be­fürchten steht.

• Zum Schulstreik in H'vne wird von dort gemeldete Eine den berechtigten Forderungen der koch. Eltern entsprechende Lösung ist bei dem Widerstande der Re­gierung bisher nicht ein getreten. Die Sozialdemokraten versmHm durch fortgesetzte „AufNärungsversaunnluu- gen", den Streik zunichte zu machen. Ein ungläubiger Lehrer nach dem andern tritt auf, um an der Ver­hetzung der Massen gegen die kath. Elternausschüsse teilzunehmen Dort redet man von den „umgeichwarz- ten Teufeln", der „schwarzen Kanaille" von ,-fcmatr. scheu Eiferern die die Kmderseelen vergiften fallt über „die schwarze Brut" her. Was, sich tn dlc,en Versammlungen breit macht, ist gehässigste Rengrom,- spötterei und ödestes Freidenkertum. Was gläubigen Katholiken heilig ist. wird in diesen Versammlungen geleugnet und mit Spott und Hohn besudelt. Verharrt die Arnsberger Regierung weiter in rhrer Haltung, systematisch katholische Schulsysteme nut ungläubigen Lehrern zu belasten und wird sie nicht bald den berech­tigten Forderungen der kath. Elternschaft entgegen« kommen, so wird der Generalschulstrerk des ganzen Ruhrgebiete» ihr die Antwort geben.

* Seine personenlariferhohung der Eisenbahnen. Die „Augsburger Abendzeitung" erfährt aus dem Reichsverkehrsministerium, Zweigstelle Bayern, daß vorerst nicht die Absicht besteht, die Personentarife zu erhöhest. Die Beratung über die Gesamttarife ist noch nicht abgeschlossen. Voraussichtlich werden aber tue Gütertarife noch weiter und zwar vorläufig um 30 bis 50 Prozent erhöht werden müssest.

* Ein einheitliche, Südwestdeutschland'. ^nt Badi­schen Landtag wurde die Frage des Zusammenschlusses von Baden und Württemberg erörtert, Vertreter der Derrtschnationalen Vvlkspartei und Sozialdemokratie traten lebhaft für eine Zusammenlegung der badischen und württembergischen Staatsverwaltungen nut Ein­schluß von Hessen und Hohenzollern ein. Da» Sen« trum sagte, die Frage sei nicht so einfach zu losen Der badische Staat sollte an dem geringen Maß von Selb- ständigkeit daö er noch besitze, auch weiterhin festhalten.

Ausland.

• Das Kabinett Giolilti in Stalien hat sich jetzt end­gültig gebildet. Es umfaßt drei Radikale, drei liberale Demokraten, einen Liberalen, zwei Katholiken, einen Reformsoziasisten, einen unabhängigen Sozialisten und drei parteilose Senatoren.

* Belgischer Fanatismus. Sn Namur wurde eine Anzahl Industrieller verhaftet, die mit den Deutschen Handel getrieben haben sollen. Unter den Verhafteten befinden sich drei Direktoren von Bergwerken, verfchie- dene Aufsichtsräte von Gesellschaften, Prooyen-Keyser, der gleichzeitig holländischer Vizekonsul ist, ferner der italienische Vizekonful unb der Vorsitzende der Han­delskammer.

** Frankreich. Das französische Kriegsministerium gibt bekannt, daß im Kriege auf französischer Seite 1,358,872 Mann gefallen sind, darunter sind 361,854 Mann als vermißt gemeldet.

** Die lieben, braven Senegalnigger! In der französischen Kammer erhob nach Beratung des Etats deS Kriegsministeriums der Kriegsminister Andre Lefevre Widerspruch gegen die Angriffe von deutscher Seite auf die schwarzen Truppen, da» heißt die Senegalesen. Diese gaben keinen Anlaß zu Beschwerden (!) seitens der Bevölkerung, hielten vielmehr Disziplin und achteten die Bewohner (!). Tie von ihnen hervorgerufenen Zwischenfälle seien weniger zahlreich als die bei anderen Truppen. — Mit der letzten Behauptung mag er recht haben, die anderen Besahungstruppen finö auch nicht besser.

* Reue polnische Niederlage. Die polnisch« Tele- graphen-Agentur erhält folgenden Drahtbericht: Offen­sive zufammengebrochen. Bolschewisten haben heute nacht die Umzingelung vervollständigt, Verluste fehv groß, namentlich Artillerie. Wir halten Rowno bis Podols. Pinsk Kampf andauert. — Sn Ergänzung dieser Meldung sind bei dem Leiter der polnischen Ab- stimmungspropaganda in Oberschlesien Nachrichten ein­gegangen, wonach die Polen 165 Geschütze verloren haben, 2 Regimenter Kavallerie aufgerieben wurden und 30 000 Mann in bolschewistische Gefangenschaft gera­ten sind. Die Front von Dünaburg bis Podolsk ist imi Zurückgehen. Bei Kiew sind die Polen bis auf Pinsk zurückgegangett, wo, wie die angeführte Meldung der polnischen Telegraphen-Agentur besagt, das 3. und 7. Korps (General Podocki) umzingelt sind, deren Ka­pitulation für die nächsten Tage erwartet wird. Sn ganz Polen ist die Aufregung ungeheuer.

* Die Lage in Mittelasien. Die unsichere Lage 'm Mittelasien wird von der englischen Presse aufmerk- sam verfolgt. Die türkischen Nattonalisten im Santa» fus scheinen an Stärke gewonnen zu haben und die Bolschewisten stehen an der Nordgrenze Persiens. Die Unzufriedenheit der Araber macht die Lage in Syrien und Mesopotamien bedenklich. Die englische Oppo- sitionspresse verlangt Aufklärung darüber, welche Po- lttik die Regierung in Mesopotamien verfolgt. Eine iw Oberhaus vorgesehene Debatte über die mesopotamische Frage wurde auf Ersuchen des Außenministers aus nächste Woche verschoben.

Zur Reichsschul-Konferenz

ee9t uns ans unterem Leserkreise folgende Zuschrift gu:

Oie Reichsschulkonferenz, di« den Plan der gewal­tigsten Schulreform entwerfen soll, die Deutschland j« erlebt hat, hat sich auch mit 2 Problemen auseinander zu fetzen, deren Lösung nicht bloß (Eltern und Lehrer angeht, sondern alle Kreise unsere» Volke».

Da» erste stellt die Frage: Gibt eg eine vollwertige Bildung ohutt umfangreiche fremdsprachliche 4 Kenntnisse?